Posts mit dem Label Bryan Edgar Wallace werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Bryan Edgar Wallace werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

02.01.2020

SCOTLAND YARD JAGT DR. MABUSE (1963)

Nachdem bislang jeder triviale Teil der 60er Jahre Mabuse-Reihe bei lockerer Herangehensweise zu unterhalten wusste, bekommt sie mit "Scotland Yard jagt Dr. Mabuse" erstmals einen Tiefpunkt beschert, keinen dessen Inhalt und Herangehensweise völlig uninteressant ausgefallen wäre, aber mit deutlicheren Schwächen versehen als zuvor - auch in der Inszenierung. Paul Mays maues Ergebnis kann man nicht einzig auf die offensichtlich vorhandene Geldknappheit zurück führen, die dem Film kaum tatsächliche Schauwerte bietet. Er setzt der mageren Chose zudem mit einer oft trägen Umsetzung noch eins drauf. Dialoge wirken wie aufgesagt, Walter Rilla mimt und spricht seinen Mabuse im Halbschlaf, ohne ihm dämonische Blicke zu gönnen, oft sitzen die Protagonisten lahm herum und redet trocken über Ereignisse und (viel zu schnell gewonnene) Erkenntnisse, die man auch auf flottere Art hätte einbringen können. Die jungen, weiblichen Figuren und der damit verbundene obligatorische romantische Part, sind nicht von Bedeutung für die Geschichte und dementsprechend auch austauschbar besetzt. Die Musik und der Plot mögen einen Teil der harten Welle suggerieren, "Dr. Mabuse vs. Scotland Yard" (Alternativtitel) kommt jedoch trotz gelegentlicher Schießereien zu brav für diese daher, oftmals sogar arg bieder anmutend, gerne dann wenn sich der Streifen äußerst locker gibt.

Um die Identität Mabuses wird diesmal kein Geheimnis gemacht, was ich für eine sinnvolle Entscheidung im x-ten Teil halte, von dem man damals sicher dachte, dass ihm noch etliche folgen würden. Leider agiert Mabuse jedoch ebenso offen vor seinen Untergebenen, sprich er ist nicht nur dem Zuschauer bekannt, er ist auch nicht mehr der anonyme, zu fürchtende Arbeitgeber. Oft wirkt er glatt wie ein Kumpel und fragt sogar in einer Szene einen Mitarbeiter nach einer Idee des weiteren Vorgehens. Nun gut, wir haben es ohnehin mit einem neuen Mabuse zu tun, der Irrenarzt aus dem Vorgänger "Das Testament des Dr. Mabuse" geht nun als dritter Kandidat heran die Herrschaft des Verbrechens zu errichten. Wie kurze Aufnahmen mit Wolfgang Preiss zeigen, ist er besessen vom toten Geist des zweiten Mabuse, dessen Kraft somit über seinen Tod hinaus reicht. Das beschert dem Film zusätzlich zur im Zentrum stehenden Erfindung einen übernatürlichen Touch. Scheinbar ist seine Macht vom Jenseits aus, die durch das Finale keine alternative Deutungsmöglichkeit erlaubt, nicht sonderlich stark, sonst würde der neue Mabuse wohl kaum eine Hypnosemaschine benötigen. Bislang konnte Mabuse die Leute noch höchst persönlich durch Gedankenkraft steuern, zumindest in den meisten Teil seit Langs Erstling von 1922.

Um Sinn und Unsinn braucht man gewohnter Maßen aber ohnehin nicht lamentieren. "Die scharlachrote Dschunke" (Alternativtitel) soll schlichtweg unterhaltsames Trivialkino sein, und mit weit herunter geschraubten Erwartungen geht das hier zu steril dargebotene Affentheater gerade noch in Ordnung. Schade ist es um die verheizte Besetzung, die mit Peter van Eyck, Klaus Kinski und Werner Peters (diesmal in einer Kommissarenrolle) besonders reizvoll ausgefallen ist. Der Drang sich erneut an der erfolgreicheren Wallace-Reihe zu bedienen fällt diesmal durch die Besetzung Kinskis auf, durch die Verlagerung der meisten Geschehnisse nach England und durch den erneuten Versuch Humor in die Reihe zu integrieren. Nachdem Eddi Arent-ähnliche Persönlichkeiten in den Vorgängern versagten, versuchte man es diesmal mit einer pseudo-sympathischen Mutter des ermittelnden Agenten. "Scotland Yard vs. Dr. Mabuse" (Alternativtitel) ist die Blaupause einer Blaupause und damit nur noch ganz treuen Fans der Reihe zu empfehlen. Zumindest kommt der Film nach einer etwas arg trägen ersten halben Stunde genug in Fahrt, um doch noch auf besonders schlichte Art unterhalten zu können.  OFDb

15.06.2015

DIE NEUNSCHWÄNZIGE KATZE (1971)

Nach Argentos Debüt „Das Geheimnis der schwarzen Handschuhe“ folgte „Die neunschwänzige Katze“, der ebenfalls wieder als Bryan Edgar Wallace-Verfilmung verkauft wurde. Ob dabei ein ähnlicher Etikettenschwindel vorlag wie im Vorgänger ist mir nicht bekannt, aber kennt man die Werke Argentos ist vom inhaltlichen Ablauf her vieles mit Werken wie „Profondo Rosso“, „Sleepless“ und eben auch „Das Geheimnis der schwarzen Handschuhe“ vergleichbar.

Außenseiter einer polizeilichen Ermittlung ermitteln auf eigene Faust. Das ganze ist für einen eigentlichen Krimi-Plot düster in Szene gesetzt, wie man es von Argento gewohnt ist. Harte Bilder umgeht der spätere Meister des Giallos ebenso wenig, im Vergleich sind sie nur etwas rar auf das Gesamtwerk verteilt. Dank guter Schauspieler meint man gar echten Morden beizuwohnen, so glaubwürdig sind sie inszenatorisch und darstellerisch umgesetzt. Glücklicher Weise wurde an Goreeffekten in solchen Momenten gespart, sonst wäre sie weg gewesen, diese Glaubwürdigkeit.

Die deutsche Synchronfassung ist leicht belustigend umgesetzt, veralbert das Gezeigte jedoch nicht, sondern erweitert das düstere Original Argentos mit Respekt mittels ironischen Spitzen. Professionelle Sprecher sorgen für einen weiteren Grund des hoch eingehaltenen Niveaus. Da seinerzeit ordentlich am Film herumgedoktort wurde sind viele Sequenzen in der von mir gesichteten Langfassung nur untertitelt zu erleben, und diese zeigen mal wieder wie wenig Ahnung die Verantwortlichen der damaligen Beschneidung von der psychologischen Wirkung eines Stoffes hatten. Objektiv betrachtet wirken die entfernten Szenen unnötig, aber sie sind wichtig für das richtige Feeling. Sie unterstützen die Glaubwürdigkeit von Situationen und geben Informationen über Charaktereigenschaften an den Zuschauer weiter. Der Deutschton der wieder einsetzenden Szenen der Kinofassung versucht zwar vieles davon wieder zusammenzufassen, aber es geht in solchen Momenten eben nicht rein um den aufgesagten Text.

Stimmig inszeniert und untermalt von einer nicht wirklich im Gedächtnis bleibenden Musik Morricones, aber immerhin einer die Atmosphäre unterstützenden Komposition, weiß Argento die mit heutigem Wissen etwas lächerliche Geschichte um das böse zweite Y-Chromosom aufzufangen, so dass „Il gatto a nove code“ (Originaltitel) nie zur unfreiwillig komischen Lachnummer verkommt. So überzeugend dicht ausgefallen wie der Vorgänger ist Argentos zweiter Thriller nicht, aber er weiß über seine komplette Laufzeit zu unterhalten und zu interessieren, für den Zwischendurchverzehr ist das durchaus okay, zumal mit Karl Malden ein zwar nicht immer glaubwürdig spielender, aber doch recht sympathischer Schauspieler in einer der großen Rolle besetzt wurde.  OFDb

26.12.2012

DAS GEHEIMNIS DER SCHWARZEN HANDSCHUHE (1970)

Der amerikanische Schriftsteller Dalmas wird Zeuge wie eine dunkle Gestalt in einer Kunstgalerie eine junge Frau ersticht. Die Polizei teilt ihm mit, dass dies nicht der einzige Mord der letzten Zeit war und vermutet u.a. zunächst ihn als Serientäter. Dalmas macht sich selbst auf die Suche. Er weiß, dass an der Beobachtung des Mordes irgend etwas ungewöhnlich war. Aber was war das nur?...

Im Zeichen der Geometrie...
 
Hut ab! Die erste Regiearbeit des später hochgeachteten italienischen Meisters des Horrorgenres kann sich sehen lassen. Wie die meisten späteren Werke, so ist auch sein erster Film ein Giallo geworden. Ein Wort, das eigentlich nur für einen hart inszenierten Kriminalfilm steht, der sich mit Mördern beschäftigt. Die 1959 gestartete Edgar Wallace-Reihe wurde in den 70ern mit italienischer Beteiligung immer häufiger in diese inszenatorische Richtung geschuppst, und so wundert es nicht, dass auch eine Buchverfilmung nach Bryan Edgar Wallace folgte, wo doch stets mit dessen Name versucht wurde Erfolge des Herrn Papa zu wiederholen.

Die angebliche Bryan Edgar Wallace-Verfilmung war mit Argento als Regiewahl in besten Händen. Auch die Schauspieler waren nicht aus der untersten Schublade herausgewühlt. Und um dem ganzen noch eins drauf zu setzen engagierte man Ennio Morricone für die musikalische Untermalung, ein Garantietipp so kurz nach seinem legendären Soundtrack zu „Spiel mir das Lied vom Tod“.

All der Aufwand hat sich gelohnt, Argento ist ein atmosphärisch dichter Film gelungen, der in seiner Bösartigkeit immer wieder zwischen den Genres Krimi und Horror hin und her springt. Der Geschichte folgt man gebannt. Diese ist zwar eher schlichter Natur, ist aber rätselhaft verpackt, mit interessanten Figuren versehen und spannend umgesetzt.

Hin und wieder wird die dichte Atmosphäre unterbrochen, beispielsweise in der längeren Szene, in welcher der Schriftsteller einen Zeichner aufsucht. Völlig unnötig bekommt diese Sequenz sogar einen humoristischen Unterton. Leider passt das so gar nicht zum restlichen Film, soll aber in einer ersten Regiearbeit verziehen sein, erst recht wenn der Rest so professionell umgesetzt wurde, wie es in „Das Geheimnis der schwarzen Handschuhe“ nun einmal geschehen ist.

Von solchen Ausrutschern einmal abgesehen (ein weiterer wäre z.B. das Integrieren eines Auftragskillers in die Geschichte) weiß die Art der Erzählung ansonsten zu gefallen. Argento schafft die Gradwanderung zwischen Charakteraufbau- und vertiefung und flottem Erzähltempo. Betretene Pfade werden durch neue Erkenntnisse in der Ermittlung schnell wieder verlassen. So ist es positiv zu sehen, dass der Hauptdarsteller nicht den ganzen Film über für die Polizei verdächtig bleibt, mehr noch, der Kommissar vertraut dem Zeugen immer mehr. Beide scheinen am Beginn einer echten Männerfreundschaft zu stehen, in der Art und Weise wie sie miteinander umgehen.

Zudem punktet Argentos Umsetzung mit dem Beachten kleiner Details. Da wäre zum einen der Grund zu nennen, nach dem Dalmas so lange sucht. Was war ungewöhnlich an der Mordbeobachtung? Aber auch andere psychologische Kniffe wissen zu gefallen, wie beispielsweise die Idee, dass der Schriftsteller in Begleitung einer jungen Frau ist. Um diese macht man sich schon lange Sorgen, noch bevor der Täter am Telefon androht ihr etwas anzutun.

Morricones Musik weiß Argentos Arbeit hervorragend zu unterstützen. Ähnlich experimentell wie in seinem Soundtrack zu „Zwei glorreiche Halunken“ überrascht er mit allerlei ungewohnten Melodien, die teilweise sogar an spätere Werke von Goblin erinnern, einer Band mit der Argento später viel zusammenarbeiten sollte. Morricone bietet ruhige Musik, lässt diese ins psychotische herübergleiten mit einer dem Gebiet des Kinder-Schlafliedes entliehenen, flüsternden Stimme, die statt eines Textes nur den Lückenfüller Lalala singen darf. In den schnelleren Szenen ist es auch musikalisch mit der Ruhe vorbei, und der Komponist fährt alles auf, was er benötigt um den Zuschauer zu verwirren oder gar zu verstören, auf jeden Fall aber um ihn zu packen und das Spannungspotential Argentos Bilder zu unterstützen.

Und diese sind, wie man es später von diesem Herren auf dem Regiestuhl auch gewohnt sein sollte, hervorragender Natur. Argento beweist sich als echter Künstler, noch nicht so farbenfroh wie in späteren Werken (Höhepunkt in diesem Gebiet dürfte „Suspiria“ gewesen sein), aber in anderer Richtung interessant. So spielt er z.B. in einigen Szenen mit Licht und Dunkelheit, z.B. wenn er einem weißen Treppenhaus im oberen Stockwerk das Licht nimmt, und der obere Bildschirmteil damit stockdüster und bedrohlich wirkt, eben weil das Schwarz das Weiß so schnell verschluckt.

Ebenso gibt es eine hervorragende Aufnahme, in der ein dunkler Raum ein im weiß strahlendes Viereck beschert bekommt, durch das Öffnen einer Tür im unbeleuchteten Raum. In dieser Sequenz erleben wir auch am allerdeutlichsten Argentos Beachtung des Bereiches der Geometrie, ein Schwerpunkt seiner künstlerischen Herangehensweise in „Das Geheimnis der schwarzen Handschuhe“.

Wandmuster versucht er meist komplett einzufangen, Tapeten- und Bodenmuster ebenso. Große Gegenstände versucht er möglichst komplett ins Bild zu bekommen. Gelingt ihm dies nicht, so lässt er die Kamera vom Gegenstand festgelegten Linien entlang gleiten, z.B. bei Außenaufnahmen mit Häusern. Situationsbedingt geschieht dies auch mit Linien leichter einzufangender Gegenstände in ihrer Gesamtheit, z.B. wenn die Kamera einer wandernden Person folgen muss. Interessant ist bei dieser Herangehensweise die Position der Kamera, die häufig solche Aufnahmen bewusst zweidimensional versucht einzufangen, damit das Gesehene in seiner Form schlichter, geometrisch simpler, wirkt.

Auffällig ist dies z.B. in der Schluss-Szene, in der die Kamera ein startendes Flugzeug begleitet, dabei aber immer sehr seitlich bleibt, so dass man den Flieger tatsächlich nur zweidimensional, wie von einer Schablone gezeichnet, begleiten kann. Selbst in der Szene, in welcher Dalmas den Mord beobachtet, wirkt etwas zweidimensional. Vielleicht ist hier der Begriff auch zu übertrieben, aber zumindest wirkt die Beobachtung des Schriftstellers wie der Blick auf ein Theaterstück, dessen Perspektive man nicht einfach ändern kann.

Neben den oben erwähnten Brüchen in der sonst so dichten Atmosphäre, kann man höchstens noch ein wenig enttäuscht über die Auflösung sein. Die Täteraufdeckung selber geht in Ordnung, wird in späteren Argento-Filmen auch noch einige Male wiederholt werden. Unangenehm ist jedoch die angehangene psychologische Erklärung, die damit an die einzige Schwäche von Hitchcocks „Psycho“ erinnert.

Ob das aus der Sicht eines professionellen Arztes nun Sinn macht oder nicht, sei einmal dahingestellt. Ich frage mich nur, warum diese Erklärung so unsauber in die Erzählung eingeführt werden musste. Hätte man das nicht im Fluss der Geschichte irgendwie integrieren können? So wirkt die Szene nicht wie ein Teil der Story, sondern viel mehr wie ein Nachwort, um dem ganzen nun noch einen Sinn zu bescheren und damit auch manchen Kleinigkeiten in der Geschichte selbst (dem gekauften Bild z.B.).

Was wiederum positiv an der Auflösung ist, ist das Spiel mit dem Zuschauer und der Polizeiarbeit. Argento zeigt uns, dass erkannte Muster immer nur Theorien sind, die uns schnell den Stinkefinger des Irrtums zeigen können. Ähnlich wie Verschwörungstheorien scheinen sie in der Beweislage Sinn zu ergeben und erweisen sich dann doch nur als dumme Zufälle aus einer Perspektive von Halbwissen. Im Finale wird der Zuschauer trickreich an der Nase herumgeführt, und der weiß es der Regie zu danken, so wie allen anderen Beteiligten, die scheinbar mit wirklich viel Interesse an „Das Geheimnis der schwarzen Handschuhe“ beteiligt waren.  OFDb

16.12.2012

DAS GEHEIMNIS DER SCHWARZEN KOFFER (1961)

Gepackte Koffer sind in London in letzter Zeit ein Zeichen dafür, dass man bald tot ist. Wer seine Koffer reisefertig vorfindet, wird kurz darauf durch einen Messerwurf ins Herz ins Jenseits befördert. Die Beamten des Scotland Yard sind ratlos. Es dauert lange bis die Ermittler herausfinden, dass die Morde etwas mit dem Handel der Droge Meskalin zu tun haben. Die Spur führt bis nach New York...

Am besten mit Rucksack reisen...
 
Der Aufhänger mit den gepackten Koffern mag recht konstruiert klingen, er ist es ja auch. Aber dieser Ausgangspunkt führt in eine Kriminalstory, deren Hintergrund geheimnisvoll, ja geradezu mysteriös ist. Und so hätte man einen wirklich atmosphärischen Genrebeitrag drehen können, wenn das ganze nicht so arg im Fahrwasser der noch jungen Edgar Wallace-Reihe mitschwimmen würde.

Der Film basiert auf einem Roman von Wallace-Sohn Bryan Edgar Wallace, scheinbar jedoch recht lose, denn darauf deutet bereits die Formulierung im deutschen Vorspann hin. 1959 startete in Deutschland die (Grusel)-Kriminalreihe von Papa Wallace, die meisten Imitate wurden 1964 gedreht. Eben wegen des recht frühen Erscheinens von „Das Geheimnis der schwarzen Koffer“ hatte ich mir ein wenig mehr von diesem Streifen erhofft. Leider ist er ein eher schwacher Beitrag einer Welle trivialer in Deutschland gedrehter Kriminalfilme, die in London spielen und die ich mir all zu gerne angucke.

Die Story ist trotz ihres konstruierten Aufhängers, wie erwähnt, interessant. Und auch die Locations sind gut gewählt, auch wenn ihr Übergang nicht immer glaubhaft bleibt (was für Örtlichkeiten beispielsweise direkt an einen Wald grenzen sollen, sollte jeder mal selbst für sich entdeckt haben). Die Schwächen des Filmes beginnen bereits mit der Besetzung. Dem Kommissar fehlt die individuelle Note. Optisch macht er nichts her, charakterlich fällt er lediglich durch seine plumpen Annäherungsversuche auf, die dem allgemein schon damals billigen Stil in diesem Bereich noch eins drauf setzen.

Als Eddi Arent-Ersatz dient Chris Howland, der dem Komiker nicht das Wasser reichen kann, weder gut spielt noch schöne Gags in den Mund gelegt bekommt. Jahrzehnte später sollte er in der Hape Kerkeling-Show „Total Normal“ einen wesentlich lustigeren Auftritt bekommen. Senta Berger ist einer der wenigen Lichtblicke in der Besetzung. Sie und der Arzt, für den ihre Rolle arbeitet, sind die kleinen Trümpfe, auch wenn die Rolle des Arztes mit der Zeit arg überzogen wird.

Auch die Regie hat mir nicht wirklich zugesagt. Zwar wird hier nicht gestümpert wie beispielsweise im kürzlich von mir besprochenen „Das Wirtshaus von Dartmoor“, aber Werner Klingler, der immerhin als Folgewerk Fritz Langs „Das Testament des Dr. Mabuse“ neu verfilmen durfte, verpasst zu viele Chancen des Spannungsaufbaus. So gibt es beispielsweise eine tolle Szene, in der man einen dicken Mann dabei beobachten darf, wie er Richtung Hafen flieht, nachdem er auf gepackte Koffer stieß. Sein Weg führt ihn durch ein finsteres und vernebeltes Stück Natur. Der Verfolger kann jederzeit irgendwo auftauchen. Nicht nur hinter den Bäumen, auch jedes heranfahrende Auto scheint verdächtig, inklusive des Taxis in welches er schlussendlich einsteigt.

Zum einen wird diese Szene durch völlig falsches Timing zerstört. Der Mann springt hinter Bäume, um sich zu verstecken, wartet mit einer solchen Aktion jedoch 10 Sekunden, bevor das Auto an der Kamera vorbei braust. So hätte ihn selbst ein Blinder noch gesehen. Damit verfliegt die Angst des Verfolgten. Sie überträgt sich nicht auf den Zuschauer, im Gegenteil, der Sprung hinter die Bäume wirkt wie ein albernes Affentheater, welches der theoretisch spannenden Sequenz jede Chance auf Nervenkitzel raubt. Unterstützt wird dieses Affentheater von einer Musik, die für einen Grusel-Krimi viel zu fröhlich daher kommt. Das ist sicherlich typisch für Filme seiner Zeit, aber die Musik der Papa Wallace-Filme war meist im Vorspann und in rasanten Szenen derart gewählt. Mysteriöse Szenen erfuhren meist eine spannendere Melodie.

Die Musik von „Das Geheimnis der schwarzen Koffer“ versagt nicht nur in dieser Szene, allgemein will sie nicht zur erzählten Geschichte passen. In der von mir beschriebenen Sequenz fiel ihr Scheitern jedoch besonders deutlich auf. Selbstverständlich ist auch der Titel recht blödsinnig, wenn auch nicht ganz so arg wie der ähnlich angelegte 9 Jahre spätere in Dario Argentos Regie-Debüt „Das Geheimnis der schwarzen Handschuhe“ (auch angeblich nach Bryan Edgar Wallace). Passender wäre für den hier besprochenen Streifen eher der Titel „Das Geheimnis der gepackten Koffer“ gewesen, allein schon deshalb weil die im Film gezeigten ledernen Reisebegleiter meist bräunlich sind. Aber selbst dies hätte nur bedingt gepasst, da sich die Ermittlungen verständlicher Weise viel mehr auf die Mordart konzentriert.

Scotland Yard verfolgt nämlich einen Mörder, der es schafft aus den unglaublichsten Entfernungen seinen Opfern ein Messer durch einen exakten Wurf ins Herz zu jagen. Sich selbst übertrumpfen tut der Unbekannte in jener Szene, in der er dies selbst bei einem Kabrio fahrenden Todeskandidaten schafft. Zwar ermittelt man dementsprechend in Artisten-Kreisen, zum Ende des Filmes bekommt man jedoch keine befriedigende Antwort auf das Talent des Missetäters. Immerhin begeht das Drehbuch nicht den Fehler eine derart perfekte Trefferquote als selbstverständlich hinzustellen. Bei dem Nonsens, der einem in der Regel bei dieser Art Film erzählt wird, hätte eine solche Idiotie nicht verwundert. Letztendlich stürzt der Film nur deshalb nicht ins Bodenlose herab, weil er immer gerade so routiniert erzählt ist, dass er gerade eben noch funktioniert. Auch hier kann man wieder auf die Kommissaren-Rolle verweisen. Zwar ist der Ermittler arg gesichtslos, aber man fiebert mit ihm mit. Zwar sind seine Annäherungsversuche plump, aber man hofft dass er Erfolgt hat.

Auch der Kriminalfall selbst ist recht interessant gehalten. Es gibt zwar nicht genug Tatverdächtige um ein spannendes Mörderraten mitzuspielen, aber die Hintergründe der ganzen Aktionen möchte man als Zuschauer dann doch erfahren. Zudem ist es ein Kniff für einen Film seiner Art zu dieser Zeit, dass ein Kriminalfall über die Grenzen Englands hinaus ragt. Das gab es einmal in „Wartezimmer zum Jenseits“, dort spielte der Hauptteil in Italien. In „Das Geheimnis der schwarzen Koffer“ reicht die Spur bis nach Amerika, auch wenn das Land der begrenzten Unmöglichkeiten nur einen Gast-Spielort absolvieren darf. Ganz hartnäckige Fans des Genres Grusel-Krimi können einen Blick riskieren. Wirklich zu empfehlen ist dieser frühe Aufsprung auf eine lukrative Geldquelle im deutschen Kino jedoch nicht. Aber spätestens in die 70er Jahre hinein hat dieses Filmgenre wesentlich schlechtere Tage erlebt.  OFDb

25.11.2012

DAS UNGEHEUER VON LONDON CITY (1964)

In London wird ein Theaterstück über Jack The Ripper aufgeführt. Währenddessen mordet auf den Straßen ein Nachahmungstäter...

Laientheater in einem Film über Theater...
 
Brian Edgar Wallace schrieb Vorlage und Drehbuch, Martin Böttcher lieferte die Musik und Regisseur Zbonek drehte zuvor „Der Henker von London“, ebenfalls ein Krimi nach Brian Edgar Wallace. Die Filme seines Vaters Edgar Wallace waren stets unterhaltsamer, im Vergleich zu „Das Ungeheuer von London City“ auch professioneller umgesetzt. Nebelschwaden, die nicht so recht wollen wie die Regie, beschleunigte Bilder, die an die „Klamottenkiste“ erinnern, und der wichtigste Fakt, welcher der Geschichte sein Potential raubt ist die laienhafte Schauspielerei.

Die Produkte der damals betitelten harten Welle waren sicherlich alles keine großen Werke, wenn es um das schauspielerische Können ging, und doch sind der Großteil der damaligen Produktionen nett anzuschauen, halt einfach ein Stück Trivialunterhaltung für zwischendurch. Die Darstellerleistung in „Das Ungeheuer von London City“ ist erbärmlich, Laientheater, was durch sein Spiel innerhalb der Geschichte mit Theater und Realität noch primitiver wirkt als ohnehin schon, unterscheiden sich beide Erzählebenen doch nur bedingt voneinander. Will Zbonek Theater zeigen, lässt er alles noch eine Spur plumper wirken, ein fataler Fehler, wenn man sich die mangelnde Qualität des Restfilms ansieht.

Ohnehin macht das absichtliche Reduzieren zur Trennung Theater und Realität wenig Sinn, soll das Stück über Jack The Ripper doch für professionelles Theater stehen und nicht für Laienschund für die Masse. Vielleicht erklärt sich diese Entscheidung in der teilweise witzig gewollten Umsetzung, doch „Das Ungeheuer von London City“ soll keine Komödie sein, er soll wie ein typischer 60er Jahre Wallace sein, und die wurden halt immer mit etwas Humor aufgelockert. Das unangenehmste Schauspiel neben besagter Theaterszenen findet dann auch immer in den humorvollen Momenten statt, da man hier arg klamaukig vorging und die mangelnde Qualität nun komplett zum Vorschein kommt.

Doch auch in den besseren Szenen weiß das Werk nicht wirklich zu überzeugen. Was gemeint ist erfährt der erfahrene Zuschauer meist über den Vergleich anderer Filme seiner Zeit. Als Beispiel sei nur einmal die Dienerrolle des unter Verdacht stehenden Schauspielers genannt, die nur auf den Film gesehen eine unklare Wirkung hinterlässt, über die vielen Dienerrollen anderer Vater und Sohn Wallace-Filme dann aber seinen Sinn erhält. Die Mörderauflösung überrascht nicht, zur Wahl standen ohnehin nur wenig Figuren, und einer der interessantesten Verdächtigen wird 20 Minuten zuvor leider bereits als nicht mehr verdächtig entlarvt. Schade!

Nichtsdestotrotz kann der Film mit geringer Erwartungen immerhin dem hartgesottenen Fan des Grusel-Krimis unterhalten. Die Story ist trashig aber nett, die Musik stimmig, manchmal aber auch unfreiwillig komisch, wenn die vibrierende Orgel zu stark zum Einsatz kommt. Die Locations sind manchmal gut gewählt, Innenaufnahmen sehen jedoch zu stark nach Kulisse aus, besser als in den Theaterstückmomenten, aber gerade wegen dieser auch wieder zu offensichtlich Bühne. Die Morde werden wie für seine Zeit typisch zurückhaltend gezeigt. Einmal darf man eine blutige Hand sichten, ansonsten verbirgt irgendetwas die Sicht. Immerhin finden die Morde stets vor Augen des Zuschauers statt, das ist ja auch schon mal etwas. Zurückhaltend und doch für seine Zeit provozierend, gibt es auch etwas nackte Haut zu sichten. Die harte Welle sollte halt Kino für die ganz Großen werden.

Das in Deutschland seit je her aktuelle Thema der Zensur bekommt einiges an Screentime. Dabei ist schwer herauszusehen, welchen Standpunkt Zbonek vertritt. Das ist auch eigentlich nicht wichtig, letztendlich zeigt man uns verschiedene Positionen zu dem Thema, und aufgrund seiner trivialen Umsetzung wäre es auch verkehrt, in ein solch wichtiges Gebiet bei einem Film wie diesem zuviel hinein zu interpretieren. Letztendlich wird das Thema zu reißerisch angegangen, als dass hier eine echte Aussage getätigt werden wollte. Dennoch ist es interessant zu sichten, dass in solch früher Massenware dieses Thema Gehör findet. „Das Ungeheuer von London City“ ist billig und auf die Schnelle umgesetzt. Wer dieser Meinung bereits bei den klassischen 60er Jahre Wallace-Filmen vertrat, wird das hier Gezeigte als ungenießbar empfinden. Große Stars weiß der Streifen nicht zu präsentieren, aber man kennt das ein oder andere Gesicht, dem man schauspielerisch mehr zugetraut hat. Wahrscheinlich zu recht. Dieser Kriminalfilm hinterlässt den Eindruck, dass die Schuld eher dem Regisseur zuzuordnen ist.  OFDb

23.11.2012

DAS PHANTOM VON SOHO (1964)

In London geht ein Mörder um, der stets in der Nähe der Sansibar in Soho zuschlägt, einem Etablissement für einsame Herren. Die Opfer werden erstochen und nach der Tat steckt das Phantom von Soho, wie die Presse den unbekannten Killer nennt, den Ermordeten einen Briefumschlag mit Geld zu. Chefinspektor Patton geht gemeinsam mit einem Gehilfen und dem Chef von Scottland Yard persönlich der Mordserie auf den Grund. Auch eine Kriminalautorin versucht sich an der Aufdeckung des unbekannten Straftäters. Die Polizei findet heraus, dass die Opfer etwas verband, etwas das mit einem untergegangenem Schiff zusammenhängt...

Erst Oper, später Paradies, mittendrin Londons Reeperbahn...
 
In den 60er Jahren war in Deutschland die harte Welle eine der wenigen Alternativen zur grausamen Fröhlichkeit anderer Kinoproduktionen unseres Landes. Neben den Mabuse-Filmen und jenen nach Edgar Wallace machten auch die Verfilmungen nach den Büchern dessen Sohnes Bryan Edgar Wallace scheinbar gut Kohle.

1964, in einer Zeit in der die Wallace-Filme mittlerweile so eingeleitet wurden, wie es heute Kult ist, nämlich mit Wallace’s Stimme aus der tropfenden Totengruft, leitete man auch diesen Film von Sohnemann Bryan ähnlich ein. Nur dass dieser persönlich abgefilmt werden konnte, während eine grimmige Stimme seinen Namen erwähnt.

Die selbe Wirkung hat das nicht, aber der trashige Versuch auf einen Erfolg aufzuspringen, innerhalb eines Bereiches, wo man auf einen Erfolg aufspringt, hat unfreiwillig komischen Charme und erinnert ein wenig an die Geschäftspolitik von Sat 1, die jeden Erfolg anderer Sender nachäfft.

„Das Phantom von Soho“ hat dann auch bei näherer Betrachtung kaum eigene Ideen. Aber inmitten trivialster Krimikost, die ohnehin nicht so ernst gemeint ist, ist das auch nicht weiter wild. Zwar kann aus dieser Saat kein Glanzstück wie „Das indische Tuch“ oder „Das Gasthaus an der Themse“ werden, aber immerhin netter Durchschnitt für den Nimmersatten dieser Genregattung. Und genau das ist dieser Beitrag von Franz Josef Gottlieb auch geworden.

Mit „Der Fluch der gelben Schlange“ drehte Gottlieb zuvor einen Kriminalfilm nach Vater Wallace, in einer Besetzung wie sie für dessen Filme in den 60er Jahren geradezu typisch war, jedoch für eine Konkurrenzfirma. Ein solches Imitat wurde für die Zukunft unterbunden, in dem Dauerstars wie Fuchsberger und Arent unterschreiben mussten nur noch in der Hausfirma bei Wallace-Filmen mitzuspielen.

Auch Gottlieb wechselte daraufhin dort hin und drehte für die klassische Wallace-Reihe, die mit „Der Frosch mit der Maske“ begann. Doch sein Beitrag „Der schwarze Abt“ war schlicht und damit weit entfernt von der dichten Erzählung seines „Der Fluch der gelben Schlange“. Mehr noch, in der Zeit bevor sich Briten und Italiener in die Wallace-Produktion einmischten, war „Der schwarze Abt“ gar eine der schwächsten Umsetzungen.

Ähnlich mittelmäßig, aber wenigstens atmosphärischer umgesetzt, geht es nun in diesem Bryan Edgar Wallace-Streifen zu. Die Musik lieferte Martin Böttcher, der sich hier stark an seinen Ohrwurm aus dem zwei Jahre zuvor gedrehten „Das Gasthaus an der Themse“ orientiert, leider ohne den Charme des Liedes dort zu erreichen (Mittelmaß, wie der komplette „Das Phantom von Soho“). Auch dass zu seiner Melodie gesungen wird, erinnert an den Themse-Film, doch auch hier schaut die Kopie blasser aus, allein weil der Text des Songs hier arg plump, ja sogar leicht lächerlich wirkt.

Zum Glück ist immerhin die Restinszenierung nicht ähnlich lächerlich, sie ist nur ein wenig zu gewöhnlich und überraschungsarm ausgefallen. Unterhaltsam ist das ganze dennoch, sind doch die Schauspieler mit Spaß an der Sache dabei, wirken auch nicht so untalentiert wie in dem im gleichen Jahr entstandenen Bryan Edgar Wallace-Krimi „Das Ungeheuer von London-City“. Ihre Charaktere erinnern stark an das typische Konzept der Filme seiner Zeit, etwas negativ fällt lediglich der lustige Part auf, ein Eddi Arent-Ersatz mit bierernstem Aussehen und der nicht immer richtigen Betonung beim Sprechen, aufgrund seiner Nebensächlichkeit aber auch kein echtes Manko.

Etwas negativer fällt da schon die mangelnde Anzahl an Verdächtigen auf. Die meisten zwielichtigen Figuren stehen auf der Liste des Phantoms, lediglich vier Personen sind verdächtig, zwei davon von der Liste. Diese Zwei sind im letzten Drittel zu offensichtlich Opfer statt Täter, bleiben nur noch zwei, von denen einer aufgrund seiner Position in der Geschichte viel zu unwahrscheinlich wäre, so dass die Mörderauflösung am Schluss zwar einen passablen Hintergrund liefert, die Person selbst jedoch bereits zu erwarten war. Spätestens wenn der starke Kapitän stirbt, ohne sich zu wehren, ist klar was Sache ist.

Dank atmosphärischer Locations, für seine Zeit harte Mordszenen, gut aufgelegter Stars und einem engen Festhalten an die gewohnten Regeln des Genres Grusel-Krimi, weiß „Das Phantom von Soho“ als eine Art Light-Version der bekannteren Wallace-Filme zu gefallen, zumindest dem Stammpublikum dieser Filme.

Franz Josef Gottlieb lieferte uns im selben Jahr noch den Wallace-Film „Die Gruft mit dem Rätselschloss“ und den Bryan Edgar Wallace-Film „Das siebente Opfer“, bevor er sich von diesem Subgenre entfernte. Eigentlich schade, denn auch wenn keiner seiner Streifen ein Meisterwerk geworden ist, so ist doch meist immerhin sympathischer Durchschnitt entstanden.  OFDb

14.10.2012

DAS SIEBENTE OPFER (1964)

Auf einem Schloss wird die dort ansässige Adelsfamilie, die ohnehin nur noch wenig Nachkommen hat, nach und nach von wem Unbekanntes umgebracht. Zeitgleich versuchen mehrere zwielichtige Individuen das dem Lord gehörende Pferd Satan zu schwächen. Es gilt als ungeschlagener Favorit im nächsten Rennen und viele sähen gern sein Scheitern...

Wenn ein Pfarrer Satan ruft...
 
Warum der Film „Das siebente Opfer“ heißt erfährt man erst in der letzten Szene als eine Art Schlusspointe. Irgendwie klamaukig, irgendwie grotesk, trotzdem leider unpassend und unwitzig. Aber was soll’s, der Film ist nun ohnehin vorbei, und das was man zuvor sichten durfte hat Spaß gemacht.

Was man sah ergab nicht alles Sinn, und vieles davon wirkte arg konstruiert, aber es war kurzweiliger, nicht all zu ernst gemeinter, Krimi-Nonsens aus der Trivial-Ecke, und allein die Bezeichnung Kurzweile trennt dieses Werk von den bisher von mir gesehenen Werken nach Bryan Edgar Wallace.

Die Verfilmungen seiner Romane erlangten nie das selbe Niveau wie die kultigen Werke nach Edgar Wallace. Mit „Das siebente Opfer“ habe ich den ersten gelungenen Beitrag gesehen. Auch dieser ist nun kein echter Geheimtipp, aber wer solch antike Krimi-Kost gerne konsumiert, sollte diesem unbekannten Stück Film ruhig einmal eine Chance geben.

Wie man es von den beiden Wallace gewohnt ist schwirren allerhand zwielichtige Personen durch die Handlung. Diese werden erst gar nicht versucht realistisch zu halten, dafür dürfen sie von Anfang an viel zu augenzwinkernd gemeinte Kommentare ablassen, sich in jeglichem Krimi- und Sozial-Klischee suhlen, schlichtweg wirken sie dafür einfach viel zu comichaft. Allein dass der Pfarrer während des gegen Ende stattfindenden Pferderennens „Satan! Satan!“ ruft, spricht schon für die augenzwinkernde Erzählweise dieses etwas trashigen Streifens.

Aber das geht schon in Ordnung. Die Figuren bringen Schwung in die Bude, worum es wirklich gehen soll wird nicht so schnell klar, und mit diesen zwei Trümpfen ist der Zuschauer nun auch beschäftigt und unterhalten genug, um über kleine Mängel hinwegzusehen. Einzig die Kommissaren-Rolle wirkt eingangs zu dick aufgetragen, pöbelt dieser doch in Überheblichkeit alles und jeden an, der ihm in den Weg kommt. Mit der Zeit schafft er es jedoch, dass seine Figur einen schrulligen Touch bekommt, so das die anfangs fehlende Sympathie nachrückt.

So mancher Spruch wäre des Zitates wert, ein Tag später und ich konnte mich schon an keinen mehr konkret erinnern. Worum es in dem Kriminalstück geht ist ein wenig wirr umgesetzt, eigentlich auch Nebensache, man lauscht belustigt den Dialogen und schaut, was die Schar bunter Figuren wohl als nächstes treibt. Trude Herr bleibt in ihrer recht kleinen Rolle eher unbedeutend. Als großer Trumpf erweist sich hingegen der Schauspieler in der Rolle des Hausdieners, dessen Namen ich leider nicht kenne. Er dürfte die beste Rolle erwischt haben und füllt diese mit seinen verschlagenen und verschmitzten Blicken mit Leben.

Für viele ist „Das 7. Opfer“ sicherlich unbedeutende und zurecht vergessene Krimi-Kost, für andere ein untergegangenes Stück deutsches Film-Juwel. Irgendwo dazwischen liegt die Wahrheit. Eine kleine Empfehlung für Freunde des Genres ist dieser Schwarz/weiß-Film definitiv.  OFDb