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17.12.2017

DIE NACHT DES JÄGERS (1955)

Robert Mitchum kennt man zwar aus unzähligen Western, mir bleibt er jedoch am liebsten als Schurke in „Ein Köder für die Bestie“ in Erinnerung. Sieben Jahre bevor er den unnachahmlichen Bösewicht in dieser Rolle so genial verkörpern durfte, spielte er in „Die Nacht des Jägers“ einen ähnlichen Charakter, der im Gegensatz zur Vergleichsfigur jedoch viel tiefer im Klischee des Bösewichts badet. Die ungeschönte Hinterlistigkeit, das direkte Betonen auf die Bösartigkeit ohne weitere Aspekte des Charkters zuzulassen und das Spiel jeden, bis auf die Kinder, mit der angewandten Theatralik blenden zu können, kennt man eigentlich nur aus Märchen und Kinderfilmen und dürfte in einem Thriller für Erwachsene nichts zu suchen haben.

Dass diese Herangehensweise bei „The Night of the Hunter“ (Originaltitel) zu funktionieren weiß, liegt daran dass der von Charles Laughton inszenierte Streifen stilistisch ein kurioser Mix aus Thriller und Kinderfilm ist. Eine ältere Dame übernimmt zu Beginn die Position der Erzählerin, so wie man es aus dieser Zeit von Werken wie „Peterchens Mondfahrt“ her kennt. Dann beginnt der ernste Einstieg in den Film, der zunächst tragischer Natur ist, mit der Einführung der Figur Powells jedoch schnell auch düstere Züge annimmt. Zunächst schaut sich „Die Nacht des Jägers“ wie ein Thriller-Drama. Die Mutter der Kinder scheint im Zentrum zu stehen, so wie es uns auch der Vorspann weißmachen möchte. Sie leidet, ergreift die scheinbare Großzügigkeit des Predigers und muss nach der Ehe seine Schattenseiten erkennen, längst aber noch nicht sein wahres Ich.

Als ihr dies schließlich doch früher offenbart wird, als der Zuschauer vermuten würde, sind die Kinder zur Hälfte des Films auf sich alleine gestellt. Wenn die Kinder auf einem Boot vor Powell flüchten, wird uns dies in verzauberten Bildern präsentiert aus der alptraummärchenhaften Perspektive der Kinder heraus. Optisch wird einiges aufgefahren, um den Zuschauer an einer Odyssee teilhaben zu lassen, die wie ein Mix aus Tom Sawyer und „Alice im Wunderland“ anmutet. Was wie ein stilistisch entrücktes Zwischenspiel wirkt, wird zur neuen Tonart der zweiten Filmhälfte, die sich nun wie ein in leicht düstere Bilder getauchter Kinderfilm schaut. Die Präsenz von Powell wird zurückgeschraubt, um die Kinder zunächst ihre eigenen Erfahrungen machen zu lassen, aber der Bösewicht lässt freilich trotzdem nicht lange auf sich warten.

So wunderbar skurril der Mix aus Thriller und Kinderfilm in dieser voneinander abgelösten Form auch wirken mag, mit der Rückkehr Powells hätte ich mir gewünscht, dass Laughton stilistisch wieder zurückrudert und nun wieder erwachsenere Töne anklingen lässt. Aber „Die Nacht des Jägers“ bleibt selbst im Finale im Märchenmodus hängen und beendet die komplette Chose im naiven Blick aus der Kinderperspektive. Was zuvor zu beeindrucken wusste, wird mit dieser Entscheidung ein wenig verwässert, eben weil einem der Schluss damit als zu ereignislos erscheint und damit so wirkt als wäre er nur der Pflicht wegen auf die Schnelle entstanden, um das Ganze endlich zu einem Ende zu führen. So düster wie der Film begonnen hat, u.a. durch seine zur damaligen Zeit provokativen Idee Kinder die Opfer des Täters sein zu lassen, hätte er meiner Meinung nach auch im düsteren Stil enden sollen, selbst bei einer mit einem Happy End versehenen Geschichte.

Das ändert aber nichts daran, dass man es bei „Die Nacht des Jägers“ mit einem ungewöhnlichen Film zu tun hat. Überzeugende Schauspieler, egal ob jung oder alt, agieren in einem kuriosen Genre-Mix, der im düsteren Teil mit einer gnadenlosen Idee arbeitet und diesbezüglich umschwenkt, wenn schließlich alles aus der vereinfachten Kinderfilmperspektive erzählt wird, freilich ohne tatsächlich ein Kinderfilm zu werden. Der Kameramann liefert dazu beeindruckende Bilder ab innerhalb eines Filmes, der auch in seinen unwichtigsten Passagen hervorragend fotografiert ist. Mitchum tobt sich dabei aus den Schurken frei jeder Subtilität spielen zu dürfen und erinnert aufgrund des Thrillergehalts damit zunächst an seine spätere Rolle aus „Ein Köder für die Bestie“, im späteren Teil des Filmes aber eher an eine klamaukreduzierte Variante der Verbrecher aus den ersten beiden „Pippi Langstrumpf“-Filmen. Dass es später in den 00er Jahren mit „Lemony Snicket" einen Familienfilm geben sollte, der eine ähnliche Thematik besaß, braucht bei dem Kinderfilm-angelehnten Stil des hier besprochen Filmes nicht verwundern. Ob auch die gleichnamige Neuverfilmung aus dem Jahr 1991 diesen angenehm widersprüchlichen Weg gewählt hat, weiß ich nicht, würde mich aber stark wundern.  OFDb

30.04.2017

EIN KÖDER FÜR DIE BESTIE (1962)

„Kap der Angst“ ist ein wahrlich gutes Remake, und gerne wird behauptet dass es eine seiner Stärken wäre den Figuren in Sachen Legalität mehr Graustufen zu bescheren, sprich Gut und Böse nicht so sauber zu trennen wie das Original. Dabei wird gerne übersehen dass „Ein Köder für die Bestie“ diesbezüglich lediglich wesentlich subtiler vorgeht und auch Sam Bowden vom ersten Tag an kein reiner Saubermann ist. Von Anfang an nutzt er das System für seine Sache, so wie es umgekehrt Cady tut. Der Film lebt hintergründig von dieser Spiegelung, man muss sie nur entdecken. Es ist diese Herangehensweise und manche inhaltliche Veränderung des Remakes, welche das Original im Vergleich glaubwürdiger und damit wirkungsreicher erscheinen lässt, so dass man wahrlich über beide Versionen nicht meckern kann.

Cady ist eine Gefahr. Daran lässt J. Lee Thompson von Anfang an nicht zweifeln. Die bedrohliche Filmmusik unterstreicht diesen Eindruck. Cadys deutliche Anspielungen lassen keine andere Deutung zu. Er wird tätig werden. Immer wieder wird von ihm wie ein Tier gesprochen, und wenn man mit der Zeit erleben darf wie er eine junge Frau zurichtet, dann kann man dem fast zustimmen. Da passt es ganz gut zu besagter Bezeichnung, dass Cady immer wie ein Tier um Bowden herumschleicht. Stets wartet er auf die richtige Gelegenheit. Und wenn die Stunde für Cady Richtung Finale geschlagen scheint, dann taucht er zunächst mit tierischer Bewegung ins Wasser, um sich darauf hin wie ein Krokodil, einzig den Kopf aus dem Gewässer ragend, dem Ziel zu nähern.

Trotz dieses hammerartigen Vergleiches kommt „Ein Köder für die Bestie“ keines Falls vorverurteilend mit bitterem Schwarz/Weiß-Denken daher. Wie erwähnt ist Bowden nicht das unschuldige Lämmchen, welches Kenner des Remakes im Original aus ihm machen möchten. Dennoch wird er zur Identifikationsfigur, und da Thompson sehr gekonnt die Spannungsschraube andreht, kann man gar nicht anders. Bowden erlebt Psychoterror vom feinsten, und wir verstehen seine Verzweiflung illegal handeln zu wollen, selbst wenn wir sie nicht gut heißen.

Ich war überrascht, dass „Cape Fear“ (Originaltitel) in seiner Erstverfilmung weit weniger sanft daher kommt, als ich es ihm für seine Entstehungszeit zugetraut hätte. Das fällt ganz besonders im Umgang mit der Pädophilen-Thematik auf, die jeden Familienvater aufschrecken lassen würde. Im hier besprochenen Film wird sie gar wichtiger als in der Neuverfilmung, und das beschert „Ein Köder für die Bestie“ endgültig einen düsteren Schleier, der es unmöglich macht nicht vom Stoff gepackt zu werden. Selten war die Form der Bedrohung so deutlich. Sie ist offensichtlich und gleichzeitig nicht zu verhindern. Sie klagt das Rechtssystem an und nimmt es gleichzeitig in Schutz, eben weil das System keinen Wert mehr besitzen würde, wenn wir es dort aushebeln würden, wo es Bowden von Vorteil wäre.

„The Executioners“ (Alternativtitel) ist sich dieser und vieler anderer Elemente seiner Story bewusst. Er benennt sie nicht nur, er arbeitet mit ihnen und beweist auf diese Art wie intelligent er ausgefallen ist. Glaubwürdige Figuren bis in die kleinste Rolle, ein Spannungsbogen der sich sehen lassen kann, eine Geschichte mit der sich jeder identifiziert bekommt und das ganze in stimmige Schwarz/Weiß-Bilder eingefangen, so mag klassisches Kino zu gefallen, gerade wenn es sich weit moderner guckt als vermutet. „Ein Köder für die Bestie“ funktioniert nicht nostalgisch augenzwinkernd, theoretisch verstehend was einst gemeint war. Er ist wie ein Schlag ins Gesicht, wuchtig in seiner Wirkung, ein echtes Liebhaberstück - und in seiner Glaubwürdigkeit dem sehr guten, aber an mancher Stelle zu konstruiert ausgefallenem Remake, eine Nasenlänge voraus.  OFDb

28.12.2014

DIE TANZMEISTER (1943)

„Die Tanzmeister“ ist der dritte in den FOX-Studios produzierte Dick und Doof-Film nach „Schrecken der Kompanie“ und „Dick und Doof als Geheimagenten beim FBI“. Er guckt sich auch wesentlich entspannter als die ersten zwei Versuche Laurel und Hardy in ein Konzept hineinzuzwängen, welches ihre klassischen Filme um Normen anderer Filme erweitert. Die hier besprochene Komödie wirkt wie ein verzweifelter Rückschritt zu alten Ufern, und wird dem fertigen Streifen damit zum Vorteil, gehört er doch neben „Stierkämpfer wider Willen“ zum besten was die beiden Komiker unter den strengeren Produktionsbedingungen von FOX abgedreht haben.

Eine Geschichte braucht hier niemand suchen. Die gibt es nicht. Der Storyverlauf ist gar holpriger und sinnloser eingebracht als in alten Hal Roach-Filmen, die sich diese Kritik immer gefallen lassen mussten. Trotz solcher Schritte zurück zum alten Stil krankt auch „Dick und Doof - Die Tanzmeister“ (Alternativtitel) wie viele der FOX-Produktionen mit den beiden Komikern an zu dominanten Nebenrollen.

Unangenehm fällt in erster Linie die Rolle des jungen Erfinders aus, von der man nicht weiß was die Autoren eigentlich mit dieser bezwecken wollten. Er ist ähnlich trottelig wie die beiden Helden, was ihn je nach Sichtweise entweder zum extremeren Sonderling macht oder Dick und Doof zu normaleren Personen. Eigentlich soll er aber eher ein liebevoller Versager sein, der seine Herzensdame gewinnen soll, was aber dann doch nicht mehr interessiert, da es plötzlich doch eher um seine Karriere geht, und um die zu einem Happy End zu führen baut man auf das diesbezüglich holprige Verhalten eines Unternehmers auf. Was ein Drehbuch!

Ob gewollt oder nicht: wer ebenso wie bei Erni und Bert meint nach homosexuellen Verweisen bei Laurel und Hardy suchen zu müssen, der wird wenn hier fündig werden, wenn Stan Laurel seine Tanzstunden in Frauenkleidung abhält und die klassische Rollenverteilung in Sachen Finanzen, Haushalt etc. immer wieder Ollie als Mann und Stan als Frau positionieren. Das ist zwar Unsinn, „Gehopst wie gesprungen“ (Alternativtitel) will lediglich entspannt unterhalten und Homosexuelles weder fördern noch veralbern, aber wer nach „Hinweisen“ sucht wird auch immer irgendwie fündig werden.

Der Aufhänger dass Dick und Doof Tanzmeister sind, ist nicht von großer Bedeutung und spielt nach der ersten viertel Stunde auch keine Rolle mehr. Das tut dem Film auch sichtlich gut. So darf man dem üblich chaotischen Treiben folgen anstatt endlosen Tänzen, und zu den Highlights zählen diesmal eine Bananenschalenszene (man soll‘s nicht glauben), eine wahnwitzige Busfahrt und das Szenario rund um ein Versteck im Schlafzimmer. Den ahnungslosen Stan unbedingt verletzen zu wollen, um an das Geld der Versicherung zu gelangen, macht aus Ollie in einer längeren Phase des Streifens eine bösartige Person und damit zu jemanden, den wir so nicht kennen. Daran erkennt man die Fremdautoren, denen die Psychologie seiner Figuren nicht vollends bewusst waren, was glücklicher Weise aber selbst in den FOX-Produktionen ein einzelner Ausrutscher bleiben sollte.

Ich persönlich mochte Stan und Ollies ersten Langfilm „Hinter Schloss und Riegel“ nicht, u.a. weil dort auf recht unwitzige Art getanzt wurde. Deswegen tat ich mich etwas schwer mich auf „The Dancing Masters“ (Originaltitel) einzulassen. Um so erleichterter war ich, dass dem Tanzen nicht viel Beachtung geschenkt wird, und die wenigen Ausnahmen charmant lustig ausgefallen sind. Am Ende war trotz aller Skepsis  „Laurel und Hardy - Die Tanzmeister“ (Alternativtitel) gar einer der kurzweiligsten und lustigsten FOX-Filme mit den beiden Comedy-Stars, aber auch der konfuseste, sind seine Storyfragmente doch noch viel mehr Ausrede und Alibi als in anderen Dick und Doof-Komödien.  OFDb