Freitag, 21. Dezember 2012

SUMMER SCHOOL (1986 Carl Reiner)


Der lässige Sportlehrer Shoop muss ungewollt für den Englischlehrer der Sommerschule einspringen. In der Klasse gibt es nur Freaks und Versager. Zunächst lassen Lehrer und Schüler es gemütlich angehen, als aber Shoops Job auf dem Spiel steht, heißt es ranklotzen. Die Schüler müssen das Klassenziel erreichen. Dafür müsste Shoop jedoch unterrichten können. Also sucht er sich Hilfe bei einer attraktiven Kollegin, die mit dem stellvertretenden Schuldirektor liiert ist...


Lernen im Sommer...

„Summer School“ bietet eine nette Geschichte, kommt trotz Albernheiten und Möglichkeiten zum Klamauk eher lockerflockig daher und umgeht auch sonst so allerlei Fehler.

So ist es z.B. erfreulich, dass nicht nur den Teenagern Aufmerksamkeit geschenkt wird, sondern auch den erwachsenen Charakteren. Mehr noch, die Hauptrolle ist ein Erwachsener, was in einer Teenagerkomödie nur deshalb funktionieren kann, weil dieser Lehrer selber noch sehr unreif ist. Nun wird Mr. Shoop, so sein Name, aber nicht komplett infantil dargestellt, wie man es aus den eher schlechten, mit ähnlichem Anliegen gewollten, Adam Sandler-Rollen kennt. Gezeigt wird ein Mann, der bisher auf seinem Reifestand zurecht kam und sich nun mit neuen Situationen konfrontiert sieht. Shoop lernt Verantwortung zu tragen, scheut sich auch nicht vor Fremdhilfe. Dieser Charakter wirkt echt, obwohl er vor Klischees theoretisch nur so strotzt, ein gutes Drehbuch und dem leider zu unbekannten Mark Harmon sei Dank.

Kirstie Alley wirkt zwar, ist aber nur zweitrangig wichtig und dementsprechend auch nur zu eindimensional charakterisiert. Unklarheiten warum ihr Figurentyp auf den stellvertretenden Schuldirektor steht, ein Schleimer in Reinperson, müssen für die comicartige Inszenierung in Kauf genommen werden. Denn nichts anderes ist dieser Film. Er ist ein spaßiger Comic, ernste Themen funken nur ganz kurz auf, die lustigen rutschen nie in unangenehme Gebiete ab.

Ganz gefährlich wurde es dafür im Gebiet der Charakterzeichnung der Jugendlichen. Wenn ein Film von versagenden Teenagern handelt, so präsentiert er im komischen Bereich oft nur alberne Vollspacken. Die Kids hier nehmen aus unterschiedlichen Gründen an der Sommer-Pflichtschule teil, und die Idioten unter ihnen sind zwar teilweise überzogen dargestellt, aber nicht ohne Sympathie. Kreissäge wird sogar trotz all seiner Idiotie zu einem der liebenswertesten Charaktere.

Die Teens sind großteils gut ausgesucht worden, wer nicht positiv auffällt spielt zumindest akzeptabel. Negativ fällt keiner auf. Die Rolle der verträumten Schülerin, die sich in Shoop verliebt, strotzt ganz unauffällig vor Talent, auch wenn ihr Handlungsstrang zu den eher uninteressanten gehört. Auch hier blitzen Klischees lediglich auf, man badet nicht komplett in ihnen.

Dies ist ohnehin Schwerpunkt von „Summer School“. Man spielt mit den Klischees, um sie dann doch zu umgehen. Klassisch dürfen wir die attraktive Austauschschülerin erleben, augenzwinkernd stoppt Regisseur Carl Reiner ihr Ausziehen am Strand. Fast hätte sie ihr Oberteil ausgezogen, früh genug zeigt Reiner uns aber den Stinkefinger auf lustige Art. Denn das Oberteil wird nicht ohne Witz angelassen. Wer Brüste sehen will kann eben jene Teenfilme gucken, die zur Masse gehören.

Lobenswert ist auch die deutsche Synchronisation, welche wirklich allen Figuren passende Stimmen beschert hat. Hier fällt höchstens wieder Kreissäge negativ auf, ich persönlich mag aber die übertriebene Idioten-Stimme.

Zum Schluss bleibt mir nur zu sagen, dass man sich diesen Streifen unbedingt auf Video anschauen sollte. In den Fernsehfassungen fehlten nicht nur Szenen zum Jugendschutz (z.B. obszöne Gesten im Klassenzimmer und ein Kurzgespräch über die sexuelle Orientierung des Co-Direktors), sondern auch wundervolle Gags. So fehlt z.B. eine Szene, in der eine Fahrschülerin urplötzlich rechts ran fährt. Auf die Frage warum sie dies mache: Auf der anderen Straßenseite kam ihr ein Auto entgegen. Klar! Das sind Flachköpper, aber die runden den Film einfach so wunderbar ab.

Tiefsinnigkeit bekommt man hier ohnehin nur kurz aufblitzend geboten. „Summer School“ soll einfach das sein, was den Schülern des Films verwehrt blieb: sinnfreie Kurzweile, kurz das was eigentlich die Sommerferien bieten sollten.

Das einzige, das ich persönlich vermisste, war ein verstärkter Blick auf die Parallelklasse. Dort befinden sich nur freiwillige, strebsame Schüler. Ein Konflikt zwischen Strebern und Freaks wäre sicherlich ebenfalls lustig gewesen. Vielleicht hätte der Film dann aber auch zu sehr in eine andere Richtung geschwenkt und wäre doch wieder das geworden, was er zum Glück nicht geworden ist: Routine.


Trailer,   OFDb

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