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29.06.2019

JUDGE DREDD (1995)

Es darf verwundern, dass im Vorspann so direkt damit gespielt wird, dass "Judge Dredd" eine Comicverfilmung ist, schließlich sind es gerade die Fans der Printvorlage, die mit der Verfilmung hart ins Gericht gehen, wird dem Film doch vorgeworfen sich nicht genau genug an die Regeln der Heftreihe zu halten, so z.B. weil der Dredd der Filmversion des öfteren seinen Helm abnimmt. Das sind typische Überreaktionen fanatischer Anhänger einer Sache, und ich kann im Gegensatz zu diesen Menschen frei des Vergleiches über dieses Werk nachdenken, kenne ich doch die Comicvorlagen nicht. Ich bin Freund von Stallones Schaffen, Werken und Talenten und somit froh, dass er für die Hauptrolle auserkoren wurde. Gehörte das Genre der Action-Science Fiction in den 80er Jahren mit "Running Man", "Terminator" und "Die totale Erinnerung" noch in die Hände von Konkurrent Arnold Schwarzenegger, so war Sylvester Stallone nach seinem erfolgreichen Comeback durch "Demolition Man" ein gern gesehener Anwärter für die drei Jahre später veröffentlichte Produktion gleichen Genres. Jahrzehnte nach "Frankensteins Todesrennen" war Stallone wieder für dieses Genre gefragt. Warum nach "Judge Dredd" nichts ähnliches mehr in Angriff genommen wurde, ist mir nicht bekannt.

Zudem verstehe ich nicht, warum es nie zu einer Fortsetzung kam, besitzt der Streifen doch all das, was zu einem gut geratenen Popkornfilm dazu gehört. Ein Actionheld in der Hauptrolle besetzt, ein rasantes Erzähltempo, eine hintergründige, aber nicht zu anspruchsvolle Geschichte, ein interessantes Weltbild der Zukunft, ein phantasiereiches Set Design und einen kleinen Hauch philosophischer Ansätze, gerade gegen Ende, wenn zwei interessante Sichtweisen des Lebens aufeinander treffen, welche die Geister scheidet und nur über die Hauptfigur des Dredd eine eindeutige Position innerhalb der Geschichte erfährt. "Judge Dredd" ist düster und kunterbunt zugleich. Er lässt einen erahnen was aus "Lexx" mit mehr Geld hätte werden können, plündert sicherlich diverse Filmerfolge wie "Metropolis" und "Flucht ins 23. Jahrhundert" für kleinere Einstellungen, ist aber eigenständig genug ausgefallen, um nicht rein der Nachahmung wegen zu gefallen. An Schauwerten mangelt es nicht. Das beginnt mit der futuristischen Stadt und dem Judge-Design, und es schaukelt sich hoch zum liebevoll retro-gestalteten Roboter (mit phantasieanregendem Hintergrund eines ehemaligen Roboterkrieges versehen) und zu den gruselig ausschauenden unfertigen Klonen. "Judge Dredd" ruht sich nie einzig auf einer Idee aus, lässt aber alles kompatibel zu einem Plot zusammenfließen, um auch tatsächlich wie ein Ganzes zu erscheinen. Hier war man sich der Entscheidungen sicher, hier ist kein Konzeptwerk entstanden, das auf Nummer sicher getrimmt ist. Vielleicht mit Ausnahme des Gewaltaspekts, schien man doch ein geringes Rating anzuvisieren, um das Jugendpublikum mit an Bord zu haben.

In Deutschland steht man zu Gewalt anders, hier hat der Streifen trotzdem (zu Recht) seine FSK 16 erhalten, leider aber auch eine zweifelhafte Synchronisation, zumindest was den rückgratlosen Begleiter Dredds betrifft, der sich im Original weit angenehmer anhört. Er ist mit seinen oft zu plump geratenen Sprüchen zudem das Zugeständnis ans Massenpublikum, stört aber nicht genug, um das Ergebnis zu zerstören und ist gelegentlich auch brauchbar eingesetzt. Die Besetzung ist nicht von schlechten Eltern und glänzt gerade in der Entscheidung Dredds Gegenspieler von Armand Assante spielfreudig verkörpern zu lassen. Wer die kurz zuvor erschienene Komödie "Crazy Instinct" kennt, der kann mit Vergleich zur hier dargebotenen Performance die Vielfältigkeit seines Könnens entdecken. Seine Besetzung ist jedoch noch ein weit interessanterer Clou, wenn man bedenkt, dass Assante ein gemeinsames Frühwerk an der Seite von Sylvester Stallone zu verbuchen hatte, ein Drama namens "Vorhof zum Paradies", in welchem er ebenfalls Stallones Filmbruder darstellte. Warum Regisseur Danny Cannon nach dem wunderbaren Ergebnis von "Judge Dredd" ausgerechnet für so etwas dümmliches wie "Ich weiß noch immer, was Du letzten Sommer getan hast", engagiert wurde, weiß ich nicht, könnte aber erklären, warum man ihn heutzutage in der Regel nicht kennt. Schade, aber sein hier geschaffener Film ist definitiv das Reinschalten wert. Er ist kein großer Klassiker seines Genres, weiß aber mehr als bloßen Durchschnitt zu bieten in diesem kunterbunten und harten, wie hintergründigen Meer an Schauwerten, Tempo und Einfallsreichtum.  OFDb

02.01.2018

CRAZY INSTINCT (1993)

Durch den Erfolg der „Die nackte Kanone“-Reihe kam es zu Abrahams Solo-Projekt „Hot Shots“, der seinerzeit eine Welle an ähnlich albern orientierten Film-Parodien auslöste. Neben „Das Schweigen der Hammel“, „Loaded Weapon 1“ und „Chicken Park“ erschien unter anderem „Crazy Instinct“, der sich im Titel und inhaltlich an „Basic Instinct“ anlehnend an die Thriller-Hits der zur Entstehungszeit vergangenen Jahre orientierte und im Mix aus „Der Feind in meinem Bett“, „Kap der Angst“ und „Eine verhängnisvolle Affäre“ einen für diese Art Film typisch wirren Plot ablieferte, der sich aufgrund der Kompatibilität der ähnlich gelagerten Thriller-Themen jedoch nicht halb so lieblos zusammengewürfelt schaut wie manch andere ähnlich bemühte Parodie.

Von bemüht muss man trotzdem sprechen, so krampfhaft wie hier schrille Witze aneinander gereiht werden, ohne dabei die Klasse von Gag-Feuerwerken wie „Spaceballs“ zu erreichen. Im angenehmen Mittelfeld kann „Fatal Instinct“ (Originaltitel) jedoch trotzdem trumpfen, treffen eine Vielzahl der anvisierten Witzchen doch ins Schwarze, und wissen die Darsteller in ihren absichtlich überzogenen Rollen doch zu wirken, allen voran freilich Armand Assante als völlig selbstüberzeugter Frauenkenner, der im Vergleich jeglichen Klischee-Detektiv des 50er Jahre-Kinos wie einen sensiblen Frauenflüsterer aussehen lässt. Ähnlich verkrampft spielend wie David Rasche seine „Sledge Hammer“-Rolle interpretierte und mit versteinerter Visage versehen, die Selbstbewusstsein und Dämlichkeit in ihrer Mimik perfekt vereint, wird er zum Hauptschauwert des Streifens und zum Zentrum wahrlich vieler gelungener Lacher.

Dadurch wird er zu einem der vielen Beispiele dessen warum „Crazy Instinct“ zu funktionieren weiß. Die zitierten und parodierten Momente der Kinoerfolge des Thriller-Genres mögen gelegentlich zum Schmunzeln anregen, im Gegensatz zu vielen anderen Filmparodien werden sie aber nicht zum Hauptaspekt des Lachens. Carl Reiners Werk funktioniert aufgrund seiner eigenen Komik, die man auch losgelöst von den zu parodierenden Thrillern in Komödienform hätte umsetzen können. Das Genre im Allgemeinen wird mit dem Aushebeln von Thriller-Regeln, dem Übertreiben mit Thriller-Klischees und dem allgemeinen Zelebrieren der Thriller-Rezeptur gekonnt veralbert und greift damit tiefer als rein zitierwütige Parodien, wie jene aus der „Scary Movie“-Welle, und doch sind es hauptsächlich die situativen Momente und Dialoge und eben die Charaktere, also alles nicht zwingend direkt Parodierte, was „Triple Indemnity“ (Alternativtitel) zu der charmanten Schmunzelorgie werden lässt, die er auf schlichte Art geworden ist, in vielen Momenten vergleichbar mit "Die unglaubliche Entführung der verrückten Mrs. Stone".

Oft trifft auch das Durchbrechen der vierten Wand ins Schwarze, beispielsweise wenn sich Off-Kommentare als tatsächlich im Moment aktiv gesprochene Worte herausstellen oder Klänge der Hintergrundmusik aktiv ins Geschehen treten, gerade mit Letzterem wird es im Laufe der Spielzeit jedoch zu sehr übertrieben, ebenso wie mit all den vielen zotigen Momenten, von denen man zur Entstehungszeit glaubte, sie müssten in dieser Vielzahl und in ihrer Form der Handlungsstrangsunterbrechung zur Überspitzung einer einzelnen Filmszene obligatorisch im Fahrwasser der Zucker/Abrahams/Zucker-Erfolge eingebracht werden. Nur selten geht diese Rechnung auf, beispielsweise in jener Szene, in welcher durch den Kauf eines dämlichen Hutes der Bereich der Musikschleifen-Szenen veralbert wird. Meist überreizt ein solches Vorgehen jedoch die Geduld des Zuschauers, so anbiedernd kommen diese krampfhaft auf lustig getrimmten Momente daher, z.B. dann wenn es zu einer möchtegern-skurrilen Sexszene zwischen dem Helden und der attraktiven Blondine kommt.

Es sind diese Momente, die den ansonsten stilsicher inszenierten Streifen jenes Potential berauben, welches er eigentlich gehabt hätte. Carl Reiner hat Anfang der 80er Jahre hervorragende Komödien zusammen mit Steve Martin kreiert. Ohne die Anbiederungen an die 90er Jahre-Parodiefilm-Regeln zu Beginn besagtem Jahrzehnts wäre ihm mit „Crazy Instinct“ selbiges ohne Martins Zutun gelungen. Wie erwähnt muss man trotzdem nicht all zu streng mit dem Ergebnis umgehen. Zwar verwässern manche Rohrkrepierer das Gesamtergebnis, am Schluss bleibt aber noch immer eine funktionierende Komödie übrig, die es immerhin meist trotz aller absichtlich konfusen Einflüsse schafft konstant ihr Niveau zu halten und nur selten Risse in einem überraschend konstant funktionierenden Plot-Mix aufweist.  Auch das überraschende Aufrechterhalten der Thriller-orientierten trockenen Grundatmosphäre, welche so vielen Kalauern die perfekt trockene Grundlage bietet, beweist wie stilsicher Carl Reiner trotz besagter Schwächen inszenierte, bei all jenem was unterm Strich noch immer zu funktionieren weiß. Selbst über manch misslungenem Thriller-Verweis schmunzelt man bei solch charmanter Unterhaltung.  OFDb

07.01.2015

DESTINATION DEATH (2009)

Ich habe ja schon eine Menge unsympathischer Gestalten in Teenie-Horrorfilmen erlebt, aber was die Gruppe an eingebildeten und stressigen Studenten in „Destination Death“ betrifft, ist eine neue Hass-Grenze erreicht. Nein was nerven sie alle, und sei es nur weil sie gerade eingebildet vor sich hin starren. Man muss kein böser Mensch sein, um solchen Typen in Horrorfilmen den Tod zu wünschen, und der kommt in Francesco Gasperonis Werk auf rätselhafte Weise, laut Cover etwas angelehnt an „Final Destination“, aber das passt so wenig wie der Vergleich auf „Freitag der 13.“, der auf dem DVD-Cover ebenfalls erwähnt wird. Auch wenn der Löwenanteil der Story im Wald spielt und man irgendwann auf eine Hütte stößt, der Vergleich ist zu weit gegriffen. Dann könnte man auch auf „Tanz der Teufel“ und „The Blair Witch Project“ verweisen.

Vergleiche mit hier besprochenem Streifen gäbe es genug, wenn auch kein hier genannter Film dafür geeignet wäre. Denn die Story selbst ist so unglaublich 08/15 und damit bereits so oft variiert gesehen, dass man sie mithilfe eben erwähnter Nerv-Charaktere kaum durchgestanden bekommt. Ohne Nebentätigkeit habe auch ich es nicht geschafft, und selbst dann ist „Smile“ (Originaltitel) eine Bewährungsprobe für die Geduld des Zuschauers. Die Geschichte ist uninspiriert erzählt, Horror-Freaks müssen enttäuscht feststellen dass Morde stets im Off geschehen, und einen Spannungsbogen gibt es nicht. Dafür vereinzelte Aufnahmen die tatsächlich in Marokko geschossen wurden, aber wen interessiert das schon wirklich? „Destination Death“ soll schließlich kein Urlaubsvideo sein.

Selbst mittelmäßige Werke wie „Turistas“, mit ähnlicher Ausgangslage aber anderem Verlauf versehen, haben mehr zu bieten als diese 10 kleine Negerlein-Version die 1000., bei welcher nicht einmal der Aufhänger des gefährlichen Fotoapparates zu ziehen weiß. In „Hellphone“ wusste die Geschichte um ein böses Handy zu wirken. Der maue „Christine“ war immerhin in seinen Autoszenen faszinierend. „Destination Death - Du bist der Nächste“ (Alternativtitel) hat nur eine olle Sofortbildkamera zu bieten, an der nicht einmal die geschossenen Fotos interessant sind - weder vor noch nach dem Ableben der abgelichteten Personen.

Käme im Laufe der Geschichte nicht zufällig jemand vorbei der die Kamera kennt, wäre auch nie wer auf einen Zusammenhang zwischen dem Ableben der Leute und dem unheimlichen Gegenstand gekommen. Und selbst nachdem der Fremde faselt wie gefährlich der Apparat sei, gehört schon eine Menge Aberglauben dazu, um im weiteren Verlauf der Story ernsthaft an die Möglichkeit zu glauben, dass der gute Mann Recht haben könnte. Aber ohne all diesen Humbug käme die ohnehin schon steife Geschichte gar nicht mehr vom Fleck, also kann man wohl dankbar dafür sein, dass die nervigen jungen Erwachsenen gleichzeitig auch naive und abergläubige junge Erwachsene sind. Wer weiß wieviel Stunden die Geschichte sonst gelaufen wäre. Vielleicht wäre der Film dann so lang ausgefallen, wie er sich bei 80 Minuten anfühlt: wie eine Ewigkeit.  OFDb

07.03.2013

SHARK SWARM (2008)

Um eine Fischerstadt in Not zu versetzen, lässt ein Industrieller eine Chemikalie ins Wasser, welche die Fische vertreibt. Nun kann er sich als der gute Samariter präsentieren, der das untergehende Städtchen in die Zukunft führt und für Geldsegen sorgt. Zu dumm nur, dass aufgrund mangelnden Futters sich nun verschiedenste Haisorten zu einem großen Schwarm zusammen tun und dabei aggressiver denn je vorgehen. Ein Fischer und sein Professoren-Bruder riechen den Braten...
 
Der heiße Brei neu aufgewärmt...
 
Was rechtfertigt einen (Fast)-Drei Stunden-Film? Das habe ich mich schon bei der „Herr der Ringe“-Trilogie gefragt, in der nur eine Schlacht und ein Spezialeffekt dem nächsten folgten. Dabei haben Filme wie „Es“ vorgemacht, welchen Vorteil eine längere Laufzeit haben kann. Und selbst Produktionen wie „Sturm des Jahrhunderts“ nach Stephen King zeigten, dass auch mit ewigem Hinhalten ein längeres Stück Film möglich ist – wenn die Erwartungshaltung hoch genug gehalten wird.

„Shark Swarm“ erzählt jedoch nur das, was seit „Der weiße Hai“ schon viele Dutzend male erzählt wurde, manche Elemente sogar schon zuvor. Schaut man sich die Geschichte und ihren Ablauf an, kommt man sogar zu dem Schluss, dass selbst ein 90-Minüter die Geduld des Zuschauers auf eine harte Probe gestellt hätte. Filme wie „Shark – Das Grauen aus der Tiefe“ machten vor, wie man sich bereits nach 10 Minuten Laufzeit nach dem Ende sehnt, so langweilig kann Hai-Horror umgesetzt werden.

Leider ist Contners Subgenre-Beitrag ein Langeweiler, und damit eine Gurke hoch zehn. „Shark Swarm“ schafft es nicht einmal, trotz vorhandener Logikfehler, unfreiwillig komischer Trash zu werden, eine Art Nebenstraße, die unterirdische Filme wie „Raging Sharks“ und „Shark Attack 3“ unterhaltsam machten, wenn auch nicht auf die Art, die Produzenten und Regie erhofften.

Schaut man sich Contners Filmographie an, wundert einen ohnehin nichts mehr. Der hauptsächlich in Fernsehserien untergegangene Filmemacher drehte Werke mit solch grandiosen Namen wie „Schwanger! Es geschah unter Narkose“ oder „Entführt nach Schulabschluss“. Schnelle Dutzendware, und das ist das einzige Gebiet auf das Contner schielt, kann auf trivialer Ebene sicherlich auch unterhalten, soweit man einige Klischees akzeptieren kann, die bei Schnellschuss-Werken nun einmal dazu gehören, wie Windows zum Computer (nicht nötig, aber fast immer hat man’s).

„Shark Swarm“ ist jedoch ein Klischee in Reinform. Es gibt nichts, oder zumindest kaum etwas, das nicht Klischee ist. Die grobe Story, jede Zwischenstory, die Charakterzeichnung, der Handlungsverlauf, selbst die Dialoge sind alle schon oft gehört, nur die wenigsten Sätze haben etwas Innovatives zu bieten. Und selbst wenn ist keine Kunst zu erwarten, dafür aber immerhin die erste Konkurrenz zu dem berühmten Blaues Licht-Dialog aus „Rambo 3“. Wegen erfolglosen Fischfangs sagt der Kapitän zu seinem Helfer: „Wir fahren nach Norden.“ Der Helfer antwortet spöttisch, da orientierungslos: „Wo ist Norden?“ Der Chef antwortet: „Im Norden!“

So sehen Ausnahmen von Klischees aus und so der davon strotzende Rest: Dumme Städter lassen sich von einem gaaaanz bösem Industriellen mit Geld locken. Der Held (lieb) riecht den Braten. Doch der Sheriff ist bestechlich und hilft dem Bösen. Dieser hat einen Handlanger für die Drecksarbeit, der ist auch seeehr böse. Der Gute mag alles was alt und traditionell ist. Geld ist ihm egal. Die Tochter des Helden hat ein Geheimnis, sie will aufs College nach New York. Während der Geschichte lernt sie einen schönen Blonden kennen. Der surft den ganzen Tag. Sie macht sich ihm gegenüber neugierig, indem sie schnell verschwindet und nur halbe Antworten gibt. Haie attackieren Menschen, riechen einen Tropfen Blut kilometerweit entfernt, fressen jeden und alles zu jeder Zeit und sind jederzeit an jedem Ort. In der Gegend gibt es geschätzte eine Milliarde Taucher. Damit dennoch mal wer anders gefressen wird, sind jede Menge dummer Menschen aus den bescheuertsten Gründen im Wasser, selbst dann, wenn sich herumspricht das Menschen sterben.

Hoppla, jetzt bin ich schon in den Bereich der Logiklöcher gelandet. Deren bestes und größtes Manko ist übrigens, sofern man einmal den Aufhänger der Geschichte ignoriert, dass jede Menge Leute sterben, Leute die in dem kleinen Dorf nicht unbekannt sind, die aber nie vermisst werden. Gegen Ende darf man dazu einen Satz in die richtige Richtung hören. Man kann ja jede Menge Irrsinn ignorieren oder aber zum Trashvergnügen umfunktionieren, das klappt allerdings nicht, wenn man wirklich nur im Sekundentakt Klischees erdulden muss. Das macht einen Film tot öde. Selbst die dämliche Romanze zwischen Tochter und Strandboy wird von Fahrstuhlmusik untermalt wie sie klassischer nicht sein könnte. Die Unterhaltungen zwischen den beiden bieten nicht einen Satz, der nicht Klischee ist und den jeder aus Ideenlosigkeit auf die schnelle hinzufügen würde, um beim Schreiben einer Geschichte den Abgabetermin einzuhalten. Die Klischeeaneinanderreihung von „Shark Swarm“ ist derart intensiv, dass es fast schwierig klingt, einen solchen Film überhaupt zu schreiben. Wie schafft man es nur all diese Klischees zu sammeln ohne in kreative Momente abzurutschen? Das ist eigentlich schon Kunst für sich.

„Shark Swarm“ kann mit gar nichts punkten, außer vielleicht mit den Szenen eines kleinen Mädchens, das wegen ignoranter Eltern ständig Menschen im Wasser sterben sehen muss, und keiner hört der Kleinen zu. Das sind immerhin kurze Momente, die durchschielen lassen, dass mancher Moment doch nicht so bierernst gemeint ist, wie der Rest. Eine ernste Umsetzung wäre sicherlich auch nicht das Problem, aber Contners Werk ist bieder ernst. Er ist langweilig und handelt nur von langweiligen Personen, die langweiliges tun und ewig falsch handeln. Die Guten benehmen sich asozialer als die Bösen und arbeiten nicht einmal mit sachlichen Argumenten, wenn es darum geht irgendwem die Augen öffnen zu wollen.

Auf ebenso langweilig, wie überholte Art werden hier Frauen angebaggert, die dies in ihrem öden Leben sogar geradezu aufregend finden. Selbst die interessanteren Figuren, die Bösewichter, verbreiten durch das vorhersehbare Klischeeverhalten und –geschwätz lediglich Langeweile pur. Da muss man erst ein Filmmasochist wie Klein-Schlombie sein um solchen Dreck auf 170 Minuten bis zum Schluss gucken zu können. Und ich hatte das Glück das Teil auf DVD zu schauen, mit vorwärts gedrückten Werbepausen. Wer schafft es bitte schön dran zu bleiben, trotz ständiger Reklameunterbrechungen, die ausnahmsweise mal dafür da wären den Geist wach zu rütteln und den Filminteressierten dazu zu bewegen sich zu fragen: Ist es das wert, dafür all den Werbemüll zu gucken?

Wer dran geblieben ist darf im Finale eine weitere Idiotie sichten: Nach dem die Haie besiegt wurden (mit Hilfsmitteln, die gleich mehrere Logiklöcher hinterlassen) interessiert sich niemand mehr für das Gift im Wasser. Eine Entfernung der bösen Fässer? – Nö, wofür denn?

Aber was soll man von einem Film halten, der ohnehin Wolf im Schafspelz ist. Filme wie „Shark Swarm“ sind fragwürdig, da sie sich als ökofreundliche Werke ausgeben, gleichzeitig aber nur Klischees verbreiten und schlimmer noch: den ewigen Irrtum der Amis unterstreichen, dass alles Fehlgeleitete sich wieder beheben ließe. In Contners Werk findet diese Propaganda gar an verschiedenen Stellen statt, einmal sogar nur im Hintergrund während eine Frau vom Umweltamt im Fernsehen eine Doku laufen hat. Letztendlich erzieht die Industrie damit die Leichtgläubigen in eine falschen Richtung, getarnt als Freund, der dem geneigten Cineasten lediglich einen Horrorfilm zuwerfen will. Interessant, dass eine fast identische Taktik genau jene ist, die der böse Industrielle in diesem Hai-Horror verwendet. Er gibt sich als Freund aus, der die Stadt retten statt ausbeuten will, und manipuliert die Gemeinde mit gefaketen Ansichten über Nachbarschaft während einer Stadtversammlung.

Interessant ist auch der Blick auf die Darsteller. So wird, noch immer berühmter Name sei dank, Daryl Hannah ziemlich zu Anfang, wenn nicht sogar an erster Stelle genannt. Die in „Roxanne“, „Jagd auf einen Unsichtbaren“ und vielen anderen Filmen einst so süße Daryl wurde von der Zeit eingeholt und ist heute nicht mehr hübsch. Allein deswegen war sie damals schon fehlbesetzt in „Die Addams Family und die lieben Verwandten“, hier ist sie richtig besetzt, weil sie einfach nur die Frau von nebenan mimen soll, da passt das durchschnittliche Aussehen. Diese Rolle spielt die gute alte Hannah jedoch völlig lustlos, mit einer Fresse, die sogar pampig und angewidert wirkt, wenn sie lächelt. Verübeln kann man es dem einstigen Star nicht, ist ihre Rolle doch mehr als langweilig. Sie darf nur die besorgte Frau spielen. Die eigentliche Story betreffend handeln dürfen nur andere.

Aber Daryl Hannahs schlechtes Spiel wird überschattet von der Darstellerin, welche die Tochter spielen darf. Solch schlechtes Schauspiel erlebt man sonst meist nur bei deutschen Daily Soaps. Es gibt nicht eine Mimik, welche das junge Fräulein glaubhaft hinbekommt. Jeglicher Gesichtsausdruck, der unauffällig eingebracht werden müsste, gerät zur vordergründigen Grimasse. Sie sieht halbwegs süß aus, das ist der Grund warum sie gecastet wurde, aber das rettet ihre Rolle mit derart mangelndem Talent auch nicht mehr.

Kommen wir zum Schluss nun zu der Frage, die den Horrorfan interessiert: Wie sind die Haiattacken und die Haianimation an sich? Wie nicht anders zu erwarten sind die Viecher computeranimiert, und dank TV-Produktion nicht auf dem Niveau eines „Deep Blue Sea“ sondern billig und schäbig wie in „Megalodon“. Eine Berührung zwischen Mensch und Tier gibt es nicht. Hier wird schlecht geschnitten, schnell mit etwas Wasser geblubbert und zur großen Überraschung auch auf dem Wasser mit Blut gespart. Immerhin darf man mal einen abgebissen Arm sichten (oder war’s ein Fuß? Ich weiß es nicht mehr). Das war dann aber auch schon das höchste der Gefühle. „Shark Swarm“ ist Langeweile hoch zehn, ein Subgenrebeitrag der auch nur wieder mal den Schreiberlingen auf Tierhorror.de gefallen kann. Nachvollziehen kann ich das nicht. Aber jedem das Seine!  OFDb