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15.06.2015

RIOS RACHE (1961)

„Rios Rache“ erzählt eine Interesse weckende Geschichte mit einem einsamen Helden im Zentrum, was grundsätzlich im Genre zu wirken weiß. Nur leider ist dieser Westernbeitrag mit Marlon Brando in der Hauptrolle einfach falsch besetzt, wirkt er doch so soft und zart wie Neros Rolle in der „Carmen“-Version „Mit Django kam der Tod“. Zwar wird sein Charakter über den Überfall hinaus zwielicht gezeichnet, am deutlichsten wohl in der Art wie er Frauen für schnellen Sex belügt, aber Brando wirkt einfach zu soft, und seine übertriebene Gentleman-Art steht ihm bei der Erfüllung seiner Rolle noch zusätzlich im Weg.

Das ist alles gut gemeint, vielleicht fehlte ihm auch einfach der rationale Blick auf seine Leistung in einem Film bei dem er selbst Regie führte, aber mit einem Wackelkandidaten in der Hauptrolle geht einfach viel vom Potential einer guten Geschichte verloren. Allerdings ist die Geschichte ohnehin nicht ganz so gut wie sie sich zunächst liest, zieht sie sich doch mit Unnötigkeiten und noch schlimmer mit Unglaubwürdigkeiten in die Länge, ohne dass das Verhalten vieler Personen für den Zuschauer nachvollziehbar wäre. Das betrifft nicht nur die neuen Kumpanen Rios, die in aller Geduld, obwohl rücksichtslos charakterisiert, auf ihren Krüppel von Freund Monate warten bevor sie eine Bank überfallen, bis es ihnen schließlich viel zu spät reicht und endlich passiert was längst hätte passieren müssen, bei so wenig Ehrfurcht die sie vor Rio hatten.

Noch viel schlimmer schaut sich die Geschichte jedoch bezogen auf die Love Story, die eigentlich viel Zunder parat gehalten hätte, entsteht doch eine Liebschaft zwischen Rio und der Tochter seines Feindes. Der innere Konflikt der mit Rios Rache einher geht wird relativ flach überflogen, aber immerhin durch eine miese Tat Longworths entschieden. Warum die Tochter Rio noch vor dem Wissen der Schwangerschaft hinterher heult, obwohl dieser sie auf übelste Art belogen und benutzt hat, wird auch nie ganz klar. Gravierend werden diese Fehler dadurch, dass Brando eigentlich keinen klassischen Westernstoff erzählen will, sondern in aller Ruhe eine Charakterstudie aufzeigen möchte. Ein lobenswerter Ansatz, der mit solch einem Drehbuch jedoch nicht umzusetzen ist. Und ohne die mystische Atmosphäre eines glaubwürdigen Einsamen, so wie wir ihn z.B. in „Spiel mir das Lied vom Tod“ kennen lernen durften, funktioniert das erst recht nicht.

Dass sich „Der Besessene“ (Alternativtitel) trotzdem noch halbwegs interessant auf seine Laufzeit von über 130 Minuten guckt, liegt an den tollen Landschadftsaufnahmen, dem großartigen Spiel von Karl Malden in der Rolle des Longworth und der an sich sympathischen Geschichte. Einzelne Momente sind teilweise großartig eingefangen. Andere wirken unnötig und halten den Verlauf der Geschichte zu sehr auf ohne dem Werk einen Vorteil zu bescheren. Die Gesamt-Story selbst wirkt zu sprunghaft, teilweise orientierungslos. In „Noch hänge ich nicht“ (Alternativtitel) passiert manches etwas zu spät und vieles viel zu spät. Aber letztendlich hätte der Film mit einem wenig überzeugenden Brando als Rio ohnehin nicht das Zeug gehabt großes Kino zu werden, auch ohne die inhaltlichen Fehler.  OFDb

22.02.2015

THE SCORE (2001)

Dieser Film beweist mal wieder, dass es keiner großen Story bedarf um ein gutes Ergebnis zu erzielen. Zunächst einmal haben wir hier hervorragende Schauspieler, die zeigen was in ihnen steckt. Klar hatte DeNiro schon schwierigere Rollen zu meistern, aber auch in diesem kleinen Film zeigt er wie man einem Charakter mehr Tiefe verleihen kann als es für ein Werk mit solcher Handlung eigentlich nötig wäre. Dieser Mann hat sich seinen Charakter soweit zu Ende gedacht, dass es unmöglich sein kann dass er nur das was im Drehbuch steht nachgespielt hat. Dafür ist seine Rolle viel zu perfekt ausgearbeitet, insbesondere in den Feinheiten erkennbar die jeder selbst entdecken muss.

Zu Edward Norton muß man eigentlich genau so wenig sagen wie zu DeNiro. Neben DiCaprio zählt er von seinem Talent her zu den wenigen die DeNiro schauspielerisch das Wasser reichen können. Und das darf er in „The Score“ auch direkt unter Beweis stellen. Mag er als Behinderter zunächst etwas aufgesetzt wirken, so wird man im weiteren Verlauf der Geschichte doch eines besseren belehrt, so dass man nicht zu frühzeitig maulen sollte.

Die Freundin der DeNiro-Hauptrolle hüpft nur einige Male durchs Bild, sorgt weder für ein echtes Fortschreiten der Geschichte noch für ernsthafte dramatische Tiefe und theoretisch ließe sich der Film auch ohne sie erzählen. Aber genau das ist es was mir an dieser Rolle so gefällt. Man versuchte nicht krampfhaft eine Frau in die Geschichte zu integrieren, machte auf der anderen Seite aber auch nicht den Fehler diese Figur komplett zu streichen. Nein, man beschränkte sie auf das was sie ist: das geringe Privatleben des Profidiebes.

Trotz hervorhebenswerter Mimen gibt es auch eine Schwachstelle unter den Stars zu vermelden. Das Spiel des ehemaligen Paten Marlon Brando kann man maximal als mittelmäßig bezeichnen. Er darf zwar eine interessante Rolle verkörpern, spielt diese aber so mau, dass man auch einem No-Name-Darsteller eine Chance hätte geben können. Das hätte dem Film sicher nicht geschadet - ganz im Gegenteil. Dass es ausgerechnet Brando gewesen sein soll, der die Dreharbeiten immer wieder behinderte, ist ein Witz bei dieser mangelhaften Leistung. Glücklicher Weise ist sein Part recht klein ausgefallen und sorgt immerhin für eine der Wahrscheinlichkeiten, was am Überfall falsch laufen könnte, so dass die Figur zumindest von Nutzen ist.

Der Spannungsbogen des Streifens entsteht erfreulicher Weise nicht durch eine bahnbrechende aufwendige Geschichte, die penetrant auf Schauwerte zusteuert, sondern durch die ruhige Erzählweise des langsamen Fortschreitens eines Coups, der zwar immer schwieriger zu bewältigen wird, aber stehts scheint gemeistert werden zu können. Somit ist der Zuschauer immer wieder in der Situation zu rätseln was wohl schief gehen könnte. Dass etwas schief gehen wird ist sicher, die Story ist schließlich genau darauf ausgelegt.

Dass der Auslöser des Schieflaufens keine Überraschung ist, ist nicht schlimm, immerhin gibt man uns drei Wahrscheinlichkeiten vor die eintreten könnten. Das sorgt bereits für einen gewissen Spannungsbogen. Vom eigentlichen Einbruch selbst erzählt die Geschichte erst recht spät. Aber da man nicht weiß woran der Coup scheitern wird, zittert man bereits vorher schon an anderer Stelle, so z.B. an der Frage ob es die Rolle des Norton schafft dauerhaft als Behinderter durchzugehen. Nicht nur dass er einen Fehler in dem was er tut oder redet begehen könnte, er könnte ja auch mal außerhalb seiner Rolle als Normalbürger von einen Kollegen gesichtet werden. Der Spannungsbogen steht somit aus unterschiedlichsten Gründen fast immer im Zentrum und wird nur für wenige Szenen unterbrochen.

Das Ende darf man wohl als pfiffige Idee bezeichnen, zumindest wenn man leise Töne mag. Zu einem Showdown zwischen Norton und DeNiro kommt es gegen aller Erwartungen nicht. Die Psychologie die der Film nebenbei unauffällig aufbaut wird zur finalen Raffinesse, so dass sich „The Score" auch hier von seinem Niveau her von anderen Produktionen dieser Art unterscheidet. Ob die wunderbare Idee, die einer von beiden Charakteren Recht gibt, auch beim Massenpublikum ankommt weiß ich nicht. Man darf es aufgrund des üblicher Weise nach Schauwerten lechzenden Standardprogramms in den Kinos zumindest anzweifeln. Der Cineast hingegen darf sich freuen. Mit dem Ende des Films beginnt die Phantasie des Zuschauers. Es macht Spaß sich die einzelnen Möglichkeiten auszudenken, wie es für den jüngeren von beiden nun weiter gehen könnte.

Dass Filme wie "Verlockende Falle" einen mehr an den Überfallsvorbereitungen teilhaben lassen als "The Score", kann ich nicht abstreiten. Der Thriller von Frank Oz, eigentlich Profi komödiantischer Stoffe, lässt uns lange im Glauben einer trivialen Geschichte, um heimlich die Karten zu mischen, die zu einem ähnlich guten Ergebnis führen wie die Alternative anderer Thriller kniffelige Vorbereitung für einen komplizierten Raubzug aufzuzeigen. Aber das ist einfach das schöne an Kino. Da gibt es Filme wie „Matrix 2“ und „Matrix 3“, die scheinbar viel erzählen und am Ende doch nur ein recht simples Szenario aufpuschten, und dann gibt es auf der anderen Seite Werke wie "The Score", die nichts aufregendes zu erzählen scheinen, die hinter dieser banalen Fassade aber um so tiefer gehen. Nicht falsch verstehen! "The Score" ist keine große Filmkunst, die uns philosophische oder psychologische Neuanstöße zum eigenen Nachdenken beschert. Aber für einen reinen Unterhaltungsfilm ist er doch recht gewitzt ausgefallen.  OFDb

16.02.2014

SUPERMAN - DER FILM (1978)

Dem Erfolg von „Krieg der Sterne“ haben wir es zu verdanken, dass Stoffe, die in gebildeteren Zeiten gerne als zu trivial oder zu schundig betrachtet wurden, auch in Großproduktionen für den Kinomarkt fertiggestellt wurden. Superman erhebt sich aus den Schmuddelheftchen, lässt seine wackeligen TV-Auftritte hinter sich und erscheint in professioneller Umsetzung für jederman auf der Leinwand und nicht mehr einzig für Kinder und Freaks. Damit sich auch der letzte Zweifler davon überzeugt bekommt, dass „Superman“ großes Kino verspricht und nicht vergleichbar mit den B-Movies aus dem Autokino ist, hat man mit Marlon Brando und Gene Hackman zwei Schauspiel-Größen engagieren können, die bereits zu ihrer Zeit berühmte Namen waren.

Und so griff die typische Hollywood-Politik durch, in welcher der Prominente vor der eigentlichen Hauptrolle im Vorspann genannt wird, was selbst in der Fortsetzung so bleiben sollte, obwohl sich Christopher Reeve durch Teil 1 einen Namen gemacht hatte. Mit dem von Gene Hackman ließ der sich dennoch nicht vergleichen, und der spielt dort wie hier den Oberschurken und Erz-Gegner Supermans, Lex Luthor, und dies im hier besprochenen ersten Teil erst zum Ende hin mit Glatze, was eine Erwähnung wert ist bei all dem zur Zeit aktuellen Maulen, man könne in der jüngst bevorstehenden Superman-Verfilmung, in welcher ein Kampf gegen Batman bevorsteht, Wirrfrisur Jesse Eisenberg nicht als Lex Luthor dulden, ein Mann mit Talent, in einem Film von dem man jetzt schon weiß, dass der Verbrecher mit Glatze tätig sein wird. Der Fan-Pool gleicht gerne einem Kindergarten.

Aber wenn es schon passt sich wie ein Kleinkind zu benehmen, dann doch bezüglich einer Comicverfilmung über einen Mann, der alles kann und jedem hilft, egal ob er es verdient oder nicht. Lag die Political Correctness, nun wieder bezogen auf diese erste Kino-Adaption, im Bewustsein der Bevölkerung auch noch so fern, der stählerne Blitz verkörpert sie bereits zwei Jahrzehnte zuvor, mit all ihren Nachteilen, Fragwürdigkeiten und dem bitteren Nachgeschmack. Und doch glänzt er und ist zu Recht die Sympathiefigur des fertigen Streifens.

Dabei agiert Christopher Reeve in der Rolle des Superman noch am ernsthaftesten, dürfen doch alle weiteren geradezu klassischen Comic-Stereotype mit einer sympathisch albernen Spielfreude agieren, wie man es eben nur in einem Popkornfilm sehen will, oder wollte. Scheinbar ist die kindlische Spielerei im Bereich der Comicverfilmungen vorbei, so ernst wie heutige Produktionen umgesetzt werden. Die Stars 1978 verstanden noch das Spiel zwischen Ironie und stilvollem Herumalbern, während die Inszenierung ebenfalls auf Abstand geht, ihren Humor aber nie zum Klamauk verfeuert und den Film nie zur echten Komödie werden lässt.

Richard Donner taucht sein Werk in einen subtilen Ton und dafür ist man ihm nicht nur dankbar, letztendlich ist es das Erfolgsrezept für die Qualität dieses Streifens. Es ist die einzig konsequente Herangehensweise für einen Film mit solcher Geschichte. Zur offensichtlichen, unversteckten Komödie wird es immer nur dann, wenn auf der bösen Seite Otis tätig wird (Otisberg, welch wundervoller Witz, sich erst perfekt entfaltend durch das Spiel Hackmans) und auf der guten Seite Clark Cent, in der Reeve all das verkörpern darf, was er als Superman nicht kann.

„Superman - Der Film“ ist recht lang ausgefallen, da er sich jeder Phase seiner Geschichte intensiv widmet, mit einer Ruhe, wie sie für die 70er Jahre gerade zu typisch war. Es wird niemals langweilig und hektisch erst gegen Ende, wo uns nicht nur eine völlig idiotische Idee erwartet, über die man gnädig hinwegsehen muss, sondern der Pluspunkt sich allem mit genügend Zeit zu widmen erstmals gebrochen wird. Studioentscheidung? Ich weiß es nicht, aber nie war der Film stilistisch so schwach wie hier. Inhaltlich könnte man noch die kitschige Szene kritisieren, in welcher zu einem inneren Monolog Lanes Superman mit seiner Angebeteten durch die Luft fliegt. Aber es ist der Monolog der diesen Moment unangenehm erscheinen lässt, nicht die Laufzeit dieser Szene, die sich ebenso zum intensiven Beschäftigen verpflichtet, wie die anderen Aspekte der Geschichte, mögen sie nun Haupt- oder Teilaspekt sein.

Wenn die finale, von Lex Luthor heraufbeschworene, Katastrophe losgeht, auf die manch ungeduldiger Fan längst gewartet hat, darf man das Katastrophenszenario a la Popkornkino in seiner schönsten Pracht erleben. Nicht dass man die Miniaturbauten nicht als solche erkennen würde, aber hier wurde noch handgemacht getrickst. Das macht diese Momente unbezahlbar, gerade in Zeiten von Computertricks und dem unsinnigen Drang zum Perfektionismus. Wieso soll eine kindliche, wunderliche, geradezu naive Geschichte ausgerechnet im optischen Bereich Perfektionismus anstreben, wenn sie doch nur für den trivialen Verzehr gedacht ist, um das nie verschwundene Kind in uns zu sättigen? Meiner Meinung nach spiegelt die heutige Haltung von Publikum und Studio nur den Vorwurf wieder, den sich unsere moderne Gesellschaft immer wieder gefallen lassen muss: die Großen von heute werden einfach nicht erwachsen.

„Superman - Der Film“ ist ein zeitloser Spaß für Groß und Klein, der allen gezeigt hat wie ein Comicfilm im professionellem Gewand funktioniert und wie er auch für ein erwachsenes Publikum goutierbar gemacht wird. Dass er dies gerade mit dem in seinen Eigenschaften langweiligsten Superheld der Welt schafft, einem Held der einfach zu viel kann um interessant genug zu sein, zeigt umso mehr die Größe des fertigen Streifens, der einen auch heute noch rundum zu gefallen weiß.  OFDb