Montag, 4. Februar 2013

UNFALL IM WELTRAUM (Doppelgänger 1969 Robert Parrish)


Wissenschaftler entdecken einen Planeten hinter der Sonne, der auf der gleichen Umlaufbahn wie die Erde liegt. Zwei Astronauten werden ausgewählt den unbekannten Himmelskörper zu untersuchen. Doch irgendetwas läuft schief. Und einer der Astronauten erwacht auf der Erde und kann sich die Rückkehr zu dieser nicht erklären...


Von der Entdeckung eines neuen Planeten...

Manchmal reicht eine simple, kleine Idee, um einen kompletten Film damit zu füllen. „Unfall im Weltraum“ hat eine solche Idee gefunden, sie für seine Zeit typisch in die Länge gezogen und es wurde geschafft sie auf Spielfilmlaufzeit interessant zu halten.

So entdeckt man im Film einen neuen Planeten, der mit gleicher Geschwindigkeit auf der selben Umlaufbahn liegt wie die Erde, nur auf der völlig anderen Seite der Sonne. Eine bemannte Rakete wird zu dem fremden Himmelskörper geschickt, doch die Astronauten stürzen bereits nach halber Flugzeit wieder auf ihrem Heimatplaneten ab. Irgend etwas ist schief gelaufen. Glaubt man, denn nun schwenkt die Story um, da der überlebende Astronaut entdeckt, dass auf der Erde alles spiegelverkehrt funktioniert. Was zunächst noch als körperliches Gebrechen aufgrund der Weltraumfahrt interpretiert wird, entpuppt sich als faszinierende Entdeckung: Der Mann befindet sich auf dem neu entdeckten Planeten. Die Erde hat ein Gegenstück, in der jeder seinen spiegelverkehrten Doppelgänger hat, der genau spiegelverkehrt das selbe tut wie sein Double auf der Parallelerde.

Eine solche Idee verdient eine Verfilmung, und zum Glück wurde diese zu einer Zeit angegangen, als Science Fiction dieser Art noch mit dem nötigen Ernst und Respekt verfilmt wurde. Natürlich hält „Unfall im Weltraum“ aufgrund seines Alters einige unfreiwillige Komiken bereit, beispielsweise wie man sich die Autos der Zukunft vorstellte. Interessanter Weise gibt es von solchen Beispielen aber weniger, als man vermuten würde. Denn die Verantwortlichen hinter dem Science Fiction-Werk entschieden sich die Geschichte ziemlich realistisch umzusetzen. Vielleicht dachte man, dass der Zuschauer dies nun so wollen würde, so kurz nach der Mondlandung, jetzt, wo auch der Laie etwas besser über die Raumfahrt bescheid wusste als zuvor.

Also zeigt der Film uns in aller Seelenruhe die Vorbereitungen des Flugs, inklusive politischer Verhandlungen, Astronautentraining usw. Lediglich der Bau des Gefährts blieb uns erspart, das wäre wohl auch zu viel des Guten gewesen. Selbst der Flug an sich wird sehr realistisch gezeigt, man vermeidet sogar jedes Geräusch im All. Es wird auch keine unnötige Action eingebaut. Im All wird gezeigt, was Astronauten dort zu tun haben. Knöpfe drücken, Messungen vornehmen, sich beraten, usw. Interessant ist es, dass das hier Gezeigte funktioniert, selbst heute noch, wo einem diese Abläufe spätestens durch andere Filme bekannt sind. Langeweile kommt nicht auf, im Gegenteil, man genießt geradezu die langsame Art, mit der „Unfall im Weltraum“ in aller Gemütlichkeit sein Minimum an Story erzählt.

Ich habe nicht auf die Zeit geachtet, aber ich denke mal es war erst zur Mitte des Films, dass der Raumgleiter auf den Planeten kracht, womit ja erst die eigentliche Geschichte beginnt. Für den Zuschauer, der noch nichts über den weiteren Verlauf der Geschichte weiß, wird die Rettung des Astronauten sehr interessant umgesetzt. So glaubt man zunächst eine beheimatete Lebensform habe den fremden Eindringling entdeckt. Der untersuchende Lichtstrahl wirkt unheimlich, und der Überraschungseffekt ist groß, wenn in dem undurchsichtigen Schutzanzug ein Mensch steckt.

Das Spiel mit der spiegelverkehrten Welt findet von nun an zunächst unauffällig und unbenannt im Hintergrund statt. Eigentlich so undeutlich, dass man nicht wirklich von selbst drauf kommen kann. In all seiner Ruhe erzählt der Film nun erst einmal das, was nahe liegt. Die Projektleiter glauben, die Astronauten wären umgekehrt. Der Überlebende wird verhört und untersucht. Gemeinsam mit der Hauptrolle erlangt der Zuschauer die Erkenntnis über das was wirklich passiert ist. Zunächst wie ein Rätsel aufgebaut, dann noch einmal erklärt, für jene, die es nicht verstanden haben. Da die Idee sehr phantastisch ist, war dies wohl auch nötig.

Die Darsteller sind gut gewählt, die Regie behält den Überblick, und das Drehbuch arbeitet Widersprüche in der Geschichte immer wieder brav ab. Lediglich am Schluss enttäuscht es, womit ich nicht das Ende der eigentlichen Geschichte meine, dies, mitsamt der Aufnahme des einzigen Zeugen, ist eine tolle Idee. Was mir missfiel waren die letzten 1 – 2 Minuten, da sie mit dem Spiel mit dem Spiegel etwas aufgesetzt wirkten.

Die Musik ist pompös wie nun einmal typisch für seine Zeit. Das ist etwas schade. In den ruhigen Momenten weiß sie dafür zu überzeugen, und in kurzen Sequenzen darf die Karachomusik auch in Science Fiction-Klänge abgleiten, das hat auch ein gewisses Flair.

Was mir leider fehlte, aber das kommt wohl eher von dem Verwöhntsein unserer heutigen Sehgewohnheiten, war der Umgang mit der Thematik des Individuums. Wenn es eine parallele Erde gibt, wirft dies Fragen auf. Ist die Parallelerde nur eine natürliche Reflektion, so dass das Handeln der beiden Doppelgänger dennoch nach individueller Entscheidungskraft verläuft, oder bedeutet das Vorhandensein der beiden Planeten, dass alles im Leben vorbestimmt ist, und wir nur glauben Herr unseres eigenen Handelns zu sein? Bin ich wirklich eine Persönlichkeit oder programmiert jemand mein Tun, so wie es Filme wie „Welt am Draht“, „Matrix“ und Co bearbeiten. Der philosophische Part wird komplett ausgegrenzt. Für einen Film seiner Zeit ist dieses Themengebiet nicht zwingend notwendig. Dem Zuschauer von heute würden diese Fragen jedoch auf den Lippen brennen, da hinterlässt der Film ein kleines schwarzes Loch, für das er aber nun wirklich nichts kann, so alt wie er nun einmal ist.

Es wäre interessant, dieses Werk neuverfilmt zu sichten. Vorrausgesetzt, man würde ein solches Projekt ernsthaft angehen, und nicht mit Pseudostars wie Keanu Reeves, Tom Cruise oder Will Smith verhunzen. Nein, ein Herangehen mit Respekt könnte aus der eigentlich ziemlich schrägen Story einen tiefgründigen, abenteuerlichen Genrebeitrag werden lassen. Würde man ein solches Projekt auf die richtige Art angehen, hätten wir ein ähnliches spiegelverkehrtes Phänomen wie im Film. Dann wäre die Neuverfilmung tiefsinnig, was eher für die Filme zu Zeiten von „Unfall im Weltraum“ typisch wäre, während die Erstverfilmung lediglich vom Abenteuer berichtet, so wie es die heutigen Kinofilme meist tun.

„Unfall im Weltraum“ ist allen Genrefans zu empfehlen. Man sollte jedoch ein wenig Geduld mitbringen. Die Geschichte ist zwar meist auf angenehme Art langgestreckt, hin und wieder wird sie aber auch durch Nervereien, wie schlecht umgesetzte Traumbilder, in die Länge gezogen. Über die restlichen Tricks kann man übrigens nicht meckern. Also auch für Freunde von Spezial Effekten und deren Interesse für die filmhistorische Entwicklung diesbezüglich, ist der Streifen sicherlich ebenso interessant, wie für jene Cineasten, die schlichtweg das nostalgische Abenteuer suchen.


Trailer,   OFDb

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