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10.09.2021

SANTA CLAUS (1985)

Jeannot Szwarc, der uns den herrlichen "Feuerkäfer" und den missglückten "Supergirl" bescherte, liefert uns dank einer ausschweifend erzählten Vorgeschichte nicht nur eine Satire auf die Industrialisierung ab, wie es der Hauptteil seines "Santa Claus" tut, er verdient sich mit dieser auch den Titel des Films, wohnen wir doch der Entstehungsgeschichte des Weihnachtsmannes bei. Der Beginn fühlt sich zwar eher wie eine Sterbeszene, anstatt wie eine glückliche, phantastische Wendung an, gemeint ist aber letzteres innerhalb eines Filmes, der im klassisch blauäugigen Weihnachtskitsch badet, wie es für das Genre des Weihnachtsfilmes üblich ist. Ohnehin befinden wir uns in einer hauptsächlich für das Kinderpublikum konzipierten  Produktion, so dass manch Unangenehmes an der Erzählung leichter zu verzeihen ist, als in einem Film für Erwachsene. Klar, der obdachlose Junge nervt mit seinem extremen Optimismus, seine neidlose Blauäugigkeit gegenüber eines Mädchens im Luxus erst recht, und der Weihnachtskitsch ist an mancher Stelle unerträglich süß zelebriert, aber es geht mit etwas Wohlwollen tatsächlich in Ordnung. Durchhalten lohnt sich ohnehin, weiß Dudley Moore mit seinen Modernisierungsversuchen doch zu gefallen, wenn er erst einmal am Zuge ist. 

Und spätestens wenn John Lithgow als bösartiger Industrieller comicartig den Schurken mimen darf, ist "Santa Claus - Der Film" (Alternativtitel) auf seinem Hoch, teilweise mit Verweisen auf die echte Welt, die eher für einen Erwachsenen anstatt für ein Kind verständlich sind. Bis es soweit ist macht sich das Drehbuch die Mühe die Entwicklung Santas und der Welt zu zeigen, die er beschenkt. Das sorgt für Veränderungen in seiner Vorgehensweise (z.B. mit der Entscheidung böse Kinder nicht mehr zu beschenken) und mündet im Luxusleben der Gegenwart, in welcher das olle selbstgefertigte Holzspielzeug des Weihnachtsmannes bei den Kindern kaum noch gefragt ist. Dass alles mit einem Happy End schließt, ist für niemanden eine Überraschung, und am Ende darf jemand wie ich, der echte Probleme mit Filmen rund um Weihnachtskitsch hat, sich wundern warum das Ganze auch in den weniger lustigen Szenen halbwegs gut funktioniert hat. Freilich vergebe ich dennoch die Bewertung, wie ich den Film hauptsächlich empfand, wissend dass Freunde derartiger Stoffe das Reinschalten hingegen keineswegs bereuen werden. Wenn es nach mir gegangen wäre, hätte man Lithgow mehr in den Mittelpunkt hieven können, so sehr wie seine verspielte Darstellung des Bösewichts die Stimmung des Streifens bereichert. Aber dann wäre "Santa Claus - The Movie" (Alternativtitel) ein ganz anderer Film geworden.  OFDb

FRIEDHOF DER KUSCHELTIERE (2019)

"Friedhof der Kuscheltiere" von Mary Lambert mag kein Highlight unter den Stephen King-Verfilmungen gewesen sein, aber er ist ein gut erzählter Horrorfilm, der es nicht nötig hatte neu verfilmt zu werden. Stammleser wissen, dass ich dennoch stets neugierig auf Remakes bin und ihnen immer eine Chance gebe, im hier vorliegenden Falle hätte man es aber besser sein gelassen. Zwar fängt die Chose recht ähnlich wie die Vorlagen an, beginnt aber schon mit der Art und Weise zu wanken, wie der mit John Lithgow gut besetzte Nachbar auf die Idee kommt, dem Familienvater die Stelle zu zeigen. Dies ist der Beginn eines auf mangelndem psychologischem Hintergrund aufbauenden Drehbuchs, welches stets bemüht ist, die zuvor konsequent erzählte Geschichte zu verändern und mit jeder Neuerung der Geschichte zu schaden, so wie sie lediglich auf den äußeren Effekt abzielen, anstatt glaubwürdig integriert zu sein. 

Damit geht nicht nur der Hintergrund des Originals verloren (die Beweggründe werden empathielos abgefrühstückt), es wird auch kein anderer sinnvoller Hintergrund gesetzt. Von Ursache und Wirkung hat man so wenig Ahnung wie von psychologisch sinnvoller Figurenzeichnung. Dementsprechend plump fällt auch das Traumata der Mutter aus, deren Betreuung ihrer geistig zurückgebliebenen Schwester im Buch und im Original so gruselig umgesetzt war. Auch hier wird lediglich auf reißerischer Ebene gearbeitet, anstatt ein packendes Szenario nachvollziehbarer Angst zu kreieren. Einzig die Schlusspointe des Films weiß zu gefallen, aber da diese eben nur auf Vorereignissen aufgebaut hat, die aufgrund mangelnder Glaubwürdigkeit nicht zu überzeugen wussten, steht sie für sich alleine da. Zumindest entschied man sich mit Blick auf das Bonusmaterial der DVD für den besseren Schluss beider abgedrehter Versionen. Alles andere kann man lediglich als Fehleinschätzung betrachten. Manchmal sollte man sich einfach an das vorliegende Rezept halten, zumindest dann wenn man keine Ahnung hat wie man ein psychologisch überzeugendes Drehbuch schreibt.  OFDb

15.08.2021

DEXTER - STAFFEL 4 (2009)

Zur Vorbereitung auf den demnächst startenden Neuanfang mittels einer neunten "Dexter"-Staffel, in welcher der Trinity wieder auftauchen wird, habe ich mir noch einmal die meiner Meinung nach schwächste aller Staffeln angeguckt, die vierte. Begegneten uns bereits im dritten Jahr klassische Serienkrankheiten, welche die ersten beiden Seasons der Serie noch vermieden, so werden solche in Staffel 4 nun noch häufiger mit in Kauf genommen, was die Qualität um ein weiteres senkt. Das ärgert am meisten in der mangelnden Tarnung Dexters, der als Kyle Butler vor etlichen Zeugen tätig wird, ohne zumindest in einer Verkleidung zu agieren. Das zeigt sich ebenso im völlig unangenehmen Randgebiet um Laguerta und Batista, die nun völlig unkompatibel und psychologisch sinnlos eingebracht zu einem Paar werden und mit diesem Subplot weder die Figurenentwicklung noch die Handlung auf irgendeine Weise vorwärts bringen. Es zeigt sich aber auch in allerhand weiterer Fehlentscheidungen, erstmals sogar in Widersprüchen, deutlich zu erkennen in der Wendung um den Haussegen bei Trinity. Hier wurde für eine zweite Sichtung in den harmonischen Momenten nichts versteckt angedeutet. Diese positiv vorangegangenen Szenen sind nicht doppeldeutig umgesetzt, um den Zuschauer falsch interpretieren zu lassen. Derartig psychologisch raffinierte Vorgehensweisen hat Staffel 4 aber ohnehin nur noch selten zu bieten, aber derartiges kommt zumindest noch vor.

Dass die Rolle der Ehefrau immer unnötiger, und dank des amerikanischen Rollenverständnisses zwischen Mann und Frau für europäische Augen auch immer unangenehmer wird, liegt leider in der Natur der Sache. Weiß man aber, dass die vierte Staffel u.a. dafür da ist, um derartige Unannehmlichkeiten zu entschlacken, damit die Serie sich in Zukunft mit weniger Ballast weiter entwickeln kann, geht man bei einer erneuten Sichtung besser mit diesen unangenehmen Phasen innerhalb einer Geschichte um, die insgesamt routiniert genug erzählt ist, um auf schlichterem Wege als bisher dennoch zu gefallen. Zwar erleben wir in Staffel 4 erstmals und letztmals Folgen, die völlig missglückt sind, aber zuvor und danach ist die Geschichte und das Schicksal der meisten Figuren interessant und spannend genug gehalten, um den Zuschauer neugierig dran bleiben zu lassen. Leider sind die beiden Tiefpunkte mit Folge 9 und 10 auch noch hintereinander zu besichtigen, so dass man die missglückte Phase auf Spielfilmlänge durchstehen muss, was hart ist, so extrem wie diese nervt und zum Fremdschämen einlädt. Neue Erkenntnisse werden dort mit dem Holzhammer voran getrieben und bieten nicht jenen bedeutenden Überraschungsmoment, den sich das Autoren-Team wohl gewünscht hat. Wenn Debra gegen Ende der Staffel das Geheimnis um Dexters familiären Ursprung erfährt, bekommt die Staffel ein letztes Mal einen deutlichen Schwachpunkt beschert, zeigt man hier doch erneut den Mangel an psychologischem Verständnis. Spielten Staffel 1 und 2 mit der konsequenten Überlegung, dass ein Aufdecken dieses Geheimnisses alle weiteren aufdecken würde, wird in Staffel 4 das Ausmaß von diesem nicht mehr erkannt oder schlichtweg ignoriert und lediglich für magere Dramatik genutzt.

Aber Staffel 4 bietet nicht nur Tiefpunkte und funktionierenden Durchschnitt. Auch die schlechteste aller 8 Jahre "Dexter", die laut Internet zu meiner Überraschung von vielen Zuschauern als eine der besten gefeiert wird, weiß auch Stärken zu besitzen. Das beginnt mit der großartigen, facettenreichen Darbietung John Lithgows als Trinity, setzt sich fort innerhalb der vielen tragischen Ideen rund um Lundy und zeigt sich auch in den wenigen, sinnvollen, psychologischen Konsequenzen der Weiterentwicklung der Serien-Gesamtgeschichte, allen voran in der finalen Wendung. Auch wird die Randfigur des Quinn nun interessanter gestaltet und erstmals mit tragischen Aspekten versehen, so rund wie ab Staffel 5 funktioniert die Figur jedoch noch nicht. Masuka hingegen wird eher verheizt, anstatt würdig genug weiter entwickelt, so schlimm wie Laguerta und Batista wird allerdings mit keiner weiteren Figur umgegangen. Zumindest findet sich aber selbst in dieser übelsten aller Entscheidungen ein Lichtblick, sind die Begegnungen mit Matthews doch wie eine Entschuldigung für das billige, unglaubwürdige Laientheater derer Liebesbekundungen, so dass er es wird, der den sinnvollen Blickwinkel auf die Sache mit passend kritischen Worten wirft, was vom Autoren-Team so leider jedoch gar nicht gewollt ist.

Man kann von Glück reden, dass Staffel 4 ohnehin noch so gut zu funktionieren weiß, um am Ende deutlich mehr zu unterhalten, anstatt sich geärgert zu haben. Aber mit der Stärke der ersten beiden Staffeln hat das vierte Jahr nichts mehr gemein. Aus einem großen Serienerlebnis ist eine schlicht zusammen geschusterte TV-Serie geworden. Aus psychologischer Raffinesse wird Hausfrauenpsychologie, was ganz gut zum Eindruck passt, dass das weibliche Publikum ohnehin nun mehr ins Visier der Serienverantwortlichen genommen wird. Das zeigt sich meiner Meinung nach im weit kritikloseren Blick auf Dexters mörderische Taten, die ihn eher wie eine Art heimlichen, anzuhimmelnden Superhelden darstellen, anstatt ihn als den gestörten Psychopathen zu outen, der er ist. Um diesen Effekt zu erzielen blendet man all zu gerne aus, wie Dexter mit seinen Opfern nach der Tötung umgeht, so als wäre nach dem Messerstich Schluss. Lediglich die über Bord geworfenen Tüten verweisen auf das was dem stets folgt. "Dexter" ist seichter geworden, die Erlebnisse sind längst nicht mehr so packender und verstörender Natur wie einst, was sich auch oft darin zeigt, dass das so genial komponierte Abschlusslied manches Mal lediglich nichts weiter als ein Abschlusslied ist, das einen völlig kalt lässt. In den guten Phasen verursachte es damals Gänsehaut und ließ dramatische Gefühlswelten im Zuschauer nachhallen und aufwühlen. Dieser mangelnde Effekt ist keiner Gewöhnung geschult, wie man nach vier Jahren vermuten könnte. Denn dass diesbezüglich keine Abnutzungserscheinung im Spiel ist, zeigen die Staffeln 5, 7 und 8 überdeutlich, die zumindest wieder auf das Niveau von Staffel 3 zurück fanden, Staffel 7 sogar fast auf jenes der ersten beiden Jahre. Es hilft dabei Staffel 4 etwas wohlwollender zu schauen, als sie es eigentlich verdient hätte, wenn man weiß, dass mit ihr kein Abwärtstrend startet, sondern wieder gute Phasen Einzug in die Serie halten werden.  OFDb

14.05.2021

DIE QUAL DER WAHL (2012)

Wer seicht und oberflächlich unterhalten werden möchte, und somit keine Satire a la "Wag the Dog" erwartet, kann zu "Die Qual der Wahl" greifen, in welcher der stets souverän spielende Will Ferrell auf Zach Galifianakis trifft, der nur auf dem ersten Blick gegen seinen Standard, geprägt aus den "Hangover"-Filmen, besetzt ist. Das politische Gekabbel zwischen den beiden erinnert ein wenig an die Ex-Präsidenten-Komödie "Ein Präsident für alle Fälle" (dort wie hier mit Dan Aykroyd in einer Nebenrolle besetzt), nur dass "The Campaign" (Originaltitel) gar nicht erst versucht die Auseinandersetzungen seriös zu thematisieren. Überraschend trumpft die Komödie von "Austin Powers"-Regisseur Jay Roach mit einer Schlammschlacht weit unter dem Niveau dessen wie ein Wahlkampf tatsächlich ablaufen würde. Seitenhiebe auf die tatsächliche Politwelt der USA gibt es freilich trotzdem, z.B. in den plumpen Methoden, mit denen man das denkfaule Volk auf seine Seite bringt, aber der eigentliche Reiz liegt in der realitätsfernen Verhaltensweise Bradys, bei dem man nie weiß wie extrem das Drehbuch ihn noch außerhalb der Norm agieren lassen wird. Eins sei verraten: es geht weit über die erwarteten Grenzen hinaus, was mit dieser respektlosen Art tatsächlich Partymomente erzeugt. 

Freilich zieht nicht jeder laute Gag, und zu mancher Komik, wie der Charakterzeichnung von Huggins Ehefrau, muss man Zugang haben, um was damit anfangen zu können. Ich konnte es nicht und habe dennoch Freude mit "Dog Fight" (Alternativtitel) gehabt, der zwar kaum Sinn macht, darauf aber auch ignorant scheißt. Die Nebenrollen von Dan Aykroyd und John Lithgow (die überraschend stark harmonieren) hätten für meinen Geschmack ruhig etwas größer ausfallen können, und das blauäugige Happy End steht im Widerspruch zur treffsicheren Reflexion billiger Meinungsmache. Aber "Rivals" (Alternativtitel) ist ohnehin Trivialunterhaltung, die sich nicht um Niveau schert, sie dient einzig dem Prinzip möglichst geistloser Unterhaltung, die gelegentlich mit funktionierenden satirischen Ansätzen überrascht. Galifianakis Holzhammer-Komik reicht an die Klasse Ferrells facettenreicherer, da sehr grotesker, Interpretation seiner Figur freilich nicht heran, letztendlich funktioniert ihr Zusammenspiel aber passabel genug um bei wenig Erwartungen von "Southern Rivals" (Alternativtitel) nicht enttäuscht zu werden.  OFDb

10.06.2018

2010 - DAS JAHR, IN DEM WIR KONTAKT AUFNEHMEN (1984)

Stanley Kubricks "2001 - Odyssee im Weltraum" war ein weitblickendes, durchdachtes und philosophisches Werk mit der Eigenschaft zur Demut, zur Reflexion und dem Mut inszenatorische Schritte zu gehen, die einem finanziellen Erfolg eventuell im Weg hätten stehen können, so sehr wie sich der 1968 veröffentlichte Film den massentauglichen Sehgewohnheiten verweigerte. Eine Fortsetzung hätte er nie nötig gehabt, so wundervoll wie offene Fragen nach der Sichtung im Raum schwebten, tiefgründigere Individuen dazu veranlassend über das Gesehene nachzugrübeln und der Fantasie freien Lauf zu lassen. Für derartige Interpretationen ist in Peter Hyams eigens verfasstem Teil 2 kein Platz. Er wurde gedreht um Fragen zu beantworten. Und besaß der Vorgänger noch den Mut zur Langsamkeit, bzw. war sich Kubrick dessen zwingender Notwendigkeit bewusst, um Ehrfurcht vor möglichen Errungenschaften zu erlangen und auch vor dem was die Geschichte über unseren Ursprung offenbart, die Fortsetzung pfeift drauf und beschleunigt ihre Geschichte wo es nur geht.

Hyams geht es in "2010 - Das Jahr, in dem wir Kontakt aufnehmen" aber auch nicht um wirklich tiefgründige, philosophische Dinge, er möchte in Zeiten des kalten Krieges einen Friedensappell an die Menschheit richten, ein ehrenwertes Vorhaben. Warum man dafür jedoch einen Film fortsetzt, der die heute scheinbar verloren gegangene Eigenschaft besaß losgelöst vom Entstehungszeitpunkt einen Blick in eine fremde Zukunft zu werfen, und dabei eine Welt präsentierte, in der so etwas wie der kalte Krieg kein Thema mehr war, darf zurecht als Frage im Raum stehen, zumal der Streifen eine komplett andere Mentalität ausstrahlt als sein Vorgänger. Schließlich ist Hyams als Mittel zum Zweck auch der Griff zur Esoterik als Ersatz für mangelndes Wissenschaftsverständnis recht, einen größeren Unterschied zum Vorgänger kann man wohl kaum ausmachen. Das passt zwar zum geistig schlichteren Zustand des 80er Jahre-US-Kinos, das im Gegensatz zu den 70er Jahren  in der Regel weit weniger durchdachte Filme zu großen Events hochschaukelte, verärgert aber insofern, als dass man den Respekt zu Kubricks Werk dadurch vermisst.

Gewöhnt man sich erst einmal an den Gedanken ein weit weniger geistreiches Werk in anderer Mentalität und Zielsetzung zu sichten, weiß "2010" (Originaltitel) zumindest zu unterhalten, gibt es technisch von der Inszenierung her doch nichts zu beklagen und sind doch professionelle Mimen mit an Bord, die das komplette Treiben so glaubwürdig wie möglich umgesetzt bekommen. Zwar setzt die Geschichte des Streifens stets auf eine penetrante Neugierde, die mir in diesem plumpen Zustand nicht innewohnte, so dass ich in dem reißerischen Versuch stets eine enorme Erwartungshaltung aufzubauen nicht vollends einsteigen konnte, aber spätestens am Schluss war auch ich neugierig was da Wundervolles auf die Menschheit zukommen sollte, prophezeit vom Geist des einstigen Kommandanten der Discovery. 

Wenn der für seine schlichten Stoffe berühmte Hyams, der sich mit "Unternehmen Capricorn" sieben Jahre zuvor bereits schon einmal mit kritischem Blick auf die Regierenden mit dem Denken von Astronauten auseinandersetzen durfte, seine Geschichte zu Ende erzählt hat, begeht er mittels eines schließenden Off-Kommentars die letzten Fehler der Geschichte, deutet der eigentlich für rationales Denken ausgebildete Wissenschaftler doch Dinge ins Geschehen hinein, die weder bewiesen noch naheliegend sind, was erneut beweist, dass der Film sich an ein Publikum orientiert, das aufnehmen soll anstatt mitzudenken. Da "2010" nicht vollends naiv umgesetzt ist, sondern einige interessante clevere Ansätze zu bieten hat, ist dieser Zustand etwas schade zu nennen, ändert aber nichts an der Tatsache, dass Hyams weit weniger visionäre Vision wundervoll zu unterhalten weiß - dank der Beantwortung der wichtigsten Fragen aber kein nachdenkliches Echo hinterlässt, wie das großartige Science Fiction-Werk auf dem er aufbaut.  OFDb

08.06.2017

CLIFFHANGER - NUR DIE STARKEN ÜBERLEBEN (1993)

Während ich persönlich mit den 90er Jahre-Werken Arnold Schwarzeneggers in der Regel wenig anfangen kann, gefallen mir die Filme von dessem größten Konkurrenten Sylvester Stallone aus dieser Zeit meist recht gut. „Cliffhanger“, an dessem Drehbuch der Hauptdarsteller höchstpersönlich mitgeschrieben hat, ist ein solch geglückter Streifen, was nicht nur an der atemberaubenden Optik aus luftig aufgenommenen Höhen liegt, die wen unter Höhenangst Leidenden wie mich geradezu fesseln und schummrig werden lassen, so genial wie sie eingefangen sind. Da kommt man manches Mal aus dem Staunen nicht heraus, und einer gefühlsintensiven Einstiegsszene sei Dank, stockt einem nicht nur der Atem aufgrund der Optik. In seiner ersten Szene ist „Cliffhanger“ gleich auf einem atmosphärischen Hoch, seine etwas zu standatisierte Actiongeschichte verhindert, dass es auf diesem hochkarätigen Niveau so weiter geht.

Das ist aber gar nicht schlimm, da ein flotter Erzählstil und eine nachvollziehbare Gefühlsebene uns schnell an die Geschichte und ihre Figuren bindet, so dass Renny Harlins mitproduzierte Regiearbeit auch in den simpelsten Momenten funktioniert, wenn „Cliffhanger“ ein geradezu typischer Stallone-Actioner wird. Grundsätzlich ist ein solcher schließlich nichts schlimmes, steht der Mann doch für harte, selbstgerechte Action mit menschlichem Touch, einem kleinen Grad unfreiwilliger Komik und einem Gut-Böse-Klischee, welches man gar nicht missen möchte, so charmant-klassisch wie seine Actionfilme daher kommen.

„Cliffhanger“ lässt in manchem Moment Erinnerungen an das 80er Jahre Action-Kino wieder aufkommen, wenn Stallone sich nicht nur auf recht brutale Art selbstverteidigt, sondern für den guten Zweck auch ohne schlechtem Gewissen Selbstjustiz ausübt, z.B. wenn er einen der Killer eiskalt in der Nacht einen hohen Berg herunterstürzen lässt, kurz nachdem er auf dem Schurken Schlitten gefahren ist. Da darf ein Bösewicht auf einer Stalaktite aufgespießt werden, ein anderer unter der Eisschicht eines Sees ertränkt werden, „Cliffhanger“ geht hart zur Sache, wie man es auch Anfang der 90er Jahre noch in einem Stallone-Film sehen wollte. Und dieser Kompromiss zu einer geistreicheren Geschichte, im Vergleich zu Stallones 80er Jahre-Werken, weiß zu gefallen.

Eine gute Besetzung auf der Bösewichtseite (allen voran John Lithgow) sogt für einen gekonnten Ausgleich zur interessant charakterisierten Helden-Seite, ein persönlicher Zwist zwischen Walker und seinem ehemals bestem Freund hält sich glücklicher Weise in Grenzen und zerstört mit seinem zu klischeebeladenen Getue in dieser reduzierten Art nicht die interessant erzählte Geschichte, die theoretisch plumper ausgefallen ist, als sie auf den Zuschauer wirkt.

„Cliffhanger“ besitzt das Glück gekonnt inszeniert zu sein. Harlin weiß Schwächen aufzufangen, diese teilweise wie Stärken wirken zu lassen, und auch wenn ich in der zweiten Hälfte die schwindelerregenden Bilder vermisste, die gerade zu Anfang als Blickfang auf den Zuschauer niederregneten, so blieb der Streifen doch auch in der Spätphase trotzdem noch eine packend erzählte Erfahrung, auch wenn sie in ihrer groben Geschichte doch eigentlich recht einfach und vorhersehbar gehalten wurde. Dennoch fragte ich mich nach dem Sichten, wie großartig „Cliffhanger“ wohl ausgefallen wäre, wenn die so toll eingenfangenen Tiefen der Berge zu Beginn auch im actionreicheren Bereich des Filmes eine Rolle gespielt hätten. Es ist schade, dass der eine Sehwert durch den anderen ausgetauscht wurde anstatt beide miteinander zu kombinieren.

Harte Effekte, talentierte Mimen und ein Szenario, welches einem trotz seiner Schlichtheit aufgrund von Figurennähe, Sympathie und Situationsnähe nicht gleichgültig werden lässt, sorgen trotzdem dafür, dass aus einer recht schlicht gestrickten Geschichte ein sehenswerter Actionbeitrag wurde, der genau das liefert, was man in einem Actionfilm mit Sylvester Stallone sehen möchte. Mir hat die Wiedersichtung nach all den vielen Jahren wunderbar gefallen.  OFDb

25.04.2016

INTERSTELLAR (2014)

Zu dem umstrittenen Regisseur Christopher Nolan kann man stehen wie man will, interessant fallen seine Werke alle aus, die geglückteren genauso wie die weniger geglückten. Der gute Mann schafft es immer wieder reizvolle Stoffe an Land zu ziehen und aus diesen durch eine komplexe Vertiefung und einer wuchtigen Umsetzung ein aufregendes Erlebnis für den Zuschauer zu gestalten. Leben haucht er seinen Filmen jedoch nur bedingt ein, kann ich dem ihm häufig entgegengebrachten Vorwurf seine Geschichten zu formelhaft umzusetzen doch zustimmen, zumal sich keines seiner Werke je Zeit nimmt von Dingen zu erzählen, die später nicht wichtig werden würden. Alles muss kompakt aufeinander abgestimmt sein. Da das Leben aber so nicht funktioniert, bleibt so immer eine gewisse Leere enthalten, auch in den ansonsten wirklich geglückten Filmen.

Neben „The Dark Knight“, „Memento“ und „Inception“ zählt „Interstellar“ meiner Meinung nach zu diesen sehenswerten Beiträgen des Regisseurs. So innovativ wie die Geschichte auf die junge Generation Cineasten wirken mag, ist der Stoff freilich nicht wirklich. Aktuell denke man nur an „Gravity“, im Mainstreambereich an „Kampfstern Galactica“, am naheliegendsten jedoch an „Contact“, der die meisten Parallelen zum hier besprochenen Werk aufweist. Das beginnt mit der Anwesenheit des Schauspielers Matthew McConaughey, der hier ins All fliegt, in dem anderen Film Jodie Fosters Rolle daran hindert selbiges zu tun. Das geht weiter mit dem Flug ins All, inklusive der Idee eine Fremdhilfe hierfür von wem Unbekanntes zu erhalten, und durch die wissenschaftliche Nähe beider Werke sind freilich auch die Spielereien mit der Relativität in beiden Filmen vorhanden. Allerdings besitzen sie auch beide den Hang gegen Ende in den Esoterikbereich abzurutschen, was der Vergleichsfilm besser verarbeitet als es „Interstellar“ tut.

Dennoch fallen beide Werke recht unterschiedlich aus, und „Interstellar“ bezieht seine Stärken auch meist aus den nicht aus „Contact“ übernommenen Ideen, so dass am Ende beide Genre-Beiträge sehenswert sind. Nolan besitzt die Gabe fremde Welten aufregend in Szene zu setzen, und das ist für eine Geschichte wie diese ungeheuer förderlich, in welcher sich immer wieder die Schauplätze ändern. Der Weltraumflug ist so inszeniert als würde man mitten drin sitzen, die verschiedenen Welten sind einfallsreich und durchdacht umgesetzt, besonders gut hat mir jedoch das Zukunftsbild der Erde gefallen, welches mit simplen und dadurch nachzuempfindenden Mitteln aufzeigt auf welche Art der Planet für den Menschen unbewohnbar wird.

Lediglich der Flug ins Schwarze Loch hat mir nicht gefallen, ist es doch jener Part der mir wie gesagt viel zu esoterisch ausgefallen ist, was einen enormen Sprung bedeutet in einer ansonsten so wissenschaftlich orientierten Erzählung, die selbst auf die Kinotradition verzichtet, dass Geräusche im Weltraum möglich wären. Urplötzlich spinnt sich Nolan einen Unfug zurecht, so als ob das Leben lediglich in einem Miniuniversum stattfinden würde, an dem nur wenige Menschen beteiligt sind. Zufälle häufen sich und lassen den Zuschauer irritiert und verärgert zurück. Ist diese Phase aber endlich überstanden folgt noch ein letzter Akt, der wieder so geglückt und einfallsreich ausgefallen ist wie alles vor dem Tiefpunkt. Somit geht bei einer Laufzeit von fast drei Stunden nicht viel verloren. Das ist zu verkraften, zumal der Rest von einer solch großartigen Umsetzung gestützt wird.

Auch die Schauspieler sind meiner Meinung nach gut gewählt und schaffen es dem an sich eher steril wirkenden Film emotionale Tiefe zu verleihen, so sehr sogar, dass dramatische Momente tiefe Trauer im Zuschauer entfachen können. Der Nolan-Stammschauspieler Michael Caine schafft das in seiner letzten Szene ebenso wie es jeglicher Moment mit McConaugheys Filmtochter schafft, egal ob im Kinder- oder im Erwachsenenalter. John Lithgow ist endlich wieder gegen den Strich besetzt und weiß auch hier in seiner kleinen Rolle zu überzeugen. Unter geht aufgrund seiner unbedeutenden Rolle leider lediglich der talentierte Topher Grace, dem unbedingt mal wer eine wahre Chance in einer Hauptrolle bieten sollte.

„Interstellar“ ist aufregendes Kino, das ich daheim am Fernseher gesehen habe, und selbst dort war sein Effekt umwerfend, so dass ich davon ausgehe dass das Sichten auf der großen Leinwand eine wahre Wucht gewesen sein muss. Die typischen Nolan-Krankheiten sind wieder mit an Bord, werden aber durch die gute Besetzung weitestgehenst ausgebügelt. Zudem sind es aber auch Nolans Stärken die den Großteil des Filmes stemmen, so dass man lediglich aus einer verwöhnten Perspektive heraus meckern kann. Denn eigentlich hat der Regisseur mit diesem Abenteuer dem Zuschauer einen wahrhaftig wirkenden Ausflug ins Weltall geboten und damit einen unglaublich aufregenden Film.  OFDb