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08.04.2017

ICH WEISS, WER MICH GETÖTET HAT (2007)

Wer aufgrund des Aufhängers der Geschichte vermutet es bei „Ich weiß, wer mich getötet hat“ mit einem weiteren Torture Porn a la „Saw“ und „Hostel“ zu tun zu haben, oder aber mit einer Serienkillerjagd a la „Sieben“ und „Resurrection“, der irrt. Der mit Lindsay Lohan in der Hauptrolle besetzte Film geht eigene Wege. Er präsentiert eine rätselhafte Geschichte, bei der man lange Zeit nicht weiß welchen Weg sie einschlagen will, was cleverer Weise daran liegt, dass man als Zuschauer einen entscheidenden Fakt viel zu spät in Erwägung zieht, so dass Fehlvermutungen nicht nur schlichter Irrtum sind, sondern vom Drehbuch bewusst provoziert.

Manch einer wird die Geschehnisse von Chris Siverstons Werk als zu hanebüchen empfinden, erfordert es doch einen gewissen Grad Fantasie und Glaube an esoterischen Mumpitz, um die Geschichte ernst nehmen zu können. Ich kann dies zwar nicht, habe mich aber dennoch für 100 Minuten in diese Filmwahrheit entführen lassen können, weil die hier präsentierte Idee reizvoll ist und die wackeligen Hintergrundelemente, auf welche sie sich stützt, kurz gehalten werden. Wie Dakota auf die Wahrheit stößt, gegen allerlei Windmühlen kämpfend, mag in der unseren Welt nicht glaubwürdig erscheinen, in der Welt des Films weiß der ungewöhnliche Plot jedoch zu packen.

Sicherlich lebt die Geschichte von Extremen, gerade in der unterschiedlichen Charakterisierung Aubreys/Dakotas. Insbesondere mit Blick auf die hier nicht verratende Auflösung werden Fragen aufgeworfen, die der Film nicht beantworten kann, meiner Meinung nach aber auch nicht muss, zumal er bei der wichtigsten offenen Frage, der Motivation Dakotas, am Rande kleine Hinweise hinterlässt. Diese sind inmitten von Gedankenspielereien versteckt, welche der Film verspielt aufweist, ohne dass sie für die eigentliche Geschichte nötig gewesen wären. Das Auseinandersetzen mit dem Phantomschmerz eines wegamputierten Armes in Bezug auf Spukerscheinungen ist mein liebstes Beispiel diesbezüglich.

„I Know Who Killed Me“ (Originaltitel) bietet kein großartiges Erlebnis. Trotz seiner gewagten, für viele Zuschauer lächerlichen, Geschichte ist er an sich doch recht routiniert ausgefallen, wenn auch in der positiven Variante des Durchschnitts. Erotisch angehauchte Aufnahmen Lohans scheinen recht offensichtlich mit Körperdoubels umgesetzt zu sein, das Aufdecken des Täters wird so sehr zur Nebensache, dass sich das Drehbuch selbst im Finale nicht für dessen Motiv interessiert, und die meisten Charaktere bleiben oberflächlich, eher einem Klischee folgend als einer glaubwürdigen Persönlichkeit nachempfunden.

Aber für den kleinen Horror-Kick zwischendurch reicht es aus was uns der Regisseur von „All Cheerleaders Die“ (sowohl vom Original, als auch vom Remake) vorsetzt. Garniert mit einigen wenigen blutigen Bildern, die teilweise allein schon aufgrund der ungewöhnlichen Hintergrundidee zu gefallen wissen, und besetzt mit der immer niedlich anzusehenden Lindsay Lohan, wird uns ein routiniert interessanter und durchschnittlich spannender Genrebeitrag präsentiert, der in Sachen Motivation und Hintergrundinformation nicht immer zu funktionieren weiß, als schlichtes Trivialwerk aber zumindest einmal einer anderen Idee nachgeht als die ansonsten immer wiedergekäuerten Dauerthemen im Horrorfilm.  OFDb

14.02.2013

HERBIE FULLY LOADED (2005)

Maggie ist unter Rennfahrern groß geworden. Deswegen gefällt es ihr auch gar nicht, als sie beim Autokauf versehentlich den VW-Käfer Herbie erwicht. Der Frust ist schnell über Bord als Maggie Herbies Eigenleben und seine Geschwindigkeit entdeckt. Nun will sie Rennen fahren, aber ihr Vater, ein erfolgloser Rennfahrer, möchte das nicht…
 
Ein weiblicher Fahrer…
 
Zum sechsten Mal ist Herbie nun im Einsatz, und gäbe es im Vorspann nicht einige Szenen aus den Vorgängern und eine kurze Brücke zum aktuellen Teil, hätte man auch von einem freien Remake sprechen können. Nachdem Teil 5 nur noch ein kleiner TV-Film war, hat wohl auch niemand mehr mit einer echten Kinofortsetzung gerechnet. Selbst Dean Jones, Hauptdarsteller aus Teil 1 und 3, nicht, gab dieser doch im 5. Teil mit Bruce Campbell in der Hauptrolle bereits seinen Gastauftritt (der auch nicht seine emotionale Wirkung verfehlte), statt in diesem 6., der seiner würdiger gewesen wäre.

Nun ja, es beginnt alles, wie bereits erwähnt, mit Szenen aus den alten Filmen (die Kakteenumfahrszene ist als meistgezeigtester Rückblick auch wieder mit dabei) in einem Vorspann, der uns zu all dieser aufs Auge drückenden Nostalgie einfach nicht das dazu passende Lied präsentieren will. Das Herbie-Thema taucht nur einmal kurz, ziemlich zu Beginn des Streifens, auf, um danach nie mehr gehört zu werden. Schade, dabei gehört es doch zu den Top-Ohrwürmern der von der Masse vergessenen Soundtracks.

Die Geschichte konzentriert sich, wie bei den meisten Vorgängern, wieder auf das Rennen fahren. Am Steuer sitzt nun nach Bruce Campbell Lindsay Lohan, die mit ihrem Auftreten der Fortsetzung auch den nötigen Schwung bietet. Ohnehin ist Teil 6 recht flott inszeniert und mit bekannten Gesichtern in Nebenrollen verfeinert. Das ist in Anbetracht auf das zu routinierte Drehbuch auch dringend nötig. Dafür überrascht dieses mit einigen lockeren Witzen am Rande (wie das angebliche Treffen Herbies mit Kid aus „Knight Rider“). Aber das dürfte für einen Kinofilm ja wohl auch das mindeste sein inmitten von fleißigem Klau aus eigenen Reihen.

Im groben wird Teil 1 abgewandelt neu aufbereitet mit Elementen aus Teil 4 (Herbie verliebt sich in ein anderes Auto, diesmal ohne peinliche Autokinder). Während man sich im Original für alles viel Zeit ließ, arbeitet Teil 6, für seine Zeit typisch, inhaltlich alles flott ab. Das gibt dem fertigen Werk auf der einen Seite zwar ein flottes Gewand, auf der anderen Seite werden zwei wichtige Bereiche dadurch falsch eingesetzt.

Da wäre zum einen die obligatorische „Ich habe Herbie enttäuscht“-Szene, die so früh einsetzt, dass eine Freundschaft zwischen der Besitzerin und dem Auto noch gar nicht möglich war, was dem ganzen ohnehin schon dick aufgetragenen Gefühlsschmus noch zusätzlich fehl am Platz wirken lässt. Wenn man schon eine Geschichte kopieren will, dann sollte man auch Ursache und Wirkung beachten, gerade im psychologischen Bereich.

Der zweite Punkt ist wichtiger: Das finale Rennen war in Teil 1 eine lange Prozedur durch die Landschaft, was dem bösartigen Gegner genug Möglichkeiten bot sich unfair zu verhalten und zu blamieren. Im aktuellen Teil erleben wir das klassische Rennen mit ewigem im Kreis fahren, bei dem dann irgendwann unsere Heldin gewinnt weil sie einfach schneller war. Die miesen Tricks des, mit Matt Dillon so hervorragend besetzten, Gegners kann man an einer Hand abzählen. Dillon spielt unglaublich gut und überzogen comichaft. Dass er das drauf hat bewies er ja bereits bei „Verrückt nach Mary".

Michael Keaton als Lindsays Vater spielt auch ordentlich, hat aber einen uninteressanten Part erwischt. Dieser mutiert zu allem Überfluss, Disneyfilm sei Pflicht, zum Familien-Gefühls-Papa, woher auch immer diese Läuterung zum Finale hin kommen soll. O.k., dann fährt Töchterchen trotz allem vorrangegangenen Papa-Protestes halt doch, und die an sich doch niedlichtraurige Begründung zuvor, warum Daddy sein Töchterchen nicht fahren lassen wollte, löst sich einfach so in Luft auf.

Nun gut, einen Film wie „Herbie Fully Loaded“ sollte man sicherlich auch nicht zu streng sehen, soll er doch nur flotte Popkorn-Unterhaltung bieten und schnell wieder vergessen sein. Dennoch muss sich auch ein solches Werk berechtigte Kritik gefallen lassen. 

Dass in Zeiten modernem Trickkinos auch Herbie selbst mutiert ist, und zwar zu einer Art freundlicher „Christine“, ließ sich wohl nicht vermeiden, ist bis auf eine völlig blödsinnige Komplettmutierszene im Hintergrund auch halbwegs o.k., obwohl es Herbie zu sehr vermenschlicht. Gerade Teil 2 erklärte dem damals noch aufgeschlossenerem Menschen, wie es sich mit der Seele von Gegenständen verhält, ohne diese gleich auf das Menschliche zu beziehen. Es ist schon interessant dass in einer Zeit, in der sich Leute gerne politisch korrekt nennen, gerade das Hineinfühlen in Andersartige kaum möglich scheint. 

Die mimischen Tricks Herbies sind simpel wie brauchbar und niedlich noch dazu. Schade dass man auf der Schrottplatzszene, in der er und seine zukünftige Fahrerin sich das erste Mal begegnen, nicht das niedliche Hupen aus Teil 1 ertönen ließ, dies hätte die sympathische Wirkung des kleinen, traurigen Käfers in dieser Phase des Films noch unterstreichen können.

Mein letzter Kritikpunkt ist wieder inhaltlicher Herkunft. Wenn man den Film schon auf eine Fortsetzung auslegt, statt auf eine Neuverfilmung, dann sollte man daraus auch die inhaltlichen Konsequenzen ziehen. So gut wie Sport-Freaks sich Daten und Personen merken können (dem Cineasten im Filmbereich recht ähnlich) müsste sich doch bitte irgendwer an Herbie erinnern können. Er war ja nun auch damals schon nicht gerade das typische Rennauto und sorgte für allerhand Schlagzeilen.

In Zeiten vom Internet stellt sich diese Frage bereits bei der Rolle Matt Dillons. Hätte er sich erkundigt würde dies auch erklären, warum er viel zu schnell vom Eigenleben Herbies überzeugt ist, während andere erst x Situationen mit dem Käfer durchleben müssen um das zu begreifen. Dies tat er nicht, und bei ihm könnte man noch, passend zu einem Comicbösewicht, argumentieren, dass er einfach zu blöde ist um auf eine solche Idee zu kommen. Warum aber jeglicher Beteiligter des Rennsports, welche Aufgabe auch immer er hat, nicht einmal von dem kleinen Käfer aus den 60er und 70er Jahren gehört hat, bleibt ein ewiges Rätsel von „Herbie Fully Loaded“.

Was manch einer als Kleinkrämerei auslegen mag, sind für mich, auch in einem Popkornfilm, kritikberechtigte Punkte. Immerhin hemmen derartige Unlogiken und die Ignoranz das Sehvergnügen des sonst so flotten Filmes. Teil 6 hätte ein gelungener Streifen werden können. Den Cast und die Tricks dazu hätte er schließlich gehabt. Was fehlte war schlicht weg der irgendwann in den 80er Jahren verschollen gegangene Mut des Disneykonzerns und die Intelligenz und den Respekt früherer Filmschaffender. Letzteres ist gerade in Fortsetzungen eine benötigte Eigenschaft, auch im Kino für das Massenpublikum.

Trotz aller Kritikpunkte möchte ich am Ende aber noch einmal betonen dass wir es hier mit einem flotten, unterhaltsamen Filmchen zu tun haben, das gekonnt routiniert sein Ding durchzieht und sich wunderbar zum einfach mal Abschalten eignet.  OFDb

29.04.2012

(K)EIN BISSCHEN SCHWANGER (2009)

Thea arbeitet in einem Verlagshaus als Sekretärin eines Mannes, der sie schlecht behandelt. Weil sie seit dem Tod ihrer Eltern für ihre jüngere Schwester sorgen muss, behält sie diesen motivationslosen Job jedoch bei. Eines Tages hört Theas Chef, wie sie über ihn lästert. Als er sie feuern will, behauptet die junge Frau, sie sei schwanger. Die Lüge rettet ihr den Job, wird jedoch lästig, wenn es darum geht die Geschichte glaubhaft bleiben zu lassen. Eine Freundin hilft ihr dabei und recht schnell findet Thea heraus, dass es einige Vorzüge hat für schwanger gehalten zu werden. Zu dumm nur, dass sie ausgerechnet jetzt den süßen Nick kennen lernt, der ihr beruflich weiterhilft, da er für den Betrieb eine Familienabteilung plant...

Weder Junge noch Mädchen: Styropor...
 
Sicherlich kommt die Geschichte von „(K)ein bisschen schwanger“ nicht innovativ daher, aber das wird wohl auch niemand erwarten der in eine Romantikkomödie mit Lindsay Lohan einschaltet, jener jungen Frau die, bevor sie eher negativ in den Boulevard-News auffiel, in Filmen zu gefallen wusste wie „Freaky Friday“ oder „Girls Club“. Die Gefahr aus einer Geschichte wie der hier vorliegenden maues Mittelmaß abzuliefern ist hoch. Ein solches Ergebnis ist Lindsey mit dem drei Jahre zuvor erschienenden Fantasyfilm „Zum Glück geküsst“ geschehen. Die Fehler die dieser machte bleiben im hier besprochenen Film jedoch großteils zu Hause.

Man beschert uns eine Hauptfigur die wir gut kennen lernen, schmeißt diese in eine verzweifelte Situation die man bestens nachvollziehen kann und lässt sie nun all die Probleme durchleben, die mit jener Notlüge einhergehen welche der Figur der Thea den Job gerettet hat. In der Phase der Rollenfindung einer Schwangeren weiß die Komödie am besten zu gefallen, auch wenn der Wandel in eine Frau, die fast schon selbst ihre Lüge glaubt, ein wenig zu extrem angegangen wird, als dass man in dieser Phase des Films ebenso mit Thea mitfühlen könnte wie zu Beginn. Aber auch trotz solcher kleinen Mankos, zu denen sich im übrigen auch das etwas arg softe Verhalten Nicks zählen darf, weiß „(K)ein bisschen schwanger“ durch seine leichtfüßige Art und freilich durch die sympathische Besetzung mit Lohan zu funktionieren.

Das Niveau einer RomCom mit Meg Ryan oder eines „Während Du schliefst“ wird dabei nicht erreicht. Aber „Labor Pains“, wie der Film im Original heißt, beweist zumindest, dass er trotz seiner Thematik nicht zum reinen Frauenfilm verkommt. Regiedebütantin Lara Shapiro erzählt trotz aller Klischees und absichtlich überzogenen Randerscheinungen eine glaubwürdige Geschichte. Die Probleme und Glücksmomente während der Schwangerschaft werden sehr natürlich vermittelt. Und wenn es zu übermäßigen Gefühlsausbrüchen kommt, was ein typisches Merkmal eines reinen Frauenfilmes wäre, passiert dies meist auf die parodistische Art. „(K)ein bisschen schwanger“ setzt in erster Linie auf die Geschichte und nicht auf gefühlstechnische oder inhaltliche Hysterie.

Während der Schluss des Films durch überraschende Schlichtheit zu gefallen weiß, und die Romanze deshalb funktioniert weil es glaubwürdig zwischen dem zukünftigen Liebespaar knistert, lebt der Film in erster Linie durch die für sein Subgenre recht vielschichtig angelegte Figur der Thea, die nie zu sehr in ein Schwarz oder Weiß rutscht. Irgendwo pendelnd zwischen verantwortungsvoll und verantwortungslos, engagiert und faul, hilflos und selbstverschuldet, Mauerblümchen und taffe Heldin, tappst sie immer zwischen diversen Rollenmustern im Alltag hin und her, was wunderbar in ihr Alter passt, ist es doch jenes der Selbstfindung.

Thea glaubt die Rolle der Schwangeren zu suchen, aber eigentlich sucht sie sich unbewusst die ganze Zeit selbst. Dass sie sich dessen nie bewusst wird, wird in einer Szene thematisiert, in welcher erst eine Kollegin das junge Ding darauf aufmerksam machen muss, dass die Lorbeeren ihrer Arbeit in ihrem Engagement steckten und nicht in der Rolle der Schwangeren. Damit folgt der auf dem ersten Blick arg plumpe Plot durchaus einem psychologisch cleveren Muster - auch in seinem Hauptanliegen, der Romantik. Thea kann erst dann das Herz des älteren Nick gewinnen, wenn sie ihre Selbstfindung abgeschlossen hat.

Da dies alles recht kurzweilig erzählt wird, kann man durchaus einen Blick auf diese Romantikkomödie werfen, so alt ihre Geschichte auch sein mag. Einen etwas größeren Humorbereich hätte der Film durchaus vertragen können. Den hatten ein „Pretty Woman“ oder „French Kiss“ zwar nicht nötig gehabt, aber besagte Kinoerfolge waren dafür um so romantischer angelegt. So sehr unsere beiden Turteltauben auch zusammenpassen mögen, ein romantisches Hoch erfüllt „(K)ein bisschen schwanger“ nie, so dass er eben mehr Witz gebraucht hätte, um etwas Besonderes zu werden. Als kleiner Film seiner Gattung weiß er jedoch zu gefallen.  OFDb