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30.03.2024

PLANET TERROR (2007)

Bereits der eingangs vorausgeschickte Fake-Trailer zu "Machete", einem Film, der erst aufgrund des Erfolgs von "Planet Terror" tatsächlich realisiert wurde, zeigt wie gut man sich im Gebiet des B-Movies auskannte, wird doch gefühlt jedes Klischee eines Actionfilms und eines Trailers ausgelebt, gekleidet in einem längst vergangenen Stil. Und dabei bleibt es, wenn das Hauptprogramm beginnt, das sich nicht damit ausruht einen Zombiefilm zu liefern. Dieser Bereich drängt sich fast schon an den Rand, inmitten irrer Figuren, Einfälle und Klischees, die das Geschehen von Robert Rodriguez' Film beherrschen und zum feuchten Traum für Fans des harten Trivialfilms werden. Die Härte gegenwärtiger Filme vereint sich mit dem Stil diverser Filmdekaden ab der späten 60er Jahre, munter werden Elemente diverser Genres verknüpft, Klischees derart hochgeschraubt und ad absurdum geführt, dass sie regelrecht pervertieren in einem Geschehen aus Coolness, Ekel, Sexismus, Übernatürlichem und Gewalt. Und wenn man versteht, auf was sich die absichtlich geschmacklose Chose bezieht, erkennt man in welcher Perfektion Rodriguez das alles inszeniert. 

Jedes kleinste Detail stimmt in dieser Verbeugung vor dem Schundfilm, hier wurde nichts auf die Schnelle abgefertigt. Zugang muss man dazu besitzen, um Spaß an diesem gewaltbereiten, vulgären Treiben zu haben, Perfektion hin oder her. Und während mir dies bis in die 00er Jahre hinein problemlos geglückt wäre, tue ich mich heute trotz dieses wundervollen Ergebnisses doch etwas schwer mich hier einzufinden, ist mir der Coolnessfaktor doch viel zu hochgehalten und mutet mir eine Spur zu infantil an, inmitten eines Streifens, der bewusst das perverse Kind im Manne nährt. Auch die Unnahbarkeit zu den Figuren, die tatsächlich gar nicht anders ausfallen darf als geschehen, inmitten dieses vor Skurrilitäten nur so wimmelnden, abgedrehten Stoffes, der dem Zuschauer keinerlei Atempausen gönnt, ließ mich das an sich köstliche Ergebnis von "Planet Terror", der in Kombination mit Quentin Tarantinos "Death Proof" entstand, doch etwas arg theoretisch schauen, anstatt dass ich hätte munter hinein springen und eintauchen können in dieses Bad aus Sex, Erotik und Gewalt. 

Ich sympathisiere mit dem Film, definitiv, ich bin begeistert von der Figurenzeichnung, dem Klischee von Versöhnung verfeindeter Seiten, dem überzogenen Heldenbild von Mann und Frau, von den politischen Unkorrektheiten, die sich inmitten von Irrsinn und Abartigkeiten auf comicart korrekt anfühlen. Und doch blieb ich zu sehr Zuschauer, ich, der noch immer Spaß an derben Komödien und schmuddeligen Horrorfilmen findet, der Liebhaberstücke aus der Jugend noch immer mag und viele gleichrangige Werke der heutigen Jugend entdeckt und hin und wieder begreift. Aber wahrscheinlich benötige ich die hier inflationär eingebrachten Zutaten einfach eine Spur rarer eingesetzt, inmitten eines Filmes, der mir zumindest vorgaukelt eine Handlung zu besitzen und an irgendeinem fiktiven Ort in einer fiktiven Welt gerade tatsächlich stattzufinden. Und diese für mich ganz entscheidende Illusion entfacht "Planet Terror" leider nicht, kann er auch nicht als vollkommen aufgeblähte Groteske. Das kann man ihm nicht vorwerfen. Aber das ist der Grund, warum ich das Ergebnis nur mag und achte, anstatt es auch in jeder Pore in mir zu fühlen.  Wiki

28.02.2017

PREDATORS (2010)

Warum sich „Predators“ der Einstiegssituation von „Cube“ bedient, verstehe ich nicht, beginnt der Film doch allein damit sehr konstruiert und unsinnig. Da es ohnehin nur um den Überlebenskampf in einem Dschungel geht, der zudem fast nur aus Pflanzen besteht, wie es sie auch auf der Erde gibt, hätte der dritte Teil der „Predator“-Reihe auch gleich auf unserem Planeten spielen können. Ich kann zwar aus Produzentensicht verstehen, dass mehr Menschen ins Kino laufen, wenn die Fortsetzung den Aufhänger besitzt auf einem fremden Planeten zu spielen, oder, wie oft falsch angekündigt, auf dem Planeten der Predatoren, aber da hätte es viele andere inhaltliche Ansätze gegeben eine Geschichte über des „Alien“-Fan zweitliebste Kreatur außerhalb der Erde spielen zu lassen, und von denen, das wage ich zu behaupten, wären die meisten kreativer ausgefallen.

Kreativ war man bereits in „Predator 2“ nicht, der ziemlich lahm auf den Erfolg des Schwarzenegger-Filmes aufstieg, ohne dessen Reiz verstanden zu haben. So braucht es trotz der Begeisterung um die titelgebende Kreatur auch nicht verwundern, dass das Kino-Franchise, von den Spin-Offs „Alien vs. Predator“ und „Aliens vs. Predator 2“ einmal abgesehen, erst 20 Jahre später eine weitere Fortsetzung beschert bekommen hat. Nun ist „Predators“ leider zu einer Zeit entstanden, in welcher die großen Blockbuster unkreativer denn je ausfallen. Gerade wenn alte Erfolge neu aufploiert werden, dann setzt man auf Nummer Sicher und erzählt selbst angebliche Fortsetzungen eher als Remakes.

Und so sehr „Predators“ mit seiner anderen Welt und dem ungewöhnlichen Aufhänger, ja sogar mit einem deutlichen Benennen der Ereignisse aus Teil 1 (Teil 2 wird ignoriert), auch davon ablenken will, eigentlich stielt er das Szenario des ersten Teils, den Überlebenskampf im Dschungel gegen einen außerirdischen Jäger, auch wenn die Geschichte aufgrund des anderen Spielortes und der veränderten Situation nicht so minimalistisch ausfällt wie im Original. Gerade dies ist schade. Wenn schon Teil 1 kopieren, dann hätte man doch gerade das Minimalistische mitkopieren sollen, was dem Film erst den letzten Schliff bescherte. Aber das ist im Mainstream-Kino großer Blockbuster-Werke heutiger Zeiten nicht möglich, das stets von größer, lauter, schneller lebt.

Vielleicht kann man sich deswegen glücklich schätzen, dass „Predator 3“ (Alternativtitel) zumindest letztgenannte Pflicht ignoriert, ist er doch recht langsam erzählt, zumindest für einen Blockbuster aus den 10er Jahren des laufenden Jahrhunderts. Wer Spaß mit der zweiten Fortsetzung haben will, der muss einiges an Unsinn ignorieren können, strotzt die Geschichte doch nur so von nicht durchdachten Geschehnissen und Handlungsweisen, von Widersprüchen in der Geschichte und von grundlegendem mangelndem psychologischem Verständnis.

Den größten Bock schießt man gleich zu Beginn, wenn eine Person nach einem Feuerangriff von einer anderen Person wegläuft, um sich zu verstecken, und die selbe Person, von der er sich entfernt hat, sich bereits im Versteck befindet. Wie kann einem solch ein grober Schnitzer nicht auffallen bevor der Film dem breiten Publikum zugänglich gemacht wird? Solche Szenen wären eher typisch für Komödien wie „Die nackte Kanone“, sind dort aber zumindest beabsichtigt um sich über das Medium Kino lustig zu machen. In „Predators“ kann man das nur noch als peinlich bezeichnen.

Kann man über die vielen Idiotien hinweg sehen, was mir persönlich sehr schwer fällt, dann kann man jedoch recht okay unterhalten werden. Regisseur Nimród Antal bewies bereits mit „Motel“ das er Stoffen mit wackelnder Logik einen spannenden Stempel aufdrücken kann. Zwar erschafft er hier nicht solch eine dichte Atmosphäre wie dort, was aber auch daran liegt dass die „Predator“-Reihe stets mit dem Genre der Action verbunden war, aber zumindest ist das Ganze recht stimmig inszeniert. Professioneller würde die ganze Chose sicher wirken, wenn man das hohe Talent, welches die beiden Schauspieler Topher Grace und Adrien Brody besitzen, ebenfalls zu den Vorteilen des Filmes zählen könnte, aber wer sie nur aus „Predators“ kennt, würde nie erkennen, dass diese beiden Mimen mehr können als ihre Sätze aufzusagen.

Somit ist es eigentlich egal ob hier wer talentiert oder weniger talentiert ist, andererseits zieht hier zumindest niemand mangelnden Talents das Niveau nach unten, ein Aspekt unter dem „Terminator 5 - Genysis“ gelitten hat bei all seinen mauen bis schlechten Schauspielern. Die Akteure in „Predators“ sind alles Profis ihres Fachs und verkörpern ihre Figuren zumindest so glaubwürdig wie das Drehbuch es zulässt. Die wahren Schwächen sind dort zu suchen. Ein Charakter, der am Ende des Filmes nicht das ist, was er zu Anfang zu sein schien, ergibt aufgrund der Motivation seines Überlebenswillen rückblickend strategisch zu Beginn des Filmes keinen Sinn, so dass diese Randerscheinung, wie so oft im modernen Blockbuster, sich einzig auf den Überraschungeffekt am Ende konzentriert, für ein Publikum, das nicht zurückschaut und hinterfragt ob die Aufdeckung der Wahrheit auch kompatibel mit den Geschehnissen zuvor war.

Auch sonst lässt das Drehbuch die Glaubwürdigkeit seiner Figuren oft wanken. Da besitzten Kriegserfahrene Strategien um an Informationen zu gelangen, durchschauen Fallen und wissen wie man den Predatoren die Jagd erschwert, aber auf wichtige Hinweise, wie dem sehr entscheidenden leise zu flüstern, um von einer Schwäche des Gegners zu profitieren, um nicht entdeckt zu werden, scheißt man, selbst eine Minute nachdem man diesen Tipp erhalten hat. Dem Blockbuster-Publikum hätte man scheinbar einen geflüsterten Restfilm nicht zutrauen können, das würde mehr Konzentration vom Zuschauer erfordern.

So reiht sich allerlei Unsinn innerhalb eines gedankenlosen Plots aneinander, dass man sich tatsächlich wundern darf, wie es Antal trotzdem schaffte den großen Crash zu umgehen und trotzdem etwas halbwegs Unterhaltsames auf die Beine zu stellen. Trotz fehlender Sympathie sind einem die Figuren schließlich nicht egal. Stets ist man mittendrin im Geschehen, und von einer Phase kurz nach dem Ausstieg des Gastauftritts von Laurence Fishburne einmal abgesehen, in welcher die Story kurz ereignislos actionreich auf der Stelle tritt, kommt auch nie Langeweile oder Stillstand auf. Das liegt meiner Meinung daran, dass man, ähnlich wie bei „Outpost - Zum Kämpfen geboren“, stets an der Strategie und den Diskussionen der Truppe teilnimmt. Probleme werden gelöst, und wir sind nicht erst bei der Ausführung dabei, sondern bereits bei der Planung. Das verbindet einen mit den Protagonisten und macht aus einem theoretisch eintönigen Szenario eine Geschichte zum Miterleben.

Dass dies bei „Predators“ funktioniert, verwundert schon, bei all den Unsinnigkeiten, die uns hier als Strategie und Diskussion vorgesetzt werden, aber dem ist so. Daraus erntet man zwar keine Empfehlung oder einen astrein laufenden Unterhaltungsfilm, aber man reitet den Film damit trotz übler Produzentenentscheidungen zumindest nicht in die Scheiße. Auch Quantitäten wissen zu helfen. So kann man z.B. nicht über die Kreaturen- und Spezialeffekte meckern, die bei einem Blockbuster dieses Kalibers freilich neben den Schauspielerkosten das meiste Geld verschlungen haben. Aber das sind alles keine Aspekte die einen guten Film ausmachen, so dass „Predators“ aufgrund seiner Schwächen trotzdem nur ein austauschbares Filmchen geworden ist, welches nur Denkverweigerer als kompromisslos unterhaltsam bezeichnen können. Aufgrund seiner Kurzweile hat mir die zweite Fortsetzung jedoch besser gefallen als die erste.  OFDb

25.12.2016

FROM DUSK TILL DAWN (1996)

Es ist egal ob Robert Rodriguez auf dem Regiestuhl sitzt oder ein Tony Scott bei „True Romance“. Am Ende schaut sich ein Drehbuch Tarantinos immer wie ein Quentin Tarantino-Film, und das ist auch bei „From Dusk Till Dawn“ der Fall, der alle liebgewonnenen Eigenschaften besitzt, die man bis heute an einem Tarantino-Film zu schätzen weiß. Ich weiß nicht warum einige Cineasten glauben aus dem Tarantino-Alter herausgewachsen zu sein, entsprechen seine Filme doch keinesfalls einer Phase, die man einzig nutzen konnte um sich cineastisch weiterzuentwickeln und dabei über diese Sehhilfe hinauszuwachsen. All seine Werke, die ich einst schätzte, besitzen noch immer eine enorme Sogkraft, sind höchst kurzweilig ausgefallen und auf ihre eigene Art sogar recht intelligent erzählt. Die Verbeugung vor Vergangenem geht stets Hand in Hand mit neuen Einflüssen, und dies von Werk zu Werk trotz wiederkehrender Zutaten auf jeweils eigene Art.

Die Dialoge in „From Dusk Till Dawn“ gehören zur Creme de la Creme dessen was der für seine besonderen Dialoge bekannte Tarantino je geschrieben hat. Lediglich die Dennis Hopper/Christopher Walken-Szene aus „True Romance“ weiß diese zu toppen. Die pointensichere Textabfolge ist im hier besprochenen Werk derart geglückt, dass sie zum Höhepunkt des Streifens wird und sämtliche noch so perfekt umgesetzte Actionszenen in den Schatten stellen. Hinzu kommt eine Gruppe interessant charakterisierte Figuren und einige Spielereien mit Wahrnehmung und Optik und schon schaut sich die eigentlich recht simpel ausgefallene Geschichte um Gangster und ihre Geiseln, die Vampiren zum Opfer fallen, wesentlich ereignisreicher als sie eigentlich ist.

Die Besetzung ist hochkarätig ausgefallen, schenkte George Clooney einst die Chance aus seinem Serienarzt-Schatten treten zu dürfen, nutzte das kindliche Gesicht Juliette Lewis‘ ähnlich gekonnt wie „Kap der Angst“, zeigte uns einen Harvey Keitel einmal von einer völlig anderen Seite und gab Quentin Tarantino die Chance einmal selbst vor der Kamera tätig zu werden, was er nach heftigsten Kritiken nicht mehr in dieser Größe wiederholte, obwohl er die comichafte Übertreibung, die sein Charakter benötigte, verstand und dementsprechend gekonnt umsetzte. Verstehe einer manche Kritiker.

Eine Prise gekonnt eingefangener Erotik und ein Soundtrack, der für die perfekte Grundstimmung sorgt, machen aus „From Dusk Till Dawn“ ein Liebhaberstück zum Immerwiedersehen, auch wenn er durchaus seine Schwachstellen besitzt. Nicht nur dass mir das Design der Vampire nicht zusagt und ich auch manch zelebrierte Coolness diverser Nebenfiguren im Titty Twister als zu albern, ja regelrecht infantil empfinde (typische Rocker-, Tatoo-, Metalmentalität eben), ohnehin gefällt mir der dominantere Teil ohne Vampire besser als alles was nach dem Ausbruch vonstatten geht. Nicht falsch verstehen, „From Dusk Till Dawn“ bleibt auch in dieser Phase ein kurzweiliger Film in guter Pointensetzung und mit vielen einfallsreichen Ideen versehen, die Kraft die seine Atmosphäre zuvor besaß verpufft jedoch in einem Szenario, das nun fast ausschließlich nur noch auf Actionsequenzen im Kampf Mensch gegen Vampir setzt.

Das könnte alles besser funktionieren, wenn man nun die zuvor anders eingefangene Coolness der Figuren nicht dafür nutzen würde, sie sympathisch und heldenhaft wirken zu lassen. Was zunächst ironische Distanz besaß, wird nun zum Profilieren genutzt und verliert damit seine Unschuld und Harmlosigkeit. Eine Schrulle wird zur Identifikation, Coolness wird plötzlich zelebriert und gepuscht, und das ist schon recht ärgerlich.

Zumindest bleibt der Kampf gegen die Überzahl Vampire für einen verspielten Genrebeitrag recht glaubwürdig, und an Ideen mangelt es ebenfalls nicht, auch wenn man die ein oder andere aus „Fright Night“ und „Night of the Demons 2“ entliehen hat. Letztendlich ist das in einem Film, der soviele eigene Ideen bietet auch völlig egal, und wenn man erst einmal weiß in welch ein toll umgesetztes Schluss-Szenario das alles mündet, geht man ohnehin versöhnlicher mit der etwas schwächeren Vampirthematik um, ist die Schlussszene auf dem Parkplatz doch Gold wert und auch das letzte eingefangene Bild eine wundervolle Idee.

Es braucht nicht verwundern, dass viele Fans den Streifen fast auswendig mitsprechen können, ist „From Dusk Till Dawn“ doch ein Film den man immer wieder gucken kann und der es schafft theoretisch realitätsferne Sätze perfekt ins Geschehen zu integrieren. Trotz kleiner infantiler Ausrutscher ist „From Dusk Till Dawn“ ein Hingucker für jede Altersstufe ab 18 Jahren. Er ist einer dieser Kultfilme, der seinen Begriff verdient hat, so kultisch wie der Soundtrack verehrt wird, so fanatisch wie sich selbst Rammstein bei ihrem „Engel“-Musikclip an ihm bedienten und, wie bereits erwähnt, so auswendig wie seine Fans ihn wiedergeben können. Es ist nur schade, dass die Vampire nicht anders aussehen. Das ist der einzige Fehler, den ich Rodriguez und Co nicht verzeihen kann.  OFDb

09.10.2012

FACULTY (1998)

Die Highschool wird eingenommen von Außerirdischen, die ihre Opfer in willenlose Angeglichene verwandeln. Eine Gruppe Schüler weiß als einziges bescheid und versucht die Invasion zu verhindern...

Lehrer sind böse...
 
„Faculty“ bedient brav die Sehgewohnheiten des Kinopublikums und erzählt seine Geschichte recht überraschungsfrei. Er ist alles andere als ein ungewöhnlicher oder innovativer Film. Genau das hätte man aber damals von ihm vermuten können, saß doch Robert Rodriguez auf dem Regiestuhl, ein Mann von dem man damals noch nicht wusste, dass er nach seinen Kultfilmen „El Mariachi“, „Desperado“ und „From Dusk Till Dawn“ vorrübergehend zum Mainstream wechseln würde und seinen Tiefpunkt diesbezüglich mit „Spy Kids“ abliefern würde.

Interessanter als ein Blick auf die Regie ist jedoch ein weiterer auf Drehbuchautor Kevin Williamson, der in erschreckender Selbstüberschätzung nach seinem Erfolg der Printvorlage von „Scream“ groß ankündigte nun jedes Genre revolutionieren zu wollen. Ginge man nach dieser Äußerung in Bezug auf „Scream“, „Faculty“ und seinem Regie-Debüt „Tötet Mrs. Tingle“, so schien der Autor zu meinen, man müsse aus jeder bekannten Story einen Teeniefilm machen, der ironisch erzählt ist, und fertig ist die Modernisierung.

Was auch immer für merkwürdige Wege die Köpfe hinter „Faculty“ eingeschlagen haben, der Film selber funktioniert. Er ist der typische kurzweilige Mix aus Horror und Science Fiction, angereichert mit einer Dosis Humor und auf typische Teeniefilm-Art angenehm geistlos erzählt.

Letzteres könnte man hinterfragen, beschäftigt sich das Werk doch mit der Idee, dass sich eine Gruppe unterschiedlichster Menschen, die sich untereinander teilweise nicht ausstehen kann, einer Angleichung zur Wehr setzt. Hierfür war der Mikrokosmos Highschool ideal, um diesen Gedanken für eine Geschichte zu verfolgen, die nur innerhalb weniger Tage spielt. In der Schule treffen am deutlichsten unterschiedliche Mentalitäten aufeinander. Und wohl nur in der Schule war es möglich das Popkornkino übliche Happy End zu erreichen, da sich die betroffenen Figuren noch in einem Entwicklungsstadium befinden und sie somit noch leichter Zugang zueinander bekommen können, um sich zu organisieren. Und der Aspekt der geringeren Anzahl an Personen, die sich zusammenraufen muss, steht zusätzlich sinnvoll für eine Gegenwehr mit positivem Ausgang.

Psychologisch richtig wird herausgearbeitet, dass Angleicher gerne von ihrer Perspektive ausgehen, die richtig sei und welcher sich die anderen anzunehmen haben, sich aber niemals auf das Denken anderer einlassen. Das Spiel mit den Existenzängsten oder den im Teenie-Alter noch wichtig scheinendem Wunsch der Masse gefallen zu müssen und deshalb Teil von ihr werden zu wollen, ist ebenso richtig eingebracht.

Und doch, so frag ich mich, ist anzuzweifeln ob Williamson wegen solcher Aspekte ein cleveres Drehbuch gezaubert hat. Bedient er sich doch letztendlich inhaltlich und stilistisch an vergangenen Erfolgen, macht aus erstem sogar gar kein Geheimnis und spielt offen mit Verweisen auf „Invasion der Körperfresser“ und dessen Ideendiebstahl von „Puppet Masters“, der erstmals unter dem Titel „The Brain Eaters“ verfilmt wurde. In Bezug auf die eingenommenen Lehrer wäre vielleicht noch ein Verweis auf „Invasion vom Mars“ passend gewesen.

All diese Filme und Bücher befassten sich mit dem selben Thema. Der im Film am häufigsten aufgegriffene Verweis auf die Körperfresser-Verfilmungen betont zudem das fehlende Happy End dieser Werke. Zu erfahren, dass die Außerirdischen gewinnen, scheint eine gewollte Täuschung zu sein, da wie oben erwähnt das positive Ende durch den Wechsel auf einen Mikrokosmos ermöglicht wurde.

Williamsons filmische Vorbilder entstanden zu einer Zeit, in welcher die Angst vor den Kommunisten herrschte. Eine Zeit, in der eine vertraute Person ein Verräter amerikanischer Ideale sein konnte. Das gab den nach außen hin scheinenden unterhaltungsorientierten B-Movies politische Brisanz. Einer solchen verweigern sich Williamson und Rodriguez jedoch komplett, obwohl gerade die 90er Jahre im Zuge ihrer „Political Correctness“-Invasion ideal gewesen wären, um das Thema der Angleichung und der verwandelten Bekannten wieder auszubuddeln.

Dass der Film jedoch nur Popkorn-Unterhaltung sein will, zeigt er bereits in seinen Verweisen auf die inhaltlich verwandten Vorgänger. Diese sind eine höfliche Verbeugung vor den Ideengebern und werden letztendlich, wie es scheint, nur deswegen genannt, weil das Publikum der Entstehungszeit von „Faculty“ ebenso wie das von heute hohe Kenntnisse im Filmbereich hat (ein Aspekt, der in „Scream“ zu einem zentralen Element wurde) und ein Ideendiebstahl offensichtlich war. Zumindest zeigt sich nie eine Situation auf, in welcher man mit den Vorgängern spielt, oder gar ironisch oder ehrwürdig mit Elementen der Vorbilder arbeitet, die tiefer graben als das sich Bedienen am Offensichtlichen.

Da sich diese bequeme Grundhaltung der beiden Köpfe hinter „Faculty“ eben nicht nur auf inhaltlicher Ebene zeigt, sondern auch im Ausruhen auf typische Sehgewohnheiten und dem Wunsch des einfach zu erreichendem Publikums (Genre-Freaks und Filmfreunde, die nur Aktuelles schauen) nach Endloswiederholung bereits Bekanntem, lassen sich nun auch die intelligenteren Aspekte, die weiter oben herausgearbeitet wurden, anzweifeln. Denn da wo nur geklaut wird, da klaut man unbewusst auch hintergründige Ideen, und so kann der Anschein entstehen, dass hinter einer geistlosen Sache mehr steckt als es scheint.

Selbst der pfiffig wirkende Griff auf die Schule zu verweisen, kann Zufall sein, weil eben zu dieser Zeit der Teeniefilm zur beliebtesten Gattung des Horror-Genres gehörte. Und dass man einen Film für ein Publikum drehte, welches nach Happy End giert (man beachte nur all die Filme, die ein neues Ende beschert bekamen, nachdem das Testpublikum über einen bösen Schluss empört war), lässt ebenso die Frage aufkommen, ob die Wahl eines positiven Endes aufgrund der Entscheidung des Spielortes tatsächlich der pfiffige Gegenpol  zu den düsteren Finalen der Klassiker war, an denen man sich anlehnte.

So ist „Faculty“ im Grunde das, was er nach außen ohnehin nicht versteckt: ein Popkornfilm, ein Mainstream-Produkt, ein Stück Massenware. Klar hätte aus ihm mehr werden können. Es ist jedoch schön zu schauen wie angenehm er sich trotz dieses Werfens in die Gewöhnlichkeit und trotz der typischen Fehler, die ein geistloser Teenfilm so mit sich zieht, gucken lässt. Rodriguez Werk ist kurzweilig, witzig und vor allen Dingen mit Josh Hartnett, Elijah Wood und Robert Patrick wunderbar besetzt.

Die Leichtfüßigkeit, die man ihm als minderes Niveau ankreiden könnte, ist überraschend der Trumpf des Streifens. Und kleine Ausnahmeideen am Rande, wie die zwingende Tatsache, dass man den Aliens unter Drogeneinfluss entgegentreten muss (ein Aspekt dem man sich noch intensiver hätte annehmen können), machen aus „Faculty“ schließlich den angenehmen Film für zwischendurch, den man auch ruhig mal öfters sehen kann.  OFDb