Freitag, 28. Dezember 2012

SKINNER - LEBEND GEHÄUTET (Popcorn 1991 Mark Herrier)



Filmstudenten planen eine besondere Kinopräsentation mit kleinen Trash-Perlen und Zuschauerüberraschungen. Bei den Vorbereitungen stößt man auf eine Filmrolle mit böser Vergangenheit. Der Erschaffer des Kurzfilmes tötete damals viele Menschen, und nun, am besagten Kinoabend, scheint er zurück zu sein, denn ein Beteiligter nach dem nächsten wird während der Vorstellungen umgebracht...


Heute häutet niemand...

Auf dem VHS-Cover lächelt einem ein Freddy-ähnlicher Typ an, und im Film beobachtet man eine Nancy-ähnliche Teenagerin wie sie schlecht träumt. Irgend etwas an diesen Träumen ist wahr, was auch eines ihrer Elternteile weiß, aber verheimlicht. Das können alles keine Zufälle sein, hier wurde ein B-Movie ziemlich direkt an Wes Cravens berühmten „A Nightmare On Elm Street“ angelehnt. Für eine dreiste Kopie? Nein! So ziemlich nach der oben zu lesenden Aufzählung verlässt „Skinner“ den Pfad des „Nightmare“-Imitats und erzählt etwas anderes.

Wechselt er vielleicht über zu einer Kopie vom „Blutgericht in Texas“? Immerhin heißt es im deutschen Beititel „Lebend gehäutet“. Auch hier ein klares nein, der Beititel ist Quatsch. Hier wird niemand gehäutet. Getötete erfahren lediglich einen Gesichterklau im Bereich der Nachahmung. Aber in den Augen deutscher Kaufmänner braucht der Videokonsument unseres Landes scheinbar reißerische Titel, um bei einem Film überhaupt zuzuschlagen. Dass man damit etwas Falsches vorgaukelt und das verkehrte Publikum lockt ist diesen geldgeilen Leuten seit je her egal, auch wenn der Ruf eines Filmes damit oft ruiniert wird, selbst wenn er eigentlich gut ist, wenn auch nur für ein anderes Publikum. 

Im Falle von „Skinner – Lebend gehäutet“ wird eher der Konsument von Horror-Dutzendware bedient als der Fan richtig harter Genrekost. Und auch wenn dieser Streifen nicht wirklich zu dem Bereich der Horror-Komödien zählt, so muss der Zuschauer doch wenigstens parodistische Anlehnungen und Augenzwinkerei mögen. Ein wirklich ernstes Produkt wird einem nämlich auch nicht geboten.

Das merkt man allerspätestens an den sehr gelungenen Parodien auf vergangene Gruselfilm-Phasen. „Skinner“ spielt in einem Kino während einer spaßig gemeinten Retro-Horrorfilm-Nacht, bei der Monsterfilme aus den 50ern und 60ern gezeigt werden. Für diese Szenen griff man nicht auf bereits vorhandenes Material zurück, sondern drehte kleine Passagen selbst, die sehr eng an echte Werke dieser Zeit erinnern. Lediglich das Gewaltpotential der angeblichen Klassiker ist zu hoch und eher ein Nebeneffekt der Moderne, in der „Skinner“ entstand. Ansonsten könnte man meinen, die angedeuteten Filme könnten wirklich existieren.

Da läuft ein Film über einen elektrisch geladenen Mann, der nach seiner Hinrichtung auf dem elektrischen Stuhl derart unter Strom steht, dass es für die Menschen in seiner Umgebung gefährlich wird (ein ähnliches Szenario kenne ich persönlich nur aus der Ernest-Reihe im Film „Chaos im Knast“). Ein anderer Streifen zeigt uns einen Beitrag zum Thema Tiermutation. Hier fallen Riesenmoskitos über die Menschen her (was man in den 90ern dann auch durch „Skeeter“ und „Mosquito“ verspätet erleben durfte). Die dritte Aufführung ist eine Parodie auf die japanischen Horrorbeiträge dieser Zeit. Von allen drei Parodien bekommt man von dieser allerdings am wenigsten zu sehen. Das ist auch verständlich, immerhin sterben während dieser Vorstellung Menschen für den Film „Skinner“, und der muss ja irgendwann in die Gänge kommen.

An sich guckt sich der „Hauptfilm“ soweit zunächst angenehm. Wie erwähnt klaut er ein wenig, aber er wird nie langweilig und hat hin und wieder Szenen mit kleinen Anflügen von geglückter Atmosphäre. Die Darsteller spielen, wie nicht anders zu erwarten, im Mittelmaß, und der erste Tote lässt nicht lange auf sich warten. Ein Spuk sorgt für das erste Opfer, ziemlich unblutig, und daran wird sich auch wenig ändern. In „Skinner“ wird ab und an einfallsreich getötet, wirklich blutig wird es dabei nur selten.

Am guten Bild dieser B-Produktion wackeln zwei Faktoren. Der eine ist die Rolle des Nancy-Klons, die viel zu schnell paranoide Verschwörungen prophezeit und an unterschiedlichen Geschehnissen Verknüpfungen vermutet, wie es geisteskranker nicht sein könnte. O.k., wie der Film uns zeigt behält die Dame recht, das ist allerdings arg zufällig, da die Heldin niemals Beweise oder Erkenntnisse über ihre Behauptungen erhält. Angetrieben wird sie lediglich durch Angst und einer fixen Idee. Da ärgert es schon, dass sie mit dem Wahnsinn, der aus ihrem Mund sprudelt, bei einem Freund auch noch Gehör findet. Wenigstens darf der Rest die Augen verdrehen und wird, Horrorfilmgesetz sei dank, dafür auch noch umgebracht.

Faktor 2 ist die Auflösung der Geschehnisse. Die werde ich hier nicht verraten, aber sie steht im völligen Widerspruch zu der Szene, in der wir der Mutter des Nancy-Klons beim angeblichen Ableben zuschauen dürfen. Was in jener Nacht in dem Lichtspielhaus geschah, war definitiv übernatürlich und kann nicht anderweitig erklärt bzw. umgesetzt werden.

So ein großer Widerspruch ärgert und lässt einen nur deshalb nicht endlos auf das Endergebnis fluchen, weil die magere Auflösung immerhin nett umgesetzt ist. Auch sie hat das Manko vieler anderer Genrebeiträge zu geschwätzig ausgefallen zu sein, aber in diesem Geschwätz erleben wir auch allerhand Witz. Auch routinierte Spannung kommt hin und wieder auf. Nicht dass man sie bei dieser Art Horrorfilm nötig hätte, aber sie ist ein kleiner Bonus für Neueinsteiger ins Genre.

„Skinner“ präsentiert nicht wirklich etwas Neues, aber er ist eigentlich nett erzählt. Den meisten dürfte er zu belanglos sein, deswegen sollten nur Vielseher der Richtung Horrorfilm zugreifen. Zudem muss man sich auf eine gravierende Unlogik im Handlungsverlauf einstellen und auf einige kleinere Ärgernisse. Das macht „Skinner“ letztendlich, auch für das Zielpublikum, lediglich zu Durchschnittskost.


Trailer,   OFDb

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