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18.11.2024

CLUB ZERO (2023)

Auf einer Privatschule wird eine Ernährungsexpertin als Lehrerin für den Kurs bewussten Essens eingesetzt. Ihrer handvoll Schüler bringt sie nach und nach den Verzicht auf Nahrung bei, für einen gesünderen Körper und Geist, zum Kampf gegen den Konsum und zur Rettung der Umwelt...

Politischer Sprengstoff...

Wenn man als Student der Universität zu Köln im Bereich der Pädagogik in seinen schriftlichen Arbeiten nicht gendert, gibt dies Punkteabzug. Die Position von Lehrämtern zu nutzen, um eigene Ideologien zu verbreiten, ist nicht selten, wie fragwürdige Jugendbewegungen zeigen, und längst nicht mehr nur im religiösen und politischen Bereich zu beobachten. Regisseurin und Mitautorin Jessica Hausner wählte den Bereich der Ernährung, der in Zeiten, in welchen die eigene charakterliche Idealisierung zur Mode geworden ist, gerne für den Bereich Gesundheit und Umweltschutz thematisiert wird und zeigt in ihrer ungeschönten Satire, wie leicht es ist an lernwilligen, noch formbaren Schülern eine Gehirnwäsche vorzunehmen, freilich indem man die Allgemeinheit als gehirngewaschen von Konzernen, Politik und Medien bezeichnet. Diese bitterböse und wundervoll zu schauende Kritik an ganz viele Bereiche unserer Gesellschaft ist flüssiger erzählt als ihr ungewöhnlicher "Hotel" und funktioniert umso besser durch Verzicht phantastischer Elemente, wie hauchzart noch dort und in "Little Joe" eingebaut. 

Das Gleichnis einer Sekte bleibt nicht nur Metapher, mit tieferem Einblick in die Motivation der Lehrerin handelt es sich definitiv um eine Sektenbildung, was auch den entscheidenden Unterschied zum populäreren "Die Welle" ausmacht. Außerdem ist "Club Zero", typisch Hausner, völlig unaufgeregt erzählt, punktet durch Sachlichkeit, perfekte Optik und hervorragender Mimen und setzt, gut reflektiert, nicht erst beim Problem des Unterrichts an, sondern bei den Mentalitäten von Elternhaus und Schule, teilweise als unbewusste Vorstufe der charakterlichen Bildung zur Sektenabhängigkeit, aber auch als von den Schülern bewusst wahrgenommene Fragwürdigkeit, so dass sie die neue, die sie erlernen, automatisch als richtige Alternative annehmen. Bereits Erwachsene glauben die Gegenbewegung etwas erkannt Fragwürdigen würde die richtige Lösung sein, dass nutzen blaue, wie grüne Parteien ebenso für sich aus, wie extremistische Mentalitäten in solch anfänglich gerechtfertigten Bereichen wie Emanzipation, Umweltschutz, Ernährung, Unterstützung von Minderheiten, Bekämpfung von Rassismus und dem Erhalt von gesellschaftlichen Freiheiten. 

Im Zentrum steht eigentlich immer die Idealisierung von sich selbst, ein Punkt den Vereinigungen wie Scientology lukrativ für sich einzunehmen wissen. Und obwohl wir in Deutschland mit unserer Geschichte brutalste Erfahrungen mit Extremismus gemacht haben, fallen viele von uns noch immer auf ihn herein, wenn er aus einer anderen Richtung kommt. Wie das funktioniert entlarvt "Club Zero" in seinem Mikrokosmos wunderbar und zeigt uns ab einem gewissen Zeitpunkt, an dem bereits alles zu weit gegangen ist, die Wehrlosigkeit bei den Eltern, eine Ohnmacht, da die bisherigen, eher amateurhaften Methoden nichts bringen. Dass es dazu nur kommen konnte, weil man Fremde die Erziehung übernehmen ließ, und speziell die besagte Lehrerin viel persönlicher auf die Kinder einging, als es die Eltern je taten, die zu sehr mit ihrer eigenen Lebenswelt, ihren Idealen und ihren Problemen beschäftigt waren und lediglich auf Leistung und Erfolg achteten, bringt Hauner auf den Punkt. Ebenso die fragwürdige Mentalität vieler Bildungsstätten, wo die Schüler angeblich frei von Druck, wie die Rektorin betont, motiviert werden, während unterschwellig tatsächlich stetig Druck ausgeübt wird, selbst vom menschlich sympathisch anmutenden Tanzlehrer, der ehrlich um seinen Schüler besorgt ist. 

Die Ernährungsexpertin ist nur die Spitze des satirischen Eisbergs dieses Ansatzes, kann man doch gar nicht wissen, wem genau man seine Kinder anvertraut, und doch geschieht dies stets recht blind. Der Gruppendruck tut sein restliches, wie die Figur des Ben zeigt, der aus einem Elternhaus ohne großen Leistungsdruck stammt. Das Spiel mit dem Bereich der Esoterik weiß ebenfalls zu gefallen, eben weil die Lehrerin in anderen Extremen Esoterik wahrnimmt, ihre eigene Methode jedoch nicht als derartiges betrachtet. Und eben weil das Einbringen dieses Aspekts kritisch einhergeht, ist das Anwenden dieser Mitthematik so unentbehrlich für den Film, eben weil wir in Zeiten leben, in welchem Homöopathie und andere Zaubereien unsere Schulweisheiten mittlerweile wieder bei großen Teilen der Gesellschaft ersetzen. Es geht um den Glauben, wie es uns final auch noch einmal deutlich zum Schluss des Streifens mitgeteilt wird. Dass das Ende entsprechend rätselhaft ausfällt und von uns erwartet uns selbst vorzustellen, worin die finale Konsequenz der Kurs-Teilnehmer liegt, aber auch dessen was die Eltern von nun an tun, weiß zu gefallen, wird aber nicht jedem Zuschauer schmecken. Angesprochen werden aber ohnehin nur die, die auch etwas mit geistreichen Werken anfangen können, welche den Zuschauer mündig behandeln und ihm nicht jede Information überdeutlich vor die Nase setzen. Meiner Meinung nach weht gegen Ende gar ein kleiner Hauch "Picknick am Valentinstag" mit.  Wiki

27.07.2024

BEI VOLLMOND MORD (1961)

In einem Mädcheninternat kommt es zu Todesfällen, welche die Anwesenheit eines Werwolfs vermuten lassen...

Die Erpresserin war die erste...

Obwohl bei all den Titeln ("I Married a Werewolf", "Werewolf in a Girl's Dormitory", "Bei Vollmond Mord" und dem Originaltitel "Lycanthropus"), die Paolo Heuschs Regiearbeit u.a. trägt, von Beginn an die Anwesenheit eines Werwolfs deutlich gemacht wird, ist der Streifen zunächst eher wie ein Grusel-Krimi angelegt, der sich die Option offen lässt, ob der neue Lehrer für Naturwissenschaften etwas mit den Morden zu tun haben könnte, wo die Mordreihe doch mit seiner Anwesenheit begann. Auch mit Klarheit über die Anwesenheit der Kreatur verliert das Werk seinen Krimi-Anstrich nicht völlig, bleibt doch trotzdem das Rätselraten über die Identität des Menschen, der sich bei Vollmond verwandelt. Interessant macht dies den Plot jedoch nur bedingt, der etwas arg routiniert erzählt, was auch schon vor 1961 bereits oft erzählt wurde. "The Ghoul in School" (Alternativtitel) fehlt es an Innovation, er ragt durch nichts aus der Masse heraus. 

Das erstaunt ein wenig, denn der Spielort eines Mädcheninternats ist in der Regel reizvoller Natur, und da der Film neben der Beteiligung Österreichs hauptsächlich ein italienisches Produkt ist, verwundert es umso mehr, wie brav der Genrebeitrag letztendlich ausgefallen ist. Freilich versprüht "Monster Among the Girls" (Alternativtitel) aufgrund seiner frühen Entstehungszeit und dem gewählten Schwarz/Weiß-Bild Retro-Flair, und das ist es letztendlich, was ihm vom totalen Desinteresse rettet. Zu einer unterhaltsamen Nummer verhilft es dem viel zu geschwätzig ausgefallenem Werk nicht, dafür ist das Gesprochene zu inhaltsarm, lediglich gedacht um "Ghoul in a Girl's Dormitory" (Alternativtitel) auf Spielfilmlänge gestreckt zu bekommen. Da enttäuscht es auch nicht zu hören, dass Paolo Heusch sich im Horrorbereich danach nicht weiter verwirklicht hat. Letztendlich unternahm er aber ohnehin in vielerlei Genres einen Ausflug. Ob sein Talent im Bereich der Action ("Frauen als Köder für CD 7"), dem Drama ("Violent Life"), der Science Fiction ("Der Tod kommt aus dem Weltraum") oder der Komödie ("What Ever Happened to Baby Toto") größer war, kann ich mit Unkenntnis der Filme und anhand der hier vorhandenen Handschrift nicht beantworten. "Bei Vollmond Mord" funktioniert mit seinen wenigen Schauwerten, dem Mangel an Nervenkitzel und dem zu überraschungsarmen Szenario zumindest nur bei hartgesottenen Allesguckern des Genres.  OFDb

13.07.2024

VERHÖR AM NACHMITTAG (1965)

Ein Lungenkranker wird im Bett erschossen. Im durchwühlten Kleiderschrank fehlt ein höherer Geldbetrag. Im Gegensatz zu seinen Leuten glaubt der leitende Kriminalbeamte nicht an Raubmord. Vor Ort werden die Ermittlungen eingeleitet und sämtliche Bekannte aus dem nahen Umfeld des Toten verhört...

Kalter Kaffee für Kriminalbeamte, die zu wenig Fragen stellen...

"Verhör am Nachmittag" ist ein Fernsehspiel, das sich wie ein Theaterstück guckt, vielleicht auch auf einem basiert (der Vor- und Abspann gibt diesbezüglich keine Informationen preis) und dementsprechend in nur wenigen Räumen bei überschaubarer Personenzahl spielt. Die wächst im Laufe der Ermittlungen, da Befragungen nicht nur zu neuen Erkenntnissen, sondern auch zu weiteren Personen im nahen Umfeld des Verstorbenen führen, nichtsdestotrotz spielt alles weiterhin in besagter Wohnung. Das mag sich für manch einen nüchtern gucken, so ganz ohne Actionszenen, bedrohlichen Spannungsmomenten oder anderweitigen Schauwerten, für Freunde von "Der Alte" und "Derrick" guckt es sich jedoch wie eine der besseren Folgen dieser Art Serie, und das funktioniert auch auf Spielfilmlänge. 

Interessante, manchmal augenzwinkernde Dialoge, reflektierende Beamte, Menschen mitten aus dem Leben mit Macken, Ecken und Kanten und ein Drehbuch, das sich der Psychologie seiner Figuren bewusst ist (ein besonderer Moment bildet jener des nicht trauernden Bruders), all das bietet das in Schwarz/Weiß schlicht abgefilmte Kriminalstück, welches in jeglicher Rolle passend besetzt ist, auf seine nüchterne Art flotter umgesetzt ist, als man meinen sollte, und zum Mörderraten animiert, inklusive einer überzeugenden Auflösung. Ich habe mir diesen kleinen Geheim-Tipp bereits kurz hintereinander zwei Mal angesehen, und er hat mich auch beim zweiten Sichten, eingeweiht in die Hintergründe der Tat, noch immer für sich gewinnen können, eben weil sich alles so unverkrampft und menschlich schaut, so lebensnah wie heutige Produktionen nur selten sind, und so vorbildlich Kraft aus der Ruhe erntend, wie es ebenso kaum noch in diesem Genre heutiger Tage stattfindet. Sicherlich spielt beim Gelingen des Ganzen auch der Retroaspekt aus heutiger Sicht eine Rolle, früher formulierte man ganz andere Dialoge. Aber dieses Gefühl des Vergangenen ist nicht der Motor eines Stücks, das ansonsten nicht wirklich funktionieren würde, es ist das Sahnehäubchen eines interessant erzählten Kriminalfalls.  Wiki

11.03.2023

LITTLE JOE - GLÜCK IST EIN GESCHÄFT (2019)

Wenn man sich vorstellt, man würde die Verfilmungen von "Invasion of the Body Snatchers" ohne Außerirdische und Klone angehen, dann weiß man in etwa was einem in "Little Joe" (Originaltitel) erwartet, der eine Koproduktion von Österreich, Großbritannien und Deutschland ist. Klingt nicht sonderlich aufregend und um jene Schauwerte beraubt, die einen solchen Science Fiction ausmachen? Fehlanzeige! Der auf Arthouse getrimmte Streifen zeigt in seiner sensiblen, langsamen und künstlerisch wertvoll abgefilmten Art, dass der Stoff auch auf diese Weise funktionieren kann. Dies funktioniert insbesondere dadurch, dass man sich mit psychologischen Einflüssen auskennt und uns deshalb nicht nur glaubwürdige, individuelle Figuren vorsetzt, sondern auch überzeugende Wandel in Verhaltensweisen, sowie das Gespür von Ursache und Wirkung. Die Übergänge sind schleichend, derart subtil eingefangen, dass man sich als Zuschauer noch mehr als die Protagonistin fragt, inwiefern man sich in einer Falle befindet und sich aufgrund des gewählten Genres eventuell nur einbildet Veränderungen an den Personen wahrzunehmen. Alternativ könnte immerhin die Gefühlswelt der Wissenschaftlerin, die im Zentrum steht, für alles verantwortlich zu sein. 

Glücklicher Weise beschränkt sich der Film nicht einzig darauf, macht nach langer Zeit des Ungewissen deutlich wessen Natur das unterschwellig Brodelnde ist und verfolgt von da an lediglich die Konsequenz dessen, was passieren muss. Damit mag sich gerade das letzte Drittel ein wenig innovationlos anfühlen, denn neue Ideen serviert es nicht (gerade wenn man die eingangs erwähnten Filmversionen kennt), aber die ruhige, konsequente und gut beobachtende Art, mit welcher Jessica Hausner (Regie und Drehbuch) das zu Erwartende geschehen lässt, ist bereits Hingucker genug, gerade auch für ein feinfühliges Publikum, wo doch so viel über stille Beobachtung und emotionale Anteilnahme  stattfindet. Dass ein Beitrag wie "Little Joe - Glück ist ein Geschäft" auch im gesellschaftskritischen und analytischen Bereich so einiges zu bieten hat (als Beispiel: eine sachliche Person innerhalb eines emotional eingeschränkten Berufes muss sich ihrer Gefühle bewusst werden, um nachvollziehen zu können ob bei wem anders Empathien schwinden), erfreut umso mehr. 

Bezogen auf die Veränderungen im Wesen ist der Film glücklicher Weise näher an "Die Dämonischen" dran, als an "Die Körperfresser kommen" und Co, denn hier wie dort geht es um ein derart geringes Verändern im Verhalten, dass es nur wem sehr Nahestehendes auffällt, was Dramaturgie und Nervenkitzel mehr zu reizen weiß, als die stumpfe Alternative offensichtlich Veränderter. In Zeiten, in denen die Empathie zu Pflanzen und Tieren in unserer Gesellschaft größer geworden ist als bisher, kommt der Aufhänger warum sich Menschen im Besitz von Little Joe merkwürdig verhalten, zeitnah daher, ohne sich gleichzeitig einer Mentalität anzubiedern. Aus seiner sehr langsam erzählten Art zieht der Film seine Stärken. Glücklicher Weise steht er dabei nicht derart penetrant auf der Stelle, wie Hausners "Hotel", den ich zwar ebenfalls als sympathisch empfunden habe, der den Bereich des Unterhaltungskinos jedoch komplett ausschloss, wohingegen der hier besprochene Streifen einem größeren, wenn auch aufgeschlossenem, Publikum Zugang gewährt.   OFDb

29.12.2022

DAS FEST DES HUHNES (1992)

Der 56-Minüter ist eine fiktive Dokumentation zu Satirezwecken, um über eine Verdrehung des Üblichen sowohl ernst gemeinte Reportagen über Afrika in ein anderes Licht zu rücken, als auch die Kultur Österreichs. Denn hier macht sich ein afrikanisches Dokumentarfilmer-Team auf ins tiefste Österreich an der Alpengrenze, um das Leben der Einheimischen zu studieren und zu verstehen. Während man "Kubrick, Nixon und der Mann im Mond" nicht ansieht, dass er eine Fake-Doku ist, spielt Regisseur Walter Wippersberg ganz offen damit, indem er den Komödienpart des Ganzen gar nicht erst subtil versteckt. Darin liegt dann auch der Unterschied zum bierernsten "Anonymous Animals", der zwar nicht das Mittel des Dokumentarfilms wählte, aber ebenfalls die Perspektive des Verdrehens. "Kayonga Kagame zeigt uns die Welt: Das unberührte und rätselhafte Oberösterreich - Das Fest des Huhnes" (Alternativtitel) atmet einen völlig anderen Zeitgeist, kommt schelmisch anstatt engstirnig daher und damit weit entspannter als meist grimmig geartete linksgrüne Perspektiven heutiger Tage. 

Während "Das Fest des Huhnes" eher schlicht startet und mittels seiner Verdrehung eher simplen Ideen folgt, die lediglich ein leichtes Schmunzeln ernten, wird der Streifen im Laufe der Zeit treffsicherer, spätestens wenn er auf den Religionsaspekt der Europäer stößt, den er später in Zusammenhang mit dem Oktoberfest bringt. Denn wie so manche selbstgerechte Dokumentation über das fremde Afrika, so reimt sich der Forscher der hier besprochenen Komödie ebenfalls von selbst aufgrund der Entdeckungen etwas zusammen, und diese Schlüsse bilden meiner Meinung nach die besten Momente, kommt doch sowohl ein konfuser Mumpitz dabei heraus, als auch einer wundervoller Magenschlag in die Gewohnheiten des Österreichers. Dass zudem Kenntnisse über Afrika vorhanden waren, damit der Forscher immer wieder Vergleiche zu tatsächlich existierenden Orten und Riten afrikanischer Kulturen ziehen kann, stärkt die Glaubwürdigkeit und das Projekt an sich, das damit nicht nur geistlos blind ins Leere boxt, um den Spieß einmal umzudrehen, sondern somit auch außerhalb des anvisierten Satireziels Köpfchen und ein Fundament beweist. 

Der große Wurf mag Wippersberg nun nicht gelungen sein, aber Spaß bereitet das Alltagsleben vieler Österreicher aus diesem anderen Blickwinkel durchaus. Alternative Kulturen bekommen zwar nichts serviert, was sie nicht selbst längst beim Mainstream der Bürger erkannt haben, aber das macht nichts, zu schmunzeln gibt es dennoch genug. Und da der Film mittlerweile 30 Jahre auf dem Buckel hat, spielt der Zeitgeist von einst ebenfalls mit Blick von heute interessant mit, ebenso wie die Erkenntnis was seit dieser Zeit Standard geblieben ist. Zwei Jahre später erschien die Fortsetzung "Dunkles, rätselhaftes Österreich". Ob es nötig war diesen Kurs noch einmal zu fahren, sei einmal dahingestellt, kann man vielleicht auch erst mit einer Sichtung beantworten.  OFDb

06.06.2022

BLUTGLETSCHER (2013)

Zunächst scheint alles ein sympathisch umgesetztes Imitat von John Carpenters Version von "Das Ding aus einer anderen Welt" zu sein. Wir haben eine Forschungsstation in einer Kälteregion, wir erleben Körper die sich, wenn auch nicht unter außerirdischem Einfluss, bestialisch verändern, und selbst die Hauptfigur hat mit ihrer Mütze und ihrem Wuschelbart eine gewisse Ähnlichkeit mit der von Kurt Russell verkörperten Figur aus besagtem Horrorfilm. Aber im Laufe der Zeit gewinnt der österreichische Genrebeitrag an Eigenständigkeit und wird zu einem Geheimtipp, dem man sich, zumindest in Horrorkreisen, mehr Popularität wünschen würde, lässt er doch keine Wünsche offen. Die Geschichte wird, so bizarr ihr Auslöser auch ist, interessant, konsequent und durchdacht fortgeführt. Das handgemachte Kreaturendesign weiß zu gefallen und bietet auch ausgefallene Ideen, wie einen Steinbockmutanten. Und die menschlichen Charaktere stehen nicht in deren Schatten, bekommen fast alle einen individuellen Touch beschert und dürfen, stets orientiert an ihrem Charakter, sinnvoll handeln und reflektieren. Gut und Böse werden zwar nicht vermischt, aber zumindest lediglich über Egoismus und Solidarität getrennt, hysterisch gehandelt wird nur in passenden Situationen, so dass die Geschichte trotz einhaltender Logik stets menschlich bleibt, ein Aspekt der auch dafür sorgt dass neben dem Thrill auch einige dramatische Momente emotional zu gefallen und zu berühren wissen. 

Das Ganze ist gut gespielt, toll inszeniert und musikalisch passend untermalt. Und auch die Kamera lässt nichts zu wünschen übrig, fängt die Kulisse toll ein, weiß wie lang oder kurz eine Kreatur für ihre Glaubwürdigkeit ins Bild gehört und fotografiert dies alles stimmig. Platz zum Philosophieren bleibt auch, so dass z.B. selbst über die Legenden um Meerjungfrauen mit Blick auf die neuen Erkenntnisse ernsthaft neu angesetzt nachgedacht werden darf. Die Motivationen der Figuren sind stets glaubwürdig an Situationen und Charaktere gebunden, Dialoge wissen meist flüssig vorgetragen und interessant gehalten zu funktionieren und dienen nur in wenigen Ausnahmen etwas aufgesetzt manch abgekürzter Hintergrundinformationen. Der Spannungsbogen kann sich ebenfalls sehen lassen, entfaltet sich aber nicht derart wie die anderen Stärken des Streifens, da die Geschichte Richtung Finale dann doch zu viele Standards im cineastischen Erzählmuster einhält. Inmitten eines derart geglückten Filmes verzeiht man dies aber gerne, eben weil man zu Genüge als Zuschauer ernst genommen wird und erkennt dass die Autoren dies mit ihrer Geschichte ebenso handhaben. Einer von diesen ist der Regisseur des hier besprochenen "Die Station" (Alternativtitel), der auch den etwas berühmter gewordenen Zombiefilm "Rammbock" inszenierte, der ähnlich wie "Gletscherblut" (Alternativtitel) versuchte Köpfchen mit morbiden, wie emotionalen Unterhaltungsmomenten zu verbinden, dies aber noch nicht so gekonnt ablieferte wie es hier geschehen ist. 

Im Horrorbereich war Marvin Kren nach "Glazius" (Alternativtitel) nicht mehr tätig, was aber sicher nicht verwundert, so gekonnt wie er den Dramenbereich beherrscht, der aus ihm mehr als den reinen Genre-Regisseur macht. Zu einem "Tatort" der 10er Jahre werde ich seinetwegen trotzdem nicht greifen. Dafür ist mir "Blood Glacier" (Alternativtitel) in seinem mir bislang bekannten Schaffen dann doch zu sehr Ausnahme.  OFDb

20.03.2022

THE TROUBLE WITH BEING BORN (2020)

Ausgerechnet eine deutsche TV-Produktion heutiger Zeit machte mit "Ich bin dein Mensch" vor, wie man das Thema künstliche Intelligenz erwachsen, reflektiert, intellektuell und gleichzeitig gefühlvoll umgesetzt bekommt. Ein Jahr zuvor erschien "The Trouble with Being Born", der sich dem Thema sehr besonnen nähert, es mit den Bereichen Trauerbewältigung, unterschiedliche Wahrnehmung durch Programmierung und Selbsterleben, sowie anderen Aspekten ergänzt, aber derart in seiner Kunstfilmwelt eingeschlossen ist, dass er mich persönlich als Zuschauer ausschloss. Der Kunstaspekt ist als solcher nicht abzustreiten und oftmals wirksamer Natur, z.B. in den wunderbaren Fotografien und manchen in aller Ruhe eingefangenen Szenarien. Manches Mal zelebriert Sandra Wollner diese Ruhe aber zum intellektuellen Selbstzweck und hält derart lang auf Nichtigkeiten drauf, dass der hypnotische Effekt verloren geht und Desinteresse entsteht, anstatt den Zugang zum Gezeigten zu intensivieren. Da nutzt auch die schönste Fotografie und der vorbildlichste Grund, warum man diese Methode wählt, nicht viel. "Die Last geboren zu sein" (Alternativtitel) wird damit zu krampfhaft zum Kunstfilm, verweigert sich komplett dem Unterhaltungswert, und derartiges wirkt auf mich stets zu gewollt und damit pseudo-intellektuell. 

Die Bilder und Situationen, die uns kommentarlos vorgesetzt werden und mit denen wir uns für uns allein auseinandersetzen sollen, sind oftmals interessanter Natur, eben auch weil sie unterbewusst Themen im Kopf des Betrachters entstehen lassen, die rein spekulativer Zusatz sein könnten, durch die Erzählung somit nicht zwingend bestätigt werden, oder sich erst mit der Zeit durch neue Erkenntnisse als etwas anderes als wahrgenommen offenbaren, sich aber subtil provoziert geradezu aufdrängen. Und da es da um solch unangenehme Themen wie Pädophilie geht, wird man regelrecht herausgefordert. Plötzliche Sprünge, die nicht nur den Blickwinkel ändern, sondern auch Personen und Zeit, reißen einen aus gerade gewonnenen Erkenntnissen, und noch mehr aus einer endlich gefundenen Orientierung innerhalb des Stoffes, heraus, so dass man sich mit jedem Wechsel, der ebenfalls hypnotisch eingefangen inszeniert ist, neu orientieren muss. Ein Reiz, dem ich aufgrund der gekünstelten Art des Streifens nicht nachgehen wollte. Zwar habe ich "Vom Nachteil geboren zu sein" (Alternativtitel) bis zum Schluss gesehen und verstehe in manchen Passagen auch die Aussage, die er über künstliche Menschen und unserem Umgang mit ihnen treffen möchte, bzw. auch mit der (nicht möglichen?) Gefühlwelt der Maschinen, eintauchen in dieses emotionale Thema, welches durch intellektuelles Kunstempfinden nur nüchtern herausgearbeitet wird, konnte ich jedoch nicht, so dass Desinteresse aufkam, anstatt das Empfinden einem bedeutenden, intensiven Filmerlebnis beigewohnt zu haben. 

Ich frag mich bei Filmen wie dieser österreichisch-deutschen Co-Produktion immer, ob ich zu unreif bin, um mich ihnen nähern zu können, oder ob dies eher auf derartige Künstler zutrifft, so bedeutungsschwanger und gewollt auf Kunst und Intellekt wie diese ihre Werke trimmen, dass sie nur noch wie ein Produkt anmuten. Bei der Beantwortung dieser Frage scheiden sich wohl die Geister. Sie liegt außerhalb meiner Wahrnehmungsmöglichkeiten für mich als Kunstszenefremdes.   OFDb

02.01.2022

DIE SCHWARZE KOBRA (1963)

Texte wie aufgesagt, ständig das Mikrofon im Bild, eine Glasscheibe, die unsichtbar für Spezialeffekte eingesetzt sein soll, verrät sich durch eine Spiegelung, "Die schwarze Kobra", der vom Geldkuchen der erfolgreichen Wallace-Welle auch etwas einspielen sollte, ist wahrlich die Billigversion der Kriminalfilme dieser Art. Und das muss schon was heißen, sind doch auch die besseren Beiträge nie um Perfektion bemüht und stets absichtlich Trivialunterhaltung geblieben. Aber eben auch für eine solche benötigt man ein gewisses Niveau, und dieses relativ geringe unterbietet "The Black Cobra" (Alternativtitel) leider, der mit Klaus Kinski und manch anderem bekannten Gesicht Darsteller aus der Rialto-Wallace-Reihe auch für sich gewinnen konnte. Kinski gehört zu den wenigen, die hier tatsächlich spielen können, doch seine Figur verkommt etwas zu sehr der Lächerlichkeit, so plump wie er als Kokser hier zur Junkie-Fantasie von Vorgestern wird. Aber er ist ein Lichtblick inmitten eines Films mit zu billig zusammengeschusterten Plot, der darin bemüht ist möglichst viele Personen und zwielichtige Aspekte zu integrieren, dabei aber stets wirr wirkt, anstatt gekonnt für Verwirrungen zu sorgen und desorientiert daher kommt, anstatt verschachtelt und reichhaltig. 

Der Kriminalaspekt interessiert nicht wirklich, ein Mabuse-ähnlicher Strippenzieher kann ebenso wenig Interesse auf jene Art entfachen, mit welcher er halbherzig eingesetzt wird, "Die schwarze Kobra" ist schlichtweg zu banal, um geistlos angenehm zu unterhalten. Zumindest weiß seine augenzwinkernde Figurenzeichnung auf Seiten der Kriminalisten zu gefallen, aber auf die allein kann man nicht bauen, erst recht bei so mangelhaftem, da zu wechselhaftem, Einsatz von Identifikations- und Nichtidentifikationsfiguren, bei gleichfalls wechselhaften Schwerpunkten und einer Geschichte, die stets lieber um reißerische Schauwerte bemüht ist, als um einen interessanten Plot. Da muss es auch mal eine Schlangenattacke geben, oder eine Art Billig-Catch-Kampf unter zwei Dicken, die obligatorische Verfolgungsjagd darf nicht fehlen, und wie der Oberschurke im Finale aus der Geschichte geschrieben wird, darf man wohl zu den brutalsten Momenten der harten Welle zählen, leider zu billig getrickst um zu wirken. Mit viel Geduld erhascht man zumindest immer wieder genügend charmant anmutende Sequenzen, die stets dafür sorgen, dass das uninspirierte Etwas zumindest nie langweilig wird. 20 Minuten weniger hätten dieser österreichischen Produktion aber dennoch gut getan. Inszeniert wurde der Film von "Dudu"-Regisseur Rudolf Zehetgruber, der mit "Das Wirtshaus von Dartmoor" ein Jahr später meiner Meinung nach einen wesentlich unterhaltsameren Kriminalfilm dieser Art angefertigt hat. "Die schwarze Kobra" ist definitiv nur etwas für Komplettisten.  OFDb

25.09.2021

DAS SCHAURIGE HAUS (2020)

Wenn Jugendliche sich mit übernatürlichen Begebenheiten auseinandersetzen, dann muss das ja automatisch wie "Stranger Things" sein. So denken zumindest die Leute von Netflix, welche die deutsch-österreichische Co-Produktion als einen Mix von dieser Serie und "Poltergeist" bewerben, was freilich beides nicht greift. Der viel stärker auf Kinderfilm, anstatt auf Horror-Abenteuer bauende Streifen mag bezüglich der Produktionsländer eine Ausnahme sein, eine angenehme ist er leider nicht. Viel zu formelhaft arbeitet das Drehbuch einfallslos und frei echter Innovationen das Pflichtprogramm einer derartigen Erzählung ab, so steif vorgetragen wie inszeniert, und dank eines lustlosen Drehbuchs die Teenager die zu knackenden Rätsel derart schnell lösen lassend, dass "Das schaurige Haus" zur schnellen und uninteressanten Schnitzeljagd wird und damit schon einmal einen entscheidenden Sehreiz verliert. 

Ein paar comic-artige Mimen lockern das zu stumpfe und atmosphärisch frei ausgefallene Szenario ein wenig auf. Auf der erwachsenen Seite wäre das der Immobilienmakler, der im Laufe der Zeit leider aufgrund seiner schrägen Besetzung zum obligatorischen Bösewicht, anstatt zum schrulligen Sidekick  werden muss. Auf der jugendlichen Seite ist dies die Rolle des Fritz, der stets zwischen unreif und mutig grotesk hin und her pendelt und damit manche Erwartung eines typischen Verhaltens humoristisch zu sprengen weiß. Gern könnte es einen Nachzügler zu diesem mageren Film geben, in welchem er zur Hauptfigur wird, auch wenn sein Darsteller selbst eher mittelmäßig agiert. Letztendlich guckt sich "Das schaurige Haus" in seiner billig umgesetzten Art arg wie eine TV-Produktion, was mit Blick auf Regisseur Daniel Prochaska nicht verwundern muss, arbeitete er zuvor doch fast ausschließlich für den TV-Bereich. Weder Regie, Buch, noch Kamera wissen den Endspielort einer Tropfsteinhöhle stimmig oder optisch zu nutzen, jedes Klischee muss bis zum Ende des Streifens hin bedient werden, manche inhaltliche Randerscheinungen verlaufen im Nichts, so z.B. der interessante Aspekt von österreichischer Fremdenfeindlichkeit eines Deutschen gegenüber, und warum sich das zentrale Liebespaar in romantisch gewollten Szenen grimmig angucken muss, versteht vielleicht nur die Jugend, keine Ahnung ob das aktuell das neue Attraktiv ist.  OFDb

11.10.2019

DER MUSTERKNABE (1963)

Sichtlich von "Die Feuerzangenbowle" inspiriert, ist "Der Musterknabe" die erste Zusammenarbeit von Werner Jacobs mit Peter Alexander und Gunther Philipp, dem die ebenfalls amüsanten "... und sowas muss um acht ins Bett" und "Hilfe, meine Braut klaut" folgen sollten. Das lockerleichte Lustspiel nimmt Elemente aus "Klassenkeile" und "Die Lümmel von der ersten Bank" vorweg, bietet mit Blick auf Letztgenannten sogar bereits Theo Lingen in der Rolle des Schuldirektors. Die Erinnerung an die prominente Reihe wird zudem verstärkt durch den Umstand, dass auch hier der Klassenlehrer nah an den Wahnsinn getrieben wird, und durch Peter Alexanders Anwesenheit, erst recht durch seine Szene als Stimmenimitator, die er später in "Zum Teufel mit der Penne" und "Hurra, die Schule brennt" alternativ wiederholen sollte. Das Ergebnis kommt jedoch weniger verkrampft und mit weniger Fremdschäm-Elementen daher, als besagte Lümmel-Serie, gehört aber freilich ebenfalls jener Kategorie ehemaliger deutscher und österreichischer Komödien an, mit denen sich Cineasten von heute häufig schwer tun.

Sicherlich wird hier keine hohe Kunst geboten, und selbst für einen Trivialfilm sind Sprünge, wie der Übergang von der Feindschaft zur Freundschaft beim zentralen Liebespaar, billig, einfallslos und situativ nicht nachvollziehbar vom Drehbuch ausgearbeitet. Aber ein Werk wie "Der Musterknabe" guckt man immer ein wenig blauäugig, und ich mag diese Naivität mit der solche Filme erzählt sind, bzw. ihr unverkrampfter Umgang sich weder an angepasster Coolness, noch an professionelle Filmregeln halten zu müssen, um gelassen albern und entspannt ihr Nichts an Story zu erzählen, um einen auf Spielfilmlänge amüsant zu unterhalten. Gunther Philipp dreht nur selten zu sehr auf und weiß ansonsten zielgenau pointiert zu agieren, Peter Alexander beweist sich erneut schauspielerisch zu mehr fähig, als ihm häufig angekreidet wird, und an Musikszenen wurde gespart, so dass Zuschauer, die von solchen schnell genervt sind, eine Chance bekommen hier trotzdem gut unterhalten zu werden. Die drei Musikszenen, von der nur eine kompatibel und heiter ins Geschehen eingebaut wird, werden in der Mitte des Films jedoch kurz hintereinander gesetzt präsentiert, was aber auch bedeutet, dass man vorher und hinterher seine Ruhe hat. "Der Musterknabe" ist leichte Kost, dem es weder um Logik noch um Tiefgang geht. Und in seiner treffsicheren Komik und mit den begabten drei Top-Komikern dieser Zeit in den wichtigsten Rollen besetzt, weiß er Menschen ohne cineastische Tunnelblick-Erwartungen definitiv locker leicht, naiv und trivial zu unterhalten. Damit erfüllt er seine selbst gesetzten Ziele.  OFDb

22.04.2019

NECROPHILE PASSION (2013)

Zur Thematik der Necrophilie gibt es mittlerweile eine erstaunliche Anzahl an Filmbeiträgen, nicht nur verteilt auf das Horror-Genre. Buttgereits Tabu-brechendes Original "Nekromantik" diente dem hier besprochenen Film als Vorbild, nicht nur aufgrund seiner Amateurfilm-Herkunft, auch orientiert am psychologischen Umgang und an der doch recht stark übereinstimmenden Handlung. Was wirklich Neues hat Tom Heidenberg mit seiner ersten Regiearbeit nicht abgeliefert, die direkten Bilder, die sein Werk liefert, sind allerdings wirklich schwer verdaulich, kein Wunder, ist sein Streifen doch ein Undergroundfilm für ein sehr spezielles Publikum, dem nichts mehr so leicht den Magen umdreht. Sich freizügig zeigende, mutige Darsteller sorgen für ein möglichst realistisches Agieren im sexuellen Bereich, zwei Arten von Leichen, die eine frisch, die andere vermodert, lassen die Art der Provokationen auf verschiedenen Ebenen zu.

Leider geht es kaum um mehr, als um Provokation. "Necrophile Passion" ist ein reißerischer Film, der beim Sexualakt auch stets Blut eine wichtige Rolle spielen lässt und ständig um Schauwerte bemüht ist, freilich auch nackter Natur. Zwar versucht man der Rolle der für einen Amateurschauspieler gar nicht schlecht agierenden Hauptfigur einen tragischen, analytischen Hintergrund zu bescheren, doch fehlt es den Verantwortlichen des Streifens an wahrer Empathie. Was sie hierzu abliefern ist keinesfalls tiefgründig, berührend und nachvollziehbar. Stattdessen wirkt die Psychologie zu gewollt, zu bedeutungsschwanger, einfach zu sehr nach Hausfrauen-Psychologie, eben das was heraus kommt, wenn man sich ohne Einfühlen in die Thematik fragt was einen zu solch einem Verlangen ziehen mag, bzw. woher die Veranlagung für eine derartige Grenzüberschreitung herkommen mag.

Auch wenn dies in seiner Dramaturgie nicht glaubwürdig erscheint, für einen reißerischen Undergroundfilm geht auch das in Ordnung, verleiht es dem sauber abgefilmten Werk doch wenigstens etwas Mehrwert, so dass man nicht einfach nur Sexualprovokationen und Blut vorgesetzt bekommt. Dass sich "Necrophile Passion" auch in den selbstquälenden Szenen des Protagonisten nicht dröge guckt, obwohl dieser oft nur herumsitzt und einer fremden Stimme in seinem Inneren lauscht, liegt neben dem brauchbaren Schauspiel Günther Brandls an der passenden Musikuntermalung, die nicht so plump ausgefallen ist, wie im Amateurfilmbereich üblich. Einen wahren empathischen Touch fehlt auch ihr, das Ergebnis der stilleren Lieder ist noch immer einen Hauch zu dahingedudelt, aber der Stil geht in die richtige Richtung. Die Vor- und Abspannmusik ist im Vergleich gelungener ausgefallen, insgesamt weiß aber ohnehin der komplette aus vier Liedern bestehende Soundtrack das Gezeigte treffend zu untermalen.

"Necrophile Passion" mag nichts Besonderes im Meer deutschsprachiger Amateurfilme sein, eben auch weil es bereits "Nekromantik" gibt, erfreulicher Weise ist er aber nicht so dahingeschludert ausgefallen wie manch andere Hobby-Beiträge, Bild und Ton wissen zu gefallen, und durch das Fehlen langweiligem, ewig anzuschauenden Gemetzels, wie für den Undergroundbereich eigentlich üblich, macht das erfreuliche, nur 50 Minuten lang laufende Ergebnis für Freunde abartiger Grenzerfahrungen auch relativ Spaß. Ein ernstzunehmender Beitrag dieser verstörenden Thematik ist er in seiner zu reißerischen und psychologisch oberflächlichen Art jedoch nicht. Dafür guckt sich das Ergebnis dann doch zu bemüht. Dass er sich trotz ernster, staubtrockener Umsetzung jedoch selbst nicht bis zur letzten Konsequenz all zu ernst nimmt, beweist der Streifen mit seiner augenzwinkernden, schwarzhumorigen Schlusspointe, die endgültig beweist, dass psychologische Glaubwürdigkeit nicht zu den Talenten der hier Verantwortlichen zählt. Unabhängig davon hat mit der Schluss jedoch gefallen.  OFDb

23.09.2018

OTTO IST AUF FRAUEN SCHARF (1968)

Franz Antel ist ein berüchtigter Regisseur der extrem albernsten Zeit deutschsprachiger Komödien. Neben diverser Sexpossen gehen auch billigste Kalauerfilme wie "Musik, Musik, da wackelt die Penne" auf sein Konto, und gerade mit diesem verglichen darf man doch erleichtert feststellen, dass "Otto ist auf Frauen scharf" weit weniger penetrant daher kommt als dieser. Freilich erhält man dieses Bild durch den direkten Vergleich, das hier besprochene Werk ist noch immer recht derb, wie typische Komödienvertreter dieser Zeit, mit Klamauk aufgebauscht. Aber gerade mit Blick auf Hauptdarsteller Gunther Philipp, der immer gern zum argen Überagieren neigt, überrascht der zurückgefahrene Ton, was aber freilich nur jenen Menschen auffallen kann, die des öfteren in Filmen dieser Art unterwegs sind. Ganz im Gegenteil zu allen Vorurteilen ist es sogar Philipp selbst, der in seiner Rolle als Otto zu überraschen weiß. Es ist nicht so, dass er nicht auch hier viele Möglichkeiten für ein theoretisch unnötiges Affentheater ausnutzen würde, aber man erkennt in seinem Spiel, ja selbst sogar in seinem Klamauk ein echtes Verständnis für die Rolle die er verkörpert und das macht bereits viel am unerwarteten Gelingen des Streifens aus.

Gelingen ist vielleicht ein wenig zu hochgegriffen, immerhin ist dies ein Franz Antel-Film, und da werden schräge Possen gern mit Humor verwechselt, Geschichten undurchdacht erzählt und vieles andere findet ebenso dilettantisch statt. Aber "Otto ist auf Frauen scharf" ist trotz dieser Eigenarten irgendwie anders. Es weht eine gewisse Unschuld über dem Projekt, vielleicht ein wenig vergleichbar mit dem ebenfalls recht amateurhaft ausgefallenem "Die Supernasen". Sicherlich ist die hier besprochene Komödie meilenweit davon entfernt ein professioneller und tatsächlich funktionierender Film zu sein, aber seine Unbedarftheit besitzt einen gewissen Charme, mal ausgelöst durch die Naivität, mal durch überraschend kreative Ideen, dann wieder aufgrund der sichtbaren Spielfreude aller Akteure. Was über allem diesem steht ist eine kindliche Mentalität, in der alles nicht so ernst gemeint ist wie es andere Filmschaffende nehmen würden. Trotz allerlei nackter Tatsachen bleiben selbst die "Erotikszenen" zahm, der Extremhumor ist freilich gar infantil ausgefallen, ebenso die Geschichte, die keine ist.

Die schmeißt schnell das Konzept des biederen Mannes, der für promiskuitiv gehalten wird, über Bord, um einen völlig wirren, undurchdachten Plot zu servieren, in dem keine der vielen Figuren irgendetwas in der Hand hätte um die Geschehnisse bewusst zu lenken. Der Zufall schwebt tatsächlich über allem. Otto wird zum gesuchten Millionenbetrüger, sein alter Schulfreund landet in der Klappse, Verwechslungen wie diese finden sich im Minutentakt im Film wieder, stets völlig überkonzipiert eingebracht, und da man dementsprechend auch kein Gefühl für psychologische Glaubwürdigkeit besitzt, verliebt sich die US-Dame freilich in den Casanova, wissendlich dass er einer ist. Und auch der verknocherte alte Otto gewinnt am Ende das Herz seiner neuen, jungen und attraktiven Sekretärin. Denn "Otto ist auf Frauen scharf" ist ein filmisch gewordener Altherrenwitz, so grausig und sympathisch zugleich wie eben solche, dies aufgrund der hohen Naivität und des kindlichen Charmes der über allem weht und aus einer eigentlich unangenehmen Chose etwas liebenswertes entstehen lässt. 

Immerhin ist der Film zahmer als der übliche Altherrenwitz, in manchen seiner Ideen überraschend treffsicherer als ein solcher, und so unbedarft und amateurhaft wie hier alles aneinander geleimt ist, kann man niemanden wirklich bös sein hier ein derart dilettantisches Werk auf die Nase gedrückt bekommen zu haben. Neben der sympathischen Hauptbesetzung mit Gunther Philipp sind es allerhand Nebenpersonen wie Hubert von Meryerinck, die für zusätzlich unschuldigen Charme sorgen. In einem Gastauftritt weiß auch der theoretisch völlig unwitzig und aggressiv komisch überdrehte Willy Millowitsch zu gefallen, was er der dazu passenden Inszenierung und dem Szenario in das er gepackt wurde zu verdanken hat, anstatt seinem überschätzten Talent. Und Heinz Erhardts Auftritt bildet wahrlich das Sahnehäubchen des Streifens, weiß aufgrund typischer Erhardt-Wortspielereien zu gefallen ("zahnlose Zuschauer") und aufgrund des kindlich anmutenden Parodie-Streiches rund um die Erfolgssendung "Wer bin ich". 

Gerade hier findet sich konzentriert angegangen jene unschuldige, kindlich komische Rezeptur wieder, die auch auf den überraschend gut funktionierenden Gesamtfilm zutrifft, freilich nur wenn man über seinen eigenen Schatten springen kann und einem solchen Extremklamaukfilm, aus geradezu typischen Tagen dieser Gattung Kino, eine echte Chance geben kann, anstatt ihn von Anfang an als Trash abzustempeln. Mag einiges auch eher unfreiwillig komisch sein, darauf reduzieren sollte man den Film nicht. "Otto ist auf Frauen scharf" ist eine wundervolle Unverschämtheit, eine sympathische Dreistigkeit sich Film nennen zu dürfen, und ein Glücksfall für Antel trotz allem vorhandenen Dilettantismus doch noch (und weil es so ist) zu funktionieren, nicht jedoch aufgrund einer bewussten Handlung oder Denkweise von Antels Arbeit. Das Ergebnis ist dem Zufall geschult. Inmitten vieler ähnlich angegangener Projekte (auch von Antel selbst) hebt sich dieser Film auf ungewöhnliche Art von der restlichen Nerverei ab, obwohl alles dafür spricht, dass auch er ein solcher Kandidat ist. Manches muss man einfach auf sich wirken lassen und akzeptieren, anstatt verzweifelt zu analysieren was den Unterschied ausmacht.  OFDb

14.09.2018

BLANK (2015)

Christian Genzel, der auch im Langfilm "Die Muse" seinen Zugang zu intellektuellen Stoffen bewies, liefert mit dem Kurzfilm "Blank" einen humoristischen Rundumschlag ab, der mit Kritikern, Künstlern, Publikum und unserer redefreudigen Gesellschaft gleichermaßen abrechnet, wenn im Fokus auch mit den beiden erst genannten Bereichen mehr als mit den letzten. Wie Kritiker, welche das sinnlose Geschwätz heutiger Zeiten verurteilen, in ihrer selbstgerechten Art selbst zum Leergeschwätz neigen, geblendet von ihrem Intellekt zu glauben was sie reden wäre bedeutungsschwanger, wird von Genzel hervorragend vorgeführt. Der Dichter hingegen schweigt. Dies tut er in seinem Werk, wie in öffentlichen Auftritten gleichermaßen, und Autor und Regisseur Genzel lässt sich das Hintertürchen offen den Zuschauer selbst beurteilen zu lassen, wieviel Freiheit tatsächlich hinter dem Verhalten des Künstlers steckt, wird doch auf unterschiedliche Art immer wieder humorvoll treffsicher dem Dichter das Sprechen verwehrt, ob durch einen Hustenanfall oder vom Manager verkörpert, der, sofern die Kritikpunkte der Experten zutreffen würden, all jenem widerspricht, wofür das Werk des von ihm vertretenen Künstlers steht. Ist das gefeierte Werk somit Missverständnis eines nie zu Wort gekommenen Mannes (der irgendwann in jüngster Vergangenheit ab einem gewissen Punkt vielleicht beabsichtigt die Gunst der Stunde nutzte, nachdem sein Schweigen fehlinterpretiert wurde?), oder kommt der gute Mann nur nie zu Wort, wenn er sein wortloses Kunstwerk kommentieren soll? Wer weiß, wer weiß. In einer solch selbstverliebten und gleichzeitig gedankenlosen Gesellschaft wie der unseren ist beides denkbar, auch aufgrund der immer stärker vernachlässigten Bildung, die immer skurriler wirkende Möchtgernintelligente hervorbringt, weswegen mir im Zuge dessen "Idiocracy" in den Sinn kommt.

Der ist mit seiner lauten Art jedoch kein wirklicher Vergleich. Näher liegt da schon ein Blick auf die Eingangssequenz von "Ein Ticket für zwei", jedoch auf Genzels Werk bezogen nur die Komik der geduldigen Zuhörer auf Zwang betreffend. Wirklich treffsicher wird erst der Vergleich mit Loriot, erinnert mich "Blank" doch sowohl an den Auftritt des Dichters in "Pappa ante Portas", als auch an den wundervollen Sketch aus der TV-Reihe "Loriot", in welchem sich Filmkritiker zu einem kurzen Filmausschnitt aus einem frühen Slapstick-Werk äußern und sich dabei mehr feiern als das zu besprechende Objekt. So ist es auch hier der Fall, und das Wort Objekt benutze ich bewusst, verkommt doch die Kunst nur noch zu etwas zu Besprechendem, anstatt es auch musisch zu würdigen, so als sei Kunst nur Futter des (Pseudo-)Intellekts. Auch wenn das hier im Zentrum stehende Werk des Dichters bereits Nonsens ist (ebenso wie im genannten Sketch Loriots), so übertreffen die Kritiker es in diesem Punkt doch im Äußern von unsinnigem Blabla, während das Publikum, welches zu einer unsinnigen Höflichkeit erzogen wurde, dem Treiben des Künstlers, wie auch der Experten, nicht mehr mit Unmut begegnet. Das passt zu meinen persönlichen Beobachtungen, dass der Buhruf eines Livepublikums immer weniger eingesetzt wird, ja gar schon so gut wie ausgestorben ist, während das anerlernte Klatschen auch dann noch aus Höflichkeit unreflektiert erklingt, wenn das Vorgeführte einer Katastrophe gleicht. Zu dem höflichen Verhalten des in "Blank" gezeigten Publikums kommt einem sicher auch Hape Kerkelings berühmtes Hurz-Experiment aus "Total normal" in den Sinn, welches absichtlich missglückte Kunst einem Testpublikum vorführte.

Aufgrund seines authentischen Einstiegs, glaubt man hier zunächst ähnlich Gewolltes zu sichten. Es dauert bis "Blank" seine Kurzfilm-Identität aufdeckt, weswegen es auch gut ist, dass dem Streifen kein wirklicher Vorspann beschert wurde. Mit Kerkeling und Loriot verglichen zu werden kann man sicherlich als Lob ansehen, und Genzel ist es geglückt trotz der Vergleiche ihrer Werke etwas halbwegs Eigenständiges zu kreieren, eben weil nicht geistlos kopiert oder zitiert wird, sondern eigene Gedanken und Beobachtungen Ursprung und Lenker des humoristischen Kurzfilmes sind. Gut gefällt mir die Idee den Dichter Blank zu nennen, immerhin wird am Rande erwähnt, dass er sein Werk auch "niedergeschrieben" hat, vielleicht ein wenig erinnernd an das Kapitel "Die Vorteile des Rauchens" aus Allen Carrs Buch "Endlich Nichtraucher!" Inszenatorisch missfiel mir ein wenig die zu hektische Kameraführung in der Phase vor der Expertendiskussion, ansonsten gefiel mir der Stil des Films, einschließlich des humoristischen Höhepunktes innerhalb des Abspanns. Hervorhebenswert in der Besetzung ist der Darsteller Blanks, Thomas Limpinsel, der bis auf einige wenige zu bemüht wirkende Momente des Nichtäußerns während seines "Vortrags" stets treffsicher agiert. Die Sympathie gilt ihm, zumal man als Zuschauer immer das Gefühl hat, dass sich hinter der vorgelebten Mimik ein inneres Grinsen befindet. Warum dieser herrliche Kurzfilm erst 3 Jahre nach seiner Entstehung auf You Tube zu bewundern ist, ist mir nicht bekannt, aber nun ist es so weit, und jeder kann sich ein eigenes Bild von ihm machen. 

25.02.2018

DIE WÜRGHAND (1920)

Der in Österreich entstandende und zur Zeit nur dort auf DVD veröffentlichte „Die Würghand“ ist zwar kein großes, vergessenes Werk, welches man als vielseitiger Filmfreund unbedingt gesehen haben sollte, mehr als historisches Interesse zum Thema Film weiß er jedoch sehr wohl zu entfachen, auch wenn es einige Zeit dauert sich in die recht banal ausgefallene Geschichte hineinzugucken, weiß man doch lange Zeit nicht worum es wirklich gehen soll. Das liegt aber auch am Vorteil des Streifens, dass Regisseur Cornelius Hintner, der auch für die Filme „Lili“, „Töte sie!“ und „Die Sportlady“ verantwortlich war, die Geschichte sehr ruhig über einige Umwege erzählt, um mit dieser Methode nach und nach den Charakter der Rose zu verdeutlichen, die frei jedwedem Gewissen mit Männern anbendelt und ihrem jeweilig aktuell Versprochenen damit vor den Kopf stößt.

Welch kriminelle Energie sie entfacht, wird einem erst mit Beginn des zweiten Aktes bewusst, wenn sie nach einem mitverschuldeten Todesfall im Exil lebend eine Schmugglerbande mit ihrem größten Talent, dem Flirten, unterstützt. Dass es mit Rose kein gutes Ende nehmen wird, ahnt der Zuschauer schon bevor Hannes diese Worte eines Tages verzweifelt ausspricht, wenn dieser erkennen muss welch leichtlebiges Mädchen er gegen den Rat seines Vaters und gegen den Ruf Roses geehelicht hat. Schon zuvor sind wir des öfteren dem Begriff der Würghand begegnet, deren Existenz wir zunächst nur angedeutet und dann über Tratsch vertieft bekamen. Zusammen mit Rose erfahren wir mehr über diese Betitelung jener Familie, in welche die Antiheldin der Geschichte durch ihre Eheschließung hineingeraten ist und welch morbider, wenn auch zu erahnender, Hintergrund zu dieser Kosenamensgebung führte.

Wenn sich Richtung Finale alles hochschaukelt und selbst Rose innerhalb ihrer fragwürdige Art Dinge zu regeln über das Ziel hinausschießt, sprich noch weiter geht als wir es ihr zugetraut hätten, hält die Geschichte noch eine Schlussüberraschung bereit, mit der ich nicht ernsthaft gerechnet hätte. Trotz zunächst deutlicher Bilder schließt der Film jedoch mit offenen, lediglich angedeuteten Tatsachen. Über das wahre Schicksal zweier wichtiger Figuren wird man nicht zur vollkommenen Befriedigung aufgeklärt. Sind die Geschehnisse am Schluss nur als Warnung zu verstehen, oder wohnen wir dem letzten Atemhauch bei? Deutlich wird dies nicht, was den Schluss etwas inkonsequent wirken lässt.

All zu streng muss man mit dem Ende der Geschichte jedoch nicht ins Gericht gehen, eilte diesem Moment doch ohnehin lediglich ein schlicht zu unterhaltender Film voraus, der zwar definitiv seine Stärken besitzt, jedoch nicht zum Muss für filmhistorisch interessierte Cineasten wird. Bis auf wenige Außenaufnahmen, einer schlicht getricksten, sehr kurzen Traumsequenz, die einen Moment des erst vier Jahre später entstandenen „Orlacs Hände“ vorweg nimmt und einer interessant gewählten Perspektive, in welcher ein Spinnennetz zum Hingucker wird, ist der Streifen eher simpel abgefilmt. Auch große Talente im Schauspielbereich offenbart „Der Weibsteufel“ (Alternativtitel) nicht, obwohl man eingestehen muss, dass die drei wichtigsten Rollen sehr wohl zu überzeugen wissen, allen voran Carmen Cartellieri in der Rolle der Rose, die wahrlich zwielichtig, link und scheinheilig zu schauen weiß, und damit den Charakter ihrer Figur zumindest mimisch perfekt einzufangen weiß.

Die für die DVD verwendete Musikuntermalung wird die Geister scheiden, wirkt sie in ihrer monotonen Art doch nicht immer passend über die Geschehnisse gelegt, und gerade gegen Ende nervt so mancher mit hinzugefügte Ton inmitten des ansonsten zurückhaltenden Elektrosounds mehr, als dass er zu wirken weiß. Insgesamt gefiel mir jedoch das mutige Vorgehen es mit dieser Art Musik zu versuchen, auch wenn die Komposition Meilen weit vom Niveau anderer Modernisierungen entfernt ist, so z.B. die einst auf Arte zu hörende Neukomposition zu „Nosferatu“, oder, abgesehen von einem kurzen, nervigen Klatschgeräuche-Abstecher, auch der neue Sound des eben erwähnten „Orlacs Hände“. Was wir hier in „The Strangling Hand“ (Alternativtitel) zu hören bekommen ist wesentlich simpler gespielt, wenn auch stilsicher und konsequent umgesetzt. Wer trotz der kurzen Laufzeit von unter 70 MInuten nicht wirklich vom Stoff unterhalten wird, wird vom gewählten Soundtrack nicht gerade wachgehalten, wirkt dieser doch eher hypnotisch, vielleicht gar chillend, aber zumindest nicht aufregend, imposant oder spannungsgeladen.

Zur ersten Filmhälfte wusste ich noch nicht was ich von „Die Würghand“ halten sollte, es hat somit gedauert, bis mich die Geschichte zu überzeugen wusste. Richtig sicher dass ich mit diesem Mix aus Drama und leichtem Krimi-Einfluss mehr als mittelmäßig unterhalten werde, war ich mir erst im letzten, den vierten, Akt, obwohl bereits der dritte Ahnungen verdeutlichte, welche die Geschehnisse interessanter erschienen ließen als bis dahin wahrgenommen. Nach dem Sichten bin ich der festen Überzeugung, dass „Die Würghand“ mit Kenntnis darüber was der Film überhaupt erzählen will, beim zweiten Gucken zu einem überzeugenderen Filmerlebnis wird als die Erstsichtung im völlig ahnungslosen Zustand. Manchmal hilft ein Eingeweihtsein und ersetzt damit den eigentlichen Sehwert der Überraschung, und Hintners Werk scheint ein solcher Ausnahmefall zu sein. Sympathisch ist mir das Ergebnis trotzdem bereits jetzt schon nach der ersten Sichtung.  OFDb

08.02.2018

ANGRIFF DER LEDERHOSENZOMBIES (2016)

Vier Jahre nachdem die Deutschen an dem Versuch scheiterten mit „Zombies from Outer Space“ den Zombiefilm mit der Gattung des bayrischen Heimatfilmes zu kreuzen, kommen Österreicher daher und liefern mit einer vergleichsweise zurückgeschraubten, aber ähnlichen Idee das ab was man sich zu diesem Thema erhofft: einen stimmigen Spaß. „Angriff der Lederhosenzombies“ versucht sich zwar nicht im Heimatfilm, oder in der Parodie darin, er legt lediglich die Location auf einem Skiberg an, auf dem die Deutschen ihre Kultur zu Geld machen. Aber diese Gestalten und ihr gut saufendes Partyvolk zu Zombies mutieren zu lassen ist bereits Grundlage für ein spaßiges Schundfilmchen genug. Zum einen ist diese anderweitige deutsche Zombievariante eine herrliche Alternative zu den schon relativ oft verwendeten Nazizombies, zum anderen schaut sich der Streifen humortechnisch angenehm zurückgefahren, ist er doch nicht halb so albern ausgefallen wie sein Titel und seine Idee vermuten lässt.

Mit einer Horror-Komödie haben wir es freilich trotzdem zu tun, und die Stimmung lässt sich schon ein wenig als „Feuer, Eis und Dosenbier“ mit Zombies bezeichnen, letztendlich ist die klassische Zombiegeschichte aber nur humoristisch untermalt und nicht darauf erpicht zwingend Gag auf Gag folgen zu lassen, was sich im Gegensatz zu manchem Splatstick-Streifen wesentlich angenehmer schaut - so sehr sogar, dass das Finale, welches eigentlich in pubertärem Snowboarder-Splatstick badet, einen angenehmen Abschluss eines unterhaltsamen Durchschnittsstreifens bietet, anstatt zu nerven wie es Werke wie „Stalled“, „Doghouse“ oder anderweitige Produktionen tun, denen zum Thema Zombies nichts besseres einfiel, als Splatterszenen einen humoristischen Hintergrund zu geben.

Zwar ist „Alpine Zombie Project“ (Alternativtitel) nun auch kein Top-Movie, der die Chance hätte einen Innovationspreis zu gewinnen, zumal man von der gelben Chemikalie („Wasting Away“) bis hin zu den mutierten Rehen („Zoombies“) schon alles irgendwo bereits einmal gesehen hat, aber Regiedebutant Dominik Hartl schafft es das bereits Bekannte schmackhaft zu präsentieren und präsentiert mit seinem „Attack of the Lederhosenzombies“ (Originaltitel) ein herrlich spaßiges Stück unterhaltsame Kurzweile, die nie kurzfristig durch Monotonie oder die x-te Wiedererzählung alter Ideen ausgebremst wird. Sicherlich gilt auch für diesen Film: je jünger, desto besser kann man sich amüsieren, aber wer mit wenigen Erwartungen als Mitte-40-Jähriger herangeht, kann definitiv ebenfalls seinen Spaß mit den Alpenzombies haben. Kleine Randideen sorgen immer wieder dafür, dass die Chose lustig und interessant bleibt. Und die Charaktere, so sehr sie auch nur blasse Abziehbilder wahrer, tiefgreifender Charaktere sind, sind einem zumindest nicht so scheiß egal wie in Produktionen, die sich für die Helden der Geschichte so gar nicht interessieren.  OFDb

13.10.2017

DIE ABENTEUER DER MAUS AUF DEM MARS (1975)

Mit simplen aber liebevoll gestalteten Zeichnungen versehen erzählt „Die Abenteuer der Maus auf dem Mars“ kindgerechte Geschichten in Form von 5-Minütern. Die Figuren selbst brabbeln auf verspielte Comic-Art vor sich hin, um Sprache zu simulieren, eine Sprecherin mit sanfter Stimme erzählt was passiert, so dass sich das Anschauen der Serie wie das Vorlesen aus einem Bilderbuch schaut. Rein pädagogisch gibt es da nichts zu maulen, selbst jüngsten Kindern kann man die in Budapest fertiggestellte, mitunter deutschfinanzierte, Serie bedenkenlos vorführen.

Zunächst wird der Mars als trostloser Planet eingeführt, auf dem die Maus sehr einsam ist. Durch ihre Übergröße verursachen ihre Tränen eine Überflutung, welche den Planeten fruchtbar macht, und so wird der Mars ein angenehmerer Lebensort als zunächst vermutet. Anfangs muss die Maus trotzdem mit sich selbst zurecht kommen, was sie langweilig und traurig stimmt, aber bereits nach wenigen Episoden werden ohne Erklärungen weitere Figuren eingebracht, man merkte wohl, dass sich ansonsten nicht viel erzählen lässt, selbst dann wenn die Maus so allerhand der Geschichten lediglich träumt. Woher mit einem Mal ihr Freund, der Maulwurf, auftaucht, erfährt man leider nicht. Auch wenn jede Geschichte für sich steht, so wäre es doch schön gewesen einer Episode beizuwohnen, in welcher sich die beiden kennenlernen.

Kindgerecht werden phantasievolle Geschichten erzählt, in denen mal bewusst Selbstverständlichkeiten aus der Erde zum Alltag gehören, andere Faktoren jedoch entfremdet oder komplett neu erfunden werden, um den geheimnisvollen Spielort hervorzuheben, bzw. die Maus vor Probleme zu stellen, die es zu lösen gibt. Hin und wieder gibt es kleine gesellschaftspolitische Aussagen. Oftmals muss die Maus um ihre Freiheit bangen, z.B. in jener der wenigen Episoden, die eine längere Laufzeit hätten vertragen können, landet dort doch die Maus in der Gefangenschaft eines Wissenschaftlers, der Sternenputzer in Käfigen hält, um mit deren Leistung eines strahlenden Nachthimmels vor der Welt zu prahlen.

Gelegentlich bekommt die Maus auch unerwartet Besuch von der Erde. Dem Mars entkommen kann sie trotzdem nicht. So gemütlich wie sie es sich auch auf der neuen Heimat einrichtet, am liebsten würde sie nach Hause zurückkehren. Mit diesen und vielen anderen Bedürfnissen sind die Geschichten stets nah am Empfinden ihres Zielpublikums angelegt. Dass sich stets Widersprüchlichkeiten zwischen den Episoden auftun und auch im Regelwerk der innereigenen Logik, verzeiht sich von selbst aufgrund des liebevoll erreichten Selbstzwecks und aufgrund dessen, dass dieser wackelige Zustand zwischen erfundener Welt und Bodenständigkeit grundsätzlich Bestandteil in Kinderfilmen und der Kinderliteratur ist, die derartiges in Kauf nehmen, um sich den Wichtigkeiten des Stoffes zu stellen: der Aussage, die man mit der Erzählung tätigen will.

Man müsste schon ein Miesepeter sein, um aufgrund dessen „Die Abenteuer der Maus auf dem Mars“ nicht mögen zu können, ist die TV-Serie doch höchst liebevoll und einfallsreich ausgefallen. Ihre Geschichten sind kindgerecht und gleichzeitig interessant erzählt und dies auf eine Laufzeit gebracht, die auch jüngere Kinder nicht überfordert. Ob mit Robotern und Marsmenschen, ob gegen Reporter oder Zoowärter, ob mithilfe des Maulwurfs oder eines Traumballonherstellers, stets erlebt die Maus allerhand für Kinder verständnisvolle und begreifbare Geschichten, welche die eigene Phantasie anregen, anstatt es darauf anzulegen übertrieben lehrreichen Stoff anzubieten. Gerade in heutigen Zeiten der Leistungsgesellschaft hebt sich eine solche Serie lobenswert vom überpädagogischen Handeln vieler Eltern erfreulich ab. „Die Abenteuer der Maus auf dem Mars“ fördert die Muße der Kinder und ihre Kreativität, auf der natürlich vorhandenen Wissbegierde der Kinder aufbauend.  OFDb

22.07.2017

GERN HAB' ICH DIE FRAUEN GEKILLT (1966)

„Gern hab‘ ich die Frauen gekillt“, wie könnte man diesen Titel nicht mögen? Und nicht nur er und sein Entstehungsjahrzehnt machten neugierig auf mehr, auch die Aufzählung der in ihr agierenden Stars von einst ließ die Erwartungshaltung wachsen. Klaus Kinski, Karin Dor, Lex Barker, um nur einmal ein paar zu nennen, nehmen in teils größeren, teils kleineren Rollen an dem bunten Treiben des Streifens teil, der sich zu meinem Bedauern jedoch als Episodenfilm entpuppte. Stammleser wissen wie schwer ich mich mit dem Aneinanderreihen von Kurzfilmen getarnt als Langfilm tue, zumal meist keine der Geschichten dieses Formats sein volles Potential auszuschöpfen weiß - und so war es dann auch in diesem Stück cineastischer Vergangenheit.

Wie so oft bei dieser Gattung Film werden die zusammenhanglosen Geschichten durch eine dünne Rahmenhandlung zusammen gehalten, und diese enttarnt ihren Sinn erst am Ende mittels einer Schluss-Pointe, welche den erzählten Geschichten doch noch einen dünnen Zusammenhang beschert. Aber viel gehaltvoller als die dämliche Idee, dass eine Geisel seinem Geiselnehmer drei Geschichten erzählt, ist auch diese nicht ausgefallen. Dass „Karneval der Killer“ (Alternativtitel) mir nicht so gut gefallen hat ist nicht nur zu bedauern da eine kunterbunte Schar Stars mitspielte, es ist auch schade um manch sympathische Idee, die durchaus ihren Reiz für mehr geboten hätte.

So wird die zweite Episode offensichtlich humoristisch erzählt, u.a. in dem man den sie unterstützenden Off-Kommentar dafür nutzt eine Art Lehrbuch der Agentenrichtlinien vorzutragen. Sätze wie „Agentenbosse irren sich nie“ verfehlen in übertrieben selbstsicherer Betonung nicht ihre Wirkung, die dazu gehörende Bilduntermalung stärkt ihre Pointensetzung dabei meist. Die Geschichte dazu fällt eher blass und routiniert aus, leider weiß die witzige Untermalung sie nicht komplett zu stützen. Episode 1 ist ähnlich inhaltsleer ausgefallen, unterhält dafür von allen drei Episoden jedoch am besten, was hauptsächlich daran liegt, dass der Humor hier weitaus subtiler eingestreut wird. Manch einer mag sich täuschen und glauben eine ernst gemeinte Kriminalgeschichte mitzuerleben. Stattdessen amüsiert sich der Autor über die Stereotype des aalglatten Kinohelden, den Stewart Grenger gekonnt souverän, und doch überspitzt, zu spielen weiß.

Tiefpunkt des Filmes ist schließlich die mit Lex Barker in der Hauptrolle so müde erzählte Geschichte eines Detektivs, der nach diversen Frauenmorden versucht das Leben des Präsidenten zu retten. Von Humor fehlte hier jede Spur, oder ich war mittlerweile zu unaufmerksam ihn zu bemerken, auf jeden Fall dümpelt Geschichte 3 müde vor sich hin, arbeitet dabei erneut nur Klischees ab, was ohne funktionierenden Humor diesmal nicht einmal aufgrund der 60er Jahre-Stimmung des Streifens Freude bereitet. „Gern hab‘ ich die Frau‘n gekillt“ (Alternativtitel) ist in seiner Absicht eigentlich durchaus sympathisch zu nennen, in seiner Umsetzung ist er jedoch zu arg oberflächlich und routiniert erzählt, als dass er mir wirklich hätte gefallen können. Sein mageres Ergebnis mag manch anderer aufgrund anderer versteckter Stärken aufgewertet sehen, ich habe für mich jedoch nicht viele weitere als die hier benannten entdecken können.  OFDb

13.11.2016

ICH ZÄHLE TÄGLICH MEINE SORGEN (1960)

Im Gegensatz zu den meisten anderen Komödien in denen Peter Alexander einen Schelm spielt gerät die zentrale Figur einmal nicht aufgrund eigener Lügen in eine verzwickte Verwechslungssituation. Diesmal ist die Hauptfigur selbst das Opfer. Und dass die Wahrheit nicht all zu schnell ans Tageslicht rückt verdanken wir einem recht guten Drehbuch, welches die Irrungen und Wirrungen aufgrund stets neu aufkommender Beweggründe einzelner Beteiligter immer im Blick behält. Zwar ist den Beteiligten kein Wunderwerk der leichten Komödie geglückt, aber kurzweilig ist „Ich zähle täglich meine Sorgen“ durchaus ausgefallen.

Die Musikauswahl ist eher enttäuschender Natur, einzig der titelgebende Song weiß zu gefallen. Der Rest bewegt sich im Mittelmaß, wird oftmals aber durch einfallsreiche Tanzeinlagen aufgefangen. Gerade die imposante Gruppen-Tanzszene, welche das Finale einleitet, entpuppt sich als wahrer Hingucker, bevor die interessante, wie zum Schmunzeln anregende Choreographie in einer Massenschlägerei endet.

Zum positiven Gesamtbild trägt auch Peter Alexanders weibliche Begleitung Ingeborg Schöner bei, die nicht nur der niedliche Sidekick Alexanders sein darf, sondern in ihrer frechen Rolle verspielt aufblüht und sichtlich Spaß am Spiel und Tanz verspürt, was schließlich auch den Zuschauer ansteckt. Zudem ist ein Gunther Philipp an der Seite Alexanders stets ein Pluspunkt. Zwar sind seine Auftritte nicht so herrlich komisch ausgefallen wie in „...und sowas muss um acht ins Bett“ oder „Hilfe, meine Braut klaut“, aber auch als Schurke und eher unfreiwilliges Anhängsel Alexanders weiß er zu gefallen. Den ruppigen Part, den sonst er übernimmt, darf diesmal Paul Esser in der Rolle des Kapitäns spielen, der mit seinem Seemannsschimpfen einen eigenen recht interessanten Charakter entwickelt hat.

Ansonsten folgt alles dem üblichen Muster dieser Art Film, inklusive eines Happy Ends, in welchem sich alle Unwahrheiten schneller aus dem Weg schaffen lassen als man meinen sollte, wobei lediglich der Handlungsstrang um das nach Hollmann buhlende Modell nicht zu Ende gedacht wird. Wurde sie während der Hauptgeschichte noch als oberflächliche Person dargestellt, die lediglich der Karriere und dem Geld wegen etwas mit dem Modedesigner anfangen wollte, so scheint sie in ihrem stummen Auftritt während der Schluss-Sequenz glücklich mit ihrem falschen Hollmann zu sein, von dem wir nicht wissen ob er über eine erfolgreiche Vertragsvermittlung nun auch halbwegs reich geworden ist.

Wie auch immer, Freunde von Peter Alexander-Romantik-Musik-Komödien kommen auf ihre Kosten. Wer dies nicht ist wird auch mit „Ich zähle täglich meine Sorgen“ nicht viel anfangen können, dafür ist der Streifen zu innovationslos, bietet zu wenig wahre Lacher oder anderweitigen Sehwert. Erst wer den Charme der beiden Hauptdarsteller spürt wird auch mit diesem kleinen nostalgischen Ausflug in die 60er Jahre glücklich werden.  OFDb

20.09.2016

ONE WAY TRIP (2011)

Ich werde schnell kritisch wenn Filmemacher aus einem deutschsprachigem Raum meinen den Titel und den Vorspann ihres Werkes pseudo-cool auf Englisch halten zu müssen, erst recht wenn der Film auf deutsch abgedreht wurde. Einen besonders bitteren Geschmack bekommt diese Art Vorspann wenn man dann noch lesen muss, dass einiges an Geldern von deutschsprachigen Filmförder-Organisationen floss.

Wenn man „One Way Trip“ gesichtet hat darf man sich aber viel mehr fragen wofür solche Filmförderungen überhaupt noch stehen. So wie der originelle „Der Bunker“ keinerlei Unterstützung erhielt, der arg kommerzielle auf Massengeschmack zielende „Fack ju Göthe“ aber sehr wohl, so ungerecht scheint die finanzielle Unterstützung auch bei Markus Welters Werk eingesetzt zu sein, biedert es sich doch nicht nur dem amerikanischen Mainstream-Kino an, zu welchem der Bereich des Slashers seit der 00er Jahre mutiert ist, er imitiert ihn zudem katastrophal schlecht.

Das beginnt bereits bei dem steifen Spiel sämtlicher Darsteller, denen man zu keinem Zeitpunkt abkauft dass sie einander kennen oder mögen, was fatal ist, sollen sie doch eine eingeschworene Freundschaftsgruppe verkörpern, die sich seit Jahren kennt. Die Texte wirken wie abgelesen, selbst bei der österreichischen Scream-Queen Sabrina Reiter, die bereits in den beiden „In 3 Tagen bist Du tot“ mitgespielt hat, von welchem zumindest der erste (Teil 2 kenne ich noch nicht) zu überzeugen wusste. Dies wusste er, weil er gekonnt das amerikanische Slasher-Genre mit der österreichischen Kultur kombinierte, so dass sich dieser Slasher keinesfalls wie ein amerikanischer Abklatsch angeguckt hat, je nach Phase sogar mehr Kriminalfilm als Horrorfilm war.

„One Way Trip“, der zur vollkommenen Anbiederung ans Massenpublikum zudem noch in 3D gedreht wurde, setzt zwar zumindest vom Spielort her ganz zeigefreudig auf die Umgebung in der er entstand, mental fühlt man sich jedoch in fast jedem aufkommenden Klischee an einen US-Film erinnert. Ich weiß nicht ob der gar nicht mal unerfahrene Regisseur Welter die Darsteller so laienhaft spielen ließ, um einen authentischen Effekt zu erzielen, falls dem so war ging das Experiment jedoch nach hinten los, denn mit dem extrem mangelhaften Spiel der jungen wie alten Darsteller scheitert bereits das Grundgerüst des Streifens.

Dass einen inhaltlich nichts sonderlich Innovatives erwarten muss, ist in diesem Sub-Genre kein wirklicher Negativpunkt, ganz im Gegenteil haben zu übertrieben eigene Ideen Fortsetzungs-Werken dieser Gattung Horrorfilm oft geschadet. Dennoch fragt man sich bei „One Way Trip“ lange Zeit, warum er sich das Anfangsszenario von „Shrooms“ zu Nutze macht, wenn mit dem Horrorpart angefangen ohnehin jeder völlig frei eines halluzinogenen Zustandes agiert. Was sich wie ein Fehler guckt, soll sich in einem pfiffig gemeinten Perspektivwechsel am Ende des Filmes als Täuschung outen, was aber nur funktionieren würde, wenn die Auflösung tatsächlich intelligenter Art wäre.

Aber weder die uns im Finale deutlich gemachten versteckten Vorbereitungen innerhalb der vorangegangenen 70 Minuten wissen intelligent zu wirken, noch weiß die Auflösung zu überzeugen. Während sie auf der einen Seite unglaubwürdig zu nennen ist, da die Droge bei jedem Konsumenten trotz unterschiedlichster (wenn auch typisch oberflächlich gehaltener) Charaktere die selbe Handlungsweise und gleichzeitig die selben Halluzinationen hervorbringt, outet sich das Drehbuch auf der anderen Seite mit diesem Schluss als arg moralisch und bieder, auch wenn es sicherlich anders gemeint war.

Einzelne kurze Momente haben mir recht gut gefallen, so z.B. die Kameraperspektive der von der Feuerwehr geretteten Heldin, oder der Vorgang wie eines der Opfer nach einer leider nicht für den Zuschauer prickeln wollenden Verführung Schritt für Schritt gefesselt, geknebelt, verpackt und schließlich getötet wird. Solche Sequenzen sind leider rar gesät, eben weil die Schauspielerei ebenso flach ausgefallen ist wie die Psychologie des Drehbuchs. Besonders ärgerlich empfand ich das mangelnde Schauspieltalent der Figur des Farmers, der völlig brav drein schaut, während er eine junge Frau erwürgt.

Von dem einzig älteren Darsteller der kompletten Haupt-Riege hätte man sich doch mehr erhofft als von den blassen Jungdarstellern, die sich laut der auf der DVD enthaltenden Biografien in allerlei anderen Produktionen den ein oder anderen Nachwuchspreis erarbeitet haben. Schade dass es hier nichts vom scheinbar vorhandenen Talent der Mitwirkenden zu entdecken gab. Filmfreunde, die sehen wollen wie ein von US-Slashern inspirierter Horrorfilm auch in deutschsprachigen Ländern funktioniert, dem empfehle ich lieber in den unterschätzten „Flashback - Mörderische Ferien“ hineinzuschauen. Dieser war meiner Meinung nach der bislang beste Versuch das Genre in unserer Region einzufangen.  OFDb

19.06.2016

EIN ALIBI ZERBRICHT (1963)

Nicht nur dass der LKW-Fahrer die Wahrheit sagt ist bereits von Anfang an klar. Auch wohin sich die Ermittlungen bewegen macht schnell deutlich was Fakt ist. Recht schnell weiß der Zuschauer dass sich Dr. Rohm in keine wirren Mutmaßungen verstrickt. Und Vohrer ist bewusst, dass unter all diesen Voraussetzungen der Stempel des Kriminalfilms nur bedingt auf „Ein Alibi zerbricht“ zutrifft. Wer einige Werke Vohrers kennt, der weiß aber auch dass den guten Mann stets die Psychologie zwischen den Dingen interessiert, sprich die Auslöser, die Folgen, der Pingpong-Effekt, das Verräterische, die Fehler, das soziale Dilemma, das Gewissen, die Gefühle.

„Ein Alibi zerbricht“ spielt deswegen so überraschend schnell mit offenen Karten, da er als eine Art Psycho-Drama angelegt ist. Ein Hauch Krimi weht von der einen Seite, ein Hauch Thriller von der anderen, aber die Dramatik der Situation in welche Dr. Rohm aufgrund ihrer Ideale ausweglos hineinschliddert ist der tatsächliche Kern der Geschichte. Nur will das nicht so gut funktionieren wie es Vohrer sicherlich gewollt hat. Nicht nur dass Dr. Rohm an den ungünstigsten Stellen schwer von Begriff ist, sie ist zudem mit Ruth Leuwerik nicht ideal besetzt. Über ihren Charakter darf man streiten, der ist wie alle weiteren Charaktere im Film weder gut noch böse angelegt. Jeder hat seine Beweggründe für das was er tut oder denkt. Aber wirklich glaubwürdig agiert Leuwerik nicht immer.

Mir wäre es persönlich lieber gewesen, wenn „An Alibi for Death“ (Alternativtitel) in seiner Art etwas düsterer ausgefallen wäre, eine tatsächlich spürbare Bedrohlichkeit kommt selbst dann nicht auf, wenn sich Dr. Rohm im Finale in Lebensgefahr befindet. Der etwas zu lückenhafte zwischenmenschliche Faktor, der die Dramatik hätte stärken können, mit einem blass spielenden Peter van Eyck aber ohnehin nicht erreicht werden kann, hätte mit einer düsteren Atmosphäre eine gute Stütze erhalten um mehr zu sein als die Lightversion dessen was mit dem hier vorliegenden Stoff möglich wäre. Aber „Ein Alibi zerbricht“ entfaltet sich hierfür nie genug.

Allerdings schwächelt auch das Drehbuch hin und wieder, z.B. dann wenn man sich im nachhinein fragen darf, warum der Mitarbeiter des Hotels den Mann auf dem Phantombild erkannt hat, obwohl dieser kein Brillenträger war. Zumindest hätte er zu seiner Aussage hinzufügen können, dass der Gast nie eine Brille trug. An solchen Beispielen bemerkt man, dass die Geschichte nicht zu Ende gedacht wurde, immer nur Schritt für Schritt funktioniert, es aber nicht erlaubt währenddessen und hinterher einen Blick zurück zu werfen.

Trotz aller Kritik ist Vohrer jedoch an einen wirklich guten Stoff geraten. Mag die Ausgangslage auch etwas zu zufällig ausgefallen sein, so ist das Netz in welches sich Dr. Rohm aufgrund ihrer Ideale verstrickt, doch recht interessant zu nennen. Wenn es um Schuldzuweisungen geht, dann stehen sich unterschiedlichste Blickwinkel gegenüber. Kann man den Selbsterhalt verurteilen oder ist er nur billige Rechtfertigung für eine bestialische Tat? Ist man gleich unsolidarisch und kalt wenn man in schlimmen Zeiten nicht zu seinem Ehegatten hält? Wann ist ein Mord eine kaltblütige Angelegenheit, und wann, falls überhaupt, ist ein Mord gerechtfertigt?

Gerade weil sich „Ein Alibi zerbricht“ zentral mit diesen Fragen beschäftigt, hätte es dem Film gut getan wenn die letzten 10 Minuten fehlen würden und der Film mit den Worten enden würde „So sehen also Mörder aus“. Meiner Meinung nach hätte der Film gar nicht besser enden können, hätten diese Worte in Kombination mit den drei Gesichtern die wir uns dazu ansehen dürfen, bevor die Optik verschwimmt, doch zu einem nachdenklichen Schluss geführt, der zur munteren Diskussionsrunde einlädt.

In den 60er Jahren, inmitten erfolgreicher James Bond- und Edgar Wallace-Filme, brauchte man im Finale aber dann doch scheinbar so manchen Paukenschlag, und aus verzweifelten Menschen werden doch noch gnadenlose Täter, die kurz vor Schluss leider doch noch den Bösestempel aufgedrückt bekommen, zumindest stärker als zuvor, auch wenn kleine Reaktionen im Spiel das Ganze wieder abschwächen sollen. Nötig hätte der Film das nicht gehabt, er wäre wie gesagt besser mit dem von mir gewünschten Schluss ausgefallen, charmant inszeniert ist aber auch die komplette Schlusschose. Allein das Schlussbild, bevor auf fast schon verspielte Art das Wort Ende ins Bild tritt, zeigt schon wie gelungen der Inszenierungsstils Vohrers ist. Aus der Grundlage eines wackeligen Drehbuch in Kombination mit ebenso wackelig talentierten Stars holt er mehr heraus als es manch anderer Regisseur geschafft hätte. Das macht aus „Ein Alibi zerbricht“ zwar keinen Geheim-Tipp, aber immerhin sympathische Unterhaltung für zwischendurch.  OFDb