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20.11.2016

HOUSE OF CARDS - STAFFEL 4 (2016)

Auf Staffel 4 durfte man zu Recht neugierig sein, war der Cliffhanger der Trennung des Underwood-Paares doch ein echter Einschnitt in die Sehgewohnheiten der Serie und schien reizvolle Wendungen folgen zu lassen. Dementsprechend darf man nach Sichtung der bislang letzten „House of Cards“-Staffel ein wenig enttäuscht sein, steht Frank Underwood doch weit weniger unter Druck als erwartet, und nutzen die Autoren doch einen recht billigen, wenn auch nicht unglaubwürdigen, Ausweg der Lage wieder Herr zu werden, um alles wieder so zu biegen, wie es zuvor war. In dieser versöhnlichen, weniger aufgeregten Phase ist es zwar dann nach wie vor interessant mit anzusehen wie das Paar agiert um seine Zwecke zu erfüllen, da man diesmal nicht unter Druck steht und ein Scheitern dementsprechend nicht zum Skandal werden würde, fehlt es dabei jedoch an echtem Spannungspotential.

So ist es gut dass die Autoren bereits parallel dazu die nächste Krise vorbereiten. Ob diese aber so gewaltig einschlägt wie man zunächst vermuten würde, bleibt fraglich, nachdem die letzte Folge der vierten Staffel bereits aufweist wie es Underwood gelingt mittels schlichtester Rhetorik auch dem ersten Anschlag dieser Phase Herr zu werden. Es wäre schade, wenn „House of Cards“ inmitten der bevorstehenden Thematik wieder ähnlich schlicht vor sich hinplätschern würde wie in den letzten beiden Staffeln geschehen, schaut sich das Konzept zwar nach wie vor interessant, intelligent und unterhaltsam, aber das wahre Potential der Serie wird nun schon einige Zeit nicht mehr ausgeschöpft.

Zudem gewinnt die Reihe nun immer mehr an Seriencharakter, sprich „House of Cards“ hebt sich in seiner Inszenierungsform nicht mehr derart qualitativ von anderen Produkten ab wie zuvor, da sich mit dem Einhalten wiederkehrender Pflichtzutaten kleine Serienkrankheiten eingeschlichen haben. So gehört es z.B. zum Rezept der Reihe dazu, dass Underwood Skandale um seine Person beheben muss. Aber bei all den Angriffen die Underwood in seinen zwei Jahren der Präsidentschaft und gerade nun in den wenigen Monaten des Wahlkampfes öffentlich glatt zu bügeln hatte, wird es immer unglaubwürdiger, dass das amerikanische Volk so schnell vergisst, bzw. durch andere Ereignisse perfekt abgelenkt wird.

Erst der finale Gegenschlag Underwoods, der selbst für seine Verhältnisse ein sehr aggressives Vorgehen ist, richtet wieder die Glaubwürdigkeit der Serie her, da die Geschichte Amerikas bereits gelegentlich bewiesen hat, dass diese Taktik tatsächlich aufgeht. Sollte dieser Aspekt nicht wieder nur als schnell verpuffender Cliffhanger wie der letzte genutzt werden, könnte mit Staffel 5 darauf aufbauend eine tatsächlich faszinierende Geschichte erzählt werden, die etwas kritisch thematisiert, worüber Michael Moore seit je her versucht das amerikanische Volk zu warnen und aufzuwecken.  OFDb

06.02.2016

HOUSE OF CARDS - STAFFEL 3 (2015)

Man sollte meinen mit dem Einzug ins Weiße Haus sei die Geschichte von Francis Underwood zu Ende erzählt, aber der Aufhänger der Geschehnisse nach einem halben Jahr Amtszeit weiß zu gefallen und fordert den skrupellosen Strategen Underwood wieder einmal auf um seine Ziele zu kämpfen. Trotz dieser Krise, der noch so einige weitere folgen sollen, kommt die Serie wesentlich unspektakulärer daher als bislang. Nur selten fällt eine Folge so spannungsgeladen aus wie in den Vorgängern. Mit dem Gucken der einzelnen Folgen kann man sich Zeit lassen, die Cliffhanger drängen einen nicht dazu möglichst bald die Neugierde zu stillen wie es weiter geht.

Das klingt zwar ziemlich negativ, aber qualitativ baut die Serie keinesweg ab. Die Politdebatten und Machtkämpfe stehen diesmal nur noch eine Spur mehr im Zeichen der Dramatik, und wie gut die dritte Staffel tatsächlich ausgefallen ist versteht man spätestens mit ihrem Abschluss, wenn alle Ziele erreicht sind die in vollkommener Ruhe und Gelassenheit vorbereitet wurden und wenn die Fäden ineinander laufen, um in einem großen Ganzen zu münden. Zwar guckt sich „House of Cards - Staffel 3“ eher wie eine Übergangsstaffel auf die längst geplante vierte, aber wie sie die Karten neu mischt ist äußerst interessant ausgefallen, so dass gerade in der letzten Folge einige Überraschungen auf den Zuschauer warten.

Wer laute, schnelle Storys sehen möchte war in „House of Cards“ noch nie gut aufgehoben. Die Serie setzt geradezu auf ihre trockene, verkopfte Art und weiß aufgrund ihrer effektiven Wirkung zu gefallen. Staffel 3 wird dementsprechend erst recht nur mögen wer auf stille Stoffe steht, wer es mag dass die Ereignisse sehr feinfühlig und intensiv erzählt werden, und wer es akzeptiert kurzfristig inhaltlich auch mal anderweitig abzubiegen, bevor es mit dem Hauptplot weiter geht, eben um diesen im Endeffekt emotional und sachlich besser verstehen zu können. Die Drehbücher sind diesbezüglich besonders qualitativ ausgefallen, zumal diese noch zurückgeschraubtere Art als bisher keinesfalls an Unterhaltungswert einbüßt.

Ganz im Gegenteil, die wenigen Eingeständnisse, die man in der Ausnahme unverständlicher Weise an das Publikum des reißerischen Geschmacks macht, sind es die das Kartenhaus für kurze Momente wanken lassen. Diese zeichnen sich meist dann ab, wenn Präsident Underwood als besonders mieses Arschloch gezeichnet wird. Wer die Geschichte aufmerksam verfolgt hat braucht hierfür keine Beweise mehr. Der Mann ist ein Manipulator, ein Mörder und ein Egomane.

Dass Underwood ans Grab seines Vaters pinkelt oder eine Jesus-Statue bespuckt braucht zur Bestätigung Underwoods Charakters wahrlich nur jene Art Zuschauer, für welche die Serie ohnehin nicht zum Lieblingsprogramm gehören wird. Glücklicher Weise gibt es derartige Entgleisungen nur selten und erschüttern nicht die eigentlichen kleinen wie großen Geschichten, von welcher die Staffel handelt. Da es derlei Fehler bereits in den Vorgängerstaffeln gab, wird man wohl auch in der kommenden vierten damit rechnen müssen. Wenn die Qualität dort so erhalten bleibt wie bisher, kann ich mit diesem Wermutstropfen jedoch bestens leben.  OFDb

27.12.2015

THE CONGRESS (2013)

Robin Wright, die Schauspielerin die einst jene Frau mimte, die auf Forrest Gumps Gefühlen herumtrampelte und jüngst in der zweiten Hauptrolle der Serie „House of Cards“ überzeugen durfte, klingt reizvoll als Wahl der Hauptbesetzung in einem sozialkritischen Science Fiction-Streifen, der nicht nur einer äußerst interessanten Idee nachgeht, sondern auch in einem Real- und Zeichentrick-Mix umgesetzt wurde. Was solle bei so viel Potential schon schiefgehen, allein schon weil der Vorgänger-Film des Regisseurs Ari Folman, „Waltz with Bashir“, ein so hohes Ansehen besitzt?

Die Antwort lautet: so einiges! Denn wenn man vor lauter intellektuellem Getue den Boden unter den Füßen verliert, wird aus etwas sozialkritisch Intelligentem eine dümmliche Peinlichkeit. Das bemerkt freilich nur jene Art Zuschauer, die sich nicht gänzlich dem optischen Rausch aussetzt, welcher der Film definitiv besitzt. Wer den Kopf eingeschaltet lässt, bemerkt recht schnell dass hier etwas nicht stimmt. Zugegeben, ab dem Zeitsprung 20 Jahre später hat mir die Idee der Droge, mit welcher man zu einem seiner geliebten Stars werden kann, nicht gefallen. Ich bin also allein schon rein storymäßig vorbelastet. Und die groteske Idee, dass aufgrund dieser Droge der Kongress in einer Zeichentrickrealität stattfindet, fand auch nicht meinen Zuspruch. Aber das allein wäre alles nur eine Frage des individuellen Geschmacks und würde „The Congress“ noch nicht allgemein seinen Reiz berauben.

Dass die Zukunftswelt jedoch nicht sinnig durchdacht wurde und immer wieder ihre Widersprüche erfährt, macht das Werk, das sich für ungeheuer anspruchsvoll und intelligent hält, zu einer Katastrophe. Schon in seiner moralischen Umsetzung mit erhobenem Zeigefinger macht Folmans Werk, welches nur wenig eigene Ideen besitzt, einen inszenatorischen Fehler und wird damit ein Werk für Pseudointellektuelle, die undurchdacht nachplappern und intelligente Ansätze zu einem intelligenten Gesamtwerk fehlinterpretieren, eben weil ihnen nicht auffällt, dass das Gesamtbild brüchig und fehlerhaft ist.

Am deutlichsten wird dies ziemlich gegen Ende, wenn Robin sich aus der Rauschwelt befreien kann und die Realität zum vorher berichteten Szenario so gar nicht passen will. Da gibt es weder eine elitäre Gesellschaft der Reichen, die von der Realitätsflucht des Volkes lebt, noch eine kaputte Zivilisation, da sich niemand mehr um die reale Ebene kümmert. Menschen die vor dem Drogenzeitalter erwachsen waren rebellieren weder aktiv noch passiv. Und eine Erklärung wie die Realitätsflüchtlinge ernährt, eingekleidet und gepflegt werden, gibt es auch nicht. Diese wandern zombieartig hypnotisiert durch die Realität, gekleidet wie Penner, und doch müssten sie ja von irgend etwas leben.

Auch die imaginäre Drogenwelt wird nicht richtig erklärt. Da besitzt zwar jeder seine eigene Phantasie, kann aber mit anderen in Kontakt treten, selbst wenn die Welt des einen jener des anderen kaum ähnelt. Einzig die prominente Tarnidentität gibt es als Einstimmigkeit. Wie gemeinsame Erlebnisse möglich sein sollen, in komplett verschiedenen Realitätsebenen, wird nicht versucht zu erklären, scheint nicht einmal als Gedankenlücke bemerkt worden sein, was beweist mit welchem Tunnelblick die ach so innovative Geschichte erzählt wurde.

Richtig peinlich wird es jedoch erst dann, wenn Robin zurück in die Drogenillusion treten möchte, um ihren Sohn zu suchen. Das ist äußerst schwierig, da niemand weiß für welche Identität er sich entschieden hat und wo er sich aufhalten könnte. Wesentlich mehr Sinn würde es machen, ihn in der Realität unter all den Pennern zu suchen, wo sein Gesicht der Mutter bekannt ist. Ein Denkfehler, der kaum dümmlicher sein könnte. Den Fehler warum man in der Drogenwelt nicht altert, in der Realität aber scheinbar auch nicht wirklich, wenn ich mir den Arzt des behinderten Jungen so ansehe, kann ich noch als Unverständnis meiner Wenigkeit abtun. Vielleicht habe ich da etwas nicht verstanden. Aufgrund der anderen unübersehbaren Unsinnigkeiten zweifel ich aber selbst daran.

Das komplett ruinierte Ergebnis finde ich sehr traurig für ein Werk, welches inhaltlich solch einen tollen Aufhänger mit dem Vertrag hatte, bei dem der Schauspieler nicht mehr mitentscheiden darf wo er mitspielt. Meiner Meinung nach hätte der Film sich allein auf diese Thematik konzentrieren sollen, als eine Art Gegenstück von „S1m0ne“, so wie „EdTV“ das Gegenstück zu „Die Truman Show“ war. Schade ist es außerdem um die mühevoll umgesetzten Zeichentrickszenen, die absichtlich verschiedenste Trickfilm-Stile aufnimmt und immitiert, so dass zwar immer auch welche auftreten, die jedem von uns mal weniger gut gefallen, die man aber trotzdem als gelungen ansehen muss, eben weil sie so gekonnt den jeweils vorgegebenen Stil kopieren.

Aber was soll man den Zeichentricksequenzen und den ersten halbwegs geglückten 20 Minuten hinterher trauern, wenn ein Film vor lauter Belehrung und moralischem Übermut den Sinn des Erzählten aus den Augen verliert, dies nicht bemerkt und vor peinlichem Hintergrund weiter seinem intellektuellem Getue nachgeht. Wie gesagt: wer sich lediglich berauschen lässt und aufgrund intelligenter Fragmente dem Film als Gesamtes selbiges zuspricht, oder lediglich hirnlosen Medien nachplappert dass „The Congress“ ein anspruchsvolles Science Fiction-Werk wäre, der sitzt im richtigen Film und weiß es selbst dann nicht besser, wenn man ihn auf die Fehler des Streifens hinweist. Jeder mündige mitdenkende Zuschauer hingegen wird sich mit Schaudern von diesem Werk abwenden, das in seiner Lehrer-haften und unsinnigen Art nicht einmal mehr dazu einlädt, sich zumindest an der liebevoll gestalteten Optik zu ergötzen.  OFDb

25.09.2014

HOUSE OF CARDS - STAFFEL 2 (2014)

Auch die zweite Staffel der Erfolgsserie „House Of Cards“, einem Remake von drei Kurzserien aus den 90er Jahren, ist wieder flott und interessant erzählt, großartig gespielt und fühlt sich sehr realistisch an. Gerade letzter Punkt war schwieriger zu erfüllen als in Staffel 1, sind die Gegner doch nun genau so große Taktiker wie Underwood selbst, und ist der Versuch den Präsidenten zu stürzen doch nicht nur mit ein paar Vereinbarungen mit Interessenpartnern zu verwirklichen. Underwood steht mit einem Bein im Knast, und diesmal riskiert er wirklich alles.

Dass er auch zu allem im Stande ist, haben wir bereits Ende der der ersten Staffel erfahren müssen, trotzdem trifft einem Underwoods Tat der ersten Folge in der zweiten Staffel wie ein Schock. Eine völlig unerwartete Tat wirft ihren Schatten und sorgt für Probleme, die den Vize und seinen Handlanger noch lange beschäftigen werden. Es krieselt also an allen Ecken und Enden, und so fieß Underwood und seine Gattin auch gezeichnet sind, man hält zu ihnen, frei von Sympathie mit ihnen, einfach weil sie die Identifikationsfiguren sind, aus keinem anderen Grund.

Staffel 2 kommt nie zur Ruhe, auch wenn das Tempo im Mittelteil etwas gemütlicher voranschreitet als danach und zuvor. Langweilig kann es bei der Vielzahl an Personen und inhaltlichen Verästelungen auch gar nicht werden. Man sollte sich unbedingt jeden Namen merken, denn die Verantwortlichen von „House Of Cards“ nehmen keine Rücksicht, erwarten das komplette Durchblicken der bisher erzählten Chose, und das ist gar nicht so einfach bei all dem Wirbel der hier entfacht wird und all der vielen Charaktere, selbst wenn man die Staffel in nur wenigen Tagen am Stück schaut.

„House Of Cards“ blickt nicht zurück, nur immer wieder nach vorne, gnadenlos, und diese Herangehensweise spiegelt passend die Eiseskälte der Underwoods wieder, die einen immer kurzfristig vermuten lassen es würde sich doch eine menschliche Seele hinter ihrer Maske verbergen. Und jedesmal erwischt es den Zuschauer eiskalt erfahren zu müssen, dass da gar keine Maske ist. Macht um jeden Preis, das ist die Devise, das hat sich seit dem Serienanfang nicht geändert, und diesen Grundsatz nun auf höhere Ebene ausüben verlangt andere Taktiken und Verbündete, und wir dürfen immer mit dabei sein - mal dabei zuschauend wie der Präsident die ahnungslose Maus ist, die der Katze zum Fraß vorgeworfen werden soll, manchmal miterlebend wie Underwoods Pläne zurückgeschleudert werden, und seine Gier nach Macht ihm zum Verhängnis werden könnte.

Es bleibt also spannend im politischen Kartenhaus, und es tut gut zu sehen, wie fast das gleiche Niveau der Vorgänger-Staffel erreicht wurde. Die war etwas übersichtlicher und zog die Zügel mehr an, Staffel 2 lässt uns immer wieder mal Luft zum Atmen, um alle Bereiche auszuleuchten und die Schachfiguren in Position zu bringen, im Prinzip ist der Staffelvergleich jedoch nur Kleinkrämerei. Beide sind Unterhaltung auf hohem Kino-Niveau, nicht ganz die Klasse eines „Breaking Bad“ erreichend, aber doch nah dran.  OFDb

23.03.2014

HOUSE OF CARDS - STAFFEL 1 (2013)

Die auf einer 90er Jahre Mini-Serie basierende Serie „House Of Cards“ ist gerade zu Beginn keine leichte Kost, kommt die erste Folge doch sowohl etwas wackelig als auch etwas umständlich daher. Der Charakter des Underwood bekommt zu extreme Sprüche in den Mund gelegt, die ihn als Schurke kennzeichnen sollen, die Begebenheiten werden recht kopflastig abgearbeitet, und da nebenbei noch die Charaktere ein wenig zu kurz kommen, bzw. eher die Identifikation mit ihnen, startet die Serie derart schwierig durch, dass manch einer vielleicht danach schon ungeduldig das Handtuch wirft.

Das wäre allerdings schade, denn was der ersten Episode folgt ist eine rundum gelungene Serie, die sich, im Gegenteil zur Vorlage, dem dramatischen Bereich der Geschichte widmet. Zwar ist das Ergebnis nicht so gut ausgefallen wie bei „Dexter“ und „Breaking Bad“, aber auch „House Of Cards“ ist gehobene TV-Unterhaltung jenseits des Fernseh-Niveaus unseres Landes. Für eine professionelle Umsetzung sorgen die Produzenten Kevin Spacey und David Fincher, die nicht die einzigen prominenten Teilnehmer dieser Politserie sind. Auch Regisseur Joel Schumacher lässt es sich nicht nehmen mit Hand an zu legen, und Robin Wright, die Jenny aus „Forrest Gump“, spielt an der Seite von Spacey.

Sympathiefiguren gibt es nicht. Das ist auch gar nicht gewollt. Und wie Underwoods exakter Plan aussieht erfahren wir auch nicht. Wir bekommen ihn Häppchen-weise mit, mal kurz vorher aufgeklärt, mal erst hinterher begreifend. Und ein gutes Drehbuch sei Dank kommt die Rache schleichend, Schritt für Schritt. Beweisen die Verantwortlichen damit Mut zur Ruhe, überraschen sie auf der anderen Seite mit Charakterentwicklungen von Randfiguren, die in anderen Serien über mehrere Staffeln stattgefunden hätten. Damit verlieren die Figuren jedoch nicht ihre Glaubwürdigkeit, und das Tempo auf der einen Seite, unterstützt die ruhige Hand auf der anderen.

Politik und Intrigen, da rutscht man schnell ins Klischee ab. Davon kann sich „House Of Cards“ auch sicherlich nicht freisprechen, aber es ist auch ein in Klischees schwimmender Beruf um den es hier geht, und die Korruption amerikanischer Politik ist ja nun tatsächlich in eine extreme abgerutscht, die keine Satire mehr toppen könnte. Von daher wirkt „House Of Cards“ trotz der anvisierten Bösartigkeit doch immer recht authentisch, was zum souveränen Look, den die Serie in ihrem Stil ausstrahlt, wunderbar passt.

Während die erste Hälfte der ersten Staffel sich schon fast wie die Taten eines Superhelden schaut, der allem Kommenden einen Schritt voraus ist, lernen wir zur zweiten Hälfte der Serie die menschliche Seite Underwoods kennen, die selbstverständlich selbst nicht frei von Fehlschlägen ist. So kommt es immer wieder mal zu Änderungen ursprünglicher Pläne, und die können, wie sich gerade zum Ende hin zeigt, auch mal recht düster ausfallen, düsterer als man es dem Schurken zugetraut hätte.

„House Of Cards“ bleibt also bis zum Schluss überraschend, bietet eine interessante Geschichte, die in mehreren Erzählsträngen gehalten ist und wird unterstützt von Profis ihres Fachs. Ob das nun die Darsteller, die Regie, die Verantwortlichen der Optik sind oder der Komponist des Titelliedes, ein Song der in seiner unterkühlten Art sehr gut zur Psychologie der Serie passt: die Chemie weiß zu stimmen. Also: einmal die erste Folge überstehen, und einer guten gehobenen TV-Unterhaltung steht nichts im Weg.  OFDb