16.03.2020

JOKER (2019 Todd Phillips)


Arthur Fleck arbeitet ziemlich erfolglos als Clown, wohnt noch bei seiner Mutter und leidet unter psychischen Problemen. Die ohnehin schon angespannte Stimmung in der Stadt wird angeheizt, als Arthur unerkannt im Clown-Outfit drei Menschen in der U-Bahn erschießt, die sich als Mitarbeiter des Bürgermeister-Anwärters Wayne entpuppen. Als er seinen Job verliert und die Wahrheit seiner Herkunft erfahren muss, driftet er nach dem eigenhändigen Absetzen seiner Medikamente immer mehr in eine Psychose ab, die den unwitzigen Möchtegern-Stand Up-Comedian letztendlich mit stetig wachsendem Selbstbewusstsein und verspäteter Selbstfindung zum Schwerverbrecher Joker macht...


Zorro the Gay Blade...

Der Joker ist eine der faszinierendsten Figuren des Batman-Universums. Und mag der Superheld in Jokers Solofilm auch nicht auftauchen, das Werk macht uns klar wie eng das Schicksal beider Comicfiguren miteinander verwoben ist, innerhalb der Entstehungsgeschichte des Erzgegners des dunklen Ritters. Mögen die einzelnen Zutaten, die Arthur beeinflussen, auch arg nach Klischee klingen, das Drehbuch setzt diese plump klingenden Elemente clever ein innerhalb einer Geschichte, die facettenhafter ausfällt, als man vermuten würde. Eine traumatische Kindheit, Lügen, alternative Glücks-Phantasien, Unterdrückung vom Arbeitgeber und Fremden, Opfer von Gewalttaten, hier kommt allerhand persönliches zusammen, während zeitgleich ein gesellschaftspolitischer Hintergrund gestrickt wird, der deutlich macht wie korrupte Politik gegen das Volk zu Anarchie und Gewalttaten führen kann. Wirkliche Positionen nimmt das Drehbuch nie ein, es ist kein moralisches, es zeigt uns lediglich was warum passiert, bis die Freiheit des einfachen Mannes schließlich in etwas mündet, dessen tiefe Schattenseite diese Anhänger ihrer Clowns-Ikone noch nicht erahnen können. Die Alternative zu etwas Unangenehmen ist nun einmal nicht automatisch das Angenehme.

"Joker"erzählt seine Geschichte in ruhigem Ton, das langsame Tempo nimmt sich Zeit für die Charakterzeichnung, toll eingefangene Bilder lassen das zurückhaltende Treiben zeitgleich nie zu schlicht erscheinen. Überzeugende Schauspieler, ein durchdachtes Drehbuch und eine gute Inszenierung lassen einen schnell manche Klischeehaftigkeit vergessen, eben weil das detailreich dargebotene Schicksal Arthurs zwischen Tragik und Bedrohung zu faszinieren weiß, einen weder auf der mitfühlenden Perspektive kalt lässt, noch aus der wissenden zu was der Mann als Joker später fähig sein wird. Ich dachte schon in dem grandiosen "her" hätte Joaquin Phoenix die Vorstellung seines Lebens abgegeben, aber hier in der Rolle der Titelfigur gibt er endgültig alles, vom sensiblen, angedeuteten Spiel, bishin zum Überagieren in den richtigen Momenten. Rhythmus, Körperhaltung, Mimik in all den grauen Zwischenstufen vom untergebutterten Arthur bishin zum endgültig entfalteten Joker, seine Darbietung ist überzeugend und beeindruckend, eigenständig trotz mancher Erinnerung an das typische Spiel eines Jim Carreys, und allein diese Performance ist bereits das Reinschalten wert. Aber auch der mit den "Hangover"-Filmen bekannter gewordene Regisseur Todd Phillips, dem wir den lustigen "Road Trip" zu verdanken haben und mit dessen "Old School", sowie "Starsky und Hutch" ich nicht viel anfangen konnte, liefert eine überzeugende Arbeit ab, mittels eines zurückhaltenden Inszenierungsstils in eher unauffällig großartigen Bildmotiven gepackt, während andere Sequenzen aus der Ruhe heraus brechen und in nie reißerisch verkommene laute Momente münden, die kurz darauf wieder inmitten des zurückhaltenden Stils untertauchen und dort unterschwellig nachhallen.

Somit wird aus einem guten Drehbuch, in professioneller Besetzung, mittels guter Kameraarbeit und sensibel dirigiertem Inszenierungsstil die Entstehungsgeschichte Jokers zu einem großen Filmerlebnis, auch für Zuschauer fern von üblichen Superhelden- und Comicverfilmungen. Das Semi-Publikum wird endlich mal wieder vereint mit dem des Mainstreams, mittels eines intelligenten Plots und der Kraft in der Ruhe, ohne gleich verkopftes Arthouse-Kino zu werden. Und dass die Entstehungsgeschichte derartiger Figuren stets der interessanteste Aspekt ihrer Gesamtgeschichte ist, habe ich schon des öfteren behauptet und beweist sich um ein weiteres Mal mit diesem Werk, dessen Verantwortliche im Finanz- und Planungsbereich einmal mutig auf das richtige Pferd gesetzt haben, nachdem DC mit Streifen wie "Suicide Squad" und "Man of Steel" schon das ein oder andere Mal stark zu enttäuschen wusste. Alle Jahre wieder kommt ein Werk aus deren Comicuniversum daher, das weit über den anderen steht. Und mag "Joker" auch nicht die Intensität und Vielfältigkeit eines "The Dark Knight" besitzen, er kommt nah an dessen Genialität heran. Zumindest entpuppt er sich als ein nicht auf Nummer Sicher konzipiertes Stück individuelles Kino, welches anbei trotz seiner thematischen Nähe zur Batman-Figur keinesfalls den Bereich des Fantasy-Kinos streift. sehenswert


Trailer,   OFDb

1 Kommentar:

  1. Oh ja, großartige Performance von Joaquin Phoenix. Einem (natürlich etwas anders angelegten) Heath Ledger Joker durchaus ebenbürtig.

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