MEG (The Meg 2018 Jon Turteltaub)


Forscher entdecken einen Ozean unter einem Ozean und erwecken in diesen urigen Gewässern unbewusst das Interesse eines Megalodon für sich. Als die Forschercrew unter Wasser von einem umstrittenen Experten gerettet werden kann und zurück auf der Forschungsstation ist, entdeckt man, dass der Megalodon ihnen gefolgt ist. Der Kampf gegen einen unfairen Gegner ohne natürliche Feinde steht den Menschen bevor...


Weniger für mehr...

Während in der kleinen Billigproduktion "Megalodon" eine Vielzahl ausgestorben gedachter Arten aufgrund eines unterirdisch versteckten Ozeans hinaus in die Weiten schwimmen, entkommt in der Großproduktion "Meg" lediglich eine Gattung ihrem ehemaligen Gefängnis. Sah man der ähnlichen Geschichte von 2002 ihre Kostengünstigkeit anhand der kläglichen Spezialeffekte, leider auch bezüglich des Megalodon, an, kann "Meg" gerade in diesem Bereich trumpfen, lassen die Spezialeffekte doch nichts zu wünschen übrig. Wegen nichts anderem braucht man einschalten, ist doch die Idee an sich, dass ein Urzeit-Hai entdeckt und aggressiv wird, doch nichts neues im Filmbereich. Von "Der Monster-Hai" (wo der Megalodon allerdings auch mit einem Oktopus gekreuzt war), über "Shark Attack 3" und "Shark Hunter", bis hin zur Trashreihe um einen Urzeit-Hai, begonnen mit "Mega Shark vs. Giant Octopus", hat es bereits einige Produktionen gegeben, die sich für dieses Thema interessieren. Und auch die Billigschmiede The Asylum kehrte nach ihrer Mega Shark-Reihe zu dem Thema zurück, um im Zuge von Meg" ihre Billigvariante "Megalodon" 2018 folgen zu lassen.

Dass ich "Meg" trotzdem unbedingt sehen wollte, lag nicht nur daran dass mich die unzähligen Verfilmungen von Hai-Horrorfilmen ohnehin interessieren, sondern in erster Linie auch daran, dass man ihn mit Actionstar Jason Statham in der Hauptrolle besetzte. Zwar durfte bereits Dolph Lundgren als Actionstar 2015 in "Shark Lake" einem Killerhai den Kampf ansagen, aber das war eine Billigproduktion, in welcher der eingekaufte Name mit recht wenig Szenen so hinein geschnitten wurde, dass es so aussehen sollte als wäre Lundgren der Hauptdarsteller. In der professionellen Großproduktion "Meg" ist Statham tatsächlich der Star, und neben ihm darf auf Rainn Wilson agieren, der eine kleine Semiberühmtheit über die amerikanische Version der TV-Serie "The Office" erlangt hat, diese jedoch eher durch sein geniales Spiel in "Super" und "Hesher" verdient hätte.

In "Meg" reißt er sich kein Bein aus, und das ist auch nicht weiter schlimm, denn es ist so wie ich gesagt habe: man guckt diesen Streifen aufgrund der Spezialeffekte, einen anderen Grund hineinzuschalten gibt es nicht. Leider gehört "Meg" zu jener Gattung modernem Kino, in welchem für das viele Geld zwar Stars und professionelle Tricktechniker eingekauft wurden, man aber an guten Drehbuchautoren spart, so dass das Ergebnis erschreckend einfallslos ausfällt. Wirklich rein gar nichts wird in "Meg" erzählt, was nicht schon unzählige andere Filme ähnlich variiert in ähnlicher Reihenfolge erzählt hätten. "Meg" überrascht mit nichts, verläuft völlig überraschungsfrei und bietet als einzige Innovation das tatsächliche Spiel eines Actionstars innerhalb der üblichen Hai-Soße. Statham spielt wie er immer spielt, wird inszeniert wie er immer inszeniert wird, und da sich der Streifen zu keinem Zeitpunkt realistisch gibt und ohnehin lediglich in der typischen Kinorealität amerikanischer Produktionen spielt, schadet es der Glaubwürdigkeit auch nicht, wenn der Typ als ein Mann-Armee höchst persönlich des öfteren alleine Mann gegen Hai antritt, was uns dann auch die besten und augenzwinkernsten Kameraeinstellungen beschert.

Dementsprechend ist der komplette Film aber auch hauptsächlich actionorientiert umgesetzt. Der Suspense wird keine Beachtung geschenkt. Theoretisch gute Momente werden von der Kamera eher gelangweilt eingefangen, so dass eigentlich recht interessante Haiattacken wirkungslos eingesetzt werden, weil sie nicht erschrecken, sei es weil besagte Momente aus der Distanz gezeigt werden, aus einem uninteressanten Blickwinkel, oder weil die Art der Inszenierung einem zuvor signalisiert, dass es gleich so weit ist. Aufgrund dieser Orientierung in Kombination mit dem völlig überraschungsfreien Drehbuch ist "Meg" völlig spannungsfrei inszeniert, so dass man nie mit Figuren mitfiebert und nie dem Fingernägelkauen nahe kommt. Zudem ist die Geschichte völlig überfrachtet, da sie jeglichen Aspekt der Geschichte eintüten will, inklusive eines Ausflugs zum Hai-Horror-Prototyp schlechthin, Steven Spielbergs "Der weiße Hai". So dreht sich die Geschichte nach den Stationen Unterwasserrettung, Bedrohung auf der Forschungsstation und dem Ausgeliefertsein auf einem Schiff pflichtgemäß noch Richtung bedrohte Badeurlauber, und spätestens hier stört die Actionorientierung. Denn was nutzt es die zumindest herrlich satirisch eingefangenen Bilder glücklicher Badegäste zu sehen, wenn man weiß dass das Grauen was ihnen bevorsteht ohnehin zu theoretisch umgesetzt sein wird?

Regisseur Turteletaub, der mit "Cool Runnings", "Während du schliefst" und "Phenomenon" tolle Filme hervorbrachte, bevor er mit "The Kid" und "Intinkt" zu enttäuschen wusste und erst wieder mit "Das Vermächtnis der Tempelritter" etwas brauchbares ablieferte, beweist auch recht schnell dass die Vorahnung recht behält und lässt alle guten Möglichkeiten ein solches Szenario spannend zu inszenieren außen vor und wählt den massentauglichen langweiligsten Weg. Pate hierfür steht die erste Haiattacke im Touristengebiet. Man sieht das friedliche Treiben der Badegäste in einer distanzierten Gesamtaufnahme, und anstatt in diese herrliche Ruhe und Kameraposition nun den Hai platzen zu lassen, wird ein Schnitt gesetzt, damit das Urzeitvieh in Großaufnahme aus dem Wasser schellen darf. "Meg" ist voll von solchen Fehlentscheidungen, es würde den Rahmen sprengen auf jeden Bockmist den er baut aufmerksam zu machen. Auch wenn ich nicht viel erwartet habe, etwas mehr hatte ich dann doch von diesem Kinofilm erwartet. Dass "Meg" einem während des Sichtens zu egal ist, um zu gefallen, hätte ich nicht vermutet. Dass er einem aber auch zu egal ist, um ihn wahrlich schlecht zu finden, rettet ihn zumindest, immerhin ist er trotz jeder Vorhersehbarkeit actionreich genug inszeniert um nicht zu langweilen. Einen Grund reinzuschalten gibt es leider jedoch nicht.


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