DER WACHSBLUMENSTRAUSS (Murder at the Gallop 1963 George Pollock)


Als Miss Marple gemeinsam mit ihrem Freund Mr. Stringer beim Sammeln für wohltätige Zwecke in das Haus des zurückgezogen lebenden Mr. Enderby gerät, erleben sie per Zufall dessen überraschendes Ableben mit, ausgelöst durch eine Katze, jene Gattung Tier vor welcher der reiche Mann eine große Angst hatte. Aus diesem Grund vermutet Miss Marple einen Mord. Inspector Craddock möchte von solchen Phantastereien nichts hören, also ermittelt die alte Dame auf eigene Faust und stößt dabei recht schnell auf eine weitere Leiche...


Alte Klatschtante und Schnüfflerin...

Nachdem Miss Marple in ihrem ersten Abenteuer "16 Uhr 50 ab Paddington" noch einen Fall basierend auf ihren eigenen Romanen klären durfte, bediente man sich für die Fortsetzung an einer Buchvorlage, in welcher eigentlich Poirot auf Mördersuche war. Aufgrund der starken Veränderung der von Margaret Rutherford dargestellten Kriminalistin im Vergleich zur Roman-Miss Marple ist dies auch gar keine schlechte Idee, und so ist dem Team des Vorgängers mit "Der Wachsblumenstrauß" eine Fortsetzung gelungen, die dem Vorgänger kaum in etwas nachsteht. In jüngeren Jahren bevorzugte ich gar das Sequel, hat es doch die extremeren Morde zu bieten, eine etwas größere Portion Humor mit an Bord, und mit wenig Seherfahrung wusste einen auch die Auflösung zu überrumpeln. Mit geschulterem Blick weiß man, dass man heute nicht mehr so überrascht über die Täteraufdeckung wäre, so oft wie besagte Person für ihre eigentliche Nebensächlichkeit ins Geschehen gerückt wird. Aber der Moment der Aufdeckung selbst bleibt Highlight genug, streift diese Szene doch den Gruselbereich, was gerade mit jüngeren Jahren zu funktionieren weiß. Zudem ist der Gesamtfilm trotz erhöhtem Humorpotentials düsterer ausgefallen, auch das wusste mich einst zu begeistern.

Heutzutage gefällt es mir am Vorgänger, dass er diesbezüglich schlichter daher kommt und vieles von dem was die Fortsetzung lauter präsentiert subtiler beinhaltet. Aber das ist ein Qualitätsunterschied, der sich nur im sehr strengen direkten Vergleich ausfindig macht, reicht "Der Mörder sitzt am Tisch" (Alternativtitel) doch fast nahtlos an das Niveau des ersten Teils heran und ist inmitten einer vierteiligen Reihe, in der jeglicher Teil hochwertig ausgefallen ist, noch jener der am ehesten mit dem Erstling konkurrieren kann. In manchen Punkten hat er gar von beiden Werken die Nase vorn, sind doch diesmal die ebenfalls verdächtigen Randfiguren intensiver charakterisiert und interessanter besetzt, so dass man tatsächlich im Gegensatz zum Vorgängerfilm in Versuchung kommt einem von ihnen den Mord zuzutrauen. Aber wie gesagt ahnt man eigentlich recht schnell wer tatsächlich die Erben über die Klinge springen lässt. Dennoch hält die zu erwartende Finalaufdeckung eine Überraschung bereit, die nicht jeder voraussieht, befindet sich in der Vorphase zu den Hauptgeschehnissen doch ein alles veränderndes Geheimnis, das noch einmal betont wie tückisch der Mörder von Anfang an vorgegangen ist.

In der Besetzung sticht neben den üblichen Mimen der Reihe Robert Morley als Hector Enderby hervor, der den Humor wie so oft auf seiner Seite hat. Seine ohnehin schon originelle Figur ist in der Deutschvertonung mit einer unglaublich charakterlichen Stimme gesegnet, so dass diese erneut eine ernstzunehmende Konkurrenz zum Originalton darstellt. Trotz der Anhäufung größerer Schauwerte, wie besagter Gruselaufdeckung, dem bestialischen Mord in welcher ein Pferd als Tatwerkzeug dient, dem herrlich modernen Tanz von Miss Marple und Mr. Stringer, oder dem etwas reißerisch geratenen Aufhänger um eine Katze als Methode jemanden zu Tode zu erschrecken, weiß auch "Murder at the Gallop" (Originaltitel) zusätzlich in seinen stillen Tönen und dem psychologischen Verständnis seiner Figuren zu trumpfen. "Der Wachsblumenstrauß" ist ähnlich raffiniert und clever erzählt, wie es bereits der erste Kriminalfall Miss Marples war. Aufgrund seiner flotteren Umsetzung wird ein ungeduldigeres Publikum gar mehr Gefallen an der Fortsetzung finden können, als am ruhiger angegangenen Erstling. Welchen Teil auch immer man bevorzugt, beide Filme gehören zu den absoluten Highlights des britischen Kriminalfilms und erscheinen mir tadellos inszeniert. Ich wüsste nicht wie man einen von beiden Film aufbessern könnte, so genial wie beide ausgefallen sind. Glücklicher Weise behielt man auch den erfolgreichen Soundtrack des Vorgängers bei, so dass wirklich so ziemlich alles was man in Teil 1 liebgewonnen hat, hier erneut seinen Platz oder gar eine Erweiterung findet.


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