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28.08.2020

THE BOOGEY MAN 2 (1983)

Von Ulli Lommel kann Produzent Charles Band noch etwas lernen. Bereits der ist dafür bekannt kurze Laufzeiten zu liefern und diese mit langen Abspännen und allerhand Füllmaterial vorangegangener Filmprojekte zu strecken. Aber was Regisseur Bruce Pearn unter der Produktion Ulli Lommels hier serviert, ist derart dreist, dass es daran nichts mehr schön zu reden gibt. "Revenge of the Boogeyman" (Alternativtitel) ist eine bewusste Zuschauertäuschung, die eine dünne, dümmliche und schlecht gespielte und mies inszenierte neue Pseudo-Handlung in ein Meer an Rückblicken aus dem Original "The Boogey Man" taucht. War dieser auf seine plumpe Art kurzweilig zu konsumieren, so nervt die penetrante Herangehensweise in der ersten von bislang drei Fortsetzungen ungemein. Nicht nur dass man fast den kompletten ersten Teil noch einmal serviert bekommt, detailreich, mit sämtlichen Unnötigkeiten angereichert, über die man nichts wissen muss für die nun folgende, neue Geschichte (eigentlich braucht man jedoch gar nichts vom Vorgänger zu wissen, so anders wie die Geschichte ausgelegt ist), man erdreistet sich zudem die Protagonistin des Erstlings Dinge wissen zu lassen, die sie nicht wissen kann. 

Noch ärgerlicher wird es, wenn Szenen verwendet werden, die bereits im Original Rückblicke, also Wiederaufnahmen, von etwas waren, was man bereits zuvor gesehen hat. Und somit schneien Rückblicke in Rückblicken ein, welch üble Methodik. Wie erwähnt ist das Erdulden des bereits Bekannten, das aufgrund seiner dominanten Präsenz keine Wiedersichtungs-Freude aufkommen lässt, keine öde Phase, die uns zu einer interessanten Weitererzählung führt. Der neu zu sichtende Plot ist hauchdünn ausgefallen, und das Verhalten der Figuren diesmal dümmlich zu nennen, so sehr sogar, dass man es hier mit besonders naiven Personen zu tun bekommt. Zwar wird versucht das Gezeigte satirisch anzugehen, gerade die Filmbranche Hollywoods bekommt ordentlich ihr Fett weg, aber bis auf manch überraschend frechen Spruch, der vielleicht auch nur der deutschen Synchronisation zu verdanken ist, kommt auch dieser Aspekt zu bemüht daher. 

Letztendlich outet sich "Boogey Man - Die Rückkehr" (Alternativtitel) mit jeder Sequenz als halber Film, der entweder aus der Not heraus per Flickmaterial zu einem angeblich vollen wurde, oder nie anders geplant war. Keine Ahnung ob da wem die Gelder flöten gingen, aber "The Boogeyman 2" (Alternativtitel) ist unübersehbar ein Betrug an den Filmfreund. Selbst jene blutigen Momente, die nicht aus dem Original wiederholt wurden, sind nicht des Reinschaltens für den hartnäckigsten Horror-Fan wert, vermeiden doch zu dunkle Aufnahmen, eine zu nahe Kameraführung und eine nervige Schnitt-Methode zu Einsparungszwecken, dass man etwas von solchen Szenen hat. Anbei hört sich das Atmen des Spiegelmonster diesmal weit weniger atmosphärisch an, als in seinen Auftritten in Lommels Erstling, nicht einmal diesen simplen Aspekt bekommt die Fortsetzung richtig hin. "Boogeyman II" (Originaltitel) ist ein Schundprodukt und noch penetrantere Geldmacherei als übliche Schnellschuss-Produkte für den Videomarkt. Hier wird der Zuschauer bewusst getäuscht, indem ihm ein neuer Film lediglich vorgegaukelt wird. Das wenige, neue Material guckt sich qualitativ auf Porno-Niveau.  OFDb

23.08.2020

THE BOOGEY MAN (1980)

"Halloween - Die Nacht des Grauens" thematisierte 1978 finanziell erfolgreich die Personifizierung des schwarzen Mannes, der in den USA der Boogey Man genannt wird, mittels des mittlerweile legendär gewordenen Michael Myers. Zwei Jahre später kommt Ulli Lommels Horrorfilm mit ähnlicher Eingangssequenz wie dort daher und bedient sich in den Tötungssequenzen zudem der schweren Atmer des Serienkillers aus John Carpenters Prototyp-Slasher, lässt aber den titelgebenden Boogey Man komplett vermissen. Sein Film, dem bis 2016 drei Fortsetzungen folgen sollten, thematisiert stattdessen eine böse, unsichtbare Macht, die in einem Spiegel gefangen war und nach dessen Zerstörung befreit wurde. Der Spiegel musste in dem Haus, in dem er hing, Schreckliches beobachten, nun steckt das Böse in seinen Scherben und kommt zum Ausbruch. Warum wird nicht erklärt, "The Bogey Man" (Alternativtitel) ist einer dieser Sinnlos-Horrorfilme, die rein auf den Effekt setzen, ohne dass die übernatürlichen Ereignisse einer erkennbaren Gesetzgebung entsprechen oder einen tieferen Sinn ergeben. Das ist vielleicht auch besser so. Immer wenn Autor Lommel versucht etwas psychologisch zu begründen, haut er gewaltig in die Kacke, da er von diesem Gebiet überhaupt nichts versteht. Interessanter Weise wird aus dem Schauerfilm trotzdem keine unfreiwillig komische Gurke. 

Lommel schafft es, dass man den hier präsentierten Unfug, dem jegliche Form von Ironie oder anderweitiger Distanz zu seinem Unsinn fehlt, ernst genug nehmen kann, um recht packendes Erlebnis-Kino zu sichten, das noch immer zu einem gewissen Teil vom Terrorkino der 70er Jahre zehrt. Diesbezüglich nicht all zu extrem, und schon gar nicht gesellschaftskritisch wie in diesem Metier ursprünglich üblich, ausgefallen, präsentiert er nett eingefädelte Tötungssequenzen, desillusionierte Figuren in unerklärlichen Situationen, untermalt von einem psychedelischen Sound, der dem Ganzen den Schlussstrich des besonderem Etwas beschert. Warum das Gesamtergebnis so passabel unterhält, sollte man nicht näher hinterfragen, sondern als Genre-Fan und Vielverzehrer dieser Art Film dankend annehmen. Ulli Lommel entfacht frei eines düsteren Spannungsbogens, einer dichten Atmosphäre und einer gelungenen Mystik auf recht plumpe Art einen unterhaltsamen Horrorfilm für schlichte Gemüter. Dass sich die Amityville-Reihe mit ihrem sechsten, mittlerweile zum siebten Teil erklärten, Beitrag ebenfalls der Spiegelthematik annahm, kann man fast schon als Revanche dessen verstehen, dass das im Zentrum stehende Haus des hier besprochenen Streifens dem Gebäude aus "Amityville Horror" stark ähnelt. Das Ergebnis dort fiel jedoch blasser aus als hier. So schöne Momente, wie das Zerreißen der Kleider der Protagonistin durch eine unsichtbare Macht, fehlen ihm komplett.  OFDb

23.07.2016

TOTENTANZ DER HEXEN (1983)

Als Schüler Fassbinders drehte Ulli Lommels einst den sehr geglückten „Die Zärtlichkeit der Wölfe“. Sieben Jahre später war er mit seinem Horrorfilm „Boogey Man“ bereits im Mittelmaß seines Schaffens angekommen. Den Tiefpunkt erreichte er mit Spätwerken wie „Curse of the Zodiac“, die einer Beleidigung an den Zuschauer gleichen überhaupt als Unterhaltungsmedium angeboten zu werden. Durch den Erfolg von „Boogey Man“ und einem von Lommel höchstpersönlich schnell nachgereichtem „Boogey Man 2“, blieb der Regisseur dem Fach des Horrorfilms lange Zeit treu. Und dass unter seinen Arbeiten auch interessant klingende Werke mit enthalten waren, zeigt ein Blick auf „Totentanz der Hexen“, der nicht einfach nur die Geschichte einer verfluchten Kleinstadt zum x-ten Mal wiederholen wollte.

Vielmehr hat der Glaube an einen Fluch der Hexen eine Gemeinde derart verstört, dass sie an die Rache der Hexen glaubt, als das moderne Leben in ihrem Hinterwäldler-Leben Einzug hält. Eine Wissenschaftlerin sucht nach Giftstoffen in den Gewässern der Gegend, eine Radiomoderatorin gibt emanzipierte Ratschläge an ihre Zuhörerinnen, und eine Lehrerin klärt ihre Schüler dahingehend auf, dass es vor den großen Weltreligionen auch den Glauben an weibliche Götter gab. „Totentanz der Hexen“ guckt sich für einen US-Film unter deutscher Regie zwar arg konservativ, für einen konservativen Film ist er jedoch recht emanzipiert ausgefallen, sind die Frauen doch die einzig aufgeklärten Köpfe dieses Filmes, abgesehen von einem männlichen Arzt, der es einer Erbkrankheit geschuldet ist sich in Demut zu halten, glaubt er doch trotz seines gelehrten Berufes seine Krankheit hänge mit dem Hexenfluch zusammen.

Prinzipiell vergiften sich die Bewohner selbst mit ihrem Aberglauben. Und egal was Jenny in Devonsville tut, es feuert nur den Unmut der Bürger an sie als Hexe zu verurteilen. Lange Zeit unterschätzt Jenny die Situation, bis sie schließlich eskaliert und die Lehrerin sich in Lebensgefahr befindet.

Bis es so weit ist hat Lommel die Geschichte jedoch derart zäh in die Länge gestreckt, dass man schon ein sehr geduldiger Zuschauer sein muss, um „The Devonsville Terror“ (Originaltitel) interessiert zu folgen. Sein in düsteren Bildern gehaltener Film und die trockene Atmosphäre helfen jedoch dabei, dass sich dies nicht all zu armselig schaut. Allerdings bemerkt man auch beim besten Wohlwollen, dass sich „Totentanz der Hexen“ eher wie lieblos abgefilmt schaut, so dass der Verdacht aufkommt, die gelungeneren Momente könnten auch rein zufällig entstanden sein.

Ein weiteres Manko legt zudem eine dunkle Wolke über das eigentlich ansprechende Werk. Lommel vertraut nicht einzig der Idee des Irrglaubens der Bewohner. Anstatt die modernen Frauen moderne Frauen sein zu lassen, macht er zumindest die Lehrerin zu einer ahnungslosen Nachfahrin einer der damals zu Tode gefolterten Frauen. Lommel, der zusammen mit seiner Hauptdarstellerin das Drehbuch geschrieben hat, lässt es in der Schwebe in wie weit die Rache am Ende bewusst oder unbewusst von Jenny aus vonstatten geht. Gesprochen wird von einer höheren Macht, von der sie geleitet wird. Eine Hexe ist sie nicht, vielmehr wurde sie schon damals gesandt, und das Böse siegte einst, indem es sie auf den Scheiterhaufen brachte.

Komplett ohne Hokuspokus kommt Lommels Werk somit doch nicht aus, und damit vergeigt er es ein Psychogramm zu erschaffen, in welchem sowohl die aufkeimende Gefahr der ahnungslosen Frauen, als auch die Todesfalle, die sich die Schuldigen unbewusst selber bauen, zur wahren Entfaltung kommen und eher anhand von Fantasieelemente kurz angebunden am Ende thematisiert werden, anstatt als durchdachte Gesellschaftsstudie mit Köpfchen. Da wurde zwar somit einiges an Potential verschenkt, aber auch auf seine plumpere Art weiß „Totentanz der Hexen“ einen gewissen Charme zu versprühen.

Neben der angenehm trockenen Umsetzung wissen die eher schundig ausgefallenen Spezialeffekte gegen Ende auf Retro-Basis zu gefallen, die ähnlich reißerisch ausfallen wie manch andere Idee des Streifens. Und der Ansatz Hexen keine Hexen sein zu lassen und emanzipierte Frauen zu den Helden der Geschichte werden zu lassen innerhalb einer phallokratischen Gesellschaft, hebt „Totentanz der Hexen“ zumindest vom Einheitsbrei seiner Zeit ab. Schade dass der Inszenierungsstil diesem Vorbild nicht folgt. Der degradiert den Stoff zusammen mit seiner Mutlosigkeit gegen Ende dann doch wieder zu Durchschnitt.  OFDb