SUMMER OF 84 (2018 Francois Simard u.a.)


Als im Sommer 1984 aufgrund eines Bekennerschreibens bekannt wird, dass ein Massenmörder in der näheren Umgebung von Daveys Wohnort seit 10 Jahren sein Unwesen treibt, beginnt der gelangweilte 15jährige zusammen mit seinen drei gleichaltrigen Freunden seinen Nachbarn, den Polizist Mackey, zu beschatten, ist Davey doch felsenfest davon überzeugt, dass dieser der Killer sein muss...


Sommerabenteuer zum Ende der Kindheit...

Die aus "Arlington Road", "Stand By Me", "Summer of Sam" "Das Fenster zum Hof" und "Es" zusammengepuzzelte Geschichte mag einem nicht gerade neu vorkommen, und die teilweise nach klassischem Erzählmuster ablaufende Geschichte mag angereichert mit den typischen Stereotypen sein, aber trotz alledem lässt sich nicht leugnen es mit "Summer of 84" mit einer der besten amerikanischen Produktionen der letzten Zeit zu tun zu haben. Nicht nur dass das Ergebnis sich kurzweilig bei angenehmen Tempo und aufgrund des neugierig machenden Plots gucken lässt, das Ergebnis ist vorder-, wie hintergründig zudem derart raffiniert ausgefallen, dass man es wahrlich mit einem Meisterwerk des Popkorn-Kinos zu tun bekommt. Dank des authentischen, sich nach den echten 80er Jahren anfühlenden, Grundtons, der guten Besetzung und der Empathie der Autoren, sowie deren Verstehen der Situationen und ihrer Einflüsse, schaut sich das abenteuerliche Treiben recht lebensecht an. Aus den Stereotypen werden glaubwürdige Individuen, tiefer gehend als es scheint, mit Hintergrund gesegnet und untereinander und mit ihrer Umwelt altersgerecht agierend. Psychologisch betrachtet greift alles ineinander, widerspricht sich nie und hält manch erschreckenden Eindruck gerade für eine Zweitsichtung parat, ist Unwissenheit doch manchmal ein Segen.

"Summer of 84" bedient sich diverser Genres, ist manchmal Jugend-Abenteuer und Kinder-Krimi, mal Komödie, oft aber auch Drama, Horror und Thriller, immer so wie er es für seine jeweilige Filmphase gerade in welcher Cocktail-Art auch immer benötigt. Damit hält er den Zuschauer auf Trab und kann in seinem Mix aus naiver Kindersichtweise und cleverem Drehbuch gekonnt den Zuschauer in die Irre führen, auch darauf fußend, dass wir immer nur die Perspektive der vier Teenager einnehmen und damit nicht mehr wissen als diese. Je mehr es Richtung Auflösung geht, desto mehr wird der Streifen zu einem Lehrstück darüber wie Indizien die Wahrnehmung täuschen können, darüber welche Blickwinkel man bei Versteifung auf den einen  vernachlässigt und darüber dass man aufgrund des psychologisch raffinierten Ergebnisses in Hollywood wieder auf intelligente Drehbuchautoren setzen sollte, so wie es bis Mitte der 80er Jahre üblich war, da man mit diesen selbst einen Stoff hochgradig unterhaltsam und intellektuell anregend zubereitet bekommt, der theoretisch zunächst nichts Neues bietet. "Summer of 84" gehört zu den wenigen Ausnahmen diesbezüglich, bietet aber auch eine darin trotz dreier Regisseure am Werk derart geglückt ausgefallen zu sein. Eigentlich heißt es viele Köche verderben den Brei, hier harmonieren jedoch, so wie bei dem Regie-Duo aus "Ich seh, ich seh", ähnlich gestrickte, empathische Denker miteinander, die mit dem hier besprochenen Werk nicht ihre erste gemeinsame Arbeit abgeliefert haben.

Von meiner Seite aus sei "Summer of 84" jedem Leser dieser Zeilen ans Herz gelegt, ist er doch intelligent, wie unterhaltsam, rätselhaft mit gut gelegten Täuschungen erzählt, aber auch mit Überraschungen gesegnet und hin und wieder den gewohnten Erzählpfad verlassend, um uns unsere Orientierung zu nehmen. Das Werk der drei Regisseure Francois Simard, Anouk Whissell und Yoann-Karl Whissell, welches eine Koproduktion aus den USA und Kanada ist, eignet sich (nicht nur aufgrund der am Schluss gewonnenen Erkenntnisse) zum öfter gucken und ist auch gerade der Kinder- und Jugendgeneration aus den 80er Jahren zu empfehlen, so echt wie sich dieses empathisch am Gefühlsleben der Protagonisten orientierte Stück Film anfühlt. Was das hier Erlebte für die Hauptfigur tatsächlich bedeutet, kann man leider nicht ohne zu spoilern erörtern, es sei nur so viel verraten, dass auch hier, wenn auch vielleicht etwas zu sehr mit dem Holzhammer präsentiert, eine psychologische Raffinesse aufkommt, die man eigentlich erst mit einer Zweitsichtung tatsächlich nachvollziehbar gegriffen bekommt, als sie einem bei der Erstsichtung zunächst vorkommt. Passend zu seinem überragenden Ergebnis bietet "Summer of 84" zudem ein Postermotiv, welches ebenso wie die hier präsentierten Erlebnisse aus den 80er Jahren hätte stammen können. Orientiert an den beiden Teilen von "Fright Night" und Ken Wiederhorns "Return of the Living Dead 2" hätte es sicherlich seinen Platz an der Wand in meinen Jugendzimmer erhalten.


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