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23.11.2019

REPO MEN (2010)

Zwei Jahre nach dem Gothic-Musical "Repo - The Genetic Opera" greift wer anders die morbide Idee um Rückholer in Zahlungsverzug geratener Fremdorgannutzer auf, um diesmal eine Science Fiction-Satire abzuliefern, die in nicht all zu ferner Zukunft spielt und die Gesellschaft von heute kritisch hinterfragen soll. In der hier aufgezeigten Zukunftsmentalität, insbesondere die beiden zentralen Repos betreffend, zeigen sich einige Parallelen zu Kubriks Vision aus "Uhrwerk Orange". Gerade in der Frühphase von "Repo Men" atmen beide Film oft die gleiche Luft. Für die Hauptrolle konnte man Jude Law verpflichten, der 13 Jahre zuvor bereits erfolgreich die Hauptrolle in dem Kino-Hit "Gattaca" verkörperte und somit für gesellschaftskritische Blicke auf eine perverse, aber nicht unwahrscheinliche Zukunft, bereits Erfahrung mit an Bord bringen konnte. Zur Seite setzte man ihm Forest Whitaker, zunächst als Kumpel und dann als Rivalen, eine Rolle in welcher der oft zu brav besetzte Mime endlich wieder zeigen konnte, was alles in ihm steckt.

Während die erste Phase der Geschichte zunächst den Eindruck des immer wieder variierten Plots aus "Fahrenheit 451" und Co macht, überrascht der Film nach anfänglicher Bestätigung mit unerwarteten Wendungen, die, so wie dargeboten, individuell anmuten, auch wenn sie es nicht wirklich sind. Die Art der Umsetzung, der Stil, die Tonart des Ganzen, sind es, die das Geschehen so frisch und positiv schauen lassen. Laute Töne mischen sich mit geistreich unauffälligen, Poesie und Brutalitäten gehen Hand in Hand, Sinnlichkeit und gesellschaftliche Perversitäten dominieren gleicher Maßen den Film, all diese Gegensätze gehen so harmonisch und bezaubernd miteinander einher, so als würde man sich in einem asiatischen Werk dieser Art befinden. An "Repo Men" ist alles durchdacht, mal wahrhaft geistreicher Natur, dann wieder nur Bauerntricks des Mainstream-Kinos ausspielend, am Ende aber ein Ergebnis über dem Standard abliefernd. Miguel Sapochniks Zukunftsvision ist Science Fiction-Kino wie es sein soll: kurzweilig, geistreich, pointiert und fantasiereich. Man kümmert sich neben der wichtigen Handlungsaufhänger zudem um gut gezeichnete Charaktere und sehenswerte Bildkompositionen. Da wird auch gerne mal bei Größen wie "Metropolis", "Blade Runner" und "Brazil" abgeguckt, aber dieser Mix aus Ideenübernahmen und eigenen, sowohl inhaltlich, wie inszenatorisch, weiß zu gefallen und bildet ein überzeugendes eigenes Flair, welches "Repo Men" zu einem eigenen modernen Klassiker seines Genres macht.

Wie es sich für einen gut gemachten Kinofilm gehört, warten innerhalb eines ohnehin schon gelungenen Werkes die Höhepunkte im letzten Drittel. Optisch wäre da der schwarz gekleidete Auftritt innerhalb des weiß gekleideten Labors zu nennen, oder die Ausweideszene, die nicht nur vom Look her ein Augenschmaus ist, sondern auch ein morbides Szenario in einen romantischen Moment verwandelt. Aber auch der sehenswert choreographierte Kampf vor der rosa Tür, der die bisherige ohnehin schon für einen FSK 16-Film recht hohe Brutalität noch einmal hoch schaukeln lässt, ist ein Augenschmaus für sich. Auch in seiner Cleverness weiß dieses letzte Drittel zu gefallen, bietet es doch nicht nur großartige Wendungen, sondern auch einen gewitzten Umgang mit der Glaubwürdigkeit des Plots, den man ohne zu spoilern nicht all zu sehr vertiefen kann. Nur so viel sei verraten: die bisherige Bodenständigkeit eines durch Satire überspitzen Stoffes, wird aus einem bestimmten Grund ab dort mit Füßen getreten. Begreift man dieses absichtliche Spiel mit Filmklischees und damit einhergehend mit der Glaubwürdigkeit innerhalb der filmeigenen Gesetzmäßigkeiten, bereitet eine Zweitsichtung dieses wundervollen Filmes gar noch mehr Freude als die erste. Ohnehin fällt "Repo Men" intelligenter aus, als er zunächst scheint. Das sieht man allein daran, dass fast jegliches persönliches Schicksal und die Verarbeitung der jeweiligen Person dessen an der ignoranten Gesellschaft der Zukunft gebunden sind und damit als Selbstverschuldung gar nicht erst erkannt werden.  Von meiner Seite aus ist "Repo Men" aus diesen Gründen und vielen anderen definitiv zu empfehlen, und ich kann es kaum glauben, dass es so lange gedauert hat, bis ich ihn für mich entdeckt habe.  OFDb

26.05.2019

ARRIVAL (2016)

Es erfreut festzustellen, dass immer häufiger Großproduktionen auftauchen, die eine ruhigere Gangart als der Spezialeffekt-überladende Standard in den Kinos an den Tag legt. Alternativ zur Fortführung des "Krieg der Sterne"-Spektakels beschert uns Denis Villeneuve die andere Seite des Genres, den gesellschaftskritischen, empathischen, philosophisch angehauchten Science Fiction, jene Gattung die in den 70er Jahren ihr intellektuelles Hoch erfuhr, wohingegen spätere Produkte oft durch esoterische Elemente diesbezüglich verwässert wurden. So ergeht es auch dem ansonsten vorbildlich erzählten "Arrival", der, nicht nur in dieser Eigenart, einige Parallelen zu "Contact" bildet. Auch die Pluspunkte des Vergleichsfilmes mit Jodie Foster sind erhalten. Neben der ruhigen, sachlichen Gangart, die Raum für Charakterentwicklung lässt und sensibel ins Geschehen einsteigt und dies ebenso umsichtig fortführt, fällt die intelligente Herangehensweise auf, die gekonnt ein von den Schöpfern des Werkes vorbereitetes Rätsel entschlüsselt. Man lässt uns nicht nur an den körperlichen und geistigen Herausforderungen teilhaben, z.B. wenn der Einstieg ins Raumschiff weit anstrengender zu bewerkstelligen ist, als vom Laien erwartet, man sitzt auch in der ersten Reihe bei Teilerfolgen und Misserfolgen, weil man der Forschung mehr Raum schenkt als lauten Begebenheiten. Geistreich wird besagtes Rätsel entschlüsselt, während parallel ein realitätsorientierter, kritischer Blick auf den Umgang mit den Außerirdischen auf der ganzen Welt getroffen wird, inklusive politischer Auswirkungen auf der Erde.

Politik, Wissenschaft und Militär sind sich uneins über die Vorgehensweise, verschiedene Länder reagieren anders auf die Fremdlinge, verschiedene Mentalitäten gehen bei gleicher Zielsetzung verschieden vor. Wermutstropfen dieses an sich vielschichtigen, rationalen Blicks ist das positive Vorführverhalten der US-Amerikaner, so dass "Arrival" nicht einzig zur Entdeckung und dem Hinterfragen möglicher Wahrheiten genutzt wird, sondern auch zu Propagandazwecken missbraucht. Während man dies aufgrund seiner frühen Erscheinung noch recht gut verdauen kann, einfach deshalb weil das uns ansonsten Dargebotene interessant, empathisch und professionell inszeniert vorgesetzt wird, liegt der gegen Ende immer verstärkter auftretende esoterische Touch weit folgenschwerer im Magen. Eben weil "Arrival" wissenschaftlich und menschlich zugleich erzählt ist, hätte er die zu stark realitätsentrückte Sichtweise seiner Auflösung nicht benötigt, die zum Träumen anstatt zum Verstehen und Hinterfragen einlädt. Das komplexe Konstrukt, welches uns als Auflösung offenbart wird, hätte im Stile von "Interstellar" präsentiert werden müssen, zugegebener Maßen ebenfalls esoterischen Einfluss beinhaltend, jedoch nicht so stark ausgeprägt wie hier. Hier jedoch wird der träumerische Aspekt in einem Gehalt eingebaut, der die restlichen, positiven Elemente gegen Ende zu ersticken droht. Scheinbar wollte man das schwer nachvollziehbare Ende möglichst verständlich inszenieren, bzw. den Nichtverstehern dieses mit gefühlsübersprudelnder Realitätsentrückung ein alternatives positives Finale bescheren, um das Kino nicht enttäuscht zu verlassen.

Aber selbst dieses zu stark eingewobene Ärgernis kann nicht verhindern, dass ich eher positiv mit "Story of Your Life" (Alternativtitel) abschließe. Diese Ruhe mit welcher er erzählt ist, das Verhindern vieler unangenehmer Erwartungen, die dem Film die Möglichkeit ebnen den tatsächlich interessanten Aspekt der Geschichte hervorzuheben und das Zurückhalten im Spezialeffektebereich, welcher gerade aufgrund des Verzichts auf anderer Ebene zu beeindrucken weiß (gerade in jenen Szenen, in welchen wir die Außerirdischen erblicken dürfen), das alles macht "Arrival" zu einem solch angenehmen Ausnahmewerk im Stile eines "Monsters". Die Auftritte der Aliens kommen fast kammerspielartig daher, bilden stets einen eigenen, isolierten Raum im Restgeschehen, den Spielort ebenso betreffend, wie die Stimmung besagter Szenen. Und mag die Auflösung mit dieser fixen Idee, die uns in unserer Denkweise schwer fällt nachzuvollziehen, auch zu phantastisch erscheinen, sie ist eine geniale Idee, die weitere offene Fragen beinhaltet, vielleicht auch kleine Denkfehler, aber definitiv zu faszinieren weiß, gerade auch mit Hinblick auf die restliche Lebenserfahrung der Protagonistin in Zukunft und Vergangenheit und den zuvor absichtlich am Rande eingebrachten Fakt, dass Sprache Gehirnaktivitäten beeinflusst. Mit fast schon poetischen Phantastereien, wie der Schriftsprache der Außerirdischen, wird der Film mit zusätzlichen Gimmicks bereichert, ohne dass eines davon den Blick auf die Haupteckpunkte der Geschichte entweichen würde. "Arrival" ist in seiner stark übereinstimmenden Art der "Contact" seines Jahrzehnts, und jeder Cineast wird für sich selbst empfinden, ob dies als positiv oder als negativ einzuordnen ist. Geistreich ist der Film, trotz seiner halbwegs geistfreien Abschweifungen gegen Ende, definitiv ausgefallen.  OFDb

13.05.2017

ROGUE ONE - A STAR WARS STORY (2016)

Ich tue mich schwer mit „Rogue One“, mag ihn eigentlich dafür, dass er den gröbsten Schnitzer des Original „Krieg der Sterne“ glattbügelt und dieser Reperatur einen Spielfilm-langen Rückblick widmet, wirklich einfühlen konnte ich mich in die Geschichte einer bislang unbekannten Heldenschar jedoch nicht. Ich fand keinen Zugang, konnte nicht eintauchen. Stets blieb mir der Film mit seinen oberflächlich gehaltenen Charakteren und seinem gewollten Bemühen mittels bekannter Elemente „Star Wars“ sein zu wollen, zu künstlich, so dass ich den zwei Stunden Laufzeit zu theoretisch folgte.

So manchen Einfall fand ich gar nicht schlecht. Die Charakterisierung des androiden Mitglieds der Bande empfand ich als ungewöhnlich und bereichernd für die Crew, und auch der asiatische Mann, der mit der Macht verbunden war, ohne deshalb gleich ein Jedi zu sein, besaß ebenfalls seinen Reiz. Kritisch mit den Rebellen umzugehen, indem man thematisiert, dass auch eine Rebellenzusammenkunft seine Zeit und damit diverse Streitigkeiten und Fragwürdigkeiten benötigt, hievten den naiven Erretter-Charme der Ur-Reihe hoch zu einem erwachseneren Umgang, der die Trennung Rebell und Terrorist nicht mehr ganz so zulässt wie die Blauäugigkeit der Vorgänger. Andererseits war es genau jene Blauäugigkeit, die der „Krieg der Sterne“-Reihe der 70er und 80er Jahre jene Leichtigkeit vermittelte und damit eine kurzweilige Popkorn-Atmosphäre schaffte, für welche man diese Filme heutzutage so liebt.

So bin ich gleichzeitig hin- und hergerissen zwischen dem Versuch das „Star Wars“.-Universum erwachsener und dunkler zu gestalten und dem Gedanken daran, ob das überhaupt Not tut, wenn doch gerade der naive Umgang einer klassischen Heldengeschichte den funktionierenden Kern für die Ur-Trilogie ausgemacht hat. Auch der von J.J. Abrams nachgereichte „Das Erwachen der Macht“ lebte trotz des Klonversuchs von Episode 4 von dieser Leichtigkeit und wusste mir aufgrund dessen, und natürlich weil er solch enormen Retrocharme zu versprühen wusste, zu gefallen. Meine Sympathie zu Gareth Edwards‘ Beitrag zur Reihe bleibt jedoch zu reserviert, eben weil ich mich nicht für zwei Stunden in dessen Welt habe entführen lassen können. Das Gesamtergebnis fühlte sich für mich nicht echt an.

Ebenso wenig wie ich tatsächlich herausarbeiten kann woran dieses zu theoretische Schauen nun gelegen haben kann, fällt es mir zudem schwer herauszufinden warum mich die Wiedererweckung Peter Cushings nicht zu überzeugen wusste. Prinzipiell finde ich es ohnehin nicht in Ordnung tote Stars mittels Computeranimation in Filme einzuarbeiten, in denen sie, würden sie noch leben, eventuell gar nicht hätten mitwirken wollen. Ganz zu schweigen davon, dass kein Computerprogramm der Welt und kein fremder Schauspieler, der besagter Animation zur mimischen Echtheit verhilft, wissen kann wie besagter Toter die Weiterführung seiner Rolle interpretiert hätte, und somit keiner wissen kann, wie dieser der uns bekannten Rolle in dieser Weiterführung Leben eingehaucht hätte.

Mein eigentliches Problem mit der Wiederkehr Peter Cushings war jedoch ein Makel am animierten Äußeren. Nahe der Perfektion gestaltet, stimmte mit ihm etwas nicht. Ich konnte ihn nicht als echt annehmen. Und ich weiß nicht, was an der Animation nicht gestimmt hat, dass mein Gehirn sich weigerte für einen Augenblick zu glauben diese Figur sei echt. Ob es die Färbung des Gesichts war, ein Fehler im Blick, ich kann es nicht greifen, irgendetwas stimmte nicht, so dass sich gerade in Cushings Szenen ein noch intensiverer Riss des Eintauchens in die Geschichte für mich einstellte, als ohnehin schon.

Man kann nicht behaupten man wäre um das Projekt „Rogue One - A Star Wars Story“ nicht bemüht gewesen. Wirklich vieles spricht für die Versuche etwas anderes zu schaffen und nicht immer nur die ewig gleiche Soße wie bisher zu präsentieren. Und der kritische Umgang mit dem Patriotismus, der sich auch im düsteren Ausscheidung der uns bislang unbekannten Helden wiederspiegelt, weiß meinen Respekt ebenso zu gewinnen, wie der Nachhall bissiger Kommentare, für welchen die Figuren der Reihe bislang gewitzt bekannt waren, der nach dem bitteren Ende der Rebellen um „Rogue One" deren bisheriger Nutzen für den Erzählwert auf den Kopf stellt und damit den üblicher Weise angegangenen Umgang mit ihnen, das lästerne Ignorieren,  bissig hinterfragt.

Aber mag mich derartiges auch imponieren, eine Rückkehr Darth Vaders das Kind in mir füttern und die Figurenkonstellation trotz ihrer Oberflächlichkeit einen gewissen Grad Sympathie erzeugen, es nutzt alles nichts. „Rogue One“ blieb mir zu theoretisch. Ich konnte nicht in den Film eintauchen, und damit fällt es mir schwer mich zu positiv über diesen düsterer geratenen „Star Wars“-Streifen zu äußern. Ich freue mich für jeden Zuschauer, dem es nicht so erging, kann aber nun einmal nichts an dem Zustand ändern, der mich von diesem Filmerlebnis ausschloss. Schlecht sieht tatsächlich anders aus, und einen Blick sollte ohnehin jeder Freund der Reihe riskieren. Der macht dies aber sowieso und braucht keine Worte Schlombies um diesen Schritt zu wagen.  OFDb

09.12.2015

ICH GLAUB' ICH STEH' IM WALD (1982)

„Ich glaub‘ ich steh‘ im Wald“ erzählt uns die alltäglichen Abenteuer diverser Teenager während eines kompletten Schuljahres. Damit ist keine detailreiche Betrachtung möglich, der Film stochert eher in den Highlights des Privatlebens der Schüler herum, aber er macht dies auf eine solch sensible und charmante Art, dass der in seiner Unaufgeregtheit erzählte Film tatsächlich zu den großen Beiträgen seines Genres aus den 80er Jahren gehört.

Regisseurin Amy Heckerling, die auch für das Drehbuch dieses auf einem Roman basierenden Filmes verantwortlich war, nimmt ihre Figuren ernst. Und trotz der zeitlichen Sprünge und dem Hin und Her zwischen den Figuren trifft sie doch immer wieder ins Schwarze, so dass die Geschichte nicht gehetzt und halbherzig eingefangen wirkt, sondern nah am Empfinden von Jugendlichen dran ist. Da wird nichts schön geredet, nur selten übertrieben (z.B. bei einem äußerst brutalen Football-Spiel) und manches Mal überrascht der amerikanische Streifen aufgrund seiner Freizügigkeit. Wir befinden uns mitten im Leben der Teenager der 80er Jahre, und Klischees werden maximal gestreift als dass man in ihnen suhlt. Man lernt die Protagonisten tatsächlich als Menschen kennen.

Der hier in Deutschland relativ unbekannte, in Amerika aber zum Kultfilm erklärte, „Fast Times at Ridgemont High“ (Originaltitel) fährt allerhand Prominenz auf. Während Sean Penn in der mit Blick von heute völlig unerwarteten Rolle des Oberkiffers brilliert, weiß Phoebe Cates als Sexualerfahrung vorgaukelnde Humorlose zu überzeugen. Jennifer Jason Leigh darf bezaubernd die Naive mimen, die zum Ende des Streifens über mehr Lebenserfahrung verfügt als ihre großmaulige Freundin. Judge Reinhold hat die wohl am schwierigsten zu greifende Rolle erwicht, eben weil er so gar keinem klassischen Charakter-Typ entsprechen will. Und Forest Whitaker ist in einer recht kleinen Rolle zu sehen, die jedoch noch wesentlich größer ausgefallen ist als die Statistenrolle Nicolas Cages, der immer wieder mal im Hintergrund zu sehen ist.

„Ich glaub‘ ich steh‘ im Wald“ erzählt von den enttäuschenden Sexualerlebnissen der Teens, die nie den Träumen entsprechen, wie man sich diese Erfahrungen als Jungfrau ausgemalt hat. Es werden Erkenntnisse gesammelt, wobei jeder auf dem zum Charakter-Typ passenden Niveau eine Entwicklung durch macht. Glaubwürdig bleiben selbst die übertriebensten Figuren, sogar der obercoole Kumpel von Mark, der für einen etwas tragischen Part für kurze Zeit überraschend in den Vordergrund rückt. Heckerling macht sich nie über Schwächen lustig. Ihr Werk kommt manches Mal tragikomisch und meist sensibel humorvoll daher. Und wenn sich das Schuljahr dem Ende neigt ist jeder um Erfahrungen reicher.

Was mir persönlich am Film so gefällt ist die Gelassenheit und die Natürlichkeit in welcher er seine Situationen taucht. Die Konfrontation zwischen Kiffer und strenger Lehrer wird auf zurückhaltender, fast brav zu nennender Ebene ausgefochten, Peinlichkeiten aufgrund von Schüchternheit werden auf simpelste, alltäglichste Art aufgezeigt, usw. „Ich glaub‘ ich steh‘ im Wald“ ist hierbei niemals die Art Teeniefilm, wie wir sie durch „American Pie“, „Eis am Stiel“, nicht einmal durch die großartigen John Hughes-Streifen der 80er Jahre kennen. Trotz aller Lustigkeiten und teilweise recht schräger Figuren bleibt der Film immer bodenständig, verzichtet darauf Film zu sein, sprich er baut nicht auf jenen Grad Übertreibung, der zum Medium im Popkornbereich eigentlich automatisch dazu gehört. Er vertraut auf den Wiedererkennungswert für den Zuschauer, auf das Menschliche, das Schrullige wie das Normale. Und er erzielt damit ein hohes Interesse an dem was man sieht.  OFDb

17.10.2013

THE LAST STAND (2013)

Ich denke mal wir alle waren kritisch, als es hieß Schwarzenegger kehre auf die große Leinwand zurück, nachdem er im realen Leben, mit Blick auf jegliche Abweisung von jeglichem Gnadenerlass, als Gouverneur von Kalifornien beweisen konnte, dass er dort so gnadenlos ist wie seine Kinorollen. Die meisten von uns waren aber auch neugierig. Macht dass Sinn einen so gealterten Arnie wieder auf alte Spuren zu lenken, zumal das Kino der 80er Jahre in den Lichtspielhäusern von heute nicht mehr denkbar ist? Was müsste modernisiert werden, damit das ganze funktionieren kann? Fragen über Fragen!

Ja, ich war kritisch, und mein persönlicher Blick auf Schwarzeneggers 90er Jahre-Werke bestätigten ihn nur als Unikum, das in die 80er Jahre gehört. Nur wenige Werke wie „Terminator 2“ gefielen mir von seinen Arbeiten des letzten Jahrzehnts des vergangenen Jahrhunderts. Aber ich blieb offen, war bereit mich positiv überraschen zu lassen, und es freut mich, so wenig ich Schwarzenegger als Mensch auch leiden kann, dass seine Rückkehr so positiv ausgefallen ist. Seine Auftritte in den beiden „Expendables“-Filmen hatte ich nicht verfolgt, somit war ein Blick auf seine erste Hauptrolle seit „Terminator 3“ auch mein erster Blick auf den gealterten Actionhelden.

Schwarzenegger spielt das was er am besten kann: den kumpelhaften aber konsequenten Idealisten mit dem Händchen fürs Grobe. Das Drehbuch bescherte ihm kleine Nischen die sein gehobenes Alter berücksichtigten, aber die sind fast Nebensache. Der beliebteste Held des 80er Jahre Action-Kinos darf sich ansonsten austoben wie gehabt. Da wird geschossen (und das nicht nur mit „harmlosen“ Waffen), und da wird sich geprügelt, gerne auch mal wie Kollege Stallone in „Rocky 6“ mit wem Jüngeres. Ein Generationenkonflikt wird geradewegs provoziert. Alte Werte gegen neue, klar dass in einer Konsequenz eines Schwarzenegger-Charakters die alten Werte siegen.

So ganz schien man Arnie in der Hauptrolle aber doch nicht zu trauen, und so schenkte man ihm viele kleine Helferlein, die an seiner Seite tätig sind. Interessanter Weise tut dies dem Film keinen Abbruch, auch wenn Schwarzenegger im Verhältnis dadurch weniger tätig ist, als er es eigentlich sein könnte. Einzig Johnny Knoxville mit seiner kindischen Art als Waffennarr fällt negativ auf, ist er doch nur als Zugeständnis an den nicht zu knappen Anteil des Jungpublikums  eingebaut und kaspert herum, während der restliche Film sich auf trockenem Humor stützt, so wie man es von einem Schwarzenegger-Film kennt.

Ein Johnny Knoxville schafft es aber nicht eine an sich gute Struktur durch seine infantile Anwesenheit zu zerstören, er wird lediglich zum bitteren Beigeschmack eines Filmes, der ansonsten die richtigen Töne trifft für ein Werk, das den Kompromiss zwischen altem und neuen Publikum sucht. Das Rezept von „The Last Stand“ ist nun keineswegs ein ausgeklügeltes. Im Gegenteil, es ist recht simpel. Aber genau darin sehe ich sein Erfolgsgeheimnis. Das ist genau das, was den Streifen zu einem guten Beitrag des überfluteten Action-Genres macht: er will nichts revolutionieren. Er konzentriert sich auf einen Arnie im Zentrum, umgeben von jungen Helfern, die den Actionanteil hochschrauben. Und damit es auch immer wen zu erschießen gibt, sind die Handlanger des großen Drogenbarons schon lange vor dem Chef vor Ort.

Die Geschichte ist keine originelle, bei näherer Betrachtung macht sie nicht einmal richtig Sinn, aber der Erzählstil von Regisseur Kim ji-woon hat es in sich. Nie bremst der Film sich aus, immer bleibt es interessant, selbst dann wenn wir den Drogenbaron bei x Szenen dabei beobachten dürfen, wie er einen PS-geilen Schlitten steuert. Die Geschichte setzt an zwei Stellen an. Arnie und Kollegen bekämpfen die Vorhut, während Forest Whittacker erfolglos versucht den entkommenen Drogenbaron zu erwischen. Zu einem Zusammentreffen der beiden Gesetzeshüter kommt es erst nach dem Showdown, welcher durch seine Westernmentalität zu gefallen weiß.

Wenn mich jetzt einer fragt, was es in der Theorie genau ist, was den Film so unterhaltsam macht (und das selbst beim zweiten Sichten): ich kann es nicht sagen. Er funktioniert einfach. Er ist schlichtweg ein unterhaltsamer Männerfilm, in welchem das „auf Nummer sicher"-Konzept ausnahmsweise einmal zu funktionieren weiß. Arnie Is Back, und endlich hat er mal wieder etwas gedreht, das auch mir zugesagt hat. Mach weiter so, und die mauen 90er Jahre ab „Last Action Hero“ bis hin zum katastrophalen „Collateral Damage“ sind vergessen. Selbst bei besseren Werken dieser Phase (wie z.B. bei „The 6th Day“) musste man immer ein Auge zudrücken. „The Last Stand“ hingegen ist ein kompromissloser Spaß und das ideale Beispiel dafür, was ich unter einem „Kopf aus und Spaß haben"-Film verstehe, ohne dass einen die Blödheit pausenlos von allen Seiten anstrahlt.  OFDb