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21.08.2025

Von schmerzenden, doppelten und aufgepeppten Körpern - Kurzkommentare (7)

 

Shark Bait (2022) 

Hier haben wir es mit der plumpen Art Hai-Horror zu tun, die durch nichts Erzählenswertes auffällt. Nun erwartet man in diesem Bereich kaum etwas Innovatives, aber Werke wie "Great White" retten sich zumindest mit funktionierendem Zwischenmenschlichen. Ein paar flache Teen-Charaktere, die sich schon vor der Notsituation austauschbar anfühlen und kaputte Jet Skies, anstatt der üblichen Gegenstände, mit denen man in Alternativstoffen auf dem Meer treibt, können in einem spannungsarm inszenierten Standardszenario nichts ausrichten. Auch die Hai-Attacken selbst wissen nicht zu begeistern. Als Schlaftablette brauchbar!  OFDb

 

Black Widow (2021) 

Ohne tatsächlich phantastische Zusatzelemente aus dem Fantasy- oder Science Fiction-Bereich zu liefern, wird uns hier eine actiongeladene, nicht unsympathische Superheldengeschichte aus dem Marvel-Universum serviert, die zumindest ein wenig auf Charaktere baut, zumindest auf deren verwobenes Schicksal. Ohne gleich zu etwas Weltbewegenden zu werden, funktioniert "Black Widow" auf simpler Unterhaltungsebene u.a. durch die gute Besetzung, in der Florence Pugh der stets vorbildlich agierenden Scarlett Johansson die Show in einer Rolle stiehlt, die man wenige Jahre zuvor noch mit Chloë Grace Moretz besetzt hätte. Auch die Eingangssequenz, die zu bitteren Erkenntnissen führt, gehört zu den Highlights des Films. Theoretisch unüberwindbare Versöhnungen werden auf Comic-Art charmant gemeistert.  Wiki

 

Der 6 Millionen Dollar Mann (1973)  

Der Pilotfilm zur darauf folgenden erfolgreichen Serie lässt sich viel Zeit für die Entwicklung seiner Situation, die später interessanter mit "RoboCop" variiert wurde. Selbst mit der Langsamkeit von 70er Jahre-Filmen betrachtet, die ich für einen Vorteil dieser Dekade halte, schleicht die Geschichte hier zu lahm voran, gerade wenn die Vorgeschichte bis zum Unfall des Protagonisten zu Ende erzählt wurde. Sie bildet aufgrund dieser zähen Umsetzung den unterhaltsameren Teil der Geschichte, der bereits dort vor Klischees nur so strotzt. Ist der Zustand des Superhelden endlich erreicht, bekleckert man sich auch hier nicht wirklich mit Ruhm, bleibt der Plot doch unaufgeregter als erwartet, und folgt er doch, in einem Werk das sich eher wie konzipiertes Produkt anfühlt, den schon damals üblichen Klischees und Pfaden dieser Art Handlung.  Wiki  

 

Enemy (2013) 

Aus seinem reizvoll ungewöhnlichen Ausgangsszenario holt "Enemy" in seiner intellektuellen Art ganz andere Sachen heraus, als man vermuten würde, teilweise unsichtbar für den für solche Stoffe weniger gemachten Zuschauer, so subtil und nüchtern, wie der nicht spannungsarme Stoff voranschreitet. Sein ominöser Schluss, anstatt einer deutlichen Erklärung für alles, wird manch einem den Rest geben. Ich persönlich fand "Enemy" nicht uninteressant, begeistert hat er mich aber auch nicht. Die Leistung seiner Darsteller und die sehenswerte Kameraarbeit tröstet über manch zu schlicht geratene Phase jedoch hinweg. Die rätselhafte erste Hälfte ist meiner Meinung nach besser ausgefallen als jener Part der Geschichte, in dem beide Gyllenhaal-Rollen eingeweiht sind.  Wiki  

 

Cabin of the Dead (2012)

Seinen besten Moment hat "Wither" (Originaltitel) wenn sich eine der Figuren, der jungen Gruppe, um die es hier geht, als eher unfreiwillige Teilnehmerin eines Streiches alleine durch das düstere Haus stolpert, was zum Auslöser der Geschehnisse führen wird. Die folgen brav dem Weg der ansteckenden Zombie-Thematik mit einem Hauch "Cabin Fever" und driftet trotz schwedischem Produktionsland schnell in den Routinebereich dieser Art Film ab. Eine ordentliche Portion Blut kann nicht über den zu dünnen Plot mit zu austauschbaren Charakteren hinweg täuschen, auch wenn man sichtlich bemüht ist das Ganze gut aussehen zu lassen.  OFDb

29.12.2024

LIFE (2017)

Auf einer Raumstation ist die Begeisterung groß: man hat in den Marsproben einen einfachen Organismus entdeckt, schafft es diesen aus einer Art Ruhezustand zu wecken und hat sichtliche Freude den allmählich wachsenden ersten Außerirdischen zu untersuchen. Nach einiger Zeit stellt er sich jedoch als gefährlicher heraus, als bislang angenommen...

Fester Griff...

Natürlich ist es nicht neu zu nennen, was "Life" uns als modern geartete "Alien"-Variante vorsetzt, und wäre es nur die Echtheit, die der Streifen ausstrahlt, nah an dem was uns bekannt ist orientiert und wissenschaftlich für Laien glaubwürdig erzählt, könnte man mich mit dieser nur bedingt begeistern. Dass der von Daniel Espinosa inszenierte Science Fiction, dem erst fünf Jahre später "Morbius" folgen sollte (keine Fortsetzung, nur der nächste Streich des Regisseurs), jedoch durchweg spannend erzählt umgesetzt ist, überzeugt dann doch. Zumal er in der Anfangsphase die Faszination des Forschens mit dem Unheilvollen, das über den Dingen schwebt (zumindest wenn man weiß, dass man einen Horrorfilm sichtet), kombiniert, so dass auch dieser Bereich bereits einen hohen Spannungsbogen besitzt, und dies trotz seiner Leichtigkeit, die er hier noch ausstrahlt, ohne dabei das Leben und die Arbeit dort oben zu unterschätzen. 

In dem Bereich angekommen, in welchem man sich der Gefahr des zunächst belächelten Gastes an Bord bewusst wird, trumpft "Life" mit sinnvollen, nachvollziehbaren Reaktionen und Methoden dem Außerirdischen Herr zu werden. Sowohl die Kreatur bleibt hierbei glaubwürdig, als auch das professionell scheinende Handeln der Crew, das ab einem gewissen Punkt, auf den man so gar nicht vorbereitet werden kann, freilich improvisiert ist, aber auch dies mit Köpfchen. Den Stereotypen werden außerdem genügend Individualität beigemischt, so dass wir es zudem mit Charakteren, anstatt mit austauschbaren Figuren zu tun bekommen. Somit ist jedes Ableben im Kampf gegen die Kreatur ein Schlag in die Magengegend, so dass man auch emotional an das Geschehen gebunden ist. Talentierte und charismatische Schauspieler hauchen der Sache genug Leben ein, der Regisseur inszeniert mit leichter Hand, so locker wie sich all das guckt, was aufgrund der gekonnten Reflexion der Autoren auch verkopft hätte herüberkommen können, und sowohl die Verantwortlichen für die Kamera, als auch jene der Computereffekte, bieten zudem einen optisch überzeugenden Film. "Life" begeisterte mich ungemein, bishin zu einem definitiv im Kopf bleibenden Schluss. So funktioniert ernstzunehmender Horror, der nicht nur leicht zufriedenstellende Stammzuschauer im umstrittenen Genre überzeugen wird, während er diese zeitgleich nicht ausschließt.  Wiki

13.11.2021

SOURCE CODE (2011)

Ein wenig auf den Pfaden von "Und täglich grüßt das Murmeltier" wandernd, erzählt uns "Source Code" eine Art Zeitreise-Experiment, über dessen Wirklichkeit sich der Wissenschaftler weit weniger bewusst ist als der ungelernte, statistisch gesehen überraschend intelligente Soldat, der zunächst erst nach und nach versteht von was er Teil ist. Trotz dieses verträumten Ansatzes funktioniert der Film überraschend gut. Man sollte sogar eher sagen, dass er es deswegen tut, denn trotz aller Härte um Themen wie Terrorismus (mit der Rückkehr wegen der Frage des Ursprungs stark an "12 Monkeys" erinnernd), dem Entrechten von Toten und anderen erwachsenen, bitteren Themen, atmet der Streifen von Duncan Jones, der mit "Moon" einen wesentlich pessimistischeren Genre-Beitrag der Science Fiction abgeliefert hat, klassisches Kino-Feeling mit obligatorischem Happy End und Heldentum. Das wird nicht jedem schmecken, mir hat es gefallen, wenn auch eher auf simpler Unterhaltungsebene, weniger aufgrund des hohen Anspruchs, den die Verantwortlichen des Streifens an sich selbst stellten. So oder so sollte man wie beim Vergleichsfilm mit Bruce Willis Geduld mitbringen. Es dauert ein wenig bis man durchblickt. Und manch unangenehme Frage, gerade jene des Verbleibs jener Person, dessen Körper der Protagonist einnimmt, wird nicht beachtet, um das finale Wohlgefühl nicht zu schädigen. Etwas Blauäugigkeit tut also definitiv gut, um mit "Source Code" zurecht zu kommen.  OFDb

30.01.2020

SPIDER-MAN 2 - FAR FROM HOME (2019)

Auch in der Fortsetzung von "Spider-Man - Homecoming" spielen andere Figuren des Marvel-Universums eine wichtige Rolle. Nur wer die "Avengers"-Filme gesehen hat, besitzt alle nötigen Informationen der Hintergründe, auf welchem die hier erzählte Geschichte aufbaut. Iron Man ist tot, sein ehemaliger Gehilfe ist nun eine Art Babysitter Spider-Mans, dessen Verpflichtung irgendwo zwischen Spider-Man und Avengers-Anführer Fury hin und her pendelt. Einige andere Superwesen tauchen nebenbei auf, zentral eine neu eingeführte Figur, Mysterio, die als Freundschaft mit Peter Parker beginnt, sich im Laufe der Geschichte jedoch zu etwas anderem wandelt. "Spider-Man 2 - Far from Home" ist voll von Wendungen innerhalb einer Geschichte, die einem keine Zeit zum Atmen lässt, es erstaunlicher Weise dennoch schafft genügend Raum für die Entwicklung der sympathischen Figuren zu schaffen. Was uns zunächst als Handlung vorgesetzt wird, klingt wie der typische 08/15-Einsatz einer einfallslosen Superhelden-Geschichte, der jegliche Innovation zu fehlen scheint. Doch die Fortsetzung des überraschend sympathischen dritten Starts einer Spider-Man-Reihe kommt so gewitzt daher wie der Erstling und führt den Zuschauer absichtlich an der Nase herum. Das passt zu seinem humoristischen Grundton, der nicht nur unauffälliger Nebeneffekt ist, sondern auch aus der Fortsetzung ganz bewusst eine Komödie macht.

Ein funktionierendes Team soll man nicht trennen, so ist es gut, dass Regie, Darsteller und diverse Leute der Crew in Teil 2 wieder zusammen kommen, um den hohen Erwartungen einer Fortsetzung gerecht zu werden. Herausgekommen ist ein atemberaubender, leichtfüßig inszenierter Actionfilm mit einer reizvollen, da erzählenswerten, Geschichte versehen, freilich nicht immer logisch gestrickt, aber der nötigen Glaubwürdigkeit dieser Art Film verpflichtet. Zwischenmenschlich ist "Spider-Man - Far from Home" (Originaltitel) ebenso aufregend ausgefallen, wie im Abenteuersektor, ist die Annäherung an Mary Jane doch sehr gefühlvoll eingefangen und nah am Teenagerempfinden orientiert, zumindest innerhalb einer humorvollen Comicabwandlung unserer Welt. In der eigentlichen Superhelden-Geschichte wird nicht an Spezialeffekten gespart, da ist der Film keine Ausnahme innerhalb des kompletten Marvel-Universums, allerdings ist zu beobachten, dass keiner der vielen Computertricksereien zum Selbstzweck eingesetzt wird. Alles was gezeigt wird, ist förderlich für die Handlung und unterstützt das jeweilige Geschehen perfekt, was im Kino unserer Tage nun wirklich keine Selbstverständlichkeit ist.

Die Kernereignisse des Streifens, die hier nicht verraten werden, da sich diese erst über eine trickreiche Vorgeschichte entfalten, boten den Verantwortlichen zudem die Möglichkeit mit irrationalen Elementen zu spielen, etwas vergleichbar mit der Alkohol-Phantasie aus "Dumbo, der fliegende Elefant" oder der Alptraumsequenz aus "Die Abenteuer von Winnie Puuh". Die CGI-Trickspezialisten durften sich hier derart surreal austoben, dass es eine große Freude bereitet, ihnen bei ihren Einfällen zuzusehen, inhaltlich integriert in eine Filmphase der Hoffnungslosigkeit für Peter Parker und somit trotz all der Witzigkeit und skurrilen Art, mit welcher wir fasziniert werden, einen ernsten Teil der Gesamtgeschichte einnehmend, den es für Spider-Man zu meistern gilt. Zum Großteil ist er auf sich allein gestellt, was zwar aus Avengers-Sicht versucht wird zu erklären, aber zur größten Lücke in der Glaubwürdigkeit einer Geschichte wird, die ansonsten innerhalb seines Comicuniversums Hand und Fuss besitzt. Einfallslosigkeit kann man den Autoren keinesfalls vorwerfen. "Spider-Man: Far from Home" ist ein vielschichtiges und allerhand Überraschungen bietendes Stück Popkornkino, voller faszinierender Ideen, denen stets weitere folgen, reichhaltig bestückt mit Computereffekten und sich liebevoll den interessant charakterisierten Figuren zuwendend, die in den wichtigsten Rollen zudem ur-sympathisch besetzt sind. So kann die neue Spider-Man-Reihe gerne weiter gehen. Ich muss zugeben dass ich misstrauisch war und nicht damit gerechnet habe, dass die Qualität des ersten Teils erneut eingefangen wird, einfach aufgrund der Verpflichtungen des Standard-Marvel-Publikums gegenüber. Schön dass die Geldgeber mutig genug waren einen Mittelweg zu gehen, der den Charme des Vorgängers erneut einfängt, die nötigen Schauwerte für das Stammpublikum liefert und dennoch nichts an Individualität in einer ansonsten meist genormten Marvelwelt einbüßt.  OFDb

29.05.2016

LOVE AND OTHER DRUGS - NEBENWIRKUNG INKLUSIVE (2010)

Auf dem DVD-Cover las sich „Love and Other Drugs“ wie die typische Romantikkomödie, und als das Thema Parkinson erstmals in die Geschichte hereinbrach dachte ich noch sie soll nur Aufhänger für Maggies nicht immer gesetzestreuen Charakter sein. Aber ich habe mich geirrt, die gute Frau leidet tatsächlich unter der Krankheit und so nach und nach brechen die daraus resultierenden Probleme in die heile Welt des schnelllebigen Pärchens herein. Zwicks Werk wird, wenn auch überraschend spät, zu einem Drama um eine Krankheit, die einmal diagnostiziert nicht mehr loszuwerden ist.

Ich persönlich tue mich meist schwer mit diesen Herzschmerz-Filmen, die sich Krankheiten zu eigen machen um auf Kosten derer die sie haben Profit aus dem Mitgefühl anderer zu schlagen. Nicht dass mir bei meinen wenigen Besuchen dieser Gattung Film nicht auch der ziemlich plump kalkulierte „Philadelphia“ gefallen hätte, eben weil er genau weiß welche Knöpfe er beim Publikum drücken muss, aber selbst ehrlich ambitionierte Arbeiten dieser Thematik sind mir ein Dorn im Auge, lassen sie doch etwas in mein Leben herein, welches ich so weit wie möglich aus meiner Cineasten-Realität verdrängen möchte, auch wenn ich nicht nur im heile Welt-Kino zu Hause bin.

Das ist mein persönliches Problem und kein grundsätzlich zu diskutierendes, und einmal mit „Love and Other Drugs“ angefangen habe ich ihn freilich nicht abgebrochen. Aber aufgrund meiner Grundhaltung fällt es mir nun schwer zu erkennen ob meine durchaus vorhandene Sympathie für den Streifen nicht über nette Routine hinaus geht weil dies auf den Streifen tatsächlich zutrifft, oder ob ich ihm ein sehenswertes Urteil unterschlage, weil ich allgemein voreingenommen vor dieser Art Film bin. Ich weiß es nicht genau, fand aber dass Zwicks Film sowohl in seinen lockeren als auch in seinen dramatischen Phasen eher angenehm vor sich hin plätscherte anstatt den Zuschauer wirklich gefangen zu nehmen.

Die Grundbasis zum Funktionieren einer RomCom und eines Dramas sind gegeben: man schließt die Protagonisten in sein Herz. Mag Jamie auch noch so ein oberflächlicher Mensch sein, noch bevor er mehr Tiefe erlangt mag man ihn eigentlich, den Vertreter der einem alles verkaufen kann. Dass wir uns an ihn gebunden fühlen liegt daran dass das Drehbuch ihn zur Identifikationsfigur auserkoren hat, auch wenn einem Maggie wesentlich sympathischer ist, und dies nicht nur durch ihr süßes Aussehen.

Zwar beginnt „Love and Other Drugs“ ziemlich leichtfüßig, aber schon sehr früh ist zu erkennen dass seine Geschichte nicht nur oberflächlicher Natur ist. Der Satireanteil auf die Pharmaindustrie und Ärzteschaft ist amüsant und ehrlich eingefangen. Und dass Hersteller von Mittelchen wie Viagra mehr finanziellen Erfolg innerhalb eines Wirtschaftszweiges haben, der neben der Pornoindustrie zu den finanziell erfolgreichsten überhaupt gehört, als jene die Medikamente zu wichtigeren Problemen verkaufen, ist ein häufig erkanntes Phänomen (siehe hierzu auch „Idiocracy“), welches auch den Markt zur Bauernfängerei öffnet. Einzig eine Abrechnung mit homöopathischen Wunderheilern habe ich vermisst, aber das hätte vielleicht auch den Rahmen gesprengt und verdient einen eigenen Film.

„Love and Other Drugs“ ist lange Zeit lediglich eine Liebeskomödie. Bricht das Thema Parkinson endgültig in die Geschichte herein, sind die unterschiedlichen Phasen die Jamie als Mitbetroffener durchmacht durchaus interessant eingebracht, regen sie doch tatsächlich zum Nachdenken an, da sie reine Ehrlichkeit vom Zuschauer abverlangen. Dass der Film nicht völlig sinnlos von einem Thema zum anderen hüpft zeigt die grundlegende Frage des Streifens. Macht es einzig der Moment? Erst stellte Zwick die Frage bezogen auf den schnellen Sex, wenn man doch auch eine wahre Partnerschaft leben könnte. Später fragt er dies bezogen auf eine Beziehung zwischen zwei Menschen, von denen einer eine unheilbare Krankheit hat. Ist es wichtig einzig für den Moment glücklich zu sein? Oder ist es das am Ende nicht wert, wenn alles was die Liebe ausmachte irgendwann von einer gnadenlosen Krankheit aufgefressen wird?

Man kann es Jamie nicht verdenken, dass er, die Krankheit einmal als Teil der Beziehung akzeptiert, um seine kranke Freundin kämpfen möchte, während diese entgegen hält ihr Leben bestehe nicht nur aus ihrer Krankheit. Sie möchte ihr Leben neben dieser Krankheit genießen. Sie setzt auf den Moment. Und wenn Jamie es schließlich auch tut, kann man dem Film nun wahrlich aufgrund dieser mutigen Entscheidung keine Blauäugigkeit vorwerfen, auch wenn der im Film nicht gezeigte Moment kommen wird, in dem Jamie an seine Grenzen stößt und bereut wofür er sich entschieden hat. Er wird sich an die warnenden Worte des alten Mannes erinnern, der ihn zu einer egoistischen Entscheidung riet. Aber es ist eben, wie bei dem danach benannten Drama mit Julia Roberts, eine Entscheidung aus Liebe.

Man liest es heraus, „Love and Other Drugs“ ist kein Film der seine Themen leicht nimmt oder rein der anerzogenen Meinung wegen ein moralisch streng konservatives Statement zu den zwei aufgeworfenen Themen abgibt. Er vermischt gekonnt die leichtfüßige RomCom mit dem Drama um eine unheilbare Krankheit, zum Leben erweckt von talentierten und sympathischen Schauspielern und Mitarbeitern hinter der Kamera. Was ist es also nun, was mich diesen Film trotzdem „nur“ als unterhaltsam empfinden lässt? Gerade einmal den Eindruck zu erwecken trotz alledem nur von Filmmoment zu Filmmoment vor sich hinzuplätschern, bis irgendwann das Ende der Erzählung erreicht ist, oder ist es mein grundsätzliches Problem mit Filmen dieser Art Thematik? Ich weiß es nicht.  OFDb

19.05.2016

THE GOOD GIRL (2002)

Mag sein dass „The Good Girl“ in seinem Herzen ein wenig spießig ausgefallen ist, sehnt sich die Geschichte doch nach einem Wohlgefühl und einer Antwort auf die Frage was richtig und was falsch ist, und meint, wie so oft in amerikanischen Filmen, die Antwort in der Familie zu finden. Andererseits erweist sich Artetas Drama als recht distanziert, verurteilt Justine selbst dann nicht wenn ihre Taten wahre Löcher in das Leben anderer reißen und weiß stets Verständnis für die junge Frau aufzubringen. Das ist schon eher ungewöhnlich für amerikanische Filme diesen Themas, zumindest so lange sie sich nicht als Satire a la „American Beauty“ verstehen.

Diese verständnisvolle Distanz ist es schließlich, die dem eingefahrenen Stammzuschauer romantischer Stoffe nicht gefallen wird, erweist sich die Suche nach Liebe und Glück doch keinesfalls als romantische Komödie oder Liebes-Drama, sondern viel mehr als nüchterne Betrachtung diverser Momente einer verwirrten Frau. Ihre Suche nach dem Glück, ihr Versuch das Richtige zu tun, ihre Entwicklung die sie aufgrund ihrer neuen Erfahrungen durch macht, das alles hält die Geschichte beisammen in einem Film der sich auf Momentaufnahmen eines kurzen Lebensabschnittes konzentriert (die Geschichte spielt in nur wenigen Wochen), und ein Film der sich dessen bewusst ist, dass selbst das scheinbare, recht nüchtern aber lebensnahe Happy End eine solche Momentaufnahme ist.

Manch einer wird sich wundern, dass Probleme am Ende nicht wirklich gelöst werden. Aber so ist das Leben für Menschen wie Justine, und daraus zaubert Miguel Arteta keine kitschige oder träumerische Wunderwelt, er präsentiert uns keinen magischen Kinozauber, er und der Autor der Geschichte präsentiert uns den für sein Entstehungsland mutigen Schritt uns die Entwicklungsphase einer durchschnittlichen Frau aufzuzeigen, die auf unaufgeregte Art Aufregendes erlebt, und die erfahren muss dass Fehler nicht rückgängig zu machen sind. Zwar ist Jennifer Aniston mit ihrem süßen Aussehen keinesfalls Durchschnitt und deswegen vielleicht etwas fehlbesetzt für einen solchen Streifen, aber sie macht ihre Sache gut.

Der Film erzählt zum Schluss davon, wie man sich das Leben schön lügen muss um glücklich zu sein, und trifft damit eine mutige Aussage, auch wenn das im Film selbst gar nicht so mutig wirkt. Zumindest stimmt diese Lebenserkenntniss mit den Erkenntnissen der Neurowissenschaften überein, und „The Good Girl“ weiß dies ohne Besserwisserei recht massenkompatibel dem Mainstreampublikum zu verkaufen. Allerdings ist Arteta viel zu sehr auf der Suche nach dem Wohlgefühl, als dass er all zu viel Tiefgang zulassen würde, so dass der Film weder intellektuell genug noch herzlich genug ausgefallen ist und einen trotz angenehmer 90 Minuten etwas unbefriedigt zurück lässt.

Dennoch war „The Good Girl“ eine sympathische Erfahrung, zumal es schön war die Sinnsuche einer Frau mal nicht aus dem Verwöhnblickwinkel der gut verdienenden oberen Mittelschicht erzählt zu bekommen. Justine hat einen Durchschnitts-Job, einen liebenswerten aber passiven Ehemann und ziemlich geringe Ansprüche an sich selbst. Sie ist egoistisch und bleibt es auch, die Geschichte wird keinesfalls zur moralischen Anklage, sondern erkennt dass Justine diesen Weg gehen musste um an ihr Ziel zu gelangen, ein Ziel das nicht nur aufgrund Justins Einflüsse lediglich nur eine Momentaufnahme darstellt. Auch ihr Mann könnte jederzeit Einfluss auf das zukünftige Leben nehmen. Selbstverständlich sollte man meinen, aber eben nicht für einen amerikanischen Film über Liebe und Träume.  OFDb

02.12.2012

ZODIAC - DIE SPUR DES KILLERS (2007)

Er schickt der Presse und der Polizei Rätsel und Codes, verrät wen er als nächstes töten möchte und nennt sich Zodiac. Was auch immer unternommen wird, Zodiac ist nicht zu fassen, da er kein Muster wie andere Serienkiller hinterlässt. Zeitungscartoonist Graysmith versteift sich noch in die Suche nach dem Mörder, als der Rest der Welt sich neuen Kriminalfällen zuwendet...

Das Leben benötigt keinen roten Faden... 
 
Die Suche nach einem Serienmörder, das klingt verdammt nach Thriller. Und auch der Name David Fincher steht ja geradezu üblich für das Genre, so dass in den meisten Medien „Zodiac“ auch als solcher betitelt wird. Das ist jedoch nicht ganz richtig und könnte falsche Erwartungen schüren. Sicherlich sind Thrillermomente vorhanden, aber eigentlich sind diese auf die Laufzeit von etwa 150 Minuten rar verteilt. Das dürfte manch einen dazu veranlassen den Film als missglückt darzustellen, dabei ist er eigentlich ein Kriminaldrama.

Reporter suchen nach Zodiac, die Polizei sucht nach Zodiac, der Zuschauer darf Spuren mitverfolgen, zusehen wie Verdächtige verhört werden und Tatorte untersucht. Ständig scheint das Ergebnis weit weg, Widersprüche tun sich auf, ein Muster will nicht erkennbar sein. So verdächtig wer auch sein mag, immer spricht etwas gegen eine Überführung. Das frustriert die Ermittler, veranlasst sie zu verschiedensten Reaktionen, bis die Öffentlichkeit irgendwann resigniert und das Thema Zodac nach Jahren verblasst ist. Enttäuschte Polizisten, ein heruntergekommener Journalist, ein fanatischer Cartoonist, der seine Ehe auf der jahrelangen Suche nach Zodiac an zweiter Stelle setzt. Das sind dramatische Schicksale, und sie stammen alle aus dem wirklichen Leben, so wie Zodiac selbst.

Der Film erzählt von einer wahren Begebenheit, welche die Öffentlichkeit so stark interessierte, dass bereits 1971 während der aktiven Ermittlungen die erste Verfilmung gedreht wurde. Auch der Kultfilm „Dirty Harry“ lehnte sich an die Ereignisse der Zodiac-Morde an. Das Thema war so in aller Munde, dass es zu Fakes in den Ermittlungen kam: falsche Spuren, falsche Täterbekenntnisse, Nachahmungstäter. Die Suche nach Zodiac war für viele Menschen zu seiner Zeit ein derart einschneidendes Medienerlebnis, dass Jahre später das Buch über die erfolglose Suche zum Bestseller wurde. Und nun ist das Thema noch immer so interessant, dass Finchers Film ein kleiner Erfolg wurde, und das obwohl der Streifen nicht gerade den massenwirksamen Eindruck macht.

Die Spuren verlaufen sich im Sand, ständig gibt es Zeitsprünge, ewig wird man mit Informationen zugeknallt, selten gibt es Morde oder spannende Szenen zu sehen, die Zeitsprünge werden immer größer und am Ende gibt es noch immer keine Auflösung. Wie ginge das auch? So wie im Falle Jack The Rippers hat es nie eine Lösung gegeben. Fincher geht lediglich einer Vermutung nach. Das Ende von „Zodiac“ zu verraten hat in etwa den selben Stellenwert als irgendwem den Schluss von „Romeo und Julia“ auszuplaudern.

Warum ist der Film trotz all dieser massenpublikumsfeindlichen Punkte so beliebt? Ich weiß es nicht, mich hat er jedoch auch anstecken können. Wo der typische Spannungsgehalt eines Thrillers fehlt bzw. zu kurz kommt, da erscheint jene Spannung auf der Bildfläche, die durch die aktiven Ermittlungen entsteht. Ähnlich wie „Andromeda – Tödlicher Staub aus dem All“ es schafft durch Forschung Spannung zu erzeugen, oder Hitchcocks Klassiker „Bei Anruf Mord“ durch Verhördialoge, so wird man hier von den Ermittlungen gepackt.

Man formt sich im Kopf seine eigenen Vermutungen zusammen, versucht zu überlegen was Fake ist und was nicht. Man versucht ein Muster zu finden, verdächtigt jeden, was kurzfristig zu einer spannenden Szene in einem Keller führt, die vom Verdachtsmoment her eigentlich unwahrscheinlicher nicht sein könnte. Der Fall Zodiac bleibt ein Rätsel. Welche Beweise sind von Belang, wenn so viel gepfuscht wurde, welche Handschriftenanalyse ist authentisch wenn der Analyst ein Alkoholiker war? Ist Zodiac einer oder mehrere Täter? Ergab sich nie ein Muster wegen Nachahmern? Das sind alles Fragen die „Zodiac“ in ein offenes Ende treiben. Aber es war dennoch ein großes Erlebnis mittendrin eingetaucht zu sein.

Denn das muss man Fincher einfach lassen. Er lässt uns teilhaben. Ähnlich fanatisch wie der Cartoonist gräbt er alles an Fakten und Unfakten aus. Er rollt den Fall noch einmal auf, jedoch nicht um ihn zu lösen, sondern um den Zuschauer die Tragik der Hoffnungslosigkeit hinter den Untersuchungen deutlich zu machen. Fincher ist ein Kriminaldrama geglückt, dass einen den Frust der Ermittler authentisch vermittelt, eben weil wir selbst zu Ermittlern wurden, wenn auch passive vor dem Fernsehapparat. Er lässt uns das Ungewisse spüren und spielt mit uns, so wie es das Leben mit den Ermittlern tat.

Welche Verwirrung war von Zodiac gewollt, welche wurde unbeabsichtigt verursacht? Mal hat Zodiac eine helle, dann wieder eine dunkle Stimme. Das Körperformat änderte sich, die Methode war nie die gleiche, Jahre lang herrschte Ruhe, dann ging es wieder los. Selbst Opferzahlen stimmen nicht mit den Aussagen des Killers überein. Ein Schaumschläger (möglich durch die Mediengeilheit) oder das Prahlen eines falschen Zodiac? Erstaunlich dass es Fincher schaffte ohne wirklichen roten Faden und mit ewigen Zeitsprüngen den Zuschauer so nah im Geschehen drin zu lassen. Am Ende ist „Zodiac“ ein offenes Puzzle, dass man so oft gucken kann wie man will ohne zu einem Ergebnis zu kommen.

Die Mörderaufdeckung war jedoch nie das Ziel Finchers. Wenn die Figuren ihr jeweiliges tragisches Ende erreichen, dann erreicht Fincher jeweils sein Ziel, auf das er hinauswollte. Lediglich eine Figur darf einen kleinen Erfolg feiern, aber selbst der ist trügerisch. Vielleicht brauchte Fincher von Produzentenseite einen winzigen Happy End-Ersatz. Ich weiß es nicht, aber er stößt nicht sauer auf. Im Gegenteil, es ist ein packender Moment.

Eine alles überschauende Regie, viele gute Schauspieler, ein stimmiger Soundtrack und großartige Fotografien (die auf die typischen Fincher-Spielereien diesmal verzichten) machen „Zodiac – Auf der Spur des Killers“ zu einem großartigen Ergebnis. Diese Elemente machen aus der Geschichte ohne Faden und eigentlichem Spannungspotential und mit ihren vielen Zeitsprüngen einen Hingucker. Und dass das Hingucken auf Dauer nicht langweilig wird, verdanken wir dem starken Drehbuch, welches faktenreich bestückt ist und den Zuschauer nah an die Untersuchungen heranlässt.  OFDb