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28.01.2024

STAR WARS: EPISODE 3 - DIE RACHE DER SITH (2005)

So mies Teil 1 und schwach Teil 2 der Prequel-Trilogie auch ausgefallen sein mögen, der immer noch nicht glänzende "Star Wars: Episode 3 - Revenge of the Sith" (Originaltitel) ist zumindest unterhaltsamer Natur. Selbstverständlich bleibt er psychologisch plump, gerade was den Übergang Anakins zu Lord Vader betrifft, und erwachsen schaut sich das Ganze trotz lobenswerter politischer Ambitionen noch immer nicht, aber die Geschichte läuft zumindest rund, ist nicht komplett unclever ausgefallen, und der Wandel Anakins in einen der beliebtesten Schurken der Filmwelt ist ein Selbstläufer, das merkt man schon daran, wie viele Menschen sich Episode 3 angeguckt haben, obwohl sie die ersten beiden Filme nicht mochten. Für die Prequelverhältnisse geht es diesmal ein wenig düsterer zu. Und der Wandel Palpatins zum Imperator weiß auch zu gefallen, auch wenn ich nicht weiß warum er mit all seiner Macht das verschrumpelte Gesicht beibehalten musste, schließlich entstand es während einer Täuschung. 

Aber derartiges darf man ohnehin nicht hinterfragen, so blind wie z.B. auch die Jedis ihm bezüglich waren. Das wird zwar im Drehbuch direkt angesprochen, doch eine solch extreme Lücke wird mit einer kurzen Erwähnung in diesem Falle nicht glattgebügelt. In Richtung Logik und Glaubwürdigkeit darf man sowieso nicht schauen, das zeigt schon der olle Plan der finalen Zwillingsunterkünfte, damit Vader nie erfährt, dass sein Kind Kinder sind, und sie zudem noch leben. Dieses naive Stück Fantasy-Seifenoper im Science Fiction-Gewandt ist aber immerhin zügig erzählt, weckt die Neugierde des Zuschauers und erhält diesen Zustand konstant bei, es erzählt eine interessante Geschichte, auch wenn Kenner der Ur-Trilogie den Ausgang bereits kennen, und spannend darf es an mancher Stelle auch werden. Das Massaker an den Jedis schockt nicht nur in der ungezeigten Kinderszene, der Geheimcode für die Klone und was dieser an sämtlichen Orten des Universums auslöst, gehört wahrlich zu den packendsten Momenten von jener Star Wars-Trilogie, die George Lucas im Alleingang inszenierte. Sicherlich hilft das automatische Herunterschrauben der Erwartungen nach solch banalen Vorgängern dabei, "Die Rache der Sith" so zu akzeptieren wie er ist, aber all zu streng muss man tatsächlich nicht mit ihm sein, innerhalb seines mystisch verringerten eigenen Kosmos, welcher losgelöst von der Ur-Trilogie seiner Linie intellektuell wie inhaltlich treu bleibt. Und dass Yar Yar Binks diesmal nur im Hintergrund zu sehen ist, befriedigt ungemein.  Wiki

STAR WARS: EPISODE 2 - ANGRIFF DER KLONKRIEGER (2002)

So schlimm wie "Die dunkle Bedrohung" sollte es nie wieder werden. Und dass Yar Yar Binks stark reduziert wurde und zu jenem Part der Geschichte wurde, der durch seine Naivität das Ende der Demokratie verschuldet, kann man als Entschuldigung George Lucas' durchaus akzeptieren. Aber Binks war schließlich nicht der einzige Schwachpunkt besagten Vorgängers. Und die Entmystifizierung der Original-Trilogie, spätestens durch die wissenschaftliche Erklärung der Macht, lässt sich nicht ebenso leicht beheben, sogar nur schwer abschwächen. Auch der Overkill an Spezialeffekten, die oft nur für den Zweck eingesetzt werden, um zu zeigen was die Technik bei genügend Budget mittlerweile zu leisten in der Lage war, bestimmt nach wie vor das Geschehen. Und ein aus dem Computer stammender Yoda besitzt nun einmal nicht den Charme der Puppe, egal ob nun von Frank Oz synchronisiert oder nicht. 
 
Die Geschichte an sich ist interessanter ausgefallen, als die vorherige. Doch weder das Aufdecken der Klonproduktion, noch der gar nicht mal unclevere politische Aspekt, der eine tolle Warnung Lucas' an die leichtgläubigen Zuschauer ist, um sie für Täuschungen von Regierungen zu sensibilisieren, setzen sich durch in diesem Meer an Action, CGI und einem nun noch zusätzlichen Balast, der verkrampft erzählten Liebesgeschichte. Der fehlt es an jenen Emotionen, welche die drei originalen Filme ganz nebenbei so liebenswert machten. Die gestelzten Dialoge, von denen man diesbezüglich so häufig als Kritikpunkt liest, sind tatsächlich schwer zu ertragen, und der Altersunterschied, sowie die bisherige Charakterzeichnung der Senatorin, nagen an der Glaubwürdigkeit dieser seelenlos dargebotenen, aufkeimenden Liebschaft. Eine solche trotz einer hervorragenden Schauspielerin wie Natalie Portman in der zentralen weiblichen Rolle nicht eingefangen zu bekommen, spricht wahrlich für ein Armutszeugnis im Bereich Regie und Drehbuch. 

Was ansonsten erheblich stört, ist der Umgang mit der Jedi-Thematik. Sie werden weit actionreicher und heldenhafter gezeigt, verkörpert und interpretiert, als das was uns "Krieg der Sterne" samt seiner zwei Fortsetzungen einst über sie erzählte. Geheuchelte Demut, die ist vorhanden, gelebte im Auftrag des Friedens ist nicht erkennbar. Die Vorbereitungen auf den kommenden Übergang Anakins zu Lord Vader in "Star Wars: Episode 3 - Die Rache der Sith" sind psychologisch plump ausgearbeitet und werden in besagter Fortsetzung ebenso beibehalten. Der Weg zur dunklen Seite findet weit weniger aufregend und düster statt, als man meinen sollte. Eine Generation von übersensibilisierten Persönchen hat es möglich gemacht und findet dementsprechend noch heute ein Publikum, welches die mauen Prequels einer liebgewonnenen Trilogie verteidigen. "Star Wars: Episode II - Attack of the Clones" (Originaltitel) ist unsympathisches Formelkino, in welchem sich die Figuren den Effekten unterordnen müssen, das Weltbild der alten Filme den widersprüchlichen Tatsachen des neuen Drehbuchs weichen muss und in welcher verspielte Fröhlichkeit gegen infantile und steril anmutende Späßchen ausgetauscht werden. 

Dass auch die Verantwortlichen der deutschen Synchronisation keine Ahnung von Figurenverständnis und Psychologie besaßen, beweisen sie besonders deutlich in der Stimme von C3PO, die sich seit Episode 1 nun kindlich, anstatt intellektuell anhört.  Wiki

21.10.2023

ASTRO BOY - DER FILM (2009)

Da ich noch nie etwas vom klassischen, asiatischen Franchise rund um Astro Boy gesehen habe, war ich neugierig auf den 2009 entstandenen Zeichentrickfilm, der per Computeranimation die Moderne von Heute und den Retroaspekt des Ursprungsstoffes zu vereinen versuchte. Leider vereint er aber auch den Erzählstil der US-Amerikaner im Trickfilmbereich mit jenem der Japaner. Darauf war ich nicht vorbereitet, erwartete ich doch einen Anime zu sehen, und da der asiatische Stil im besagten Werk dem US-Stil weit unterlegen ist, bot "Astro Boy - Der Film" nicht gerade das, was ich erhoffte. Ich bin durchaus in der Lage mich während einer solchen Sichtung nach Erkennen der tatsächlichen Orientierung auf eine solche umzustellen. Dass ich mit "Astro Boy" (Originaltitel) nicht warm wurde, liegt somit nicht an einer unflexiblen Art meinerseits. Schließlich ist es nicht so, dass ich mich Animationsfilmen aus dem Westen verweigern würde, hier gibt es große Schätze zu entdecken. 

Leider gehört "Astroboy" (Alternativtitel) zu jener Art CGI-Film, die zu verstärkt auf den Kitschaspekt und auf das Zielpublikum Kind schielt. Das wirkt erzieherisch, aufgesetzt, belehrend und verkrampft auf Emotionen getrimmt, anstatt sie einen tatsächlich spüren zu lassen. Schwierig wird eine solche Herangehensweise insbesondere dann, wenn man mit Figuren mitfühlen soll, die keineswegs so sympathisch herüber kommen, wie scheinbar von den Produzenten gewollt. Der Vater des ursprünglichen Jungen und Schöpfer des Astro Boy handelt derart gefühlskalt, egoistisch und systemorientiert, dass man ihm einen Wandel zu einem Mann, der seine Fehler einsieht, nicht abkaufen kann, zumal er nicht erst mit Beginn der Trauer begann fragwürdig zu handeln. Im Finale des hier besprochenen Streifens setzt man jedoch verstärkter auf sein Gefühlsleben, anstatt auf das der im Zentrum stehenden, erkämpften Freundschaft des Roboters mit menschlichem Empfinden zu den Menschenkindern. Leider sind auch diese arg stereotypisch ausgefallen und lassen eine Annäherung an ihren Charakter kaum zu. Lebensnähe und Identifikation mit den Figuren, gehören nicht gerade zu den Stärken der Verantwortlichen dieses Science Fiction-Trickfilmes. 

Das ist sehr schade, zumal einige Aspekte im fertigen Werk durchaus zu gefallen wissen, so z.B. der väterliche Freund der Erdenkinder, der das Zielpublikum gekonnt zu täuschen weiß, bis seine wahre Motivation thematisiert wird. Auch die verschrotteten Roboter (insbesondere der wichtige Riese) wissen zu gefallen, sind in dieser Art aber sicher nicht zufällig lediglich ein Jahr nach dem Erfolg von Pixars "Wall-E" auf diese Art stark in die Geschichte integriert. Spannender als die, ist ihre Herkunft mit Blick auf die Wegwerfgesellschaft der Elite oben in der Wolkenstadt und der Umgang mit der Robotertechnologie überhaupt. Hier findet gekonnt Konsum- und weitere Gesellschaftskritik auf amüsante Art statt, oberflächlich betrachtet auch manch politische, dies allerdings derart grotesk überzogen, dass es in der Comicwelt mehr fußt (was durchaus zu begrüßen ist), als in einer überzeugenden Politwarnung. Unterhaltung und Erziehung steht auf dem Programm, da ist das nicht wichtig. Aber beide Schwerpunkte der Geschichte, die Kurzweile und die Manipulation des Publikums, stehen sich zu sehr im Weg, als dass aus "Atom" (Alternativtitel) ein kompromisslos unterhaltsamer Spaß werden könnte. 

"Astro Boy - Der Film" hat definitiv seine Momente, starke Ideen, sympathischen Standard und gelegentlich treffsichere Komik zu bieten. Und optisch weiß er technisch zu überzeugen, bei Fantasiefiguren im Design mehr, als bei den zu glatt gebügelten, fürs US-Kino aber typischen, menschlichen Trickfilmfiguren. Aber der moralische Touch und die aufgesetzte Gefühlsduselei machen viel vom vorhandenen Potential kaputt. Und das sind genau die Gebiete, die es unter stärkerem japanischen Einfluss so nicht gegeben hätte.  Wiki

30.07.2023

CAPTAIN MARVEL (2019)

Ich weiß nicht warum man im Hause Marvel scheinbar geradezu erwartet, dass einem die Helden und die Materie um sie herum automatisch bekannt sind. Ich bin völlig jungfräulich an "Captain Marvel" herangegangen, und es war nicht gerade leicht sich im Film zurechtzufinden. Die Mentalität der neuen Heimat eines Menschen ohne Erinnerung, wird trotz totaler Verfremdung im Schnellverfahren abgearbeitet, die Kräfte der Heldin sind zu Beginn schwer zu greifen, bekommt man weder im theoretischen, noch praktischen Bereich erklärt, und wenn die Geschichte erst einmal ihre gar nicht unclevere Wendung erreicht hat, und die Titelheldin im Finale endgültig die Kräfte erreicht, von welcher der Comicfan im Gegensatz zu mir Kenntnis hatte, dann erlebt man zwar ein visuell faszinierendes Effektgewitter, weiß aber eigentlich gar nicht was da an Kräftemessen vor sich geht, außer dass es sich um ungeheure Energien handelt. Ich habe keine Ahnung, wie Captain Marvel ihre Probleme gelöst hat. Ich weiß nur dass ihre kompletten Möglichkeiten (einst aufgesogen von einer neuen Erfindung) von ihren vermeintlichen Freunden, bzw. deren Anführer, unterdrückt wurden, und sie diese am Ende zurückgewinnt. 

Da wir orientiert am Nichtwissen der Heldin auch erst mit ihr gemeinsam ihre Erdenvergangenheit erfahren, bleibt sie einem zu distanziert und fremd, ebenso wie ihre Freunde von einst, die zur zweiten Filmhälfte plötzlich Verbündete werden, mit denen man Solidarität empfinden soll. Wie bei Marvel typisch sind sie aber Klischee-Abziehbilder und hätten deswegen einer Einführung benötigt, um sie in diesem oberflächlichen Zustand mögen zu lernen. Zumindest bereitet es Freude den jungen Fury kennen zu lernen. Durch ihn erlebte ich Insider, die auch ich begriff, wovon der Running Gag mit dem Auge der amüsanteste war. Ideen wie die angebliche Kuschelkatze und ihre wahre Identität, bereichern das zu sterile Treiben auf simple Art, was dem Film die nötige Sympathie beschert, um zumindest interessiert dran zu bleiben. Die Botschaft von Frieden, falschen Freunden, unreflektiertem Gelernten und gefährlichen Vorbildern (greift erzieherisch sowohl politisch, als auch religiös) ist eine angenehme und wäre in einem rein für ein Jugendpublikum anvisierten Werk auf die Art, wie hier eingebaut, sehr lobenswert. Aber "Captain Marvel" richtet sich ebenfalls an Erwachsene, und für die hätte es zusätzlich mehr Hintergründigkeit geben müssen, als solch simple Lektionen.  Wiki

23.07.2023

IRON MAN 2 (2010)

Ich hatte ihn zwar etwas besser in Erinnerung, als er nun bei der zweiten Sichtung auf mich wirkte, aber "Iron Man 2" läuft definitiv runder als Teil 1, auch wenn er dem Superhelden-Universum inhaltlich herzlich wenig Neues zu bieten hat. Hier blitzen Elemente auf, die bereits in den 70er und 80er Jahren mit diversen "Superman"-Filmen und "RoboCop 2" mehr als nur gestreift wurden. Der Egoismus des Helden und die fehlende Anonymität machen aus Stark dennoch eine interessante Figur, und diese trägt den halben Film. Außerdem gehört die Fortsetzung von "Iron Man" zu den wenigen Beispielen, in denen es Freude bereitet im Finale Gleiches gegen Gleiches im heftigen Effektgewitter gegeneinander kämpfen zu sehen. Schon seit Jahrzehnten bot das Kino diverser Länder Roboterschlachten, das Rumgeballer hier macht trotz etlicher CGI tatsächlich Laune, wenn es Bilder und Szenarien in einer Schlagzahl bietet, die bisher kaum möglich waren. Ohnehin lebt "Iron Man 2" von seinem hohen Tempo, welches verhindert dass Ungereimtheiten zu sehr ins Gewicht fallen (das komplette Autorenn-Szenario, das schnelle Geständnis Hammers, nur weil er im Würgegriff einer Agentin ist, ...) und dass man sich zu sehr an plumpen Emotionsmomenten aufhängt, wie das Entdecken dass Starks Vater doch kein gefühlskalter Egomane war. Überraschender Weise weiß ein finaler Kuss trotzdem zu funktionieren, obwohl sämtliche Figuren zu oberflächlich bleiben. All zu kritisch sollte man sich dem Produkt nicht annähern, soll es doch lediglich gute Unterhaltung im verschwenderischen Stil bieten. Und wenn etliche Explosionen nicht weiter nach Opfern und anderweitigen Schäden hinterfragt werden, es nach dem Finale sogar nur noch um einen zu rettenden Menschen geht, obwohl der Stadt eine Explosionswelle bevor steht, dann doch bitte in einem Film, der ohnehin einen Narzissten zum Helden erklärt. Also Hirn aus und unterhalten lassen, mehr soll "Iron Man 2" nicht, mehr kann er aber auch nicht.  Wiki

17.09.2022

AVENGERS 4 - ENDGAME (2019)

Thanos mag in meinen Augen nach wie vor nicht der mächtige Gegner sein, der eine derart gewichtige Position zu füllen weiß, aber zumindest sind es die Ereignisse im letzten Drittel, welche die Zusammenkunft der fast kompletten Marvel-Superheldenschar nötig macht, ein Zustand der für mich in Teil 3, an welchem Teil 4 direkt anknüpft, nicht gegeben war. Ohnehin ist der zweite Teil um die Infinity-Steine interessanter ausgefallen, ist für mich aber trotzdem nicht das hochgradige Kinoereignis, das er in seiner prachtvollen Art gerne sein würde. Tut mir leid, aber wenn tragische Momente im Dialog mit einem CGI-Waschbären vorgetragen werden, stößt es meinem bei solchen Sichtungen ansonsten gut verdrängtem Erwachsenen-Ich geradezu lächerlich auf. Derartiges funktioniert einfach nicht. Ein unangenehmer Hulk, der quasi durch einen dauerhaften Mittelzustand nun gezähmt ist und eine oberste Zauberin aus dem "Doctor Strange"-Universum, die sich über die Zukunft des Doktors mehr im Klaren ist als zum späteren Zeitpunkt in besagtem Film, sind Schwächen inmitten eines Werkes das nicht kleckert sondern klotzt, sich bei dem Staraufgebot und der Anzahl vieler Figuren derartiges ruhig auch leisten kann, aber eben stets hauptsächlich Quantitäten anstatt Qualitäten serviert. Zumindest sind viele gute Schauspieler mit am Start. Von einem muss man sich aus dem Marvel-Universum endgültig verabschieden, was im Gegensatz zu dem Waschbärenbeispiel auch überraschend emotional zu wirken weiß, selbst wenn man, wie ich, vor dem Sichten bereits davon wusste, dass es passiert. Ansonsten bietet "Avengers - Infinity War - Part 2" (Alternativtitel) solide Actionunterhaltung mit allerhand humorvoller Momente, spannenden Ereignissen, interessanter Wendungen, aber auch vielen zu gewollt erscheinenden Momenten (der bequem gewordene Thor zum Beispiel) und jeder Menge Oberflächlichkeiten. Da ich mit meiner Kenntnis der drei Vorgänger genau auf ein derartiges Ergebnis eingestellt war, konnte ich mich mit diesem meist anspruchslosen Effektgewitter jedoch gut arrangieren und wurde dementsprechend kurzweilig unterhalten.  OFDb

04.02.2020

AVENGERS 3 - INFINITY WAR (2018)

Ich bin nur gelegentlicher Gast im Kino des Marveluniversums, habe zwar nicht wenige dieser Filme gesehen, aber längst nicht alles. Zwischen "Avengers 2" und diesem Film hier, also innerhalb von drei Jahren, hat sich viel getan. Von mancher Veränderung/Weiterentwicklung wusste ich durch andere Werke, manche haben mich überrascht, andere konnte ich nicht einordnen. Marvel fährt diesmal fast alles auf, was an Superhelden ihrer Comicheftchen bislang die große Leinwand erobert hat, und diese Überfrachtung weiß den Gastzuschauer zunächst zu überfordern, kennt der doch nicht einmal alle Helden, die hier eingebaut werden. Es mag daran liegen, dass das Marveluniversum eher groß anstatt komplex ist, aber die Regisseure Russo, sowie die Drehbuchautoren schaffen es die vielen Spielorte, mit ihren vielen Figuren, sowie den ganzen Anspielungen auf Erlebnisse anderer Werke, dem nicht eingeweihten Publikum mit der Zeit verständlich genug zu machen, um mit dem wilden Treiben, welches der wuchtigste Teil der Reihe präsentiert, etwas anfangen zu können. Die wichtigsten Zusammenhänge versteht man mit der Zeit, die zentralsten Figuren bekommt man gegriffen, man kann sich somit der knalligen Action mit all ihren interessant choreographierten Kampfsituationen geistlos interessiert hingeben.

Die Welt ist im Arsch, das rechtfertigt zumindest die Zusammenkunft dieser Vielzahl an Wesen mit übernatürlichen Kräften. Thanos als der Anführer allem Bösen hier kam mir jedoch immer eine Spur zu mickrig vor, da hätte meiner Meinung nach etwas Mächtigeres die Fäden ziehen müssen, um die große Bedrohung tatsächlich spürbar zu machen. Was er nicht schafft, erledigen die angehäuften aussichtslosen Situationen, also was soll's, aber so wird aus "Avengers 3 - Infinity War", dem ersten Teil eines Zweiteilers innerhalb der "Avengers"-Reihe, nie der beeindruckende Film, den sein wuchtiges Szenario uns am liebsten bieten möchte. Nicht falsch verstehen, wer mit Marvel-Filmen etwas anfangen kann, wird kurzweilig unterhalten und aufgrund der Anzahl der Ereignisse auch nicht unterfordert. Aber da wäre mehr drin gewesen, damit auch tatsächlich die Ehrfurcht vor der Macht spürbar würde, welche die Infinty-Steine beherbergen.

Dass man ihre Möglichkeiten im Besitz dieser nie komplett und komplex auskostet, wie es möglich wäre, mag daran liegen, dass die Autoren sich gedanklich der Tragweite ihrer Möglichkeiten nicht bewusst sind. Zumindest kann man das simple Anwenden dieser Steine und das nur bruchteilhafte Verstehen der vorhandenen Möglichkeiten mit dem simplen Denken Thanos entschuldigen, der nicht gerade der hellste Kopf im Universum ist. Offensiv tut dies der Film jedoch nicht, wahrscheinlich ist es nicht einmal so gewollt. Was soll man auch von Autoren erwarten, die nur derart gering mit Zeit, Raum und Seelenkenntnis spielen, und im Bereich des Eliminierens der Hälfte aller Lebewesen die Pflanzenwelt komplett außen vor lassen? Aber das ist Jammern auf sehr hohem Niveau für eine Filmreihe, die lediglich schlicht unterhalten will und ihre wahre Kraft nur in der Masse findet, egal ob bezogen auf Geld, Zuschauer, Helden oder Spezialeffekte. Und für ein derartig quantitatives Produkt ist das Ergebnis doch recht kurzweilig und verästelt ausgefallen. So gut wie der im direkten Vergleich schlichter ausgefallene "Avengers 2" ist er meiner Meinung nach jedoch nicht. Der hat mir definitiv besser gefallen.  OFDb

01.02.2020

AVENGERS 2 - AGE OF ULTRON (2015)

Nach dem eher mickrigen Ergebnis im aufgeplusterten Gewandt von "The Avengers" ist die ebenfalls von Joss Whedon inszenierte Fortsetzung eine wahre Überraschung. Nicht nur dass lächerliche Momente komplett eliminiert wurden und uninteressantere Hauptfiguren nun mehr Gesicht bekommen, "Avengers 2 - Age of Ultron" bietet im Gegensatz zum Vorgänger eine erzählenswerte Geschichte, die sich für die einzelnen Facetten ihrer Entwicklung genügend Zeit nimmt, ohne an Schauwerten und Tempo für das heran erzogene Zielpublikum zu sparen. Es kracht und bummert immerfort, Spezialeffekte aus dem Computer sind pausenlos zu sichten, aber es ist jene Art aufgeblasenes Popkornkino, das sich diese Mittel als Stärke, anstatt als leere Hülle, zunutze macht und uns das präsentiert, was mit genügend Geld im Gepäck in heutigen Kinozeiten möglich ist, wenn man nicht an fähigen Autoren spart.

Sicherlich ist Teil 2 inhaltlich kein Geniestreich geworden, aber die Geschichte ist verästelt ausgefallen, die Lage wundervoll hoffnungslos, die theatralisch vorgetragene Superhelden-Seifenopern-Philosopie in manchen Momenten treffsicher eingefangen, da tatsächlich eine Überlegung wert, und inmitten der Achterbahnfahrt an sich stetig abwechselnden Actionszenen wird den Figuren genug Raum beschert sich zu entfalten. Das weiß insbesondere in den Szenen der Unstimmigkeiten inmitten der Gruppe zu gefallen, die selbst in solch zerstrittenen Momenten nicht mehr wie eine infantile Affenbande wirkt, wie es noch in Teil 1 der Fall war. Dennoch bleibt das Ergebnis freilich ein Film für große Kinder. Und das in mir fand schon immer Gefallen an Themen wie Killerrobotern und künstlichen Intelligenzen, zwei Faktoren, die das Geschehen von "Age of Ultron" (Alternativtitel) nicht nur nebenbei mitbestimmen. Und dass selbst der olle Hulk zu funktionieren weiß (auch wenn ich mir seiner Gesetzmäßigkeit, wann er völlig außer Kontrolle ist und wann er zum Team-Player wird, immer noch nicht bewusst bin), sowohl für Actionmomente, als auch charakterlich, ist gerade für mich die totale Überraschung, gehörte er für mich doch immer zu den lächerlichsten Figuren des Marvel-Universums. Es ist schön zu sehen, dass mit diesem Mammutprojekt endlich einmal wieder eine Großproduktion entstanden ist, die sich auch zu gucken lohnt. Gerne mehr davon!  OFDb

30.01.2020

THE AVENGERS (2012)

Man blickt nicht leicht durch, wenn man nicht jeden Marvel-Film sichtet, was geradezu erwartet wird, um den an sich nicht komplex ausgefallenen "The Avengers" komplett zu verstehen. Zwar kenne ich die Vorgeschichte des kosmischen Würfels durch "Captain America", weiß welche Personen zu "Iron Man" gehören und manch andere Zusammenhänge auch, aber warum Hulk beispielsweise in einer Szene ein ungebremster Aggressor ist und in der nächsten lediglich ein wütender Team-Player blieb mir ein Rätsel. Gibt es da Hintergründe, die ich kennen muss, oder ist ein solcher Bruch in der Logik einfach der Naivität des Stoffes geschult? Denn bei aller brisanten Umsetzung im Meer an CGI-Effekten ist der Film um die Entstehung der Avengers-Gruppe nicht gerade intelligent ausgefallen. Ich weiß, das soll er nicht zwingend sein, hier zählt die Action, aber ein wenig geistreicher hätte das Gekloppe der Schar Superhelden dann doch ausfallen können.

Zumindest schafft es das Konzept der ganzen Chose, allen Helden gleichermaßen gerecht zu werden. Einige von ihnen kannte ich noch nicht, manche von ihnen werde ich mir als Einzelfilm auch nicht antun, aber es ist schön dass man sich für die Einführung der einzelnen Figuren genügend Zeit nahm und ihnen diese auch dann noch lässt, wenn sie zusammen finden. Tatsächlich ist "The Avengers" immer dann am besten, wenn er sich kurz Zeit für die Charaktere lässt. In seinen Spezialeffekt-überladenen Kampfsequenzen weiß er zwar auch zu unterhalten, aber nicht vollends zu interessieren, geht von den Außerirdischen doch keine weitere Bedrohung aus, als ihre große Anzahl. Das ist der einzige Grund, warum nicht ein einzelner Held der Sache Herr werden kann und das komplette Avengers-Team benötigt wird. Etwas gehaltvoller hätte die Bedrohung und die Geschichte um sie herum dann doch ausfallen können.

Letztendlich lebt ein erster Film dieses Teams freilich von dem Effekt alle lieb gewonnenen Helden vereint in einem Film zu sehen. Wahrscheinlich hat man sich deswegen um keine ausgeklügelte Geschichte bemüht. Mir als gelegentlicher Gast im Marveluniversum reichte dieser Schwerpunkt jedoch nicht aus, sympathisiere ich doch nur mit einigen wenigen Figuren im Mittelpunkt, die meisten sind mir schlichtweg egal. Es ist somit nicht mein Hype, wohingegen ihn andere sicherlich fühlen werden. Wie gerecht oder ungerecht es deswegen ist, darüber Kritik zu üben, wenn man nicht zum Zielpublikum gehört, sei einmal dahin gestellt. Letztendlich sei aber bitte zumindest jene Äußerung gewährt, dass sich in solch viel zu ernster Inszenierung manches Herumgehampel im Superheldenkostüm ein wenig lächerlich anschaut, ein Eindruck der sich glücklicher Weise nur gelegentlich bemerkbar macht, wohingegen der packende Comicaspekt ansonsten zu greifen weiß. Für meinen Geschmack ist das alles zu heiß aufgeladene Leere, gepackt in ein nicht enden wollendes Effektgewitter. Umso erstaunlicher ist es, dass mich das Ganze auf schlichter Ebene eigentlich passabel unterhalten hat. Bedenkt man jedoch all die Energie, die harte Arbeit und das viele Geld, das hinter solch einem Projekt steckt, ist das trotzdem ein viel zu schlichter Eindruck für solch einen Aufwand.  OFDb

SPIDER-MAN 2 - FAR FROM HOME (2019)

Auch in der Fortsetzung von "Spider-Man - Homecoming" spielen andere Figuren des Marvel-Universums eine wichtige Rolle. Nur wer die "Avengers"-Filme gesehen hat, besitzt alle nötigen Informationen der Hintergründe, auf welchem die hier erzählte Geschichte aufbaut. Iron Man ist tot, sein ehemaliger Gehilfe ist nun eine Art Babysitter Spider-Mans, dessen Verpflichtung irgendwo zwischen Spider-Man und Avengers-Anführer Fury hin und her pendelt. Einige andere Superwesen tauchen nebenbei auf, zentral eine neu eingeführte Figur, Mysterio, die als Freundschaft mit Peter Parker beginnt, sich im Laufe der Geschichte jedoch zu etwas anderem wandelt. "Spider-Man 2 - Far from Home" ist voll von Wendungen innerhalb einer Geschichte, die einem keine Zeit zum Atmen lässt, es erstaunlicher Weise dennoch schafft genügend Raum für die Entwicklung der sympathischen Figuren zu schaffen. Was uns zunächst als Handlung vorgesetzt wird, klingt wie der typische 08/15-Einsatz einer einfallslosen Superhelden-Geschichte, der jegliche Innovation zu fehlen scheint. Doch die Fortsetzung des überraschend sympathischen dritten Starts einer Spider-Man-Reihe kommt so gewitzt daher wie der Erstling und führt den Zuschauer absichtlich an der Nase herum. Das passt zu seinem humoristischen Grundton, der nicht nur unauffälliger Nebeneffekt ist, sondern auch aus der Fortsetzung ganz bewusst eine Komödie macht.

Ein funktionierendes Team soll man nicht trennen, so ist es gut, dass Regie, Darsteller und diverse Leute der Crew in Teil 2 wieder zusammen kommen, um den hohen Erwartungen einer Fortsetzung gerecht zu werden. Herausgekommen ist ein atemberaubender, leichtfüßig inszenierter Actionfilm mit einer reizvollen, da erzählenswerten, Geschichte versehen, freilich nicht immer logisch gestrickt, aber der nötigen Glaubwürdigkeit dieser Art Film verpflichtet. Zwischenmenschlich ist "Spider-Man - Far from Home" (Originaltitel) ebenso aufregend ausgefallen, wie im Abenteuersektor, ist die Annäherung an Mary Jane doch sehr gefühlvoll eingefangen und nah am Teenagerempfinden orientiert, zumindest innerhalb einer humorvollen Comicabwandlung unserer Welt. In der eigentlichen Superhelden-Geschichte wird nicht an Spezialeffekten gespart, da ist der Film keine Ausnahme innerhalb des kompletten Marvel-Universums, allerdings ist zu beobachten, dass keiner der vielen Computertricksereien zum Selbstzweck eingesetzt wird. Alles was gezeigt wird, ist förderlich für die Handlung und unterstützt das jeweilige Geschehen perfekt, was im Kino unserer Tage nun wirklich keine Selbstverständlichkeit ist.

Die Kernereignisse des Streifens, die hier nicht verraten werden, da sich diese erst über eine trickreiche Vorgeschichte entfalten, boten den Verantwortlichen zudem die Möglichkeit mit irrationalen Elementen zu spielen, etwas vergleichbar mit der Alkohol-Phantasie aus "Dumbo, der fliegende Elefant" oder der Alptraumsequenz aus "Die Abenteuer von Winnie Puuh". Die CGI-Trickspezialisten durften sich hier derart surreal austoben, dass es eine große Freude bereitet, ihnen bei ihren Einfällen zuzusehen, inhaltlich integriert in eine Filmphase der Hoffnungslosigkeit für Peter Parker und somit trotz all der Witzigkeit und skurrilen Art, mit welcher wir fasziniert werden, einen ernsten Teil der Gesamtgeschichte einnehmend, den es für Spider-Man zu meistern gilt. Zum Großteil ist er auf sich allein gestellt, was zwar aus Avengers-Sicht versucht wird zu erklären, aber zur größten Lücke in der Glaubwürdigkeit einer Geschichte wird, die ansonsten innerhalb seines Comicuniversums Hand und Fuss besitzt. Einfallslosigkeit kann man den Autoren keinesfalls vorwerfen. "Spider-Man: Far from Home" ist ein vielschichtiges und allerhand Überraschungen bietendes Stück Popkornkino, voller faszinierender Ideen, denen stets weitere folgen, reichhaltig bestückt mit Computereffekten und sich liebevoll den interessant charakterisierten Figuren zuwendend, die in den wichtigsten Rollen zudem ur-sympathisch besetzt sind. So kann die neue Spider-Man-Reihe gerne weiter gehen. Ich muss zugeben dass ich misstrauisch war und nicht damit gerechnet habe, dass die Qualität des ersten Teils erneut eingefangen wird, einfach aufgrund der Verpflichtungen des Standard-Marvel-Publikums gegenüber. Schön dass die Geldgeber mutig genug waren einen Mittelweg zu gehen, der den Charme des Vorgängers erneut einfängt, die nötigen Schauwerte für das Stammpublikum liefert und dennoch nichts an Individualität in einer ansonsten meist genormten Marvelwelt einbüßt.  OFDb

24.05.2019

GLASS (2019)

"The Sixth Sense"-Schöpfer M. Night Shyamalan bewies nach einigen Auf und Abs mit "Split", dass er es noch immer beherrscht in der unaufgeregten Art seiner beiden ersten großen Erfolge großes Kino erschaffen zu können. Als wäre der Horrorfilm um einen Psychopathen mit 24 Persönlichkeiten nicht so schon vielschichtig und interessant genug ausgefallen, offenbarte er uns mit seiner letzten Szene, dass er im selben Comic-Universum spielt wie der 19 Jahre zuvor gedrehte "Unbreakable". Angefixt durch die Klasse des damaligen Streifens und der gelungenen Wiedererweckung des damals angegangenen Erzählstils, schien es, dass aufgrund der Zusammenkunft beider Werke etwas Aufregendes auf uns zukommen müsste, zumindest etwas augenzwinkernd Verspieltes. Immerhin bewies der Autor und Regisseur mit seinem Film über wen Unzerstörbares, wie anders, geradezu besonnen ein Superheldenfilm in völlig anderem Gewandt daher kommen kann, absichtlich besetzt mit Bruce Willis, dem Held vieler lauter Actionfilme, ein Rollenmuster auf welches er gerne von Halbwissenden reduziert wird. Nun in Zeiten von zusammenknüpfenden Filmen zu einem Gesamtuniversum bei Marvel und DC, und den Versuchen diesbezüglich bei Universal mit "Die Mumie", erwartete ich ähnliches diesbezüglich bei "Glass".

Immerhin stoßen nun Figuren zweier unterschiedlicher, in manchen Bereichen aber doch ähnlicher, Filme aufeinander. Und man darf erleichtert feststellen, dass dies nicht nur die drei zentralen Protagonisten betrifft, sondern auch andere wichtige Figuren beider Werke. Besonders gefreut habe ich mich, dass man Spencer Treat Clark für die Rolle von Dunns Sohn zurückgewinnen konnte, so dass tatsächlich jeder Mime in der Originalbesetzung zurückkehrt ist, womit zumindest dieser Teil des Plans schon einmal nicht zu gewollt daher kommt. Auch die angegangene Geschichte wirkt wie ein funktionierender Plan des Projektes, denn was könnte reizvoller sein, als uns nach zwei Filmen, in denen wir in einer scheinbar normalen Welt von der Übernatürlichkeit der Figuren überzeugt wurden, nun daran teilhaben zu lassen, dass die drei lernen müssen eventuell einem Irrtum ihres Geisteszustandes zum Opfer gefallen zu sein? Kann das überhaupt sein, nach all dem was man miterlebte? Zweifel kommen während der Therapiesitzungen schneller auf als man als Kenner der Originalfilme vermutet hätte. Aber fast gleichzeitig kommen auch Zweifel darüber auf, ob Shyamalan erneut ein kleiner Geniestreich gelingt, um die Reihe auf gleicher Höhe mit dem Niveau der Vorgänger zu Ende zu bringen (oder auch nur auf ein neues Ergebnis zu hieven, wer weiß ob der gute Mann noch weitere Filme integrieren oder folgen lassen möchte).

Die Methoden der Psychologin erscheinen so merkwürdig wie die räumlichen Begebenheiten, bzw. wie die zu phantastisch geratenen Schutzmaßnahmen vor Ort. Das könnte man freilich noch als derart übertrieben abtun, da die Filmreihe in einem eigenen Paralleluniversum spielt, welches unserem lediglich stark ähnelt. Dieses Zugeständnis könnte man jedoch nur akzeptieren, wenn von Anfang an klar ist, dass alle Patienten tatsächlich übernatürliche Kräfte besitzen, ein Ansatz, den "Glass" nicht verfolgt. Ohne Wenn und Aber verärgert jedoch, dass der analytische Aspekt und die Therapiedialoge mager und oberflächlich ausfallen sind. Eben darin hatte ich die wahre mögliche Stärke des Streifens vermutet. Nach einem viel zu laut ausgefallenen Einstieg ins Geschehen, der mich auch inhaltlich nur zum Teil überzeugen konnte, hoffte ich mit der Ankunft in der Nervenheilanstalt, "Glass" würde nun die Kurve kriegen. Das kriegt er auch, zugegeben, aus einem halbgaren Werk wird ein netter Unterhaltungsfilm. Aber verglichen mit "Unbreakable" und "Split" ist das Ergebnis eher mager zu nennen, da wollte man als Zuschauer mehr erleben als trivialen Spaß für zwischendurch. Mag der Film um Crumb trotz überdurchschnittlichem Ergebnis schon schwächer ausgefallen sein als der um Dunn, geht es mit dem Abstieg nun etwas zu rapide nach unten, zumal es Shyamalan nur noch um die Täuschung des Zuschauers geht, nicht aber um einen vielschichtig intelligenten Plot. Das beweist auch sein überraschendes Ende, das gerne viel cleverer wäre, als es ausgefallen ist, eben weil es aufgrund von Zweifel nicht die epischen Ausmaße annehmen wird, wie der aufgebauschte Schluss suggerieren möchte. Auch eine gewisse Gleichgültigkeit bezogen auf die hereingelegte Gruppierung ist vorhanden, eben weil man diese nicht näher kennenlernen durfte und nicht weiß, was sie bewegt zu tun was sie tut.

Es wäre möglich, dass in diesem letzten von mir kritisierten Punkt jedoch ein weiterer Film Teil in Shyamalans Zusammenführung wird. Ich kenne nicht alle seine Filme, vielleicht tritt der elitäre Kleeblatt-Bund bereits woanders auf. Vielleicht möchte er Erklärungen zu diesem auch noch in der Schwebe lassen, um in einem zukünftigen Film auf die Geschichte über dessen Hintergrund zurückzugreifen. Sollte "Glass" jedoch den Schluss der Reihe darstellen, so ist er trotz der gelungenen Fortführung und Schließung der Erzählungen beider Vorgängerwerke zu banal geendet, eben aufgrund der beiden weiter oben erwähnten Begründungen. Selbst für einen Film, den man zum ärgernisfreien Konsum nicht all zu kritisch gucken sollte, ist dieser halbgare, zu lieb- und detaillose Schluss etwas zu viel Enttäuschung. Als verpuffende, warme Luft, könnte man ihn bezeichnen, so bedeutungsvoll und wuchtig, wie er gerne wäre, und so banal wie er trotz aller Täuschung doch lediglich ist. Aber er ist nicht das erste Ärgernis in einem Film, der lauter und weit weniger intelligent daher kommt als seine Vorgänger. Glücklicher Weise stehen ihm interessante Figuren, ein rätselhafter Plot und hervorragende Mimen zur Verfügung, um inmitten seiner enttäuschenden Art zumindest kurzweiliges, anspruchsloses Vergnügen zu bereiten - freilich erst wenn man akzeptiert hat, dass Teil 3 nicht zur alten Stärke zurück findet.  OFDb

02.12.2018

STIRB LANGSAM 3 - JETZT ERST RECHT (1995)

"Stirb langsam 3" ist ein temporeicher, gut unterhaltender Actionfilm, dem zwar die nötigen Innovationen fehlen um mit dem herausragenden Original in einer Liga spielen zu können, im Vergleich zu "Stirb langsam 2", der Teil 1 lediglich in aufgeplusterter Form variierte, kommt die zweite Fortsetzung aber wesentlich einfallsreicher daher, dabei den Stil der Reihe wahrend, um tatsächlich Teil dieser zu sein. Ob der eingebettete Zusammenhang zu "Stirb langsam" tatsächlich nötig war, sei einmal dahin gestellt, als damals geplanter Abschluss einer Trilogie sind solche Methoden andererseits wieder üblich. Ein flotter Einstieg ins Geschehen lässt einen schnell in die Handlung eintauchen. Besagtes flottes Tempo wirkt aufgrund eines durchdachten Plots, der pointenreich Neugierde und Interesse zu wecken weiß, weder aufgesetzt, noch zu hektisch, sondern beschert dem Film tatsächlich einen actionreichen Sehwert ohne sich vordergründig einen Schwanzvergleich mit Konkurrenzprodukten zu liefern. Alles was geschieht, geschieht zum Wohle der Story und nicht einzig dafür zu zeigen was im Genre mittlerweile üblich ist. Somit ist "Die Hard: With a Vengeance" (Originaltitel) noch ein Old School-Film, Mitte der 90er Jahre zu einer Zeit entstanden, in der das eigentlich nicht mehr üblich war.

Nun ist es nicht so, dass sich der Streife zum Wohle der Geschichte zurückhalten würde. Ständig rummst es an allen Ecken, ein Showdown folgt dem nächsten, und doch wirkt das Ergebnis nie aufgesetzt, eben weil die überraschenden Wendungen der Geschichte zu funktionieren wissen, u.a. weil sie durchdacht sind, und den Zuschauer damit ebenso auf Trab halten wie die Hauptfigur McClane. Freilich übertreibt man, wie typisch für das Genre, immer wieder, so dass der Film in manchen Momenten mehr einem Comicstrip gleicht als der Realität, aber zumindest finden diese Übertreibungen noch auf einem standardmäßigen Niveau des Actionfilms statt, so dass dieser in gewisser Weise noch glaubwürdig bleibt. Erst mit "Stirb langsam 4.0" entfernte man sich endgültig von dem was an Menschenunmöglichem einem Actionfilm noch nicht schadet, was aber nicht weiter wild war, da dieser ohnehin nur ein Actionfilm ist, den man einfach zu einer weiteren Fortsetzung erklärte, ohne dass er sich tatsächlich wie ein Teil der "Stirb langsam"-Reihe anfühlte.

John McTiernan, der auch das Original inszenierte, kehrte nachdem Renny Harlin die erste Fortsetzung übernahm, wieder auf den Regiestuhl zurück und zeigte ein letztes Mal in dieser Reihe wie gute Popkornunterhaltung auszusehen hat. Bruce Willis spielt gekonnt, wie man es von ihm gewohnt ist, und mit Samuel L. Jackson hat er einen ebenso talentierten Schauspielpartner an die Seite gesetzt bekommen, eine Mischung die zu funktionieren weiß. Dass man es inmitten von Action, coolen Sprüchen und genreüblicher Stereotype-Moral schaffte ganz nebenbei das Rassismusthema Weiße hassender Schwarzer mit einzubauen, ist ein überraschend gut funktionierender Bonus eines ohnehin schon geglückten Drehbuchs. Es ist schön dass dieser Aspekt nie zu sehr in den Vordergrund rückt und trotzdem treffsicher thematisiert wird. "Stirb langsam 3 - Jetzt erst recht" ist auf der einen Seite ein typischer Actionfilm seiner Zeit, der nicht kleckert, sondern klotzt und mit immer wieder neuem Anlauf einer übertriebenen Chose eine weitere beschert. Aber er ist inmitten seines Nonsens auch cleveres Action-Kino, was er an vielen Stellen zu beweisen weiß.  OFDb

03.11.2018

UNBREAKABLE - UNZERBRECHLICH (2000)

Mit "The Sixth Sense" hatte Regisseur und Autor M. Night Shyamalan gerade auf sich aufmerksam gemacht, da folgte dem zurecht gefeierten Film im Anschluss ein völlig anderes Werk. Es war kein Aufguss des Erfolgsfilmes, auch wenn er zwei dessen wichtigster Eigenschaften ebenfalls enthielt: Unaufgeregtheit aufgrund eines langsamen Erzähl- und Inszenationstils und der überraschende finale Twist, der dem Publikum vor den Kopf stoßen soll. Nun mag dieser in "Unbreakable" nicht so gewaltig ausgefallen sein wie im ebenfalls mit Bruce Willis besetzten Geisterhorror, aber er geht definitiv über das bereits Geahnte hinaus und offenbart eine Bösartigkeit, gewachsen aus einem dramatischen Aspekt. Den kompletten Film umweht auf unterschwellige Art der dramatische Unterton. Es ist jener dramatische Aspekt dieses Filmes und seines Vorgängers, der die beiden Shymalan-Werke zu den zwei besten Arbeiten macht, die der gute Mann bislang gedreht hat. Seine weiteren Filme waren mal qualitative Aufs, mal Abs, wie es bei fast allen Regisseuren der Fall ist, aber immerhin kann er auf diese beiden tadellosen Werke verweisen, die bei gleicher Handschrift etwas völlig anderes erzählen.

Während das Spukdrama inhaltlich einer oft gesehenen Geschichte frische Impulse einhauchte, gelang es Shyamlan mit "Unbreakable - Unzerbrechlich" eine völlig eigenständige Idee auszubauen, zugegeben von einem popkulturellen Massenphänomen inspiriert und teilweise auch handelnd, aber durch das Zurückrudern der Extreme eine völlig eigene Welt in der unseren entstehen lassend, ohne auf den üblichen Comic-Hokuspokus zurückgreifen zu müssen. In seiner ruhigen, unaufgeregten Art, in der selbst die Zugkatastrophe ausgeblendet wird, um dem zarten Erzählstil nicht zu schaden, herrscht trotz der gewagten Thematik eine Sachlichkeit, ein Drang nüchternen Experimentierens. Erzählt wird der langsame Aufbruch eines Zweifels bis hin zur Erkenntnis. Und selbst im Endergebnis kann man nie ganz sicher sein, ob die Idee von Price nicht doch ihre Risse besitzt, und der Zufall nicht doch eine Spur zu intensiv mitspielte. Kann doch alles nur ein Irrtum sein? Geht die Theorie über Dunns intuitive Eingaben vielleicht doch nicht hinaus? All zu sehr lässt Shyamalan diesen Zweifel nicht im Raum stehen. Im ersten Moment glauben wir an das hier Erzählte. Der Zweifel soll nur unterschwellig, frei von Bedeutung nach dem Sichten nachhallen. Letztendlich spricht vorerst jedoch alles für die Theorie des Comic-Fans im Rollstuhl.

Interessant ist wie glaubwürdig Shyamalan seine Geschichte erzählt. Sicherlich darf man sich zurecht fragen, warum es Dunn nie auffiel niemals krank gewesen zu sein, ansonsten stimmt die innereigene Logik des Streifens und damit auch die Konsequenzen, welche die Geschichte durch sie erhält. Dank tiefgehender Figuren, selbst jene die nur für Nebensächlichkeiten bedeutend sind, wird der langsame, gleichermaßen nüchterne und dramatisch erzählte, Film solch ein intensives Erlebnis für jenen Zuschauer, dem es nach ruhig erzählten Stoffen dürstet. Hier sichten wir atmende und mit zwischenmenschlichen Problemen kämpfende Menschen, deren Schicksale und Charaktere sich echt anfühlen, egal wie sehr es sie in Klischees und Phantastereien hinzieht. Sensibel erzählt, jeglichen Knopf erst zum richtigen Zeitpunkt drückend, hervorragend inszeniert und fotografiert und ebenso professionell von den Mimen dargestellt, offenbart sich der Film mit seiner eigenen, wahnwitzigen Idee als großes Genre-Kino, nicht gerade für die Masse entworfen, aber durchaus für den Liebhaber besonderer Filme. Frei von reißerischen Aspekten und Kitsch atmet der Streifen eine sachliche und unaufgeregte Luft, bis zu jenem Zeitpunkt, in welcher er sich mit leicht erhöhter Aufregung entlädt. "Unbreakable" ist ein Liebhaberstück, und ich freue mich schon auf die direkte Fortsetzung "Glass", die 2019 ins Kino kommt und das hier besprochene Werk mit dem mir bislang unbekannten Horrorfilm "Split" vereinen wird.  OFDb

28.01.2017

PULS (2016)

Was Stephen King eher in bemühter als in gelungener Form versucht, ist das zur Zeit allseits beliebte Zombie-Genre lediglich als Grundlage zu nutzen, um daraus etwas Eigenständiges zu zaubern. Sein etwas wirrer Mix aus „Die Nacht der lebenden Toten“, „The Signal“ und „Puppet Masters“, angereichert mit Ideen aus „Nightmare - Mörderische Träume“ und „The World's End“, ist nicht der große Wurf geworden, den manch einer sich eventuell erhofft hat. Für unterhaltsame 90 Minuten ist dennoch gesorgt, entdecken wir mit unseren Helden doch nicht nur die Welt nach einer schrecklichen Katastrophe, so wie es fast jeder Zombiefilm erzählt, durch den Wandel den die Kreaturen durchmachen bleiben wir auch immer neugierig was wohl als nächstes passiert.

Wirklich spannend ist „Puls“ nicht geraten, er guckt sich ein wenig zu steril, setzt zu sehr auf Bewährtes, fühlt sich nicht lebendig an. Weder John Cusack noch Samuel L. Jackson spielen in Hochform. „Puls“ ist zu statisch geraten, zu sehr auf das gesetzt was man Genre-bedingt im Kino nun einmal zu sehen bekommt. Aber der Drang Kings sich nicht auf einer Idee auszuruhen und immer Neues bieten zu wollen, eine Eigenschaft die einem gut erzählten Film geschadet hätte, wird hier zum Antriebsmotor, dass das Ganze trotzdem noch auf Routinebasis funktioniert.

Wie jeder Film ähnlicher Grundlage lässt sich das Geschehen als Sinnbild auf vielerlei Elemente in unserer Gesellschaft anwenden, durch den Auslöser mittels Funknetztelefonen mehr denn je. So richtig ehrlich will sich die Gesellschaftskritik in diesem Mainstream jedoch nicht anfühlen, zumal die Fantastik der Geschichte überwiegt, als dass man den Stoff all zu ernst nehmen könnte. Ein Verweis auf Kanada bleibt ein kleiner direkter Bezug auf das Denken Alternativer, gewaltigere Aspekte, wie das Mitläufertum durch die Beeinflussung medial eingebläuter Meinungen, sind in dieser Thematik im Kino nicht neu und werden im hier besprochenen Film nicht tief genug genutzt.

Letztendlich versucht King etwas, was jemand Anderem bereits mit „Pontypool“ gelungen ist: er möchte ein Zombieszenario mit einer wahnwitzigen Idee anreichern, um dem Ganzen neuen Zunder und Tiefsinn zu geben. Leider funktioniert „Puls“ nur als schlichter Film für zwischendurch, und dies auch nur wenn man großzügig über das zu bemühte Drehbuch hinwegsehen kann.  OFDb

03.10.2016

CAPTAIN AMERICA - THE FIRST AVENGER (2011)

Manchmal findet man ansprechende Filme dort wo man sie nie vermuten würde. Bis auf „Spider-Man“ und „Iron Man“ konnte ich mit den Heldenfiguren Marvels nie viel anfangen. Wo die „X-Men“ und  ein „Ant-Man“ für mich nur ganz nett ausfielen, da waren mir die „Fantastic Four“ und die „Guardians of the Galaxy“ zu kindisch und der „Hulk“ einfach nur zu blöde und unmystisch. Die Superhelden aus besagtem Hause sind mir einfach zu sehr in den Fantasybereich entrückt und besitzen nur selten die Klasse eines Batman, Spawn oder Hit-Girl. Auch der Figur des Captain America fehlt deren Klasse. Ganz im Gegenteil ist er sogar eine recht unangenehme Gestalt, mit seinem widerlichen Wunsch Nazis erschießen zu wollen und seinem unreflektiertem Patriotismus, der sogar noch den von Superman übersteigt.

Aber was soll man sagen? Obwohl er in seinen Eigenschaften, seinem Aussehen, seinem Auftrag und seiner Mystik zu den plumpesten Helden überhaupt gehört, die Marvel je geschaffen hat, ist sein Film der ihm 2011 beschert wurde ein wahrer Hingucker, ein verspieltes Stück Popkorn-Kino, mit schräger Story, wundervoll finsterer Comic-Gegner und einem Hauch süßer Love Story und ehrfürchtigem Heldentum. Dass „Captain America - The First Avenger“ gerade in letztem Punkt eher infantil ausgefallen ist und auch sonst nur großen Kindern gefallen wird, ist nicht von der Hand zu weisen. Trotzdem kommt mir der Umgang mit seiner Figur leicht ironisiert vor, und der Film in welchem der kindisch patriotische Kasper herumhampelt nimmt sich weniger ernst als ein „Fantastic Four“, der uns gleich noch pseudo-philosophische Erziehungs-Tipps mit auf den Weg gab.

„Captain America - The First Avenger“ will nichts weiter als unterhalten. Und dank der völlig überdrehten Gegner, die optisch stilvoll in düstere Kulissen, Maschinen und Kostüme gekleidet wurden und mit ihrem Esoterik-Touch und ihrem Eigenbrödlertum, mit dem sie sich selbst ihrem Förderer Adolf Hitler zum Feind gemacht haben, wunderbar Comic-typisch überzogen wurden, wird der Film um ein kriegsgeiles Muskelpaket, dem seine Fan-Gemeinde zum vereinten Kampf hirnlos hinterher rennt, völlig überraschend zu einer gar nicht unangenehmen Popkorn-Erfahrung, obwohl jegliche hier negativ aufgezählte Eigenschaft eigentlich dagegen sprechen müsste.

An „Captain America“ sieht man einfach mal wieder, wie selbst ein schlechter Stoff mit dem richtigen Gespür für Tempo, Atmosphäre und Charaktere trotzdem noch zu einem sehenswerten Film werden kann, ohne dass man sich sein Muster nun zunutze machen könnte um dieses Ergebnis mechanisch kalkuliert zu wiederholen. Dann würde jene seelenlose Kacke aus dem ohnehin schon erbärmlichen Grundkonzept werden, die ich eigentlich erwartet hatte. Was soll man sagen? Ich wiederhole mich gerne. Manchmal findet man ansprechende Filme dort wo man sie nie vermuten würde.  OFDb

03.04.2016

LOADED WEAPON 1 (1993)

Die durch „Kentucky Fried Movie“ und „Die unglaubliche Reise in einem verrückten Flugzeug“ losgetretene Filmparodie-Erfolgswelle war nach „Spaceballs“ und Co noch längst nicht abgeschwappt und sollte durch den überragenden Erfolg von „Hot Shots“ Anfang der 90er Jahre noch einmal vorerst ein letztes Hoch erleben, so dass erneut eine Flut mal mehr mal weniger gelungener Veralberungen größerer Kinoerfolge die Lichtspielhäuser heimsuchte. Im selben Jahr von „Crazy Instinct“ und „Robin Hood - Helden in Strumpfhosen“ und ein Jahr vor „Das Schweigen der Hammel“ und „Chicken Park“ erschien „Loaded Weapon 1“ auf der Bildfläche, besetzt mit Emilio Estevez, dem Bruder Charlie Sheens, der in oben erwähnter „Top Gun“-Parodie die Hauptrolle spielte und im hier besprochenen Film neben jeder Menge anderer Prominenz als Gaststar vorbeischaute.

Was hier parodiert wird ist schnell klar. Die Teile 1 bis 3 der „Lethal Weapon“-Reihe gehörten zur Creme de la Creme des Actionkinos seiner Zeit und waren damit ein gefundenes Fressen für Filmparodien. Zudem veräppelt der Film, der bereits mit der angespielten Fortsetzung im Titel seinen ersten wirksamen Gag erntet, Größen seiner Zeit wie „Basic Instinct“ und „Das Schweigen der Lämmer“, solche aber stets in einzelnen Szenen, wohingegen die Action-Komödien mit Mel Gibson in so ziemlich jeder anderen Szene Pate standen.

Wirklich kennen muss man diese nicht um Spaß mit „Loaded Weapon 1“ zu haben, aber es bereichert die Freude am Blödsinn freilich mehr nicht unwissend an Quintanos Komödie heranzugehen. Nur selten ist es allerdings von Nöten das Original zu kennen, so z.B. in jener Szene, in welcher der berühmte „Bombe auf dem Klo“-Moment parodiert wird. Deren Pointe ist so flach wie so ziemlich alles was man hier an Komik vorgesetzt bekommt, aber sie kommt herrlich unverkrampft daher, in all ihrer Reichhaltigkeit präsentiert von spielfreudigen Darstellern, die alle in ihren Klischees badend völlig übertrieben agieren durften, so auch Samuel L. Jackson, von dem damals noch kaum wer wusste wie genial er tatsächlich schauspielern kann. Dies erkannte die Masse nur kurze Zeit später mit „Pulp Fiction“ und allem was danach kam.

Zwar muss man die Originalreihe nicht kennen, dies bedeutet jedoch nicht dass die Filmparodie von Regisseur Gene Quintano, der auch für „Police Academy 4“ verantwortlich war, sich einzig auf ihren flachen, massentauglichen Witzchen auruhen würde. Im Gegensatz zu manch schneller abgearbeiteten Produktion wie „Agent 00“ veralberte man neben inhaltlichen Elementen auch die stilistischen des zu parodierenden Stoffes, was sich in Farbgebung, Setting, Soundtrack und dem belustigendem Umgang mit der Dramaturgie der „Lethal Weapon“-Reihe zeigt. Hier wird das Original tatsächlich ansatzweise im Kern getroffen.

Hauptsächlich darf jedoch verspielt fröhlich herumgealbert werden, wobei allerhand Krimi- und Action-Klischees aufs Korn genommen werden und mit Gewaltverherrlichung ebenso gespielt wird wie mit dem Bild der Bösewichter im amerikanischen Kino. Billige Wortwitzchen finden ebenso ihren Platz wie gewaltige Aktionskomik, sowie Fehler in Serien, die Prüderie Amerikas, das sich damals bereits extreme Hochschaukeln der immer gigantischer werdenden Zerstörungsorgie in Blockbustern und vielem mehr. „Loaded Weapon 1“ erreicht trotzdem nie das Niveau der frühen Werke von Zucker/Abrahams/Zucker, Monty Python oder der besseren Filme von Mel Brooks, gehört aber zu den angenehmeren Vertretern seiner Filmgattung, die zu seiner Erscheinungszeit bereits aus einer Modewelle heraus geboren wurden.

„Loaded Weapon 1“ ist weder Shakespeare noch „Die nackte Kanone“, kann mit etwas heruntergeschraubten Erwartungen dank einer hoher Treffsicherheit innerhalb seiner absichtlich flachen Komik jedoch bestens funktionieren und wird somit zu den angenehmeren Filmparodien seiner Zeit. Im Gegensatz zu „Hot Shots“ wirkt er nicht so bemüht beim Einbringen der hohen Dosis Gags in einem Minimum an Plot. Und da die Verantwortlichen des Stoffes auch die stilistische Ausrichtung der Vorbilder erkannten, ist er zudem anspruchsvoller ausgefallen als alles was durch „Scary Movie“ losgetreten in den 00er Jahren bei der nächsten Filmparodien-Welle auf den Zuschauer losgelassen wurde.  OFDb

16.07.2014

ROBOCOP (2014)

Zugegeben, nötig war eine Neuverfilmung von Verhoevens so gekonnt erzähltem Original aus den 80er Jahren nicht, aber im Zuge der Welle an Superhelden(neu)verfilmungen war ein solches Projekt eigentlich trotzdem längst fällig. Mit der ersten Fortsetzung des Originals hatte man schließlich bewiesen, dass weitere Filme um den Blechmann durchaus interessant ausfallen können, und dank der Mini-Serie „RoboCop - Prime Directives“ wissen wir, dass dies auch im unfreiwillig komischen Trash-Bereich eine Bereicherung sein kann - ganz im Gegenteil zur kanadischen TV-Serie, die etwas zu sehr Familienserie war, um sie ernst nehmen zu können. Schade, der Pilotfilm dazu war eigentlich geglückt.

So ganz Erwachsenenfilm möchte man in der Neuverfilmung, die immerhin in Deutschland die FSK 12 beschert bekommen hat, ebenfalls nicht sein, obwohl das veränderte düstere Design gegenteiliges vermuten lassen könnte, orientiert am düsteren Stil letzterer Filme um Batman. Andererseits: wenn man danach ginge, müsste der Trickfilm „TMNT“ alles andere als ein Kinderfilm sein, und der ist ja nun wirklich keinem anderen Publikum anzutun. Wie auch immer: „RoboCop“ ist ein Actionfilm, der auch für ein Jugendpublikum geeignet ist, aber brav sieht anders aus. Für einen FSK 12-Film gibt es einige harte Szenen zu sichten, und dass die Brutalitäten in den reichlich vorhandenen Actionszenen nicht so gewalttätig wirken wie in manch anderen Stoffen, liegt an der unangenehmen Eigenschaft des Streifens, dass die Schnitte zu schnell gesetzt sind. Oft erkennt man gar nicht was gerade passiert.

Ich persönlich interessiere mich selbst bei Filmen wie diesen eigentlich ohnehin mehr für die Geschichte als für die Acionszenen, und es ist schon interessant zu beobachten was die Story seit der 80er Jahre für Veränderungen erfahren hat. Manches wurde versimpelt, so die Gesellschaftskritik, die nicht mehr so subtil daher kommt, sondern passend zum geringer gewordenen Intellekt des amerikanischen Massenpublikums mit dem Holzhammer präsentiert wird. Dies aber um aktuellere Missstände des eigenen Landes einzuarbeiten und die Methode mit welchen diese in Amerika eingebracht und beibehalten werden zu kritisieren und zu demonstrieren. Mit beiden Gründen inhaltlicher Veränderung leistet „RoboCop“ für einen ollen Popkornfilm hervorragende Aufklärungsarbeit, etwas dass einem als bereits aufgeklärter Europäer eventuell unnötig oder aufgesetzt erscheinen könnte, wenn man sich der Realität in Amerika nicht bewusst ist.

Um näher dran zu sein wurden auch recht stützende Bereiche des Originals verändert, so auch die für mich eigentlich unverzichtbare Idee, dass ein Konzern eigene Bereiche eines Landes kontrolliert und damit regional mehr Macht als die Regierung hat. Ganz so weit in die Zukunft schaut der aktuelle „RoboCop“ nicht, verharmlost im direkten Vergleich also seinen düsteren Zukunftsblick, aber wie bereits erwähnt um Missstände der Gegenwart deutlicher ansprechen zu können, deswegen kann ich es ihm persönlich als Bewunderer der verworfenen Idee durchaus verzeihen.

Ob auch eine Änderung des Kontakts zur hinterbliebenen Familie Murphys nötig war, sei einmal dahin gestellt, bot sie in der Fassung der 80er Jahre doch den Kern der Dramatik des Stoffes, die in der Neuverfilmung u.a. wegen dieser Änderung zu kurz kommt. Der Verhoeven-"RoboCop“ mag brutaler gewesen sein, er war aber auch emotionaler und gab seiner Hauptfigur eine Seele mit auf den Weg. „RoboCop“ im Jahr 2014 geht mit dem Seelenleben so oberflächlich um wie mit dem kompletten Werk, womit er sich selbst austauschbar macht, zugegebener Maßen aber auch nicht völlig uninteressant.

„RoboCop“ ist anspruchslose aber durchschnittlich unterhaltsame, kurzweilige Unterhaltung, die man sich durchaus mal geben kann. Auch mit Kenntniss des 80er Jahre Originals kann er funktionieren. Akzeptiert man einmal die Änderungen in der Geschichte wissen gerade diese durch den Vergleich der Erstverfilmung zu interessieren, sind sie doch nie grundlos eingebracht und bieten sie doch manch andere Sichtweise auf die Geschichte, so z.B. in der neuen Alternative zum gelöschten Gedächtnis aus dem Original. Manches was sich zunächst humaner anfühlt, ist es im späteren Verlauf keineswegs. Und selbst eben erwähnter Kritikpunkt die Familie Murphys betreffend ist für manch anderen Aspekt der Geschichte durchaus interessant, auch wenn ein wichtiger Aspekt der möglichen Wirkung beim Zuschauer damit ausgetauscht wurde gegen einen nicht zwingend nötigen aber durchaus interessanten innerhalb der Storyabfolge.

Wirklich tiefsinnig oder wenigstens in seiner Wirkung auf den Zuschauer überragend ist „RoboCop“ 2014 jedoch keinesfalls ausgefallen. Dafür ist die Geschichte nicht innovativ genug, bietet mit Ausnahme der Veränderungen zum Original keine überraschenden Momente, präsentiert quasi den klassischen 08-15 Storyverlauf solcher Werke, und dies gepaart mit der Holzhammer-Gesellschaftskritik schaut sich mit europäischen Augen nicht wirklich aufregend.

Aber mit heruntergeschraubten Erwartungen weiß „RoboCop“ als kleiner Beitrag der Superhelden-Welle durchaus zu gefallen, zumal zum Glück erkannt wurde, dass das in den 80er Jahren so wirksame klotzige Design nicht mehr zeitgemäß war, und ein Maschinenmensch der Zukunft aus dem Blickwinkel des Heute weniger schwere Mechanik und Panzerung mit sich herumtragen muss. Einzig auf das schwarze Design hätte ich persönlich verzichten können, aber die letzte Szene macht deutlich, dass man in einer möglichen Fortsetzung mit diesem wohl ohnehin nicht mehr rechnen muss.  OFDb

18.08.2013

DJANGO UNCHAINED (2012)

Was es bedeuten kann einem Sklaven seine Freiheit im Wilden Westen zu schenken, das thematisierte bereits Mel Brooks Mitte der 70er Jahre in seiner Komödie „Is‘ was, Sheriff?“. Freilich kratzte der zu Klamaukzwecken nur an der Oberfläche, und an dieser kratzt Erfolgs-Regisseur Quentin Tarantino nun wesentlich mehr herum und erzielt dabei ein besseres und unterhaltsameres Ergebnis. Gekonnt vereint Tarantino die Genres Western, Action, Drama, Liebesfilm und Komödie und punktet erneut mit seinen beiden Trümpfen, der Charaktergestaltung und den Dialogen. Die Figuren sind lebendig, griffig und innerhalb Tarantinos Comicwelt überzeugend, zumal er, trotz des Genres Westerns, seine Figuren nie zum Ideal Amerikas macht. Ganz im Gegenteil, der konservative US-Zuschauer muss einiges über sich ergehen lassen und in vielen Punkten einfach mal die Wahrheit ertragen.

Am gelungenen Bild nagt leider ein klein wenig Tarantinos ewiger Drang zur Brutalität. Nicht dass mich das ernsthaft stören würde, wer Tarantino-Filme guckt weiß dass der Mann dies für eine obligatorische Zutat seiner Werke hält, aber um in diese Extreme schwenken zu können begeht der Kult-Regisseur nach etwa 120 Minuten einen Bruch in der Charakter-Logik seiner gelungensten Figur, dem Doktor. Und dass nach dieser Enttäuschung das darauf folgende Feuerwerk von prolliger Ghetto-Musik untermalt wird, lässt die Versöhnung mit dem Zuschauerteil, der nicht dem Proletentum angehört, verzögern. Aber sie kommt dennoch recht schnell, wird nach dieser Dosis Action die Geschichte doch wieder interessant, obwohl sie nun endgültig im Bereich des Rache-Films angekommen ist.

Von zwei bis drei Ghetto-Liedern einmal abgesehen ist die Musikuntermalung wirkungsvoll, und auch das Drehbuch weiß zu gefallen, bietet es doch (wie so oft zur späten Hochzeit des Genres geschehen, welche der Film preist) eine zunächst simple Geschichte, die mit der Zeit an Gehalt gewinnt, bis sie sich schließlich gegen Ende  als recht einfallsreich entpuppt. Zwar wird „Django Unchained“ bei weitem nicht so gehaltvoll wie ein „Spiel mir das Lied vom Tod“, das merkt man beim gefühlten zu frühen Erscheinen des Abspanns recht deutlich, aber auch das lässt das gelungene Bild des Filmes und seines Regisseurs nicht wackeln. „Django Unchained“ ist ein gelungenes Stück Unterhaltungs-Kino, losgelöst wie sein Held von den erzählerischen Ketten der Standard-Ware im Kino, umgekehrt jedoch in seiner erzählerischen Struktur gefangen in den Erwartungen an einen Tarantino-Film.  OFDb

16.12.2012

ZIMMER 1408 (2007)

Buchautor Mike Enslin erforscht gruselige Orte und geht seine Arbeit nur noch zynisch und lustlos an, da er noch keinen Beweis für übernatürliche Begebenheiten entdecken durfte. Bis er Zimmer 1408 im Dolphin Hotel aufsucht...

Zimmer frei...
 
Wieder einmal darf man die Verfilmung einer Geschichte nach Stephen King sehen, in welcher die Hauptfigur durch das Schreiben von Büchern sein Geld verdient. „Zimmer 1408“ ist einer nach einer Kurzgeschichte aufgeblähter Langfilm, was man ihm sicherlich ansehen kann, aber, auch wenn es anders klingt, dem fertigen Werk nicht schadet. Die Einführung um Mikes Charakter ist etwas länger ausgefallen, und das werte ich deutlich als Pluspunkt des Streifens, ist diese Figur doch interessant und lebendig und zudem zu Fleisch geworden durch den sehr talentierten Schauspieler John Cusack. Während man ihn besser kennen lernt geht es mit leisem Witz zunächst recht humorvoll zu. Dennoch wird eine gekonnte Erwartungshaltung auf Zimmer 1408 aufgebaut, noch bevor der Raum zu sehen ist.

In jener Phase, in welcher die Geschichte langsam zum Horrorfilm mutiert, mischen sich der humorvolle Unterton und das Grusel-Feeling, auch hier bleibt die Atmosphäre des Films sehr geglückt und die Geschichte sehr interessant. Das macht Freude auf das kommende Erlebnis, und nun ist Vorsicht geboten. Wer sich nun einen gruseligen Film erhofft wird leider enttäuscht werden. Sicherlich wird es spannend, aber Angstgefühle werden hier nur ganz zarte Persönchen erleben. Denn anstatt nun auf sensiblen Grusel zu setzen, erlebt Mike eine Karachofahrt an Spezialeffekten und Geschehnissen, wie sie fast eines Ashs aus „Tanz der Teufel 2“ würdig wären. Im Gegensatz zu diesem Film wird der Humor von „Zimmer 1408“ in dieser Phase jedoch fast komplett zurückgeschraubt.

Das kann ernüchternd wirken, muss es aber nicht. Geht man mit weniger Erwartungen bzw. mit anderen Erwartungen an das Abenteuer Mikes heran, wissen die unvorhersehbaren Erlebnisse des Autors durchaus zu gefallen. Es wird halt nur nicht gruselig. Aber gute Inszenierung und Effekte sei dank, und auch weil John Cusack eben weder Teendarsteller noch untalentiert ist, gefällt es dem Treiben zu folgen, auch wenn jederzeit alles passieren kann und die Spannung wegen der Action des öfteren pausiert. Doch selbst mit positiven Augen betrachtet fällt der Unterschied zur deutlich besseren ersten Hälfte auf. Das ist jedoch ein Manko, das es im Horrorbereich häufig zu sichten gibt, gerade wenn es um Spuk geht. Die Erwartungen schüren können viele, den Horror wirklich erleben lassen nur die wenigsten. Ein Allgemeinrezept gibt es ohnehin nicht, da jeder Zuschauer sich vor anderen Dingen und in verschiedener Dosis gruseln lässt. Die Macher eines Actionfilms haben es da schon einfacher.

Regie führte der Schwede Mikael Hafström, der mir bereits mit seinem Jugend-Drama „Evil“ positiv auffiel. Hier wie dort bemerkte ich jedoch die etwas aufgesetzte Art der Geschichte. Ein natürlich wirkender Ablauf sind beide Erzählungen nicht, auch wenn der Großteil der erlebten Momente auf diese Beschreibung passt. Was in „Evil“ durch manch übertriebener Dramatik und zu Drehbuch-gerechtem Handlungsfluss zu einer etwas holprigen Sache wurde, ist in „Zimmer 1408“ schlichtweg das komplette Ignorieren gruseliger Momente, um stattdessen Erlebnis-Horror auf die Leinwand zu zaubern. Dramatik hat der Film nach Stephen King übrigens auch zu bieten. Und seine Elemente stammen aus dem häufig zu moralischen Zwecken eingeberachten Bereich. Ein zynischer Autor, der seine Tochter und somit auch den Glauben an Gott verloren hat und seit dem nur noch egoistisch durchs Leben geht, all das klingt nach Bekehrung. Das ist es im Endeffekt sogar auch, aber nicht platt aufgedrückt, eher am Rande erwähnt. So stört es nicht und darf stattdessen positiv wirken, wenn der Zuschauer emotional mit dem Protagonisten mitleiden darf, wenn dieser auf fiese Art mit dem Verlust seines Nachwuchses konfrontiert wird.

„Zimmer 1408“ macht mit heruntergeschraubten Erwartungen auf seine Lauflänge gesehen genug Spaß um sich nett unterhalten zu fühlen. Ein besonders empfehlenswertes Horror-Erlebnis ist der Film nach Stephen King jedoch nicht. Für den Horror-Fan bietet er aber die nette Unterhaltung für zwischendurch, und sensible Gestalten werden hier wahrscheinlich auf ein Grusel-Erlebnis stoßen.  OFDb

13.12.2012

BASIC (2003)

Obwohl es nicht üblich ist, wird Zivilist Tom Hardy zu einer Militäruntersuchung hinzugezogen. Bei einer Übung kehrte ein Militärausbilder nicht zurück, scheinbar ist er tot. Zwei Verhaftete Soldaten geben widersprüchliche Aussagen. Hardy, der als Ermittlungsprofi bekannt ist, soll Licht ins wirre Dunkel bringen. Doch es erweist sich als sehr schwer die Wahrheit von den Lügen zu trennen...

Verarscht bis zum Schluss...
 
Es dauert nicht lange, da ist die Neugierde des Zuschauers bereits geweckt, was es in der Geschichte von „Basic“ nun genau zu ermitteln gibt. Das gibt dem Film einen guten Spannungsbogen, ohne dass man jetzt von Spannung im eigentlichen Sinne reden würde. Der Film hat eine enorm dichte Atmosphäre, die mit Beginn an direkt einsetzt und bis zum Schluss auch gehalten wird.

Der Zuschauer wird mit immer neuen Erkenntnissen bei der Stange gehalten. Ständig wendet sich das Blatt, nichts ist wie es scheint, immer hat der Drehbuch-Autor eine neue Wendung parat. Hierbei verzettelt sich „Basic“ leider gegen Ende. Ähnlich wie in „Wild Things“ wollte man zu viel, und so wirken spätere Wendungen unrealistisch in Bezug auf vergangene Geschehnisse. Ich hatte auch keine Lust mich so intensiv mit dem Werk zu befassen, um herauszufinden ob im Wirrwarr dessen was erzählt wurde nun ein kompletter Sinn, ein konsequentes Einhalten einer logischen Linie, liegt oder ob sich die Logiklöcher von auf dem ersten Blick bestätigen.

Sollte allerdings alles Hand und Fuß haben stellt sich dennoch eine unangenehme Frage und zwar die warum die komplette Aktion so umständlich angegangen wurde. Da hätte es schon simplere Methoden gegeben um ans Ziel zu gelangen. Außerdem ist das Jobangebot höchst fraglich, hat doch die Person, der es unterbreitet wird, erst den letzten Schritt selbstständig getan und ansonsten höchstens ein zwei Denkanstöße parat gehabt, um bei den Ermittlungen zu helfen.

Letztendlich nimmt das dem Werk aber nicht seine enorme Atmosphäre. Hier ist „Basic“ etwas vergleichbar mit „The Game“: Obwohl der Schluss sehr unglaubwürdig ist, macht es nicht das komplette Werk kaputt. „Basic“ hätte ganz oben in der Liga der rundum gelungenen Filme mitspielen können, hätte sich der Drehbuch-Autor nicht derart übernommen. Es nutzt einfach nichts während des Schreibens auf neue Wendungen zu kommen, man braucht zuvor eine klare Linie, um dann Alternativen drum herum zu spannen. Auf dem ersten Blick glaube ich nicht, dass dies hier gemacht wurde.

Die Besetzung ist auf hohem Niveau. Travolta spielt das was er gut spielen kann. Jackson hat etwas zu wenig Screentime und die unbekannteren Darsteller wissen alle zu überzeugen. So etwas sieht man doch gerne. Hinzu kommt dass das Buch, das an eben erwähnter Stelle so schwächelt, im Bereich der Dialoge zu punkten weiß. Hier gibt es wenig Action, deswegen ist der Dialogbereich so enorm wichtig. Nur gute Charaktere mit interessanten Gesprächen und Empfindungen können ein solches Werk auf Spielfilmlänge wachsen lassen.

Nur dann braucht man auch nicht vom Strecken eines Filmes zu sprechen. Denn „Basic“ will schließlich kein Actionfilm sein, er legt bewusst den Schwerpunkt auf die Dialoge. Wahrscheinlich wird er auch deswegen nur all zu gern negativ bewertet. Das Thema und der berühmte Cast hätten immerhin auf Action schließen lassen können.  OFDb