Donnerstag, 19. Juni 2014

SHERLOCK 8 - IM ZEICHEN DER DREI (Sherlock - The Sign of Three 2014 Colm McCarthy)


Sherlock geht seine bislang schwierigste Aufgabe an. Als Trauzeuge muss er vor der Hochzeitsgesellschaft eine Rede auf den Bräutigam halten. Doch selbst dies geschieht nicht ohne nebenbei noch einen Fall zu lösen...


Die Ich-Perspektive des Sherlock...

So falsch kann man liegen. Die Versöhnung um Sherlock und Watson ist abgeschlossen. Wie sie einander endgültig näher kamen, muss sich der Zuschauer selbst zusammen reimen, denn wir erleben einen kleinen Zeitsprung zwischen dieser und der letzten Folge. Monate sind vergangen. „Sherlock 8“ setzt nach einer kurzen Einstiegsszene während der Hochzeit von Watson an. Und das bleibt nicht die einzige Überraschung, wird mit „Im Zeichen der Drei“ doch die wohl ungewöhnlichste Episode der Serie präsentiert, die dem Zuschauer bislang vorgesetzt wurde.

Ein vernachlässigter Kriminalfall zum Wohle der Charaktere ist nichts neues im Holmes-Universum, dass aber die komplette Folge eigentlich nur aus der Ansprache Sherlocks besteht ist schon eine Kuriosität für sich. Das schaut sich keineswegs so langweilig wie es sich liest, ist aber definitiv gewagt zu nennen. Interessant ist die Episode allein schon wegen der verstärkten Ich-Perspektive Sherlocks, die sonst eher am Rande angewandt wird. Im letzten Drittel darf Sherlock gar im geistigen Dialog mit seinem Bruder einen Kriminalfall lösen, noch während er nach außen hin die Rede hält. Das weiß zu gefallen, auch wenn Sherlocks Peinlichkeiten nach außen in Bezug auf das Verhalten der Zuhörer nicht gerade glaubwürdig zu nennen ist.

Aber auch Sherlock selbst ist nicht immer glaubwürdig charakterisiert. Soziale Dummheit, das kennen wir alle von ihm. Aber einen solch dümmlichen Dialog über den Morgentee, wie er ihn mit seiner Vermieterin führt, unterschätzt das Genie Sherlock doch auf eine extrem beleidigende Weise. Ohnehin wirkt Sherlock diesmal etwas geistig dröge, was an seiner Figur nagt, die von ihrer Perfektion lebt. Einzig die Leichtfertigkeit mit welcher Egomane Sherlock es immer wieder schafft aus einem unfreundlichen Bereich seiner Rede eine herzenswarme werden zu lassen, obwohl er von Sozialverhalten und Gefühlen keinerlei Ahnung hat, wird versteckt vom Drehbuch her erklärt und geht damit als legitim durch.

Neben dem charakterlichen Wackeln der Figurezeichnung Sherlock stört am Drehbuch zudem die Zufälligkeit zwischen den von Holmes vorgetragenen Anekdoten und dem Zusammenhang dieser mit dem zu lösenden Fall. Das ist schon besonders unglaubwürdig zu nennen, zumal man gleich beide schwerwiegenden Schwächen der Folge mit dem Kniff hätte glattbügeln können, dass der Meisterdetektiv, so unsensibel er nun einmal ist, die Hochzeit absichtlich dafür genutzt hat einen Mörder aufzuspüren, indem er ihn bewusst mit dem Erzählen besagter Mordfälle aus der Reserve lockt. Das hätte Zunder zwischen ihm und Watson gegeben, den Hauptcharakter nicht manipuliert und eine Bösartigkeit besessen, wie wir sie schwarzhumorig von dieser Serie und ihrem Soziopathen ohnehin bereits gewohnt sind. Ein Stilbruch wäre dies freilich nicht gewesen. Es hätte lediglich dem finalen sozialen Fortschritt Holmes im Wege gestanden, der sich im Dialog mit einem ehemaligen Soldaten zeigt, auf den ich aber ohnehin hätte verzichten können.

„Im Zeichen der Drei“, der sich mal wieder augenzwinkernd an einen originalen Sherlock-Titel orientiert und erst am Ende der Folge einen Sinn ergibt, ist seit der ersten Staffel definitiv die schwächste Folge. Aber im Gegensatz zum Tiefpunkt „Der blinde Banker“ hat sie auch einige Vorzüge zu bieten, so z.B. die sehr geglückte Betrunkenen-Perspektive, in welcher Sehgewohnheiten des Zuschauers aus Sherlocks alkoholisiertem Blickwinkel präsentiert werden, glücklicher Weise vom Drehbuch so gestützt, dass es glaubwürdig ist warum Holmes überhaupt betrunken wird.

Positiv sticht auch die Auflösung des Mordfalles heraus. Interessiert die Täterauflösung eigentlich niemanden, zumal man kein Meisterdetektiv sein muss um herauszufinden wer der Verbrecher ist, so ist doch die Methode der Taten, über die Sherlock lange rätseln muss, als pfiffig zu bezeichnen, auch wenn ich mich frage ob die Tat zum begangenen Zeitpunkt nicht doch einen Schmerz hätte verursachen müssen. Letztendlich ist der Kriminalfall aber ohnehin zu sehr Nebensache um über derartige Logiklücken zu rätseln und Episode 8 ohnehin nur als Spielerei gedacht, bevor mit Teil 9 hoffentlich wieder ein echter Mordfall auf die Kriminalisten wartet.

Denn so lustig und gewagt sich „Im Zeichen der Drei“ auch gucken mag, er ist, nicht nur wegen seiner Schwächen, eine wackelige Angelegenheit. Letztendlich wirkt er noch während des Zuschauens unnötig und austauschbar, was das Publikum nur bedingt interessiert dem Geschehen folgen lässt. Wären die Charaktere dieser Serie nicht so charmant ausgefallen, so wäre diese Folge vielleicht sogar komplett gescheitert. Zur kurzweiligen Erheiterung ist sie aber immerhin geeignet.


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