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01.01.2017

VERRÜCKT NACH MARY (1998)

Laute grenzwertige Albereien machten die Farrelly-Brüder mit ihren Werken wie „Kingpin“, „Dumm und dümmer“ und „Ich, beide und sie“ berühmt, trafen sie in den 90er Jahren doch scheinbar den richtigen Nerv beim Publikum, so dass sich der Zuschauer kaum daran störte, dass die gerne Starbesetzten Filme eigentlich so gut wie keine Geschichte erzählten, eher sogar Nummerncharakter besaßen, die von einer Idee zur nächsten hüpften, gern als Road Movie versehen. Doch so sympathisch sich diese Werke guckten, sie zogen auch immer ein wenig an den Nerven des Zuschauers, besaßen ihre Durststrecken, und je nach Werk konnte der treffsichere Humor mal genügend dagegenhalten und manchmal nicht. Nur ein einziges Mal ist es den Farellys in ihren ur-typischen Komödien geglückt ein Sahnestück hervorzubringen, welches sich flott wie aus einem Guss schaut, und das ist „Verrückt nach Mary“, ihr bester Film bevor sie u.a. mit „Schwer verliebt“ humoristische Werke auch auf andere Art umsetzten.

„Verrückt nach Mary“ hat nach all den Jahren nichts von seiner Wirkungskraft verloren. Cameron Diaz spielt verführerisch rein, Ben Stiller agierte selten so gut wie hier, Matt Dillons Interpretation eines ungebildeten Unsensiblen ist eine wahre Wucht, und jegliche Nebenfigur weiß humoristisch mit den Hauptfiguren mitzuhalten, erleben wir hier doch nicht nur ein Meer episodenhaft aneinandergereihter schräger Ideen, die Charakterzeichnungen stehen den Situationen in ihrer individuellen Art in nichts nach. Das Faszinierende am Ergebnis des Streifens: „Verrückt nach Mary“ schaut sich wie eine Geschichte, gerade wenn gegen Ende manche Fäden zusammenkommen die bislang parallel liefen, und diese Täuschung schafft es, im Gegensatz zu vergleichbaren Farrelly-Werken, dass zu keinem Zeitpunkt ein Hauch von Langeweile aufkommt.

Allerdings haben die beiden Autoren und Regisseure auch selten solch einen wirksamen Humorcocktail zusammengestellt, wie im hier besprochenen Werk, verlässt sich „Verrückt nach mehr Mary“ (Alternativtitel) doch nicht einzig auf den lauten Humor (der anbei selten so treffsicher und fast schon niveauvoll eingesetzt wurde wie hier), trotz lauter Gangart wehen stets auch subtile Seitenhiebe mit einher. Es fällt kaum ein Satz der nicht vor Humor sprüht, stets wird ein Witz eingebaut, ob zur Unterstreichung von Chatrakteren, als Querverweis oder als sinnfreier Mumpitz.

Die Geschichte geht währenddessen lockerleicht von der Hand, fängt trotz seiner provokativen Querschläge mit Witzchen über Behinderte und anderweitig Benachteiligten eigentlich ziemlich harmlos und optimistisch an und legt erst im Laufe der Spielzeit offen wie hinterhältig die Welt ist und welche Wahrheiten hinter der scheinbar lügenfreien Fassade stecken. Einzig Mary bleibt rein und lieb, und das muss auch so sein, damit die Geschichte so funktionieren kann wie sie es tut. Zumal Cameron Diaz trotz dieser Einschränkung so wunderbar mitblödeln darf wie der Rest der Crew. Dass so ziemlich jeder mit viel Freude am Projekt dabei gewesen zu sein scheint, bestärkt noch einmal der Abspann, der zu einem gemeinsam mitgesungenem Lied einen Blick hinter die Kulissen wirft, ein Standard in den Arbeiten der Farrellys.

„Verrückt nach Mary“ besitzt einen Humor der cleverer ausgefallen ist als seine Lautstärke zunächst suggeriert (meine Lieblingsszene ist jene, in der es um die 7-Minuten-Übung geht), die Geschichte ist einfallsreicher ausgefallen, als sie in ihrer zunächst wilkürlich scheinenden Art vermuten lässt, und die Gagdichte gleicht jener der Werke des Zucker/Abrahams/Zucker-Gespanns, zumindest wenn man erst einmal bemerkt hat, dass neutral scheinende Äußerungen bereits einen Witz beherbergen. Wie gesagt fällt kaum ein Satz ohne Humorgehalt. „There‘s Something About Mary“ (Originaltitel) ist ein charmantes Liebhaberstück für jene Freunde humoristischer Werke, die verstanden haben dass Klamauk und Intelligenz sich nicht widersprechen. Bei der x-ten Sichtung muss ich noch immer laut lachen, selbst dann wenn man nichts Neues für sich entdeckt hat. Letztendlich lebt der Film davon, dass er sich wie ein zu Fleisch gewordener Comicstrip guckt.  OFDb

10.08.2016

IN UND OUT (1997)

Kevin Kline mag während seiner kurzfristigen berühmten Phase auf das Komödien-Genre festgenagelt gewesen sein, aber in seinen unterschiedlichsten Rollen in „French Kiss“, „Ein Fisch namens Wanda“, „Dave“ und „Ich liebe Dich zu Tode“ durfte der Mann, der auch in anderen Genres u.a. in „Grand Canyon“ und „Hamlet“ zu überzeugen wusste, beweisen wie wandlungsfähig er ist. So wurde auch der Komödienspezialist Frank Oz auf den talentierten Mann aufmerksam und es entstand das gemeinsame Projekt „In und out“, welches vordergründig mit der Prüderie Amerikas spielt, mit treffsicheren Sidekicks aber auch die Verlogenheit Hollywoods, das Fernsehen, Supermodels und manch anderes geliebte Kind des Durchschnitts-Amis durch den Kakao zieht.

Oz hat mit Werken wie „Zwei hinreißend verdorbene Schurken“ und „Was ist mit Bob?“ schon besseres abgeliefert, aber auch der schlichte „In & Out“ mag gefallen, auch wenn er hin und wieder seine Hauptthematik zu anbiedernd und Klischee-beladen präsentiert. Dass ein Mann kultiviert und gleichzeitig heterosexuell sein kann, ist in den Augen der Amerikaner scheinbar eine Unmöglichkeit, aber man vergibt dem Streifen die Vorurteile die er vertritt, während er gleichzeitig gegen ebensolche ankämpfen möchte, trifft die Komödie doch ansonsten meist den richtigen Ton und rettet sich spätestens durch die Verspieltheit seiner Schauspieler.

Würde Kevin Kline mimisch wie körperlich nicht alles geben, Tom Selleck könnte ihm glatt die Show stehlen, so sympathisch wie er gegen den Strich besetzt ist und dabei bestens gelaunt agiert. Auch Joan Cusack weiß zu begeistern, wobei ich ihren Part gerade durch die deutsche Synchronisation so treffsicher geraten finde. Die Restbesetzung ist mit Ausnahme von Matt Dillon eigentlich schon nicht mehr nennenswert, ist sympathisch ausgewählt (gerade der Vater Howards, den man z.B. als Bösewicht aus „Die Firma“ kennt), aber ohne große Herausforderungen versehen.
 Die Geschichte selbst weiß auch nicht gerade mit Überraschungen zu trumpfen, sie folgt dem typischen Muster der Heile Welt-Komödien mit seichter Kritik im Gepäck. Erst die unnötigen Randspinnereien, wie der Filmausschnitt aus Camerons Kriegs-Drama, die Lehrkassette die Howard zum Thema Männlichkeit hört und die Ausraster seiner Verlobten machen „In und out - Rosa wie die Liebe“ (Alternativtitel) zu jenem Stück Komödie, das man ins Herz schließt. Der Schluss mag ein wenig zu sehr an „Der Club der toten Dichter“ erinnern, ist aber mit dem Herz am rechten Fleck inszeniert. Letztendlich ist der Kampf um mehr Akzeptanz mit Schwulen ein ähnliches längst abgehaktes Thema wie der Kampf um Gleichberechtigung bei „Mona Lisas Lächeln“. Da macht es sich Hollywood gern zu leicht den Finger erst dann zu erheben, wenn die Masse längst ebenso denkt.

Dennoch ist das Drehen von Werken wie „In & out“, mit ihrer Botschaft für mehr Mut und Toleranz, sicherlich kein Fehler, erst recht wenn das Ergebnis nicht streng moralisch und bieder ausgefallen ist, sondern ganz im Gegenteil wie hier sogar recht verspielt daher kommt. Frank Oz‘ Werk mag für alle Beteiligten nicht das Highlight ihres Könnens oder ihrer Karriere gewesen sein, aber zu unterhalten weiß dieses schlichte Stück Film durchaus.  OFDb

14.02.2013

HERBIE FULLY LOADED (2005)

Maggie ist unter Rennfahrern groß geworden. Deswegen gefällt es ihr auch gar nicht, als sie beim Autokauf versehentlich den VW-Käfer Herbie erwicht. Der Frust ist schnell über Bord als Maggie Herbies Eigenleben und seine Geschwindigkeit entdeckt. Nun will sie Rennen fahren, aber ihr Vater, ein erfolgloser Rennfahrer, möchte das nicht…
 
Ein weiblicher Fahrer…
 
Zum sechsten Mal ist Herbie nun im Einsatz, und gäbe es im Vorspann nicht einige Szenen aus den Vorgängern und eine kurze Brücke zum aktuellen Teil, hätte man auch von einem freien Remake sprechen können. Nachdem Teil 5 nur noch ein kleiner TV-Film war, hat wohl auch niemand mehr mit einer echten Kinofortsetzung gerechnet. Selbst Dean Jones, Hauptdarsteller aus Teil 1 und 3, nicht, gab dieser doch im 5. Teil mit Bruce Campbell in der Hauptrolle bereits seinen Gastauftritt (der auch nicht seine emotionale Wirkung verfehlte), statt in diesem 6., der seiner würdiger gewesen wäre.

Nun ja, es beginnt alles, wie bereits erwähnt, mit Szenen aus den alten Filmen (die Kakteenumfahrszene ist als meistgezeigtester Rückblick auch wieder mit dabei) in einem Vorspann, der uns zu all dieser aufs Auge drückenden Nostalgie einfach nicht das dazu passende Lied präsentieren will. Das Herbie-Thema taucht nur einmal kurz, ziemlich zu Beginn des Streifens, auf, um danach nie mehr gehört zu werden. Schade, dabei gehört es doch zu den Top-Ohrwürmern der von der Masse vergessenen Soundtracks.

Die Geschichte konzentriert sich, wie bei den meisten Vorgängern, wieder auf das Rennen fahren. Am Steuer sitzt nun nach Bruce Campbell Lindsay Lohan, die mit ihrem Auftreten der Fortsetzung auch den nötigen Schwung bietet. Ohnehin ist Teil 6 recht flott inszeniert und mit bekannten Gesichtern in Nebenrollen verfeinert. Das ist in Anbetracht auf das zu routinierte Drehbuch auch dringend nötig. Dafür überrascht dieses mit einigen lockeren Witzen am Rande (wie das angebliche Treffen Herbies mit Kid aus „Knight Rider“). Aber das dürfte für einen Kinofilm ja wohl auch das mindeste sein inmitten von fleißigem Klau aus eigenen Reihen.

Im groben wird Teil 1 abgewandelt neu aufbereitet mit Elementen aus Teil 4 (Herbie verliebt sich in ein anderes Auto, diesmal ohne peinliche Autokinder). Während man sich im Original für alles viel Zeit ließ, arbeitet Teil 6, für seine Zeit typisch, inhaltlich alles flott ab. Das gibt dem fertigen Werk auf der einen Seite zwar ein flottes Gewand, auf der anderen Seite werden zwei wichtige Bereiche dadurch falsch eingesetzt.

Da wäre zum einen die obligatorische „Ich habe Herbie enttäuscht“-Szene, die so früh einsetzt, dass eine Freundschaft zwischen der Besitzerin und dem Auto noch gar nicht möglich war, was dem ganzen ohnehin schon dick aufgetragenen Gefühlsschmus noch zusätzlich fehl am Platz wirken lässt. Wenn man schon eine Geschichte kopieren will, dann sollte man auch Ursache und Wirkung beachten, gerade im psychologischen Bereich.

Der zweite Punkt ist wichtiger: Das finale Rennen war in Teil 1 eine lange Prozedur durch die Landschaft, was dem bösartigen Gegner genug Möglichkeiten bot sich unfair zu verhalten und zu blamieren. Im aktuellen Teil erleben wir das klassische Rennen mit ewigem im Kreis fahren, bei dem dann irgendwann unsere Heldin gewinnt weil sie einfach schneller war. Die miesen Tricks des, mit Matt Dillon so hervorragend besetzten, Gegners kann man an einer Hand abzählen. Dillon spielt unglaublich gut und überzogen comichaft. Dass er das drauf hat bewies er ja bereits bei „Verrückt nach Mary".

Michael Keaton als Lindsays Vater spielt auch ordentlich, hat aber einen uninteressanten Part erwischt. Dieser mutiert zu allem Überfluss, Disneyfilm sei Pflicht, zum Familien-Gefühls-Papa, woher auch immer diese Läuterung zum Finale hin kommen soll. O.k., dann fährt Töchterchen trotz allem vorrangegangenen Papa-Protestes halt doch, und die an sich doch niedlichtraurige Begründung zuvor, warum Daddy sein Töchterchen nicht fahren lassen wollte, löst sich einfach so in Luft auf.

Nun gut, einen Film wie „Herbie Fully Loaded“ sollte man sicherlich auch nicht zu streng sehen, soll er doch nur flotte Popkorn-Unterhaltung bieten und schnell wieder vergessen sein. Dennoch muss sich auch ein solches Werk berechtigte Kritik gefallen lassen. 

Dass in Zeiten modernem Trickkinos auch Herbie selbst mutiert ist, und zwar zu einer Art freundlicher „Christine“, ließ sich wohl nicht vermeiden, ist bis auf eine völlig blödsinnige Komplettmutierszene im Hintergrund auch halbwegs o.k., obwohl es Herbie zu sehr vermenschlicht. Gerade Teil 2 erklärte dem damals noch aufgeschlossenerem Menschen, wie es sich mit der Seele von Gegenständen verhält, ohne diese gleich auf das Menschliche zu beziehen. Es ist schon interessant dass in einer Zeit, in der sich Leute gerne politisch korrekt nennen, gerade das Hineinfühlen in Andersartige kaum möglich scheint. 

Die mimischen Tricks Herbies sind simpel wie brauchbar und niedlich noch dazu. Schade dass man auf der Schrottplatzszene, in der er und seine zukünftige Fahrerin sich das erste Mal begegnen, nicht das niedliche Hupen aus Teil 1 ertönen ließ, dies hätte die sympathische Wirkung des kleinen, traurigen Käfers in dieser Phase des Films noch unterstreichen können.

Mein letzter Kritikpunkt ist wieder inhaltlicher Herkunft. Wenn man den Film schon auf eine Fortsetzung auslegt, statt auf eine Neuverfilmung, dann sollte man daraus auch die inhaltlichen Konsequenzen ziehen. So gut wie Sport-Freaks sich Daten und Personen merken können (dem Cineasten im Filmbereich recht ähnlich) müsste sich doch bitte irgendwer an Herbie erinnern können. Er war ja nun auch damals schon nicht gerade das typische Rennauto und sorgte für allerhand Schlagzeilen.

In Zeiten vom Internet stellt sich diese Frage bereits bei der Rolle Matt Dillons. Hätte er sich erkundigt würde dies auch erklären, warum er viel zu schnell vom Eigenleben Herbies überzeugt ist, während andere erst x Situationen mit dem Käfer durchleben müssen um das zu begreifen. Dies tat er nicht, und bei ihm könnte man noch, passend zu einem Comicbösewicht, argumentieren, dass er einfach zu blöde ist um auf eine solche Idee zu kommen. Warum aber jeglicher Beteiligter des Rennsports, welche Aufgabe auch immer er hat, nicht einmal von dem kleinen Käfer aus den 60er und 70er Jahren gehört hat, bleibt ein ewiges Rätsel von „Herbie Fully Loaded“.

Was manch einer als Kleinkrämerei auslegen mag, sind für mich, auch in einem Popkornfilm, kritikberechtigte Punkte. Immerhin hemmen derartige Unlogiken und die Ignoranz das Sehvergnügen des sonst so flotten Filmes. Teil 6 hätte ein gelungener Streifen werden können. Den Cast und die Tricks dazu hätte er schließlich gehabt. Was fehlte war schlicht weg der irgendwann in den 80er Jahren verschollen gegangene Mut des Disneykonzerns und die Intelligenz und den Respekt früherer Filmschaffender. Letzteres ist gerade in Fortsetzungen eine benötigte Eigenschaft, auch im Kino für das Massenpublikum.

Trotz aller Kritikpunkte möchte ich am Ende aber noch einmal betonen dass wir es hier mit einem flotten, unterhaltsamen Filmchen zu tun haben, das gekonnt routiniert sein Ding durchzieht und sich wunderbar zum einfach mal Abschalten eignet.  OFDb