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09.04.2017

EISKALTE ENGEL (1999)

Hinter der hochgestilten, mit Schönlingen besetzten, poppig umgesetzten Fassade von „Eiskalte Engel“ verbirgt sich eine von etlichen Verfilmungen des Briefromans „Gefährliche Liebschaften“, transferiert vom 18. Jahrhundert in die Gegenwart und aufbereitet für ein jugendliches Publikum. Das Ergebnis kann sich unerwarteter Weise sehen lassen, stört der Overstyle in Maske, Bild und Besetzung doch nicht nur nicht, er wird gar zum Pluspunkt des Filmes, eine Eigenschaft die nur selten vorkommt. Sie funktioniert deswegen so gut, da auch der komplette Inszenierungsstil sich daran orientiert, was im seinerzeit gerade aktuell aufkommendem cineastischen Glanzbild der späten 90er Jahre wahrlich zu erstrahlen weiß.

Sympathische Jungstars, gepfefferte Dialoge und trotz des eigentlichen Drama-Genres allerhand vorhandene Lacher bieten einen flotten Sehspaß, der nicht nur zur kleinen Unterhaltung für zwischendurch wird, sondern aufgrund seiner gekonnten Aufbereitung zu einem großen Stück Genre-Kino seiner Zeit, welches eben doch nicht nur Jugendliche begeistert. „Eiskalte Engel“, der auf DVD noch zwei Fortsetzungen in anderer Besetzung erhalten hat, ist keine Modeerscheinung, die nur wenige Jahre nach ihrer Veröffentlichung verblasst ist und heute von alten Fans mit Retrocharme beliebäugelt wird, er weiß gestern wie heute zu überzeugen, relativ zeitlos in Szene gesetzt und mit einem abwechslungsreichen Soundtrack veredelt, der die ganze Sache schmackhaft abrundet.

Ryan Phillippe mag neben den anderen Jungmimen schauspielerisch hinterher hinken, zu seinem Glück ist er jedoch für die Rolle des Sebastian perfekt besetzt, und die hilfreiche Unterstützung der Verantwortlichen für sein Kostüm und seine Frisur, um schauspielerische Unzulänglichkeiten zu kaschieren, ist auch nicht von schlechten Eltern. Sarah Michelle Gellar konnte sich seinerzeit von ihrem „Buffy“-Image frei spielen und geizt nicht mit erotischer Aura. Selten war ein Zungenkuss zwischen zwei Frauen so erotisch und sensibel zugleich eingefangen, wie jener den Gellar mit Selma Blair austauscht, die wohl den besten und pointensichersten Nebenpart verkörpert, so wunderbar tappsig wie sie die naive Ahnungslose verkörpert.

Aber auch Reese Witherspoon braucht sich nicht zu verstecken, darf sie hier noch weit vor ihrem Abrutschen in die Hollywood-Arroganz natürlich und unverfangen spielen, halt ebenso wie sie im selben Jahr von „Cruel Intentions“ (Originaltitel) auch in „Election“ agieren durfte. Dort den Bösewicht spielend, hier den guten Part, hat sie beide Rollen gut im Griff und kann im hier besprochenen Werk die Sympathie des Zuschauers schnell auf ihre Seite ziehen. Es ist das Kunststück des Drehbuchs, dass man trotz aller böser Taten dem geläuterten Sebastian wünscht, dass er am Ende der Geschichte versöhnt in ihren Armen landet. Hierfür musste allerdings auch eine bereits gedrehte Szene entwendet werden, mit welcher das Ganze nicht so gut funktioniert hätte wie schließlich doch noch in der Endfassung.

„Seduction Games“ (Alternativtitel), oder aber auch „Sexual Provocation“, wie er andernorts genannt wird, ist somit kein zu belächelndes, oberflächliches Modeprodukt seiner Zeit, wie man voreilig vermuten könnte, sondern ist, ganz im Gegenteil, ein hochgradig hübsch anzuschauender Mix aus schwarzer Komik und Dramatik, zwar gerne mal ins Theatralische abrutschend, aber das lässt sich aufgrund der Klassik der Vorlage und der Zeit in welcher die Geschichte ursprünglich spielt auch nicht komplett verhindern. Interessanter Weise wissen diese Ausrutscher ausnahmsweise ebenso zu gefallen, wie der übertrieben geschönte Stil des Streifens, wahrscheinlich auch gerade aufgrund des Zusammenspiels mit diesem. So oder so eignet sich „Eiskalte Engel“ zum Immerwiedergucken. Ich kann nicht mehr zählen wie oft er schon in meinem Player gelandet ist.  OFDb

11.12.2014

ELECTION (1999)

13 Jahre nach „Ferris macht blau“ wird der Spieß umgedreht. Matthew Broderick wechselt nicht nur die Seiten vom Schüler zum Lehrer, er darf auch ähnlich viel leiden wie einst Jeffrey Jones als Ferris Schuldirektor in der beliebten 80er Jahre Teenie-Komödie. „Election“ ist grob gesehen ebenfalls eine, wird der Blickwinkel der Teenager doch ebenso stark in die Geschichte mit einbezogen wie jener der Hauptfigur, dem Lehrer. Aufgrund seiner Thematik geht der Film jedoch weit über die Schlichtheit einer Teenie-Komödie hinaus, auch wenn man das bei einer ollen MTV-Produktion kaum glauben kann. Alexander Paynes Werk ist pfiffig erzählt, dies gerne auch über Umwege und ist in seiner Art nicht nur Pointen-sicher sondern auch geschickt darin sich in die Gedankenwelt seiner einzelnen Charaktere hineinzuversetzen.

Eine Sympathiefigur gibt es nicht. Eine Seite die Recht hat ebenso wenig. „Election“ zeigt versimpelt durch den Mikrokosmos Schule die vielen unterschiedlichen Denkweisen zum Thema Politik, im erweiterten Sinne aber auch Denkweise verschiedener Mentalitäten allgemein, weit über das eingrenzende Thema Wahl hinausgehend. Die Polit-Desinteressierten und die geistlosen Verfechter der Spaßgesellschaft bekommen ihr Fett ebenso weg wie rechtsgerichtete Konservative und liberale Idealisten. Dank der Off-Kommentare von vier im Zentrum stehenden Personen werden Blicke in deren Gedankenwelt offengelegt, die über das hinaus gehen, was allein durch Taten hätte aufgezeigt werden können.

Gedankliche Irrtümer, verdrehtes Rechtsempfinden und schlichtes Selbstanlügen und Ignorieren sind menschliche Eigenschaften die auf jede dieser Personen zutreffen, besonders schön zu beobachten am Verhalten McAllisters, der sein Fehlverhalten tatsächlich dadurch rechtfertigen will, dass er doch sonst immer eine Vorzeigeperson ist. Eine Tracy deutet ihre Einsamkeit als Preis für Menschen mit Engagement, Menschen die weniger davon besitzen sind unter ihrem Niveau. Gleichzeitig redet sie sich ein als Schulsprecherin für alle Schüler Pate zu stehen. „Election“ ist voll von solchen Widersprüchen in der Gedanken- und Tatenwelt seiner Protagonisten, und er ist dabei so zielsicher, dass es eine reine Freude ist sich dem auf leichten Stoff getrimmten Film hinzugeben.

Zwar lässt er mit seiner absichtlich umständlichen Erzählung Denkverweigerer außen vor, die Umwege die er schlägt machen „Election“ im Gegenzug aber auch zu keinem verkopften Film. Den Köpfen hinter dem Projekt passiert nicht der Fehler selbst zu etwas zu werden, das kritisiert wird. Paynes Werk bleibt objektiv, bezieht keine Position, sondern feuert seine Satire in jede Richtung ab, dies nicht blind drauf los, sondern trotz seiner lockeren Art wohl durchdacht. Kurzweile und Popkorn-Kino muss halt nicht immer geistlos vonstatten gehen, auch wenn Werke wie „Election“ in diesem Punkt für die Ausnahme stehen, auch bereits im Entstehungsjahr 1999.

Freilich kommt der Komödie auch seine gute Besetzung zu Gute. Broderick, mit Werken wie „In Sachen Liebe“, „Cable Guy“ und „Die Frauen von Stepford“ längst auf die Nische des Langeweilers abonniert, darf hier trotz selbigen Schwerpunktes wesentlich vielschichtiger agieren als in den meisten seiner Werke aus dieser Zeit. Witherspoon zeigt hier ebenso wie im zur selben Zeit abgedrehten „Eiskalte Engel“ wie talentiert sie ist, was ihre späte Rollenauswahl zu Zeiten großer Berühmtheit umso trauriger macht. Und Chris „American Pie" Klein muss zwar nicht wirklich schauspielern können, beherrscht die Rolle des naiven Gedankenlosen aber so perfekt, dass man sich freuen kann, dass er für die Rolle des Paul besetzt wurde.

„Election“ ist mehr als eine olle, kleine Teenie-Komödie. Er ist eine lockerflockig inszenierte Satire mit Köpfchen und mit Mut zu Albernheiten, ohne es mit diesen zu übertreiben. Ein gutes Drehbuch und talentierte Darsteller mit Spielfreude sorgen für den Rest. Spielereien mit der Erzählperspektive sorgen endgültig dafür, dass einem nicht langweilig werden kann. Sicherlich setzt Payne auf Stereotype um zu seinem Ziel zu gelangen. Er haucht ihnen aber so viel Leben ein, dass sie einem trotz ihres Karikatur-Daseins wie Menschen aus Fleisch und Blut vorkommen - wahrscheinlich weil die Geschichte sehr darauf bedacht ist sich auf die Fehler und den Irrglauben der einzelnen Charaktere zu konzentrieren. Als Regisseur und Autor versteht Payne seine Figuren einfach bestens. Unter Beweis durfte er dieses Talent drei Jahre später noch einmal im anspruchsvolleren "About Schmidt" stellen, der keinen Zweifel mehr an diesem Können aufkommen ließ.  OFDb

20.07.2014

NATÜRLICH BLOND (2001)

„Natürlich blond“ ist zwar naiv erzählt, aber auch kurzweilig, witzig und mit Witherspoon in der Hauptrolle gut besetzt. Der Film schippert seicht daher und weiß 90 Minuten lang auf ganz schlichte Art zu unterhalten. Aber muss eine Geschichte wie diese wirklich gleich so extrem naiv daher kommen, wie es für Hollywood-Verhältnisse üblich ist? Ist eine Spur von Logik denn schon zu viel verlangt?

Wie oft liest man, dass Witherspoon in diesem Film zeigt dass auch eine Blonde intelligent sein kann und sich gegen die Welt behaupten kann. Schön und gut, aber dafür hätte man ein Drehbuch gebraucht dem dieser Aspekt auch wirklich am Herzen liegt. Was uns in „Natürlich blond“ präsentiert wird ist eine pfiffige Blondine, klug in ihrem Interessenbereich, aber dumm genug im Verlauf des Filmes nur geistfreies und oberflächliches zu tun. Dass sie im Laufe der Story die Karriereleiter hoch schreitet, verdankt sie lediglich ihrem Glück. Ihr Wissen über Dauerwellen, Beautyschuppen und ähnlichem helfen ihr die kleinen und großen Probleme im Studium und im Praktikum zu meistern. Nie fordert das Drehbuch sie auf über ihre Grenzen hinweg zu agieren und damit zu beweisen wie klug sie nun wirklich ist.

Ich weiß, man kann schon sehr pingelig sein. „Natürlich blond" soll geistfrei kurzweilig unterhalten, und das tut er schließlich auch. Aber ich denke mal dass auch ein seichter Film nicht zwangsläufig auf Kosten der Logik seine blauäugige Story präsentieren muss. "Pretty Woman" war auch alles andere als realitätsorientiert erzählt, aber er war innerhalb seines Universums, 90 Minuten für sich eingeschlossen glaubwürdig. Elle kauft man ihren Erfolg aufgrund ihres peinlichen Denkens und Verhaltens nie ab.

Spätestens wenn die von Witherspoon so passend verkörperte Blonde zum Ende des Films ihren Schritt in die große Karrierewelt tut und mitunter die beste Studentin ihres Jahrgangs war ist dies völlig an den Haaren herbei gezogen. Wieviele Justizfälle, die für den Zuschauer aus Zeitgründen ausgeblendet werden, werden denn noch mit ihrem Schickimicki-Wissen zu tun gehabt haben? Wann hat sie mal außerhalb ihrer Beautywelt mehr getan als irgend etwas auswendig zu lernen? Und was hat auswendig lernen mit Intelligenz zu tun? Das sind Fragen die nicht beantworten werden, deren Antwort aber in den übersprungenen 3 Jahren vermutet werden können, ein von Zuschauerseite wohlgesonnener Rettungsanker, um auf den an sich heiter und kurzweilig erzählten Film nicht mehr zu schimpfen als nötig.

Was bleibt ist eine Komödie für Träumerinnen, ein Film für dumme Püppchen zur Selbstwertsteigerung und ein kleiner Streifen für Menschen wie mich, die sich hin und wieder gerne auch mal unter Niveau ein locker flockiges Filmchen angucken mit einem Naivitätsgehalt hoch zehn. Die bessere Alternative wäre jedoch eine geistfreie Komödie gewesen ohne das Makel der vollkommenen Unglaubwürdigkeit.  OFDb

03.04.2013

WOHER WEISST DU, DASS ES LIEBE IST (2010)

Die Berufssportlerin Lisa Jorgenson ist aufgrund ihres Alters frisch aus dem Team geworfen worden, da geht sie eine Beziehung mit dem Baseball-Star Manny ein. Und während Lisa noch am grübeln ist, ob diese Beziehung mit dem Egoisten auch das richtige ist, da verliebt sich der ewige Versager George in sie. Für den hat sie aufgrund eines katastrophalen Dates kein Auge, aber so nach und nach entwickelt sich zumindest eine Freundschaft zwischen den beiden...  

Woher weißt Du, dass das lustig ist?...
 
James L. Brooks ist nicht jedermann ein Begriff. Dieser Mann gehört zu den Zuständigen für die Serie „Die Simpsons“, und der ebenso geniale Film „Besser geht‘s nicht“ geht ebenso auf sein Konto. Gerade mit letzterem Beispiel lieferte er den Beweis ab auch in einer tragisch angehauchten Komödie etwas umwerfend lustiges abliefern zu können, und der Name war fast Programm.

„Besser geht‘s nicht“ bot eine hervorragende Besetzung, eine bessere als die von „Woher weißt Du, dass es Liebe ist“, aber auch die braucht sich nicht zu verstecken. Während Paul Rudd, der in erster Linie als Josh aus „Clueless“ zu gefallen wusste, meiner Meinung aber auch eine tolle Darstellung in „Beim ersten Mal“ auf die Beine stellte, von allen hier wichtigen Rollen wohl das unbekannteste Gesicht dieses Streifens ist, braucht man Menschen wie Reese Witherspoon, Owen Wilson und Jack Nicholson nicht vorzustellen.

Romantische Komödien mit Witherspoon hauen oft nicht hin (wie z.B. „Sweet Home Alabama“ beweist), da darf man zu Recht etwas kritisch bleiben. Und Owen Wilson ist eher Sympathisant als wirklich guter Schauspieler. Aber zumindest die Anwesenheit Jack Nicholsons darf im Vorfeld positiv stimmen, war er doch auch der Star in „Besser geht‘s nicht“ und einer der Gründe warum der Film fast so gut wie sein Titel war. Und siehe da, Nicholson gehört tatsächlich zu den Pluspunkten des hier besprochenen Streifens, darf mimisch überagieren und gerade deshalb wunderbar komisch einen Egomanen in Reinform verkörpern, und das weiß in all seinen Auftritten auch zu gefallen. Allerdings spielt Nicholson eine relativ kleine Rolle.

Immerhin darf Witherspoon lange Zeit nach „Eiskalte Engel“ und „Election“ endlich mal wieder gefallen. Dies weniger im niedlichen Sinne, was man bei einer Romantik-Komödie vermuten könnte. Aber dafür wäre ihr Charakter auch viel zu falsch ausgelegt. Brooks geht es bei Witherspoons Rolle Lisa nicht um Niedlichkeit. Nein, sie soll möglichst authentisch wirken, in einer gefühlsverwirrten Welt, die Liebe nie kennen gelernt habend, aber das Herz am rechten Fleck tragend.

Dies hat auch die Rolle Paul Rudds, die allerdings selbst für eine RomCom viel zu soft daher kommt. Zwar darf der gute Mann zu recht in Selbstmitleid zerfließen, bei all der Scheiße die auf ihn herabregnet, aber seine viel zu frühe Besessenheit für Lisa, die man nun wirklich nicht mehr Liebe nennen kann, macht doch viel an einem Charakter kaputt, der eigentlich positiv gemeint sein soll.

Dass er dennoch liebenswürdiger wirkt als sein Konkurrent, liegt einzig daran, dass man Owen Wilson mit Absicht eine arg egoistische Figur spielen lässt, die zwar durch ihre Unbedarftheit all die lachfördernden Ego-Touren nicht böse meint, aufgrund seiner Charakterzeichnung aber nie eine ernsthafte Wahl für den Final Part an der Seite Witherspoons wird. Da mag nur wer sehr naives zweifeln wer denn am Ende nun das Herz Lisas erobern darf und wer nicht.

Doch auch wenn es der Tragik etwas zu viel und des Humors etwas zu wenig gibt, und auch wenn die von Rudd gespielte Figur als eine der wichtigsten nicht so zu wirken weiß wie es Brooks gerne hätte, irgendwie weiß „Woher weißt Du, dass es Liebe ist“ dennoch zu funktionieren, wenn auch nur auf leichter Basis und weit davon entfernt ein Tipp in seinem Sub-Genre zu werden. Dafür verlaufen sich viel zu viele Storystränge ins Nichts, und dafür wird viel zu viel leer geschwätzt, wenn auch meist auf amüsante Art.

Denn die Dialoge sind ähnlich pfiffig wie die stillen Seiten der Figuren, sprich wo diese in ihrem Mittelpunkt oft versagen, weiß die Psychologie um sie herum zu wirken. Mag da wer bissigere Kommentare erhoffen oder aufdringlich komische, die Dialoge kommen situativ komisch daher und/oder bezogen auf die Charaktere des Streifens. Auf dieses stille Erscheinungsbild muss man entweder gepolt sein, oder man kommt ignorant vor Langeweile um.

Da es Brooks sowohl um Dialog als auch um Charaktere in erster Linie geht, dies also der Hauptaspekt als Unterhaltungswert seines Filmes sein soll, kann jemand der dies nicht entdeckt oder bei dem das nicht zündet, mit diesem Streifen auch nicht klar kommen. Umgekehrt: da Brooks diese Schwerpunkte im Gesamten selbst nicht komplett beherrscht, konnte er auch keinen weiteren Hit wie „Besser geht‘s nicht“ landen. Das ist schon recht schade.

Erschwerend kommt hinzu, dass der Romantikpart nicht wirklich zu überzeugen weiß, nur kurz vor Schluss doch einmal kurz aufflammt, wenn Rudds Rolle wenigstens etwas sympathischer geworden ist. Aber auch das verpufft wieder ganz schnell, wenn der finale Kuss ganz unromantisch eingefangen wird, ein Manko das in romantischen Komödien häufiger auftritt, z.B. bei dem sonst so bezaubernden „E-Mail für Dich“ mit Meg Ryan und Tom Hanks.

Als Pluspunkt bleiben also das sympathische Spiel Witherspoons, die kompletten Gastauftritte des wieder mal genialen Jack Nicholson, das Drehbuch in den Egomomenten der Rolle Owen Wilsons, sowie die eher versteckten Ecken und Kanten an den Restcharakteren und an den Dialogen. Für das Ergebnis einer wirklich überzeugenden Tragikomödie reicht das nicht aus, dafür ist ein Teil der Pluspunkte noch zu lasch ausgefallen. Aber für ein amüsantes Dranbleiben für das Unterhaltungsfilmchen zwischendurch reicht es aus. Auch wenn man sich am Ende fragt, was die ganze Geschichte eigentlich nun sollte.  OFDb

14.03.2013

SOLANGE DU DA BIST (2005)

David mietet ein Appartement und muss feststellen, dass die Vorbesitzerin Elizabeth dort herumspukt. Nach diversen Versuchen gegenseitiger Vertreibung raufen sie sich zusammen, um zu erfahren, was mit Elizabeth einst geschah. Diese kann sich an ihr Vorleben nämlich nicht erinnern...
 
Nachricht von Beth...
 
Nach dem überraschend guten „Freaky Friday“ ließ Regisseur Waters den netten, aber routinierteren „Girls Club“ folgen. Auch seine zweite Arbeit mit Lindsay Lohan ging trotz ruhigeren Stoffes mehr in die laute Richtung. Also war es schon interessant herauszufinden, ob der Herr auch das romantische Gebiet der Komödie beherrscht.

Das Ergebnis ist dem von „Girls Club“ ziemlich ähnlich: Nett, aber routiniert. Zwar haben wir mit Reese Witherspoon eine hervorragende Alternative zu den üblichen Damen des romantische Komödien-Subgenres dabei, und auch die Chemie mit ihrem Filmpartner Mark Ruffalo stimmt, es ist jedoch die Geschichte selbst, die dem Werk keine persönliche Note beschert.

Zwar weist auch diese manch lustige Idee auf (das Rufen von Geisterjägern, eine Körperübernahme im Stil von „Solo für zwei“), man wird aber nie überrascht. Nie hat man das Gefühl etwas neues zu sehen. Nie gibt es starke Momente, die einem mehr vermitteln als das Gefühl ganz nett unterhalten zu werden.

Mit schuld daran ist der Beginn der Geschichte, der uns Elizabeth als Ärztin zeigt. Viel interessanter wäre es gewesen in die Story als Unwissender einzusteigen, um das Vorleben Witherspoons Rolle zu erforschen. Gegen Ende baut man im Gegenzug dazu auf eine mutigere Idee, ebenfalls im Bereich der fehlenden Erinnerung wie zu Beginn der Begegnung zwischen Mieter und Geist. Aber selbst dieser gute Gedanke verliert sich schnell wieder in einem zu plötzlichen Drehbuch, sprich das ans Herz gehende Problem ist schneller keines mehr, als man Piep sagen kann. Schade. Vielleicht hätte man diese Schlusswendung bereits zur Hälfte des Films einbringen sollen, für eine Erzählung a la „50 erste Dates“.

Letzten Endes weiß „Solange Du da bist“ schon, wie er einen bezirzt. Die Romanze steckt an, ohnehin ist man als Zuschauer immer nah am Geschehen dran. Leider baute man zu viele Handlungsstränge ein, die nie genug beachtet werden. Der Glaube von Davids bestem Freund, der Geisterseher wäre schizophren, das Bemerken von Elizabeths Schwester, dass an den Worten des Geisterspinners doch etwas wahres dran sein könnte, der ominöse Typ aus dem Buchladen, der die Gegenwart von Toten bemerken kann, das alles findet Raum in Waters Werk, aber keinen Platz zu wachsen. Vielleicht hätte man von all den Ideen nur die Hälfte nehmen sollen, um sich ihnen auch zu genüge widmen zu können.

Aber Schwamm drüber! Auch wenn „Solange Du da bist“ nicht die Top-Empfehlung eines „Harry und Sally“, „Während Du schliefst“ oder „Pretty Woman“ geworden ist, so ist sie doch immerhin für den Stammzuschauer dieses Subgenres ein kleines Erlebnis mit genügend Charme, um sich bezaubern zu lassen. Der übernatürliche Kisch und anderweitiger Esoterik-Mist, wie im etwas themenähnlichen „Ghostdad“, hält sich ohnehin erstaunlich zurück, dafür dass diese Gattung Film meist Zuspruch beim weiblichen Publikum findet.

Wie dem auch sei, etwas schade finde ich das durchschnittliche Ergebnis, auch wenn es aus dem positiven Bereich der Routine stammt, schon. Denn mit Reese Witherspoon hat man eine Frau an Bord gehabt, die durch ihren Mix aus süßem und gleichzeitig ungewöhnlichem Aussehen mehr ist, als die typische Niedlichbesetzung a la Meg Ryan, Sandra Bullock und Julia Roberts. Vielleicht sollte sich auch mal Christina Ricci an dieses Gebiet heranwagen, jetzt wo Witherspoon sich als romantikkompatibel herausgestellt hat.  OFDb