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14.11.2021

DEXTER - STAFFEL 6 (2011)

Der Doomsday-Killer ist sicherlich der schwächste Aufhänger der Reihe was das Weiterkommen in Dexters Entwicklung betrifft und das Potential spannungsgeladener und insbesondere gefühlvoller Verstrickungen. So intensive Momente, wie zuletzt erst wieder in Staffel 5 erlebt, darf man somit nicht erwarten. Dennoch guckt sich das fünfte Jahr recht angenehm, setzt es doch wieder vermehrt auf die Stammfiguren, die den Serienkiller stets ungeahnt begleiten. Man verzichtet auf solch peinliche Experimente wie in Staffel 4 und geht respektvoll mit den Charakteren um, und damit hat Staffel 6 gegenüber der vierten vom Unterhaltungswert her die Nase vorn, obwohl diese die interessantere Geschichte erzählte. Die nervige Babysitterin aus dem fünften Jahr ist Geschichte, das Gefühlskarussell zwischen Angel und Laguerta ist endlich beendet, die Serie kann sich wieder auf den Standard konzentrieren, und da es sich um eine starke Serie handelt, reicht der Standard definitiv aus. Letztendlich ist das sechste Jahr eine Übergangsstaffel, die bereits damit anfängt Fehler der Vergangenheit aufzuräumen. Dank des finalen, längst fälligen Cliffhangers wird Staffel 7 völlig anders als alles vorausgegangene ausfallen und wird das Korrigieren jener Fehler seit Staffel 3 konsequent beenden. Bis es soweit ist erleben wir in der hier besprochenen Staffel viele Situationen die zum Schmunzeln anregen, einen Kriminalfall, der uns alle an der Nase herum führen wird, und das Thema Religion wird förderlich für die Geschichte eingefangen und somit weder überfrachtet, noch all zu moralisch anbiedernd integriert. 

Den sehr interessanten Aspekt zwischen Debra und Dexter, der über eine eher lächerlich anmutende Psychologin in Gang gesetzt wird, hätte ähnliches Potential besitzen können, wie der Cliffhanger selbst, leider wird er in der Folgestaffel nicht weiter bedacht und mit einigen, wenigen Sätzen am Rande abgefrühstückt. Wenn einer der Gäste in Staffel 6 das Zeitliche segnet, gibt es tatsächlich noch einmal sehr bewegende Momente zu erleben, nicht nur aufgrund der Trauer, auch aufgrund des Zwiespalts, der über diese Person in Dexter entfacht wird. Der einzige tatsächliche Tiefpunkt in einer eher entspannt ausgefallenen Season, die sich mit nichts beweisen will, ist die Rückkehr Brians. Was eine gute Idee hätte sein können, wird durch seine Geschwätzigkeit zunichte gemacht. Auch manche Übertreibung im sprunghaften Wandel Dexters dort schadet der an sich interessanten Geschichte dieser einen Episode. Dass es auch andernorts weiterhin typische Serienmakel gibt, wie schon seit Staffel 3 zu bemerken ist, stört mittlerweile nur noch selten, z.B. dann wenn Dexter vor einer Gruppe Leute ungetarnt einen Peiniger massakriert, und er und die Autoren denken, dass die Dankbarkeit der Geretteten Grund genug dafür wäre, dass es okay ist den Codex derart penetrant mit Füßen zu treten. "Dexter" ist halt auch im sechsten Jahr psychologisch gesehen recht naiv ausgefallen. Wer es bis hier her geschafft hat, wird sich daran aber nicht sonderlich stören. Da gab es schon erschütterndere Momente in der Qualität dieser wundervollen Serie.  OFDb

18.03.2013

RAN AN DIE BRAUT (2001)

Für einen Teenager zerbricht die große Liebe. Um die Holde zurück zu erobern bekommt er Hilfe von einer hübschen Mitschülerin, die heimlich selbst in ihn verliebt ist...
 
Singen und tanzen fördert nicht die Romantik...
 
Ganz lose beruht der hier besprochene Film auf Shakespeare, allerdings so lose, dass es der Erwähnung kaum wert ist. So lose, dass der bescheuerte deutsche Titel verziehen bzw. ignoriert ist und so lose, dass sich der gute alte Schriftsteller nicht im Grabe umdrehen muss.

Nach Erfolgen wie „Romeo und Julia“ und „Eiskalte Engel“ glauben einige Produktionen halt immer noch, es verkaufe sich besser, einen Teenie-Film auf klassischer Grundlage aufzubauen. „Ran an die Braut“ folgt seinem Vorbild nur extremst grob und hält sich eher an die Regeln des Filmgenres als an irgend ein Buch.

Ein besonders toller Film seiner Art ist „Ran an die Braut“ nicht geworden, dafür ist er zu gewöhnlich. Maue Routine bekommen wir allerdings auch nicht vorgesetzt, dafür gibt es zu viele Stärken. Eine davon ist Kirsten Dunst, die wieder einmal bezaubernd spielen darf. Um so erstaunlicher, da der romantische Part des Streifens, der eigentlich Schwerpunkt ist, überhaupt nicht zündet. Die Enttäuschungsszenen der Rolle der Dunst sind das einzige, das in dieser Richtung funktioniert.

Das romantische Hineinträumen in die hier gezeigte junge Liebe will einfach nicht passieren. Dabei geht auch Dunsts Partner in Ordnung, die Chemie würde stimmen. Trotz alledem bleibt auch die Hauptrolle recht blass. Das liegt weniger an Foster, der eigentlich recht brauchbar spielt, es ist sein Gegenspieler West, der einfach wesentlich mehr Persönlichkeit ausstrahlt als der olle Held. Dass Foster zu Beginn blasser wirken muss ist für die Story typisch und richtig, aber er gewinnt im Laufe des Streifens nicht an Profil und bleibt einfach so wie er zuvor war. Storytechnisch auch nicht verkehrt, für einen Alltags-Filmhelden aber einfach doch zu wenig.

Während die Jungstars sich wacker schlagen und schlicht auch zu begeistern wissen, darf man am Rande auch zwei Altstars bewundern. Der eine ist Ed Begley, Jr., der leider nur eine sehr kleine Rolle abgekriegt hat, sich in den paar wenigen Auftritten die er hat aber auch nicht in den Mittelpunkt spielt. Er schafft gekonnt den Spagat aus Zurückhaltung und Wirkung.

Der andere Oldie hat da schon wesentlich mehr Screentime. Es ist Martin Short, der nicht nur als bekanntes Gesicht auf die schnelle für einen Teeniefilm verheizt wird, so wie beispielsweise Chevy Chase für „Nix wie raus aus Orange County“ oder Eugene Levy für „Dumm und dümmerer“. Short hat eine wichtige Rolle, in der er sich zudem noch ordentlich austoben darf. Seit „Die Reise ins Ich“ habe ich mich schon oft gefragt, warum sein Erfolg ausblieb und er so wenige Hauptrollen ergattern konnte. Hier darf er nun völlig in Fahrt kommen, inklusive Traum/Rückblickssequenzen, in denen er auch verkleidet rumblödeln darf. Short ist ein großer Trumpf des Streifens.

Der Parodiegehalt auf Starruhm und Boygroups ist nett, hätte aber auch weiter vertieft werden können. Dies hätte allerdings vielleicht das Zielpublikum irritiert, so kann ich mir zumindest das Produzentendenken vorstellen. Dass man mit dem richtigen Angehen der Thematik ein anderes Publikum gefunden hätte (vielleicht so Richtung „Election“) ist den Geldgebern sicherlich gar nicht erst in den Sinn gekommen. Stattdessen geht die Orientierung in „Ran an die Braut“ eher in die entgegengesetzte Richtung, denn die Boygroup-typische Musik wird auch hier angewandt.

Im musikalischen Bereich fallen dann auch die Jungstars besonders positiv auf, sie tanzen und singen (letzteres hatte ich von Dunst zuvor nicht erwartet) und haben sichtlich Spaß dabei. Hervorzuheben wäre hier der Vorspann, der auf kurzweilige und lustige Art zeigt, wie man ihn einbringen kann ohne mit blöden Landschaftsfahrten zu langweilen. Im Abspann wurde ebenfalls getanzt, ich habe aber leider eine Tele 5-Version gesehen. Der selbsternannte kinoliebende Fernsehsender war dreist genug das Bild während dieser Sequenz klitzeklein zu machen, so dass nichts mehr zu erkennen war. Dass diese Szene dann auch voreilig beendet wurde ist somit auch nicht mehr sonderlich gravierend.

Zwischendurch gibt es kleine Fantasysequenzen zu sichten, nichts besonderes und auch immer zu kurz um wichtig zu sein, aber nicht uninteressant. Einige Handlungsabläufe werden zu kurz angeschnitten, z.B. das Problem dass sich der beste Freund in die Schwester verliebt (wesentlich besser in „Eis am Stiel 5“ herausgearbeitet) oder der schwierige Spagat der Hauptrolle zwischen Sport und Kunst (in „Die Liebenden von Notre-Dame“ und "American Pie" besser herausgearbeitet).

An sich ist der Film aber auch zu routiniert um sich über derartiges zu ärgern. Er ist schlicht, weiß aber auf seine belanglose Art zu unterhalten. Das ist schon mehr als manch andere Produktion schaffte. Um in Erinnerung zu bleiben reicht es allerdings nicht, sympathische Gesichter schafften es immerhin den Einheitsbrei etwas aufzuwerten.  OFDb

06.05.2012

W. - EIN MISSVERSTANDENES LEBEN (2008)

Für den politisch erfolgreichen Papa war George Bush. Jr. mit seinem orientierungslosem Lebensstil immer wieder eine Enttäuschung. Doch er hat es dennoch bis zum Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika geschafft...

Wie die Mutter, so der Sohn...
 
Es stimmt schon etwas nachdenklich wie gut man in Deutschland über amerikanische Präsidenten und die Wahlen diesbezüglich informiert ist und wird. Andere ausländische Politiker sind uns in der Regel nie so bekannt wie die Obersten der USA. Manch einer kennt sich mit ihnen besser aus als mit deutschen Politikern. Wenn in meiner Generation (Jahrgang 1975) ein amerikanischer Präsident von Bedeutung war, dann war es definitiv George Bush, Jr.

Seine Taten waren uns Warnungen in welch fragwürdige Richtungen Demokratie pervertieren kann, gerade in Hinblick der deutschen Nazi-Vergangenheit. Die Sympathie oder Distanz zu diesem Mann war ein wichtiger Entscheidungsfaktor der Wahlen im eigenen Land. Und obwohl man in Deutschland Parteien und nicht Bundeskanzler wählt, wurden die bekannten Rededuelle aus den USA mit einem Mal auch wichtig in Deutschland, eben weil man, so verschieden unsere Kulturen auch waren, von nun an immer wieder beide Länder verglich, u.a. aus Sorge auch Deutschland könne irgendwann auf dem sozial ungerechten Level der Vereinigten Staaten ankommen.

Die Einführung der Kosten beim Hausarzt, der Beginn von Hartz 4 und die Kürzung der Gehälter auf etwa die Hälfte des eigentlichen Wertes durch die Euroeinführung hatten die Menschen diesbezüglich sensibilisiert, die Angst war somit nicht unberechtigt. Und so schaffte es Michael Moore mit Buch und Film auch in Deutschland erfolgreich seine Medien an den Mann zu bringen. Neben der Welt der Nachrichten war er es der einem George Bush, Jr. näher brachte als jeden anderen amerikanischen Präsidenten zuvor. Wir lernten seine Vergangenheit kennen, die Widersprüche in seinem politischen Vorgehen und seine Leichtfüßigkeit, die in starkem Kontrast zu seiner eigentlich harten Politik stand.

Michael Moore brachte uns mit all den Hintergründen die er lieferte entweder dazu Bush zu hassen, oder Moore selbst. Ein Verständnis für die Taten des Sohnes George Bushs kam dabei niemals auf. Zu theoretisch war die Vergangenheit angerissen, zu bewusst erlebten wir die Veränderungen des selbstgepriesenen freien Landes auf dem anderen Kontinent.

Oliver Stone schafft es diese Lücke aufzuholen. Seine Biographie über George Bush, Jr., die nicht völlig satirefrei erzählt ist, schafft es den Privatmann hinter dem Amt zum Leben zu erwecken. Wir beginnen den Mann und seine Art der Politik zu verstehen. Das verändert nicht die mögliche Antipathie zu dieser Person, doch darf man nun im Falle dieser einen Mann nicht mögen anstatt eines unmenschlichen Präsidenten. Letzten Endes macht Stone aus Bush das was Hirschbiegel aus Hitler mit „Der Untergang" machte: er zeigt uns den Mensch hinter dem Monster, welches uns die Medien immer wieder präsentiert haben.

Stone erzielt diese Wirkung aus recht simplen Methoden. Er orientiert sich am Gefühlsleben George Bush Juniors und zieht diesen roten Faden durch bis hin zu seiner Position im theoretisch höchstem Amt Amerikas. Er legitimiert dieses Vorgehen durch den Grundcharakter Bushs und unterstreicht es mit der Ähnlichkeit des Charakters dessen Mutters. Stone lässt Vater Bush nicht zu einer kleinen Nebenrolle verkommen und verstärkt durch dessen völlig andere Charaktereigenschaften noch einmal die der Hauptfigur des Films.

Eine Wertung ergibt sich dabei erst in zweiter Reihe, geht es eigentlich doch schlichtweg dabei um den Unterschied, dass der eine Prinzipien folgt und wohlüberlegt handelt und der andere nie wahre Werte entwickelt hat und aus dem Bauch heraus handelt. Dass letztere Eigenschaften nicht gerade positiv für ein politisches Amt sind, ist nicht von der Hand zu weisen. Zumindest entsprechen sie nicht dem Bild eines Politikers in den Köpfen der meisten Menschen. Hier kann nun die Wertung Fuß fassen, etwas dass in einer Biographie eigentlich nichts zu suchen hat.

Allein deswegen ist die Ironisierung so wichtig, in welche Oliver Stone seinen Film packt. Das gibt der ganzen Problematik ein wenig Rückendeckung. So kann man trotz der fehlenden Neutralität Gefallen an „W.“ finden. Trotzdem ist qualitativ ein Unterschied zu erkennen zu dem faktenreichen „Nixon“, ein weiterer Film Stones über einen Präsidenten der USA.

War dieser ein komplexer Film, dem man nur hochkonzentriert folgen konnte, so ist „W.“ trotz nicht chronologischer Erzählung ein leichtfüßiger Unterhaltungsfilm geworden, dem man zwar seinen Hang zur faktenreichen Recherche nicht abstreiten kann, aber aufgrund des Familiendramas im Mittelpunkt nicht so anspruchsvoll daher kommt wie „Nixon“, ja nicht einmal wie „JFK“, der eher Kriminal-Drama anstatt Biographie war und der ebenfalls trotz faktenreicher Erzählung keine Neutralität aufwies. Als Film über eine Morduntersuchung musste er dies auch nicht.

Vielleicht liegt es daran, dass man Bush Junior bereits durch Moore viel zu gut kannte. Wo viele Fakten bereits bekannt sind, da rückt die triviale Familiendramatik der Bushs und der hinein interpretierte Teil Stones in den Vordergrund des Bewusstseins des Zuschauers. Dadurch kann ein ungerechtes Bild entstehen. Andererseits lässt es sich nicht von der Hand weisen, dass man „W.“ nicht gerade konzentriert folgen muss, und dass er in seiner Erzählung ebenso leichtfüßig daher kommt wie der Präsident von dem er berichtet.

Es ist psychologisch betrachtet somit eigentlich richtig den Film so zu erzählen, wie er erzählt wurde. Leichtfüßig, Hintergründe über das Gefühlsleben des Präsidenten erklärend - was der Film richtig macht, lässt ihn ungerecht betrachtend plumper daher kommen. Dabei besitzt das Werk nur einen wahren Tiefpunkt, und das ist eine (logischer Weise) erfundene Alptraumsequenz Bushs, die nun gar nichts mehr mit Fakten zu tun hat.

Über das Ergebnis kann man dennoch nicht jammern. „W.“ ist hochkarätig besetzt, faktennah und baut immer wieder eine Brücke zur Politik des Herrn Papa, was allein wegen der Anwesenheit gleicher Mitarbeiter bei beiden Präsidenten auch absolut sinnvoll ist. Stone lässt sich viel Zeit für die Vergangenheit Juniors. Dennoch wäre so manche fehlende Vertiefung sinnvoll gewesen, die er Richard Nixon gegönnt hätte. Die verschiedenen Berufe werden nur angeschnitten, über die Freundschaft des Vaters und des Sohnes zu den Bin Ladens wird überhaupt nichts berichtet, vieles wird schlichtweg nur erwähnt anstatt es auch wirklich zu thematisieren.

Scheinbar wollte Stone nicht schon wieder eine Biographie mit der Laufzeit von 3 Stunden abliefern. Der lockerflockigen Inszenierung hätte das sicherlich auch nicht gut getan. Und solch wichtige Elemente wie Bushs Religionsleben und seine politische Passivität, die ihn zum Spielball anderer Menschen machte, werden um so deutlicher eingebaut, so dass man unterm Strich trotz mancher Lücke und fehlender Distanz durchaus von einem interessanten Film sprechen kann. Wie oben bereits erwähnt hat Stone uns den Menschen Bush zumindest näher gebracht als es Moore je konnte und wollte. Dabei hätte Moore davor gar keine Angst haben müssen. Den Menschen den man nicht mag zu verstehen hilft dabei ihn nicht völlig aus dem Affekt heraus unsympathisch zu finden.

Hat man durch beide Filme beide Präsidenten kennen gelernt, zeigt sich ein deutlicher Unterschied zwischen Richard Nixon und George Bush, Jr., die immerhin beides unbeliebte ehemalige Präsidenten der USA waren. Der eine handelte aus Überzeugung heraus (so wie Papa Bush). Man lernte ihn zu verstehen und konnte Taten, zu denen man kritisch steht, zumindest aufgrund seiner Sichtweise respektieren. Bush Junior war lediglich ein unreifer Egomane, der nie wirklich wusste was er tat. Ihn verstehen zu lernen ist nicht gleich zu setzen damit, dass man einen gewissen Respekt zu seiner Sichtweise bekäme. Der Blick hinter die Kulissen hilft lediglich dabei ihn weiterhin nicht zu mögen, wenn man dies bereits vorher tat.  OFDb