2018/06/11

DARK STAR - FINSTERER STERN (Dark Star 1974 John Carpenter)


Seit 20 Jahren ist die Crew der Dark Star im Weltraum unterwegs, und seit Commander Powell verstorben ist steht es schlecht um die Moral an Bord. Als sich ein außerirdisches Maskottchen aus seiner Gefangenschaft befreien kann, verursacht es Schäden am Schiff, die zu weitreichenden Problemen führen...


Die philosophierende Bombe...

"Dark Star" ist die Filmhochschul-Abschlussarbeit des legendären John Carpenter ("Halloween - Die Nacht des Grauens"), der auch zusammen mit dem nicht minder cineastisch bedeutenden Dan O'Bannon ("The Return of the Living Dead") das Drehbuch schrieb. Der komödiantisch gehaltene Science Fiction-Film soll eine Antwort auf Kubricks "2001 - Odyssee im Weltraum" sein, quasi die Anarchoversion der Antwort auf die Frage wie sich die Menschheit dort oben im leeren Raum wohl anstellen wird. Aus Forscherdrang und gepflegtem Umgang sind im Laufe der Jahre Resignation und Unmut geworden. Aus Langeweile sprengt man instabile Planeten, oder geht depressiv im verträumten Umgang mit der Sternenunendlichkeit auf. Der Kontakt zur Erde ist abgebrochen, ein letzter Funkspruch zeigt den herrlich witzigen Kontrast der Moral und dem Engagement der Daheimgebliebenen, eingekleidet im feinen Anzug zur geschniegelten Frisur, im Vergleich zu jenen, die abgeschottet von ihrer Heimat so lange durchs All fliegen, dass sie gar ihre Vornamen vergessen haben. Sie sehen ungepflegt aus, mit langen Haaren und Vollbärten passend zu ihrem mentalen Zustand, und das weiß zu Zeiten kurz nach der Hippie-Bewegung, bzw. inmitten ihres Nachhalls zu amüsieren. Scheinbar mussten die Darsteller vor dem Dreh gar nicht in die Maske, lief man als junger Mensch damals doch nun einmal bei hier eingefangener Mentalität so herum.

Die Tricks sind herrlich billig ausgefallen, aber gerade deshalb ein Hingucker, zumal nicht schludrig gearbeitet wurde. Als Außerirdischer darf ein Wasserball mit angeklebten Füßchen herhalten. Allgemein weiß man Kostengünstigkeit über brauchbare Optik zwar nicht zu verstecken, aber endschuldbar, da visuell angenehm, zu demonstrieren. Die jungen Schauspieler machen ihre Arbeit gut. In einer der wichtigsten Rollen ist gar Dan O'Bannon höchstpersönlich zu erblicken. Warum er bei kompatiblem Berufsfeld andere Wege ging als Carpenter, weiß ich nicht, nach dem sympathischen Einstieg in die Welt der beiden cineastischen Geschichtenerzähler ist es aber zumindest schade zu nennen, dass es zu keiner weiteren Zusammenarbeit kam. Stattdessen steuerte O'Bannon Drehbücher für Tobe Hooper-Filme bei, was immerhin auch eine sympathische kreative Zusammenführung ist.

Früher wurde ich mit "Dark Star - Finsterer Stern" nicht warm, konnte ich ihm trotz der Sympathie zu dem Projekt doch wenig abgewinnen, und heute mit frischem, wie erfahrenen Blick etliche Jahre danach, erkenne ich auch woran das liegt, und das ist der etwas zu sperrig geratene Einstieg in die Geschichte. Klar, die Mannschaft ist lethargisch, das versucht man stilistisch in dröger Erzählform mit passiv gearteten Dialogen und anderen Methoden einzufangen (es wäre schließlich unsinnig eine solche Grundhaltung der Crew in flotter Umsetzung zu präsentieren), dennoch fand ich anfangs keinen Zugang, auch weil die Figuren zunächst austauschbar erscheinen. Es dauert bis der auf ruhige Art provokante Film sich diesbezüglich ändert. Und das Warten lohnt sich, werden doch nicht nur die Figuren zu greifbaren Charakteren, die herrlich irrsinnigen Situationen, denen sie sich selbst verschuldet stellen müssen, sind unglaublich unterhaltsam ausgefallen, allen voran freilich das philosophische Gespräch zwischen einem der Astronauten mit einer kurz vor der Detonation stehenden KI-Bombe.

Wenn einer der Astronauten zum Schluss auf einem Wrackteil zu Countrymusik seinem Ableben im All entgegen surft, dann ist das an anarchistischem Ton und als Gegenantwort zu Kubricks Ehrenmännern im All bei klassischer Musikuntermalung nicht zu überbieten, zumal dieser Gegenpol keine Rebellion darstellt, sondern trotzdem die Verbeugung und den Respekt vor dem Original deutlich macht, anstatt zur stumpfsinnigen Protestbewegung zu werden. Dafür ist "Der schwarze Stern" (Alternativtitel) zu subtil und gewitzt ausgefallen, und es ist schön zu wissen, dass die Verantwortlichen einer sich unerwartet eigenständig anfühlenden Veralberung der Gedanken eines angesehenen Meisterwerkes selbst im Laufe der Zeit zu Meistern ihres jeweiligen Faches wurden. Alles verdienter Maßen, wie ich finde, was schließlich keine Selbstverständlichkeit im US-Kino ist.


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