17.01.2019

KING COBRA (1999 David Hillenbrand u.a.)


Eine Riesenschlange, die einem genetischen Mix aus Kobra und Klapperschlange entspricht, bedroht eine Kleinstadt während eines wichtigen Bierbraufestes...


Der Biergermeister bockt...

"King Cobra", der mit dem 80er Jahre "King Kobra" nichts zu tun hat und im deutschen Fernsehen auch unter dem Alternativtitel "Killer Kobra" lief, unterscheidet sich nicht wirklich vom üblichen Tierhorror-Schema, welches spätestens seit Spielbergs "Der weiße Hai" um sich greift. Ein Tier wird übergroß, bedroht Bewohner einer Kleinstadt, eine eingeschworene Gruppe weiß bescheid, will das Tier bekämpfen und Menschenleben retten, aus Geldgründen will der Bürgermeister von alledem nichts wissen, dennoch wird ein Experte engagiert, und der böse Schöpfer der Kreatur darf freilich so wenig fehlen wie das aus zwei Geschlechtern bestehende Helden-Duo, welches zu einer romantische Zusammenführung verpflichtet ist. Glücklicher Weise erschien "King Cobra" vor der Welle computeranimierter Billig-Tierhorrors, mit denen vor The Asylum vor allen Dingen die Firma Nu Image ordentlich Geld machte. Dementsprechend ist ein liebloses "übergroße Haut wandert schlecht animiert ohne das Komplettvieh zu zeigen an den Protagonisten und Opfern vorbei", so wie es "New Alcatraz" und Co auf dem Programm hatten, nicht gegeben. So ein spaßiges Happening wie der dämliche "Python", oder noch besser "Boa vs. Python", ist "Seth" (Alternativtitel) jedoch auch nicht geworden.

Er ist zu ernsthaft und bemüht professionell inszeniert, als dass er eine partytaugliche Trash-Gurke sein könnte. Gleichzeitig ist er zu billig produziert und zu routiniert geschrieben, als dass er ein nennenswerter Zwischendurchverzehr wäre. Zumindest guckt sich die zweite Hälfte um einiges flotter und interessanter als die erste Hälfte, was hauptsächlich dem Auftauchen von Pat Morita, dem Miyagi aus den "Karate Kid"-Filmen, zu verdanken ist, der mit seiner mental ausgeglichenen Pseudo-Professionalität mehr Ironie in die Bude bringt. Und freilich ist auch das Mehr an Ereignissen am besseren Funktionieren der zweiten Filmhälfte beteiligt, ebenso wie das detailreichere und häufigere Sichten der Schlange. Diese wurde kreiert von den Chiodo-Brüdern, welche auch die "Critters" designten und uns den herrlich abgedrehten "Space Invaders" bescherten, den man heutzutage eher als "Killer Clowns from Outer Space" kennt. So toll wie deren Arbeiten der 80er Jahre ist die olle Schlange nicht geworden, besser als jedes billige CGI-Gepixel ist das Ergebnis aber sehr wohl zu nennen. Dass die Schlange je nach Aufnahme verschieden groß wirkt, liegt zumindest nicht an ihrer Arbeit, der echte Schlangenkopf wirkt von der Größe einfach nicht zum Restkörper passend wie Regie und Kameramann es gerne gehabt hätten.

Ist aber auch ziemlich egal, denn in einer routiniert-dämlichen Geschichte, die zum x-ten Mal erzählt wird und schnell und billig heruntergekurbelt wurde erwartet man keine Authentizität, erst recht wenn andere Bereiche, wie die Figurenglaubwürdigkeit, diese ebenfalls nicht streifen. Zwar wirkt "Anaconda 2" (Alternativtitel), abgesehen von der langen Einstiegssequenz im Labor, nie überkonstruiert und vollkommen lächerlich, da gibt es wahrlich extremere Werke auf dem Heimkino-Markt, aber das altbackene Szenario lebt lediglich in einer filmeigenen Wirklichkeit und versucht lieber übliche Klischees abzugrasen anstatt irgendwelche Innovationen oder irgendeinen Realismus einzufangen. Die Hillenbrand-Brüder, die für die Regie verantwortlich waren, sind nun einmal lediglich Durchschnittsfilmer, was auch ihre Teenie-Komödien-Trilogie rund um die "College Animals" beweist, die überraschend mit "College Vampires" endete. Dauergästen im Tierhorror-Bereich kann man ein Sichten von "King Cobra" nahe legen, ohne tatsächlich eine Empfehlung auszusprechen, der Rest der Welt wird sich gelangweilt abwenden. Mir hat zumindest die zweite Hälfte des Streifens Spaß bereitet, zu einem Zeitpunkt an dem ich fast schon ungeduldig ausschalten wollte.


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