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03.08.2023

STROMBERG - STAFFEL 5 (2011)

Während bislang jede Staffel besser ausfiel, als ihre vorangegangene, ist Staffel 5 erstmals schlechter, und dies nicht nur bezüglich Staffel 4, das fünfte Jahr geht qualitativ auf ein schlichtes Niveau zurück, das bislang in der Serie nicht herrschte (nicht einmal in mäßigeren Folgen) und glücklicher Weise im darauf folgenden "Stromberg - Der Film" auch nicht wiederholt werden sollte. Der Grund im weniger geglückten Gelingen liegt in der Willkür, welche die komplette Staffel ausstrahlt, sowie in der weit weniger psychologisch cleveren Ausführung. Dass eine kaum auszumachende Handlung nicht schadet, zeigte uns Staffel 3, Staffel 5 pendelt zusätzlich jedoch orientierungslos hin und her, macht aus Stromberg wen Ranghöheres als bisher, dann wechselt er zur Schiffskasko (die übelste Episode von allen), ist wie gehabt irgendwann auf seinem Posten nicht mehr gern gesehen, weil er der Schirrrmann beweisen will, dass Job nicht alles ist, und schließlich endet alles in einer ganz dünnen Schlussfolge, die das nervige Bäumchenwechseldich-Spiel, dass jeder Mal der Chef sein darf (was in Staffel 4 mit Tanja noch mit einem Highlight begann), mit Berthold auf die Spitze der Unglaubwürdigkeit hievt, da es Nübel nicht würdig ist, derartiges zu entscheiden. Dem ergeht es wie Becker, dessen Charakter ebenfalls respektlos verändert wird, wie es den Autoren für die anvisierte Situation gerade passt. 

Hier ist wenig durchdacht, man setzt auf das Stammpublikum, das schon alles fressen wird, und das ist bei einer so hoch qualitativen Serie wie "Stromberg" sehr enttäuschend. Aber ja, die Serie ist beliebt, nicht nur bei jenen die sie vollständig verstanden haben, und wer um sinnvolle Wechselspiele zwischen Ursache und Wirkung und das Verstehen von Charakteren nichts gibt, der lacht weiter über ein diesmal viel oberflächlicheres Ergebnis, als zu erwarten war. Das heißt nicht dass Staffel 5 lediglich aus Fehlern besteht. Folge 4 und 5 bieten sogar das gehobene Niveau in Sachen Unterhaltung und Intelligenz, welches man sonst von kompletten Staffeln kannte. Aber die sind leider Ausnahme inmitten der Orientierungslosigkeit um Strombergs Bemühen Schirrmanns Herz zu erobern, gleichzeitig mit der Chefetage mithalten zu können und Ulf beim Versuch Karriere zu machen zuzusehen. Berthold nervt, wie man es von Staffel 3 an gewohnt ist, bekommt aber die gute Idee beschert, nun für die Kirche tätig zu sein (auch die Idee warum seine Beteiligung an der Jugendfreizeit beendet wird, gehört zu den guten Momenten). Dass Ulf den Schlüssel zum Büro nicht erhält, die kompletten Sitzungen in der Chefetage, Tanjas soziale Inkompetenzen beim Beistehen ihres Mannes, das sind alles Pluspunkte dieser Staffel. 

Aber ein schrecklicher Praktikant (und dies nach dem so toll besetzten aus Staffel 4), das dämliche Schusswaffenspiel im Büro, das billige Abarbeiten von Standards (um Leute wie den Kantinenmann untergebracht zu bekommen), das Überspringen von Szenen, damit nicht zu sehr auffällt wie konstruiert gerade alles ist (wie hat Tanja Jennifer bitte dazu bekommen mit shoppen zu gehen?) und besagte große Schnitzer im Handlungsverlauf und der psychologischen Glaubwürdigkeit machen aus dem fünften Jahr nicht nur eine schwächere Staffel, sondern tatsächlich eine derart schlechtere, dass sie des öfteren zum Fremdschämen einlädt und einen somit nicht einmal mehr entspannt zu unterhalten weiß. Für den weit besseren Kinofilm, der final folgen sollte, wurden die meisten Ereignisse dieser plumpen Serienphase ignoriert.  Wiki

24.07.2023

STROMBERG - STAFFEL 1 (2004)

Wenn man einmal bedenkt welch blasse Blaupause die US-Version "The Office" im Vergleich zur britischen ist, ist es umso schöner zu sehen wie geglückt die deutsche Variante ausgefallen ist. Auch sie kommt nicht an die geniale Originalserie "The Office" heran, ist aber ebenfalls eine weit überdurchschnittliche Serie, die unterschiedlichste Humorrichtungen integriert und jede Menge feine, wie grobe Gesellschaftsbeobachtungen vorweist, um diese satirisch durch den Kakao zu ziehen. Mag es auch hier um die Zusammenlegung zweier Abteilungen eines Büros gehen, Stromberg verlegen die Krawatte streicheln, so wie es David Brent im Original tat, und zwei Kollegen, die nebeneinander sitzen, eine Fehde austragen, unterschiedlicher könnten die Serien trotzdem kaum ausfallen, so verankert wie die Mentalität des jeweiligen Landes in beiden Serien ist, und so anders wie die Figuren hier charakterisiert sind.

Ulf kommt als Mobber seines Sitznachbarn und als Flirtender mit der attraktivsten Bürokraft der Abteilung seinem britischen Original noch am nächsten, ist aber selbtbewusster als dieser charakterisiert und hat im Laufe des ersten Jahres bereits Erfolg mit der Annäherung an die Love Interest (wobei hier eher das instinktive Baggern, anstatt ein Verliebtsein, zur Motivation wird). Tanja, so ihr Name, ist im Gegensatz zu ihrer britischen Vorlage eher karrierebewusst und frisch Single. Berthold, der Außenseiter der Firma (was sich schon in der von ihm ungewollten Namensgebung Erni seiner Kollegen widerspiegelt),  ist im Gegensatz zur Version aus England ein kindisches, auf sich fixiertes, ewiges Mobbingopfer und dies schon lange vor seiner Arbeit im Büro. Zwar wird auch er mit Chefallüren ohne Chef zu sein charakterisiert, wie sein britisches Gegenbild, dies aber ohne Rückgrat versehen, optisch zum schwitzenden Dämlack gemacht und ohne den militärischen Hintergrund versehen, der für die Vorlage so wichtig war. 

Am deutlichsten wird der Unterschied zum Vorbild, welches man erst nach einer Klage von Ricky Gervais ab der zweiten Staffel im Abspann offiziell zugestand, in Bezug auf die Hauptrolle. Stromberg ist kein Entertainer wie David, er ist ein Überlebenskünstler. Er beherrscht nicht einmal die grundlegenden Anforderungen an seinen Beruf, geschweige denn jene seiner Untergebenen, hat sämtliche Entwicklungen seit seinem Aufstieg verschlafen, bislang eine ruhige Kugel geschoben, und nun, aufgrund besagter Zusammenlegung, rückt er plötzlich ins Visier der Vorgesetzten, wo er zwar nicht sein Können beweisen kann, aber strategisch über Leichen gehend versucht sich anderweitig über Wasser zu halten. In seinen Worten und seinem Tun spiegeln sich Dreistigkeit, Verzweiflung, Inkompetenz und Selbstüberschätzung weit mehr ab als gekonnte Strategie. Im Kampf um den Erhalt seiner Position wird keine Rücksicht auf wen anders genommen, während er dem Fernseh-Team, das ihn auf Schritt und Tritt begleitet ("Stromberg" ist ebenso wie "The Office" als Fake-Doku angelegt), weiß machen möchte, was für ein sozialer Team-Player er sei und welche Stärken und Fähigkeiten er im Gegensatz zu jedem Vorgesetzten und seinem direkten Konkurrenten besitzt. 

Gerade in den Monologen Richtung Kamera beweist Stromberg seine Fahne nach dem Wind, seinen ständigen Wechsel von Meinungen, Strategien, Mentalitäten und Charaktereigenschaften, Methoden die zum Leid seiner Mitarbeiter führen und zum Ärger seines Konkurrenten, der Vorgesetzten, ja sogar des Kochs der Kantine. Dass eine Person wie Stromberg ausgerechnet eine Frau zur Vorgesetzten hat, wird nicht ganz so ausgekostet, wie im Original, dies etwas subtiler und nebensächlicher eingebracht, als in der ansonsten weit feinfühligeren Vorlage "The Office", dafür aber die Linientreue der Position stärker hervorgehoben als dort, was die Chefin Strombergs zum noch unangenehmeren Charakter als die Hauptfigur selbst macht. Dies gibt den Autoren die Chance Stromberg auch berechtigte Momente des Ärgers und der Verzweiflung zu bescheren, denn trotz jeglicher absichtlich übertriebenen Comic-Komik bleibt er ebenso Mensch, wie die restliche Figurenschar, mit Ecken, Kanten, Graustufen, guten und schlechten Seiten, was wichtig ist für eine Serie, die das tatsächliche kaufmännische Berufsleben trotz satirischer Spitzen lebensecht per Fake-Doku aufs Korn nehmen möchte. 

Eher plump fällt im ersten Jahr die Figur der Erika aus, die kein Vorbild aus dem britischen Vorgänger besitzt, und eingebaut wurde, um die klassisch gesellige Bürokraft zur Unterstreichung der anvisierten Authentizität mit an Bord zu haben. Abgesehen vom Running Gag zum letzten Drittel der acht Folgen lang laufenden Staffel 1, dass ihr ständig gekündigt wird, darf sie als mollige Person stets für Witze rund ums Essen herhalten und zum Gegenstück der attraktiven Tanja werden. Aber nicht nur sie reift im Laufe der kommenden Staffeln, die komplette Serie findet sich lange Zeit von Staffel zu Staffel immer mehr selbst. Umso erstaunter darf man sein, wie grandios schon das erste Jahr ausgefallen ist. Einzig Berthold erlebt bereits hier und im Folgejahr seinen Höhepunkt, bevor Fehlentscheidungen seinen Part in der Serie immer mehr zum Störfaktor machen. Aber davon berichte ich ein andermal.  Wiki

31.08.2022

EIN MORD MIT AUSSICHT (2015)

Nach drei unterhaltsamen Staffeln beschloss Nebendarsteller Bjarne Mädel nicht mehr an "Mord mit Aussicht" teilzunehmen, da der Sender die Drehzeiten immer stärker verkürzte und das kreative Arbeiten damit eingeschränkt wurde. Das führte zu einem kompletten Schluss der Serie, so dass diese in einigen Punkten relativ offen endete. 2015 kam doch noch ein Nachzügler in Spielfilm-Form daher, der alle wichtigen Schauspieler der Reihe (ausgenommen den Darsteller des soften Tierarztes) aus der Reihe wiedervereinte - inklusive Bjarne Mädel - um die Geschichte um Sophie Haas zu Ende zu erzählen. Leider mangelt es am Charme der Serie, allein schon weil die Dorfmentalität um einen Plot, der Sophie unter Mordverdacht bringt und deswegen zum großen Teil im Verhör spielt, kaum greifen kann. Das war einer der Pluspunkte der Serie schlechthin, welch merkwürdige Entscheidung. Zwar reflektiert das Drehbuch meiner Meinung nach die unsympathischen Seiten der Hauptfigur deutlicher, als es die Serie tut, viele weitere Drehbuchentscheidungen muten hingegen negativ an. 

Am meisten verärgerte mich der Einsatz der untergebenen Polizeikollegen Haas'. Bärbel kommt arg dümmlich daher, soll psychologisch lediglich beeinflusst durch die Mutterhormone sein, nervt damit jedoch zu einem Großteil penetrant und wirkt nicht mehr dörflich naiv, wie zu Serienzeiten, sondern wie erwähnt dümmlich. Während Mädel sehr genau weiß wie seine Figur geartet ist und diese dementsprechend konsequent und professionell wie man es von ihm gewohnt ist zu verkörpern weiß, meint das Drehbuch aus dem Tierdoku-Freund nun einen Western-Begeisterten zu machen, so dass der Film immer wieder mit Western-Fantasien des Mannes stört, eine krampfhaft eingebaute neue Eigenschaft, die schlichtweg keinen Charme, geschweige denn einen Mehrwert zu erfüllen weiß. Und eine genervte Kollegin Haas' aus einem benachbarten Bezirk, die sich all das Geschwätz der Polizei aus Hengasch im Verhör anhören muss, versteht man rein menschlich mehr als die liebgewonnenen Stammfiguren, was die Gewichtung des Streifens in meinen Augen fehlerhaft macht. Sicherlich stimmt manches Witzchen, hin und wieder tritt auch der Charme der Serie auf, und ein kleines Gefühlswunder kommt auf, wenn ausgerechnet Frau Schäffer über ihren Schatten springt, um Sophie zu helfen, aber da gab es diesbezüglich intensivere Momente in der ursprünglichen Serie zu erleben, als dass diesem Moment und den anderen aufblitzenden Stärken eine immense Bedeutung zuzuschreiben wäre. 

Zumindest findet man in "Mord mit Aussicht - Der Film" (Alternativtitel) nun einen zufriedenstellenden Schlussstrich. Aber der Weg dahin ist leider nicht zufriedenstellend. Da jede Geschichte dennoch weiter erzählt werden kann, versuchte Hauptdarstellerin Caroline Peters noch lange Zeit Produzenten und TV-Intendanten von einer Wiedererweckung der Serie zu überzeugen, dies jedoch erfolglos. Umso unverschämter kommt die Tatsache daher, dass 2022 eine Staffel 4 erschien, welche die Hauptfiguren austauschte und abgesehen von wichtigen Nebenrollen somit in neuer Besetzung daher kam.  OFDb

09.03.2022

DER KLEINE MANN (2009)

"Der kleine Mann" ist eine TV-Serie, welche der "Stromberg"-Autor Ralf Husmann für Bjarne Mädel speziell geschrieben hat. 4 Folgen der 8teiligen Serie inszenierte "Stromberg"-Regisseur Arne Feldhusen persönlich. Deswegen erwarteten wohl viele eine ähnlich scharf-bissige Comedyserie. "Der kleine Mann" ist jedoch anders gedacht, bleibt zwar auch gesellschaftskritisch, kommt aber weit zahmer daher. Dementsprechend reicht er nicht aus dem Schatten heraus, den die Vorgängerserie wirft, dabei ist jeder Vergleich an diese ohnehin ungerecht und unsinnig noch dazu. Sonderlichen Erfolg heimste "Der kleine Mann" nicht beim Publikum ein. Ob man auf Produktionsseite mit einer zweiten Staffel liebäugelte, zu der es dementsprechend nie kam, oder ob der 8-Teiler so wie vorhanden fertig konzipiert war, weiß ich nicht, der Schluss eignet sich für beides und weiß in seiner Pointe zu gefallen. 

Bedenkt man einmal, dass das Produktionsstudio auch den arg mauen "Dr. Psycho" hervorbrachte, kann man froh sein, dass der Einfluss dieser Serie sich ebenfalls nicht stark auf das hier vorliegende Produkt ausgewirkt hat. Man erkennt eine kleine Verwandtschaft in der Person des Kollegen von Rüdiger, der gern der Manager von ihm wäre, und meiner Meinung nach als ständig auftauchende Nebenfigur den Schwachpunkt an der Serie ausmacht. Ansonsten gibt es für die kleine Unterhaltung zwischendurch jedoch nichts zu meckern und "Der kleine Mann" bleibt ebenso wie die beiden Vergleichsserien ein eigenständiges Produkt für sich. Dieses lebt nicht nur, aber zu einem guten Teil, von der gewohnt großartigen Darbietung Bjarne Mädels. Und Autor Husmann schafft es meist ihn und die Situationen, die seine Rolle durchlebt, lebensecht wirken zu lassen. Selten wirkt mal ein Off-Kommentar zu gewollt (die einzige tatsächliche Gemeinsamkeit zu "Stromberg"), ansonsten schafft das Drehbuch stets den Spagat aus Glaubwürdigkeit mit einem Hauch Comicübertreibung. Die restlichen Figuren sind jeweils passend besetzt, bishin zu jedem einzelnen Kurzauftritt. Hier gibt es wahrlich nichts zu meckern, so dass "Der kleine Mann" gar nicht erst zu einer One Man Show Mädels verkommen kann - ein Zustand den auch keiner der Beteiligten je gewollt hätte, das merkt man der fruchtsamen Team-Arbeit an.

Nicht immer erlebt ein Folgenfinale ein Happy End, ein Hauch Tragik weht ohnehin meist mit, ohne dabei gleich zur Tragikomödie zu werden, lediglich der angenehm bittere Schluss rechnet etwas arg gnadenlos mit einer Figurenschar ab, die ansonsten in der Serienmentalität als typisch menschlich fehlerhaft dargestellt wird. Das mag ein theoretisch gekonnter Kniff des Autors gewesen sein, um den Zuschauer in die Irre zu führen, es verleiht der Geschichte gegen Ende meiner Meinung nach jedoch eine Härte, die sie gar nicht nötig gehabt hätte. Ohnehin gefällt mir die erste Hälfte etwas besser als die zweite, eben weil Rüdiger in den letzten 4 Folgen stärker im Bewusstsein seiner Popularität angekommen ist. Das gibt der Geschichte zwar interessante Möglichkeiten aufzuzeigen, warum der ursprünglich nie um Ruhm bemühte Werbeträger der titelgebenden Schnapsfirma immer wieder doch der Verlockung nachgibt weiter zu machen, die Serie bleibt also auch in dieser Phase interessant und durchdacht, aber die zwischenmenschlich harmonischere erste Hälfte sagte mir einfach mehr zu. Meiner Meinung nach hätte die Verlockung des Ruhms erst Teil einer zweiten Staffel werden können und Staffel 1 sich bis zum Schluss auf die Schwerpunkte der ersten Hälfte konzentrieren können.

Nichtsdestotrotz funktioniert "Der kleine Mann" auch wie abgeliefert. Höhepunkt der zweiten Hälfte ist die Folge, in welcher Rüdigers Schwiegervater auftaucht, dessen Auftritte alle gekonnt tragikomisch wirksam für die Gesamtgeschichte eingefangen werden. Zudem weiß ein innereigenes Fazit Rüdigers irgendwo in der Mitte der Geschichte angekommen zu gefallen, in welchem es heißt dass er nicht das Arschloch ist, für das er von der Öffentlichkeit gehalten wird, aber vielleicht einfach eine andere Art Arschloch ist. Denn so sehr Rüdiger auch immer wieder missverstanden wird oder aufgrund seiner Naivität in Schwierigkeiten gerät, er wird nicht rein unschuldig gezeichnet und ist mehr als nur der ahnungslose Narr. Gut und Böse verschwimmen wie bei jedem Menschen, was gekonnt auf authentische Art eingefangen wird. Rüdigers Egoismus ragt zunächst subtil heraus, dann mit der Zeit immer deutlicher, gerade auch in jeglichen Situation mit der treffsicher besetzten Ehefrau bemerkbar. Kurzum ist auch die weniger auf bissig getrimmte Zusammenarbeit wichtiger "Stromberg"-Beteiligter gekonnt reflektiert und durchdacht und damit alles andere als plump und trivial. Vielleicht war es den meisten Zuschauern etwas zu viel Anspruch und Realität für eine sich trotzdem eher für den leichten Schmunzler anbietende Unterhaltungssendung für zwischendurch. Und das würde ja wiederum irgendwie zur Meinung Rüdigers über den deutschen Film passen.  OFDb

30.05.2021

SÖRENSEN HAT ANGST (2021)

Bjarne Mädel als Polizist auf dem Dorfe, da denkt man zunächst unweigerlich an "Mord mit Aussicht". Doch wer hier einen amüsanten Stoff wie dort sucht, oder allgemein wie in Mädels größten Erfolgen, der irrt, entpuppt sich "Sörensen hat Angst" doch als bitterböses Drama. Mit der falschen Erwartung schien man psychologisch betrachtet jedoch bewusst zu spielen, wirken die Charakterzeichnungen mit ihren fragwürdigen Schrulligkeiten, die aufgrund fehlender Sympathiefiguren kein gutes Bild vom Dorfalltag zeichnen, doch zunächst leicht humoristisch, so als wolle man einen satirischen Blick hinter das Klischee des heile Welt-Alltags auf dem Dorfe schaffen. Egal ob Ermittler, Randfiguren, Täter, sie alle wirken, mal tiefer beleuchtet, mal nicht, nur mit sich selbst beschäftigt und nicht zur Empathie, geschweige denn zum grundlegenden sozialen Umgang, fähig. Und was zunächst überraschend zurückhaltend humoristisch bezüglich der Dorfmentalität und den Charakterzeichnungen der Figuren wirkt, wird zur knallharten Abrechnung mit einer Dorfgemeinschaft, die sich den bitteren Wahrheiten vor Ort nie gestellt hat. Das Bild des Films, der auf einem Roman von Sven Stricker beruht, der auch für das Drehbuch zuständig war, ist arg pessimistisch gezeichnet, etwas zu stark für meinen Geschmack, und spätestens wenn der Zuschauer versteht, um was es im Mordfall tatsächlich geht, vergeht ihm das Lachen endgültig, und die Bitternis breitet sich über das Gesamtwerk aus. 

Das hervorragende Spiel Bjarne Mädels, der hier erstmals Regie führte, hebt das zu übertrieben auf düster getrimmte Projekt qualitativ an, und auch die Realitätsnähe vieler Figuren weiß "Sörensen hat Angst" ein gewisses Niveau zu bescheren. Letztendlich konzentriert sich der Film aber weder genügend auf den Angsthintergrund des Protagonisten, noch zu genüge auf den Kriminalfall, so schnell wie Wendungen und Ermittlungsfortschritte fast schon lieblos eingearbeitet werden. Andererseits wirkt der Plot nie undurchdacht, trifft das was er jeweils thematisiert auf den Punkt und trumpft mit der Außenseiterposition der Hauptfigur, die ironischer Weise eigentlich hervorragend in dieses Dorf hinein passt. Auch manch originelle Idee, wie jene, dass der am wenigsten im Vordergrund stehende Ermittler, ein Berufsanfänger, derjenige bei der Polizei ist, der für die meisten neuen Erkenntnisse verantwortlich ist, weiß zu gefallen, und die Ironie am Ort der erhofften Ruhe die wahrscheinlich schlimmsten psychisch belastenden Berufserfahrungen zu machen sowieso. Mir kam der Umgang mit dem Hintergrund der Taten jedoch trotz sich ehrlich anfühlender Mitleidsbekundungen zu unsensibel angegangen vor. Das Buch versucht nicht den Ablauf dessen was geschah nachvollziehbar zu rekonstruieren, sondern stellt uns vor vollendete Tatsachen, die oberflächlich abgefertigt werden. Ich glaube ich habe aber auch einfach nur ein gewaltiges Problem mit diesem traurigen Thema und wurde von diesem innerhalb eines Werkes, das ich für seichte Unterhaltung hielt, schlichtweg überrumpelt. Bei jeder anderen düsteren Wendung hätte ich mich über einen derartigen Irrtum gefreut, aus der Wohlfühlzone gerissen wurde mein Blick auf den Film jedoch immer theoretischer und damit vielleicht auch zu kritisch, um ihn im Umgang mit dieser schwierigen Thematik fair beurteilen zu können.  OFDb

13.09.2014

STROMBERG - DER FILM (2014)

„Stromberg“ war ein Phänomen im deutschen TV und überraschte als Ableger der noch genialeren britischen Serie „The Office“ 5 Staffeln lang mit einer gewissen deutschen Eigenständigkeit gegenüber dem Original und 4 Staffeln lang mit einem hohen Niveau, das erst mit einer erschreckend schlecht geschriebenen und mau inszenierten 5. Staffel sein Ende erfuhr, trotz gleicher Autoren und gleicher Regie. Mit entsprechend geringen Erwartungen bin ich an den abschließenden Stromberg-Film herangegangen. Aber meine Sorge war unbegründet. Nach der Enttäuschung der letzten Staffel erreicht der Film fast wieder das Niveau der Serie und erzählt eine großartige letzte Geschichte, die zwar Staffel 5 nicht rückwirkend sanieren kann, dafür aber weitestgehend ignoriert.

Einzig ein kurzer Verweis auf das religiöse Leben Heisterkamps, die neue Chefposition Strombergs und der ehemalige Auszubildende erinnern an den Tiefpunkt der Serie, und es ist auch einzig besagter Auszubildender, der dem Film leicht schadet. Da hätte man mal lieber den Azubi aus Staffel 4 einbauen sollen. Aber was sich nach solchen Überlegungen wie ein für Außenstehende undurchsichtiger Film mit Serien-internem Wissen anhören mag, ist überraschender Weise durchaus für Neulinge guckbar, auch wenn es freilich als Kenner der Serie mehr zu lachen gibt, inklusive zahlreicher Insiders im Abspann, von welchen der Verweis auf „The Office“, vorgetragen vom Chef-Autor der deutschen Serie, zu den Highlights zählt.

Wieder geben sich Realitätsnähe und comichafte Übertreibung die Hand, Albernheiten und Tragikomik ebenso, und wieder blickt der Humor kritisch auf die Realität in Deutschland und begeht damit Kritik am System, am deutschen Denken und Tun und ganz besonders am Arbeitsmarkt. Mit einer völlig unerwarteten aber konsequenten Wendung Richtung Finale ruft „Stromberg - Der Film“ gar zur Gegenwehr auf, macht den deutschen Angestellten und Arbeitern Mut, zeigt bewusst aber auch den Stinkefinger, wissentlich dass es immer die gedankenlosen Schwätzer sein werden, die zum Zugpferd einer Bewegung werden.

Was den übertriebenen Comicbereich betrifft: der war eigentlich immer Ernies Revier, ist es freilich bezogen auf die Extreme der Rolle immer noch, aber den wirklich realitätsfernsten Part haben diesmal die sonst so lebensnahen Ulf und Tanja beschert bekommen, deren übertriebenes Abenteuer bezüglich eines Pflegekindes so lustig eingebaut wird, dass man sich an der künstlich geschaffenen Grundlage Tanja könne je so tief sinken gar nicht mehr stört. Die Geschichte um ein gerade zwanghaft zusammenwachsendes Trio weiß zu wirken, und da Tanja und Ulf innerhalb der Serie ohnehin schon jegliche Basis durch hatten kalte Partnerschafts-Bilder der Moderne zu parodieren, ist zwischen den beiden ohnehin alles erzählt gewesen. Im Vergleich zur Serie rutschen sie deswegen auch ein wenig in den Hintergrund.

Aber das ist streng genommen der Leidensweg einer jeden Nebenfigur, denn „Stromberg - Der Film“ setzt verstärkt auf die Hauptfigur, und das wird um so dominanter, je mehr sich der Film Richtung Ende arbeitet. Ähnlich wie bei „Die Simpsons - Der Film“ tut das dem Werk jedoch erstaunlich gut. Und da man jegliche Figur und Situation mit dem nötigen Respekt und der für die Serie typischen verstandenen Psychologie versieht, kommt trotz geringerer Screentime keiner wirklich zu kurz.

Trotz einiger lauter Momente, z.B. wenn Stromberg mal wieder zum Entertainer seiner Firma wird, kommt der stille, subtile Humor der Serie nicht zu kurz. Auch die mimischen Kleinigkeiten und weitere versteckte Verweise sind wie gehabt enthalten. „Stromberg - Der Film“ bleibt wie die Serie und ihr britisches Vorbild ein Meer unterschiedlichster Humor-Formen und lebt von der professionellen Besetzung in so ziemlich jeder Rolle. Positiv hervorstechen tut als Neuzugang der neue Vorgesetzte Strombergs, und einige längst überfällige Ehemalige erfahren im Kinofilm eine Wiederkehr, welche die lange Wartezeit ihrer Rückkehr ins Stromberg-Universum wieder wett macht.

Kennern wie Nichtkennern der Serie sei „Stromberg - Der Film“ ans Herz gelegt. Zwar hinkt der Film den gelungenen 4 Staffeln leicht hinterher, aber nach der enttäuschenden 5. Staffel ist es eine Erleichterung zu sehen, dass sich Autor und Regie doch noch einmal zu einer Höchstleistung motivieren konnten und dabei nicht nur ein Werk geschaffen haben, welches lediglich die TV-Serie auf die große Leinwand transferiert, „Stromberg - Der Film“ ist auch von der Geschichte her großes Kino, auch wenn es eine Zeit lang dauert bis man den Unterschied zur TV-Erzählung bemerkt.

„Stromberg - Der Film“ gilt zu Recht als das letzte Kapitel. Zumindest würde meiner Meinung nach eine Weiterführung der Geschichte keinen Sinn mehr ergeben. Der Kinofilm zieht einen großartigen, intelligenten und konsequenten Schlussstrich der kompletten Erzählung seit Staffel 1 und schafft es damit die vor 10 Jahren in Angriff genommene Grundidee zu einem sehr gelungenen Schluss zu führen.

Für den Nichtkenner der Serie ist „Stromberg - Der Film“ eine intelligente Satire auf die Welt der Großkonzerne, versehen mit vielen lauten Lachern, noch mehr kleineren Lachern und einer Schar interessanter Figuren, die man schnell kennen gelernt und liebgewonnen hat. Viele werden sich sicherlich hinterher interessiert der Serie zuwenden, welche den Großteil der Zuschauer ursprünglich erst in den Film gelockt hat. Schön dass die durch Zuschauer mitfinanzierte Kinoproduktion in beide Richtungen funktioniert.  OFDb

26.07.2012

DIE KÖNIGE DER NUTZHOLZGEWINNUNG (2006)

Krischan kommt nach 12 Jahren in sein Heimatdorf im Harz zurück, ein Ort in dem er sich durch sein Verschwinden viele Feinde gemacht hat. Obwohl er ihnen Schulden beschert hat, kann er zwei alte Freunde überreden, mit ihm eine Holzfällermeisterschaft zu organisieren. Unterstützung erhalten die drei Arbeitslosen nicht, also wird der Wettbewerb umfunktioniert in eine Meisterschaft, bei der nur Arbeitslose antreten dürfen...

Schnapskopf mit Holzidee...
 
„Die Könige der Nutzholzgewinnung“ erzählt grob betrachtet eine recht schlichte Geschichte, da muss man sich nichts vormachen. Aber dieses kleine Stück Heimat-Komödie geht über den Plot des in den Geburtsort Heimkehrenden und jenen des Verlierers, der seiner Vision folgt, hinaus. Zwar plätschert der Film fröhlich vor sich hin, doch er erlangt Tiefe dadurch, dass er die Arbeitslosensituation in Deutschland ernst nimmt, die Betroffenen glaubwürdig widerspiegelt und sich für diese Thematisierung einen Ort aussucht der auf ganz spezielle Art betroffen ist.

Nun begeht Keilichs Film auch nicht den Fehler seine Geschichte, so wie es eigentliche Trivialunterhaltung zeigen würde, zu blauäugig zu betrachten. Die realistische Erzählweise lässt einen von Beginn an daran zweifeln ob private wie berufliche Ziele Krischans tatsächlich zum Erfolg führen. Das Drehbuch verschönt nichts, und weder Gesellschaft noch Staat kommen umhin Schelte einzukassieren.

Da kommt es dementsprechend gut, dass die Hauptfigur Krischan weit davon entfernt ist ein Sympathiecharakter zu sein. Zwar lässt sein Charakter Hoffnung auf Besserung aufkommen, immerhin kümmert er sich innerhalb seiner Grenzen liebevoll um seinen Sohn von dem er nichts wusste, aber Krischan ist schlichtweg zu dumm, um es besser zu wissen und baut dementsprechend durch mangelnde Bildung, seine schwanzgesteuerte Lebensart und seiner mangelnden Selbstreflexion immer wieder Fehler, die Menschen verletzen und in Schwierigkeiten bringen.

Krischan wird glaubhaft verkörpert durch den talentierten Schauspieler Bjarne Ingmar Mädel, den die meisten wohl als Berthold bzw. Ernie aus „Stromberg“ kennen, eine Rolle die der hier gespielten so gar nicht ähnelt, was wohl auch die Herausforderung war, erst recht wenn man als Schauspieler so stark mit seinem populären Part identifiziert wird. Schön dass Bjarne diese Chance ergriff, zumal er sich erneut als Kenner eines guten Stoffes erweist, etwas das nicht jeder in „Die Könige der Nutzholzgewinnung“ gesehen hätte.

Bislang war dies leider die letzte Regiearbeit von Matthias Keilich, der zuvor lediglich „Nicht Fisch, nicht Fleisch“ fertig stellte und den Kurzfilm „Zu“. Man muss jetzt nicht zwingend von einer großartigen Regiearbeit reden, aber immerhin schafft es Keilich seine Geschichte authentisch wirken zu lassen, und das ist ein Talent welches gerade deutsche TV-Projekte zur Zeit benötigen würden. Keilich schrieb auch das Drehbuch zum hier besprochenen Film, somit kann man ihm gleich zweifach zum positiven Ergebnis gratulieren.
 
Letztendlich bleibt die Geschichte eine Spur zu schlicht, um dem Film nun ein komplett gutes Ergebnis anzuerkennen. Dramaturgie und Inhalt sind selbst für ein authentisches Material etwas rar vorhanden. Vielleicht fiel es mir auch etwas zu schwer Krischan mit all seinen Fehlern, die ihn menschlich (gewollt) unsympathisch wirken lassen, als Identifikationsfigur anerkennen zu können. Ich konnte nicht wirklich mit einem Mann mitfiebern, der andere Arbeitslose austricksen möchte um das Preisgeld nicht bezahlen zu müssen. Das ist für die Geschichte zwar von Vorteil und lässt den Film ungewöhnlich erscheinen, auf der anderen Seite wollte der Regisseur jedoch scheinbar, dass man während des Wettbewerbs mit den Hauptfiguren mitfiebert. Das lässt die Art der Inszenierung zumindest vermuten. Und das ist nicht drin.

Dennoch sei Freunden deutscher Kost „Die Könige der Nutzholzgewinnung“ ans Herz gelegt. Er schafft es ähnlich wie „Schokolade für den Chef“ leichte Kost mit treffsicherer Gesellschaftskritik zu kombinieren. Dank hervorragender Darsteller (neben Mädel in erster Linie Frank Auerbach) wird die manchmal etwas banal erscheinende Geschichte dennoch zu einem kurzweiligen, charmanten Erlebnis für den Zuschauer.  OFDb