Selbst wenn dies kurzfristig gelingt, bleibt "Wednesday" im ersten Jahr zu infantil und vorhersehbar, wird trotz intensiver Beteiligung von Tim Burton auch nie morbide genug, gerade was den romantischen Aspekt betrifft. Nette Ideen, wie der Skorpion als Haustier, der Kosename kleine Regenwolke, das Elternbild vom eiskalten Händchen und ähnliches, werden überschattet von dämlichen Summsumms, einer Schule in welcher die Art der Addams zum Mainstream unter vielen wird, einem Onkel Fester, der statt Mörder und Leichenfledderer nur noch Bankräuber sein darf, dem im Internet mittlerweile zum Kult erklärten Wednesday-Tanz, der konstruierter kaum ausfallen könnte und vielen anderen unangenehmen Zutaten. Zumindest die Freundschaft mit der fröhlichen Mitbewohnerin hat mir ganz gut gefallen, auch in der Raumaufteilung, ja sogar in der gegenseitigen Annäherung. Warum man bei derartiger Distanz zum Comicvorbild für eine derartige Teenagerserie nicht auf neue Charaktere gesetzt hat, oder auf ein passenderes Franchise, will sich mir nicht erschließen. Zumindest ist Disneys Videothektenfilm "Die Addams Family und die lieben Verwandten" nun nicht mehr das einzig maue Realfilm-Projekt, das aus dem Vorbild gewonnen wurde. OFDb
Von einem der daheim blieb, um die weiten Welten des Films zu entdecken...
14.03.2023
WEDNESDAY - STAFFEL 1 (2022)
25.06.2022
MATRIX 4 - RESURRECTIONS
Anders angeordnete Elemente sind schnell wieder auf alten Kurs gebracht, viel Neues gibt es nicht zu erzählen, weder im notwendigen Bereich, noch im sinnvollen, aber dieses Nichts an Alibi-Geschichte schaut sich nett an, auch wenn man freilich erneut nicht der Versuchung widerstehen kann mit den Effektmöglichkeiten von heute herumzuprotzen. Das stört mich in einem Action-Blockbuster jedoch herzlich wenig, wenn er treffsicher auf die Gefühlswelten der Figuren setzt, auch wenn deren Motivationen nicht tiefer gehen als das komplette Konstrukt, das trotz aller Gegenbemühungen oberflächlich bleibt. Erneut begeht man den Fehler Maschinen zu menschlich zu zeichnen (womit ich nicht die elektrischen Freunde seit dem Frieden zwischen Mensch und Computer meine), ein zunächst positiv im Hintergrund gehaltener Umgang mit der Figur der Trinity wird gegen Ende leider über Bord geworfen, wenn sie auf einer Bedeutungsebene mit Neo gehievt wird, und anstatt aus der reizvollen, gut funktionierenden Ausgangslage der ersten 30 bis 40 Minuten das herauszuholen, was möglich gewesen wäre, verrennt man sich, wie bereits in den ersten beiden Sequels geschehen, zu sehr in die Action der Geschichte, anstatt diese als Instrument für eine erzählenswerte zu nutzen.
Der einzig wirklich bittere Fehler an "Matrix - Resurrections" ist meiner Meinung jedoch der, dass man immer noch nicht begriffen hat wie schädlich es für das Matrix-Universum ist Agent Smith zu viel Bedeutung einzuräumen. Zumindest schließt die Geschichte ähnlich Phantasie-fördernd wie Teil 1, wenn auch bei weitem nicht so emotional vielschichtig anmutend wie dort, und gerade wegen der Ernüchterung des Teils 2 und der Enttäuschung von Teil 3 weiß dieser triviale Stoff aufgrund geringer Erwartungen simpel positiv zu funktionieren. Ein gelungenes, eigentlich gar großartiges Werk hätte ein "Matrix 4" jedoch nur dann werden können, wenn er endlich die Erkenntnisse aus "Matrix 2" in die Geschichte konsequent integriert hätte, anstatt sie komplett zu ignorieren, wie rätselhafter Weise bereits in Teil 3 geschehen. Obwohl ich mit den beiden Vorgängern des hier besprochenen Streifens nicht sympathisiere, bin ich jedoch froh es bei Resurrections mit einer auf ihnen aufbauenden Fortsetzung zu tun zu haben, anstatt mit einer Neuinterpretation oder einem neuen Teil 2. OFDb
23.12.2012
VERFLUCHT (2005)
Der Fluch des Ideenmangels...
„Verflucht“ versucht sich ungeheuer flott und modern zu geben, plündert aber alle möglichen Vorgängerfilme zur Werwolfthematik (und auch andere Gebiete des Horrorfilms) lediglich gnadenlos aus, ohne auch nur den Hauch neuer Ideen einzubringen. Ein solcher Mix kann eigentlich nicht gut gehen. So erblicken wir Christina Ricci in Situationen, die Nicholson in „Wolf“ erleben durfte (die Wolfsinstinkte entdecken und im Arbeitsalltag zum Vorteil nutzen), Jesse Eisenberg darf die Geschehnisse um Michael J. Fox in „Teen Wolf“ nachspielen, dabei wechselt die Sportart vom Basketball zum Ringen, Klassiker wie „Der Wolfsmensch“ werden zitiert, zudem sind Parallelen zu erkennen zu „Ginger Snaps“, „Lost Boys“ und in der Auflösung zu „Scream“ (ein erster Täter lenkt vom Hauptverdächtigen ab, der nach der ersten Auflösung ebenfalls Täter ist, gähn). Gerade letzter Punkt ist ärgerlich, da im Bereich Regie und Drehbuch die selben Leute an beiden Filmen beteiligt waren.
Damit kämen wir dann auch zu einem besonders peinlichen Bereich. Drehbuchautor Kevin Williamson ist für seinen Größenwahn bekannt (setzte ausgelutschte Themen moderner um und verkündete nach den ersten Erfolgen, er würde sich nun jedes Genre vorknöpfen), bei ihm wundert eine solch durchschnittliche Leistung nicht. Aber dass Wes Craven einem solche Magerkost vorsetzt, ist nun wirklich ärgerlich und vor allen Dingen peinlich zu nennen. Dieser Mann ist zwar dafür bekannt Filme unterschiedlichster Qualität zu drehen, dementsprechend ist öfters auch mal Bockmist mit drunter, schaut man sich aber „Verflucht“ an, würde man einen Regieneuling vermuten, der aus dem Bereich der Musikvideoindustrie kommt, nicht aber einen jahrzehntelange erfahrenen Regisseur, der zudem noch im Genre Horror zu Hause ist.
Ja o.k., auch ich habe gelesen, dass er von den Produzenten mit Nachdrehs und anderen Korrekturen arg verarscht wurde, aber ich wüsste nicht, wie aus dem Streifen mehr hätte werden können als Routine. Würden wir hier nur von der endlosen Storyklauerei verwandter Produkte sprechen könnte die Inszenierung noch einiges raushauen. Aber Cravens Werk kann bei all den gleich aufgezählten Beispielen nicht nur das Produkt ärgerlicher Produzentenverwurstung gewesen sein.
Z.B. ist Christina Ricci nun seit Kinderbeinen an als besonders talentierte Schauspielerin bekannt. Sichtet man sie in „Verflucht“ könnte man meinen, sie sei die 08-15-Besetzung eines solchen Streifens. Relativ lustlos, wenn auch gekonnt routiniert, spielt sie ihre Rolle mit halber Backe runter (zur äußerlichen Freude wenigstens wieder mit der richtigen Haarfarbe) und bezieht ihre Wirkung lediglich über ihre Niedlichkeit. Nicht einmal in den Momenten, in denen sie das Tier im Menschen verkörpern durfte, schimmert so etwas wie gekonntes Schauspiel hervor. Warum? Wir wissen doch sie kann es anders! Jeder andere Darsteller dieses Genrebeitrags weiß anbei auch nicht zu überzeugen. Nur die wenigsten spielen schlecht, aber zu mehr als Routine kommt es bei keinem der Beteiligten vor der Kamera.
Die Spezialeffekte sind ein zweischneidiges Schwert. Huscht der Werwolf relativ kurz durchs Bild, sieht das Ergebnis schon recht toll aus. Und glücklicher Weise geht das Debakel, den Wolf lange im Bild zu halten, erst zum Finale hin los, dann wird es aber richtig brutal. In solchen Momenten wirkt das Tier wie die Figur aus einem computeranimierten Zeichentrickfilm. Es mag nach Übertreibung klingen, aber das haarige Etwas war nicht weit von der Animationsklasse von dem Vieh aus „Monster AG“ entfernt.
Ganz schlimm war allerdings die Verwandlungssequenz gegen Ende. „Hulk“ gehört wirklich zu den miesesten Großproduktionen der letzten Zeit, wenn es um die Wirkung der Computeranimation in einem Realfilm geht. „Verflucht“ stellt diesen digitalen Dünnschiss allerdings locker in den Schatten. Was hier gezeigt wird sieht unecht aus und weiß nicht einmal zu gefallen wenn einem die Echtheit einer solchen Szene egal wäre.
Es ist traurig mit was sich die Teens von heute scheinbar zufrieden geben („I Am Legend“ wäre in diesem Punkt auch ein gutes Beispiel). Man fragt sich, warum ewig krampfhaft mit dem Computer getrickst wird, wenn handgemachte Effekte bereits in den 80ern bei „American Werewolf“ wesentlich effektiver und echter umgesetzt wurden. Ich habe nichts gegen Computeranimation, diese wäre sicherlich ein Hit, wenn man genügend Geld in diesen Bereich gesteckt hätte („Jurassic Park“ ist heute immer noch eine optische Wucht), aber wenn man einen auf Schotte machen will, kann man auch gleich zu handgemachten Methoden greifen. Dann enttäuscht man wenigstens nicht den Konsumenten, der immerhin Geld ausgibt, um sich einen Film anzuschauen.
Ja, ich schimpfe auf dieses Werk, und ich denke mal das ist bei der Anzahl der Gründe auch gerechtfertigt. Ich möchte dennoch darauf hinweisen, dass „Verflucht“ funktionieren kann, wenn man seine Erwartungen weit zurückschraubt. Dann ist er immerhin guckbare Routine, der man nur immer wieder einen Hauch mehr Individualität wünscht. Alles läuft nach Strickmuster X ab, selbst das Happy End ist unerträglich zuckersüß, auch wenn man mit einem Schluss dieser Art rechnet.
Psychologisch stimmt mal wieder gar nichts, dafür geht ordentlich die Post ab (wenn auch recht unblutig), vereinzelt gibt es flotte Sprüche, und das Vieh sieht in den kurzen Sequenzen, wie bereits erwähnt, auch recht interessant aus. Insgesamt ist „Verflucht“ aber einfach viel zu brav umgesetzt, zwar für das Jugendpublikum konzipiert, dürfte aber selbst für diese Altersstufe schon ausgelutscht wirken. Dennoch kann man sich wohl an folgendem Rezept orientieren: Je jünger man ist, desto besser könnte einem Wes Cravens Ausflug in den Werwolf-Bereich gefallen. OFDb