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Donnerstag, 26. Mai 2016

DAS RÄTSEL DES SILBERNEN HALBMONDS (Sette orchidee macchiate di rosso 1972 Umberto Lenzi)


Ein Unbekannter ermordet Frauen und hinterlässt am Tatort silberne Halbmonde. Auch Giulia wird von dem Mörder attackiert, überlebt jedoch ohne dass der Täter sich dessen bewusst ist. Im Schutz ihres scheinbaren Todes ermittelt Giulia zusammen mit ihrem Ehemann Mario. Dabei sind sie der Polizei mit ihrer Spur immer einen Schritt voraus...


Ein Heroin-süchtiger Sünder zur Ablenkung...

In den späten Jahren der langlebigen Rialto-Edgar Wallace-Serie die 1959 startete, übernahmen die Italiener das Ruder der ursprünglich deutschen Reihe, die hin und wieder Unterstützung aus England erhielt. Horst Wendlandt als Produktionsleiter und Uschi Glas in der weiblichen Hauptrolle blieben als deutsches Relikt erhalten, der Rest lag in italienischen Händen und formte aus den letzten Beiträgen der einst sich hauptsächlich auf klassische Grusel-Krimis konzentrierenden Reihe waschechte Giallos, was vielen Freunden der deutschen Wallace-Filme nicht gefiel.

Dabei war dies nur konsequent zu nennen, gilt die Rialto-Wallace-Reihe doch als Vorläufer der in Italien so beliebten harten Kriminalfilme, so dass der Vorbereiter dieser reizvollen Werke, die großteils in den 70er Jahren entstanden sind, zum Ende hin selbst Teil dessen wurde was er erschuf. Die Regie übernahm Umberto Lenzi, der auch am Drehbuch mitbeteiligt war. Ob tatsächlich ein Wallace-Roman als Vorlage diente oder der Name des in den 30er Jahren verstorbenen britischen Autors lediglich nur noch Alibi-Funktion besaß, kann ich nicht beurteilen, stark verändert muss seine Vorlage so wie in den meisten Fällen der Rialto-Reihe jedoch definitiv gewesen sein, ist Lenzi doch ein recht düsterer Vertreter des Giallos geglückt, auch wenn er (zumindest in der deutschen Version) recht unblutig ausgefallen ist.

Das positive Ergebnis überraschte mich ein wenig, habe ich von Umberto Lenzi bislang doch immer nur mittelmäßige Arbeiten gesichtet. Zwar war nie ein wirklich schlechter Film dabei, aber gut sieht anders aus, und über „Das Rätsel des silbernen Halbmonds“ kann man wahrlich nicht meckern. Mag Uschi Glas auch so unglaubwürdig spielen wie sie es in ihrer kompletten Karriere als „Schauspielerin“ immer tat, so muss man doch fairer Weise bei der Wahrheit bleiben und hinzufügen dass gekonntes Schauspiel nur selten Pluspunkt im italienischen Giallo war.

Und so liegt das positive Ergebnis hauptsächlich wieder einmal in der gekonnten Umsetzung des Streifens, der uns eine rätselhafte Geschichte präsentiert, in welcher, typisch Giallo, ein mit Lederhandschuhen bekleideter Killer zum Messer greift und Privatpersonen parallel zur Polizei ermitteln. Wo in vergleichbaren Werken die Polizei gerne stark in den Hintergrund rückt, da ist sie hier noch recht stark präsent, auch wenn sie Ermittlungs-technisch nur die zweite Geige spielt. Wie so oft ist die Auflösung eigentlich ziemlich egal, das Mörderraten bereitet dennoch Freude, und Sinn macht die Auflösung auch, zumindest fällt sie nicht so löchrig und widersprüchlich aus wie in den billiger verfassten Drehbüchern des auf die Schnelle gedrehten Sub-Genres.

Ein stimmiger, sympathisch monotoner Soundtrack trägt ebenfalls zur gekonnten Umsetzung bei. Hauptsächlich darf man es aber Lenzis Gespür für den Aufbau nervenkitzelnder Spannungsmomente verdanken, dass „Puzzle of the Silver Half Moons“ (Alternativtitel) so positiv ausgefallen ist, auch wenn er nicht zu den wahren Größen seiner Filmgattung zählt. Die häufig in Dunkelheit eingefangenen Bilder, die Ausweglosigkeit der sich die meisten Opfer ausgesetzt sehen und der nüchterne Blick auf die grauenhaften, wenn auch harmlos abgefilmten, Erlebnisse bescheren Lenzis Film das Feeling welches ihn zu einem solch angenehmen Vertreter des Thrillers werden lässt. Und da man als Zuschauer während der Ermittlungen auch immer an die Hand genommen wird und jede neu errungene Erkenntnis der Hintergründe mitbekommt und versteht, ist man auch mittendrin im Geschehen und weiß sich somit auch für die Handlung zu interessieren und nicht nur für die inszenatorische Wirkung.


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