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15.04.2018

Gastkommentar: A CHINESE TORTURE CHAMBER STORY (1995)


Autor: Frau Vulkan

„Hart. Härter. Cat. III!“ wirbt das bei Fans seltener, ungeschnittener Filme aus aller Herren Länder beliebte Österreicher Label Illusions Unlimited im Vorspann seiner Cat. III Kollektion. In diesem Falle trifft das zu, allerdings nicht so wie man es sich vorstellen mag, denn beim vorliegenden Filmmaterial wird etwas anderes härter als die Handlung oder die Folterszenen. Zum einen gemeint wäre da das mächtigen 50 cm Geschlechtsorgan vom durchgeknallten Superhelden der Story und zum anderen „Mun Ching Sap Daai Huk Ying“ (Originaltitel) bis zum Ende auszuhalten. 

Die oberflächliche, nicht nennenswerte Handlung ist nur der wacklige Rahmen für einen bestenfalls durchschnittlichen, allerdings teils ziemlich obskuren Softporno, und die wahre Frage des Films lautet „wer mit wem und wie oft?“. Zwar gibt es ein paar deftigere Folterszenen, allerdings wird das allbekannte Rad hier nicht neu erfunden und man hat das als Interessierter des Genres, bis auf die besonders unrealistischen Momente, alles schon einmal besser gesehen. Letztere sind tatsächlich der Grund wieso „A Chinese Torture Chamber Story“ noch haarscharf an der Wertung „schlecht“ vorbei schrammt. 

Ab und an scheint Einfallsreichtum hervor, der allerdings in die Kategorie „Comedy“ (wahrscheinlich unfreiwillig?) einzuordnen ist. Hier genannt sind besonders solche Dialoge, die den Bereich „schlechter Sexwitz von Pubertierenden“ streifen, sowie einige Szenen, die an reiner Beknacktheit einige Z-Movies die bei Tele 5 in der Reihe „Die schlechtesten Filme aller Zeiten“ noch übertreffen. Ob man lacht, wenn fliegende Samurais den Koitus in allen möglichen Stellungen und SFX-Möglichkeiten 10 Mal in 3 Minuten ausüben, oder ob man entnervt hofft, dass das ganze absurde Schauspiel bald zum Ende kommt, liegt am jeweiligen subjektiven Humor des Betrachters. Mir kam es teils flacher vor als die nicht vorhandenen Titten jener Protagonistin, die in einer Art von Nebenhandlung nach einer Möglichkeit sucht ihre Brüste auf Körbchengröße Z Doppelplus zu vergrößern. 

„A Chinese Torture Chamber Story“ ist eigentlich miserabel, für mich subjektiv sogar so richtig und voll auf den Punkt des Unerträglichen. Die seichte, vorhersehbare Handlung bereitete mir zu keiner Sekunde Vergnügen. Wer zudem auch nicht auf Softpornos mit einigen eingestreuten BDSM-Szenen steht, wird das Ganze auch nicht sonderlich „sexy“ finden. Objektiv gesehen bietet der Film immerhin ganz ansehnliche Darstellerinnen und einen Humor, für den man entweder geboren ist oder nicht. Ich gehöre zu letzteren, muss aber dazu sagen, dass der Streifen (für mich nicht nachvollziehbar, aber nichts für ungut.) bei einigen Cat III-Fans bis heute als witziger und unterhaltsamer Kult gilt.

Autor: Frau Vulkan  OFDb

02.03.2017

Gastkommentar: CRYPTIC PLASM (2013)


Autor: Frau Vulkan

Der Kryptozoologe David Gates (Joe Olson) landet mit einem Video über ein geheimnnisvolles Ungeheuer einen Hit bei Produzent Richard Stevens (Kevin Barbare). Erfreut darüber, eine Serie über seine Forschungen drehen zu dürfen, nimmt David die Herausforderung an, von Kameramann Brian O'Reilly (Brian Paulin) begleitet, weitere Phänomene zu untersuchen. Dabei bekommt er allerdings immer merkwürdigere Aufträge, die nicht mehr unbedingt in sein Interessengebiet fallen, so unter anderem einem Exorzismus beizuwohnen. Immer tiefer verstrickt sich das Team in mysteriöse Geschehnisse. Seinen Höhepunkt findet diese paranormale Abenteuertour in der Investigation einer Stadt, in der alle Einwohner plötzlich spurlos verschwanden. David fühlt sich zusehendes unwohler, und wird nicht nur von offenbar merkwürdigen Visionen, Zeitsprüngen und anderen Erscheinungen heimgesucht...

Diese Handlung mag sich doch recht klassisch anhören, was sie auch zunächst ist. „Cryptic Plasm“ fängt an wie einer dieser im Mainstream-Grusel doch sehr beliebten Found Footage-Filme. Ein verstörtes Filmteam stapft durch Wald und Geisterstadt und scheint zusehendes mehr Opfer seiner eigenen Paranoia zu werden. Blair Witch Abklatsch, der 100.? Wer das anfangs denkt, kennt Brian Paulin gottlob schlecht. Und wer ihn kennt, der wundert sich vielleicht darüber, wo das SFX-Spektakel bleibt. Doch der Reihe nach: aus der anfänglichen Geradlinigkeit wird dann doch noch schnell genug ein hochinterressanter Genremix, bei dem für jeden etwas dabei sein dürfte. Die verschiedenen Fälle des Teams sind so unterschiedlich, dass dies durchaus ein Episodenfilm sein könnte. Der Erzählfluß stockt dabei trotzdem nicht. Außerdem wird das ganze noch durch die titelgebende Substanz zusammengehalten, jenes „rätselhafte Plasma“, welches überall dort auftaucht, wo die Welt aus den natürlichen Fugen geraten ist. Dann kommt noch eine Verschwörungsgeschichte dazu, und am Ende zieht Paulin die Reißleine in Sachen Zurückhaltung und es schäumt und splattert an allen Ecken und Enden.

Von allem etwas, aber nichts davon wirklich minutiös ausgefeilt, genau das kann man an diesem Film lieben oder hassen. Man kann Paulin vorwerfen, dass er bei allen heutzutage beliebten Horror-Untergenres einmal kurz angeklopft, aber keines in Gänze hereingelassen hat. Letztendlich endet das, was definitiv die Idee einer Akte X-Folge hätte sein können, ziemlich abprubt in einer Gore-Orgie. Menschen, die ausgeklügelte Drehbücher lieben, werden sich viele Fragen stellen. Aufgeklärt wird so gut wie nichts. Wer hingegen, vielleicht aufgrund des „Hypergore“-Trailers in der Hoffnung einschaltete mindestens 80% des Filmmaterials lang blutigste Effekte präsentiert zu bekommen, für den wird hier nicht genug Gedärm serviert. Ich wage es zu sagen, um „Cryptic Plasm“ in Gänze zu mögen, muss man wirklich sehr offen für alles sein was im Horror möglich ist - und natürlich nichts gegen Underground haben. Man bedenke, daß Brian Paulin ohne großes Budget alles selbst macht und dieser Film in den USA natürlich auch im Eigenvertrieb auf seinem Label Morbid Vision Films erschien. Da besteht sehr viel echte Leidenschaft für's Handwerk, und das merkt man. Ob man es nun mag oder nicht, man kann Paulin garantiert nicht vorwerfen lieblos zu sein.

Ein Film für einen entspannten Nachmittag jener Vielseher, die mit einem Genrecrossover von Found Footage über Mysterythriller bis hin zu extremem Gore etwas anfangen können, und dabei in Sachen Details auch mal ein Auge zudrücken.

Am Ende noch eine Randbemerkung: Eine deutsch synchronisierte Fassung von „Cryptic Plasm“ existiert leider nicht, jedoch erschien der Film beim österreichischen Underground-Label Blacklava Enterntainment im O-Ton mit optionalen deutschen Untertiteln. 

Autor: Frau Vulkan  OFDb

23.01.2017

Gastkommentar: DR. LAMB (1992)


Autor: Frau Vulkan

Bei dem Begriff CAT III, stellvertretend für Filme die beim Ratingsystem in Hong Kong keine Jugendfreigabe bekamen, horchen viele Fans von Extremkost auf. Manche halten es gar für eine Garantie dafür außergewöhnlich Hartes oder zumindest Außergewöhnliches geboten zu bekommen. Natürlich bekamen tatsächlich sehr interessante („Story Of Ricky“), besonders harte („Guinea Pig: Flowers Of Flesh And Blood“), richtig verrückte („Chinese Torture Chamber Story“) und auch Filme mit wirklich großartigen Stories („Dumplings“) dieses Siegel. Trotzdem ist es immer noch nur eine Freigabeart des asiatischen FSK-Äquivalentes. Man kann sich davon eigentlich weder vom Kauf abschrecken, noch dazu animieren lassen.

„Dr. Lamb“ ist ein Werk von und mit Danny Lee, der wenige Jahre später mit seinem brillanten „The Untold Story“ berechtigt zu Ruhm kommen sollte. Hier übernahm der einigen vielleicht von „Red To Kill“ bekannte Billy Tang die Regie zusammen an seiner Seite.  Die Story ist schnell erzählt. In einem Fotolgeschäft in Hong Kong tauchen Bilder von nackten, toten Frauen auf, offenbar wurden sie ermordet. Die Spur führt die Polizei zu dem jungen Hobbyfotografen Lam Gor-Yue (Simon Yam) und seiner Familie. Inspektor Lee (Danny Lee) ist von der Schuld Lams derart überzeugt, dass er und sein Team nicht nur herkömmliche Verhörmethoden anwenden, um an ein Geständnis zu kommen. Schließlich gilt es auch einige unaufgeklärte Vermisstenfälle von jungen Frauen in den letzten Jahren endlich abgeschlossen zu den Akten legen zu können...

Anfangs wirkt „Dr. Lamb“ allenfalls wie eine „Tatort“-Folge aus Hong Kong. Durch die lustlose Polizei, die auch mal gerne im Auto Karten spielt, um die Zeit bis Feierabend herum zu bekommen, wirkt das Ganze manchmal gewollt bis unfreiwillig komisch. Letzteres vor allem, wenn die Ermittler Lam mit Hammer, Telefonbuch und Knüppel prügeln, und dieser regungslos sitzen bleibt und kein Wort verliert. Das wirkt auf beiden Seiten übertrieben, und man kann nur darüber schmunzeln, wie die Beamten den Fall um jeden Preis und schnellstmöglich abschließen wollen, um sich wieder „wichtigeren“ Dingen wie dem Pokern widmen zu können. Auch die Reaktionen auf manche Nacktfotos sorgen für leicht alberne Lacher.

Dann aber dreht sich der Film, und es wird atmosphärisch düster, allerdings, das vorweg, leider nicht besonders spannend. Nachdem der Fall vor Mitte des Films geklärt ist, und zwar genau so wie der Zuschauer es sich ungefähr seit der 5. Minute schon denken konnte, gibt es nur noch detailierte Rückblenden auf die scheußlichen Taten des schuldigen Fotofetischisten. Von den Effekten her ist das grundsolide - sie halten sich aber von der Anzahl her in Grenzen. Es werden zwar einige wenige Tabus gebrochen, allerdings dürften diese heutzutage nur Horror-Anfänger noch von den Socken hauen. Alte Hasen können selbst die Tabubrüche vorhersehen, wie auch leider den Rest des Films. Bis zum Ende gibt es nicht eine einzige Überraschung.

Zudem besteht „Dr. Lamb“ von vorneherein mehr aus Längen als aus interessanten Momenten, was dazu führen kann, dass man ab der Mitte gelangweilt im Sessel sitzt und nur auf den nächsten Effekt wartet, weil die Story leider nicht sonderlich fesseln kann. Zu Gute halten kann man zwar die durchgehend unbequeme Atmosphäre, sowie in der letzten Hälfte auch die Glaubwürdigkeit der Story; jedoch reicht dies nicht dafür aus, dass ich hier eine Empfehlung aussprechen würde. Die Opfer und Nebencharaktere, selbst die Hauptrollen sind eher flach gezeichnet, so dass „Dr. Lamb“ keine nennenswerten Emotionen in mir hervorrufen konnte. CAT III Komplettisten wird dies wahrscheinlich dennoch nicht abschrecken, allerdings sei somit abschließend gesagt, dass es sich hier weder um ein Effektspektakel sondersgleichen noch um eine außergewöhnliche Geschichte, noch um fantastische Schauspieler oder sonstige Innovationen handelt. 

Autor: Frau Vulkan  OFDb

21.01.2017

Gastkommentar: POULTRYGEIST - NIGHT OF THE CHICKEN DEAD (2006)


Autor: Frau Vulkan

Troma hat Tradition bei Trashfans. Ein Label, dessen Eigenproduktionen man dank Klassikern wie der „Toxic Avenger“-Reihe zumindest bei Underground-Fans nicht mehr vorstellen muss. Obwohl der Troma-Humor irgendwo ein sehr beständiger ist, der gnadenlos und ohne auf Political Correctness und Tabus zu achten, die amerikanische Gesellschaft parodiert, ist natürlich nicht jeder Film ein Schenkelklopfer sondersgleichen. Wenn Lloyd Kaufman also dem Titel nach eine „Poltergeist“ Persiflage in Kombination mit Geflügel („Poultry“) auf die Zuschauer loslässt, gelingt das, oder ist diese Idee doch schon zu albern?

Die Antwort ist, ich habe zum ersten Mal bei einem Tromafilm geweint. Vor lachen! Mit diesem Film sprengt Kaufman wirklich jede Grenze, die vorher noch vorhanden gewesen sein könnte. Die Fast-Food-Kette „American Chicken Bunker“ unter Leitung des Oberkapitalisten General Lee Roy (Robin Watkins) eröffnet eine neue Filiale, was natürlich nicht ohne lautstarken Protest der linksgrünen Tierschutzfraktion vonstatten geht. Der junge Arbie (Jason Yachanin) ist mit der Ökoaktivistin Wendy (Kate Graham) zunächst glücklich zusammen, zu seinem Pech zielen ihre Neigungen im Zuge des Protests allerdings plötzlich auf die lesbische Fraktion ab. Enttäuscht beschließt Arbie sich zu rächen indem er einen Job in Chicken Bunker annimmt und somit die Gegenseite unterstützt. Keiner konnte jedoch ahnen, daß das Restaurant auf einem alten Indianerfriedhof erbaut ist, und somit ein alter Fluch der Ureinwohner bald seine Wirkung zeigt...

...was absurd klingt, ist es auch. Und das mehr als es bei Troma sonst bereits sonst üblich war. Ein bunter Reigen, der nichts auslässt, weder filmisch, noch politisch, wird hier irgendwas oder irgendwer verschont. Nicht genug, dass hier Klischees von „Poltergeist“ bis „Exorzist“ durch den Kakao gezogen werden, auch beliebte 2000er Filme wie etwa „High School Musical“ bekommen ganz heißes Fett weg. Musikalisch wird hier von Folk (wenn Arbie und sein von Lloyd Kaufman gespielter Kollege in Chicken Bunker-Militäruniform tanzen, dann kommt einem das wie ein Neofolk-Konzert auf ganz viel LSD vor.) bis zu modernem Pop alles geboten, und dies nichtmal schlecht gespielt oder gesungen, aber natürlich mit Texten und Mimiken, die jeder Ernsthaftigkeit entbehren. Nicht genug des ganzen, kann sich hier keine politische Seite ducken, Kaufman trifft vom erzkonservativem Patrioten, über Rednecks, über linke Ökohippies bis hin zum arabischen Gotteskrieger einfach jeden mindestens einmal richtig hart, und am Ende lacht nur die Anarchie. Damit das ganze nicht zu liebenswürdig abgedreht wirkt, gibt es natürlich Szenen, die schon schmerzhaft unter die Gürtellinie treffen und jedem Rest guten Geschmacks völlig entbehren. Dazu muss man hier einen Hang haben - wer bei „Toxic Avenger“ schon nicht völlig begeistert war, packt hier frühzeitig ein und schaltet ab. Was von manchen sicher als flach empfunden wird, muss aber genauso sein. Der „Horror“ bei „Poultrygeist“ kommt nicht zu kurz, kann aber natürlich trotz guter handgemachter Effekte zu keiner Sekunde ernst genommen werden. Es spratzt und splattert gerade beim apokalyptischen Endkampf von Mensch gegen diabolisches Huhn an allen Ecken und Enden, Freunde solcher Szenen sei auf jeden Fall eine ungeschnittene Fassung ans Herz gelegt.

Final bleibt zu sagen, dass „Poultrygeist“ ein einzigartig unartiges Satire-Comedy-Splatter-Musical ist, und somit Geschmackssache. Ich lache nach der 10. Sichtung immer noch - manch anderer vielleicht nicht einmal. Dieses Review hilft hoffentlich dabei zu entscheiden ob man einen Blick riskieren sollte oder nicht.
 
Autor: Frau Vulkan  OFDb