DER WOLFSMENSCH (The Wolf Man 1941 George Waggner)


Larry Talbot kehrt von Amerika nach England ins Familienschloss zurück. Nach einem Jahrmarktsbesuch attackiert ein Wolf die Freundin seiner Begleitung Gwen. Er kann ihn zwar mit einem jüngst erworbenen Spazierstock mit Silbergriff töten, wird zuvor jedoch von dem Tier gebissen. Eine Zigeunerin vom Jahrmarkt offenbart ihm, dass es sich bei dem nicht aufgefundenen getöteten Tier um ihren Sohn handelte, der unter einem Werwolfsfluch litt, und dass dieser durch den Biss nun auf Larry übertragen wurde. Der glaubt nichts von all dem abergläubischen Gerede, bis er sich eines nachts tatsächlich in besagtes Wesen verwandelt...


Der verschenkte Schutz...

Im Bereich der Monsterfilme der Universalstudios, die mit "Dracula" eine Hororfilmwelle ausgelöst hatten und lange Zeit Marktführer dieser Gattung des phantastischen Films blieben, erblickte "Der Wolfsmensch" recht spät das Licht der Welt. Zwar entstand er immer noch 13 Jahre vor "Der Schrecken vom Amazonas", aber im Bereich der klassischen Ur-Monster, die das Horrorgenre in Buch- und Filmform schon immer beschäftigten, war er definitiv ein Nachzügler. "Frankenstein" hatte längst zwei Fortsetzungen beschert bekommen, "Dracula" mit "Draculas Tochter" fünf Jahre zuvor auch eine, und selbst die ebenfalls Anfang der 30er Jahre entstandenen "Die Mumie" und "Der Unsichtbare" bekamen ein Jahr vor dem Erscheinen des Werwolfs ihre ersten spät nachgerückten Fortsetzungen beschert. Sein Auftritt war somit längst fällig.

Doch so ganz will er sich der Qualität seiner meisten namhaften Vorgänger nicht anschließen, schaut er sich doch nicht so intensiv wie diese. Weder gelangt der tragische Aspekt an das Leiden des Monsters von Dr. Frankenstein heran, noch fasziniert der Wandel, den der Körper des Wolfsmenschen durchmacht, derart intensiv wie jener des wissenschaftlichen Experimentes des Unsichtbaren. Letztendlich schaut sich das Treiben im hier besprochenen Streifen ohnehin eher wie die Blaupausen-Fluch-Version eines "Dr. Jekyll und Mr. Hyde", den das Konkurrenzstudio MGM längst zu Beginn besagter Horrorwelle auf die große Leinwand brachte. Dieser vermochte die Tragik einer bestehenden Leidenschaft zu dem Mann, der das Monster in sich birgt, wesentlich intensiver einzufangen, als es Waggner mit seinem Wolfsmenschen schaffte. Zu nebensächlich eingebracht scheint die Blondine an Chaneys Seite, zu wenig nahe gekommen sind sie sich für ein wahrhaft tragisches Verzweifeln.

Auch das Aussehen des Werwolfs kommt dem Streifen nicht zur Hilfe, gelingt es doch selbst heute kaum wen ein solches Wesen überzeugend per Maske oder Computereffekte darzustellen, und die recht ordentlich angegangenen Versuche der Maskenbildner des hier besprochenen Werkes können ebenfalls nicht überzeugen. Das frühe Erscheinungsjahr lässt einen jedoch über diese Unzulänglichkeit hinwegsehen, schaut sich "Der Wolfsmensch" doch längst ohnehin lediglich nostalgisch anstatt wahrhaftig gruselig. Und da die Geschichte routiniert gekonnt genug erzählt ist und die im Nebel gehaltenen überzeugenden Studiolandschaften, sowie das Schloss und der Friedhof atmosphärisch gekonnt dagegen halten, verfällt der Film nicht all zu sehr der unfreiwilligen Komik, unter welcher der zu blutarme "Dracula" mit Lugosi mit seinen Gummifledermäusen und dem Fehlen von Vampirzähnen litt, gerade im Vergleichsblick zum großartigen 9 Jahre zuvor entstandenen "Nosferatu".

Lugosi spielt auch in "The Wolf Man" (Originaltitel) mit, und das klingt nach einer guten Entscheidung, war es doch nicht er der den 30er Jahre Vampirfilm scheitern ließ und wurde er doch zusammen mit Boris Karloff zu Recht eine der bedeutendsten Horrorikonen seiner Zeit. Da klingt es nur gut, dass er als Ergänzung zum naiv dreinschauenden und versteift wirkenden Lon Chaney Jr. eingesetzt wurde, der den Film nicht wirklich zu tragen weiß und als Mensch nicht halbwegs so gut zu überzeugen weiß wie als Werwolf. Doch Lugosis Part als Zigeuner ist zu kurz ausgefallen, um "Der Wolfsmensch" einen wahren Pluspunkt zu bescheren, und auch der ebenfalls anwesende Claude Rains kann in seiner zu wenig beeinflussenden Rolle nicht die Intensität seines Unsichtbaren zur Verbesserung des Streifens wiederholen. 

Und so bleibt "Destiny" (Alternativtitel) das was zum Glück trotz aller Umstände noch aus ihm geworden ist: ein kleines, sympathisches Stück Horrorroutine, welches längst nicht die Qualitäten der meisten Konkurrenzprodukte besitzt, aber ordentlich und effektiv genug umgesetzt wurde, so dass zumindest der Horrornostalgiker von heute ordentlich und charmant genug unterhalten wird, um nicht sonderlich streng mit dem Produkt umzugehen. Damit liegt er zwar weit hinter seinen Erwartungen zurück, aber wenn selbst ein überforderter Lon Chaney Jr. trotz seiner Defizite solche Sympathie zu versprühen vermag, dann kann ein Film wie "Der Wolfsmensch" nicht völlig entartet sein, dann merkt man bei weniger Erwartungen dass sehr wohl Herzblut an seiner Entstehung mit im Spiel war und man inmitten von Fortsetzungen altbekannter Monster zumindest mal wieder etwas Frisches hinzu erschaffen wollte. Wahrscheinlich kam "Der Wolfsmensch" trotzdem einfach ein halbes Jahrzehnt zu spät, wer weiß wie er zu den Bestzeiten der Universal Studio-Monsterfilme ausgefallen wäre.


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