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30.12.2023

GREMLINS - KLEINE MONSTER (1984)

Ich habe in "Gremlins - Kleine Monster" nie das große Werk gesehen, als welches er unter Kinobegeisterten allgemein gilt. Das liegt hauptsächlich an der Orientierungslosigkeit des Stoffes, die mir auf ein neues zeigt, was das mit Begeisterung angenommene 80er Jahre-Blockbuster-Kino im Vergleich zu den Werken der 70er Jahre verloren hat. Während dort selbst Massenproduktionen genug Raum für den Intellekt bereit hielten, um einem solch wilden Treiben zumindest noch eine Legitimation und Gesetzmäßigkeit zu bescheren, begnügt man sich bei Werken der hier besprochenen Art auf tolle Effekte, ein buntes Drumherum und eine fantasiereiche Geschichte. Das Ergebnis ist durchaus nett zu nennen, unreflektiert bereitet "Gremlins" (Originaltitel) durchaus Freude, gerade auch im Hinblick auf seine Anti-Weihnachtsmentalität. Und mit Blick auf das Kino heutiger Tage, tut es außerdem gut einen entspannten Umgang mit Volkskrankheiten als charmante Schrulligkeiten zu sehen, sowie in einem recht familientauglichen Werk Tote erleben zu dürfen, führen die "Streiche" der Gremlins doch nicht immer "nur" zu Verletzungen. Und ein bitteres Schicksal darf nicht nur wer bös Charakterisiertes erfahren. Meist bekommen aber ohnehin die Viecher selbst ihr Fett weg, eigentlich noch bevor sich für so manche Figur ihre Bösartigkeit bestätigt. Da darf sich dann trickreich gewehrt werden, was dem Film eine ähnliche Partytauglichkeit beschert, wie die Taten der kleinen Monster, für die man einschaltet. Deren Treiben schwankt zwischen kindischem Spieltrieb, Anarchismus, instinktiven Gelüsten und rohem Ur-Trieb. Was sie wirklich antreibt, bleibt unklar. Warum die Hauptfigur den Gremlin mit den Haaren auf dem Kopf als den Anführer empfindet, weiß man nicht, und trotz mehrmaliger Behauptung wird es durch die Geschichte zudem nie bestätigt. 

Derartige Lücken machen es mir schwer, mehr als den trivialen Unterhaltungsfilm in "Gremlins" zu sehen. Ja, die Kulisse weiß zu gefallen, das moderne Märchen-Flair ebenso, das Kreaturendesign, auch in den kurzen gezeichneten Sequenzen, sowieso. Aber wieso befinden sich plötzlich alle Gremlins im Kino? Natürlich nur um es dem Drehbuch leichter zu machen, ein halbwegs glimpfliches, simpel zu erzählendes Ende anzuvisieren. Das Drehbuch ist voll von derartigen Vereinfachungen, die nicht hinterfragt werden, weil die ganze Action drumherum von derartigen Schwächen ablenken soll. Nun, das tut es scheinbar auch, so begeistert wie die Filmwelt auf Joe Dantes Werk reagiert. Zumindest sind den Verantwortlichen allerhand verschmitzte Ideen gekommen. Neben der offensichtlichen, meist per großen Schauwert inszenierten, sind auch kleine Insider-Gags zu bemerken, wie z.B. das Versteck unter Stofftieren. Hier darf ein Gremlin sich wie einst E.T. unter Spielzeuggesellen tarnen, von denen eines eine E.T.-Puppe darstellt. "Gremlins - Kleine Monster" ist eine Spielberg-Produktion, das macht dieses Augenzwinkern rund um ein Merchandising-Produkt umso amüsanter. In seiner Leichtigkeit und der schwarzhumorigen Treffsicherheit, kann man nie zu böse mit dem Ergebnis sein. Aber die Schwächen sind mir dann doch eine Spur zu hoch, um den Erfolgsfilm als großes Event zu betrachten. Zumindest ebnete "Gremlins" den "Critters" den Weg, die fand ich etwas amüsanter. Sie sind aber auch etwas düsterer angelegt, wohingegen es Dante, so wie später auch in "Small Soldiers", schafft den Mix zwischen buntem Popkorn-Spaß und Horror in familienfreundlicher Balance hinzubekommen. Interessant fand ich anbei die Nennung Michael Winslows im Abspann, im Bereich der Verantwortlichen für die Soundeffekte. Noch im selben Jahr erlangte er Berühmtheit durch seine Rolle in "Police Academy" aufgrund seiner Begabung ungewöhnliche Geräusche ohne technische Hilfsmittel zu entfachen.  Wiki

10.03.2021

COLUMBO - TÖDLICHE TRENNUNG (1971)

Nein, die Popularität Steven Spielbergs als Regisseur dieses Spielfilmes der TV-Reihe "Columbo" ist nicht der Grund, dass ich zum dritten Film um den kauzigen Kriminalinspektor gegriffen habe, um erstmals in die Welt dieser berühmten Krimi-Figur einzutauchen. Sie war der erste Film auf der DVD-Gesamt-Kollektion, die somit leider, trotz optisch beeindruckender Veröffentlichung, nicht in korrekter Reihenfolge angeordnet ist. Nicht nur dies hat Columbo mit seinem deutschen Kollegen "Derrick" gemein, der drei Jahre nach dem hier veröffentlichten Film das TV-Licht der Welt erblickte. Hier, wie zu Beginn bei ihm, bekommen wir von Anfang an den Mörder serviert und schauen dem Ermittler quasi dabei zu, wie er dem uns bekannten Täter auf die Schliche kommt. Der Unterschied: Derrick ermittelte meist tatsächlich im Unklaren fischend, während Columbo die Lösung klar ist und sich naiv gebend, mit dem Täter spielend, der Beweislage nähert. Mag der deutsche Kriminalist auch rationaler auf den Zuschauer wirken, Columbo ist es im Gegensatz zu seiner Außenwirkung ebenfalls, und damit stellt er eine der wenigen Ausnahmen US-amerikanischer Hauptfiguren in Krimiserien dar, die meist doch eher in Richtung "Die Straßen von San Francisco" und Co gehen und Action über Ermittlungsarbeit stellen. 

Das weiß zu gefallen, eben weil der im Laufe der Zeit zum Kult gewordene Mann im Mantel zudem nicht knochentrocken ermittelt, sondern auf amüsante Weise. Glücklicher Weise hat man trotz dieser Methode keinen komödiantischen Film aus der Chose gemacht. "Columbo: Murder by the Book" (Originaltitel) spielt nur unterschwellig, aufgrund der angeblichen Schrulligkeit des Ermittlers, mit Humor, zudem lässt er den Täter mit einem gewissen Augenzwinkern fast comic-artig bösartig sein, ohne dass Geschichte oder Figur dabei deswegen an Würde verlieren würden. Der in der Rolle des Killers besetzte Darsteller erinnert mimisch ein wenig an Curd Jürgens, der jemand ähnlich kalt Kalkulierendes in Derricks erstem Jahr verkörpern durfte. An dessen Leistung ragt Jack Cassidy zwar nicht heran, aber seine Interpretation der Rolle weiß definitiv zu gefallen und zu überzeugen. Ergänzend steht den beiden schauspielerischen Zugpferden dieser Episode ein durchdachtes Drehbuch zur Seite, welches sich stets über seine Schritte im Klaren ist und die Geschichte trickreich vorwärts bringt. Einzig die zu schnelle und zu simple Überführung des Täters wusste mir nicht zu gefallen, zumal ich die Kapitulation des Mörders aufgrund der Beweislage nicht für glaubwürdig halte. Ansonsten hat mir mein erster Ausflug in die Welt Columbos jedoch gefallen.  OFDb

30.11.2019

ARACHNOPHOBIA (1990)

Es gibt nur wenige Horror-Komödien, die es tatsächlich schaffen beide Bereiche in einem Gleichgewicht zu präsentieren, der sowohl ängstigt, als auch belustigt. "Arachnophobia" gehört zu diesen seltenen Glücksgriffen, und man muss nicht einmal unter der titelgebenden Spinnenangst, bzw. unter dem Ekel leiden, den die Achtbeiner verursachen können, um beim Sichten in beide Bereiche eintauchen zu können. Selbst neutral eingestellt versteht es Regisseur Marshall einen Spannungsbogen zu erzeugen, der es in sich hat. Während das Drehbuch auf der Horrorseite eigentlich keine sonderlich neuen Aspekte setzt, erweist sich Marshalls Inszenierung als hochgradig spannungswirksam. Das Szenario wirkt bedrohlich, anstatt ausgelutscht, in seiner Hochphase sorgt diese Stärke gar für puren Nervenkitzel. Dies allerdings auch deshalb, weil dem Drehbuch seine Figuren wichtig sind, und wir den durch Jeff Daniels so glaubwürdig verkörperten Dr. Jennings gut genug kennen lernen, um sein Spinnenangst-Leiden in allen Poren nachvollziehen zu können, gerade im gnadenlos mit ihm umgehenden Finale. Gleichzeitig dürfen wir uns an seinem Gebrechen erfreuen, denn gerade hier im Finale schaffen es Regie und Drehbuch vereint die beiden Genres zeitgleich zusammenzuführen. Spinnenekel, Schockeffekte und Nervenkitzel treffen auf eine schwarzhumorige, comicartige Umsetzung, die den Zuschauer zwischen den Zuständen des Schmunzelns und Angespanntseins fesseln, was alles durch eine glaubwürdige und professionelle Inszenierung so treffsicher zu funktionieren vermag, sowie durch den kurzfristig in den Wahnsinn abrutschenden Dr. Jennings.

Aber auch der Restfilm ist auf hohem Niveau präsentiert. Der Einstieg im Dschungel wirkt nicht wie ein zwanghaftes Kapitel, das es pflichtbewusst schnell abzuarbeiten gilt. Er ist in Ruhe erzählt, gönnt auch nebensächlichen Charakteren genügend Aufmerksamkeit zur Entfaltung, und die präsentierten Erlebnisse sind interessant und packend umgesetzt. Bereits hier herrscht ein funktionierender Spannungsbogen, wie im Komplettfilm Zuschauer mit Problemen mit Spinnen spannungstechnisch bevorzugend, alle anderen aber nicht ausgrenzen lassend. In der Kleinstadt angekommen, in welcher fast der komplette Restfilm spielen soll, hält der Humor verstärkt Einzug ins Geschehen, das Ergebnis jedoch nie rein Komödie werden lassend, dafür ist der Witz meist zu schelmisch und subtil eingestreut. Hin und wieder gönnt man sich aber auch lautere Humormomente, oft eingebracht über den herrlich prollig spielenden John Goodman, der es schafft eine Brücke zwischen dem anspruchslosem Mainstream-Publikum und dem erwartungsvollem Cineasten zu spannen. "Arachnophobia" ist kurzweilig, interessant und emotional nachvollziehbar erzählt, bietet tolle Bilder innerhalb einer verspielt genutzten Kameraarbeit, weiß tricktechnisch zu gefallen, und präsentiert das sonst als B-Film genutzte Szenario über Durchschnitt dargeboten von professionellen Mimen, finanziell unterstützt durch den namhaften Produzenten Steven Spielberg. Lediglich der Soundtrack ist etwas arg durchschnittlich komponiert, weiß aber das Szenario akzeptabel zu unterstützen, wenn auch kaum auffallend. Ein gelungener, individueller Schluss-Gag der anderen Art entlässt entspannt aus einem aufregenden Film, der im Tier-Horrorbereich neben "Der weiße Hai", "Phase IV" und "Die Vögel" seinesgleichen sucht, im Bereich der gleichberechtigten Genre-Kreuzung Horror und Komödie seinesgleichen neben "Tanz der Teufel 2" und "The Return of the Living Dead".  OFDb

14.04.2019

DUELL (1971)

Die zentrale Identifikationsfigur von Steven Spielbergs erstem Erfolg ist ein einfacher Kerl. Deswegen besitzt er den Namen Mann. Er besitzt ihn aber auch ein wenig der Provokation wegen, denn Mann verkörpert nicht das klassische Männerbild, er gehört jener Gattung seines Geschlechts an, wie sie das Ergebnis nach erfolgreicher Emanzipation in den USA war. Mann haut nicht auf den Tisch, lässt nicht das Alphatier heraushängen, ist hilfsbereit, bevorzugt den Kompromiss, lässt sich von seiner Frau und seinem Chef herumschubsen, kurzum steckt in diesem Anzug für die Vertreter des klassischen Männerbildes ein Weichei. Nun stößt dieser Mann, der gerne den Weg des geringsten Widerstandes geht, auf das Raubein Mann, dem Ur-Typen, klassisch symbolisch verkörpert durch den Beruf des Truck-Fahrers. Und der scheint sich durch eine Nichtigkeit herausgefordert zu fühlen, denn er leitet titelgebendes Duell ein, welches der Hauptfigur nur in einem kurzen, schwachen Moment wichtig ist, dem Gegner jedoch um so mehr. Eine Erklärung für das Verhalten des LKW-Fahrers erhalten wir nie, gern ist in Besprechungen auch von eventueller Langeweile die Rede, was sicherlich ebenso mit einfließt. Beachtet man aber die Psychologie der Figuren und Situationen ist das Sichherausgefordertfühlen des klassischen Männerbildes die logische naheliegende Erklärung. Er ist ein Mann, der sich durch eine Nichtigkeit provoziert fühlt und in seinem Testosteronmeer nicht mehr aus seinem Rache- und Wettbewerbsgefühl heraus kommt, wohingegen unser "Held" nicht einmal genau weiß womit er provoziert haben soll und aufgrund seiner anderen Mentalität nicht nachvollziehen kann, wie man sich in solch eine Situation derart penetrant hinein steigern kann.

Genau darin liegt dann auch der Kniff, dass Mann nicht damit rechnet, dass sich die Situation derart gefährlich hoch schaukeln kann, ist es als jemand der Wut eher herunter schluckt doch nicht seine Art sich in derartige Nichtigkeiten hinein zu steigern, zumal er nicht das Gefühl hat sein Mannsein beweisen zu müssen. Derartiges Verhalten und Denken empfindet er als albern. Und doch muss er genau dies lernen, denn er ist in dieser hoch kochenden Situation auf sich alleine gestellt, und er muss sich dem Duell stellen, scheinbar auf Leben und Tod, denn dem Fahrer ist nicht bei zu kommen. Nie hat Mann in diesem herrlich dreckig gecasteten Truck (man muss das Fahrzeug tatsächlich wie einen Darsteller betrachten) das Gesicht seines Feindes sehen können. Und somit ist er nicht einmal in einer ausführlich angegangenen Dinerszene in der Lage sich mit seinem Gegner auszusprechen, sehen wir doch nur die Schuhe des Aggressors, und die tragen in dem Laden, in dem allerhand LKW-Fahrer Kunden sind, so einige harte Kerle. Kurzum muss Mann seinen Mann stehen, (schon vor Beginn der ganzen Situation) unter Druck stehend, den Stressfaktor Hitze zusätzlich im Nacken habend, wissentlich der Kraft und der Größe des Trucks mit seinem PKW unterlegen zu sein, und den Vorteil der Schnelligkeit nicht komplett ausnutzen könnend aufgrund mangelnder Kühlflüssigkeitsmenge.

Der trocken, staubige und langsame Erzählstil ist der Trumpf dieses knisternd und hoch spannend erzählten Minimalismus-Thrillers, den Steven Spielberg gekonnt fürs Fernsehen inszeniert hat. Off-Kommentare durchbrechen die sonstige Stille, nur in wenigen Momenten kommt es zu Dialogen, zu Beginn mehr als im weiteren Verlauf des Streifens. Oft unterbricht nur das Radiogeschwafel die Stille, oder eben das dreckige Monster von Truck, das bereits in seiner herrlich schäbigen Art einzuschüchtern weiß und nicht gerade einen Glanz amerikanischer Straßen darstellt. Aufgrund des Erfolges der TV-Ausstrahlung bekam Spielberg die Chance zusätzliche Szenen zu drehen, um eine Auswertung im Kino zu ermöglichen, was er schließlich auch tat. Psychologisch gesehen will nicht jede neu gedrehte Szene so gekonnt ins Konzept passen, wie die Ursprungsversion. So weiß z.B. die Szene, in welcher der LKW versucht den PKW auf ein befahrenes Zuggleis zu schieben nicht wirklich in jene Phase der Situation hinein zu passen, in welcher sich der Film zu diesem Zeitpunkt gerade befindet. An sich ist die Geschichte ein sich immer weiter hoch schaukelndes Spektakel, in welcher jeder weitere Schritt psychologisch gesehen einen Sinn ergibt. Manches wird geschult durch den Wahn des Truckers auf eine weitere Ebene gehoben, manches durch das (Fehl)Verhalten des PKW-Fahrers. Durch Szenen wie jener beschriebenen erlebt der flüssige, glaubwürdige Verlauf jedoch ein Hin und Her.

Weniger pingelig betrachtet beschert sie dem Streifen aber tatsächlich einen nervenkitzelnden Sehwert mehr, ebenso wie die Schulbusszene. Deswegen braucht man auch nicht wirklich diesbezüglich enttäuscht zu sein. Zu funktionieren weiß hier alles, und der Spannungsbogen ist nach einer kurzen Anlaufzeit fast auf einem ständigen Hoch. Spielberg versteht genau wann er dem Zuschauer eine Atempause gönnt, nur um nach dieser die Spannungsschraube erneut drastischer anzuziehen. Damit wird "Duell" zu einem Erlebnis, das seinesgleichen sucht. Mit kleinen und großen Erfolgen wie "Jeepers Creepers", "Monster Man" und "Joy Ride" gerne auch mal nachgeahmt und variiert, kam nie einer dieser Nachzügler an das Ergebnis dieses herrlich dreckigen Thrillers heran, und auch Spielberg selbst konnte meiner Meinung nach nur noch mit "Der weiße Hai" an dieses Spannungskino heran reichen. So gut wie hier und dort fielen seine Arbeiten nur noch selten aus, wenn überhaupt. Um gerade den psychologischen Aspekt des still und ungenannt diskutierten Männerbildes beim Sichten mehr in sich aufnehmen zu können, empfiehlt sich anbei das Sichten im Originalton, spricht Hauptdarsteller Dennis Weaver seine Figur doch mit heller Stimme, was den grundlegenden Gedankenansatz zu fördern weiß und ein Hineinfühlen in die Psyche eines sich hilflos, bzw. überfordert fühlenden Mannes zugänglicher macht.  OFDb

27.05.2018

JURASSIC WORLD (2015)

Wenn "Jurassic World" Kritik am Kapitalismus übt, indem es die Kaufmänner des Jurassic World-Parks glauben lässt Dinos würden kaum mehr interessieren, ein neuartiges, aggressives Überwesen müsse her, dann signalisiert man die Augenzwinkerei der Thematik, wissentlich dass selbiges die Verantwortlichen des Filmes "Jurassic World" entschieden haben. Nach zwei eher belanglosen Fortsetzungen wurde "Jurassic Park" erst 14 Jahre später erneut fortgesetzt, und da schien man der reinen Dinowelle von einst nicht mehr zu trauen. Und so gewollt wie die Ironie der Parallele reißerischer Geldmacherei hervorgehoben wird, so wenig glaubwürdig will sie auch wirken inmitten eines Filmes, der mehr Produkt als Filmerlebnis, mehr Kopie des Originals anstatt eigenständiger Film und der noch belangloser als die bisherigen Fortsetzungen ausgefallen ist.

Nun ist "Jurassic World", was den Kopievorwurf zum Original betrifft, nicht ganz so extrem 1 zu 1 umgesetzt wie ein "Star Wars 7 - Das Erwachen der Macht" aus dem selben Jahr des hier besprochenen Filmes. Er setzt auf die Massenpanik eines gut besuchten Freizeitparkes und setzt die Dinos zum Erzählen der eigentlich selben Geschichte völlig anders ein. Aber so unsinnig wie hier Veränderungen angegangen werden, hätte man sich eher eine reinere Kopie wie besagtes "Krieg der Sterne"-Beispiel gewünscht, schaute sich dies nach der enttäuschenden Trilogie der 00er Jahre doch zumindest wie ein Geschenk für Freunde der Ur-Reihe, wohingegen "Jurassic World" ein Schlag in die Fresse für Fans des gelungenen Originalfilms von Steven Spielberg ist.

Spielberg selbst ist wie bereits in "Jurassic Park 3" nur noch Produzent, hat auch an der Story nicht mitgeschrieben, und das gewisse Feeling für abenteuerlichen Spannungsaufbau und entspanntem Popkornkino gelingt Regisseur Colin Trevorrow zusammen mit seinen drei Mitautoren bei weitem nicht so gut wie ihrem Geldgeber im ersten Teil. Allerdings tat auch die Besetzung dem Team keinen Gefallen, ist Hauptdarsteller Chris Pratt doch ein ungelenkes, kleinwüchsiges Stück Muskelpaket mit Bübchenblick und nicht sonderlich schauspielerisch begabt oder charismatisch einsetzbar. Bryce Dallas Howard an seiner Seite schafft es nicht den charakterlichen Wandel, den das Drehbuch ihr auferlegt, glaubwürdig einzufangen, es mag aber auch sein dass ihr hierfür die Unterstützung inmitten der hektischen Handlung fehlte, so stumpf spielend wie Pratt wirkt sie schließlich nicht. In "Spider-Man 3" fiel sie mir seinerzeit sogar sympathisch auf.

Aber man muss sich nichts vormachen: dass "Jurassic World" nicht wirklich funktionieren möchte, liegt ganz klar am missglückten Drehbuch, weiß die Regie doch den ganzen dort erzählten Unsinn recht flott und frei von Durchhängern zu präsentieren, so dass zumindest der stumpfe Unterhaltungssinn gesättigt wird. Man darf halt nur nicht sein Hirn einschalten, sonst verärgert der Streifen etwas zu sehr, das zu Ignorierende lässt sich schließlich nicht schönreden. Ignorieren könnte ich es aber ohnehin nicht, stehen die dominanten Unsinnigkeiten der dritten Fortsetzung doch im Konflikt mit den Gesetzmäßigkeiten des Originalfilmes und missachten die Bedrohung, die von den eigentlichen Sauriern ausgeht zugunsten eines Fantasymonsters, welches solidarisch von Mensch und Dinosauriern vereint bekämpft werden muss.

Zu Beginn besitzt man noch den nötigen Respekt vor den Raptoren, wenn diese noch nur halbwegs dressiert rüberkommen und ihre Natur nicht völlig ausgelöscht scheint. Wenn sie sich später aber mit ihrem Dresseur zusammentun und diesen als Leittier nicht auf seinem Motorrad angreifen, ebenso wenig andere mit in den Kampf ziehende Menschen, sondern ihm brav in den Krieg folgen, dann wird die gezeigte Chose immer unsinniger und respektloser und bescheinigt noch einmal, dass der ironisch angegangene erhobene Zeigefinger zum Thema Kapitalismus zu Beginn des Streifens reine Show ohne wahre Selbsterkenntnis war und befördert "Jurassic World" endgültig in die Formelwelt geistlosem Konzeptkinos, geschaffen für einen möglichst großen Zuschauerstamm, den Schauwerten wegen gedreht, jegliches Feingefühl für anderweitige Aspekte außer Acht lassend. Endgültig lächerlich wird das Treiben, wenn sich Raptoren per Blickkontakt auch noch mit einem T-Rex solidarisch verbünden, jener Kreatur, die einst ein nicht zu unterschätzender Feind für die Menschen war.

An Einfallsreichtum hat das Drehbuch zu "Jurassic World" nie gesprudelt, aber aus Hilfslosigkeit die Geschichte nicht anders beenden zu können auch noch den zufällig eingreifenden Wasserbewohner der Fleischfresserwelt des Juras mit an Bord zu holen, warum auch immer der dort Fressen vermutet wo das Genvieh steht, ist an Plumpheit nicht mehr zu überbieten und beleidigt den Zuschauer mit seinen Seherwartungen mehr denn je. Manch nette Randfigur, optisch toll herausgearbeitete Dinosaurier und das flotte Tempo lassen "Jurassic World" trotzdem erträglicher wirken als er eigentlich ausgefallen ist. Und leider ist genau dieser bislang schlechteste Teil der Reihe jener, der nun erstmals direkt mit gleicher Hauptrollenbesetzung fortgesetzt wird. Denn dieses Jahr kommt "Jurassic World 2 - Das gefallene Königreich" in die Kinos, welcher zudem noch einen anderen Regisseur beschert bekommen hat. Ob das eine gute Entscheidung war, wo doch gerade die flotte Inszenierung Trevorrows das Produkt "Jurassic World" gerade noch halbwegs zu retten weiß, sei einmal dahingestellt.  OFDb

23.05.2018

VERGESSENE WELT - JURASSIC PARK 2 (1997)

Der von Michael Crichton geschriebene "Jurassic Park" mag seine eigene Idee aus "Westworld" in groben Zügen wiederholen, wurde aufgrund völlig anderer Schwerpunkte jedoch ein sich anders anfühlendes Produkt und ein Riesenerfolg noch dazu. Freilich war der Hauptgrund dafür das Einbringen von bisher nicht möglichen Computeranimationen, welche die Fortschritte eines nur wenige Jahre zuvor erschienenen "Terminator 2" um Längen in den Schatten stellte und zum Vorreiter heutiger Trickeffekte in Großproduktionen wurde. Anstatt Puppen verwendete man rein am Computer entstandene Kreaturen, das Kino stand vor einer großen Wende. Dass das Funktionieren des ersten Teils von Spielbergs mittlerweile auf fünf Filme herangewachsenen Dino-Reihe nicht einzig auf die Spezialeffekte zurückzuführen ist, beweist dessen Fortsetzung "Vergessene Welt - Jurassic Park", der in Sachen glaubwürdige Animation den Vorgänger verständlicher Weise noch einmal überholt, am grandiosen Ergebnis des Erstlings jedoch nicht anknüpfen kann.
 
Dabei ist es zunächst lobenswert zu erwähnen, dass Teil 2 nicht einfach die Geschichte des ersten Teils kopiert, sondern eine eigene Handlung verfolgt, das kompromisslose Abenteuerfeeling und die gruselnahe Stimmung von Spielbergs erstem Dinofilm will in der Fortsetzung jedoch einfach nicht mehr aufkommen. Grund dafür ist u.a. der düsterere Stil, der die Verspieltheit des Originals kaum mehr aufzugreifen weiß. Diese findet sich eher noch im Verhalten der Wissenschaftler wieder, die Malcolms Worte nicht ernst nehmen wollen, immerhin Worte eines Mannes, der das Fatale hinter der Dinozüchtung am eigenen Leib erleben musste, was die Kollegen nicht davon abhält trotzdem wie Kinder im Süßigkeitenladen verspielt zu forschen. Für Kritik am Forschertum steht dies erstaunlicher Weise jedoch maximal im Ansatz, die Gesellschaftskritik im Fokus orientiert sich eher erneut am Kapitalismus und an der massentauglichen, und damit fast schon ermüdenden, Frage wer das wahre gnadenlose Raubtier ist, der fleischfressende Saurier oder der moderne Mensch.

Zwar ist Steven Spielberg, der erneut auf dem Regiestuhl Platz nahm, noch immer ein unterhaltsames, wenn auch etwas zu lang geratenes, Stück Popkornkino gelungen, aber die Schwächen, die den Film auf dieses simplere Niveau herunterdrücken hätten recht schlicht behoben werden können. So nerven zu Beginn die Klischee-überladenen Dialoge zwischen Vater und Tochter, in welchen, typisch US-Blockbuster, Kinder sich wie Erwachsene verhalten. Warum aus dem herrlich sarkastischen Dr. Malcolm ein Sprücheklopfer werden musste, weiß ich nicht. Zwar wissen viele seiner zynischen Kommentare zu wirken, diese hätte man aber auch bei gleichbleibender Charakterzeichnung des Originals erzielen können, schade. Jeff Goldblum macht als stets wirksamer Mime freilich trotzdem das Beste daraus, und das weiß "Jurassic Park 2" ein gutes Stück zu retten.

Zwar gelingt es Spielberg immer wieder dem abenteuerlichen Treiben nervenkitzelnde Momente zu bescheren, so z.B. in der legendären Szene an der Schlucht, ein durchgehender Spannungsbogen wie in Teil 1 will jedoch nicht eintreten, einfach weil man zu viel Distanz zu den Charakteren aufbaut, die im Vorgänger griffiger wirkten, sich echter anfühlten und Sympathie zu erzeugen wussten. Zwar sind die Figuren hier keine hohlen Hüllen wie in vielen anderen Großproduktionen, aber sie sind einfach zu sehr auf Stereotype getrimmt, um den Zuschauer für den menschlichen Faktor zu interessieren. Auf Routineebene weiß die Geschichte trotzdem wie erwähnt zu funktionieren, bedenkt man aber den Produktionsaufwand und die Möglichkeiten, bleibt man trotz passablem Ergebnisses etwas ernüchtert zurück.

Dass das letzte Kapitel mit dem T-Rex in New York eher angehangen wirkt, anstatt sich wie ein wirklicher Teil der vorherigen Geschichte auf der Insel anzufühlen, mag ein berechtigter Kritikpunkt sein, zumal die Laufzeit mit dem Ende auf der Insel ideal für den Schluss des Filmes gewesen wäre, letztendlich ist diese arg geistlos ausgefallene Kreisch- und Zerstörungsorgie trotz allem jedoch der Hingucker von "The Lost World" (Alternativtitel). Dass das Regisseur-Kind im Manne Spielberg dieser Versuchung im zweiten Streich nicht widerstehen konnte, kann man ihm nicht verübeln, zumal sich der gute Mann damit vor Werken wie "Panik in New York" verbeugt, die zusammen mit "Godzilla" in der 50er Jahre-Monsterwelle ihre Dinos grundsätzlich auf die menschliche Zivilisation losließen (der Restfilm verbeugt sich hingegen vor dem 20er Jahre-Klassiker "Die verlorene Welt" von Harry O. Hoyt). Dennoch halte ich es für eine gute Idee, dass sich die Fortsetzungen ab Teil 3 nicht mehr von ihren Inselabenteuern abwendeten. Ein Dinoausflug in die Großstadt reicht vollkommen aus.  OFDb

25.03.2017

DIE REISE INS ICH (1987)

Ich war 12 Jahre alt, als ich „Die Reise ins Ich“ seinerzeit im Kino sah. Ich kannte den Quasi-Vorgänger „Die phantastische Reise“ noch nicht, wusste zuvor auch nicht in welchen Film mich meine Familie mitgenommen hatte, war aber schnell begeistert von der abenteuerlichen Geschichte, welche die Phantasie eines Jungen nicht nur mit der Miniaturisierungsidee anzuregen wusste, sondern auch mit manch anderem verspielten Gimmick. Wie süß Meg Ryan in ihrer Rolle wirkt, habe ich erst Jahre später entdeckt, als Ryan durch ihre Dauerpräsenz in romantischen Komödien zu einer Berühmtheit wurde. Schon zuvor gab es etliche weitere Sichtungen des Stoffes auf VHS. Und wie das so ist, wenn man sich lange Zeit mit dem Medium Film beschäftigt, so werden die Pausen auch bei viel gesehenen Liebhaberstücken aus der Jugend zwischen den einzelnen Sichtungen immer größer.

Vor zwei bis drei Jahren packte ich ihn nach einer Sehpause von etwa 10 Jahren wieder aus, und ich war überglücklich dass mich Joe Dantes zu Unrecht etwas untergegangenes Werk noch zu unterhalten wusste. „Die Reise ins Ich“ ist nicht nur ein familientaugliches, abenteuerliches Erlebnis mit allerhand Schauwerten, er ist zudem noch jene Kunstform massentauglicher Familienunterhaltung, die Anfang der 90er Jahre irgendwann in Hollywood verloren gegangen ist. „Innerspace“ (Originaltitel) ist solch ein unverkrampftes Stück Popkorn-Kino, frei von Zuschaueranbiederungen und mit Blick auf interessante, wie liebenswürdige Charaktere, sowie auf eine intelligente, abwechslungsreiche Geschichte, dass das Sichten für Erwachsene nicht nur zum müde lächelnden Kompromiss wird, wenn man den Kindern zuliebe einen Familienfilm guckt, sondern für Alt wie Jung zu einem wahrhaften Seherlebnis wird. Das war Grund genug für mich ihn zwei Jahre später erneut zu sichten, um ihn ein paar Freunden zu zeigen.

Der Humor ist reichhaltig, aber nicht übermäßig vorhanden, gesund auf die Gesamtlänge verteilt und die Gags hierfür sicher und gekonnt gesetzt. Der Spannungsbogen kann sich für einen familienfreundlichen Film sehen lassen, die Action wird recht weit zurückgeschraubt und konzentriert sich eher auf Verfolgungsjagden oder kleinere Kämpfe. Gut aufgelegte Schauspieler sorgen innerhalb einer Geschichte, die stets mehr als das nötige Grundprogramm liefert, mit ihrer spürbaren Spielfreude für den nötigen Schliff, und fertig ist ein Filmerlebnis, das sich vor den bekannteren Namen seiner Zeit, wie „Zurück in die Zukunft“ und „Falsches Spiel mit Roger Rabbit“ kaum verstecken braucht. „Die Reise ins Ich“ mag nicht ganz an diese Vergleichsfilme heranreichen, aber er ist sehr nah dran und damit weitaus besser als viele andere Konkurrenzprodukte, ob nun aus den 80er Jahren oder von heute.

Freilich sieht man Dantes Werk die 80er Jahre an, aber sie kommen sympathisch anstatt lächerlich daher, und auch der Soundtrack greift auf angenehme Vertreter der Musik dieser Zeit zurück, und nicht auf die unangenehmen, geschmacklichen Entgleisungen. Zudem ist die Musik nicht nur aus besagtem Jahrzehnt gewählt, und die eigens für den Film komponierte Hintergrundmusik plätschert eher beiläufig, wenig aufregend komponiert im Hintergrund vor sich hin. Mir ist es lieber wenn eine solche mittelmäßig und unauffällig ausfällt, als wenn sie imposant und aufdringlich komponiert ist, so als müsse der Zuschauer erst darauf aufmerksam gemacht werden, etwas Aufregendem beizuwohnen.

Solche Manipulationen hat „Die Reise ins Ich“ nicht nötig, der, wie typisch für seine Zeit, mit handgemachten Spezialeffekten zu begeistern weiß. Die Innenaufnahmen von Jacks Körper sind mit viel Liebe zum Detail umgesetzt, und Dante beherrscht die gekonnte Mixtur diese effektvoll, zum Staunen einladend einzuführen, ohne aus seinem Werk gleich ein reines Effektspektakel zu zaubern. Ebenso wie der Humor- und Abenteuergehalt, so stimmt hier auch bei den Effekten die Gewichtung. In dieser von Steven Spielberg produzierten Science Fiction-Komödie wird jeglicher Bereich durchdacht und mit Respekt angegangen, unterhaltsam umgesetzt ohne verkopft daher zu kommen, aber schlau genug geschrieben, Zusammenhänge, die Psychologie von Charakteren und die Auswirkungen von kleinen wie großen Situationen begreifend.

Alles hat sich der Geschichte und den Charakteren unterzuordnen, während sich die Verantwortlichen des Streifens gleichzeitig den Spaß gönnen, immer wieder verspielte Nebensächlichkeiten einzubauen, welche die Geschichte nicht nötig gehabt hätte. Dies schafft man ohne Längen hervorzubringen, ganz im Gegenteil fühlen sich diese Entgleisungen als Teil der Handlung an und sind somit fast schon unauffällig in den flotten Sehspaß integriert.

„Die Reise ins Ich“ ist noch kein Formelkino der großen Studios, wie wir es von den heutigen Blockbustern kennen, auch wenn er auf die Erfolgserkenntnisse seiner Zeiten gezielt setzt. Peinlichkeiten werden stets umschifft, moralische und kitschige Aspekte treten nicht einmal kurz angedeutet auf, und die Love Story wird unterstützend integriert, klein gehalten, aber wirkungsreich. Kurzum ist „Die Reise ins Ich“ ein idealer abenteuerlicher, mit Spezialeffekten angereicherter Unterhaltungsfilm, wie er in dieser entspannten, den Zuschauer nicht erziehen wollenden, Art auch nur in den 80er Jahren entstehen konnte. Vor den Größen seiner Zeit braucht er sich nicht verstecken.  OFDb

04.08.2013

KRIEG DER WELTEN (2005)

Als man erstmals las, dass dieses Projekt gestartet wird, war ich happy. Ich hatte das Buch zwar nie gelesen, aber ich mochte die alte Verfilmung, ich liebte das Hörspiel, sympathisierte mit der Radiosendung, und auch die TV-Serie fand ich in ihrer schundige Art gelungen. Dann las ich, dass Tom Cruise die Hauptrolle übernimmt. Zugegeben, Tom Cruise spielte seit je her in guten Filmen mit, aber dass diese funktionierten lag nie an seinem schauspielerischen Talent. Somit durfte man schon kritisch werden, wenn das Projekt „Krieg der Welten“ einem am Herzen lag. Auf dem Plakat gab es einen zum Hörspiel widersprüchlichen Satz zu lesen: Sie sind schon unter uns. Und zur Zeit der Erscheinung schien auch Spielberg nicht der richtige Regisseur für die Verfilmung eines solchen Stoffes zu sein.

All diese Informationen schlugen mir in die Magengegend. Hatte ich vorher noch große Erwartungen an diesen Film, so ging ich, als es dann endlich so weit war, mit sehr geringen ins Kino. Aber erstens kommt es anders und zweitens als man denkt, sonst hätte ich „War Of The Worlds“ (Originaltitel) auch nicht bereits diverse Male auf DVD gesichtet. Tom Cruise überraschte damit, dass er erstmals in seiner Karriere Anzeichen setzte zu schauspielern. Er fiel nicht nur nicht negativ auf, er spielte die für ihn ungewohnte Rolle sogar recht überzeugend, allerdings im Schatten der Darstellerin seiner Film-Tochter Dakota Fanning. Diese spielte für ihr Alter richtig gut, durfte so realistisch nerven dass manch überforderter Film-Fan die Rolle mit der Realität verwechselte und auf das Gör schimpfte. Und so spielte sie so ziemlich jeden an die Wand, selbst Tim Robbins, der aber ohnehin mit einer schwachen Rolle gesegnet war.

Zu Beginn von Spielbergs Karriere wäre man noch optimistisch mit ihm auf dem Regiestuhl gewesen. Aber zur Zeit von „Krieg der Welten“ war sein „Jurassic Park“ so etwas wie eine Überraschung, dass der Herr überhaupt noch weiß wie man den Spannungsbogen so hochschrauben würde. Im Gegensatz zu diesem verliert er sich im hier besprochenen Streifen nicht in seinen Hollywood-typischen Spielereien und liefert, so wie er es eigentlich schon immer konnte, packendes Spektakel-Kino in spannender Atmosphäre. Das wurde ja auch wieder höchste Zeit.

Trotz der Zeitverschiebung in die Gegenwart, von der sich aber auch die Erstverfilmung „Kampf der Welten" nicht freisprechen konnte, bleibt Spielberg auf dem ersten Blick dem Vorbild treu: es gibt Dreibeiner anstatt Ufos (eine bedauerliche Fehlentscheidung in besagter Erstverfilmung), die Marspflanzen wachsen wie sie es sollen, der Artilleriemann ist in moderner Form dabei, und die Hauptrolle bleibt vorlagengetreu Beobachter. Erst recht spät bricht das Drehbuch diese Tradition und lässt die Rolle von Cruise eine Handgranate aktivieren. Viel schlimmer aber noch: es ist seine Rolle welche die Soldaten darauf aufmerksam macht, dass die Schutzschilde der Angreifer nicht mehr aktiv sind. Schade eigentlich, wenn auch nicht sonderlich gravierend für den Sehwert.

Was an diesem nagt ist tatsächlich der Schluss, jener der nach dem romangetreuen angehangen wird um das Ende der Geschichte unserer Figuren im Mittelpunkt zu beleuchten, die einen anderen Hintergrund erfuhren als der Hauptcharakter in der Vorlage. Ich will nicht zu viel verraten, aber der „Krieg der Welten“ macht in diesem Moment den Eindruck eines kleinen unangenehmen Erlebnisses. Zumindest erwecken die Figuren den Eindruck man käme gerade von einem Picknick zurück. Das ist schon etwas peinlich wenn man bedenkt dass gerade eben der Großteil der Zivilisation zerstört wurde.

Manch einer schimpfte auch auf das Ende der eigentlichen Geschichte. Aber die ist nun einmal laut Vorlage so, und das nicht aus dem Bauch heraus entschieden, sondern um eine wichtige Aussage zu treffen, die von den Verantwortlichen der Verfilmung auch erkannt wurde. Ohnehin ist es schön zu sehen, dass Einleitung und Schlussworte sich so sensibel an die Vorlage klammern. Das tat mir bereits als Kenner des Hörspiels gut, der den Roman nicht gelesen hat.

Ich bin kein Mensch der zwingend eine buchgetreue Verfilmung benötigt, weder hier noch in anderen Projekten. Es ist jedoch ärgerlich, dass manche Veränderungen auf Kosten der Logik gingen, so dass man sich rückblickend doch besser an der Vorlage hätte orientieren sollen. Dass Aliens seit Jahrtausenden Maschinen in der Erde hatten und diese nun benutzen stellt einige Fragen in den Raum. Selbst eine viel weitere entwickelte Intelligenz als die unsere (räusper) müsste in der Zwischenzeit doch weitere Fortschritte gemacht haben und viel bessere Möglichkeiten und bessere Waffen besitzen. Zudem dürfte auch eine höhere Intelligenz mit Verschleißproblemen an ihren Maschinen zu tun haben. Immerhin sind ihre Produkte der Art der Maschinen von Menschen nicht unähnlich. Da Spielberg diese Idee jedoch für einen hoch wirksamen ersten Angriff der Invasoren nutzt, sei ihm diese Unsinnigkeit verziehen. Die Spezialeffekte wissen zu gefallen, und selten waren sie so förderlich für den Spannungsgehalt eines Blockbusters wie hier.

Während „Independence Day“, den man thematisch zum Vergleich einfach heranziehen muss, einfach nur ein Bummbummbumm-Filmchen war (ein zugegebener Maßen sympathisches) ist "Krieg der Welten" einiges mehr, umweht ihn stellenweise doch eine regelrecht unheimliche Atmosphäre und wirkt die Endzeitstimmung doch tatsächlich bedrohlich, auch weil dramatische Aspekte nicht ausgeblendet werden. Allein das Geräusch vor dem Einsatz der Dreibeiner dringt bis ins Mark. Und selbst die Ankunft der Angreifer per Blitze wird mit der richtigen Sound-Hardware von Spielberg sehr spannungsgeladen umgesetzt.

Seit der 50er jahre gab es viele Filme, in welchen die Erde von Außerirdischen bedroht wurde. Es gab so viele, dass man eigentlich keinen richtigen Bezug mehr zum Thema der kompletten Auslöschung der Menschheit hatte. Der Gedanke dass Aliens uns angreifen würden, wurde mit der Zeit viel zu unrealistisch, als dass es einen hätte Angst einjagen können. Spielberg schafft es, dass man die Angst der Protagonisten auch zu spüren bekommt. Man erwicht sich beim Schauen bei der Frage wie schlimm es wohl wäre, wenn sowas ernsthaft passieren würde und was man wohl selbst in solch einer Situation tun würde.

Von daher: Hut ab, Herr Spielberg! Trotz kleinerer Kritikpunkte ist Ihnen ein toller Film gelungen. Alle Bedenken waren grundlos. Typische Blockbuster-Krankheiten wurden umgangen. Und doch wünsche ich mir einmal eine Verfilmung, die an den Geschehnissen des Hörspiels orientiert sind, genau zu dieser Zeit spielend, genau mit dem selben Hauptcharakter und am liebsten noch mit dem Dreibeiner-Design aus dem Beiheft zur Schallplatte. Ob ein solches Projekt je angegangen wird? Vielleicht wäre das ja auch der ideale Stoff für eine TV-Serie, jetzt wo amerikanische Fernseh-Produkte an Qualität gewonnen haben. Vielleicht bleibt die Erfüllung dieses Traumes auch immer nur ein Wunsch, wer weiß. Man kann im Leben schließlich nicht alles haben.  OFDb