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30.12.2023

JEDE SEKUNDE ZÄHLT - THE GUARDIAN (2006)

Gelerntes Heldentum mittels einer Militärausbildung mit der Botschaft, dass Heldentum nicht zählt und Teamwork über alles geht: ich tue mich mit solchen Werken immer etwas schwer, wenn die Dramaturgie mit der Action einer harten Männerwelt gepuscht wird, ein Einstieg in derartige Geschehen fällt mir immer ein bisschen schwer. Aber nach einiger Zeit konnte ich meine Vorurteile ablegen, die Schwachpunkte eines solchen Filmkonzepts Schwachpunkte sein lassen und mich auf den menschlichen Faktor der Geschichte konzentrieren. Der ist so wenig frei von Klischees, wie von belehrenden Botschaften und entspricht dem Vorbild-Verhaltenskodex eines typischen US-amerikanischen Streifens, der das Ziel verfolgt von der Oscar-Jury ernst genommen zu werden. Aber so massenkompatibel das Ganze auch konzipiert ist, es lässt nicht kalt. Die beiden wichtigen Figuren des Films, werden intensiv genug beleuchtet, um ihre Motivationen und Emotionen mitempfinden zu können, und dies ist letztendlich der Kompass zum Gelingen der Geschichte. Die ist in ihren ruhigen Momenten intensiver ausgefallen, als in den wuchtigen Wasserszenarien, aber diese wissen zu beeindrucken und schaffen es ebenfalls den Zuschauer emotional in ihren Bann zu ziehen.

Ashton Kutcher, von dem ich schauspielerisch nicht viel halte, schlägt sich überraschend wacker, bleibt großteils überzeugend genug, Kevin Costner könnte typischer nicht besetzt sein, scheinbar braucht er derartige Rollen um Ansehen zu genießen, aber wie auch immer, er spielt gekonnt, wie man es von ihm gewohnt ist. Ein kleiner Hauch Fantasy, wenn auch nur im Bereich der Verdrängung, bereichert den Plot als einziges Element, das nicht zum Standard derartiger Stoffe gehört, und beschert dem manchmal zu arg konzipierten Werk damit zusätzlich Herz. Ob die integrierte Liebesgeschichte wichtig genug war, um ihr die letzten Handlungsminuten zu widmen, so als sei sie das Herzstück der Geschichte, sei jedoch einmal dahin gestellt. Wichtiger erscheint mir da eher das Gleichnis vor dem Finale, wenn der ertrinkende Mann, der sich an seiner Ehefrau festhält, um sich zu retten, und diese im Überlebensinstinkt dabei herunter zieht, sinnbildlich Pate für das private Fehlverhalten des Helden wird, was aber auch nur funktioniert, wenn man das strenge Partnerschaftsbild der biederen Amis einmal akzeptiert hat. 

Man liest es heraus, genug Faktoren sind vorhanden, mit denen ich mich generell schwer tue, eben weil derartige Werke bei mir stets den Eindruck hinterlassen eine erzieherische Wirkung auf ein mündiges Publikum auszuüben. Aber die Manipulation funktioniert, sie erwischte mich emotional, innerhalb eines Plots, der meine Neugierde zu einem Thema weckte, das mich nicht sonderlich interessierte. Ist "The Guardian" (Originaltitel) ein Werbevideo für Rettungsschwimmer, oder eine Ehrerbietung dieser zu selten beachteten Leistungen solch selbstloser Männer? Irgendwie ist er beides, und deswegen existieren beide Seiten des Films. Er ist manipulierende Belehrung und gefühlvolle Unterhaltung in einem.  Wiki

09.09.2016

BATMAN V SUPERMAN - DAWN OF JUSTICE (2016)

Es schien nicht der beste Zeitpunkt zu sein um nach Jahren des Wartens den Konflikt der beiden Superhelden Superman und Batman auszutragen, wurde doch mit „Man of Steel“ aufgrund seines ethisch fragwürdigen Weltbildes und seiner unsinnigen Zerstörungswut der bislang schlechteste Superman-Film gedreht, und auf dessen Ereignissen fußt der hier besprochene Film. Ein Ben Affleck als Batman ließ auch nur die wenigsten Fans im Vorfeld in Entzückung geraten, und das Nacheifern von Marktführer Marvel war auch kein gutes Zeichen für den angegangenen Zeitpunkt, sind die Werke aus den Konkurrenzstudios doch meist hohle Materialschlachten, so wie besagter Superman-Film aus den DC-Studios, denen es an Mystik, Geist und Stil fehlt.

Um so überraschter darf man sein wie gut „Batman v Superman - Dawn of Justice“ funktioniert. Zwar bezieht sich der alternativ benannte „Man of Steel 2“ inhaltlich stark auf seinen Vorgänger, die Mentalität übernahm er glücklicher Weise jedoch nicht von ihm. Ganz im Gegenteil reflekltiert man im hier vorliegenden Film die Positionen der unterschiedlichen Superhelden im Bezug zur Gesellschaft, zueinander und zu sich selbst und wirft damit unbeantwortete philosophische Fragen auf, die aus dem Werk nun kein hochtrabenes Kopfkino machen, aber zumindest ein geistreiches Stück Popkorn-Kino, das sich somit nicht so leer und aufgeblasen guckt wie die Marvel-Konkurrenz.

Die größten Schwachstellen von „Dawn of Justice“ (Alternativtitel) finden sich schließlich auch gleich in deren Parallelen. Der CGI-Overkill mit einem etwas zu phantastisch geratenen Monster beschert uns ein Finale, welches schwächer ausgefallen ist als der restliche Gesamtfilm anstatt, wie eigentlich üblich, zu dessen Höhepunkt zu werden. Und das krampfhafte Vorbereiten, inspiriert durch Marvels „Avengers“-Erfolg, auf die im Kino bevorstehende Gerechtigkeitsliga nervt bereits in ihren ersten Andeutungen und dem Gastauftritt Wonder Womans. Wenn diese sich im Finale nun noch dazu mischt, geht dies jedoch definitiv zu weit, immerhin kann man nicht davon ausgehen, dass jeder Comic-Freund, der dem Kampf Superman gegen Batman beiwohnen will, automatisch begeisterter Anhänger der Gerechtigkeitsliga ist. Andeutungen hätten reichen sollen, damit der Film bleibt was er verspricht. Das aktive Einbringen Wonder Womans im Finale macht dieses Versprechen jedoch kaputt und schwächt das fertige Werk recht heftig.

Zumindest bleibt „Batman vs. Superman“ (Alternativtitel) auch im Finale eine optische Wucht, wenn mit Effekten, wie typisch für sein Sub-Genre, für meinen Geschmack dort auch zu sehr übertrieben wird. Im Restfilm stimmt hingegen das Gleichgewicht aus Actionszenen und Zwischenmomenten. Und ob es nun die Fotografie des Streifens ist, die Kostüme sind oder die Spezialeffekte, Zack Snyders neuer Comicstreich ist ein Fest für die Augen und dank einer Tempo-reichen Geschichte mit Gehalt auch niemals langweilig.

Zudem überrascht der sonst so müde agierende Affleck mit charismatischen Auftritten, die von ihm zum Glück nicht erwarten schauspielern zu müssen. Es sind einfach Szenen in denen er optisch wirken muss. Und dies tut sein gealtertes Ich gegen alle Erwartungen gut. Als weniger überraschend erweist sich Jesse Eisenberg als tolle Besetzung Lex Luthors. Zwar wirkt sein Bösewicht ein wenig angelehnt an Heath Ledgers Interpretation vom Joker, allerdings taucht Eisenberg ihn eher in ein nerdiges als in ein all zu psychopathisches Gewand, und dies ist eine gute Entscheidung dafür, dass Lex mit Eisenberg eigentlich viel zu jung besetzt ist.

Mag man sich auch etwas zu sehr auf die Idee mit der Gerechtigkeitsliga fixieren und das Finale in Sachen Effekte etwas zu derb ausgefallen sein, so bleibt dennoch ein sehenswerter Superhelden-Film, der zwar auf Batman-Seite nicht mit „The Dark Knight“ und „Batmans Rückkehr“ mithalten kann und auf Supermans Seite nicht mit „Superman - Der Film“, der aber in Zeiten von meist geschmacksirritierten Superhelden-Filmen zumindest wieder in die richtige Richtung tendiert.  OFDb

06.08.2014

SWING VOTE - DIE BESTE WAHL (2008)

Konstruiert mag der Plot ja sein, uninteressant jedoch keineswegs, bietet er doch die Grundlage für eine faszinierende Satire über all die Schattenseiten des Wahlkampfes, die Lügen der Demokratie und der Gefahr der Gewöhnung. Nur leider will „Swing Vote“ keine Satire sein. Regisseur Joshua Michael Stern wollte viel eher eine Tragikomödie aus dem Stoff schaffen, die anregen soll wählen zu gehen. Allein mit dieser Grundlage verliert der Stoff jeglichen Biss, setzt er doch die umstrittene Ansicht voraus wählen zu gehen wäre in einem festgefahrenem System wie Amerikas oder auch Deutschlands ein entscheidender Faktor für die Demokratie, egal wer zur Wahl steht. Umgekehrt ist die Wahl nicht zu wählen automatisch als undemokratisch abgestempelt, egal ob da jemand seinem Gewissen folgt oder nicht.

Guckt man „Swing Vote“ so wie er gemeint ist, kann man ihm das nur bedingt vorwerfen, eben weil er keine Satire sein will. Er will ein bewegender Film sein, und wie die meisten Werke dieser Art muss er sein Thema dafür arg blauäugig behandeln. Bei Liebe, Rache und Verrat lassen wir uns gerne darauf ein, bei Politik läuten automatisch die Alarmglocken der Manipulation des Zuschauers, ein Bereich der eigentlich zur Grundlage filmischen Schaffens gehört. Film manipuliert. Film will das Publikum irgendwo hinführen. „Swing Vote“ fühlt sich falsch an, weil das System das er gut heißt korrupt ist, er selbst es jedoch all zu menschlich zeichnet mit Menschen an der Macht mit Gewissen und mit einem Volk das verändern kann.

Dass das alles für‘n Arsch ist dürfte klar sein, also stellt sich nur die eine Frage ob man sich auf „Swing Vote“ als geistlosen Film einlassen kann oder nicht, und wer dies trotz aller zutreffender Kritikpunkte kann erlebt ein ähnlich optimistisch verträumtes politisches Ergebnis wie in den Filmen „Hallo Mr. Präsident“ und „Dave“, wobei letztgenannter trotz seiner märchenhaften Aura wesentlich mehr Köpfchen besaß als der hier besprochene Streifen. Da Stern nur leicht auf den dramatischen Aspekt seiner Geschichte setzt mag sein Film nicht ganz so gefühlsintensiv wirken wie die beiden Vergleichsfilme, ein annehmbares Ergebnis ist ihm aber durchaus gelungen, mag der Storyverlauf auch etwas arg routiniert und damit vorhersehbar sein und die Filmtochter Costners etwas arg penetrant nervig in Szene gesetzt.

Als sympathisch gespielter Kopf aus-Streifen geht „Swing Vote“ trotz aller berechtigter Kritik jedoch durch, ist er doch gekonnt routiniert umgesetzt und weiß seine interessante Geschichte, auch wenn man wesentlich mehr aus ihr herausholen könnte, doch einen Film lang zu unterhalten. Natürlich ist es etwas schade wenn der Film an den interessantesten Stellen abblendet um zur nächsten Szene überzuleiten, aber das ist es auch eben nur dann wenn man geistvoller, gerne auch auf Satire-Basis unterhalten worden wäre. So schlicht und sanft wie der Film gemeint ist, setzt er seine Szenen und das was er nicht zeigt genau richtig ein. Stern lässt sich da nicht beirren, lässt sich auf keinen halbgaren Kompromiss ein. Ganz oder gar nicht ist die Devise. Das grenzt jene komplett aus denen das nicht schmeckt, serviert aber das Stück schlichte Unterhaltung das jener sehen will, der nach Feierabend zum Abschalten eine nette, kleine Geschichte erzählt bekommen will.

Stern hat sein Ziel erreicht. Da sprechen wir von keinem großen Ziel, und man darf sich zurecht wünschen, dass mal wer besagten Stoff bissiger umsetzt, aber als das was Stern abliefern will ist „Swing Vote“ gelungen. Und wer sich tatsächlich von einem kleinen Mädchen ohne Lebenserfahrung und ohne kognitive und soziale Reife während des Zuschauens zum Thema Wahl und Demokratie manipulieren lässt, dem ist ohnehin nicht zu helfen. Der hätte sich ohnehin irgendwann auch von wem anders einen Bären aufbinden lassen und lebt wahrscheinlich in einem Dauerzustand der ewigen Meinungsänderung, immer gerade aktuell von jenem beeinflusst dessen Propaganda er gerade ausgeliefert ist. Aber wegen solcher Vollidioten kann man ja keinen Film verurteilen, der glaubt das richtige zu tun. Lassen wir Stern und die anderen Gehirne hinter diesem Projekt ruhig weiter von ihrem Land der Freiheit träumen. Es ist doch ihr gutes Recht.  OFDb

17.06.2014

THE NEW DAUGHTER (2009)

Rein handwerklich souverän umgesetzt weiß der sympathisch fotografierte Film zunächst trotz und wegen seines konventionellen Einstiegs in eine klassische Horrorgeschichte zu gefallen. Da gibt es den Vorsitz der Familie, ein großes und ein kleines Kind, die vergangene Familientragik, der Umzug in die Fremde, Ferne und Einsamkeit und das alles gekleidet im konservativen Weltbild, welches das Heil der Familie nicht hinterfragt, als höchstes Gut in die Geschichte einzementiert, und auch das ist gut so bei einem solch klassischen Einstieg in einen Horrorfilm.

Spukfilme beginnen recht häufig ähnlich, und es mag sein dass man sie nur bedingt als unsinnig empfindet, weil sie seit je her so verfilmt werden wie auch „The New Daughter“ beginnt. Monsterfilme sind in Amerika im Vergleich die beliebteren, und auch sie haben üblicher Weise klassische Erzählstrukturen denen sie folgen, häufig absichtlich charmant trashige. Will ein Monsterfilm zu stilvoll daher kommen, muss man schon ein gutes Händchen besitzen, rutscht eine solche Story doch viel schneller in den Schundbereich ab als der unsichtbare Spuk. Und was soll man sagen? So ist es leider auch mit dem hier besprochenen Streifen geschehen.

Alles ist professionell produziert und umgesetzt und in der Theorie zunächst einmal auch gelungen. Dass Papa sich über den Wandel seiner Tochter wundert, noch bevor wundersame Dinge geschehen, kann man noch dem konservativen Grundton zuschreiben, der einfach davon ausgeht, dass richtig immer die klassische Norm bedeutet und ein Kind dieses Alters noch nicht genug eigenen Charakter besitzen darf. Das ist engstirnig und weltfremd, aber es passt zumindest zu der Figur die Kevin Costner verkörpert, soll also durchaus akzeptiert sein.

Leider, leider verkommt eine Geschichte, die im übertragenen Sinne als tolle Metapher für Drogen, Sekten und anderen Gefahren der Jugend hätte interpretiert werden können, immer mehr zur Farce, je mehr John der Wahrheit näher kommt. Die Geschichte wird unsinnig, angelehnt an Stoffen wie „Gate Of Darkness“ oder „The Tribe“ von einer unbekannten Lebensform erzählend, nicht immer wissend welche Rolle die Tochter in dem ganzen Simsalabim nun eigentlich spielen soll, bis alles ziemlich unklar und nur halb angedeutet endet. Nicht immer wird dem klassischen Erzählmuster gefolgt (so darf ein (gar nicht mal wirklich) herangezogener Experte diesmal nur ein paar Infos kundtun, ohne weiteres mit der Geschichte zu tun zu haben), meistens aber doch, dann aber in den wichtigsten Momenten nur zu kurz angeschnitten.

Neben der ollen Indianer-Mystik und dem Klischee der Vorgeschehnisse im Haus, die zu einer fast unnötigen Szene führen, in welcher John auf den Vorbesitzer stößt, wird vor allen Dingen jener Eckpfeiler vernachlässigt, der John dazu bringen soll im Finale aus Liebe zur Tochter etwas unglaubliches zu bewerkstelligen. Ja, das Cover erzählt davon, dass die Geschichte in einer solchen Entscheidung münden wird, und der Vorbesitzer deutet auch etwas in dieser Richtung an, was John zu diesem Zeitpunkt nicht nur nicht wahr haben will, sondern auch noch moralisch falsch versteht. Aber der Weg und der innere Konflikt vom normalen Familienvater zu einer solch extremen Entscheidung wird ebenso brutalst vernachlässigt, wie der tatsächliche Wandel von der Ur-Tochter zur veränderten.

„The New Daughter“ ist ein Theorie-Film. Immer weiß man was der spanische Regisseur Luis Berdejo in seinem ersten Langfilm erzählen möchte, aber auch nur weil man diese Elemente richtig umgesetzt aus vielen anderen Filmen bereits kennt. Über Ansätze kommt die Geschichte nie hinaus, meist weil dem guten Mann lobenswerter Weise die Atmosphäre wichtiger ist als das tatsächlich Erzählte. Bis hin zu einer Extreme im Lucio Fulci-Stil a la „Das Haus an der Friedhofsmauer" ist so etwas im Horrorfilm ja durchaus möglich. Aber wie will eine dichte Atmosphäre fruchten, wenn die Story, die mit der Zeit aus dem Grundgerüst heraus bricht, Stoff für einen Trash-Film wäre, der die theoretisch so professionelle Umsetzung einer Großproduktion für den Massenmarkt weder nötig gehabt hätte, noch von dessen Vorteilen zu zehren weiß?

„The New Daughter“ ist die falsche Story im falschen Kostüm, sicherlich trotz des eigentlichen Scheiterns ansehnlich, aber leider nicht einmal auf schlichte Art gelungen. Der Film ist nichts Halbes und nichts Ganzes, lebt aber durchaus zum Großteil von der hervorragenden Leistung der Darsteller und der Techniker. Der inhaltliche Unsinn selbst, der sich mit der Zeit immer mehr herauskristallisiert, weiß in der Verkleidung eines konservativen, stilvollen Gruslers leider weder auf charmante noch auf unfreiwillig komische Art zu unterhalten. Was bleibt ist halbgarer Schnellverzehr, der schnell wieder vergessen ist. Schlecht umgesetzter Trash hätte da wesentlich mehr Freude bereiten können als ein Film, der sich überschätzt.  OFDb

05.04.2014

MAN OF STEEL (2013)

Wenn man Supermans Vater auf einem Urzeiten-ähnlichen Planeten auf einen geflügelten Drachen reiten sehen darf, dann darf man zurecht kritisch werden. Und wenn Kryptons Ende bevorsteht, weil der Ältestenrat es veranlasst hat den Planetenkern auszubeuten, dann ist es vorbei mit der hoch intellektuellen Zivilisation, für welche die Rasse von der Superman abstammt einmal gedacht war. Es fehlt den Schreiberlingen und dem Massenpublikum heutzutage der nötige Geist, um zu verstehen dass das nicht passt. Dafür fehlt außerdem heutzutage die Kreativität und das psychologische Verständnis um Welten und Ideen zu kreieren, die Jenseits des menschlichen Alltags stecken. Krypton ist eine Fantasy-Variante Amerikas - entweder ein phantasieloses Zukunftsbild oder eine völlige Selbstüberschätzung des eigenen Intellekts.

Superman so viel Fantasy zuschreiben könnte theoretisch noch in Ordnung gehen, war er dem Bereich des Fantasy doch schon immer näher als dem der Science Fiction. Aber es gibt eben verschiedene Fantasy-Bereiche, und ein Drache und ein auf Barbar getrimmter kämpferischer Herr Papa sind da so unangebracht wie es Einhörner gewesen wären.

Trotzdem könnte das alles noch halbwegs egal sein, geht es nach etwa 20 Minuten doch auf der Erde weiter um endlich die Geschichte der Entstehung Supermans zu erzählen. Aber auch hier habe ich Grund zu meckern, geht es den Verantwortlichen doch bloß um wilde Action, und die soll der Zuschauer auch nonstop zu sehen kriegen. „Man Of Steel“ ist ein Actiongewitter in modernen Spezialeffekten, ein Showdown jagt bereits in der Mitte des Filmes den nächsten.

Bei mir macht sich da Ermüdung breit, kann ich ewig aneinandergereihten Actionszenen doch nichts abgewinnen, selbst wenn, wie im hier vorliegenden Fall, die Charaktere nicht ganz zu kurz kommen wie in anderen Blockbustern. Letzten Endes wirkt das alles zu lieblos und bemüht. Es ist zu sehr darauf bedacht dem Publikum gefallen zu wollen - und dem verwöhntesten und passivsten Publikum noch dazu.

Dabei klingt das Projekt „Man Of Steel“ in seiner Theorie eigentlich gar nicht mal uninteressant. General Zod bereits zum ersten Abenteuer Supermans zu machen, um ihn als Auslöser zu nehmen dass Superman sich einer Menschheit zeigen muss, die für ihn eigentlich noch nicht bereit ist, ist eine ebenso interessante Idee, wie Reporterin Lois Lane zur Freundin Supermans zu machen, indem sie schon vor dieser Enttarnung seiner Identität auf die Spur kommt und auf diesem Wege zur Verbündeten des Stählernen Blitzes wird. Wo bei all dem Treiben der Reporter Clark Kent bleibt, wird erst mit Ende des Streifens erwähnt, ein Grund mehr sich auf eine Fortsetzung zu freuen. Theoretisch!

Denn was hätte man von der schon mehr zu erwarten als von dem überladenen Action-Tammtamm des ersten Teils, welcher der Grundgeschichte allerhand Mystik raubt, z.B. wenn Supermans geheime Rückzugsmöglichkeit im ewigen Eis über ein großes, hochmodernes Raumschiff erklärt wird? Zack Snyder und Autor Christopher Nolan haben keinerlei Gefühl für den Charme der Comicvorlage, auf welche die erste Verfilmung „Superman - Der Film“ noch so viel Wert gelegt hat. Die beiden wollen Superman so verkrampft auf erwachsen, düster und modern kleiden, dass sie Superman so extrem verfremden, dass ihr Ergebnis kaum noch etwas mit dem Namen des Helden zu tun hat. Dann hätte man auch gleich wen neues erfinden können. Zumindest flüchtete man bei so viel Verfremdung im Titel wenigstens zum Kosenamen „Man Of Steel“.

Ja, Superman wurde schon immer verändert und von verschiedenen Autoren und Zeichnern anders definiert. Aber „Man Of Steel“ wirbelt alles so neu durcheinander und taucht dies in einen solch anderen Stil, dass nur noch ein Kern des Ursprungs übrig bleibt und der Geschichte des Außerirdischen, der kam um die Menschheit zu beschützen, nicht mehr gerecht wird. Dass zudem in einer Geschichte, um die Frage welche Rasse auf der Erde leben darf und welche nicht, im modernen Hollywood-Kino mit seiner Mentalität eine Fragwürdigkeit entsteht, die recht faschistisch orientiert ist, immer dann wenn man glaubt sich politisch korrekt zu äußern, ist fast schon eine Selbstverständlichkeit, die nicht fehlen darf, und die vom ignoranten Publikum nur all zu gern unerkannt geschluckt wird. Schließlich wird man ja nicht bewusst auf diese Fragwürdigkeit aufmerksam gemacht. Um zu erkennen wie gefährlich die Aussagen von „Man Of Steel“ sind müsste man schon selbständig denken können.  OFDb

22.07.2012

MR. BROOKS (2007)

Der Geschäftsmann Brooks führt ein Doppelleben und tötet aus einem Trieb heraus Menschen. Bisher konnte man ihm nie etwas nachweisen, aber bei der letzten Tat wurde er von einem Fotografen gesehen, und der möchte beim nächsten Mal mit auf Mörder-Tour gehen...

Die Stimme in mir...
 
Ein Jahr nachdem der Massenmörder „Dexter“ im amerikanischen Fernsehen startete, da erschien im Kino „Mr. Brooks“, der seinem Killerkollegen aus dem TV recht ähnlich war. Zwar steht Brooks schon mitten im Leben und hat im Gegensatz zu Dexter ein Gewissen, aber beide sind triebgesteuerte Soziopathen, die nach außen hin ein braves Scheinleben führen, im inneren Dialog mit einer fiktiven Figur stehen und pingeligst darauf bedacht sind nach einem sicheren Schema vorzugehen um nicht geschnappt zu werden.

„Dexter“ beruht auf einer Buchreihe, von der man sich ab Staffel 2 inhaltlich stark distanzierte. Somit nimmt „Mr. Brooks“, so sehr er sich auch an der Serie oder dessen literarischer Vorlage bedient, den späteren Staffeln der Erfolgsserie einiges vorweg. Der Gang zur Therapie mit Gleichsetzung von Drogensucht und Mordtrieb wird ebenso thematisiert, wie der Mitwisser der gelehrt werden möchte. Außerdem wird die Sorge angesprochen der Nachwuchs könne den mörderischen Trieb geerbt haben, ein Nebenerzählstrang der durch das jugendliche Alter der Tochter im hier besprochenen Thriller-Drama noch vielschichtiger angegangen werden kann als in der Vergleichsserie, keimt in Mr. Brooks doch der Verdacht auf, dass der mögliche geerbte Trieb seiner Tochter auch für sein frühzeitiges Ableben sorgen könnte.

„Mr. Brooks“ macht keineswegs den Eindruck seine Geschichte auf realistischer Grundlage erzählen zu wollen. Dafür übertreibt er viel zu sehr in Brooks Perfektion, dem Mischen diverser Handlungselemente und der Zufälligkeit dieser. Dennoch versucht Regisseur Bruce A. Evans in seinem ersten Film nach einer langen Pause nach dem Debut „Kuffs - Ein Kerl zum Schießen“ die Geschichte so konsequent wie möglich zu erzählen. Hierbei ist ihm der innere Konflikt zu Mr. Brooks am wichtigsten, dessen düstere Seite durch einen sehr gut spielenden William Hurt verkörpert wird, irgendwo pendelnd zwischen schlechtem Gewissen und imaginärem Freund.

Aus dieser Idee heraus zieht „Mr. Brooks“ seine Stärken, die für Freunde von Massengeschmack gleichzeitig zu seinen Schwächen werden. Da sich der Film immer auf den inneren Konflikt bezieht, und sich damit vieles nicht nur in der realen Welt, sondern auch innerhalb von Brooks Kopf abspielt, wird keine weitere Figur derart vertieft wie der Killer selbst. Brooks ist Zentrum des Films, und eine Konkurrenz ist nicht einmal im Ansatz vorhanden. Was man als Defizit auslegen könnte macht das Drehbuch jedoch dadurch wieder wett, dass den wichtigsten Rahmenfiguren zum Ausgleich inhaltliche Vielschichtigkeit beschert wird.

Im Falle der von Demi Moore gespielten Polizistin ist es neben der Suche nach Mr. Brooks der Andrang ihrer Tätigkeit (eine wichtige Parallele zu Brooks Antrieb), ein gerade laufender Scheidungsprozess, so wie ein aus dem Gefängnis ausgebrochener Serienkiller, der ihr Rache angedroht hat. Keiner dieser Subplots ist zu viel für den Film, da sie alle psychologische Wichtigkeit besitzen wenn es darum geht den Zuschauer in die Irre zu führen, Parallelen zu Brooks aufzuzeigen und die Figur als solche glaubhaft zu charakterisieren.

Fast spannender ist hingegen der etwas zu vernachlässigte Nebenstrang die Tochter betreffend, da das was wir über sie wissen fast nur im Kopf von Brooks stattfindet, so dass wir nie wissen was es mit ihr tatsächlich auf sich hat.

Was die Besetzung betrifft, so darf man wohl besonders überrascht sein wenn es um die Besetzung von Mr. Brooks selber geht. Der wird von Kevin Costner gespielt, der damit nicht nur eine Rolle verkörpert die geradezu untypisch für den Saubermann ist. Der gute Mann hat den Film gleich mitproduziert, woran man erkennt wie viel Vertrauen er in dieses Projekt hatte. Für jemanden der mir innerhalb meiner Cineastenwelt bislang ziemlich egal war, auch wenn ich „JFK“ sehr geglückt finde, habe ich doch einen gewissen Respekt vor diesem Mann bekommen, der es schafft den Soziopathen mit gekonnter Zurückhaltung glaubhaft zu verkörpern.
Brooks ist nicht nur Identifikationsfigur, er ist auch der Sympathisant des Films. Das sorgt für eine gewollte Irritation beim Zuschauer und ist durch den simplen Kniff geglückt, dass Brooks des Mordens müde ist, durch seinen Trieb nicht anders kann, und, wenn er nicht gerade seiner dunklen Seite folgt, ein liebenswerter Familienmensch ist, der es weiß selbstlos zu handeln und der Ehrgeiz und Engagement besitzt was seine berufliche Karriere betrifft. Zwiespältig wird es beim Thema Ehrlichkeit. Zwar kann er nicht über seine Taten sprechen, mehr noch, er muss sein Umfeld, welches ihm am Herzen liegt, pausenlos belügen, um sein wahres Ich zu verdecken, aber auch hier gilt was für den Rest von Brooks Leben gilt: von den mit seiner dunklen Seite einhergehenden Bereichen einmal abgesehen ist er eine ehrliche Seele von Mensch.

Diese innere Zerrissenheit vom Zuschauer und die der Hauptfigur sind der Antriebsmotor über den der komplette Film zu funktionieren vermag. Weder die Rolle der Demi Moore, noch jene des Erpressers sind eine wirkliche Bedrohung für den Perfektionisten, von dem wir die ganze Zeit wissen, dass er dies auch ist. Es entstehen keine Momente wahrer Bedrohung die düstere Existenz könne auffliegen, ein Spannungsgehalt den die zweite Staffel von „Dexter“ zu einem solch hohen Unterhaltungsniveau verhalf. „Mr. Brooks" bekommt diesen ganz im Gegenteil durch das kühl kalkulierende Tun und Denken der Hauptfigur, und da Brooks kultiviert und intelligent ist, hat das einfach Stil. So mischen sich schwarzhumorige Augenzwinkerei mit Thrill und Dramatik, ohne dass eine dieser Komponenten sonderlich dominiert.

Das könnte manch einem zu theoretisch erscheinen, in einem solchen Fall wird jener „Mr. Brooks“ auch zu dialoglastig empfinden, aber Evans zweite Regiearbeit ist nun einmal kein Popkorn-Unterhaltungskino, sondern ist sich seines Niveaus durchaus bewusst, und dessen sollte sich auch der Zuschauer bewusst sein, von dem trotz diverser Actionszenen ein gewisser Grad Konzentration erfordert wird. Dafür wird man mit einem Film belohnt der weiß was er will und weiß wie er sein Ziel erreicht. Sollen Dialogmuffel und Psychologie-Verweigerer ruhig maulen. Mir hat der Ausflug in Brooks Kopf jede Menge Spaß bereitet. Schön dass es noch Thriller zu sehen gibt die Köpfchen besitzen.  OFDb