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10.01.2016

HONIG IM KOPF (2014)

Objektiv betrachtet kann man „Honig im Kopf“ so einiges vorwerfen. Er verschönt Momente und spielt oftmals fern der Realität. Der Film von Til Schweiger ist nicht halb so authentisch erzählt wie „Sein letztes Rennen“, jener Film mit Dieter Hallervorden, der Schweiger überzeugte dass nur er der richtige Mann für die Rolle des Amandus ist. Es ist nicht schwer „Honig im Kopf“ als weiteres Beispiel zum Schweiger-Bashing zu nutzen, wenn man mit dieser Art Film nichts anfangen kann.

Ich mag Schweigers Werke in der Regel, unterschätze ihn ebenso wenig wie ich ihn auch nicht überschätze, und ich weiß welche Art Film der oft missverstandene Mann dreht. Er dreht Kino, Märchen für Erwachsene - sicher welche mit bodenständiger Thematik, die es einem manchmal schwer machen zu akzeptieren dass immer wieder das ein oder andere verschönt wird, aber trotzdem Filme welche die Emotionen ansprechen. Das zieht sowohl beim gedankenlosen RTL-Publikum, das Kitsch mit wahrer Dramaturgie verwechselt, es funktioniert aber auch beim Träumer der sich der Realität bewusst ist und aus dieser auch mal flüchten möchte, auch wenn das widersprüchlich klingen mag bei solch ernster Thematik.

„Honig im Kopf“ berührt. Er lässt einen nicht kalt. Er bringt einen zum weinen. Und diese Wirkung kann man nicht ignorieren, wenn man über ihn sprechen möchte. Dieser Reaktion muss man sich ehrlich stellen. Und man muss diesem Werk eingestehen dass völlig unreflektierter Kitsch diese Wirkung beim Publikum nie erreicht hätte, dass Schweiger sehr wohl bewusst ist was er erzählen möchte. So verschönt manche Momente auch sind, es geht Schweiger um das Menschliche, um das was im Alltag oft verloren geht. Und dem hat sich die Realität in seinem Film manches Mal unterzuordnen, zumal uns „Honig im Kopf“ ebenso wie „Kokowääh“ von dem Traum erzählt was das Wort Miteinander bedeuten kann.

Und das ist kein völlig realitätsferner Traum. Wir lassen ihn im Alltag nur nicht zu, da wir Nichtigkeiten für Wichtigkeiten halten. Und die Realität hält uns davon ab dieses emotional starke Miteinander einzugehen. Wir lassen uns von Medien und anderen Mitmenschen Probleme einreden anstatt einfach unserem Instinkt zu folgen. Schweiger ist ein Romantiker des selbstbestimmten und selbstbewussten Lebens. Davon handeln viele seiner selbstgeschriebenen Filme. Und „Honig im Kopf“ macht dies besonders deutlich, wenn die Lösung des Problems doch so offensichtlich ist - wenn auch diesbezüglich wieder einmal eine Spur zu schön gemalt.

Um die harte Realität einzelner Szenen, die der Regisseur bewusst wegblendet, müssen sich andere Filmemacher kümmern. Sie passen nicht ins Bild von „Honig im Kopf“, würden das Konzept ruinieren, ein Rezept das keinesfalls vom Zuschauer erwartet dem Treiben geistlos zu folgen. Aber Schweiger möchte dass der Zuschauer seine Arroganz, seinen Stolz und seine Vorurteile ablegt und sich einfach einmal für zwei Stunden einer solchen Thematik anders nähert, menschlich nähert, emotional nähert, auch wenn Schweiger dafür einige manipulative Hebel in Bewegung setzt.

Aber das tut ohnehin jeder Kinofilm. Der eine etwas plumper, der andere etwas geschickter. Schweiger mag da eher Grobmotoriker sein, aber mit dem Herz am rechten Fleck. Man spürt trotz aller manipulierender Methoden, die den Zuschauer beeinflussen sollen, dass ihm das Thema wichtig ist, und dass die Aussagen so gemeint sind wie sie ankommen. „Honig im Kopf“ ist keine Heuchelei, aber das entdeckt man erst, wenn man den kühlen Intellekt ausgeknippst hat, der beim Sichten anderer Art Werke von Vorteil sein kann.

Dank besagter Herangehensweise und der geglückten Besetzung mit dem ohnehin schon immer unterschätzten Dieter Hallervorden und einer sympathischen Emma Schweiger, die seit ihrem letzten Film von und mit Herrn Papa viel dazu gelernt hat, ist aus „Honig im Kopf“ eine herzzerreißende Tragikomödie mit Schwerpunkt im Dramabereich geworden, die nur einem völlig verkopften Publikum nicht nahe gehen kann. Schweigers gemeinsamer Film mit Hallervorden rührt zu Tränen, insbesondere immer dann wenn die Hauptfigur ebenfalls weinen muss. Bei solch schönem Ergebnis schaue ich über die Übertreibungen, die eigentlich selbst durch den komödiantischen Aspekt nicht entschuldigt werden können, gütigst hinweg. Denn wenn ein Film emotional wie dieser hier ausfällt, dann lasse ich mich auch gerne mal manipulieren.  OFDb

11.01.2015

KOKOWÄÄH 2 (2013)

Es ist schon ein Leid mit Til Schweiger. Gerne wird auf der Seite von Filmfreunden gegen ihn gehetzt, da er sich eher der Massenware verschrieben hat. Dabei hat er ein Händchen für Projekte, die aufgrund ihrer Sympathie erfolgreich sind und nicht allein aufgrund ihrer Berechenbarkeit. Leider belässt es Til nach einem Erfolg nicht dabei. Hat er schon seinen sehr süß erzählten „Keinohrhasen“ die völlig unnötige Fortsetzung „Zweiohrküken“ beschert, die einfach nichts zu erzählen hatte, so hat er Gleiches nun dem besseren Werk „Kokowääh“ angetan.

Die Geschichte von „Kokowääh“ wäre interessant fortzsetzen gewesen, ganz im Gegensatz zu „Keinohrhasen“. Was hätte man da alles erzählen können! Und für was entscheidet sich Til? Für eine Fortsetzung die alles und nichts erzählt, keine interessanten Schwerpunkte setzt, mit liebgewonnenen Charakteren lustlos jongliert und sie nach Lust und Laune verändert, so wie man sie gerade für die nächste Situation benötigt. Das könnte man vielleicht noch bei einer Vorabend-Serie gut heißen, nicht aber bei einem Kinofilm, von dem klar war dass er aufgrund des Erfolges von Teil 1 viele Zuschauer in die Lichtspielhäuser locken würde.

Sicherlich hat „Kokowääh 2“ auch seine angenehmen Momente, allein dass Schweigers Tochter nun noch natürlicher wirkt als in Teil 1 ist schon das Zuschauen wert, wobei ich das Gefühl hatte dass es gar nicht so viele Magdalena-Szenen gab die eine Nennung zur zweiten Hauptrolle rechtfertigen könnte. Vielleicht täuscht das aber auch nur aufgrund der vielen unnötigen Sub-Plots, die nirgendwohin führen. Vieles wirkt zu aufgesetzt. Allein was mit der Rolle des Tristan angestellt wurde, die ihn nur noch zum würdelosen Volltrottel degradiert, ist eine Schande. Eine selbstverliebte Nebenhandlung mit Matthias Schweighöfer, die krampfhaft versucht darzustellen wie sehr der beliebte Schauspieler über sich selber lachen kann, geht gewaltig auf die Nerven und mag es noch so ehrlich gemeint sein, wovon ich ausgehe.

Umgekehrt sind es bei all den aufgesetzten Momenten die eigentlich kitschigen, die zu gefallen wissen. Das muss ich eingestehen. So ist der Schluss z.B. sehr süß erzählt, auch wenn es sicherlich nicht der Traum einer 9jährigen ist eine romantische Hochzeit mit einem Jungen ihres Alters zu spielen. Aber was soll man klagen, wenn es auf der Leinwand doch zu wirken weiß?

Vielleicht hätte „Kokowääh 2“ als leichte, nichts zu erzählende Fortsetzung noch hingehauen, wenn Schweiger wenigstens ein bisschen an dramatischen Zutaten gespart hätte. Spätestens der Beischlaf zwischen zwei liebgewonnenen Figuren wirkt völlig fehl am Platz und hemmt die Leichtigkeit, die sonst, Probleme hin oder her, über dem Projekt schwebte.

Mir persönlich wäre es lieber gewesen erzählt zu bekommen wie sich beide Väter nun in einer zur Alltag gewordenen Situation miteinander arrangiert bekommen. Da bot der Schluss von Teil 1 doch schon einige anregende Ideen. Es wäre vielleicht auch interessant gewesen erzählt zu bekommen, ob Magdalena vielleicht Probleme mit dem Mann bekommt, der gar nicht ihr Vater ist. Eine lebensnahe Geschichte wäre wünschenswert gewesen, gerade nach Teil 1 der, Happy End und Massengeschmack hin oder her, sich doch recht natürlich angefühlt hat. Er wirkte wie ein Herzensprojekt von Til Schweiger. Das Zusammenspiel zwischen ihm und seiner Tochter wusste zu wirken, teilweise die Dimension der Leinwand sprengend, da man als Zuschauer ja wusste, dass das Verwandschaftsverhältnis der beiden Hauptrollen der Wirklichkeit entsprach.

Sicherlich ist eine Fortsetzung immer eine rein rechnerische Sache. Sie soll Geld für interessantere Filmprojekte einspielen. Vielleicht ist es gut, dass Emma Schweiger dies zu Beginn ihrer Karriere vom Vater früh lernt um die Materie im Gesamten zu begreifen. Ich verstehe nur nicht, wie man „Kokowääh 2“ so extrem lieblos dahinschludern konnte, wo doch so viel mehr möglich gewesen wäre, vielleicht noch ein paar Jahre wartend um von der etwa 12 jährigen Magdalena zu erzählen. Leider hat diese Fortsetzung eines wunderschönen Filmes so gar nichts zu erzählen, bzw. sie will nichts erzählen. Sie täuscht Erzählung vor, indem sie uns bekannte Figuren etwas anderes erleben lässt, so banal es auch sei.

Ich kann das noch bei einer Fortsetzung wie „Zweiohrküken“ verstehen, auch wenn ich bereits dort enttäuscht von der Penetranz war, wie plump man Erfolge weitererzählen kann, ohne echte Ambitionen. Aber wieso musste „Kokowääh“ ein solch uninspirierter Schnellschuss von Sequel beschert werden? Anhand der Ausgangsposition von Teil 1 hätte es doch so viel natürliches zu erzählen gegeben, ohne die ganzen Figuren um 180 Grad zu drehen. Bei solch einfallslosen Fortsetzungen braucht es nicht wundern, dass so viele ignorante Kinogänger irrtümlich glauben Til Schweiger könne es nicht besser.  OFDb

07.01.2015

KOKOWÄÄH (2011)

Es schaut sich entspannend Klischee-frei wie Til eine nicht selten erzählte Geschichte um ein plötzliches Kind erzählt bekommt, gerade wenn man den US-Markt im Kopf hat, mit dem man in der Regel bei Familienstoffen zugebombt wird. Nicht dass „Kokowääh“ frei von Kitsch wäre, aber dieser Kitsch kommt ganz natürlich mit dem Erzählten auf, lässt Co-Autor, Regisseur und Hauptdarsteller Til Schweiger seine Geschichte doch einfach geschehen, zugegeben im Feel Good-Modus ohne schmerzhafte Problematiken, aber genau das macht seine Komödie um einen überforderten Vater letztlich gerade aus.

Ein wenig musste ich mich an Tils Tochter Emma gewöhnen, welche die Magdalena mimt. Ähnlich wie der Herr Papa gehört deutliche Aussprache nicht gerade zu ihren Vorzeigetalenten. Und die passive Art in der sie zunächst eingebracht wird ist ungewöhnlich zu nennen. Aber auch dies funktioniert letztendlich alles und gehört schlussendlich mit zur authentischen Aura des Streifens. Am Ende empfand ich die Leistung der Kleinen als sehr glaubwürdig und altersgerecht, und darauf kommt es letztlich an. Ihr Niedlichkeitsfaktor liegt nicht über einem erträglichen Wert, was „Kokowääh“ ebenso wie das Umgehen aufgezwängter Moral vom Nerv-Kitsch vergleichbarer Stoffe trennt.

Tils Gegenspieler Samuel Finzi kannte ich bislang nur aus seiner großartig gespielten Rolle als böser Stiefvater in „Delphinsommer“. Wenn man dieses Drama so oft und so intensiv gesehen hat wie ich, tut man sich zunächst ein wenig schwer diesen Mann von dieser Rolle zu trennen. Glücklicher Weise habe ich es geschafft, so dass ich sein Spiel auch hier genießen konnte, eine Rolle die toll geschrieben ist, immer hilfsbereit genug, um das Klischee des bösen Gegenspielers zu umschiffen, aber genervt genug, um Henry rein aus Prinzip nicht zu mögen. Die Gradwanderung aus glaubhaftem Schmerz und komödiantischer Leichtigkeit meistert Finzi, so scheint es zumindest nach außen, mit links, so dass seine Darstellung jener aus dem Sekten-Drama in nichts nachsteht.

Ein unverkrampftes Drehbuch und sympathische Gesichter vor der Kamera machen „Kokowääh“ zu einem angenehmen Filmerlebnis, das ich mit Sicherheit noch einmal vom Regal zur Zweitsichtung heraus nehmen werde. Der leichte Stoff ist schön erzählt, lässt sich dabei Zeit für Unnötigkeiten, die deutlich machen dass der Stoff trotz recht reibungslosem Ablauf ernst genug genommen wird. Und der Verzicht auf eine Stellungnahme wie man ein Kind zu erziehen habe tut der Komödie inmitten von Zeiten von Leistungsdruck und von vorgegebenen pädagogischen Irrwegen endgültig gut. Man fühlt sich beim Sichten regelrecht von falschen Zwängen befreit, während eine süße Geschichte einem das Herz wärmt, ohne dass man nach Ende der Wirkung das Gefühl hat sich hinterher dafür schämen zu müssen. Toller Film!  OFDb