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Dienstag, 17. Februar 2015

AUDIE UND DER WOLF (Audie and the Wolf 2008 B. Scott O'Malley)


Er ist der letzte Wolf, der vor vielen Generationen mit einem Indianerfluch belegt wurde. Beschützt lebend beim letzten Indianer der sein Geheimnis kennt, verwandelt er sich bei Vollmond immer in einen Menschen. Nun ist der alte Mann tot, der Wolf muss flüchten, denn auch ihn will man töten. Und so landet er dort, wo er laut des alten Indianers niemals landen darf: unter Menschen. Zu dumm dass der Wolf jedes Mal wenn er sich in einen Menschen verwandelt sein Gedächtnis verliert. Sein Hunger nach Fleisch lässt ihn Menschen töten. Versteckt in der Villa seines ersten Opfers wohnend lernt der die schräge Audie kennen, die sich schon immer für Außenseiter interessiert hat. Aber ob die dem erinnerungslosen Mann wirklich helfen kann?...


Indianischer Wermensch...

Ob das verdrehte Angehen der Werwolfs-Thematik nun ein gewitzter Aspekt ist oder nicht, darüber kann man sicherlich streiten. Mich hat diese Idee gelockt, aufgrund des Covers wissend dass es in komödiantischer Form umgesetzt wurde. Zwar hatten mich die Szenenfotos kritisch werden lassen, da sie etwas arg albern wirkten, neugierig wie ich bin habe ich dem recht unbekannten Werk trotzdem eine Chance gegeben und siehe da: er funktioniert. Zwar ist der Komödienschwerpunkt dominant und der des Horrors kaum gegeben, aber „Audie und der Wolf“ reicht dem Horror-Fan versöhnlich die Hand in dem er für seinen Schwerpunkt unerwartet blutig daher kommt und auch die Kettensäge nicht in der Garage stehen lässt.

B. Scott O‘Malley, der zuletzt 1997 für sein Filmdebut namens „Black Future“ verantwortlich war, liefert 11 Jahre später mit seinem zweiten und bislang letzten Film eine hemmungslose Komödie ab, die zwar im Blut schwimmt, glücklicher Weise aber kein Splatstick a la „Braindead“ oder „Dead Snow“ geworden ist, sondern den Lebenssaft fast schon nebenbei fließen lässt. Er ist die groteske Randerscheinung der Extreme in welche sich das Verhalten des Wolfsmenschen aus Verzweiflung hochschaukelt.

Das wirklich tolle an „The Evil Mad“ (Alternativtitel) ist seine unverkrampfte Art. Der Film soll sich nicht über Coolness retten, sein Hauptdarsteller ist sich keiner Peinlichkeit zu schade, meistert diese Aufgabe aber mit Würde anstatt selbst peinlich zu werden, und der Autor stürzt sich mit Freude in die Grundidee der verdrehten Werwolfthematik und denkt deren Konsequenzen aus Komödiensicht immer weiter und lässt sich dabei nicht beirren.

In Anlehnung an eben erwähnten „Braindead“ werden ein paar Zombies im Keller gehortet, die Opfer des Wolfmenschen sterben nämlich leider nicht wirklich. Aber selbst diese Idee verkommt nicht zur blassen Kopie, sind die Zombies doch keine hirnlosen Monster, sondern noch immer zivilisierte Wesen, die zunächst nicht verstehen oder akzeptieren dass sie tot sind und zudem nicht verstehen was sie in diesem Keller sollen. Dabei ist die Antwort ganz klar: John Doe, wie der Wolfsmensch von Audie genannt wird, hat keinen Plan. Irgendwie wird schon alles wieder gut gehen.

Natürlich wird es das nicht und die Situationen werden immer extremer und die sinnbildliche Schlinge schlingt sich immer mehr um Johns Hals. Interessanter Weise ist er dabei meist auf sich allein gestellt, ist Audies Part doch keineswegs so dominant wie der Titel vermuten lässt, obwohl sie tatsächlich die zweitwichtigste Figur dieses Filmes ist. Tatsächlich ist „Audie & the Wolf“ (Originaltitel) aber eine One Man-Show, und da tut es der Rolle der fast schon beiläufigen Audie gut, dass sie so individuell ausgefallen ist und auf einer wirklich witzigen Idee fußt: Audie gerät immer an die Falschen.

Erst Psychopathen und Süchtige - und nun der menschenfressende John Doe, dessen Geheimnis Audie zwar nicht kennt, aber die vielen Eigenarten wie das Pinkeln dort im Haus wo es John gerade passt und das gierige Verschlingen von Fleisch hätten andere Frauen längst flüchten lassen. Es kommt wie es kommt: Audie verliebt sich gar in den tierischen Außenseiter, erkennt zwar nicht die Problematik Johns, macht ihn aber mit Teufelsanbetern, einem dementen Pfarrer und einem trunksüchtigen Arzt bekannt, da John um Hilfe bittet und glaubt etwas Böses in sich zu tragen.

Wie man heraus liest hat „Audie und der Wolf“ immer etwas zu erzählen, und es kümmert niemanden ob das nun alles logisch ist oder nicht. Man versucht den Irrsinn durch ein „was wäre wenn“-Denken möglichst in die Realität zu integrieren, so dass Vermisste logischer Weise gesucht werden oder denkende Zombies logischer Weise nicht ewig kampflos im Keller verweilen, aber letztendlich ist die Komödie solch ein hemmungsloser Comicstrip, dass jegliches Scheitern der Glaubwürdigkeit kein bisschen schadet, eben weil die Kurzweile und die unverkrampfte Art, die niemandem etwas beweisen möchte, hier regiert. Das ist eigentlich eine längst vergessene Kunst im Filmgeschäft, erst recht im Bereich der Horror-Komödien.

Auf viel Gegenliebe wird „Audie und der Wolf“ nicht stoßen, richtet er sich doch an ein Randpublikum und somit weder an das des Mainstreams noch an das des alternativen Mainstreams, welches sich mit den im Laufe der Review genannten Filmbeiträgen abspeisen lässt. O‘Malleys Werk ist eher etwas für Freunde des 80er und 90er Jahre-Kinos, die gerne mal wissen wollen wohin sich die Filmkunst des Popkorn-Bereichs entwickelt hätte, wenn man weiterhin an Stärken dieser vergangenen Dekade festgehalten hätte, bevor sich Coolness, ein Spezialeffekte-Wahn, Inhaltsarmut und mangelndes Psychologie-Verständnis im Kino breit machten. „Audie und der Wolf“ guckt sich keinesfalls selbst wie aus besagten Jahrzehnten stammend, er ist kein blasser Versuch Vergangenes wiederzubeleben. Aber meiner Vorstellung nach ist er ein Beispiel konsequenter Weiterführung des 80er und 90er Jahre-Gedankens wie ein trivialer Unterhaltungsfilm auszusehen habe.


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