Und spätestens wenn John Lithgow als bösartiger Industrieller comicartig den Schurken mimen darf, ist "Santa Claus - Der Film" (Alternativtitel) auf seinem Hoch, teilweise mit Verweisen auf die echte Welt, die eher für einen Erwachsenen anstatt für ein Kind verständlich sind. Bis es soweit ist macht sich das Drehbuch die Mühe die Entwicklung Santas und der Welt zu zeigen, die er beschenkt. Das sorgt für Veränderungen in seiner Vorgehensweise (z.B. mit der Entscheidung böse Kinder nicht mehr zu beschenken) und mündet im Luxusleben der Gegenwart, in welcher das olle selbstgefertigte Holzspielzeug des Weihnachtsmannes bei den Kindern kaum noch gefragt ist. Dass alles mit einem Happy End schließt, ist für niemanden eine Überraschung, und am Ende darf jemand wie ich, der echte Probleme mit Filmen rund um Weihnachtskitsch hat, sich wundern warum das Ganze auch in den weniger lustigen Szenen halbwegs gut funktioniert hat. Freilich vergebe ich dennoch die Bewertung, wie ich den Film hauptsächlich empfand, wissend dass Freunde derartiger Stoffe das Reinschalten hingegen keineswegs bereuen werden. Wenn es nach mir gegangen wäre, hätte man Lithgow mehr in den Mittelpunkt hieven können, so sehr wie seine verspielte Darstellung des Bösewichts die Stimmung des Streifens bereichert. Aber dann wäre "Santa Claus - The Movie" (Alternativtitel) ein ganz anderer Film geworden. OFDb
Von einem der daheim blieb, um die weiten Welten des Films zu entdecken...
10.09.2021
SANTA CLAUS (1985)
FRIEDHOF DER KUSCHELTIERE (2019)
Damit geht nicht nur der Hintergrund des Originals verloren (die Beweggründe werden empathielos abgefrühstückt), es wird auch kein anderer sinnvoller Hintergrund gesetzt. Von Ursache und Wirkung hat man so wenig Ahnung wie von psychologisch sinnvoller Figurenzeichnung. Dementsprechend plump fällt auch das Traumata der Mutter aus, deren Betreuung ihrer geistig zurückgebliebenen Schwester im Buch und im Original so gruselig umgesetzt war. Auch hier wird lediglich auf reißerischer Ebene gearbeitet, anstatt ein packendes Szenario nachvollziehbarer Angst zu kreieren. Einzig die Schlusspointe des Films weiß zu gefallen, aber da diese eben nur auf Vorereignissen aufgebaut hat, die aufgrund mangelnder Glaubwürdigkeit nicht zu überzeugen wussten, steht sie für sich alleine da. Zumindest entschied man sich mit Blick auf das Bonusmaterial der DVD für den besseren Schluss beider abgedrehter Versionen. Alles andere kann man lediglich als Fehleinschätzung betrachten. Manchmal sollte man sich einfach an das vorliegende Rezept halten, zumindest dann wenn man keine Ahnung hat wie man ein psychologisch überzeugendes Drehbuch schreibt. OFDb
15.08.2021
DEXTER - STAFFEL 4 (2009)
Dass die Rolle der Ehefrau immer unnötiger, und dank des amerikanischen Rollenverständnisses zwischen Mann und Frau für europäische Augen auch immer unangenehmer wird, liegt leider in der Natur der Sache. Weiß man aber, dass die vierte Staffel u.a. dafür da ist, um derartige Unannehmlichkeiten zu entschlacken, damit die Serie sich in Zukunft mit weniger Ballast weiter entwickeln kann, geht man bei einer erneuten Sichtung besser mit diesen unangenehmen Phasen innerhalb einer Geschichte um, die insgesamt routiniert genug erzählt ist, um auf schlichterem Wege als bisher dennoch zu gefallen. Zwar erleben wir in Staffel 4 erstmals und letztmals Folgen, die völlig missglückt sind, aber zuvor und danach ist die Geschichte und das Schicksal der meisten Figuren interessant und spannend genug gehalten, um den Zuschauer neugierig dran bleiben zu lassen. Leider sind die beiden Tiefpunkte mit Folge 9 und 10 auch noch hintereinander zu besichtigen, so dass man die missglückte Phase auf Spielfilmlänge durchstehen muss, was hart ist, so extrem wie diese nervt und zum Fremdschämen einlädt. Neue Erkenntnisse werden dort mit dem Holzhammer voran getrieben und bieten nicht jenen bedeutenden Überraschungsmoment, den sich das Autoren-Team wohl gewünscht hat. Wenn Debra gegen Ende der Staffel das Geheimnis um Dexters familiären Ursprung erfährt, bekommt die Staffel ein letztes Mal einen deutlichen Schwachpunkt beschert, zeigt man hier doch erneut den Mangel an psychologischem Verständnis. Spielten Staffel 1 und 2 mit der konsequenten Überlegung, dass ein Aufdecken dieses Geheimnisses alle weiteren aufdecken würde, wird in Staffel 4 das Ausmaß von diesem nicht mehr erkannt oder schlichtweg ignoriert und lediglich für magere Dramatik genutzt.
Aber Staffel 4 bietet nicht nur Tiefpunkte und funktionierenden Durchschnitt. Auch die schlechteste aller 8 Jahre "Dexter", die laut Internet zu meiner Überraschung von vielen Zuschauern als eine der besten gefeiert wird, weiß auch Stärken zu besitzen. Das beginnt mit der großartigen, facettenreichen Darbietung John Lithgows als Trinity, setzt sich fort innerhalb der vielen tragischen Ideen rund um Lundy und zeigt sich auch in den wenigen, sinnvollen, psychologischen Konsequenzen der Weiterentwicklung der Serien-Gesamtgeschichte, allen voran in der finalen Wendung. Auch wird die Randfigur des Quinn nun interessanter gestaltet und erstmals mit tragischen Aspekten versehen, so rund wie ab Staffel 5 funktioniert die Figur jedoch noch nicht. Masuka hingegen wird eher verheizt, anstatt würdig genug weiter entwickelt, so schlimm wie Laguerta und Batista wird allerdings mit keiner weiteren Figur umgegangen. Zumindest findet sich aber selbst in dieser übelsten aller Entscheidungen ein Lichtblick, sind die Begegnungen mit Matthews doch wie eine Entschuldigung für das billige, unglaubwürdige Laientheater derer Liebesbekundungen, so dass er es wird, der den sinnvollen Blickwinkel auf die Sache mit passend kritischen Worten wirft, was vom Autoren-Team so leider jedoch gar nicht gewollt ist.
Man kann von Glück reden, dass Staffel 4 ohnehin noch so gut zu funktionieren weiß, um am Ende deutlich mehr zu unterhalten, anstatt sich geärgert zu haben. Aber mit der Stärke der ersten beiden Staffeln hat das vierte Jahr nichts mehr gemein. Aus einem großen Serienerlebnis ist eine schlicht zusammen geschusterte TV-Serie geworden. Aus psychologischer Raffinesse wird Hausfrauenpsychologie, was ganz gut zum Eindruck passt, dass das weibliche Publikum ohnehin nun mehr ins Visier der Serienverantwortlichen genommen wird. Das zeigt sich meiner Meinung nach im weit kritikloseren Blick auf Dexters mörderische Taten, die ihn eher wie eine Art heimlichen, anzuhimmelnden Superhelden darstellen, anstatt ihn als den gestörten Psychopathen zu outen, der er ist. Um diesen Effekt zu erzielen blendet man all zu gerne aus, wie Dexter mit seinen Opfern nach der Tötung umgeht, so als wäre nach dem Messerstich Schluss. Lediglich die über Bord geworfenen Tüten verweisen auf das was dem stets folgt. "Dexter" ist seichter geworden, die Erlebnisse sind längst nicht mehr so packender und verstörender Natur wie einst, was sich auch oft darin zeigt, dass das so genial komponierte Abschlusslied manches Mal lediglich nichts weiter als ein Abschlusslied ist, das einen völlig kalt lässt. In den guten Phasen verursachte es damals Gänsehaut und ließ dramatische Gefühlswelten im Zuschauer nachhallen und aufwühlen. Dieser mangelnde Effekt ist keiner Gewöhnung geschult, wie man nach vier Jahren vermuten könnte. Denn dass diesbezüglich keine Abnutzungserscheinung im Spiel ist, zeigen die Staffeln 5, 7 und 8 überdeutlich, die zumindest wieder auf das Niveau von Staffel 3 zurück fanden, Staffel 7 sogar fast auf jenes der ersten beiden Jahre. Es hilft dabei Staffel 4 etwas wohlwollender zu schauen, als sie es eigentlich verdient hätte, wenn man weiß, dass mit ihr kein Abwärtstrend startet, sondern wieder gute Phasen Einzug in die Serie halten werden. OFDb
14.05.2021
DIE QUAL DER WAHL (2012)
Freilich zieht nicht jeder laute Gag, und zu mancher Komik, wie der Charakterzeichnung von Huggins Ehefrau, muss man Zugang haben, um was damit anfangen zu können. Ich konnte es nicht und habe dennoch Freude mit "Dog Fight" (Alternativtitel) gehabt, der zwar kaum Sinn macht, darauf aber auch ignorant scheißt. Die Nebenrollen von Dan Aykroyd und John Lithgow (die überraschend stark harmonieren) hätten für meinen Geschmack ruhig etwas größer ausfallen können, und das blauäugige Happy End steht im Widerspruch zur treffsicheren Reflexion billiger Meinungsmache. Aber "Rivals" (Alternativtitel) ist ohnehin Trivialunterhaltung, die sich nicht um Niveau schert, sie dient einzig dem Prinzip möglichst geistloser Unterhaltung, die gelegentlich mit funktionierenden satirischen Ansätzen überrascht. Galifianakis Holzhammer-Komik reicht an die Klasse Ferrells facettenreicherer, da sehr grotesker, Interpretation seiner Figur freilich nicht heran, letztendlich funktioniert ihr Zusammenspiel aber passabel genug um bei wenig Erwartungen von "Southern Rivals" (Alternativtitel) nicht enttäuscht zu werden. OFDb
10.06.2018
2010 - DAS JAHR, IN DEM WIR KONTAKT AUFNEHMEN (1984)
08.06.2017
CLIFFHANGER - NUR DIE STARKEN ÜBERLEBEN (1993)
Das ist aber gar nicht schlimm, da ein flotter Erzählstil und eine nachvollziehbare Gefühlsebene uns schnell an die Geschichte und ihre Figuren bindet, so dass Renny Harlins mitproduzierte Regiearbeit auch in den simpelsten Momenten funktioniert, wenn „Cliffhanger“ ein geradezu typischer Stallone-Actioner wird. Grundsätzlich ist ein solcher schließlich nichts schlimmes, steht der Mann doch für harte, selbstgerechte Action mit menschlichem Touch, einem kleinen Grad unfreiwilliger Komik und einem Gut-Böse-Klischee, welches man gar nicht missen möchte, so charmant-klassisch wie seine Actionfilme daher kommen.
„Cliffhanger“ lässt in manchem Moment Erinnerungen an das 80er Jahre Action-Kino wieder aufkommen, wenn Stallone sich nicht nur auf recht brutale Art selbstverteidigt, sondern für den guten Zweck auch ohne schlechtem Gewissen Selbstjustiz ausübt, z.B. wenn er einen der Killer eiskalt in der Nacht einen hohen Berg herunterstürzen lässt, kurz nachdem er auf dem Schurken Schlitten gefahren ist. Da darf ein Bösewicht auf einer Stalaktite aufgespießt werden, ein anderer unter der Eisschicht eines Sees ertränkt werden, „Cliffhanger“ geht hart zur Sache, wie man es auch Anfang der 90er Jahre noch in einem Stallone-Film sehen wollte. Und dieser Kompromiss zu einer geistreicheren Geschichte, im Vergleich zu Stallones 80er Jahre-Werken, weiß zu gefallen.
Eine gute Besetzung auf der Bösewichtseite (allen voran John Lithgow) sogt für einen gekonnten Ausgleich zur interessant charakterisierten Helden-Seite, ein persönlicher Zwist zwischen Walker und seinem ehemals bestem Freund hält sich glücklicher Weise in Grenzen und zerstört mit seinem zu klischeebeladenen Getue in dieser reduzierten Art nicht die interessant erzählte Geschichte, die theoretisch plumper ausgefallen ist, als sie auf den Zuschauer wirkt.
„Cliffhanger“ besitzt das Glück gekonnt inszeniert zu sein. Harlin weiß Schwächen aufzufangen, diese teilweise wie Stärken wirken zu lassen, und auch wenn ich in der zweiten Hälfte die schwindelerregenden Bilder vermisste, die gerade zu Anfang als Blickfang auf den Zuschauer niederregneten, so blieb der Streifen doch auch in der Spätphase trotzdem noch eine packend erzählte Erfahrung, auch wenn sie in ihrer groben Geschichte doch eigentlich recht einfach und vorhersehbar gehalten wurde. Dennoch fragte ich mich nach dem Sichten, wie großartig „Cliffhanger“ wohl ausgefallen wäre, wenn die so toll eingenfangenen Tiefen der Berge zu Beginn auch im actionreicheren Bereich des Filmes eine Rolle gespielt hätten. Es ist schade, dass der eine Sehwert durch den anderen ausgetauscht wurde anstatt beide miteinander zu kombinieren.
Harte Effekte, talentierte Mimen und ein Szenario, welches einem trotz seiner Schlichtheit aufgrund von Figurennähe, Sympathie und Situationsnähe nicht gleichgültig werden lässt, sorgen trotzdem dafür, dass aus einer recht schlicht gestrickten Geschichte ein sehenswerter Actionbeitrag wurde, der genau das liefert, was man in einem Actionfilm mit Sylvester Stallone sehen möchte. Mir hat die Wiedersichtung nach all den vielen Jahren wunderbar gefallen. OFDb
25.04.2016
INTERSTELLAR (2014)
Neben „The Dark Knight“, „Memento“ und „Inception“ zählt „Interstellar“ meiner Meinung nach zu diesen sehenswerten Beiträgen des Regisseurs. So innovativ wie die Geschichte auf die junge Generation Cineasten wirken mag, ist der Stoff freilich nicht wirklich. Aktuell denke man nur an „Gravity“, im Mainstreambereich an „Kampfstern Galactica“, am naheliegendsten jedoch an „Contact“, der die meisten Parallelen zum hier besprochenen Werk aufweist. Das beginnt mit der Anwesenheit des Schauspielers Matthew McConaughey, der hier ins All fliegt, in dem anderen Film Jodie Fosters Rolle daran hindert selbiges zu tun. Das geht weiter mit dem Flug ins All, inklusive der Idee eine Fremdhilfe hierfür von wem Unbekanntes zu erhalten, und durch die wissenschaftliche Nähe beider Werke sind freilich auch die Spielereien mit der Relativität in beiden Filmen vorhanden. Allerdings besitzen sie auch beide den Hang gegen Ende in den Esoterikbereich abzurutschen, was der Vergleichsfilm besser verarbeitet als es „Interstellar“ tut.
Dennoch fallen beide Werke recht unterschiedlich aus, und „Interstellar“ bezieht seine Stärken auch meist aus den nicht aus „Contact“ übernommenen Ideen, so dass am Ende beide Genre-Beiträge sehenswert sind. Nolan besitzt die Gabe fremde Welten aufregend in Szene zu setzen, und das ist für eine Geschichte wie diese ungeheuer förderlich, in welcher sich immer wieder die Schauplätze ändern. Der Weltraumflug ist so inszeniert als würde man mitten drin sitzen, die verschiedenen Welten sind einfallsreich und durchdacht umgesetzt, besonders gut hat mir jedoch das Zukunftsbild der Erde gefallen, welches mit simplen und dadurch nachzuempfindenden Mitteln aufzeigt auf welche Art der Planet für den Menschen unbewohnbar wird.
Lediglich der Flug ins Schwarze Loch hat mir nicht gefallen, ist es doch jener Part der mir wie gesagt viel zu esoterisch ausgefallen ist, was einen enormen Sprung bedeutet in einer ansonsten so wissenschaftlich orientierten Erzählung, die selbst auf die Kinotradition verzichtet, dass Geräusche im Weltraum möglich wären. Urplötzlich spinnt sich Nolan einen Unfug zurecht, so als ob das Leben lediglich in einem Miniuniversum stattfinden würde, an dem nur wenige Menschen beteiligt sind. Zufälle häufen sich und lassen den Zuschauer irritiert und verärgert zurück. Ist diese Phase aber endlich überstanden folgt noch ein letzter Akt, der wieder so geglückt und einfallsreich ausgefallen ist wie alles vor dem Tiefpunkt. Somit geht bei einer Laufzeit von fast drei Stunden nicht viel verloren. Das ist zu verkraften, zumal der Rest von einer solch großartigen Umsetzung gestützt wird.
Auch die Schauspieler sind meiner Meinung nach gut gewählt und schaffen es dem an sich eher steril wirkenden Film emotionale Tiefe zu verleihen, so sehr sogar, dass dramatische Momente tiefe Trauer im Zuschauer entfachen können. Der Nolan-Stammschauspieler Michael Caine schafft das in seiner letzten Szene ebenso wie es jeglicher Moment mit McConaugheys Filmtochter schafft, egal ob im Kinder- oder im Erwachsenenalter. John Lithgow ist endlich wieder gegen den Strich besetzt und weiß auch hier in seiner kleinen Rolle zu überzeugen. Unter geht aufgrund seiner unbedeutenden Rolle leider lediglich der talentierte Topher Grace, dem unbedingt mal wer eine wahre Chance in einer Hauptrolle bieten sollte.
„Interstellar“ ist aufregendes Kino, das ich daheim am Fernseher gesehen habe, und selbst dort war sein Effekt umwerfend, so dass ich davon ausgehe dass das Sichten auf der großen Leinwand eine wahre Wucht gewesen sein muss. Die typischen Nolan-Krankheiten sind wieder mit an Bord, werden aber durch die gute Besetzung weitestgehenst ausgebügelt. Zudem sind es aber auch Nolans Stärken die den Großteil des Filmes stemmen, so dass man lediglich aus einer verwöhnten Perspektive heraus meckern kann. Denn eigentlich hat der Regisseur mit diesem Abenteuer dem Zuschauer einen wahrhaftig wirkenden Ausflug ins Weltall geboten und damit einen unglaublich aufregenden Film. OFDb