Donnerstag, 7. März 2013

ZOMBIES (Wicked Little Things 2006 J.S. Cardone)


Eine Frau zieht mit ihren Kindern in ein abgelegenes Haus am Wald. In diesem geistern tote Grubenarbeiter-Kinder umher, um ihre Opfer zu futtern...


Schritte in die richtige Richtung...

„Zombies“ ist schon ein merkwürdiges Produkt für den Videomarkt. Der ominöse Mix zweier Subgenres des Horrors macht ihn so ungewöhnlich. Die Geschichte selbst ist eine klassische Geister-Spukgeschichte, doch anstatt schwebender Untoter erleben wir die Rächer aus dem Jenseits als Zombies, die zur Zeit beim Publikum ja auch sehr angesagt sind.

Sie schlurfen nicht, sie laufen, und ihr Handeln geschieht bewusst, aber ihr Ziel könnte zombiehafter nicht sein. Untotenklassisch futtern sie ihre Opfer auf. Ihre optische Wirkung ist ebenfalls nicht klar in ein Lager einzuordnen. Es ist schwer zu beurteilen ob das Make Up mehr zombiehaft oder doch eher geisterhaft aussieht. Wichtig ist, dass es wirkt, und das tut es.

Die Wiederkehrer sind Kinder, blass geschminkt mit schwarzen Augen, und da sie viel zu futtern haben, haben sie auch meist einen blutverschmierten Mund. Da es in den Minen gestorbene ehemalige Bergarbeiter sind, laufen sie mit dem zum Beruf passenden Werkzeugen umher, am goldigsten wirken die Kleinen mit den Spitzhacken. Die Kinderzombies wirken also wirklich prima, erst recht wenn sie ihre Opfer futtern. Das ist eklig und durch das Alter der Wesen auch sehr provokant. Wollen wir mal für die Kinderdarsteller hoffen, dass sie nach dem Dreh kein seelisches Trauma überwinden mussten (sonst würden sie den Rollen die sie spielen wohl in kaum etwas nachstehen).

Für eine Videopremiere heutiger Zeit klingt das hier Beschriebene also recht außergewöhnlich gemixt. Aber „Zombies“ hat auch seine Kehrseite. Ein Horrorerlebnis ohne Kompromisse ist „Wicked Little Things“, so der Titel im Original, leider nicht geworden. Denn der Ablauf der Geschichte läuft viel zu 08-15 ab, es gibt wirklich keinerlei Überraschungen.

Das ist insofern schade, als dass es genug Momente im Film gab, in denen man hätte schocken, überraschen und umschwenken können, um dem ganzen nun genügend Pepp zu geben. Die Charakterzeichnung ist geradezu typisch für ein Billigprodukt seiner Art und für die Umgebung in der die Geschichte spielt, die Reihenfolge in der die Opfer sterben ist eine ganz typische (und auf die Gesamtgeschichte gesehen auch nicht immer logische), Auflösung, Probleme und Gefühlswelten grasen auch nur jedes Klischee ab.

Produzent und Schreiberling Boaz Davidson ist nun einmal ein Billigdreher, halbwegs über die „Eis am Stiel“-Reihe bekannt geworden, und der scheint es nun einmal nicht anders zu können. Dabei wäre es gar nicht so schwer, eine solche Geschichte etwas flotter und außergewöhnlicher zu gestalten. Und teurer wäre eine individuellere Umsetzung ja nun auch nicht. Nicht wollen oder nicht können, das ist hier die Frage. Es ist nur so ärgerlich, da neben den bisher genannten Pluspunkten auch noch andere Elemente trumpfen: Die Waldkulisse wirkt in seiner Dunkelheit und mit den Nebelschwaden, die Kinder entfalten inmitten des Waldes eine gruselige Wirkung, der Eingang des Stollens sieht unheimlich aus, der Farbfilter arbeitet mit einem wirksamen, dreckigen Braun, auch wenn das Bild ansonsten zu glatt poliert wirkt, und die Darsteller gehen für solch eine Billigproduktion auch in Ordnung, mit Ausnahme des menschlichen Oberbösewichtes, der leider viel zu eindimensional spielt.

Von gruseliger Stimmung würde ich nicht sprechen, aber die Kulisse strahlt einfach etwas theoretisch Unheimliches aus. Es verkörpert das klassische Gruselmuster, und auch wenn diese Wirkung auf eher nüchterne Art entsteht, so ist sie doch dennoch positiv für das Gesamtergebnis. Hier gibt es nichts, was den Horrorfan wirklich schockt oder gruselt, aber dafür das, was der Genrefreund zu genießen weiß, einfach weil mit solchen Symbolen der Respekt zum Urgenre deutlich wird. Es mixt sich quasi eine Ideenlosigkeit mit dem Verbeugen der klassischen Erkennungsmerkmale des Genres. Neben der Waldkulisse und typischen Geister- und Zombieelementen darf man auch andere Verweise erleben: Das Hinterherschleifen einer Hacke auf dem Boden, Stromausfall, ominöse Rituale und natürlich der Spukhintergrund selbst, der aber simpler nicht sein könnte.

Die Logik stolpert ab und an, wird aber nie wirklich zu blödsinnig, da die Geschichte für echte Peinlichkeiten schlichtweg zu dünn ist. Dennoch gibt es Ärgernisse. So ist es zwar toll zu beobachten, wie die Kleinen ihre Opfer futtern, es passt aber gar nicht zu ihrem Spukverhalten und der Auflösung. Mit mehr Zuschauerinformationen hätte das nicht so unausgegoren gewirkt. Gleiches gilt für die Schlusssequenz.

Die Musik dudelt schlicht ganz typische Melodien herunter. Sie nerven nicht, erzeugen aber auch keinen richtigen Grusel. Damit passt die Musik hervorragend zum restlichen Film, denn auch die Melodien sind ganz typisch horrorfilmorientiert, wenn auch zu routiniert. Sie entfachen halt einfach keine unheimliche Atmosphäre.

So bleibt am Ende ein nettes Filmchen für Vielseher des Genres (oder für komplette Neueinsteiger), das brav aber zu vorhersehbar seine Geschichte erzählt, mit einer atmosphärischen Kulisse arbeitet, wirksame Untote präsentiert, mit einem netten Farbfilter trumpfen kann und sich mit Unlogiken gnädigst zurückhält.


Trailer,   OFDb

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