01.03.2020

DREDD (2012 Pete Travis)


In der letzten Stadt Amerikas leben 800 Millionen Menschen. Sogenannte Judges, die Polizisten und Richter in einer Person sind, sorgen innerhalb katastrophaler Verhältnisse für Recht und Ordnung. Der härteste Judge ist Dredd, der eine junge Frau mit telekinetischen Fähigkeit als neuen Rekruten an die Seite gesetzt bekommt, um sie zu beurteilen. Ein dreifacher Mord führt die beiden in den heruntergekommensten Gebäudekomplex der Stadt, der heimlich regiert wird von der eiskalten Drogenbaronin Ma-Ma. Als die Judges einen ihrer wichtigsten Mitwisser verhaften, riegelt sie das komplette Gebäude von der Außenwelt ab und hetzt alle Bewohner gegen die Eindringlinge auf...


Das Gesetz bin ich...

Als die Comicreihe mit "Judge Dredd" Mitte der 90er Jahre schon einmal verfilmt wurde, kam dieser Versuch bei vielen nicht gut an. Einige Menschen fehldeuteten das dortige Treiben als faschistoid, Fans der Comics waren über Regelbrüche erbost, hauptsächlich über jenen, dass im Zuge der prominenten Besetzung mit Sylvester Stallone in der Titelrolle der Held der Geschichte, entgegen den Regeln der Comicvorlage, des öfteren seinen Helm abnahm. Im erneuten Versuch aus dem Jahr 2012 hält man sich an besagte Regel. Stets darf man lediglich Karl Urbans in harter Pose mürrisch gehaltenen Mund und sein Kinn sichten. Und knallhart wie Dredd charakterisiert ist, gibt es in ihm charakterlich nicht mehr zu entdecken, als den knallharten Hund, der sich komme was wolle an die Gesetze der übergroßen Stadt hält. Interessanter Weise wird er dadurch, trotz der Tatsache dass er stets im Vordergrund steht, nicht zur Identifikationsfigur, sondern stattdessen Rekrut Anderson. Mit ihr entdecken wir den harten Arbeitsalltag eines Judges inmitten einer kriminellen Gesellschaft. Über sie erfahren wir die nie übergeordnet thematisierten Beobachtungen über mögliche Fragwürdigkeiten des Systems, und durch sie erleben wir die Torturen, die ihr widerfahren, emotional mit.

Das ist kein schlechter Kniff für einen Streifen mit einer derartigen Hauptfigur, und auch sonst schlägt sich die zweite Verfilmung "Dredd", die einer anderen Geschichte als das Erstling nachgeht, nicht schlecht. Die Geschichte ist durch die Grenzsetzung des Ortes minimalistisch gehalten, das Szenario mit dem weiblichen Neuling an der Seite eines harten Hundes erinnert ein wenig an "Dirty Harry 3", ohne dessen lästerndes Frauenbild zu wiederholen, und in seiner harten Umsetzung in der ungeschnittenen Fassung schaut sich das ganze Treiben wie das gute alte 80er Jahre Action-Kino. Es wird nicht verwässert durch Humor, Ironie und Metaebene, Gewalt wird weder eingespart, noch glorifiziert, es wird als Mittel zum Zweck genutzt, um die Geschichte bestmöglich zu erzählen. Nie treten Schauwerte rein des Spezialeffektes wegen auf, alles dient dem Nutzen der Erzählung. Ausnahmen bieten lediglich die optisch entfremdeten Aufnahmen aus der Sicht von Menschen, die gerade die im Film thematisierte neumodische Droge konsumieren. Diese Art Optik scheint stilistisch jedoch ein verspieltes Zugeständnis an die Comicheft-Reihe zu sein, leider eines was nicht wirklich funktionieren will, reißen diese Sequenzen einen doch kurzfristig aus dem ansonsten flüssig gehaltenen und atmosphärisch eingebetteten Erzählstil heraus in ihrer unangenehmen Bemühung auf coole Wirkung. Glücklicher Weise sind sie nur vereinzelt im ersten Drittel vertreten. Erst gegen Ende kommt eine solche Sequenz wieder zum Einsatz und ist dort auch glücklicher Weise positiv, da den Plot unterstützend, eingesetzt.

Insgesamt kann man wahrlich nicht klagen, schafft "8 Blickwinel"-Regisseur Pete Travis doch mittels Vereinfachung über den Kniff des Mikrokosmos des abgeriegelten Gebäudekomplexes, in welchem der Hauptteil der Geschichte spielt, somit ein konzentriertes, zielgerichtetes, atmosphärisch dichtes und packendes Szenario. Andererseits ist die Chose geistreich genug ausgefallen, um als Zuschauer nicht mit ständigen Widersprüchen und Dummheiten unterfordert oder genervt zu werden. Es gibt keine dummen Sprüche, es wird auf Actionebene und bezogen auf die Realität, in welcher die Figuren leben, rational und charakterbezogen reagiert und kommuniziert. Und kleine Erzählkniffe, wie das Gedankenduell im Kopf eines der Verbrecher mit dem telekinetischen Medium, bereichern das ansonsten auf einfachem roten Faden wandernde Geschehen. Ich wüsste gern, warum es nie zu einer Fortsetzung kam, denn letztendlich ist "Judge Dredd" (Alternativtitel) genau das geworden, was man sich von einem Genrebeitrag dieser Art wünscht. Travis Comicverfilmung ist endlich wieder hartes Popkornkino frei von pubertären Peinlichkeiten und fühlt sich endlich mal wieder nicht wie der typische Schwanzvergleich der großen Filmstudios an. Wie erwähnt guckt sich das alles, trotz mancher Eingeständnisse an die Moderne, wie gutes altes 80er Jahre-Actionkino . 4/5


Trailer,   OFDb

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