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19.09.2017

DAS FENSTER ZUM HOF (1954)

Dass ausgerechnet der Kinogänger schnell zum Voyeurismus zu verführen ist, braucht nicht verwundern, schaut er sich doch ohnehin die Erlebnisse Fremder all zu gerne an, und dass Hitchcock ihm diesen Spiegel vorsetzt, ist allgemeinhin bekannt. Was durch „Big Brother“ und Co heutzutage in den Medien zum Alltag gehört, fand seinerzeit in dieser Form einzig vor dem eigenen Fenster statt oder außerhalb der Wohnung, möglichst mittels eines Fernglases. Ersteres führt jedoch eher in Versuchung, fühlt man sich doch etwas verbundener mit der Nachbarschaft, die zumindest aus Bekannten besteht, wenn auch keine die wir gut kennen. Und es sind ihre Banalitäten im Alltag, die locken, eben weil sie sich in ihren eigenen vier Wänden natürlich geben, unbeobachtet wie sie sich glauben. Und dass es uns als Zuschauer solch einen Spaß bereitet von Hitchcock derart angesteckt zu werden hinzugucken, liegt an dem Grundton, den er seinem Film verleiht.

Der ist lange Zeit schließlich keineswegs düster, wie es sich theoretisch für einen Thriller gehören würde. Viel mehr schaut sich „Rear Window“ (Originaltitel) lange Zeit eher wie ein Lustspiel, so locker und leicht präsentiert er seinen Stoff. Leicht humoristisch angehaucht lebt er den Schabernack, das harmlos Verbotene, zu das sich wer zuwendet, der dies vom Typ her im Alltag eigentlich nie tun würde. Nun mit Gipsbein an die Wohnung gefesselt, fällt Jeffreys nichts besseres ein, um mit der endlosen Langeweile umgehen zu können. Es ist die verschmitzte Art, die den Charakter der von James Stewart verkörperten Rolle zeichnet, welche „Das Fenster zum Hof“ so entspannt und vergnügt schauen lässt.

Da fallen lässige Kommentare im Dialog mit der Krankenpflegerin, augenzwinkernde Angriffe werden mit seiner Herzallerliebsten ausgetauscht, und selbst in der Spätphase des Streifens bleibt dieser Grundton bestehen, z.B. in der Art mit welcher Jeffreys gegen seinen Polizistenfreund stichelt, der in den Geschehnissen gegenüber nichts Besonderes zu sehen meint.

Wer von den beiden im Recht ist, steht auch in der langsam immer spannender werdenden Thrillerphase längst nicht fest. Die Spannung wird über die Taten derer die wir kennen erzeugt. Bloß nicht beim Spannen entdeckt zu werden, sorgt schon für manch spannungsgeladenen Moment, denn Jeffreys ist freilich ebenso deutlich zu beobachten wie die Leute die er selber ausspioniert. Aber auch manch waghalsige Situation, in welcher die Protagonisten selber zu Ungesetzlichen werden (weit über das harmlos illegale Treiben hinaus), treibt den Spannungsbogen gegen Ende immer mehr in die Höhe.

Durch die Reaktionen des Verdächtigten, den wir stets nur aus der Ferne betrachten, sind wir auch nahe am Finale noch immer unsicher ob der zwielichtige Mann nun einen Mord begangen hat oder nicht, reagiert er doch recht nachvollziehbar auf die Konfrontationen der ihm Fremden. Dies treibt Hitchcock bis zum Schluss auf die Spitze. Mag man gegen Ende auch ziemlich sicher sein ob der Nachbar nun ein Mörder ist oder nicht, erst kurz vor Schluss erfahren wir es endgültig, bis dahin gäbe es stets noch alternative Erklärungen, die das Gegenteil bestätigen würden.

Mit diesem Mix aus lockerer Atmosphäre und spannungsgeladenem Thrill, mit der ansteckenden Lust am Voyeurismus, den kleinen psychologischen Kniffen Hitchcocks (wie das Einfangen des Verdächtigen, das stets nur aus der Distanz stattfindet, oder das Einweihen des Zuschauers in einen Fakt, den Jeffrey aufgrund dessen dass er schläft nicht mitbekommt) und mit der Besetzung des immer wieder charmanten James Stuart und der verführerisch süßen Grace Kelly, ist Hitchcock ein Meisterwerk geglückt, ein Film der trotz des zunächst weniger qualitativ klingenden Aufrufs zum Voyeurismus in den Feinheiten und den geistreichen Nebensächlichkeiten seine wahre Größe offenbart, gleichzeitig aber auch in den Vordergründigkeiten durch den verschmitzten Grundton nie das Niveau und die Würde des Stoffes beraubt. „Das Fenster zum Hof“ ist eine stilsichere Angelegenheit und lädt alle paar Jahre immer wieder zum erneuten Sichten ein.  OFDb

16.09.2017

VERTIGO - AUS DEM REICH DER TOTEN (1958)

Wieder einmal besetzte Alfred Hitchcock James Stewart für einen seiner wichtigsten Filme, und er tat gut daran diesen hervorragenden Mimen zu wählen, geht das Drehbuch doch nicht gerade sanft mit der Figur John Fergusons um, der verschiedenste seelische Phasen durchleben muss, wofür man einen facettenreichen, glaubwürdigen Schauspieler benötigt, der sowohl den verschmitzten Schmeichler spielen kann, wie auch den völlig verstörten Abgedrivteten, oder den obsessiven Todtraurigen. Solch vielschichtiger Charakter benötigt für seine glaubwürdigen Wandel eine Geschichte, die sich alle Zeit der Welt gönnt zu erzählen, was es zu erzählen gibt, und ein eben solches bietet „Aus dem Reich der Toten“ (Alternativtitel), das sich nicht nur in seiner Gesamtlänge jeglichen Raum lässt um alles erzählen zu können, sondern sich auch nötige Umwege gönnt, um wichtigen Einzelphasen gerecht zu werden.

Ruhige Momente werden regelrecht zelebriert, schweigsame Szenen so aufregend umgesetzt, dass selbst ein ungeduldiger Zuschauer sich nicht langweilen dürfte. Und der Aufhänger um den merkwürdigen Geisteszustand einer Frau bietet nicht nur den nötigen Anreger, um das Interesse des Zuschauers zu gewinnen und beizubehalten, er ist auch das ideale Ablenkmanöver, um von den eigentlichen Ereignissen erfolgreich abzulenken, auch wenn sich zwischendurch kurzfristig sicherlich in die richtige Richtung tendierende Gedanken beim mitdenkendem Zuschauer breit machen. Letztendlich ist man meist aber vom Geschehen zu sehr gefesselt, als dass man langfristig abschweifen könnte, anstatt das wahrzunehmen, was tatsächlich gerade auf der Leinwand passiert.

Das liegt neben der fesselnden, trügerisch fast schlicht erscheinenden, Geschichte aber auch an den hervorragenden Bildern, die Hitchcock uns hier präsentiert. Manches Mal wird auf fast geradezu an Mario Bava erinnernde Art mit einer dominanten Farbmischung gespielt, dann benötigt die hervorragende Fotografie eine solche wieder nicht, um Alltägliches gekonnt einzufangen. Wiederum andere Szenen beeindrucken aufgrund ihres Spielortes, oder aufgrund unbedeutender Elemente im Hintergrund, meist subtil eingefangen, in wenigen Momenten aber auch geradezu aufdringlich eingesetzt, so dass „Vertigo“ hin und wieder echtes Kinofeeling einfängt, wo er einen doch ansonsten erfolgreich eher unauffällig von der unseren Realität abzulenken versucht.

Hitchcock geht die auf einem französischen Roman basierende Geschichte mit derartigem Respekt vor ihren wertvollen Einzelphasen an, dass es ihm letztendlich sogar egal ist, dass „Listen Darling“ (Alternativtitel) streng ausgedrückt zum letzten Drittel hin kleine atmosphärische Durchhänger in Kauf nimmt, nach dauerhaft aufregend erzählten 90 Minuten. Die kleiner ausgefallene zweite Hälfte der Geschichte benötigt diesen Neuanlauf jedoch, bevor sie erneut zu einem Höhepunkt hochschwenken kann, der dem Werk dann jedoch einen recht plötzlichen Schluss beschert, so dass trotz jeglicher richtiger Herangehensweise in diesem letzten Part der längere erste Part als der wesentlich packender erzählte hervor sticht.

Die Konsequenz des späten Neuanfangs der Geschichte und der nun schauspielerisch immer interessanter werdende Charakter Fergusons sorgen dafür, dass aber auch diese vergleichsweise „schwächere“ Phase des Streifens noch immer ein Höhepunkt in Hitchcocks filmischen Schaffen bleibt, welches nun wahrlich nicht arm an Höhepunkten ist. Es geht mir hier lediglich darum den ungewöhnlichen Rythmus des Filmes zu erwähnen, der in heutigen genormten Kinozeiten überrascht, in denen eine Geschichte ihren Höhepunkt regulär am Ende erhält. Die Erzählung von „From Among the Dead“ (Alternativtitel) setzt noch einmal neu an, um die Geschichte zu einem konsequenten und inhaltlichen, wie analytischen Sinn machenden Schluss zu führen, der den Zuschauer nicht nur durch den plötzlich wieder ruhiger anklingenden Ton überrumpelt, sondern mit dem Wandel der Figur Fergusons geradezu beunruhigt und verstört, während er doch weiter als Identifikationsfigur fungiert.  OFDb

20.08.2015

MEUTEREI AM SCHLANGENFLUSS (1952)

Ich habe erst vor kurzem meine Leidenschaft für das Western-Genre festgestellt und merke bislang, dass mir die klassischen braven Western a la „Rio Bravo“ besser gefallen als die härteren Beiträge. Deswegen hatte ich eigentlich auch ein gutes Gefühl was „Meuterei am Schlangenfluss“ betrifft. Nun nach dem Sichten kann ich zwar von einem handwerklich gut gemachten Genre-Beitrag berichten, hübsch fotografiert, professionell geschauspielert und eine Geschichte erzählend, die von keinerlei reißerischem Element getrieben wird, letztendlich ist der Film jedoch alles andere als aufregend erzählt. Die Geschichte grast gemütlich wirkend relativ flott eine Station nach der nächsten ab. Jegliche Hindernisse sind schnell überwunden, brave Menschen treffen auf brave Menschen, die einander helfen, so dass der Spannungsbogen ebenso flach liegt wie der dramatische Aspekt. Erst kurz vor Schluss, wenn ein Verbündeter sein wahres Gesicht zeigt, wird es ein wenig interessanter, zerbricht doch eine Freundschaft und steht doch ein finaler Konflikt bevor, wie er sich für einen guten Western-Stoff gehört. Aber das gibt „Bend of the River“ (Originaltitel) so spät auch nicht mehr den nötigen Zunder um aus ihm mehr zu machen als ein gut inszeniertes Stück unaufgeregtes Western-Abenteuer. Ein peinlich synchronisierter Schwarzer und die Verteufelung der Indianer helfen nicht gerade dabei dem Werk von Anthony Mann mehr Sympathie entgegenzubringen. Glücklicher Weise sind diese Tiefpunkte jedoch zu nebensächlich in die Gesamtstory integriert, als dass sie mehr als lästige Randerscheinungen sein könnten. Geduldigere und sanftere Filmfreunde mögen dem Werk eines erfolgreichen Film-Teams (Stewart, Mann und Chase) eventuell mehr abgewinnen als ich, es würde mich freuen so liebevoll die Mühe hinter diesem Projekt wirkt. Aber für mich war das insgesamt zu lahm was mir hier geboten wurde - auch für einen Freund des sanfteren Westernfilms.  OFDb

20.10.2012

COCKTAIL FÜR EINE LEICHE (1948)

Brandon und Philip sind zwei junge Männer, die soeben ihren ehemaligen Mitschüler David ermordet haben, um den perfekten Mord zu begehen. Sie verstauen den Leichnam in eine Truhe und beginnen ihre Vorbereitungen für ein Fest, zu dem recht schnell einige Gäste erwartet werden, u.a. ihr ehemaliger Lehrer Cadell, die Eltern Davids, dessen Verlobte und ihr Ex-Freund. Auf der Kiste wird das Büffet aufgebaut, und schon trudeln die Gäste ein. Während Brandon über den Dingen steht, wird Philip derart nervös, dass Cadell mit jeder kleinsten Bemerkung und Beobachtung langsam zu verstehen beginnt, was in dieser Wohnung vorgefallen ist...

Ich weiß, was Du vor einer Stunde getan hast...
 
Dieses frühe Werk Hitchcocks kann man als Gegenstück zu „Das Fenster zum Hof“ und „Bei Anruf Mord“ verstehen. Im Gegensatz zu ersteren wird man von Anfang an eingeweiht und darf dabei zusehen, auf welche Art eine Ahnung der Realität nahe kommt, während man im Voyeur-Thriller selbst nicht wusste, ob die im Raum stehende Ahnung Hand und Fuß hat. Zweiter unterscheidet sich vom hier besprochenen Film in der Art der Vertuschung. Versuchte der Täter in „Bei Anruf Mord“ alles um den Mord zu vertuschen, während ein neugieriger Polizist dem Verbrecher langsam auf die Schliche kommt, provoziert der Mörder in „Cocktail für eine Leiche“ geradezu codiert die Entdeckung des Toten, während ein neugieriger Lehrer den Verbrechern langsam auf die Schliche kommt.

Es mag am vergangenen Umgang miteinander liegen, der heute nicht mehr gelebt wird und den darauf aufbauenden Normen und unausgesprochenen Gesetzen im Umgang miteinander, aber ich hatte das Gefühl, dass sich Hitchcock viel zu sehr in einer Filmgeschichte fühlte, als in einer abgefilmten Situation, die so auch in der Realität stattfinden könnte. Nur als Beteiligter der Situation, und dies ist der Zuschauer ja nun seit Anfang an, kann man glauben, dass mit solch wenigen Informationen, meist ja sogar eher Vermutungen und Gefühlen, jemand den beiden auf die Schliche kommen könnte, um ernsthaft Verdacht für ein solch gravierendes Verbrechen zu schöpfen. O.k., Cadell ist der ehemalige Lehrer aller im Film vorkommenden jungen Männer, er kennt sie also recht gut. Und es klingt an, dass Brandon schon immer provokant anders war. Aber solche Verdachtsmomente funktionieren nur innerhalb der filmeigenen Welt, nicht aber mit Schritt zurück betrachtet.

Wirklich schlimm ist das nicht, weiß das Kammerspiel doch trotzdem zu unterhalten. Es spielt mit dem Zuschauer als Zeuge und Mittäter in einem. Hitchcock lässt nicht zu, dass Cadell zur Identifikationsfigur wird. Diverse Kameraeinstellungen und Dialoge provozieren geradezu, dass der Betrachter zu den Mördern hält. Die Spannung entsteht durch das mögliche Entdecken des Verbrechens und der Leiche, man möchte emotional also, dass das Verbrechen ein Geheimnis bleibt. Damit führt uns Hitchcock erneut unsere bösen Seiten vor, so wie er beispielsweise den Voyeur in uns im eben erwähnten „Das Fenster zum Hof“ herauskitzelte.

Nebenbei spielt Hitchcock mit versteckter Homoerotik, dem Widersprüchlichen im Denken eines Menschen, der seine Spezies in zwei Klassen unterteilt und in der Heuchelei eines Theoretikers, der möchte man möge ernsthaft glauben, dass er als kluger Mensch nie über die Grausamkeit seiner Worte in der Realität nachgedacht habe und erst vor offenen Tatsachen seinen Irrtum erkennt. Durch diese Art, die man sonst eher von Politikern gewohnt ist, verliert gegen Ende die letzte wichtige sympathische Figur des Films besagte Sympathie.

Dass Worte eine Saat setzen, über die wir keine Kontrolle haben, wird ebenso thematisiert, wie der Rattenschwanz hinter der begangenen Tat, der vom Schleier des Toten überdeckt wird, den man gedanklich im Zentrum sieht. Hinter diesem Schleier entdecken wir die sich Sorgen machenden Hinterbliebenen, die noch aller Hoffnung sind, dass es dem Toten gut geht. Der letzte Schritt vom sich Sorgen machen zum Trauern braucht Hitchcock nicht zeigen, diese Phantasie steigt dem Zuschauer von ganz allein ins Bewusstsein.

Psychologisch will Hitchcock also mal wieder viel, doch stolpert er wie in „Psycho“ auch etwas über seine grobklotzige Umsetzung solcher lobenswerter Elemente, z.B. wenn die Moral des zwei Klassen-Denkens etwas arg moralisch und dick aufgetragen in die Geschichte integriert wird, anstatt das Thema eher schleichend anzugehen. Auch der im Zentrum stehende perfekte Mord wird als solcher nie erklärt. Scheinbar reicht es jemanden ohne Tatmotiv zu töten, um begangenes Verbrechen als perfekt zu bezeichnen.

„Cocktail für eine Leiche“ war Hitchcocks erster selbstproduzierter Film, und diesen betrachtete er selber rückblickend recht streng, war er für ihn doch eher abgefilmtes Theater, nicht nur durch das Kammerspiel, sondern auch durch seinen experimentellen Kamerastil. Der Regisseur nahm alles in Echtzeit so auf, als sei es in einem Zuge durchgefilmt. Schnitte sollen als solche nicht zu erkennen sein. Hierfür verharrt der Mann gerne mit der Kamera auf dem Rücken einer Figur, und nach dem Wechsel der Filmrolle wurde an gleicher Stelle weitergefilmt.

Das ist ein lobenswerter Ansatz, jedoch viel zu ruppig umgesetzt. Leider sind einige der Schnitte als solche erkennbar, und in einigen dieser Momente bekommt man das Gefühl, Hitchcock hätte hektisch und spontan handeln müssen, wenn die Kamera eher unnatürlich auf die Schnelle flink zu einem Rücken eilt. Ob das Verharren auf ein Gemälde oder ähnliches nicht der bessere Weg gewesen wäre, ist eine berechtigte Frage.

Dass Hitchcock so streng mit der eigentlichen Idee umgeht, halte ich nicht für gerechtfertigt, gelingt dem Mann durch die Dynamik der Kamera doch viel mehr als bloßes abgefilmtes Theater. Ihm gelingt etwas unglaubliches: der Zuschauer wird durch die ungewohnten Bewegungen der Kamera zu einer eigenen Figur im Film, die nicht vorhanden ist. Es ist im Prinzip der erweiterte Schritt, den man z.B. aus Büchern kennt, die in dritter Person geschrieben sind. Mag sein dass man „Cocktail für eine Leiche“ als Zwischenschritt zwischen herkömmlichen Abfilmen und dem Dokustil aus „Blair Witch Project“ und Co sehen könnte, nur eben nicht stilistisch, sondern in seiner Wirkung.

Hitchcocks Film orientiert sich an einem Theaterstück, deshalb kann man ihm inhaltlich nicht zu viele Vorwürfe machen. Dennoch fand ich es schade, dass der Verbündete Brandons psychisch so labil war. Spannender wäre das Katz und Maus-Spiel mit zwei starken Charakteren gewesen, die ihrem Lehrer gegenüber stehen. Den Reiz der Figurenzeichnung Philips könnte ich nur dann teilen, wenn man an den Vorbereitungen zur Tat hätte teilnehmen können. War er zuvor so großkotzig wie Brandon und hat sich peinlichst überschätzt? Ließ er sich von seinem Kommilitonen überreden, eben weil er so charakterschwach ist? Leider beginnt der Film erst mit der Tat. Leider jedoch nur wegen der aufgeworfenen Frage Philip betreffend, denn dass der Film nach einer kurzen Kamerafahrt vom Stadtbild zum Haus, in dem alles spielt, mit dem Mord beginnt, ist ansonsten als positiv zu betrachten.

„Cocktail für eine Leiche“ ist ein interessanter Film, einer der zeigt, wie toll Werke allein durch Dialoge wirken können, selbst in einem Genre wie den Thriller. Man fühlt sich inhaltlich wie psychologisch als Teil der Party und als Mittäter des Mordes, das verleiht dem fertigen Werk eine niveauvolle Atmosphäre. An anderer Stelle vermisst man diese Klasse jedoch durch die unsensible Herangehensweise Hitchcocks. Das macht den Film jedoch nicht kaputt, sondern schränkt ihn lediglich in seinen Möglichkeiten etwas ein.  OFDb