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13.10.2017

DIE NACHT DER OFFENEN SÄRGE (1971)

Als Fan des Horror-Genres kommt man an Jess Franco nicht vorbei, auch wenn der Großteil seine Werke weder mag noch versteht. Der gute Mann ist nicht nur als Vielfilmer und Schundfilmer berüchtigt, sondern auch dafür zu improvisieren und dementsprechend ungewöhnliche Wege zu gehen. Und auch wenn sich einige Werke sehr ähneln, so kann es doch sehr interessant sein sich mit dem gerne in Deutschland und Frankreich drehenden Filmemacher zu beschäftigen, der zur Entstehung von „Die Nacht der offenen Särge“ bereits auf 15 Jahre Regieerfahrung zurückblicken konnte.

Die Idee diverse klassische Monster der Horrorliteratur und des Horrorfilms in einem Werk zu vereinen war schon damals nicht neu zu nennen, dies versuchte man bei Universal bereits in den 40er Jahren. Jüngere Werke wie „Van Helsing“ und „Die Mumie“ mit Tom Cruise zeigen jedoch, dass das Interesse diesbezüglich noch immer vorhanden ist. Franco interessiert sich dabei wenig für die tiefer gehenden Elemente der Stoffe, als viel mehr für die äußeren Schauwerte und versucht mit simpelsten Mitteln eine klassische Schauergeschichte über besagte Monster im Banne eines irren Wissenschaftlers zu kreieren.

Francos Talent ist arg beschränkt. Was er in den ersten vielen Minuten seines Werkes wortlos zusammenzimmert ist durchaus interessant zu nennen, scheitert aber eigentlich an dem Mangel wahren Talents, beeindruckt aber durch das konsequente Durchziehen es trotzdem versuchen zu wollen. Wirklich atmosphärisch sind sie nicht, die Bilder die der gute Mann mit der Kamera einfängt und aneinander schneidet. Mit recht simplen Tricks versucht er per Schnitt eine Bildsprache herzustellen, Ereignisse zu simulieren, die man aus vergleichbaren Stoffen kennt. Dabei lebt „Vampir Kill“ (Alternativtitel) mehr von dem Verstehen was Franco vorschwebte, als vom tatsächlichen Einfangen dieses Ergebnisses.

Und auch wenn man versteht, dass kein professionelleres Ergebnis anvisiert wurde, sondern der beschrittene Wege eben prinzipiell das sein soll was Franco mit „Drácula contra Frankenstein“ (Originaltitel) vorschwebte, und auch wenn ich nicht ohne Sympathie zu dieser Methode und Franco im allgemeinen (mittlerweile) stehe, so macht dies aus „Die Nacht der offenen Särge“ doch noch lange keinen interessanten Genrebeitrag auf seine komplette Filmlänge hin gesehen, ganz zu schweigen von der Ermangelung eines wahren Unterhaltungswertes.

Wortkarg bleibt der Film auch in seinen weiteren Phasen, leider jedoch nicht wenn das weltherrschaftssüchtige Wissenschaftsgenie über seine Pläne seniert, die dem naiven Stoff endgültig einen albernen Stempel aufdrücken und innerhalb dieser Schundkunst keine Frage mehr darüber offen lässt, ob der Weg den der Film beschreitet nun trivialer Natur ist oder tiefer geht. Es ist schön und gut, dass Franco daraus kein großes Geheimnis macht und offen zu dem steht, was er da treibt, aber da das Erzählte nie über die Schurken- und Monsterperspektive hinaus geht, schaut sich der Stoff noch schwerer zugänglich und anstrengender als ohnehin schon, fehlt es doch an Sympathiefiguren, an menschlichen Helden, an einer Identifikationsfigur.

„Screaming Dead“ (Alternativtitel) wird damit ein zu sperriges, theoretisches Werk in Kombination mit dem Experiment welches Franco vorschwebte und schließt damit selbst den interessierten Zuschauer aus. Anfängliche Neugierde verschwindet, und so nach und nach macht sich Desinteresse über etwas breit, das theoretisch gesehen eigentlich reizvoll erschien. Für mich war Kino immer auch ein Stück Unterhaltung, egal wie schwer ein Stoff beschaffen ist. Und wenn dieser Apekt zu kurz kommt, fehlt mir etwas.

Das mag ein Cineast mit Hang zum Experimentalfilm anders sehen, ein solcher wird sicherlich eher einen Zugang zu diesem absichtlich (da kaum anders könnend) stümperhaften Stück Bilderpuzzle stehen, in dessen längeren klassisch gespielten Sequenzen nicht gerade passend besetzte, oder sonderlich talentiert zu nennende Mimen durchs Bild stolpern. Mir jedoch, dem immer auch ein Stück Unterhaltungswert wichtig war um laufenden Bildern auf Spielfilmlänge etwas abgewinnen zu können, war das auf Dauer zu wenig. Theoretisch würde ich „Dracula Prisoner of Frankenstein“ (Alternativtitel) gerne mögen, und frei von Sympathie bin ich auch dem Endergebnis nicht zugeneigt - in Francos reichhaltigem, langjährigem Treiben gibt es wahrlich genügend Filme, die wesentlich schlechter ausgefallen sind - von einem zufriedenstellenden Ergebnis ist aber auch „Die Nacht der offenen Särge“ leider zu weit entfernt.  OFDb

24.08.2016

DIE NACKTEN AUGEN DER NACHT (1970)

„Die nackten Augen der Nacht“ ist ein lupenreiner Jess Franco-Film, entwickelt der Schundfilm-Künstler um das Nichts an Story doch eine traumartige Atmosphäre, voller Lust und Frust, eingelullt in einem hypnotisch anmutenden Soundtrack, erzählt im Zeitlupentempo, gefüllt mit allerhand Nackedeiszenen. Franco geht keine Kompromisse ein. Hier wird nur der hartgesottene Fan des Kult-Regisseurs fündig, und so sehr ich auch einige seiner Werke mag, so gehöre ich zu dieser Extremgruppe Franco-Bewunderer doch trotzdem nicht dazu. Für mich war das hier besprochene Werk, welches einige Jahre vor seiner ersten Veröffentlichung entstanden ist, ein Stück Schlafmittel sondergleichen, von dem ich selbst nicht verstehe wie ich es bis zum Schluss ohne Bildvorspul-Taste ausgehalten habe.

Es ist nicht so dass mir der Stil den Franco hier entfacht nicht kurzfristig fasziniert hätte, aber ich persönlich brauche zusätzliche sleazy Eigenschaften um mich in solch einem Plot wohl zu fühlen. Ewiges Gefummel reizt mich nicht, und wenn es so angeödet und lustlos daher kommt wie in so ziemlich jeder Sex- und Stripszene dieses Streifens, dann erst recht nicht. Mühsam erzählt Franco seinen Film über einen ellenlangen Rückblick, der freilich ebenfalls fast nur aus möchtegern-erotischen Momenten besteht. Und die Fährten die er uns für die kommende Geschichte legt, wirken verkrampft, psychologisch nicht durchdacht und outen sich zu früh als das was tatsächlich geschah, anstatt den Zuschauer von der Wahrheit abzulenken.

Aber da reden wir von etwa 10 Minuten Handlung, die hauptsächlich am Schluss stattfindet, während das restliche Füllmaterial aus besagten Fummelszenen minderer Machart besteht. Die das Publikum in eine Art Traum ziehende Atmosphäre besitzt zwischenzeitlich durchaus ihren Reiz, reißt einen jedoch nicht in den nötigen Bann um daraus einen kompletten Film zu speisen. Ganz im Gegenteil ist es schließlich das hypnotisch langsame Verfahren des Streifens, das mir irgendwann auf den Senkel ging, obwohl ich geduldig dem Film länger eine Chance gab, als es viele andere Cineasten getan hätten.

Warum Franco ausgerechnet dieses Werk noch weitere zwei Male verfilmte, einmal 1977 als „Der Ruf der blonden Göttin“ und noch einmal 1984 als „Mil sexos tiene la noche“, will sich mir nicht erschließen. Sinn würde ein Remake ohnehin nur machen, wenn Franco den meiner Meinung nach größten Fehler der hier besprochenen Version versuchen würde wett zu machen. Wir erleben hier zwar die meisten Szenen aus dem Blickwinkel einer traumatisierten Frau, deren Erinnerungen schleierhaft sind, so dass auch unser Blickwinkel getrübt wird, was ganz gut zur Auflösung passt, die wichtigsten Hintergrundinformationen erfahren wir jedoch über Dritte in normal umgesetzten Szenen.

Den Film im Trance-artigen Zustand der Hauptrolle zu erzählen würde jedoch nur dann pfiffig wirken, wenn wir wirklich alles über diesen Blickwinkel erleben würden, so dass die aufklärenden Momente den Zuschauer inmitten einer eingelullten Atmosphäre hart treffen und wie aus einem Alptraum zum Aufwachen zwingen würden. Diese Chance hat Franco leider vertan und lässt auch die Hintergrundmomente einzig über Leergeschwätz passieren, eine Eigenschaft die schon die Erotikszenen des Films nicht retten konnten, legte Franco über diese doch stets Off-Kommentare der Hauptfigur, die tiefsinnig und sinnlich klingen (sollen), letztendlich aber doch nur aufgeblasenes Blabla ohne Gehalt sind.  OFDb

15.12.2013

EINE JUNGFRAU IN DEN KRALLEN VON ZOMBIES (1971)

Und wieder habe ich einen Film aus der Reihe „Jess Franco-Filme, die ich mögen möchte“ ausgebuddelt, diesmal ein recht frühes Werk mit Zombies im Titel, das könnte mich doch reizen, dachte ich mir, auch wenn mir Francos 80er Jahre- Untoten-Beitrag „Oase der Zombies“ so gar nicht gefallen hat. Trotz vieler schlechter Erfahrungen mit Werken dieses Schund-Regisseurs ging ich vorurteilsfrei heran, bestätigt durch eine recht interessante Grundatmosphäre, die den Film trotz aller offensichtlicher Mängel positiv unterstützte.

So wird in der kompletten ersten halben Stunde diese Grundatmosphäre aufrecht erhalten, während wir rätselhafte Figuren vorgesetzt bekommen, von denen wir schnell lernen, dass der deutsche Titel Unsinn ist. Entweder geht es um Spuk oder um Wahn, stellt man in dieser Phase fest, mit Zombies hat das alles nichts zu tun. Durch die langsame Erzählweise bekommt man jedoch außerdem das Gefühl, dass „Eine Jungfrau in den Krallen von Zombies“ einer jener Hinhalte-Horrors wird, in dem erst in den letzten 5 - 10 Minuten wirklich etwas passieren wird.

Nach einer Stunde Laufzeit fühlt man sich in diesem Denken bestätigt, während man wesentlich weniger gut auf den Streifen zu sprechen ist als zuvor, wurde aus einer für den Schundbereich stimmigen Grundatmosphäre doch pure Langeweile durch ewiges Hinhalten, zumal Franco sich mal wieder mehr auf den Erotik- als auf den Horrorpart konzentriert, wobei ich diesbezüglich erstmals einen Franco-Film gesehen habe, deren weibliche Darsteller man auch wirklich nackt sehen will. Sie sehen niedlich aus, 70er Jahre-Intim-Look hin oder her, und nicht so unansehnlich wie im Extremfall beispielsweise die grauenhafte Darstellerin in „Lust für Frankenstein“.

Erotik kann Grusel nicht ersetzen, und von Grusel kann man leider überhaupt nicht sprechen. Das wollte Franco wohl auch nicht, geht es ihm doch scheinbar mehr um eine surreale Story, in die man aber dank mangelndem Gespür für Psychologie nicht eintauchen kann. Zumindest weiß man in dieser Phase des Films, warum im Titel im weitesten Sinne von einer Jungfrau die Rede ist, habe ich in Filmen doch noch seltenst ein solch naives Persönchen erlebt, das sich derart von anderen ahnungslos an der Nase herumführen lässt, wie hier gezeigt. Umgekehrt: je nachdem wie man für sich das Nichts dieser Story interpretiert, ist sie zugleich auch eine Figur, die so gut wie keinen Druck jeglicher Art aushält. Sie ist ein zartes Persönchen, das bereits beim kleinsten Anklang von Unbehagen halluziniert, ausflippt und in einer solchen Extreme schlecht träumt, dass sie jeder sofort in die Klappse stecken würde.

Würde die Figur der Christina nicht ständig leiden, im Film würde nichts weiter passieren. Was aber gleichzeitig bedeutet, dass sie ja eigentlich wegen gar nichts überempfindlich reagiert, eben weil nie wirklich etwas passiert, bzw. kaum. Wäre das nicht alles so penetrant langweilig umgesetzt, könnte dies wahrscheinlich auf unfreiwilliger Komik-Ebene ungemein punkten. So aber kitzelte die Lachmuskeln nichts mehr. Tapfer blieb ich dennoch weiter dran, wollte ich doch unbedingt den finalen Horror-Part miterleben.

Da der Film ohnehin nur 75 Minuten läuft, war ja auch nicht mehr viel Laufzeit auszuhalten. Und im Finale, das muss ich gestehen, hat es Jess Franco dann auch tatsächlich geschafft mich zu überraschen: es passiert nichts. Das ganze Warten auf finale Horror-Geschehnisse war umsonst. Der Film schließt ereignislos surreal wie er begann und über die komplette Laufzeit langweilte. Ein persönlicher Stinkefinger des Regisseurs, so penetrant vor die Augen gehalten wie noch selten erlebt.

Okay, das ist jetzt meine enttäuschte Wahrnehmung, denn wie bereits erwähnt schwebte Franco ja ohnehin eine andere Art Film vor als von mir vermutet. Aber wenn ein Mann in seinen anderen Arbeiten schon die simpelsten Grundregeln eines Schundfilmes nicht beherrscht, kann er nur bei dem Versuch scheitern ein Werk auf anspruchsvollerer Ebene zu gestalten. „Das Grauen von Schloss Montserrat (Alternativtitel) ist wie bereits erwähnt psychologisch völlig daneben, zudem uninspiriert erzählt und versteckt auch keine clevere Geschichte im Hintergrund. Franco dachte, wenn er alles rätselhaft und unerklärt erzählt, müsste dies bereits reichen. Aber das tut es eben nicht.

Auch surrealer Horror ist kein billiger Taschenspielertrick. Auch ein solcher Film braucht einen Hintergrund, einer der im Film selbst ungenannt bleibt und wenn überhaupt nur durch Beobachtung zu entdecken ist. An falscher Stelle getrickst, lieber Franco! Dumm gelaufen! Dabei fällt Dein liebloses Blenden mit unnötiger Füllzeit bereits in viel banaleren Stoffen auf. Selbst dort kannst Du nicht täuschen. Und da dachtest Du, Du könntest mit billigen Tricks einen auf surreales Filmerlebnis machen, bei dem keiner merkt, dass kein Hintergrund existiert? Du bist scheinbar genauso naiv wie Deine Heldin Christina.  OFDb