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18.01.2025

BLUE VELVET (1986)

Als Jeffrey zurück in seiner Heimatstadt angekommen auf einer Wiese ein menschliches Ohr findet und von Sandy, der Tochter jenes Kriminalbeamten, den er diesbezüglich kontaktierte, später heimlich die Adresse einer im Zusammenhang stehenden Person erfährt, überredet er die Gleichaltrige ihm dabei zu helfen Zugang zur Wohnung unter besagter Adresse zu bekommen. Als er in Abwesenheit der Nachtclubsängerin Dorothy, die dort wohnt, die Wohnung nach Hinweisen durchsucht, wird er von ihrer Rückkehr überrascht, in seinem Schrankversteck entdeckt und erlebt von nun an eine alternative Gesellschaft hinter dem Vorhang des Bürgertums...

Fucking Ausflug mit dem Nachbarn...

Dass der Fund eines Ohrs, ebenso wie die Krankheit des Vaters und die alternative Behausung in Armut Lebender, immer wieder ein anderes Licht auf das wohlhabende Leben des einfachen Bürgers in der Kleinstadt wirft, lässt "Blue Velvet" keinesfalls aus, wenn er uns zunächst in die Welt seines Protagonisten einweiht, aus welche die Hauptperson als Hauptaugenmerk der Handlung geradezu ruckartig entrissen wird, wenn er eine weit bitterere Alternativgesellschaft aus Unterdrückung, Gewalt und abseitigem Sex kennen lernt, die entgegen seiner Instinkte Neugierde in ihm weckt, ihn aber auch in einen Sumpf aus Problemen und Lügen zieht, so sehr er in seiner einfachen, ehrlichen Art auch ein Retter sein möchte. Lynch hat einen bereits in seinen Bann gezogen, wenn wir uns noch auf der anderen, alltäglichen Seite befinden, die er zu Beginn mit farbenfrohen Blumen und einer Fröhlichkeit satirisch überspitzt gekünstelt aussehen lässt. Ich behaupte sogar dass "Blue Velvet" in seiner ersten Phase, vor dem Einbruch in die Wohnung der Nachtclubsängerin, am stärksten funktioniert, weil sie solch eine unterschwellig bedrohliche, Neugierig weckende Atmosphäre besitzt, die das Werk kurz darauf, eingeweiht in die düstere Parallelwelt, in dieser Intensität nicht mehr aufrecht erhalten kann. 

Das heißt nicht, dass einem das Treiben der Menschen auf der anderen Seite kalt lassen würde. Ganz im Gegenteil wird man als Zuschauer mit Jeffrey gleichermaßen von den Erlebnissen überrumpelt, mit einer Härte und Direktheit, die wahrlich zu schockieren weiß, unabhängig davon, dass es heute wie damals bereits weit Extremeres im Kino zu sehen gab. Die rohe, plötzliche Art, die auf die bisherige Einfachheit und Gewohnheit stößt, verursacht diesen intensiven Effekt. Es ist dem etwas arg bizarr gezeichneten Frank, hervorragend gemimt von Dennis Hopper, zuzuschreiben, dass ich den Blick auf die andere Seite etwas zu grotesk präsentiert empfand, um mich weiterhin tief in die Gefühlswelt Jeffreys hineinversetzen zu können. Franks Auftreten ist zu krass, die Idee eine Substanz mit einer Beatmungsmaske zu inhalieren im hier gezeigten Szenario zu verrückt, als dass "Blue Velvet" bodenständig seine Bedrohung auszustrahlen in der Lage wäre. Das ist von Lynch durchaus gewollt und damit lediglich mein persönliches Problem mit dem Film, aber so ist es eben, und deswegen wirkte vieles eher theoretisch gelungen auf mich, aber nicht auf eine Art erzählt, die mich ohne Unterbrechung in die gewünschte Illusion entführt. 

Kalt haben mich die Ereignisse nicht gelassen, die man wahrlich nicht vorher sehen kann, umso mehr wurde ich vom traditionell gehaltenen Schluss überrascht, den ich nach all der Andersartigkeit und dem Grauen niemals erwartet hätte. "Blue Velvet" hat mir gefallen, in seinen Kunstaspekten ebenso wie mit seinen inhaltlichen Ideen. Aber obwohl er zu David Lynchs zugänglichsten Werken gehört, kam mir die Welt des Untergrunds zu gewollt auf extrem getrimmt vor, als dass mich dieser Film komplett hätte überzeugen können. Ich mag seine Symbolik, wie z.B. der zarte Gesang mit dem Song Blue Velvet im Kontrast zur roten Wohnung der Sängerin dieses Liedes, in der solch abscheuliche Sachen geschehen. Ich finde es herausragend wie die von Kyle MacLachlan gespielte Figur des Jeffrey hin und her gerissen ist zwischen seiner Erziehung und der Versuchung, zwischen Ekel und Faszination, und doch, passend zum Charakter meist den richtigen Kompass besitzt, um deshalb noch lange nicht mit kriminellem Verhalten zu sympathisieren, vielleicht auch nur weil er dieses stets aus Feindschaft erlebt, anstatt als Einladung in die andere Welt. An "Blue Velvet" ist so vieles gelungen, durchdacht, reizvoll und mutig, dass es mich etwas verärgert, dass er bei mir nicht so ganz gezündet hat. 

Was mir beim Schauen von Werken dieser Zeit jedoch immer wieder positiv auffällt, ist der freie, weit weniger moralisch gehaltene, Umgang untereinander, wenn das mal mehr, mal weniger alltägliche Miteinander gezeigt wird. Die Verlockung wird nicht dämonisiert, ein schnelles Verzeihen wird nicht als leichtgläubig und naiv dargestellt, wir begleiten zwei Menschen, die sich ineinander verlieben, mit all ihren Fehlern und Vorzügen, in einer Phase, in welcher die Selbstfindung längst nicht abgeschlossen ist. Vieles von dem hier Gesichteten würde heute derart erzählt für Diskussionen sorgen, und damit meine ich keinesfalls die Alternativwelt hinter dem bürgerlichen Vorhang, sondern das selbstverständliche, individuelle Handeln mündiger Personen offen gelebt, ohne eine vorgegebene Norm einhalten zu müssen. Erst dieses liberale Miteinander akzeptiert, macht die gesetzlose Variante freien Denkens und Handelns, wie Jeffrey sie plötzlich erleben muss, so intensiv und diskussionswürdig.  Wiki

03.10.2019

LAND OF THE DEAD (2005)

Als mit "28 Days Later" und "Dawn of the Dead" eine neue Zombiewelle im Kino losgetreten wurde, da kehrte auch der Schöpfer der Kreaturen, George A. Romero, zurück, besann sich im Gegensatz zu den Konkurrenzprodukten wieder auf die unheimlichen schleichenden Toten und servierte uns mit "Land of the Dead" den vierten Teil von "Die Nacht der lebenden Toten". Wie schon in den Vorgängern, wird das Jahrzehnt der ersten Teile nicht beachtet, man orientiert sich am Jetzt, ansonsten geht Romero wie immer einen Schritt weiter. Erfuhren wir in dem 20 Jahre zurückliegenden "Zombie 2", dass Zombies lernfähig sind, so geht der Schöpfer dieser Reihe nun einen Schritt weiter und lässt die Untoten Werkzeuge benutzen, zeigt uns, dass sie sich durchaus organisieren können und Beobachtetes nachahmen können. Ich weiß noch wie enttäuscht ich beim Erscheinen von "Land of the Dead" war, fand ich ihn doch bereits in seinen ersten Denkansätzen undurchdacht und überhaupt nicht kompatibel mit den Geschehnissen der Vorgänger. Nachdem ich den Film kürzlich erneut gesichtet habe, war ich vollkommen überrascht was für ein tolles Werk Romero noch einmal gelungen ist. Sicherlich ist es nicht frei von Fehlern und meiner Meinung nach auch der schwächste Teil der Reihe, aber mittlerweile empfinde ich ihn als tatsächlich gelungen, vielleicht auch weil ich ihn nicht mehr nur mit Werken der ersten Zombiefilmwelle vergleiche, sondern jetzt auch einen Blick auf das werfen konnte, was danach kam. Da waren immerhin einige Produkte dabei, die einem den Blick erweiterten was innerhalb einer lang andauernden Zombiewelle möglich sein kann, was einem zuvor bei beschränkter Wahrnehmung unmöglich erschien.

Da "Land of the Dead" nie verrät wie lang die Epidemie bereits um sich greift, kommt sein Aufhänger gar nicht so weit hergeholt daher, wie ich ihn einst empfunden habe. Da existiert eine Stadt, die wieder Strom, Benzin, eine Armee und Waffen besitzt, Menschen haben sich organisieren können, um sich gemeinsam vor der grausamen Außenwelt zu schützen, und scheinbar sind seit dem einige Jahre vergangen, denn immer mehr unterschätzt man die Gefahr, die von den Zombies ausgeht. Romero gibt viel von dem vor, an dem sich "The Walking Dead" seit der sechsten Staffel bedient, erneut beweist er innerhalb seines Themas Weitsicht. Zudem zeigt er uns mit dem Zelebrieren scheinbar nebensächlicher Prozesse, dass er noch immer die Detailfreude und den Spannungsmoment eines "Zombie" beherrscht, so wie dort sowohl die Hauptgeschichte betreffend, als auch solch hervorragende Momente, wie jenen an der Brücke. Zudem weiß Romero noch immer gekonnt mit Wendungen und Ekelszenen zu schocken, weiß in welchem Grade das Einbringen Letztgenannter für einen Film förderlich ist und vernachlässigt dort wie anderswo nicht den kreativen Aspekt. "Land of the Dead" ist angereichert mit vielen originellen Ideen, die meist im Hintergrund zu entdecken sind, inklusive einer liebevollen, aber gut versteckten Hommage an "Shaun of the Dead", die ich ohne das Lesen des Abspanns wohl nie entdeckt hätte. Und einer Wiederkehr des von Tom Savini verkörperten Rockers aus Teil 2 gibt es auch ganz nebenbei mitzuerleben.

Natürlich ist nicht alles Gold was glänzt. Die finale Entscheidung die Zombies betreffend ergibt auch in ihrem intelligenteren Zusammenleben keinen Sinn, frisch Verstorbene werden ebenso intelligenter wie jene Zombies, die diesen Zustand schon lange besitzen und bei denen dies dementsprechend Sinn ergibt, und warum in der neu aufgebauten Stadt erneut Geld einen Wert besitzen soll, ist auch nicht wirklich nachvollziehbar. Auch ist der Fortschritt der Intelligentserlangung zu rasant gesetzt, was aber auch daran liegt, dass "Land of the Dead" in nur wenigen Stunden spielt, und so gekonnt wie das Drehbuch uns die restlichen Hintergründe, Ereignisse und Charakterzeichnungen in solch kurzem Zeitraum serviert, verzeiht man dieses Makel gerne. Eine gut besetzte Zuschauerriege, inklusive eines interessanten Staraufgebots mit Dennis Hopper und Asia Argento, machen den eh und je gesellschaftskritischen Umgang dieser Thematik Romeros zu einem glatt laufenden, kurzweiligen und noch immer hintersinnigen Stück Film, der tatsächlich kompatibel mit den drei Vorgängern ist. Manche Fehler in der Logik verzeiht man gern, Klischees ebenso, da sie sich toll in die Geschichte integrieren und "Land of the Dead" mit seinem zwei Schichten-Modell zumindest nicht moralisch daher kommt. Jede Figur, egal in welcher Position, handelt innerhalb des ihr angedichteten Charakters nachvollziehbar, Gut und Böse existiert meist in einer Person, in all diesen Bereichen guckt sich der Streifen überraschend unamerikanisch. Nach dem Erfolg des hier besprochenen Filmes entschied sich Romero mit "Diary of the Dead" keine Fortsetzung zu drehen, sondern einen alternativen Anfang der Epidemie zu Teil 1. Das war sicherlich keine gute Entscheidung, andererseits fröstelt mich die Vorstellung, was er nach den Erkenntnissen von "Land of the Dead" wohl im nächsten Film aus dem Zombies gemacht hätte. Ich glaube es ist somit gut, dass die Reihe chronologisch gesehen mit Teil 4 ihr Ende fand, bevor sie zu unsinnig geworden wäre.  OFDb

28.05.2016

SPACE TRUCKERS (1996)

Filmfreunde die alternativ zum Mainstream-Programm nichts konsumieren und für die Spezialeffekte nah an der Perfektion umgesetzt sein müssen, ist der ungewöhnlich erzählte „Space Truckers“ so gar keine Überlegung wert. Solche Menschen werden nicht glücklich mit dem von Stuart Gordon inszenierten Stoff, welcher auf den ersten Blick erkennbar kostengünstig ausgefallen ist und sich wie ein kunterbuntes Comicbuch schaut bei all seinen schrägen, bizarren und provokativen Elementen, die jedoch nie für eine harte, erwachsene Verfilmung genutzt werden, sondern für eine vor Charme sprühende verschmitzte Variante des Erwachsenenfilms.

Wer die Filme der „Lexx“ und ihre nachfolgende Serie kennt, der kann in etwa erahnen was einem bei „Space Truckers“ erwartet, der sich gekonnt mit unsinnigen Ideen, absichtlich schlechten Spezialeffekten und Übertreibungen der Lächerlichkeit preisgibt. Dabei ist er jedoch nicht vergleichbar mit Produktionen der Firma The Asylum, die so lange experimentell freiwilligen Schrott produzieren bis zufällig auch mal ein brauchbares Produkt bei herum kommt. Gordons Werk geht seine billige Ader gezielt an, weiß genau was er parodieren oder anderweitig erreichen will und trifft damit meist ins Schwarze.

Ungewöhnlich ist es schon gerade Stuart Gordon in einem solchen Werk auf dem Regiestuhl sitzen zu lassen. Zu Hause ist er im Horror-Genre, und auch wenn er solch unterschiedliche Werke wie den märchenhaften „Dolls“, den schwarzhumorigen „Re-Animator“, den harten Erwachsenenfilm „From Beyond“ und den dramatischen „Castle Freak“ fertigestellt hat, inmitten eines verspielt fröhlichen Science Fiction-Popkornfilms kann man ihn sich nur schwer vorstellen, so dass man um so überraschter sein darf wie kurzweilig der Streifen ausgefallen ist.

Es ist schade, dass ihm gegen Ende ein wenig die Luft ausgeht, schreitet „Star Truckers“ (Alternativtitel) ansonsten doch ohne große Umschweife flott voran. Aber selbst das etwas zurückgeschraubte Tempo im letzten Drittel, welches „Space Truckers“ den Weg zur wahren Genre-Empfehlung verwehrt, ist immer noch gut genug umgesetzt als dass man über ein nur halbgeglückten Werk klagen könnte, immerhin geht es gerade in der letzten halben Stunde konzentriert um die cool designten Killerroboter, und so etwas weiß dem Kind im Manne grundsätzlich zu gefallen.

Gordon zeigt uns die Arbeiterwelt der Zukunft, die nicht viel anders aussieht als die heutige auf Erden. Und genau mit dem Parallelblick aufs Heute wissen so viele versteckte Anspielungen zu gefallen. Am besten gefällt mir diesbezüglich der Running Gag, dass sich die Crew-Mitglieder beim Starten stets mit einer Art Achterbahnbügel anschnallen müssen, hoch futuristisch oder gewitzt elektronisch fällt die Zukunft somit nicht aus, erst recht nicht für die Unterschicht, die sich moderneren Schnickschnack nicht leisten kann.

Die nur selten zu sehende Oberschicht hingegen behängt sich mit albernen und blinkenden Schnickschnack, was erneut ein Tiefschlag heutiger Beobachtungen ist. Dieses hemmungslose Herumalbern findet jedoch glücklicher Weise immer nur in Rahmengimmicks statt, während die Hauptgeschichte routiniert humoristisch umgesetzt ist, als Komödie also zu funktionieren weiß, ohne das Niveau gleich auf unterirdischen Klamauk zu reduzieren.

Dank der Kenntnisse der Comic- und Science Fiction-Materie werden Klischees von Bösewichtern, Zukunftserrungenschaften und einem Zweiklassensystem charmant und treffsicher eingefangen. Und der Mut zu bizarren Ideen rundet das Rezept gekonnt ab und dürfte seinen Höhepunkt diesbezüglich wohl in der Figur des Piratenanführers erhalten, gerade in jener Sequenz in welcher er Sex mit Johns Wegbegleiterin haben möchte. Spätestens hier sollte der „Lexx“-Kenner endgültig Parallelen zur Serie erkennen, die Verwandschaft zwischen beiden Produkten ist enorm.

Dies dürfte auch der Grund dafür sein warum sich so viele Menschen mit „Space Truckers“ schwer tun, sind doch beide Werke nicht sehr beliebt beim Massenpublikum. Da dies aber nicht an einer schlechten Umsetzung liegt sondern daran dass manche Menschen sich in völlig andere Ansätze nicht hineinfühlen können, spricht diese Abneigung gegen das Publikum anstatt gegen den Film. Der mit Dennis Hopper so gelungen in der Hauptrolle besetzte Film mag nicht alles richtig machen, für den großen Wurf fehlt ihm die wahre Größe, aber ein sympathischer Abstecher in eine unsinnige Zukunft einer unsinnigen Gesellschaft von heute ist er in seiner gewagten und verspielten Art definitiv.  OFDb

06.08.2014

SWING VOTE - DIE BESTE WAHL (2008)

Konstruiert mag der Plot ja sein, uninteressant jedoch keineswegs, bietet er doch die Grundlage für eine faszinierende Satire über all die Schattenseiten des Wahlkampfes, die Lügen der Demokratie und der Gefahr der Gewöhnung. Nur leider will „Swing Vote“ keine Satire sein. Regisseur Joshua Michael Stern wollte viel eher eine Tragikomödie aus dem Stoff schaffen, die anregen soll wählen zu gehen. Allein mit dieser Grundlage verliert der Stoff jeglichen Biss, setzt er doch die umstrittene Ansicht voraus wählen zu gehen wäre in einem festgefahrenem System wie Amerikas oder auch Deutschlands ein entscheidender Faktor für die Demokratie, egal wer zur Wahl steht. Umgekehrt ist die Wahl nicht zu wählen automatisch als undemokratisch abgestempelt, egal ob da jemand seinem Gewissen folgt oder nicht.

Guckt man „Swing Vote“ so wie er gemeint ist, kann man ihm das nur bedingt vorwerfen, eben weil er keine Satire sein will. Er will ein bewegender Film sein, und wie die meisten Werke dieser Art muss er sein Thema dafür arg blauäugig behandeln. Bei Liebe, Rache und Verrat lassen wir uns gerne darauf ein, bei Politik läuten automatisch die Alarmglocken der Manipulation des Zuschauers, ein Bereich der eigentlich zur Grundlage filmischen Schaffens gehört. Film manipuliert. Film will das Publikum irgendwo hinführen. „Swing Vote“ fühlt sich falsch an, weil das System das er gut heißt korrupt ist, er selbst es jedoch all zu menschlich zeichnet mit Menschen an der Macht mit Gewissen und mit einem Volk das verändern kann.

Dass das alles für‘n Arsch ist dürfte klar sein, also stellt sich nur die eine Frage ob man sich auf „Swing Vote“ als geistlosen Film einlassen kann oder nicht, und wer dies trotz aller zutreffender Kritikpunkte kann erlebt ein ähnlich optimistisch verträumtes politisches Ergebnis wie in den Filmen „Hallo Mr. Präsident“ und „Dave“, wobei letztgenannter trotz seiner märchenhaften Aura wesentlich mehr Köpfchen besaß als der hier besprochene Streifen. Da Stern nur leicht auf den dramatischen Aspekt seiner Geschichte setzt mag sein Film nicht ganz so gefühlsintensiv wirken wie die beiden Vergleichsfilme, ein annehmbares Ergebnis ist ihm aber durchaus gelungen, mag der Storyverlauf auch etwas arg routiniert und damit vorhersehbar sein und die Filmtochter Costners etwas arg penetrant nervig in Szene gesetzt.

Als sympathisch gespielter Kopf aus-Streifen geht „Swing Vote“ trotz aller berechtigter Kritik jedoch durch, ist er doch gekonnt routiniert umgesetzt und weiß seine interessante Geschichte, auch wenn man wesentlich mehr aus ihr herausholen könnte, doch einen Film lang zu unterhalten. Natürlich ist es etwas schade wenn der Film an den interessantesten Stellen abblendet um zur nächsten Szene überzuleiten, aber das ist es auch eben nur dann wenn man geistvoller, gerne auch auf Satire-Basis unterhalten worden wäre. So schlicht und sanft wie der Film gemeint ist, setzt er seine Szenen und das was er nicht zeigt genau richtig ein. Stern lässt sich da nicht beirren, lässt sich auf keinen halbgaren Kompromiss ein. Ganz oder gar nicht ist die Devise. Das grenzt jene komplett aus denen das nicht schmeckt, serviert aber das Stück schlichte Unterhaltung das jener sehen will, der nach Feierabend zum Abschalten eine nette, kleine Geschichte erzählt bekommen will.

Stern hat sein Ziel erreicht. Da sprechen wir von keinem großen Ziel, und man darf sich zurecht wünschen, dass mal wer besagten Stoff bissiger umsetzt, aber als das was Stern abliefern will ist „Swing Vote“ gelungen. Und wer sich tatsächlich von einem kleinen Mädchen ohne Lebenserfahrung und ohne kognitive und soziale Reife während des Zuschauens zum Thema Wahl und Demokratie manipulieren lässt, dem ist ohnehin nicht zu helfen. Der hätte sich ohnehin irgendwann auch von wem anders einen Bären aufbinden lassen und lebt wahrscheinlich in einem Dauerzustand der ewigen Meinungsänderung, immer gerade aktuell von jenem beeinflusst dessen Propaganda er gerade ausgeliefert ist. Aber wegen solcher Vollidioten kann man ja keinen Film verurteilen, der glaubt das richtige zu tun. Lassen wir Stern und die anderen Gehirne hinter diesem Projekt ruhig weiter von ihrem Land der Freiheit träumen. Es ist doch ihr gutes Recht.  OFDb

30.12.2012

THE TEXAS CHAINSAWMASSACRE 2 (1986)

Der ehemalige Gesetzeshüter Lefty sucht nach der Psychopathen-Familie, die seinerzeit seinen Bruder getötet hat. Den Mythos der Kettensägen-Familie glaubt nach all den Jahren ohnehin niemand mehr, deswegen wird Leftys Besessenheit von Kollegen auch belächelt. Eine neue Spur tut sich auf, als Radiomoderatorin Vantia während ihrer Sendung ein Telefonat mitschneidet, bei dem die Anrufer mittels einer Kettensäge getötet werden. Da auch die Kannibalen-Familie einen Mitschnitt vermutet schwebt die Moderatorin in Lebensgefahr. Lefty kontaktiert Vantia...

Das menschlichste Chili der Welt...
 
Wenn ein kultiger Kunstfilm, der zudem noch sehr umstritten ist, eine Fortsetzung erfährt, darf man zurecht misstrauisch sein. Da der künstlerisch wertvolle Gehalt des Erstlings keine Erweiterung oder Vertiefung benötigte und im psychologischen Sinne zwischen den Zeilen auch alles gesagt war, war ein Film im selben Stile gar nicht mehr nötig. Den einzigen Grund zur Weiterführung gab es in der dünnen Geschichte. Jede Story, egal wie sie endet, lässt sich weitererzählen. Und da bereits der Titel „The Texas Chainsaw Massacre“ nicht frei von Realsatire ist, erscheint es zunächst konsequent von Hooper den Erzählstil zu wechseln und aus Teil 2 einen albernen kunterbunten Horror auf Comicart zu machen.

So sehr es den Gedanken einer würdigen Fortsetzung entehrt, so sehr steckt auch ein gewisser Reiz in dieser Idee. Natürlich nur wenn man auch mit dem nötigen Anspruch an das Projekt herangegangen wäre, Albernheiten und Niveau gaben sich schon öfters die Hand (z.B. in Filmen mit Stan Laurel, Dieter Hallervorden und im verwandten Bereich z.B. in „Shaun Of The Dead“ und „Return Of The Living Dead“). Es wäre also möglich gewesen. Aber Hooper ist leider kein guter Geschichtenerzähler, legt die Schwerpunkte stets an falschen Stellen und versiebte dieses Projekt somit fast total.

Nachdem bekannt wurde, dass der Kultfilm fortgesetzt werden sollte, bot sich sofort Dennis Hopper an, der kein Unbekannter im Filmgeschäft war. Diesen nahm man mit offenen Armen auf, eine würdige Rolle bekam er leider nicht. In der ersten Hälfte wird er mehr schlecht als recht in die Geschichte eingefügt und in der zweiten Hälfte darf er nur sinnlos herumsägen, was viel zu oft, viel zu lange und viel zu unnötig gezeigt wird. Lustig wäre es gewesen, wenn man den Charakter langsam in den Wahnsinn hätte hinabgleiten lassen. Dieser Gedanke war von Hooper, denk ich mal, durchaus gewollt, wird aber zu ruppig und undeutlich umgesetzt.

Interessant, der Rest braucht sich nicht den Vorwurf des Undeutlichseins anhören müssen. Im Gegenteil, der Rest glänzt durch völlige Übertreibung, wie sie im Comicsinne auch sein muss. Die Ekeleffekte erfüllen das, was der Gorehound durch den reißerischen Titel bereits bei Teil 1 erhoffte (und in den Remakes später auch im sinnlosen Überfluss serviert bekam). Die Figuren wirken einer Geisterbahn entsprungen, auch das Oberhaupt der Familie, das den komischen Part in Teil 1 erwischte, wird in seiner Albernheit noch einmal um einige zusätzliche Übertreibungen intensiver dargestellt als im Vorgänger. Dass das Herangehen mittels Übertreibungen nicht grundsätzlich was schlechtes sein muss zeigt sich z.B. in den lustigen Ideen rund um den Chili-Wettbewerb.

Den Familienmitgliedern im normalen Alltag des Großstadtlebens zu begegnen ist ohnehin der erste provokative und nicht uninteressante Schock, den man beim ersten Sichten erfahren muss. Sofort kommen einem Fragen in den Sinn, die in der sehr dünnen Story sogar großteils beantwortet werden. Ob man mit den einzelnen Antworten nun zufrieden ist oder nicht liegt bei jedem selbst. Theoretisch kann ich mit der Erklärung leben, warum die Familie wo und warum nun dort lebt und ihrem Treiben nachgeht, wo sie es nun einmal jetzt tut.

Auch wenn Leatherface ein paar sehr originelle Szenen zugeschrieben bekam (die Kettensäge als Phallussymbol (nicht nur komisch gemeint, sogar recht nervenkitzelnd eingesetzt) oder auch die Szene, in der er der Heldin helfen will, in dem er sie mit einer seiner frischen Masken tarnt), liegt gerade in seiner Fortsetzungs-Metamorphose eine der großen Enttäuschungen von Teil 2. Aus Leatherface ist ein Hampelmann geworden. Alles psychologisch zutreffende aus Teil 1, was nur am Rande aufblitzte, wird über Bord geworfen, um aus ihm einen Freak zu machen, dem letzten Endes die Würde fehlt, um als Freak a la Freddy Krueger gefallen zu können. Wie provokativ, interessant und gelungen man Leatherfaces Charakter hätte ändern können, wird z.B. in „Texas Chainsaw Massacre 4 – Die Rückkehr“ deutlich, der aus dem Kettensägenschwinger eine Tunte machte, sehr zum Ärgernis ignoranter Fans.

„Texas Chainsaw Massacre 2“ ist kein Totalreinfall, er hat für eine bessere Bewertung aber einfach zu viele Leerläufe. Gerade in der zweiten Filmhälfte gibt es zu viel, was man in Teil 1 wesentlich besser und cleverer gesichtet hat. Zudem wirkt die Location nicht, in der die Kannibalenfamilie nun haust. Dies ist ein entscheidender Fehler, wenn man bedenkt wie viele Filmminuten dort verbracht werden.

Kleine Überraschungen, wie der Fund von Franklyns Leiche, gibt es in der 2. Hälfte kaum noch. Dennis Hopper als Kettensägenschwinger, was in der 1. Hälfte beim Einkauf dieses Werkzeuges noch recht lustig umgesetzt wurde, erfährt in der 2. Hälfte endlosen Leerlauf. Ewig wird gesägt und gesägt. Wer will das sehen? Ja, Holz kann man sägen! Danke für diese Info. Aus dieser Sinnlosigkeit, gerade wegen der Gefahr die wegen seines Handels der Hauptrolle widerfahren könnte, hätte man einige gute Ideen ernten können. Dann hätte man aber so pfiffig arbeiten müssen wie in Teil 1. Und dessen Intelligenz scheint mir nach Sichtung diverser anderer Hooper-Filme eher zufällige Intuition gewesen zu sein, statt gewollte psychologische Raffinesse.

Teil 2 ist blutiger, alberner und rasanter. Trotz seiner actionreicheren Geschichte tritt Hooper aber ständig unnötig auf die Bremse, so dass das fertige Werk dann doch sehr langweilig ist. Gegen Ende wünscht man sich den Schluss geradezu herbei. Kettensägenmassaker auf „Muppets“-Niveau hätte etwas radikales, provokatives und innovatives werden können. Die Umsetzung der gewagten Herangehensweise lässt allerdings so stark zu wünschen übrig, das von Innovation, Mut oder gar Kunst nicht mehr gesprochen werden kann. Damit könnte ich noch leben. Aber da das ganze auch unterhaltungstechnisch nicht funktionieren will, bin ich doch sehr enttäuscht.  OFDb