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04.02.2024

GHOSTBUSTERS - LEGACY (2021)

Ich frage mich wie die Netzgemeinde "Ghostbusters: Legacy" aufgenommen hätte, wenn der anstrengende "Ghostbusters" 2016 nicht gewesen wäre, der die Erwartungen der alten Fans mit Füßen trat. Wäre es ihnen ergangen wie mir? Hätten sie sich gefragt, warum man nach etlichen Jahren eine Kinder-Abenteuer-Version aus der direkten Fortsetzung zu Teil 1 macht? Und warum wurde "Ghostbusters 2" ignoriert? Klar konnte der nicht mit dem Erstling mithalten, aber sympathische Momente besaß er durchaus. Wie auch immer, sicher ist "Ghostbusters: Afterlife" (weit besserer Originaltitel) als Weiterführung des 80er Jahre Hits würdiger ausgefallen, als der bizarre Vorgänger. Und sicherlich erfreut es so manchen, der mit den Ur-Filmen groß wurde, die noch lebende Originalbesetzung, wenn auch verspätet und viel zu kurz, in ihren Paraderollen ein weiteres Mal sichten zu dürfen. Ob jedoch die Computerwiederkehr von Harold Ramis erwünscht ist, ist sicher eine Frage, welche die Geister scheidet. Freute ich mich zuvor noch, dass man sein Äußeres zu Beginn des Streifens nur andeutete, so gibt es gegen Ende die volle Breitseite an CGI-Wiedererweckung, liebevoll gemeint, das zeigt auch der anschließende Schriftzug, aber eben doch bitter anmutend, wenn ein Toter nicht mehr gefragt werden kann. 

Letztendlich ist "Ghostbusters 3" (Alternativtitel) trotz manchem Retro-Rezept für eine andere Generation gedacht und ganz anderes ausgefallen, als die 80er-Versionen des Stoffes. Wie bereits erwähnt ist alles als Kinderabenteuer umgesetzt, in welchem die jungen Protagonisten so manches Geheimnis entdecken, das dem Zuschauer von einst bereits bekannt ist. Diese eher Kinder-orientierte Geschichte kommt in ihren Geistermomenten düsterer als die Erwachsenenversion daher, fühlt sich damit eher nach leichter Horroranlehnung an, anstatt wie damals nach Fantasy, und der Humor plätschert nur noch ganz leicht, schlicht und ziemlich unkreativ mit, so dass der Begriff Komödie eher großzügig anmutet. Es wird kopiert, imitiert, variiert und ein modernes Standardgerüst heutiger Kinozeiten präsentiert. Technisch ist man freilich auf hohem Stand. Kleine Insiders sind gesät, so wie Beispielsweise der Verweis auf Produzent Ivan Reitmans Frühwerk "Cannibal Girls", welches er 11 Jahre vor "Ghostbusters" drehte, oder weit weniger versteckt die Anspielung auf den Endgegner von einst, der nun in "Armee der Finsternis"-Tradition in einer Gruppe von Zwergversionen so manchem das Leben zur Hölle macht. Das sieht nett aus, ist aber so wenig witzig wie im Vorbild mit Bruce Campbell, wobei dies das junge Zielpublikum sicher anders sieht. 

Mir persönlich ist "Ghostbusters: Legacy" zu routiniert und einfallslos ausgefallen, um mich den begeisternden Worten vieler Freunde des Originals im Netz anzuschließen. Nach dem schrillen Vorgänger kommt er wesentlich entspannter daher, definitiv, aber ein würdiger Nachfolger nach fast 40 Jahren ist er ebenfalls nicht geworden. Da Ivans Sohnemann Jason Reitman für Regie und Drehbuch verantwortlich war, verärgert die uninspirierte Geschichte umso mehr, lieferte er doch mit "Thank You for Smoking" (Buch), "Juno" (Regie) und "Up in the Air" (beides) beeindruckende Werke ab.  Wiki

28.01.2024

GHOSTBUSTERS (2016)

Ich mag den klassischen "Ghostbusters", gehöre aber nicht zu den euphorischen Anhängern der ersten beiden Teile. Deswegen konnte mich die Nachricht, dass Frauen nun das Ruder in der Hauptbesetzung übernehmen, nicht derart schockieren, wie einen eingefleischten Fan. Kritisch wurde ich freilich trotzdem, steht in den USA damit doch oft gesellschaftspolitische Erziehung im Zusammenhang, und derartige Moral in einem Unterhaltungsfilm empfinde ich meist als störend. Überraschender Weise kommt eine derartige Mentalität im 2016er "Ghostbusters" gar nicht erst vor. Ebenfalls positiv aufgefallen ist mir die eigentliche Handlung. Die rückt mit einem Supergegner zwar die Superhelden-Verwandtschaft der grundlegenden Thematik weit offener dar, als sie mir bei den Originalen je bewusst war, was aus Sicht der Verantwortlichen aber passt, so beliebt wie Superheldenstoffe zur Entstehungszeit waren. Manch andere Entscheidung trifft aber nicht gerade die Erwartungen eines Blockbusters auf der Suche nach einem großen Publikum. Dass der Film einem ständig Spezialeffekte vor die Nase setzt, kann man ihm nicht vorwerfen, das tat man im Original ebenso. Und gefallen hat mir diesbezüglich das optische Spiel mit dem Breitbild, das für Computereffekte stets überschritten wurde. 

In vielen Punkten atmet "Ghostbusters" von Paul Feig, dem wir so tolle Komödien wie "Bad Teacher" und "Beim ersten Mal" verdanken, definitiv Mainstream-Luft, auch in dem Glauben eine weibliche Besetzung müsse jene schrille Komik beinhalten, welche schon weit zurückhaltendere Werke mit Goldie Hawn und Whoopi Goldberg etliche Jahre zuvor fast unerträglich machte. Mit Hauptdarstellerin Melissa McCarthy tat ich mich diesbezüglich schon in "Happytime Murders" schwer, der, zwei Jahre nach dem hier besprochen Werk entstanden, stark unter ihr litt. Dort hat sie aber zumindest trotzdem den ein oder anderen herrlich lustigen Moment abgeliefert, hier ist dies jedoch nicht der Fall. Und neben zwei anderen wilden Großmäulern fällt sie nicht einmal schlimmer auf als diese. Vom stillen Klischee der Frau Nummer 4 muss man gar nicht erst reden, die ist zu austauschbar, als dass man dankbar für ihre Zurückhaltung sein könnte. Interessant und völlig unverständlich ist für mich in dieser massenkompatiblen Rezeptur der schrillen, lauten und sehr einfachen Komik, dass sie derart bizarr präsentiert wird, dass man sich mit ihr eigentlich wieder dem Massengeschmack verwehrt. 

Oft konnte ich die Komik gar nicht greifen, die mir laut und deutlich vorgesetzt wurde, aber derart verkrampft auf schräg getrimmt anvisiert ist, dass man das Gefühl bekommt, das Drehbuch habe wer verfasst, der keinen Humor besitzt und nun im Auftrag der Studios laute Komik abliefern soll. Bereits der Sekretär der Geisterjäger ist diesbezüglich völlig orientierungslos auf dumm, psychedelisch und grotesk getrimmt, als würde jemand während einer Bedrohung blind und hektisch um sich schlagen, in der Hoffnung seinen Angreifer per Glückstreffer zu besiegen. Noch extremer traf es aber die Rolle des Wissenschaftsnerds der Vier, die hier schon derart geisteskrank und aggressiv anmutet, dass dieses Verhalten nichts Sympathisches mehr ausstrahlen kann. Und im Zusammenhang damit kommen wir wieder zur Standardschwäche des modernen Mainstream-Kinos: derart um eine bestimmte Charaktereigenschaft bemüht, passt eine solche nun gar nicht mehr zur Position in der Geschichte. Alle drei Wissenschaftlerinnen in ihrer jeweiligen Art wirken, als wären sie nicht intelligent und konzentriert genug, um überhaupt das zu sein was sie sind und das erreichen zu können, was sie meist in nicht gesichteten Zwischenschritten stets schaffen. Damit wird "Ghostbusters" nicht nur zu einer arg schrillen, wilden und unsympathischen Angelegenheit, sondern auch zu einer dümmlichen, die Elemente am Original und anderen üblichen Kinostoffen nachäfft, ohne diese in seine eigene Mentalität psychologisch korrekt integriert zu bekommen. 

Und dass ein Film, der sich um die Gleichberechtigung aller Menschen jedweder Art mit der Frauenbesetzung als Umkehrung zum Original offensichtlich präsentiert, den schwarzen Part der Viergespanns aber erneut wieder als den einfachen, ungebildeten Arbeiter einbaut, hinterlässt schon einen spöttischen Schmunzler bei einem Werk, welches aus einem Land stammt, das stets krampfhaft bemüht ist diesbezüglich korrekt zu sein (man denke nur an die peinliche Entschuldigung des Regisseurs von "Notting Hill", dass damals kein Schwarzer besetzt wurde). Nun ja, mir fiel es nur auf, störte mich nicht, und gerechter Weise hat das Drehbuch für diese Rolle ganz eigene Wege gefunden sie peinlich und laut erscheinen zu lassen, so dass sie ihren Kolleginnen im dumpfen und vulgären Sinne in nichts nachsteht. Dass Bill Murray sich als Gaststar in einem solch dünnen Werk erdreistet mitzumachen, verärgert in sofern, als dass er nie Aykroyds Wunsch nachkam an einem dritten Teil der 80er Jahre-Reihe teilzunehmen. Auch die Sekretärinnenbesetzung von einst kehrt für einen Cameo zurück, Aykroyd, Hudson und Weaver ebenso. Und wie es sich für einen lieblos umgesetzten Film gehört, sind auch diese Gastauftritte äußerst unwitzig und uninteressant ausgefallen, ebenso wie jener von Slimer. 

Andere Anspielungen an das Original, wie die völlig andere Anwendung des Marshmallow-Mannes, wissen zu gefallen, manch netter Gag inmitten vieler schlechter ebenso. So plump und lieblos "Ghostbusters" auch ausgefallen sein mag, er wird nie langweilig, lässt sich zügig durchgucken und ist zumindest theoretisch interessant, um zwei Blockbuster-Dekaden miteinander zu vergleichen, bei ähnlich hohem Anvisieren des jeweiligen Massengeschmacks. Und dass mir die eigentliche Geschichte gefallen hat, habe ich bereits erwähnt. Es handelt sich also um das seltene Phänomen einer Vollkatastrophe, die dennoch dünn konsumierbar bleibt, zwar Fremdschämen verursacht, aber mehr noch einen vor den Kopf gestoßenen Zuschauer zurück lässt, der sich fragt warum manche Entscheidung getroffen wurde, gerade mit Blick darauf, dass das Vorbild ein solch verehrtes Produkt ist. Und das verwundert noch mehr, wenn man einmal sieht, wer vom Original die Chose alles mitproduziert hat.  Wiki

22.01.2024

GHOSTBUSTERS 2 (1989)

Die Fortsetzung des Erfolgsfilms von 1989, erneut aus der Feder von Dan Aykroyd und Harold Raimis, kommt nicht so energiereich und kreativ daher wie der Vorgänger. Sie ist durchaus okay zu nennen, ein Wiedersehen mit all den liebgewonnenen Gesichtern bereitet Freude, aber trotz 5 Jahre Wartezeit und damit genügend Raum, um mehr als einen Schnellschuss abzuliefern, bleibt Teil 2 im Vergleich erkennbar schwächer. An den größeren Ideen, die seinen Plot umgeben, mangelt es nicht. Die Eingangsidee, was aus den Ghostbusters nach dem großen Sieg wurde, gehört mit zu den lustigsten Einfällen, der Fluss aus Schleim weiß zu gefallen (herrlich die Baustellenszene), New York als Ort der negativen Energie ebenso, und der hörige Lakai des Gemälde des Bösen ist mindestens in der deutschen Synchronfassung recht lustig ausgefallen. In den Details kommt "Ghostbusters 2" jedoch glattgebügelter daher, ist man doch nicht mehr um so viele Gags bemüht wie zuvor und hofft dass die Aufhänger und die Spezialeffekte allein schon für ein positives Sehvergnügen ausreichen. Tun sie irgendwie auch, aber eben nicht mit gleichem Ergebnis. Das ebenfalls von Ivan Reitman abgelieferte Sequel befriedigt die Grundbedürfnisse des von Teil 1 angefixten Zuschauer, das war es aber auch schon. 

Lustige, aus dem Standard tanzende Ideen, wie der Gedanke, dass mit dem Schleim tatsächlich auch sexuell experimentiert wurde, sind leider rar gesät, wo sie hingegen das Original noch überfluteten. Und dass es wieder Dana ist, über die man auf die nächste Katastrophenwelle des Übernatürlichen aufmerksam wird, ist schon etwas einfallslos zu nennen, zumal ihre Beziehung zu Venkman, bzw. das erneute Aufblühen dieser, etwas zu stark ins Zentrum der Geschehnisse gerückt wird. Den alten Figuren werden insgesamt keine neuen Facetten beschert, sie wirken wie Blaupausen ihrer selbst, einzig die Idee den Steuerberater ohne Selbstbewusstsein zum Anwalt der Geisterjäger ohne Selbstbewusstsein zu machen, sorgt für einige Lacher und wird zu einer wirksamen Erweiterung einer von vielen Figuren mit Potential. Auch das eigentliche Hauptereignis, das es zu bewältigen gilt, ist nicht mehr so gewaltiger Natur, wie die Katastrophe, die man seinerzeit aufhalten musste. Und dass die Freiheitsstatue keinen Marshmallowmann ersetzen kann, dürfte klar sein, hätte man also gar nicht erst versuchen sollen. Aber da reden wir ohnehin von der schwächsten Phase des Films, die aus dem simplen, aber noch akzeptablen Gag eines tanzenden Toastern nun ein Phänomen macht, das wie gelenkt wirkt. Wie das denn bitte? 

Die Botschaft, wie es überhaupt zum Sieg über den Tyrannen von einst kommen kann, ist herzlicher Natur, und letztendlich strahlt "Ghostbusters 2" eine Unschuld aus, die es einem leicht macht zu akzeptieren, dass es sich nur um eine simple Fortsetzung handelt. Sie unterhält, sie vergnügt, sie beschert schöne Momente, nicht mehr, nicht weniger, da hat es schon weit weniger gute Fortsetzungen gegeben. Bedenkt man aber, dass alle wichtigen Personen vor und hinter der Kamera wieder mit am Start waren, wirkt es dennoch wie eine vertane Chance. Da nicht jeder vom Ensemble mit der Spielfreude von einst dabei ist, schien dies aber schon während des Drehs aufzufallen.  Wiki

21.01.2024

GHOSTBUSTERS (1984)

Neben "Zurück in die Zukunft" dürfte "Ghostbusters" wohl die heute noch kultigst verehrte US-Komödie der 80er Jahre sein. Und das passt schon, verkörpert er doch alles, was die Anhänger dieses Jahrzehnts am Kino dieser Zeit wertschätzen. Er mag laut, mit Spezialeffekten überfrachtet und auf massentauglich getrimmt sein, aber das von den Hauptdarstellern Dan Aykroyd und Harold Ramis verfasste Drehbuch hält tatsächlich einige gekonnte Lacher bereit und bietet eine erzählenswerte Geschichte. Die ist zwar weit simpler ausgefallen, als das große Kawumm drumherum zunächst erkennen lässt, aber angereichert mit allerhand amüsanten Randideen und besetzt mit einer gut aufgelegten Schar Berühmtheiten, wird aus der amüsanten Chose tatsächlich ein Hingucker. Mir persönlich ging manch zu prollig ausfallender Spruch Venkmans auf den Geist, den ich entgegen der populären Meinung insgesamt eher als den Schwachpunkt der Figurenzeichnungen sehe (wobei ich trotzdem erwähnen will, dass auch er einige gute Passagen beschert bekommen hat), und das finde ich etwas schade, ist es doch Bill Murray, der diese Rolle bekleidet, und der ist äußerst talentiert. Sein Spiel und die deutsche Synchronstimme biegen manch zu plumpes Gehabe gerade, so dass die Figur trotzdem nicht zum penetranten Störfaktor wird. Und jede Menge anderer lustiger Figuren, insbesondere jene von Rick Moranis verkörperte, lassen ohnehin nicht zu, dass eine Schwäche dem kompletten Werk schaden könnte. 

Etliche Randfiguren, ob natürlicher oder übernatürlicher Abstammung, sprühen vor Einfallsreichtum und treffsicherem Humor. Die Charaktere, so oberflächlich sie auch ausfallen mögen, kommen trotz dem Meer an Spezialeffekten und einer Geschichte, die stets neue Sehwerte beschert, nicht zu kurz, entfachen Sympathie und durchdringen die Stereotype, das sie eigentlich verkörpern. Die obligatorisch integrierte Liebesgeschichte wird an der kurzen Leine gehalten. Dass ihr im Happy End mehr Aufmerksamkeit geschenkt wird, als zu ihrem bisherigen Gehalt passend gewesen wäre, lässt sich ebenso verschmerzen, wie das etwas zu penetrante Abfeiern der Helden bei ihrer Ankunft und nach dem Sieg. Klar, hier wurde Metaebenen-durchdringend gearbeitet, wenn die Statisten ihren Prominenten zujubeln und Regisseur Ivan Reitman dies nutzt, um es so aussehen zu lassen, dass die Geisterjäger gefeiert werden. Aber es hinterlässt einen etwas zu selbstherrlichen Eindruck, das finde ich etwas schade. Zumal "Ghostbusters - Die Geisterjäger" (Alternativtitel) ansonsten aus all den typischen Hollywoodkrankheiten das Gute herauszuholen weiß. Vieles von dem, was an anderen Werken stören würde, wird hier zum Pluspunkt, woran man erneut sieht, dass es auf das Drehbuch und professionelle Beteiligte mit Herzblut an der Sache ankommt, ob ein großes Showereignis mit lautem Dauerfeuerwerk an Gags und Effekten letzten Endes zu etwas Sehenswertem wird oder nicht. Mancher Schauwert mutet derart professionell an, dass er 9 Jahre vor dem endgültigen CGI-Einzug ins US-Kino wie ein Effekt aus dem Computer wirkt (positiv gemeint).

"Ghostbusters" mag massenkompatibel umgesetzt sein, hält seine Geschichte leicht verständlich und lässt nie Zeit zum Atmen aufkommen, aber er ist zudem ideenreich umgesetzt, schlägt inhaltlich dennoch manchen Haken, erwartet eine große Leistung von den Verantwortlichen vor und hinter der Kamera und hat auch tatsächlich Erzählenswertes  zu bieten. Er ist nicht einzig auf die Bedürfnisse des Publikums ausgelegt, wie die seelenlos wirkenden Großproduktionen von damals und heute, sondern entfacht tatsächliche Sympathie und Begeisterung, gerade auch weil er inmitten einer Geisterkomödie gar nicht erst versucht das Horrorgenre zu streifen oder zu ehren. Dies wird hemmungslos veralbert, spätestens mit der wundervollen Idee den Marshmallowmann zum Endgegner zu machen.  Wiki

27.06.2015

CANNIBAL GIRLS - DER FILM MIT DER WARNGLOCKE (1973)

Ivan Reitman, der Regisseur der zunächst die Bill Murray-Filme „Babyspeck und Fleischklößchen“ und „Ich glaub‘ mich knutscht ein Elch“ drehte, bevor er so wunderbare Werke wie „Zwillinge“, die beiden „Ghostbusters“, „Dave“ und "Die Super-Ex“ inszenierte, drehte im Jahr 1973 fast im Alleingang den Independent-Streifen „Cannibal Girls“, seinen zweiten Langfilm, dem sechs Jahre Pause folgen sollten bis es mit den oben erwähnten Murray-Komödien weitergehen sollte. Eine Komödie ist auch dieses Stück Horrorfilm geworden. Nach Sichten der deutsch synchronisierten Fassung kann man jedoch davon ausgehen, dass das Original nicht ganz so albern ausgefallen ist wie der Nonsens, der auf deutsch ins Bild gesprochen wird.

Aber eines haben beide gemeinsam: die sogenannte Warnglocke, die laut Trailer und Sprecher zu Beginn des Films immer bei den grausamen Szenen des Horror-Parts ertönt, damit zartbesaitete Menschen weggucken können, bis ein Entwarn-Ton erfolgt. Damit kann man als Zuschauer den blutigen Momenten entgehen, während gleichzeitig der Humor mit dieser Aktion gefördert wird, ein wenig vergleichbar mit dem offiziellen Leichenzählen in „Was macht der Tote auf der Wäscheleine“. Leider spoilert die Alarmglocke jegliche plötzliche Attacke der Bösewichter, so dass es Überraschungen diesbezüglich nicht geben kann, was schon sehr schade ist, ist „Cannibal Girls“ doch ohnehin recht überraschungsfrei ausgefallen und guckt sich arg monoton.

Zwar wird man durch die augenzwinkernde Inszenierung, manch lustige Dialoge und den spielfreudigen Darstellern ein wenig bei Laune gehalten, vom Hocker reißt dieses eher langweilig ausgefallene Werk jedoch nicht. Und die von der Warnglocke angekündigten, schon damals arg zahm ausgefallenen Gore-Effekte, sind die Erwähnung nicht wirklich wert. Lediglich das frühe Auftauchen des häufigen John Candy-Partners und „American Pie“-Vaters Eugene Levy ist eine Besonderheit, sieht er mit Vollbart doch nicht nur ungewöhnlich aus, sondern auch älter als man ihn in einem 70er Jahre-Film vermutet hätte.

Neben ihm spielt Andrea Martin, die bereits in Reitmans Langfilm-Debut „Foxy Lady“ mitwirkte. Und die ist neben der drei sexy Kannibalinnen, der Haupttrumpf des Streifens, spielt sie ihre Rolle doch so wunderbar naiv und zickig, dass man sie im wahren Leben tatsächlich für solch eine Nervensäge halten könnte. Toll gemacht! Berühmt wurde sie nie. Sie übernahm eher unbedeutende Rollen in so nennenswerten Werken wie „Jessy - Die Treppe in den Tod“ (und dessen Remake „Black Christmas“), „Die Reise ins Ich" und „Wag the Dog“.

Freilich kann auch ihr belustigendes Spiel „Cannibal Girls“ lediglich aufwerten, aber nicht tragen. Und so darf man trotz des angenehmen 70er Jahre-Independentfilm-Feelings und trotz gut aufgelegter Darsteller und manch freizügig agierenden jungen Frauen eher enttäuscht als erfreut über den fertigen Film sein, von dem Regisseur Reitman am Ende wohl auch nicht viel zu halten schien, hat er ihn Arkoffs Filmschmiede American International Pictures doch als schlechten Film für den schnellen Dollar angedreht, womit der Streifen perfekt ins Programm der Firma passte. Gedreht wurde die Horror-Komödie jedoch relativ unabhängig. Und passend dazu durften die Darsteller ziemlich frei improvisieren. Feste Dialoge lagen nicht vor.

In seiner Theorie ist „Cannibal Girls“ ein sympathischer Streifen, der einen gewissen Respekt verdient. Praktisch gesehen ist er jedoch eher lahm ausgefallen, selbst dann wenn man ihn mit einer kleinen Gruppe Gleichgesinnter und mit Unterstützung von Alkohol guckt. Dank der liebevollen Aufmachung der Anolis-DVD-Veröffentlichung macht er im Regal mehr her als im Player. Das ist für einen Sammler aber auch schon was wert.  OFDb

13.01.2015

DAVE (1993)

Mit „Ghostbusters“ und „Zwillinge“ machte Komödienspezialist Ivan Reitman Karriere, nachdem er mit den lauten Bill Murray-Komödien „Babyspeck und Fleischklößchen“ und „Ich glaub‘ mich knutscht ein Elch“ auf sich aufmerksam machte. Wer dementsprechend bei „Dave“ nun mit einer satirischen Witzorgie rechnet liegt falsch. Satire ist „Dave“ sicherlich, bei all den Seitenhieben auf Politverbrechen, die er austeilt. Aber herausgekommen ist ein sanfter Film, eine Art Märchen für Erwachsene, das uns zeigt wie Politik im Idealfall laufen könnte, wenn Menschen mit Sozialengagement die hohen Ämter einnehmen würden.

Trotz allem kommt das System Amerikas in dieser Komödie noch viel zu gut weg. Gute Menschen gibt es bis ganz oben an der Politspitze, Intriganten sind leicht zu stoppen, und so weiter und so fort. Dass dies in „Dave“ überhaupt nicht stört liegt an den anderen Schwerpunkten die der Film setzt. Reitmans Komödie soll ein Wohlfühl-Film sein. Zwar keiner der eine komplett verschönte Politik vorlügt, aber einer der einen was-wäre-wenn-Gedanken verfolgt, welchem zu extreme Systemkritik im Weg stehen würde.

Wie erwähnt: „Dave“ ist ein Märchen. Deswegen darf sich die mit dem Präsidenten verstrittene First Lady auch in das sozialengagierte Double verlieben. Deswegen darf ein einfacher Unternehmer den Haushaltsplan sanieren (der wunderbare Charles Grodin in einer amüsanten Nebenrolle). Und deswegen läuft auch alles ganz glatt ohne dass irgendwelche Verräter, Durchblicker, Querdenker oder Zeugen die sich nicht bestechen lassen der ganzen Chose einen Strich durch die Rechnung machen - mal abgesehen vom Filmbösewicht, der irgendwann kontraproduktiv gegen Dave aktiv werden muss.

Die Geschichte die „Dave“ erzählt ist interessant, mit leichter Komik versehen und ursympathisch umgesetzt, weswegen ich mir diese Komödie auch bereits viele Male angesehen habe. Man fühlt sich einfach gut nach einem Film wie „Dave“, ganz ohne Unterforderung, ist dieses Werk doch trotz seines Märchengehalts mit Köpchen erzählt und keinesfalls so naiv ausgefallen wie es sich hier an mancher Stelle lesen mag.

Anhand der vielen Senatoren, die sich in Gastauftritten selbst spielen, merkt man freilich dass das Grundsystem der amerikanischen Regierung nicht kritisch hinterfragt wird. „Dave“ kritisiert nur die Art und Weise wie es von den Führern des Landes aus egoistischen Gründen ausgebeutet wird, jedoch ohne dabei ins Detail zu gehen. Nicht einmal Wirtschaftskritik wird angegangen. Und Jahre bevor er Gouverneur wurde, ist auch Arnold Schwarzenegger in einem Gastauftritt als er selbst mit an Bord. An berühmten Gesichtern wurde nicht gespart.

„Dave“ schaut sich jedoch aufgrund der großen Leistung von Kevin Kline so großartig, einem Mann der trotz so professionell gespielter Rollen wie in „Ein Fisch namens Wanda“, „In und out“ und „French Kiss“ nie zu den Top-Berühmtheiten der Branche wurde, obwohl er im kleinen Finger mehr Talent besitzt als viele Superstars am ganzen Körper. Kline spielt mit Herz, albert hin und wieder im stillen herum und schafft es, ähnlich wie Dieter Hallervorden in „Didi - Der Doppelgänger“ die beiden Figuren die er verkörpert in ihrer kompletten Art zu trennen, und es glaubwürdig darzustellen wie der anfangs noch naive Dave mit der Zeit in die Rolle des Präsidenten hineinwächst und erkennt wie er sich aus der Rolle der Marionette befreit bekommt.

„Dave“ verschweigt einige Polit-Probleme um seine Geschichte so erzählen zu können wie er es möchte. Und auch die Erklärung warum Dave den Platz des Präsidenten einnehmen soll ist sicherlich nicht wirklich überzeugend ausgefallen (wenn dafür aber wenigstens aufgrund der Situation psychologisch glaubwürdig). Aber all das wäre nur wirklich relevant, wenn es Reitman um mehr als einen leichten Stoff gegangen wäre. Oder wenn er all dies weglassen würde, um einen unangenehmen, manipulativen Propagandafilm zu drehen, was im Blockbuster-Kino Amerikas keine Seltenheit wäre, man schaue nur mal auf den fragwürdigen „Mensch, Dave!“ mit Eddie Murphy.

„Dave“ weiß als das zu gefallen was er ist. Mehr noch: innerhalb seiner Nische ist er ein großartiger Film mit Köpfchen, der ehrlich zu Herzen geht, überzeugend gespielt ist (Sigourney Weaver erweist sich als wahrer Glücksgriff für die Rolle der First Lady) und uns einfach mal in einem Bereich zum träumen verführt, der im Idealfall gar kein Traum sein sollte. Aber welcher Realist glaubt in einer Welt voll von Graustufen noch an so etwas wie den Idealfall? Den kann es nie geben, und das weiß zu frustrieren. Deswegen ist es auch so wichtig, dass es erwachsene Märchen-Filme wie „Dave“ gibt. Es ist mir unverständlich warum dieses wundervolle Werk so wenigen Menschen ein Begriff ist.  OFDb