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03.06.2018

SAINT ANGE - HAUS DER STIMMEN (2004)

2008 landete der ehemalige Dokumentarfilmer Pascal Laugier mit seinem blutigen Schocker "Martyrs" einen kleinen Genre-Hit und war damit, zumindest bei den Gore Hounds, in aller Munde. Vier Jahre zuvor lieferte er sein Langfilm-Spielfilm-Debüt im selben Genre ab, welches jedoch auf jegliche Blutrünstigkeit verzichtet und einen subtil erzählten Spuk-Horror darstellt, der auf psychologischer Ebene funktionieren möchte. Eine solche Vielseitigkeit ist bei Genre-Regisseuren wünschenswert und setzte sich im ebenfalls völlig anders gearteten "The Tall Man" fort, so dass man neugierig auf die von Laugier selbst verfassten Filme zugeht, auch wenn ihnen stets das gewisse Etwas fehlt, um tatsächlich am Ende zu beeindrucken.

Am Genre-Erstling des Regisseurs fällt auf, dass er bereits hier auf großartige Kameraeinstellungen setzt. Das gemütliche Tempo des Streifens weiß zu gefallen, rein inszenatorisch ist "Sanatorium" (Alternativtitel) zunächst stimmig ausgefallen. Diese Stärke, die bei Laugier stets ausgereifter ist als das Talent Geschichten zu erzählen, kann den Spukfilm lange Zeit tragen, zumal das simple Geschehen recht rätselhaft ausgefallen ist. Aufgrund eines nicht ganz nachvollziehbaren Drehbuchkniffs haben wir es fast ausschließlich mit drei Figuren in einem überschaubaren Umfeld in kleinem Radius zu tun, so dass sich "House of Voices" (Alternativtitel) ganz seinen Figuren widmen kann, über welche die Geschichte überhaupt erst entsteht.

Laugier lässt sich Zeit damit die Geheimnisse zu lüften, auch dies klingt lobenswert, allerdings will das in der hier gewählten Form nicht wirklich funktionieren, kommt die Geschichte selbst doch lange Zeit kaum von der Stelle, einen Bezug zur Hauptfigur baut man als Zuschauer nur schwerlich auf, allein schon weil man ihre Motivation nicht begreift. Warum ist sie da? Will sie hier nur arbeiten? Warum verschweigt sie ihre Schwangerschaft? Wieso ist sie so schnell von Spukereignissen überzeugt? Ist sie genau deswegen vor Ort, anstatt dass der Zufall mitspielte? Die Auflösung wird vieles davon beantworten, aber auf dem Weg dahin guckt der Zuschauer verdutzt zu, nicht wissend was das alles soll, und da Laugier mit seiner Erzählung kaum vorwärts kommt, hat man genügend Zeit parallel zum Zuschauen darüber nachzugrübeln, worauf die Geschichte wohl hinaus will.

Wer die späteren Werke Laugiers kennt, der weiß dass dieser Mann gerne mit überraschenden Wendungen spielt, dementsprechend interpretiert man in die monotonen Geschehnisse von "Saint Ange" (Originaltitel) automatisch mehr hinein, als Laugier schließlich aufzudecken weiß. Der Film entpuppt sich als gradlinig erzählter Standard-Grusler, ohne nennenswerten Spannungsbogen, der am Ende lediglich jene Überraschung aus dem Hut zieht, die bei einem Spukfilm ohnehin fast zu 50% die mögliche Alternative darstellt. Wo ein "Schloss des Schreckens" ein solches Ergebnis derart subtil vorbringt, dass sich heute noch Cineasten über eine Frage streiten, welche der Film längst beantwortet hat, da zieht Laugier diese Erklärung als weißes Kaninchen aus dem Zylinder, so als wäre die Schlussidee erstaunlicher Natur und völlig neu in diesem Genre.

Doch völlig neu ist an "Saint Ange - Haus der Stimmen" so gar nichts, so dass man ernüchtert feststellen muss, wie schlicht Laugier seine Horrorkarriere begonnen hat. Ohne sein bislang jüngstes Werk "Ghostland" zu kennen kann man aber erkennen, dass sich Laugier von Film zu Film bislang gesteigert hat. Wollen wir einmal hoffen, dass dies eine Zeit lang so bleibt. Dank gut ausgeleuchteter Bilder in stimmiger Kulisse und glaubwürdigen Darstellern, sowie zumindest für eine Zeit lang interessante Figuren, kann man das Horror-Drama in seiner Belanglosigkeit zumindest schauen, anstatt sich tödlich zu langweilen. Eine Verstärkung in den Bereichen Drama oder Grusel wäre jedoch wünschenswert gewesen, denn so nüchtern wie hier erzählt, setzt der Streifen lediglich auf die Antworten der von ihm gesetzten Rätsel, und die sind doch etwas zu uninteressant ausgefallen, als dass sie einen Film stemmen können. Zwar beantwortet Laugier nicht alle offenen Fragen, jene die unbeantwortet bleiben zählen aber leider nicht zur Kategorie, die einen Film im Nachhinein interessant halten, sie gehören zu jener, die den Zuschauer mit Fragezeichen über dem Kopf zurück lässt, nicht wissend was das Ganze eigentlich nun sollte.  OFDb

21.05.2018

THE TALL MAN (2012)

Horrormeister Dario Argento lieferte den enttäuschenden "Trauma" ab, Jean-Pierre Jeunet drehte den unter seinem üblichen Niveau abgefertigten "Alien 4", Oliver Hirschbiegel lieferte mit "Invasion" lediglich netten Durchschnitt ab. So erging es immer wieder Regisseuren aus der Ferne, die nach Erfolgen innerhalb ihres Landes ihr Glück in Amerika versuchten, eingekauft als Hoffnungsträger aufgrund individueller Arbeiten daheim und gescheitert an den Produktionsmühlen der USA, die stets Mitspracherecht forderten, bis aus einer guten Idee ein massentaugliches Produkt für jedermann und niemanden wurde. Pascal Laugier gelang in Horrorfilm-Kreisen ein kleiner Erfolg mit seinem provozierenden Schocker "Martyrs". Vier Jahre später sollte sein nächster Film in den Vereinigten Staaten umgesetzt werden. Im Gegensatz zu den eben aufgezählten Vergleichspersonen tat ihm der Wechsel jedoch gut. Es ist nicht so, dass sein amerikanischer Film "The Tall Man" nicht auch unter manchen Kompromissen leiden müsste, welche die Geschichte handzahmer wirken lassen, aber wenn man bedenkt, dass es Laugier in seinem Erfolgsfilm lediglich darum ging zu provozieren, tut ein Hinwenden zum Mainstream einem Geschichtenerzähler sichtlich gut, bekommt so sein Talent interessante Stoffe atmosphärisch einzufangen doch die Chance etwas sehenswertes hervorzubringen.

Laugier ist erneut Autor und Regisseur zugleich, und das mag aufgrund der sehr unterschiedlichen Schwerpunkte beider Filme überraschen, wirkt der gute Mann doch wie ausgetauscht. Zwar weiß man in Ami-Produktionen nie in wie weit von Produzentenseite aus mit ins Drehbuch reingeredet wurde, aber auch unter deren Einfluss muss man die Vielseitigkeit des französischen Regisseurs doch als beeindruckend bezeichnen, wenn von meiner Seite aus auch erst aufgrund zwei verglichener Filme bemerkt. Anfangs fühlt sich der Streifen wie ein Stephen King-Film an, spätestens an "Es" erinnernd, in dem es ebenfalls um das rätselhafte Verschwinden vieler Kinder in einer Kleinstadt ging. Schnell löst sich dieser Vergleich jedoch auf, wenn die Geschichte sich mit jeder Wendung doch vom Vergleichsstoff entfernt und dabei immer rätselhafter wird, was scheinbar ein Fetisch von Laugier ist, funktionierte auf diesem Weg doch auch das Fortschreiten von "Martyrs". Während dieser jedoch von Wendung zu Wendung unsinniger wurde, tut das Aufdecken der Geheimnisse um den "Tall Man" dem Folgefilm sichtlich gut, zumal dessen Geschichte ohne all zu verkrampft daher zu kommen stets Gut gegen Böse austauscht und erst zum Ende hin die tatsächliche Tendenz von beidem durchscheinen lässt.

Und darin sich diesbezüglich nicht festlegen zu wollen liegt der Kniff des Gezeigten. In einer selbstgerechten Gesellschaft ewig über alles klagender Menschen, in einer Gesellschaft in der klar abgetrennt scheint was gut und böse ist und was Menschen gut tut oder nicht, da kann man über Gut und Böse, sofern man die Welt überhaupt so banal trennt, streiten. Während der Horrorpart von Schritt zu Schritt Richtung Wahrheit immer weiter schwindet, macht sich auf Seiten der Rechtschaffenheit der Geschichte ein immer größerer Zweifel beim Zuschauer breit. Laugnier signalisiert das Verstehen dessen mit den letzten Worten aus dem Off, lässt diesen Aspekt ansonsten jedoch nur subtil und ganz selten mit einfließen. Am Ende darf man darüber, ob "The Tall Man" von einem Happy End erzählt oder nicht, diskutieren, und da wird es verschiedenste Meinungen zu geben, und diese Wirkung lässt manch kleine Ungereimtheit verzeihen, bzw. jene kleinen Löcher in den Erklärungen, die weitreichende Fragen aufwerfen, gerade mit unseren technologiefortschrittlichen Errungenschaften im Hinterkopf.

Irgendwo zwischen Horror, Märchen und Drama schwankend, entsteht so eine interessante Geschichte, die düster und rätselhaft anfängt, bislang Geglaubtes gekonnt immer wieder umzuschmeißen weiß, um uns am Ende ein fragwürdiges Licht zu präsentieren, das sich wohl und gerecht anfühlt, aber einen fiesen, bitteren Beigeschmack bereit hält. Letztendlich lässt sich "The Tall Man" kaum in ein Genre einteilen und lebt zu einem großen Teil von seiner Auflösung. Dank guter Mimen, schönen Kameraaufnahmen und Laugiers bereits bekanntem Talent eine relativ spannungsfreie Geschichte aufgrund einer atmosphärisch dichten Umsetzung dennoch packend gestaltet zu bekommen, wird aus der rätselhaften Ausgangslage bis zum Schluss ein gut erzählter Film, der insgesamt sicherlich ein wenig zu blauäugig ausgefallen ist, aber auch mit diesem Manko versehen auf seine komplette Laufzeit zu gefallen weiß. Ob das gute Ergebnis nun Laugier oder amerikanischen Produzenten zu verdanken ist, wird die Zeit zeigen. Der aktuell im Kino laufende "Ghostland" ist wieder eine französische Produktion, und dürfte ebenso wie ein Blick auf "Saint Ange - Haus der Stimmen", der vor "Martyrs" entstand, eine Antwort auf diese Frage geben.  OFDb

MARTYRS (2008)

Als in Frankreich in den 00er Jahren mit "High Tension", "Frontier(s)" und "Inside" einst die harte Terrorhorror-Welle begann, ließ "Martyrs" als Weiterverfolgung dieser Idee nicht lange auf sich warten und wusste mit seinen harten, verstörenden Bildern erfolgreich Anschluss an besagte Publikumslieblinge zu finden. Die Geschichte um die ehemaligen Heimkinder Lucie und Anna ist in wahrlich extrem blutige Bilder getaucht, so dass es nicht verwundern muss, dass in Deutschland erst der Griff zur SPIO/JK-Fassung zum ungeschnittenen Ergebnis führt und nicht das FSK 18-Siegel. Pascal Laugier, der uns kürzlich "Ghostland" bescherte, spart nicht mit rotem Lebenssaft innerhalb einer provokativen Geschichte, die einiges vom Zuschauer abfordert. Ob es ein plötzliches Massaker nach einer friedfertigen Szene ist, oder der alte Identifikationsfiguren-Trick von Hitchcock aus "Psycho", der gute Mann, der nicht nur Regie führte, sondern auch für das Drehbuch verantwortlich war, zieht sämtliche Tricks aus dem Ärmel, um den Zuschauer herauszufordern, zu überraschen und ihm neue Blickwinkel auf die bisherigen Geschehnisse zu offenbaren.

Aufgrund guter, alles gebender Schauspieler, wunderbarer ekliger Bilder und Laugiers Gespür für Atmosphäre weiß das abartige Treiben vom Unterhaltungswert her auch tatsächlich zu funktionieren. Wahrhaft überzeugend wäre "Martyrs" jedoch erst ausgefallen, wenn er nicht rein der Provokation wegen seine wendungsreiche Geschichte vorwärts treiben würde, sondern auch psychologisch stimmig und glaubwürdig ausgefallen wäre und zudem mehr Nähe zum Innenleben seiner Hauptfigur gefunden hätte, damit wir das Drama das sie durchlebt auch emotional mitempfinden können. Die erste große Wende des Streifens empfinde ich noch als wirklich geglückt, weckt sie doch den Abenteuergehalt der Geschichte, wirft die Entdeckung Annas doch ein Rätsel auf, bei dem allein die dadurch im Raum stehende Frage ein Unwohlsein entstehen lässt, welches dem Zuschauer ein flaues Gefühl im Magen beschert. Leider beantwortet ein näheres Überprüfen dieser Entdeckung manche offene Frage zu schnell, aber das Einbringen einer neuen Figur beschert uns inmitten harter Momente, in denen sich die Verantwortlichen der Spezialeffekte freudig austoben durften, zumindest eine zu Herzen gehende Dramaturgie, die man im Restfilm nach Verschwinden besagter neuer Figur vergeblich suchen wird.

Von dem Zeitpunkt an, wo aus einer Entdeckerin ein Opfer wird, baut "Martyrs" schrittchenweise immer weiter ab aufgrund abstruser Wendungen, deren Erklärungen nicht zu überzeugen wissen - ja mehr sogar, aufgrund ihrer Naivität gar lächerlich anmuten, insbesondere die Schlusspointe, die mehr reißerisch als intelligent ausgefallen ist, aber lieber letzteres wäre. Aber dies ist ein Problem unter welchem das lange letzte Drittel der Geschichte ohnehin zu leiden hat. Laugier glaubt, und das merkt man anhand der Art wie die Geschichte ab hier ihre Überraschungen einstreut, eine recht tiefsinnige, philosophische Story zu präsentieren, tatsächlich liefert er nur pseudo-clevere Überraschungen ab, die ähnlich reißerisch ausgefallen sind wie die Brutalitäten des Streifens, im Gegensatz zu diesen jedoch nicht ihren Zweck erfüllen. Mit jeder neuen Erkenntnis wird zu schnell zuvor Rätselhaftes beantwortet, während neu aufgeworfene Fragen weit weniger interessieren, je mehr unsinnige Antworten wir geliefert bekommen. Das Geschehene ist für das anvisierte Ziel als zu umständlicher Weg gewählt, findet für die Antwortsuchenden innerhalb der Geschichte eigentlich auch zu spät statt und steht in der Umsetzung, der wir final beiwohnen dürfen, in manchem Widerspruch zu bisher gesichteten Ereignissen.

Nun könnte ich bei solch nervenzerrender Stimmung, die Laugier definitiv zu entfachen weiß, über eine unsinnige Geschichte gütigst hinwegsehen, ein Horrorfilm muss nun einmal nicht zwingend logisch sein um zu funktionieren. Aber leider vernachlässigt Laugier in seinem Drang nach Provokation außerdem das Studieren des Leidens Annas. Wir wohnen regelrecht voyeuristisch Gewalttaten bei, auf welche die Kamera minutenlang gnadenlos drauf hält, hart eingefangen aufgrund der nüchternen Art der Umsetzung (an sich ein guter Aspekt) und verstörend aufgrund der anonymen Art und der trotz gegebener Andeutungen noch immer unklaren Beweggründe (geht auch in Ordnung), aber ohne die Dramaturgie dieser Momente aufzugreifen. Was Anna widerfährt ist eine Tortur höchsten Ausmaßes, und anstatt ähnlich wie in Cronenbergs "Die Fliege" das körperliche Leiden und die hervorragenden Spezialeffekte zum mitfühlenden Drama werden zu lassen, ruht Laugier sich auf den Brutalitäten aus und vernachlässigt somit, wie an einigen anderen Stellen des Streifens aus selbigen Gründen ebenfalls, den möglichen Tiefgang seiner Terrorgeschichte. Was bleibt sind oberflächliche Gewaltbilder, beeindruckend echt in Szene gesetzt, so dass man ein harter Brocken sein muss, um nicht verstört auf das Gezeigte zu reagieren, aber zu oberflächlich abgearbeitet und wie erwähnt aufgrund der gelieferten, naiven Erklärungen leider lächerlich anstatt tiefsinnig ausgefallen.

Laugier würde mit den Geheimnissen, die "Martyrs" zu Tage fördert, gerne zum nachdenken anregen. Der Zuschauer soll sich über den Schluss hinaus noch mit den gemachten Entdeckungen auseinandersetzen, über das Unbeantwortete nachgrübeln und darüber zu welch abscheuliche Taten Angst die Menschen verleitet. Aber hierfür ist jeglicher Hintergrund zu dümmlich und aufgeblasen ausgefallen. Reißerische Beweggründe stehen als Antrieb hinter den Ereignissen, ein wackelndes Gerüst einer Organisation kreierend, die in dieser Form unglaubwürdig ausgefallen anstatt faszinierend geartet ist, zu viele Fragen aufwirft um sie so ernst nehmen zu können wie jene aus den "Hostel"-Filmen und zu wenig durchdacht ist, um die mit ihr aufkommenden Provokationen ernst zu nehmen. Gerade wenn man versucht sich in die Drahtzieher der Hintergründe hineinzuversetzen (was aufgrund der dafür zu ignorierenden Naivitäten für einen denkenden Menschen bereits unglaublich schwer ist), macht die Schluss-Pointe so gar keinen Sinn mehr und entlarvt den Streifen endgültig als reißerisch anstatt als durchdacht.

An sich ist das sehr schade, denn von der Erzählung und den Bildern her ist das alles recht ordentlich umgesetzt. Mag auch nur selten ein echter packender Spannungsbogen entstehen, verstörend ist das Treiben in "Martyrs" definitiv ausgefallen, auch in der dümmlichen Phase, da braucht man den Streifen nicht schlecht reden. Hätte Laugier dies inmitten einer durchdachten Geschichte und einer mitfühlenden Inszenierung abgeliefert, anstatt ewig nur provozieren zu wollen, wäre großes Kino entstanden. So aber ist es dies nur für Denkverweigerer und jener Gattung Zuschauer, die sich einzig an Gewalttaten aufgeilt ohne psychologische Stimmigkeit zum stützen dieser zu benötigen. Im Gegensatz zu vielen anderen harten Provowerken weiß Martyrs" aber immerhin in seinen Quantitäten derart gut zu punkten, dass er mit seinem schlichterem Ergebnis trotzdem noch zu funktionieren weiß. 

Trotz aller Defizite hat mir der gnadenlose Film definitiv gefallen, eben auch weil Laugier zumindest inszenatorisch mit Wendungen zu schocken weiß, wenn schon kaum inhaltlich. Auch der Aspekt des Perspektivwechsels zum Schluss weiß trotz missglücktem Tiefgangs zu punkten. Und eins ist klar, egal ob man "Martyrs" zum Himmel hochlobt, ihn lediglich als sympathischen Streifen annimmt, so wie ich es tue, oder ob man das Gezeigte verabscheut: so oder so wirkt das Gesehene noch lange nach. Dies nicht aufgrund der aufgeworfenen Fragen, so wie Laugier das gerne hätte, sondern einfach aufgrund der schockierenden Bilder, die uns gnadenlos vorgesetzt wurden. Die muss man erst einmal verarbeiten, auch als Dauergast in diesem Genre.  OFDb