DIE RÜCKKEHR DER KILLERTOMATEN (Return of the Killer Tomatoes 1988 John De Bello)


Ein irrer Wissenschaftler kann mittels einer chemischen Mixtur aus Tomaten Menschen jeder Art erschaffen und will mit Hilfe dieser die Weltherrschaft an sich reißen...


Sechs Milchflaschen und eine Stimmgabel...

War "Angriff der Killertomaten" aufgrund seines recht grotesken Humors, seiner Episodenhaftigkeit und des wechselnden Erzähltempos noch ein ziemlich unebener Film, so kommt der zehn Jahre später entstandene "Die Rückkehr der Killertomaten" wesentlich glattgebügelter daher. Nicht falsch verstehen, zum Mainstream sollte die Reihe um das killende Obst, das oft versehentlich als Gemüse bezeichnet wird, erst mit dem zwei Jahre später erschienenen Teil 3 "Die Killertomaten schlagen zurück" werden, aber John De Bellos zweiter Streich zu diesem Thema schaut sich weit mehr wie eine zusammenhängende Erzählung, als es der Vorgänger tat und schaut sich zudem weit geradliniger als dieser. Erneut badet man, wie sollte es bei diesem Thema auch anders sein, ordentlich im Klamauk, allerdings ist dieser nicht mehr so grotesk ausgefallen wie im Vorgänger. Von der schlichten Humorform der "Police Academy"-Filme ist der hier angewandte Klamauk aber ebenfalls weit entfernt, dafür ist er zu einfallsreich, individuell und teilweise sogar zu hintergründig ausgefallen. Klamaukgegner mögen vielleicht maulen, aber was Mitautor und Regisseur De Bello hier auf 90 Minuten Laufzeit an humoristischem Wahnsinn auf die Beine stellt ist nicht von schlechten Eltern, das Ganze geradezu derart in schrägen Witzigkeiten überschwemmt, dass man sich darüber wundern darf, dass der Streifen damit überhaupt so gut funktioniert, wie er es tatsächlich tut.

Mag der Titel auch eher Augenwischerei sein, denn Killertomaten wie in Teil 1 gesichtet, oder als klassische Monstren umfunktioniert wie in Teil 3 und 4, bekommt man hier nicht zu sichten. Die Tomaten sind hier lediglich Menschen, und der größte Spezialeffekt findet sich in verfärbenden Augen und einer absichtlich lächerlichen Attrappe der Frontaufnahme von Dr. Gangreens Haus. Aber ebenso wie im kultigen Originalfilm, so war sich De Bello auch in seiner Fortsetzung der angeblichen Unzulänglichkeiten bewusst, mehr noch, er musste sich nicht mit ihnen arrangieren, sondern nutzte bewusst diese Methode, um auf verschiedenen Ebenen, auch der Metaebene, mit dem Medium Film und der gewählten Geschichte zu spielen. So wird die vierte Mauer durchbrochen wenn höchst treffsicher immer wieder Produktwerbung in den Film integriert wird, oder ein angeblicher Zuschaueranruf eingebracht wird, in welchem sich jemand nach etlichen Rückblenden darüber beschwert, dass der Film kaum aus neuem Material bestehen würde. Und nach dem Nachfragen einer Nebenfigur an einen Statisten ob es in diesem Film schon eine Verfolgungsjagd gab, präsentiert uns De Bello auch gleich die kürzeste der Filmgeschichte überhaupt, ein Rekord der bis heute ungebrochen sein dürfte.

Wo "Angriff der Killertomaten" sich hauptsächlich über den Bereich des Tier-Horrors und Amerikas Kriegsmentalität lustig machen durfte, da verarbeitet man mit dem Nonsens in der Fortsetzung den Schwachsinn aus dem Bereich des TVs, schablonenhafter Kinounterhaltung und unreflektierter Kriegsverarbeitung. Letzter Punkt erschafft eine herrlich surreale Alternativwelt, in welcher niemand begriffen hat, bzw. niemand je herausfinden wollte, was die Hintergründe des Tomatenkrieges aus Teil 1 waren, und man stattdessen in engstirniger Idiotenperspektive allgemein das Feindbild Tomate aufrecht erhält. Der Tomatenhandel wird streng kontrolliert. Pizzen bestehen aus ekligen Zutaten, da Tomaten in der Gesellschaft verpönt sind und nicht mehr gegessen werden. Allein das Vorhandensein einer Tomate löst bereits eine Massenpanik aus, und dementsprechend sieht freilich auch die Feindseligkeit gegenüber einer harmlosen Tomate aus. Man soll es nicht meinen, aber auf diese Art findet sich inmitten höchst alberner Verspieltheit fruchtsame Gesellschaftskritik wieder, die tatsächlich zu funktionieren weiß. Nebenbei wird aufgrund der vorhandenen Liebesgeschichte noch das verklemmte Getue der Amerikaner aufs Korn genommen, Mechanismen romantischer Filme vorgeführt und gekonnt ad absurdum geführt und für mehr Toleranz für Andersartige geworben.

Hierfür dient auch die, gerade beim weiblichen Publikum beliebte, Mutation namens Fusseltomate, die für cartooneske Momente herhalten darf und in ihrem Niedlichkeitsfaktor glücklicher Weise noch zurückhaltend und treffsicher eingesetzt wird, im Gegensatz zu ihren Auftritten innerhalb der zweiten Fortsetzung. Ohnehin ist man von dessem niedrigen Niveau noch weit entfernt, was auch ein Blick auf Igor, dem blonden Gehilfen des irren Wissenschaftlers, zeigt, der mit gleichem Schauspieler besetzt hier zu einer wirksamen Lachgranate wird, spätestens wenn er in die Kamera grinst, und in Teil 3 völlig austauschbar und unlustig wirkt. Ein Blick auf die Besetzung des Streifens lohnt ohnehin, ist in einer größeren Nebenrolle doch der damals noch unbekannte George Clooney mit an Bord, dem laut Interview, im Gegensatz zu manch engstirnigen Cineasten, sein Mitwirken an diesem Streifen nicht peinlich ist, sondern er ganz im Gegenteil damals stolz darauf war eine solch große Rolle ergattert zu haben und überhaupt mitwirken zu dürfen. Außerdem mit an Bord ist der Ur-Mr. Addams John Astin in der Rolle des Professor Gangreen.

Der spielt nicht mehr so versteckt skurril wie in der Erfolgsserie "Die Addams Family", dafür aber mit sichtbarer Spielfreude mit dem Holzhammer jegliches Klischee eines irren Wissenschaftlers präsentierend. Es ist eine Freude ihm und all den anderen Mitwirkenden zuzusehen, allen voran dem unbekannten Anthony Starke in seiner Hauptrolle als Chad. Der muss kein wirklich talentierter Schauspieler sein, es braucht also nicht verwundern dass er nach kleinen Rollen in "Endlich wieder 18" und "Von allen Geistern besessen" nur noch für das Fernsehen arbeitete, aber seine Darbietung in "Return of the Killer Tomatoes" (Originaltitel) ist wahrlich treffsicher und sympathisch ausgefallen, eben weil er, ebenso wie Astin, in totaler Spielfreude überagieren darf. Und wenn in mancher Ausnahmeszene auch Clooney auf gleiche Art aufdreht, meist neben Starke, dann bereitet dies mit Blick auf seinen heutigen Bekanntheitsgrad und Betätigungsfeld gleich noch mehr Spaß ihm dabei zuzusehen als es zur Entstehungszeit der Fall war.


Trailer,   OFDb

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