Es ist zwar schön die Truppe, mit Ausnahme von Karoline Herfurth, wieder vereint an einem Strang ziehen zu sehen, aber bereits der Blick auf die Handlung macht klar, dass diesmal nicht wirklich Einfallsreichtum im Spiel war. Das hat einen Teil 2 zwar auch nicht davon abgehalten geglückt zu sein, doch diesmal will das Spiel aus Wiederholungen und Resteverwertung nicht so rund laufen, einfach weil das zwischenmenschliche Treiben, das in den Vorgängern ein nicht zu unterschätzer Gewinn war, nicht richtig fruchten will. An unterhaltsamen Ausnahmeregeln mangelt es nicht, zudem ist Teil 3 nie sperrig oder uninteressant erzählt, man hält ihn ohne Anflug von Langeweile bis zum Schluss durch, wirklich unterhaltsam mutet das Ganze aber immer nur phasenweise an. Somit hangelt sich der Film eher uninspiriert und episodenartig von einem Moment zum nächsten, eine Geschichte eher vorgaukelnd anstatt sie zu liefern, und so erscheint das alles etwas zu mager um wirklich zu gefallen. Kompromisslose Stammzuschauer werden sicherlich noch genügend gesättigt, alle anderen brauchen nicht einschalten. Ich fand die Vorgänger ohnehin nur lediglich ganz nett, nicht mehr, nicht weniger, somit kann ich nun auch nicht sagen sonderlich enttäuscht worden zu sein. Ehrlich gesagt habe ich mit einem derartigen Ergebnis sogar schon beim Vorgänger gerechnet. OFDb
Von einem der daheim blieb, um die weiten Welten des Films zu entdecken...
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10.05.2022
27.03.2022
FACK JU GÖHTE 2 (2015)
"Fack ju Göhte" gefiel mir erst bei der zweiten Sichtung. Da die dort entstandene Sympathie zum Film viel mit dem romantischen Aspekt der beiden Hauptrollen zu tun hatte, und Karoline Herfurth in der Fortsetzung nur eine kleine Rolle beschert bekam, war ich ziemlich kritisch, ob Teil 2 es schaffen würde erneut schlicht bei mir zu punkten. Zunächst schien es so, als ob sich die Befürchtungen, dass der Proletenhumor rund um die dümmlichen Schüler zu sehr dominiert, bestätigt, aber recht schnell zeigte sich stattdessen, dass "Fack ju Göthe 2" pointensicher und noch immer mit Blick auf die Charaktere und ihre Entwicklung geschrieben und inszeniert ist. Die Weiterführung der Geschichte von Teil 1 ergibt Sinn, die Komplikationen sind durchdacht, und das Interesse für die Geschehnisse wird tatsächlich geweckt. Zwar funktioniert der Kulturenkonflikt nur bedingt, der grundlegende Charme des Ganzen fängt dies jedoch auf. Diese Komödie schaut man, ebenso wie den Vorgänger, nicht aufgrund einer tiefgehenden Geschichte, oder aufgrund von Realitätsnähe. Sie atmet Kino, sie will nichts anderes sein, und hierfür ist man sämtlichen Charakteren nah, wenn es emotionaler wird, und der Comicgrad auf funktionierendem Level, wenn es mal was abgedrehter zugeht, so z.B. in der Tischtennisballsituation in Thailand angekommen. Dementsprechend stört auch nicht das konstruierte Zusteuern auf das obligatorische Happy End. Es gehört zur Kinomagie einfach dazu, auch in einer prolligen Mainstream-Komödie. Das ist alles nicht Gold, aber mit genügend Sympathie versehen, so dass selbst die zwischenmenschlichen Aspekte der größten Hohlbrote und Außenseiter funktionieren. Fremdschämen kommt auf mehreren Ebenen auf, aber nicht bezüglich der Herstellung und dem Konsum des Filmes. Gerade die beiden Zugpferde Zeki und Chantal trumpfen erneut, und der introvertierte Außenseiter mit den psychischen Problemen wird förderlich und treffsicher in das Szenario eingesponnen, die Annäherung an Chantal ebenso betreffend wie die heimliche Liebe zu Lisi, inklusive dem herrlich peinlichen Videochat. Wer mit wenig Erwartungen heran geht, kann kurzweilig auf schlichtem Niveau unterhalten werden. Einzig dass der Part von Katja Riemann diesmal etwas zu kurz kommt, ist zu bedauern. OFDb
08.02.2020
WIR HAU'N DEN HAUSWIRT IN DIE PFANNE (1971)
Diese deutschen Komödien Ende der 60er und Anfang der 70er Jahre entstanden, sind eine Gattung Film für sich und lösen bei den meisten Menschen mit ihrer übertrieben klamaukigen und unbedarft amateurhaften Art Fremdschämen aus. Am unangenehmsten ist es, wenn man einen dieser drögen Kandidaten a la "Rudi, benimm Dich" erwischt. In der Ausnahme begegnet man auch mal hin und wieder angenehmen Vertretern, wie der Reihe um "Die Lümmel von der ersten Bank", "Wenn mein Schätzchen auf die Pauke haut" oder "Otto ist auf Frauen scharf". Besonders lustig wird es aber eigentlich dann, wenn sich eine unfreiwillig komische Chose kurzweilig in kleiner Gruppe schauen lässt, wie beispielsweise bei "Musik, Musik - Da wackelt die Penne" geschehen. Wenn grotesk anmutender Extremklamauk verzweifelt irgendwie Lacher einfangen möchte, ohne zu wissen wie, dann ist bei gutem Timing, flotter Umsetzung und interessanter Besetzung diese schönste Variante bescheuerter Komödienunterhaltung besagter Entstehungszeit gegeben. So auch mit "Wir hau'n den Hauswirt in die Pfanne", den man auch als jene Art Cineast, der selbst solchen Werken immer wieder eine faire Chance bietet, nicht mehr schön reden kann.
Das Affentheater welches Franz Josef Gottlieb als ersten von fünf Filmen dieser Art im Jahr 1971 inszenierte, ist ein peinlicher Versuch ohne nennenswerte Geschichte 90 Minuten lang Lustigkeit an Lustigkeit zu reihen. Dabei ist die grundlegende Idee alles in einer Art Minikosmos rund um die Bewohner des Hauses spielen zu lassen nicht ohne Reiz. Aber egal ob es um den Hauptplot der bald auf der Straße lebenden Kleinschmitzes geht, dem Zwist zweier Zusammenlebender, die nicht ahnen, dass sie sich per Kleinanzeige gerade anonym ineinander verlieben, oder die vorprogrammierte Enttäuschung des Ehepaares Zwicknagel, welches glaubt die Tochter würde sich mit wem Reiches liieren, wirklich jede dargebotene, meist aus dem Zusammenhang gerissene, Situation weiß nicht auf gelungene Art zu belustigen, sondern demonstriert stets nur das Unvermögen von Autoren und Regie. Auf Seiten der Darsteller ist theoretisch gesehen nicht nur Untalent mit an Bord. Rudold Schündler kann anders, und dass Fritz Tillmann, der hier den Hauswirt mimt, mit seiner Stimme wie geboren dafür ist den laut los schimpfenden Tyrannen zu spielen, bewies er mit seiner Synchronisation des Bösewichts in "Herbie groß in Fahrt". Inmitten des großen Fremdschäm-Chaos in "Wir hau'n den Hauswirt in die Pfanne" versucht jedoch keiner von beiden etwas von seinem Können zu demonstrieren, und das kann man auch verstehen.
Dennoch sind alle mit komplettem körperlichen Einsatz dabei, wenn es darum geht sich zum Affen zu machen. Gerade Tillmann stolpert von einem Fettnäpfchen ins nächste und darf in einer Szene, die in einem Tante Emma-Laden spielt, gar eine Art Lebensmittelmassaker anrichten, was derart gewollt, verkrampft gespielt und schlecht choreographiert eingefangen ist, dass auch hier kein winziger Moment gelungen erscheint. Neben groteskem Grimassenschneiden, herunter fallenden und Krach machenden Gegenständen, albernem Herumgehampel, obligatorischen Lümmel-Szenen, hektischen Sturzstunts und dem Zerstören diverser Utensilien darf aufgrund der integrierten Liebesgeschichte zwischen Uschi Glas und Christian Anders auch das penetrante Rollenbild Mann und Frau nicht fehlen. Sie sollen verschmitzt und dreist, aber doch liebevoll wirken, sind aber doch nur unsympathische Menschen, die man am liebsten ohrfeigen möchte. Eigentlich mögen sie sich zurecht nicht, finden aber wider aller Naturgesetze und Empfindungen am Ende doch zusammen. Aber um Gerechtigkeiten geht es in einem Film voll von unsympathischen Figuren ohnehin nicht. Die Kleinschmidts stehen in ihrer asozialen Art dem bösen Hauswirt und dessen Frau in nichts nach, dennoch bemerken Drehbuch und Regie nur die Schuld der Zwicknagels, so dass das Gefühl der Gerechtigkeit für den kleinen Mann, welches oft in dieser Art Komödie thematisiert wird, nicht eingefangen wird. Schön dass es besonders peinlich, ungerecht und unlustig als eine Art negativem Höhepunkt als Paukenschlag in der Schlusspointe zugeht, so dass der Film inhaltlich, vordergründig und psychologisch gesehen so unangehm und bemüht um Lustigkeit schließt, wie er sich die komplette Laufzeit über schaute - glücklicher Weise kurzweilig ausgefallen, frei von zähen Momenten erzählt und immer auf jene Art peinlich wirkend, wie es dem Trash-Fan unfreiwilliger Komik in der Regel zu gefallen weiß. OFDb
P.S.: Highlight der unfreiwilligen Komik ist übrigens der Gesangsauftritt der immer grinsenden Schlagersängerin Olivia Molinad, die es schafft in einem Jahrzehnt der schauderhaftesten Frisuren, die skurrilste zu tragen, irgendwo zwischen Frau mit Koteletten und Frau mit Stoßzähnen wirkend, und damit garantiert lautes Lachen verursachend.
27.06.2017
DIE WEIBCHEN (1970)
Es war sicherlich damals schon werbetechnisch ein großer Schachzug Uschi Glas in einem solch provozierenden Film zu besetzen, war sie doch bereits durch ihre Auftritte bei den Lümmeln von der ersten Bank, durch Filme wie „Klassenkeile“ und diverse Wallace-Streifen, sowie ihrem gemeinsamen Auftritt mit Roy Black in „Hilfe, ich liebe Zwillinge“ bekannt geworden. Dennoch scheint es heute noch eine Spur skurriler zu wirken, wenn man ein Publikum mit den Worten „Der Kannibalenfilm mit Uschi Glas“ locken kann. Trotzdem bleibt eine Besetzung mit Uschi Glas, ebenso wie in jedem anderen Film in dem sie agierte, ein Schwachpunkt, ist die Frau doch schnellstens schauspielerisch überfordert, und das lässt sich leider an vielen Stellen nicht übersehen.
Auch in einer Geschichte, die als Groteske erzählt ist, fällt das auf. Glücklicher Weise ist „Die Weibchen“ interessant genug umgesetzt, so dass man gütigst über dieses Makel hinwegsehen kann. Köstlich ist der Gedanke, dass manch einer Brynychs Werk als lobenswerten Emanzipationsbeitrag betrachten könnte, heißt er diese Bewegung doch zwar gut, thematisiert aber eigentlich etwas völlig anderes. In „Little Women“ (Alternativtitel) geht es um Extremisten, und die sind im Emanzipationsbereich ebenso schädlich für die Gesellschaft wie im politischen, religiösen oder anderweitigem gesellschaftlichen Bereich.
Eve landet unter Extremisten, die sie zu einer der Ihren erziehen wollen. Da Eve zu Beginn geistig noch normal gepolt ist, kommt ihr das entrückte Denken der ortsansässigen Frauen, welches sie zunächst nur als sonderbares Benehmen wahrnimmt, äußerst skurril vor, während die Frauen selbst in ihrer Desorientierung dies nicht verstehen könnten. Gerade deshalb ist es auch so wichtig, dass „Die Weibchen“ in Form einer Groteske umgesetzt wurde. Der Zuschauer soll spüren zu welch verrücktem Denken Extremismus verleitet.
Glücklicher Weise begeht Brynych nicht den Fehler Emanzipation an sich der Lächerlichkeit preiszugeben. Das Verhalten der frisch im Ort angekommenen Männer weist allerhand Verhaltensweisen des starken Geschlechts auf, gegen das sich Frauen seinerzeit zu Recht gewehrt haben. Andererseits thematisiert „Die Weibchen“ mit Frauen in damaligen Männerberufen, wie jenem des Automechanikers, auch die Verwirrungen dieser Zeit des Umbruchs. Nicht jedem fiel es leicht sich an das neue Rollenbild der Frau zu gewöhnen.
Was dem Film letztendlich seine spezielle Note beschert, ist der schmuddelige Bahnhofs-Kino-Touch, der ihn mit angedeutetem Gore, nackten Tatsachen, dem Verzicht auf subtile Andeutungen und der Extreme seiner Geschichte, freilich aber auch aufgrund der von Peter Thomas komponierten Hintergrundmusik und der (teilweise absichtlich übertriebenen) Mode deutlich in den 70er Jahren festhält. „Die Weibchen“ guckt sich nicht zeitlos, und das ist auch gut so, ist er doch ähnlich wie „Sieben Tage Frist“ ein interessantes deutsches Werk seiner Zeit, wenn auch völlig anders ausgefallen als dieser.
Die Konzentration auf den grotesken Ton lässt den Film nur schwer einem Genre zuordnen. Letztendlich enthält er Elemente des Horrorfilms, des Dramas und des Kriminalfilms, ist andererseits aber gleichzeitig nichts von alledem. Hier wäre er meiner Meinung ein wenig mit „Der Bunker“, aufgrund der Entstehungszeit mehr aber noch mit „The Wicker Man“ vergleichbar, beides Filme, die ebenfalls Kritik an extremistischem Denken äußern.
Emanzipation verschreckte damals viele Menschen, das zeigt sich in der Filmwelt mit Werken wie „The Astounding She-Monster“ und „Cat-Women on the Moon“ sehr deutlich. Im Gegenzug gab es mit Werken wie „Invasion der Bienenmädchen“ auch Vertreter, die modern mit dem Gesellschaftsumschwung umzugehen wussten. Es tut jedoch gut zu wissen, dass bereits damals jemand das klassische Für und Wider, über das jeder sprach, ignorierte, um über das Thema hinweg einen filmischen Kommentar darüber ablieferte, wie der Emanzipationsgedanke von Extremisten missbraucht werden kann und unschuldige Menschen manipulieren kann. Der Schluss von „Die Weibchen“ ist nicht als Sieg der Emanzipation zu betrachten, sondern als trauriges Beispiel eines gehirngewaschenen Geistes, von Dritten ihres Verstandes beraubt für den angeblich guten Zweck.
Mir gefällt diesbezüglich die Titelgebung ganz gut. Versteht man die Bezeichnung „Die Weibchen“ zunächst noch als herablassende Bezeichnung dominanten Männerdenkens, entpuppt sich der Titel mit der Zeit doch viel mehr als Verweis auf das unreife Denken von Extremisten. Es ist schön mit anzusehen auf welch sich wohlfühlend selbstverständliche Art die jungen Dinger im Finale einen Mann mit der Säge zerlegen, eine kindliche Freude ausstrahlend, eine Unreife lebend, geistig entrückt kein natürliches Empfinden für ihre schreckliche Tat aufblitzen lassend. Es sind keine mündigen Frauen, wie sie es als Emanzen sein möchten, es sind nicht erwachsen gewordene Weibchen mit unreifem Schwarz/Weiß-Denken. OFDb
03.03.2017
OTTO - DIE SERIE (1994)
Nicht nur die halbe Filmwelt war begeistert von Carl Reiners Geniestreich „Tote tragen keine Karos“ mit Steve Martin in der Hauptrolle besetzt. Auch Otto Waalkes sympathisierte mit der dort umgesetzten Idee moderne Schauspieler auf Personen klassischer Filme treffen zu lassen. Inspiriert vom großen Vorbild drehte er über 10 Jahre später „Otto - Die Serie“, ein TV-Produkt, und baute sich in diverse Szenen der Rialto-Wallace-Reihe ein, die mit „Der Frosch mit der Maske“ 1959 ihren Anfang nahm.
Allein dass Otto Waalkes derjenige war, der sich an solch ein Projekt heranwagte, verursacht im Vorfeld bereits Bauchschmerzen, gehört der ostfriesische Komiker doch nicht gerade zu den einfallsreichen Männern seines Fachs. Bereits in Komödien wie „Otto - Der neue Film“ und Co bewies er, dass er sich immer wieder auf alte Lacher verließ, die ihm einst den Ruhm bescherten - und selbst mit denen kann ich wenig bis gar nichts anfangen.
Mit dieser Meinung mag ich vorbelastet sein, aber es tut mir leid, an „Otto - Die Serie“ gibt es nun wirklich nichts schön zu reden. Aus einer sympathisch klingenden Idee wurde ein verflixt mieses Werk. Nicht nur dass mich die typische Otto-Komik in ihrer alten, unkreativen Leier nervte, ihr würdeloser, inflationärer Umgang ließ es erst gar nicht zu, sich unvoreingenommen der innovativ klingenden Idee zu öffnen. Denn wo bleibt auf diese Art der Respekt vor der Vorlage? Otto bezieht sich meist nicht auf irgendwelche Wallace-Themen, er hat nicht vor diese in ihren Stärken oder Schwächen am Schopf zu packen und damit im Kern zu parodieren, nicht einmal in der Ausnahme. Sie dienen einzig der Pointenunterstützung für Ottos Kalauer.
Auch dies ginge noch halbwegs in Ordnung, wenn Mühe hinter dem Projekt zu erkennen wäre. Aber wenn fast jede klassische Szene neu synchronisiert wird, damit sie erst zur Pointenvorlge der Dialoge werden kann, dann ist das schon eine sehr dünne Nummer, die man mit jeder Art Füllstoff hätte umsetzen können. Dann hätte man z.B. nicht Ottos peinlichste Rolle, jene des Baby Otto, ausgerechnet frei jedweder Würde auf Klaus Kinski loslassen müssen, der bereits Probleme mit der Wallace-Reihe selbst hatte, so sehr wie er sich immer als Künstler der Schauspielerei sah. Was würde der sich wütend schnaubend im Grab umdrehen, wenn er sehen müsste, wie nach seinem Tod ehemaliges Filmmaterial dafür hergegeben wird, damit ein peinlich, herumkaspernder Mann in Babyklamotten seine dünnen Witzchen auf seine Kosten reißen kann?
Was lieblos mit jeglicher Neuvertonung der klassischen Wallace-Vorlagen beginnt, zeigt sich ebenso enttäuschend billig umgesetzt in dem Einsatz der Doubels, beispielsweise wenn Schauspieler der Wallace-Reihe mit neuen Personen bei Aufnahmen von hinten ersetzt werden müssen, damit Otto vor ihrer Nase herumkaspern darf. Ich will es mal so ausdrücken: selbst die 70er Jahre Schnellschuss-Produktion „Wir hau‘n die Pauker in die Pfanne“, die sich im selbigen Punkt ebenfalls keine große Mühe gab als sie Theo Lingen in einer Doppelrolle doubeln musste, hat bessere Doppelgänger vorzuweisen als Otto Waalkes mit all seinem vielen Geld bereit ist in seine TV-Sendung einzubauen.
In einem Projekt, in welchem die Liebe nur an sich selbst gerichtet ist, anstatt an die Vorbilder, die Leidenschaft vorhandene Idee umzusetzen oder die Freude den Zuschauer zu belustigen, da kann Komik nicht fruchten, erst Recht nicht wenn man eine wundervolle Filmreihe mit Füßen tritt anstatt sie zu ehren. Ich habe von Otto Waalkes nun nie viel gehalten, aber ich war naiv genug zu glauben, Otto hätte zumindest dieses Produkt nicht der schnellen Mark wegen gedreht. Wie man sieht habe ich mich diesbezüglich geirrt, so dass sich „Otto - Die Serie“ in die Schlange Ottos cineastischer Gehversuche einreihen kann, von der ebenfalls keines aufgrund einer guten Idee, einer erzählenswerten Geschichte oder dem Einbringen frischer Gags entstanden ist. Ob TV-Produkt oder Kino - das Ergebnis bleibt gleichermaßen enttäuschend. OFDb
Kategorien:
1990-1999,
Deutschland,
Eddi Arent,
Edgar Wallace,
Filmbesprechung,
Horst Tappert,
Joachim Fuchsberger,
Karin Dor,
Klaus Kinski,
Komödie,
missglückt,
Otto Waalkes,
TV-Serie/Web-Serie,
Uschi Glas
27.11.2016
WENN MEIN SCHÄTZCHEN AUF DIE PAUKE HAUT (1971)
„Wenn mein Schätzchen auf die Pauke haut“ erobert mit seinem verspielten Charme schnell die Herzen des Zuschauers, zumindest wenn dieser weiß worauf er sich einlässt, wenn er eine deutsche Heimat-Schlager-Komödie, besetzt mit den damals dafür üblichen Stars, sichtet. Peter Weck präsentiert uns allerhand kunterbunte Charaktere und Situationen, schenkt sich selbst eine herrlich alberne und überzogen Klischee-hafte Rolle, so als dürfte er so gegen den Strich besetzt erst agieren, wenn er selbst auf dem Regiestuhl sitzt. Sicherlich wird mit den Running Gags auf 90 Minuten etwas zu sehr übertrieben, aber das Herz sitzt am rechten Fleck innerhalb einer Geschichte, die eigentlich keine ist.
Eigentlich erzählt Weck diverse Parallelhandlungen und vereint diese irgendwann gekonnt, eigentlich sogar zu professionell für solch konstruierte Grundszenarien, die so gar keinen Sinn ergeben wollen. Aber auf jede lässt man sich nur all zu gerne ein, sind doch alle Beteiligten mit sichtbarer Spielfreude dabei und lässt sich der Film doch Zeit seine „Geschichte“ in Ruhe zu entfalten. Dementsprechend darf es verwundern, dass die, laut Vorspann, zweite Hauptrolle Uschi Glas erst nach etwa 20 Minuten in Erscheinung tritt und besser denn je ins Geschehen integriert wird, dauert es in dieser anspruchslosen Rolle doch einige Zeit, bis sie sich als schauspielerisch untalentiert outet, was in anderen Filmen stets früher klar wurde. Dass es dann ausgerechnet eine der wenig lebensnahen Situationen ist, die sie als Stümper ihres Fachs auffliegen lässt, eine Szene in der sie eigentlich nur schadenfroh hätte lachen müssen, beweist um so mehr wie schnell die Frau, deren Frisur diesmal nicht so penetrant geraten ist wie sonst, schauspielerisch überfordert ist.
Ein schelmischer Theo Lingen, ein schurkischer Peter Weck, ein überraschend sympathischer Roy Black, ein wunderbar alberner Paul Löwinger und ein positiv routiniert agierender Gunther Philipp halten dagegen, lediglich Ilja Richter kommt trotz größerer Präsenz zu kurz, hat er doch eine ziemlich langweilige Rolle erwicht, die sich ziemlich schnell abnutzt. Freilich ist auch er sich, wie alle anderen Beteiligten, für nichts zu schade. Mag so mancher lustig gemeinter Unfall auch eher für Fremdschämen als für einen echten Lacher sorgen, so stellt sich die unbekümmerte Comic-Art des Streifens diesem Nachteil doch mutig gegenüber und präsentiert uns realitätsferne Spinnereien, wie sie auch nur beim hemmungslosen, fast wie selbstgedreht wirkenden, Herumalbern funktionieren können.
Wenn Löwinger als über dem Wasser schwimmender Fisch von einem Angler verfolgt wird, Anitas Papa stets seinen Wohnwagen verliert ohne es zu merken oder Löwinger in an Sherlock Holmes angelehnten Anziehsachen einen Kriminalfall löst, der keiner ist, dann ist die Stimmung auf einem Hoch, zugegeben auf höchst naiver Ebene, aber durch den Charme, welcher den Film vollzieht, eben doch nicht nur von einem Sympathisanten dieser filmschaffenden Zeit gönnerhaft gnädigst mit einem Augezudrücken zugesprochen, sondern tatsächlich vorhanden.
Dass das eigentliche Rezept des Streifens ziemlich simpler Natur ist, ist kein Geheimnis. Allein wie unverschämt man versucht den Erfolg der Pennälerkomödien mit in eine Heimatkomödie zu integrieren, zeigt wie sehr man von jedem Erfolgskuchen ein Stückchen ab haben wollte. Allerdings gelingt es „Wenn mein Schätzchen auf die Pauke haut“ sehr gut, eben weil er eigentlich keine wirkliche Geschichte besitzt, all die verschiedenen Schwerpunkte unter einen Hut zu bringen, so dass man am Ende fast glaubt, tatsächlich einer Geschichte beigewohnt zu haben. Dass es der Streifen zudem schafft, die Instrumentalversion des höchst nervigen Songs „Schön ist es auf der Welt zu sein“, atmosphärisch stimmig einzubauen, ist ein weiteres heile Welt-Kunststück für sich das hier vollbracht wird. OFDb
Kategorien:
1970-1979,
Deutschland,
Filmbesprechung,
Gunther Philipp,
Ilja Richter,
Komödie,
Musikfilm,
Paul Löwinger,
Peter Weck,
Roy Black,
Theo Lingen,
unterhaltsam,
Uschi Glas
22.11.2016
WER ZULETZT LACHT, LACHT AM BESTEN (1971)
Man kennt sie, diese heile Welt-Komödien Deutschlands aus den 60er und 70er Jahren, zu denen man aufgrund ihrer höchst naiven Art, ihres in ihrer Zeit feststeckenden Singsangs und der überholten Art Herumzublödeln ohnehin einen Zugang besitzen muss, um mit diesen seine Freude zu haben. Ich habe sie, habe den Mantel der Coolness und die Ausrede des Trashs längst abgelegt um meine Freude mit dieser wundervollen Gattung Film zu haben, muss nach Sichten von „Wer zuletzt lacht, lacht am besten“ jedoch eingestehen, dass er auch inmitten der naiven Konkurrenzproduktionen ein besonders schlicht ausgefallener Beitrag seiner Nische ist.
Zwar besteht die Handlung aus den typischen Versatzstücken, wie sie in diesem speziellen Sub-Genre seit je her zelebriert werden, Sinn macht die hier zu sehende Handlung jedoch noch weniger als üblicher Weise ohnehin schon. Warum Sabine ausgerechnet mit einem ihr zuvor unsympathischen Mann anbendelt, um Robbie eifersüchtig zu machen, warum Robbie überhaupt das Hotel retten will, und warum zum Teufel er deshalb gegen Ende das Unternehmen des Onkels übernehmen muss, sind alles Fragen, die der Normalzuschauer inmitten all des anderen unlogischen und aus anderweitigen Gründen vorhandenen Unsinns nicht stellt, ich mit Blick auf die besser funktionierenden Vergleichswerke aber sehr wohl, macht doch dieser kleine Unterschied einen Stück des Wohlfühlens während der Sichtung aus, und genau das Wohlfühlen ist doch überhaupt erst der Grund warum man sich einen solchen Film ansehen möchte, wenn es einem nicht nur nach unfreiwilliger Komik dürstet.
Zwar weiß auch „Wer zuletzt lacht, lacht am besten“ auf seine simple Art dennoch zu funktionieren, eben weil er dem seit je her typischen Muster nachgeht, aber er steht auf wackeligen Beinen. Da tut es gut dass Roy Black erst gegen Ende in Dauerschleife singt, und einer von den Songs, das Einschlaflied für die vermeintliche Tochter, situativ aufgrund seiner unfreiwilligen Komik trumpft. Theo Lingen ist ein Hingucker und Hinhörer wie eh und je, Eddi Arent lässt gelegentlich das Niveau seiner vergangenen humoristischen Wallace-Leistungen durchfunkeln, und Roy Black spielt angenehmer als ich es bislang von ihm gewohnt bin.
Da alles vom Anspruch und Niveau her auf niedrigster Flamme brennt, fällt auch Uschi Glas in der Ausnahme einmal nicht so untalentiert auf wie sie eigentlich ist. Inmitten einer selbst für diese Art Film arg konstruierten Romanze, die man als Zuschauer nicht mitfiebert, weiß auch sie nichts zu zerstören. Lediglich von Siegfried Schürenbergs Rolle hatte ich mir mehr erhofft, der gibt zwar sein bestes, aber das Drehbuch hat ihm eine einfallslose Figur zugewiesen.
An „Wer zuletzt lacht, lacht am besten“ sollten sich nur die hartgesottenen Fans dieser Gattung Komödie heranwagen, bietet er das seichte Programm der Konkurrenz sowohl inhaltlich, wie auch von der Stimmung her, nur im Light-Modus. Mir hat er aufgrund der wenigen Erwartungen die ich ohnehin an einen Roy Black-Film stelle zumindest genügend Freude bereitet, um mich trotz all seiner Schwächen versöhnlich von ihm zu trennen. Aber manch einer wird mit den Störfaktoren sicherlich nicht so großzügig umgehen wie ich. OFDb
Kategorien:
1970-1979,
Deutschland,
Eddi Arent,
Filmbesprechung,
Harald Reinl,
Ilja Richter,
Komödie,
Liebe/Romantik,
Musikfilm,
Peter Weck,
Roy Black,
Siegfried Schürenberg,
Theo Lingen,
unterhaltsam,
Uschi Glas
14.07.2016
DER UNHEIMLICHE MÖNCH (1965)
„Der unheimliche Mönch“, der in den USA bereits 1938 verfilmt wurde, sollte, vom in Farbe gehaltenem Vorspann einmal abgesehen, der letzte Schwarz/Weiß-Beitrag der Rialto-Wallace-Reihe werden. Passend zu dieser überholten Methode des Bilderablichtens kommt auch die Inszenierung eines Stoffes noch veraltet daher, der Ähnlichkeiten zu dem zwei Jahre zuvor inszenierten „Der schwarze Abt“ besitzt und von Alfred Vohrer gerade einmal zwei Jahre nach seinem Erscheinen in Farbe als „Der Mönch mit der Peitsche“ neuverfilmt wurde.
Das musikalische Hauptthema von Wallace-Stamm-Komponist Peter Thomas kommt so flott daher wie der eigentliche Film, in romantischen Momente klingt die Musikuntermalung jedoch eher parodistisch als herzzerreißend. Und jegliche andere Musikuntermalung fällt durch seine viel zu reißerische Art so überholt aus, wie „Der unheimliche Mönch“ an sich, der sich im Vergleich zu dem ihm folgenden, wesentlich moderner ausgefallenem, „Der Bucklige von Soho“ wie ein Werk aus einer vergangenen Epoche guckt, so als habe man übersehen, dass das Kino sich weiterentwickelt habe.
Das liest sich zwar sehr negativ, ist aber etwas was ich Regisseur Harald Reinl niemals ankreiden würde, der als einer der Stamm-Regisseure mit „Der unheimliche Mönch“ ebenso Abschied von der Reihe nimmt wie es Karin Dor tut. In diesem letzten Beitrag der beiden bieten sie noch einmal all das wofür die Kinoserie so beliebt war. Dor ist die taffe, sich in Lebensgefahr befindende, junge Frau, der eine Menge Menschen im nebligen England nach dem Leben trachten. Ein maskierter Killer, diesmal ein Mönch, der seine Opfer mit einer Peitsche tötet, ist freilich auch wieder mit dabei, ebenso wie der humoristische Sidekick Eddi Arent, der in diesem Film so manchen Stammzuschauer mit einem düsteren Geheimnis überraschen sollte.
„The Sinister Monk“ (Alternativtitel) guckt sich so überholt wie sympathisch, kann dem vergleichbaren „Der schwarze Abt“ mit Leichtigkeit das Wasser reichen, schafft es auf der anderen Seite aber auch nicht zu den Höhepunkten der Reihe zu werden. Dafür bleibt die Ermittlerfigur Inspektor Bratt zu charakterlos, das Thema des Mädchenhandels wird zu verkrampft in die Geschichte eingefügt und erweist sich als völlig unnötiges Element, und der komplette Zusammenhang des Kriminalfalls muss aufgrund seiner zu konstruierten Art arg bemüht vom Inspektor zum Schluss erklärt werden, damit all das Erzählte irgendwie einen Sinn ergibt. Dafür muss u.a. ein unsinnig psychologisches Leiden als Motiv für die Taten herhalten. Aber da dies selbst dem guten alten Hitchcock in seinem Vorzeigewerk „Psycho“ passiert ist, kann man das einem der Trivialunterhaltung verpflichtendem Film, wie dem hier besprochenen Werk, wohl kaum vorwerfen. OFDb
Kategorien:
1960-1969,
Deutschland,
Eddi Arent,
Edgar Wallace,
Filmbesprechung,
Harald Leipnitz,
Harald Reinl,
Karin Dor,
Kriminalfilm,
Rudolf Schündler,
Siegfried Lowitz,
Siegfried Schürenberg,
unterhaltsam,
Uschi Glas
19.06.2016
DER MÖNCH MIT DER PEITSCHE (1967)
So wie später auch „Die toten Augen von London“ in der Buntphase als „Der Gorilla von Soho“ neu verfilmt wurde, so geschah selbiges mit „Der unheimliche Mönch“, der im Original von Regisseur Harald Reinl umgesetzt wurde. Wie in allen späten Beiträgen der klassischen Wallace-Filme übernahm diesmal Alfred Vohrer die Regie und besetzte von Siegfried Schürenberg als Sir John und Rudolf Schündler in einer Nebenrolle einmal abgesehen andere Schauspieler für die Geschichte, die gerade erst zwei Jahre zuvor schon einmal erzählt wurde. Zwar verweist Sir John nebenbei darauf, dass es einmal einen ähnlichen Fall gab und verrät auch gleich dazu den Filmtitel, ansonsten versteht sich „Der Mönch mit der Peitsche“ jedoch tatsächlich als Remake.
Lediglich die Farbsetzung im Vergleich zum vorher typischen Schwarz/Weiß legitimiert halbwegs eine solch frühe Neuverfilmung. Denn von der Farbe einmal abgesehen besitzt „Der Mönch mit der Peitsche“ nur recht wenige Eigenschaften die später geradezu typisch für die Buntphase wurden. Im Gegensatz zu seinen Nachfolgern ist die Geschichte um vergiftete Mädchen auf einer Mädchenschule noch nicht sonderlich schrill ausgefallen und mit abgefahrenen Bonbons verzuckert. Da fällt lediglich das in knalligem Rot gehaltene Kostüm des Mönchs als besonders greller Sehwert auf und der Drahtzieher der Untaten, der anonym wie ein Dr.Mabuse zu seinen Hilfstätern spricht, lebt in einem Haus in dem u.a. auch Krokodile gehalten werden.
Der Humor kommt noch ziemlich subtil daher, so grob herumalbern wie in seinem letzten Fall in „Im Banne des Unheimlichen“ darf Inspektor Higgins noch nicht. Und auch Sir John hält sich als der witzige Sidekick noch zurück wenn es um amouröse Anspielungen seiner Sekretärin gegenüber geht. Er darf hier noch harmlos herumalbern, wenn er sich nach einem mehr oder weniger erfolgreich absolviertem Studium als Hobby-Psychologe versucht, freilich nach ganz eigenen Vorstellungen und für die Ermittlungen so gar nicht nützlich.
Der Rest des Streifens tut jedoch so, als wäre all das was passiert völlig normal, so als ob jeglicher Kriminalfall in etwa so gestrickt wäre wie die wirre Story die uns hier vor die Nase gesetzt wird. Auf die Wallace-Welt bezogen stimmt dies prinzipiell sogar, und dem Film tut seine unnötige Ernsthaftigkeit sogar gut, aber ebenso sinnvoll war es später nach dem hier besprochenen Werk die Reihe ironischer aufzubrechen als auf dem bislang eher subtil gehaltenen Weg.
Bizarre Figuren treffen auf zwielichtige Gestalten, junge Mädchen hausen in einer Schule umgeben von einer Nebellandschaft, und mittendrin stampft ein Mönch mit Peitsche umher. Das sind die Zutaten die „The College Girl Murders“ (Alternativtitel) zum Funktionieren bringen. Für den eigentlichen Mordfall interessiert man sich nicht wirklich, der Zuschauer ebenso wie die Verantwortlichen der Geschichte. Joachim Fuchsberger agiert souverän wie immer, Schürenbergs Auftritte bereiten Freude, auch wenn der gute Mann schon die ein oder andere bessere Vorstellung abgegeben hat, lediglich Uschi Glas ist mal wieder ein Dorn im Auge. Zwar wird ihre Rolle relativ klein gehalten, aber so ziemlich jede Szene mit ihr will nicht funktionieren. Dass sie von Sir John als besonders hübsch bezeichnet wird, kann man zumindest noch seiner geistigen Verwirrtheit zuschreiben, denn bezaubern will das Hohlbrot in Wirklichkeit so gar nicht.
„The Monk with the Whip“ (Alternativtitel) erzählt seine Geschichte noch so ernst wie zu den guten alten Schwarz/Weiß-Zeiten der Reihe, und als Film für sich funktioniert er auch recht gut. Das mag anders sein wenn man erst kurz vorher die Rialto-Erstverfilmung des Stoffes gesichtet hat. Da ich aber die Buntphase der Wallace-Serie zur Zeit rückwärts sichte, kann ich davon unvoreingenommen über die Qualität des Streifens berichten, und der ist angenehm routiniert inszeniert und sehr unterhaltsam ausgefallen, wenn auch nicht sonderlich innovativ umgesetzt. Im Vergleich zum „Gorilla von Soho“ hat „The Prussic Factor“ (Alternativtitel) in Sachen Farb-Remakes für mich aber definitiv die Nase vorn. OFDb
Kategorien:
1960-1969,
Alfred Vohrer,
Deutschland,
Edgar Wallace,
Filmbesprechung,
Joachim Fuchsberger,
Kriminalfilm,
Rudolf Schündler,
Siegfried Schürenberg,
Thriller,
unterhaltsam,
Uschi Glas
04.06.2016
DER GORILLA VON SOHO (1968)
Bereits sieben Jahre zuvor verfilmte Alfred Vohrer den hier vorliegenden Stoff als „Die toten Augen von London“, damals noch in Schwarz/Weiß gedreht. In der schrilleren Buntphase der Rialto-Wallace-Reihe nahm er erneut hierfür auf den Regiestuhl Platz. Wie typisch für die späte Phase der Reihe kommt „Der Gorilla von Soho“ peppiger daher als die früheren deutlich düsteren Grusel-Krimis. Im Vergleich mit dem ein Jahr später von Vohrer umgesetzten letzten Wallace-Film dieser Dekade, „Der Mann mit dem Glasauge“, hält sich der hier besprochene Film jedoch noch mit seinem Affentheater zurück.
Zwar bestimmen abgedrehte Komponenten den Streifen, so der im Titel genannte Gorilla, ein Club in dem Nachwuchsmaler Nackedeis mit Hilfe lebender Modelle zeichnen und Gimmicks wie ein Maschinengewehr in einem Geldschrank, darauf vorbereitet es mit einem äußerlich wie inhaltlich kunterbunten Film zu tun zu haben kommt einem das Ganze im Vergleich jedoch noch nicht völlig überzogen vor. Immerhin darf es noch Szenen im nebligen London geben, die Geschichte driftet nur selten für unnötige Spielereien von der zentralen Kriminalgeschichte ab, und noch ist es auch das Genre des Kriminalfilms das dominiert. Der humoristische Gehalt plätschert leicht im Hintergrund vor sich hin. Auch dies sollte sich im Folgefilm ändern.
Mit Vohrers Original aus dem Jahre 1961 kann „Der Gorilla von Soho“ nicht mithalten, und das behaupte ich als jemand der sowohl mit der alten, als auch mit der bunten Phase der Wallace-Reihe etwas anfangen kann. Hartgesottenen Freunden der Serie ist die Buntdekade ohnehin ein Dorn im Auge. Unabhängig davon trumpfte die deutsche Erstverfilmung einfach mit seinem düsteren stimmigen Look, da kann sich der noch halbwegs zurückhaltende farbige Popkorn-Stil nicht gegen durchsetzen. Zumindest versucht Vohrer gar nicht erst die erneute Verfilmung ebenfalls düster wirken zu lassen. Er verlässt sich diesmal mehr auf das hier agierende Personal und die kleinen sleazy Gimmicks, vermischt auch gerne mal beides, wie die Figur des immer Sonnebrille tragenden Kriminellen zeigt, oder noch mehr die Figur die unter dem Gorillakostüm steckt und deren Identifikation im Gegensatz zu den üblichen Beiträgen der Reihe diesmal kein Geheimnis ist.
Die Verspieltheit der zweiten Vohrer-Verfilmung zeigt sich zudem in mancher Namensgebung. Da gibt es z.B. einen Dr. Jeckyll. Und ob man von Zufall sprechen kann, dass ein gewisser Sergeant ausgerechnet Pepper heißt, so wie im berühmten Song und Album der Beatles, lässt sich in diesem Zusammenhang wohl deutlich verneinen. Horst Tappert spielt seinen Charakter als Hauptermittler bereits humoristisch angereichert, aber noch nicht so penetrant (weiterhin angenehm lustig) wie nur einen Film später. Ihm zur Seite steht ein anders besetzter Gehilfe, der nicht besser und nicht schlechter wirkt als sein Nachfolger. Und Hubert von Meyerincks Interpretation seines Sir Arthur scheidet in seiner völlig überzogenen Art seit je her die Geister.
Überraschen darf ausnahmsweise einmal Uschi Glas, die freilich nicht urplötzlich gelernt hat zu schauspielern. Aber dadurch dass sie gerade in den ersten beiden Dritteln wenig redet und oftmals nur verschmitzt gucken darf, gelingt zumindest kurzfristig des öfteren die Illusion der süßen, zierlichen Schönheit, obwohl sie in ihrer plumpen Art doch nie die Klasse von Karin Dor und Co erreichen könnte. Somit ist ihr hier vorliegendes akzeptables Ergebnis schon weitaus besser ausgefallen, als alles was sie in allen anderen Werken, die ich je mit ihr bislang sichten durfte, zu bieten hatte.
Auf der Seite der Kriminellen sticht diesmal niemand als besonders nennenswert hervor, das ist ein deutlicher Schwachpunkt von „Gorilla Gang“ (Alternativtitel). Aber so oder so schippert „Ape Creature“ (Alternativtitel) nur angenehm vor sich hin, ist quasi nur im Vorspann so konsequent flippig wie sein Nachfolger, fällt aber zumindest sympathisch genug aus, so dass man so kurz nach „Die toten Augen von London“ den selben Stoff noch einmal fern jedem Anflug von Langeweile amüsiert folgen kann. Das ist insofern positiv zu sehen, als dass „Der Gorilla von Soho“ trotz deutlicher Veränderungen noch genügend wiederholende Elemente beherbergt, die diesem positiven Ergebnis nach so wenigen Jahren auch hätten negativ entgegen wirken können. OFDb
Kategorien:
1960-1969,
Alfred Vohrer,
Deutschland,
Edgar Wallace,
Filmbesprechung,
Horst Tappert,
Hubert von Meyerinck,
Ingrid Steeger,
Kriminalfilm,
unterhaltsam,
Uschi Glas
27.05.2016
DIE TOTE AUS DER THEMSE (1971)
„Die Tote aus der Themse“ war der letzte klassisch erzählte und rein in deutschen Händen umgesetzte Beitrag der langlebigen Wallace-Reihe aus dem Hause Rialto, bevor die Italiener zwei Giallos unter dem Label nachschoben. Peter Thomas steuert wie zu guten alten Zeiten den Soundtrack bei, und auch Siegfried Schürenberg kehrte in die Rolle des Sir John zurück, die er das letzte Mal 1968 in „Der Hund von Blackwood Castle“ verkörperte, als er einen Kriminalfall im Alleingang lösen durfte. Ihn wieder zurückzuholen sollte wohl ein Schritt zurück in die alte Richtung signalisieren, ging das Publikumsinteresse an der Reihe doch immer weiter zurück. Scheinbar schaffte es nicht einmal Alfred Vohrer als einer der besten Regisseure der Reihe mit dem Vorgänger „Der Mann mit dem Glasauge“ besagtes Interesse wieder aufleben zu lassen.
So gekonnt Schürenberg wieder einmal sympathisch humoristisch den Sir John spielt, so mager fällt die weitere Besetzung auf Seiten der Guten aus. Uschi Glas spielt hölzern und untalentiert wie eh und je, und der müde Hansjörg Felmy kommt nicht ansatzweise an den Charme von Heinz Drache und Joachim Fuchsberger heran, nicht einmal an das etwas zurückgeschraubte Niveau Horst Tapperts. Mit dieser Besetzung hat man sich keinen Vorteil verschafft, ganz im Gegenteil liebäugelte man lediglich noch mit der Popularität seiner Stars, was ein Spiegelbild dessen ist was die Wallace-Reihe selbst mit der Zeit wurde, eine Marke die so oder so konsumiert wurde und um die man sich von Produzentenseite aus als eine Art Selbstläufer aus Qualitätsgründen nicht mehr kümmern musste.
Wie auch immer, zumindest auf Seiten der Bösewichter sieht die Besetzung etwas besser aus. Allen voran ist der stets schurkisch wirkende Werner Peters als einer der Strippenzieher der Drogenszene mit dabei, was leider seine letzte Rolle sein sollte, ist er doch noch im selben Jahr der Fertigstellung von „Die Tote aus der Themse“ gestorben. Lustigerweise darf seine Rolle als eine Art Running Gag der Golfpartner des wie immer ahnungslosen Sir Johns sein, und dieser Witz weiß auch in der x-ten Wiederholung zu gefallen.
Wenn auch müde agierend, so kommt die Art des ermittelnden Kommissars von Drehbuchseite her doch recht gewitzt und unverschämt daher, was es allerdings um so trauriger macht, dass Felmy in dieser Rolle besetzt wurde. Andererseits besitzt „Die Tote aus der Themse“ ohnehin nur noch wenige Pluspunkte der Ur-Reihe. Stimmig und heruntergekommen sieht London längst nicht mehr aus. Ein wahrer Spannungsbogen oder eine anderweitig zum Mitfiebern anregende Handlung findet nicht statt. Einzig die Location des Hotels, das mit seiner Abhöranlage ganz leicht an „Die 1000 Augen des Dr. Mabuse“ erinnert, und der Spielort des Schlachthofes ragen als interessant heraus. Letztgenanntes ist zudem der Ort einer der bestialichsten Tode der Reihe, freilich weggeblendet umgesetzt, das Endergebnis mit ordentlich Blut im Bild trotzdem noch einmal deutlich eingefangen.
„Die Tote aus der Themse“ hat zwei Szenen zu bieten die blutiger als üblich ausgefallen sind, und allerhand Kopfschüsse gehören ebenfalls zum harten Bestandteil des Streifens. Letztendlich ist das aber alles recht zahm umgesetzt, so wie man es von der Reihe gewohnt ist. Wer wenig erwartet bekommt inhaltlich und inszenatorisch zumindest das Grundlagenprogramm der Reihe geboten, welches immerhin für seine 90 Minuten Laufzeit unterhaltsam genug umgesetzt ist. Da auch die Geschichte selbst nicht all zu hanebüchen ausgefallen ist, zumindest betrachtet innerhalb des stets vor Übertreibungen und Klischees nur so wimmelnde Wallace-Universums, und mit Unsinnigkeiten nicht inflationär umgegangen wird, kommt man sich beim Sichten des Streifens zumindest nicht geistig verarscht vor, so dass Harald Philipps Werk als durchschnittliches Stück Trivialfilm trotz fehlender nennenswerter Stärken durchaus konsumierbar ist. OFDb
Kategorien:
1970-1979,
Deutschland,
Edgar Wallace,
Filmbesprechung,
Hansjörg Felmy,
Ingrid Steeger,
Kriminalfilm,
Siegfried Schürenberg,
unterhaltsam,
Uschi Glas,
Werner Peters
26.05.2016
DAS RÄTSEL DES SILBERNEN HALBMONDS (1972)
In den späten Jahren der langlebigen Rialto-Edgar Wallace-Serie die 1959 startete, übernahmen die Italiener das Ruder der ursprünglich deutschen Reihe, die hin und wieder Unterstützung aus England erhielt. Horst Wendlandt als Produktionsleiter und Uschi Glas in der weiblichen Hauptrolle blieben als deutsches Relikt erhalten, der Rest lag in italienischen Händen und formte aus den letzten Beiträgen der einst sich hauptsächlich auf klassische Grusel-Krimis konzentrierenden Reihe waschechte Giallos, was vielen Freunden der deutschen Wallace-Filme nicht gefiel.
Dabei war dies nur konsequent zu nennen, gilt die Rialto-Wallace-Reihe doch als Vorläufer der in Italien so beliebten harten Kriminalfilme, so dass der Vorbereiter dieser reizvollen Werke, die großteils in den 70er Jahren entstanden sind, zum Ende hin selbst Teil dessen wurde was er erschuf. Die Regie übernahm Umberto Lenzi, der auch am Drehbuch mitbeteiligt war. Ob tatsächlich ein Wallace-Roman als Vorlage diente oder der Name des in den 30er Jahren verstorbenen britischen Autors lediglich nur noch Alibi-Funktion besaß, kann ich nicht beurteilen, stark verändert muss seine Vorlage so wie in den meisten Fällen der Rialto-Reihe jedoch definitiv gewesen sein, ist Lenzi doch ein recht düsterer Vertreter des Giallos geglückt, auch wenn er (zumindest in der deutschen Version) recht unblutig ausgefallen ist.
Das positive Ergebnis überraschte mich ein wenig, habe ich von Umberto Lenzi bislang doch immer nur mittelmäßige Arbeiten gesichtet. Zwar war nie ein wirklich schlechter Film dabei, aber gut sieht anders aus, und über „Das Rätsel des silbernen Halbmonds“ kann man wahrlich nicht meckern. Mag Uschi Glas auch so unglaubwürdig spielen wie sie es in ihrer kompletten Karriere als „Schauspielerin“ immer tat, so muss man doch fairer Weise bei der Wahrheit bleiben und hinzufügen dass gekonntes Schauspiel nur selten Pluspunkt im italienischen Giallo war.
Und so liegt das positive Ergebnis hauptsächlich wieder einmal in der gekonnten Umsetzung des Streifens, der uns eine rätselhafte Geschichte präsentiert, in welcher, typisch Giallo, ein mit Lederhandschuhen bekleideter Killer zum Messer greift und Privatpersonen parallel zur Polizei ermitteln. Wo in vergleichbaren Werken die Polizei gerne stark in den Hintergrund rückt, da ist sie hier noch recht stark präsent, auch wenn sie Ermittlungs-technisch nur die zweite Geige spielt. Wie so oft ist die Auflösung eigentlich ziemlich egal, das Mörderraten bereitet dennoch Freude, und Sinn macht die Auflösung auch, zumindest fällt sie nicht so löchrig und widersprüchlich aus wie in den billiger verfassten Drehbüchern des auf die Schnelle gedrehten Sub-Genres.
Ein stimmiger, sympathisch monotoner Soundtrack trägt ebenfalls zur gekonnten Umsetzung bei. Hauptsächlich darf man es aber Lenzis Gespür für den Aufbau nervenkitzelnder Spannungsmomente verdanken, dass „Puzzle of the Silver Half Moons“ (Alternativtitel) so positiv ausgefallen ist, auch wenn er nicht zu den wahren Größen seiner Filmgattung zählt. Die häufig in Dunkelheit eingefangenen Bilder, die Ausweglosigkeit der sich die meisten Opfer ausgesetzt sehen und der nüchterne Blick auf die grauenhaften, wenn auch harmlos abgefilmten, Erlebnisse bescheren Lenzis Film das Feeling welches ihn zu einem solch angenehmen Vertreter des Thrillers werden lässt. Und da man als Zuschauer während der Ermittlungen auch immer an die Hand genommen wird und jede neu errungene Erkenntnis der Hintergründe mitbekommt und versteht, ist man auch mittendrin im Geschehen und weiß sich somit auch für die Handlung zu interessieren und nicht nur für die inszenatorische Wirkung. OFDb
25.10.2015
FACK JU GÖHTE (2013)
Mit leicht lästerndem Unterton möchte ich zunächst verkünden, dass „Fack ju Göhte“ streng genommen eigentlich nur eine Neuverfilmung des zweiten und vierten „Die Lümmel von der ersten Bank“-Teil ist, also von „Zum Teufel mit der Penne“ und „Hurra, die Schule brennt“. Im Erstgenannten gibt sich Peter Alexander illegal als Vertretungslehrer aus und macht dabei ganz nebenbei aus einer Problemklasse eine engagierte, die ihren Lehrer zu achten beginnt. Im Letztgenannten macht er selbiges ohne den Job per Betrug zu erhalten und modernisiert als Schulprojekt gemeinsam mit der Klasse ein klassisches Theaterstück, die Geschichte des Wilhelm Tell.
In „Fack ju Göhte“ muss hierfür „Romeo und Julia“ herhalten, in einem Mainstreamfilm wohl deshalb gewählt, weil es das einzig klassische Stück ist, was wohl selbst die größten Volldeppen vom Namen her kennen. Denn eins trennt beide Filmversionen sehr stark voneinander: der Respekt vor Wissen und Kultur. Das Wissen ist in „Fack ju Göhte“ nur der lästige Weg um ein Ziel zu erreichen, den Schulabschluss, während Kulturgüter wie der TV-Sender Arte als zu anstrengend belächelt werden. In den Lümmel-Filmen möchte man lediglich das Autoritäre der Lehrer brechen und respektiert sehr wohl Wissen und Kultur.
Fairer Weise muss man aber betonen, dass „Fack ju Göhte“ aufgrund des aktuellen Bildungsstandes einen anderen Schwerpunkt besitzt. Er mixt die Thematik der Lümmel-Filme mit der Thematik eines „Dangerous Minds“ und Co, und da gräbt man also beim intellektuellen Bodensatz nach Lernerfolgen, wohingegen wir es bei den Komödien um Hansi Kraus mit einer Abi-Klasse zu tun hatten. Der Fehler von „Fack ju Göhte“ ist nun, dass er ähnlich naiv daher kommt wie der Vergleichsfilm mit Michelle Pfeiffer. Zwar liegt hier eine Komödie vor, aber das hier vorgeführte Weltbild alles ließe sich auf solch schlichtem Wege verbessern, wenn wir uns alle nur mehr einander annähern würden, ist mir dann selbst für einen humoristisch orientierten Feel Good-Film zu plump.
Das ist eigentlich schade, denn auf simple Art weiß der humoristische Part zu funktionieren, allein schon weil er mit übertriebenem Augenzwinkern Mentalitäten wiedergibt, die jeder im Alltag beobachten kann und die alle auch ordentlich verarscht gehören. Es ist zwar beschämend dass es gerade solch ein formal banaler Film ist, der in Deutschland zum großen Kinohit werden konnte, mehr als sympathischer Durchschnitt ist „Fack ju Göhte“ mit seinem dem für wiedergekäuerte Geschichten folgenden Lehrbuch nun wahrlich nicht geworden, aber das spricht eben für das im Film immer wieder aufblitzende Problem der mangelnden Bildung in Deutschland.
Werke wie „Fack ju Göhte“ helfen einem dabei über diesen katastrophalen Zustand schmunzeln zu können, was jedoch besser funktioniert hätte, wenn der Streifen auf die moralische Keule verzichtet hätte. Als reiner Spaßfilm kann er dadurch nicht funktionieren und wird mit den Aussagen die er treffen möchte selbst zum Spiegelbild des Problems, anstatt lediglich das Medium als Projektionsfläche zur Parodie zu nutzen. Dementsprechend ist man hin und her gerissen zwischen angenehmer Unterhaltung durch sympathische Mimen, einer süßen Love Story und einer herzlich locker flockigen Umsetzung, und zwischen Fremdschämen über das was heutzutage als intelligent, engagiert oder normal gilt.
Geht man mit „Fack ju Göhte“ nicht so streng um wie ich es tue, kann man durchaus kurzweiligen Spaß mit ihm erleben, der zwar über durchschnittliches Niveau nicht hinaus geht, aber mehr auch nicht leisten muss um zu unterhalten. Leider kann ich die Stimme in meinem Hinterkopf aber nie ganz ausschalten die mir zuflüstert: massenkompatibel und Mithelfer der Volksverdummung! Habe ich gerade leider geschrieben? OFDb
Nachtrag:
6 Jahre später höre ich diese leise Stimme nicht mehr und gehe weit weniger streng mit diesem sympathischen Streifen um, der das Herz am rechten Fleck hat und gar nicht so sehr Paradebeispiel der Volksverdummung ist, wie von mir beim ersten Sichten wahr genommen. Ich bleibe dabei: "Fack ju Göthe" ist lediglich angenehmer Durchschnitt, der überdimensionale Erfolg bleibt mir ein Rätsel. Aber ich habe mich wunderbar unterhalten gefühlt und freue mich nun darauf mich bald doch noch den beiden Fortsetzungen zuzuwenden.
25.12.2012
IMMER ÄRGER MIT DEN PAUKERN (1968)
Peter ist eigentlich längst mit der Schule fertig, da bittet ihn ein
befreundeter Internatsschüler mit ihm die Rolle zu tauschen. Da Peter
ein Auge auf Christa geworfen hat, die auf die Modell-Schule nebenan
geht, lässt er sich drauf ein und geht von nun an als Hans Werner in den
Unterricht, hat dabei allerlei Unsinn im Kopf, ebenso wie die jüngeren
Schüler. Peter ahnt nicht, dass Christa die Ex-Verlobte seines Lehrers
ist, der ihn ohnehin schon nicht leiden kann. Und die ebenso raffinierte
wie süße Dagmar hat auch schon einen Blick auf Peter geworfen...
Feuerzangenbowle ex und hopp...
Feuerzangenbowle ex und hopp...
Die 60er Jahre und die frühen 70er und ihre Pennälerfilme! Das war im Meer der albernen Heimat- und Schlagerkomödien seiner Zeit ohnehin eine ganz eigene Welle, auf die man nicht nur jugendliche Darsteller schupste, sondern auch Roy Black, der zusammen mit Uschi Glas noch viel älter und somit unrealistischer aussah, als später Nena und Markus in „Gib Gas – Ich will Spaß“.
Die Idee ist ein wenig an der „Feuerzangenbowle“ orientiert, im Gegensatz zu dort versucht man jedoch gar nicht erst, den viel zu alten Protagonisten auf Jung zu trimmen. Das ist aber gar nicht weiter wild, denn so etwas wie Realismus liegt dem Streifen ohnehin fern. Der Film soll geistfrei unterhalten und baut auf freiwilligem Trash, ein Zeichen dass er so sein will, wie er schlussendlich auch wirkt.
Wo ich Peter Alexander noch gerne gucke und seine Lieder auch ertragen kann, da ist Roy Black für mich ebenso unausstehlich wie Heintje. Umso positiv überraschter war ich, als sich herausstellte dass der zu jung verstorbene Roy hier sehr selten singt und wenn dann nicht ganz so übel wie sonst.
Auch die auf mich eher unsympathisch wirkende, wenn zu ihrer Zeit auch süße, Uschi Glas wirkt angenehmer als in anderen Filmen, was natürlich nicht ihrem mangelnden Talent zu verdanken ist, sondern dem naiven Drehbuch, welches sie als recht pfiffig und frech charakterisiert. Dies wirkt nur innerhalb der sehr heilen Welt des Films, denn ihre Rolle Dagmar ist eigentlich immer noch sehr brav. Aber „Immer Ärger mit den Paukern“ funktioniert ohnehin nur mit ein wenig Augen zudrücken.
Der Klamauk seiner Zeit war recht peinlich, was gerade die Rolle Peter Wecks auf ein neues beweist. Georg Thomalla beweist zeitgleich dass dieser Extremhumor bei richtiger Anwendung auch durchaus sympathische Seiten haben kann. Mit seiner Rolle steht und fällt der ganze Film. Auf dem ersten Blick ist er nicht die tragende Figur der Geschichte, auf dem zweiten erkennt man jedoch, dass die zwei weit hergeholten Filmideen des Streifens (zu alter Schüler und länger Ferien machende Lehrer) nur aufgrund seines arg naiv und trottelig dargestellten Charakters glaubhaft bleibt.
„Immer Ärger mit den Paukern“ funktioniert teilweise als unfreiwillig komischer Trash, allein schon weil es (zumindest in meinem Kopf) unmöglich erscheint Roy Black als Sexsymbol zu sehen. Andererseits kann man auch hier wieder auf Nena verweisen. Die fand man in den 80er Jahren scheinbar auch hübsch. Manches sollte besser in Vergessenheit geraten!
Punkten kann der Film von Harald Vock aber auch auf anderer Basis. Die Liebesgeschichte wirkt, auch wenn sie etwas ruppig erzählt ist. Allein das recht späte Bekennen zu Dagmar von Peter ist ein wenig ungewöhnlich für seine Zeit. Einfallsreich sind die Schülerstreiche zu nennen, die wesentlich gewitzter vonstatten gehen, als das meiste was „Die Lümmel von der ersten Bank“ so trieben. Und da man parallel die Streiche der jüngeren Kinder zu sichten bekommt, werden die infantileren Ideen auch von ihnen umgesetzt, was die älteren Schüler weniger peinlich wirken lässt. Eine Idee die später auch in „Musik, Musik, da wackelt die Penne“ angegangen wurde, ohne sie kapiert zu haben.
Regisseur Vock teilte die Elemente aus „Immer Ärger mit den Paukern“ in seinen folgenden zwei Filmen auf. Sein nächster Streifen sollte der sehr schlechte „Unser Doktor ist der Beste“ werden, in dem Roy Black erneut um das Herz einer jungen Dame buhlen durfte (erneut begleitet von Peter Weck und Georg Thomalla), danach wandte er sich mit „Unsere Pauker gehen in die Luft“ wieder der Pennäler-Klamotte zu, wenn auch diesmal auf recht andere Art.
Mit „Immer Ärger mit den Paukern“ ist ihm ein ähnliches Ausnahmeprodukt seiner Zeit gelungen wie Kollege Peter Weck ein Jahr später (diesmal als Regisseur) mit „Hilfe, ich liebe Zwillinge“, in dem das damals so beliebte Traumpaar Uschi Glas und Roy Black noch einmal in einem besseren Licht dastehen durften, als im Großteil ihrer restlichen Filmauftritte. OFDb
Die Idee ist ein wenig an der „Feuerzangenbowle“ orientiert, im Gegensatz zu dort versucht man jedoch gar nicht erst, den viel zu alten Protagonisten auf Jung zu trimmen. Das ist aber gar nicht weiter wild, denn so etwas wie Realismus liegt dem Streifen ohnehin fern. Der Film soll geistfrei unterhalten und baut auf freiwilligem Trash, ein Zeichen dass er so sein will, wie er schlussendlich auch wirkt.
Wo ich Peter Alexander noch gerne gucke und seine Lieder auch ertragen kann, da ist Roy Black für mich ebenso unausstehlich wie Heintje. Umso positiv überraschter war ich, als sich herausstellte dass der zu jung verstorbene Roy hier sehr selten singt und wenn dann nicht ganz so übel wie sonst.
Auch die auf mich eher unsympathisch wirkende, wenn zu ihrer Zeit auch süße, Uschi Glas wirkt angenehmer als in anderen Filmen, was natürlich nicht ihrem mangelnden Talent zu verdanken ist, sondern dem naiven Drehbuch, welches sie als recht pfiffig und frech charakterisiert. Dies wirkt nur innerhalb der sehr heilen Welt des Films, denn ihre Rolle Dagmar ist eigentlich immer noch sehr brav. Aber „Immer Ärger mit den Paukern“ funktioniert ohnehin nur mit ein wenig Augen zudrücken.
Der Klamauk seiner Zeit war recht peinlich, was gerade die Rolle Peter Wecks auf ein neues beweist. Georg Thomalla beweist zeitgleich dass dieser Extremhumor bei richtiger Anwendung auch durchaus sympathische Seiten haben kann. Mit seiner Rolle steht und fällt der ganze Film. Auf dem ersten Blick ist er nicht die tragende Figur der Geschichte, auf dem zweiten erkennt man jedoch, dass die zwei weit hergeholten Filmideen des Streifens (zu alter Schüler und länger Ferien machende Lehrer) nur aufgrund seines arg naiv und trottelig dargestellten Charakters glaubhaft bleibt.
„Immer Ärger mit den Paukern“ funktioniert teilweise als unfreiwillig komischer Trash, allein schon weil es (zumindest in meinem Kopf) unmöglich erscheint Roy Black als Sexsymbol zu sehen. Andererseits kann man auch hier wieder auf Nena verweisen. Die fand man in den 80er Jahren scheinbar auch hübsch. Manches sollte besser in Vergessenheit geraten!
Punkten kann der Film von Harald Vock aber auch auf anderer Basis. Die Liebesgeschichte wirkt, auch wenn sie etwas ruppig erzählt ist. Allein das recht späte Bekennen zu Dagmar von Peter ist ein wenig ungewöhnlich für seine Zeit. Einfallsreich sind die Schülerstreiche zu nennen, die wesentlich gewitzter vonstatten gehen, als das meiste was „Die Lümmel von der ersten Bank“ so trieben. Und da man parallel die Streiche der jüngeren Kinder zu sichten bekommt, werden die infantileren Ideen auch von ihnen umgesetzt, was die älteren Schüler weniger peinlich wirken lässt. Eine Idee die später auch in „Musik, Musik, da wackelt die Penne“ angegangen wurde, ohne sie kapiert zu haben.
Regisseur Vock teilte die Elemente aus „Immer Ärger mit den Paukern“ in seinen folgenden zwei Filmen auf. Sein nächster Streifen sollte der sehr schlechte „Unser Doktor ist der Beste“ werden, in dem Roy Black erneut um das Herz einer jungen Dame buhlen durfte (erneut begleitet von Peter Weck und Georg Thomalla), danach wandte er sich mit „Unsere Pauker gehen in die Luft“ wieder der Pennäler-Klamotte zu, wenn auch diesmal auf recht andere Art.
Mit „Immer Ärger mit den Paukern“ ist ihm ein ähnliches Ausnahmeprodukt seiner Zeit gelungen wie Kollege Peter Weck ein Jahr später (diesmal als Regisseur) mit „Hilfe, ich liebe Zwillinge“, in dem das damals so beliebte Traumpaar Uschi Glas und Roy Black noch einmal in einem besseren Licht dastehen durften, als im Großteil ihrer restlichen Filmauftritte. OFDb
23.12.2012
TRUBEL UM TRIXIE (1972)
Ein Wiener Spielwarenhersteller übernimmt sich mit einem Auftrag
eines weltweit agierenden Konzerns. Von dem wird eine Spionin geschickt,
um zu überprüfen, ob das kleine Unternehmen seinen Verpflichtungen
nachkommen kann. Die Dame nennt sich Trixie und wird durch einen
glücklichen Zufall Sekretärin des Juniorchefs Teddy, der jedem hübschen
Rock hinterher jagt. Da sie sich als Bürokraft hässlich macht, trifft
dies nicht auf sie in dieser Rolle zu, aber in das hübsche Original aus
dem Hotel hat Teddy sich verliebt. Während Trixies Doppelleben droht
aufzufliegen, sind Teddy und sein Vater, der Leiter des Betriebs, bemüht
10 Millionen Mark aufzutreiben, um ihren beruflichen Verpflichtungen
nachzukommen...
Zur Sache, Schätzchen...
Das Gespann Franz Josef Gottlieb, Regiekollege Peter Weck (als Schauspieler) und Uschi Glas rauften sich erneut zusammen, um eine Heimatkomödie herunterzudrehen. Georg Thomalla blieb diesmal zu Hause, große Namen gab es weitere ohnehin nicht. Zwar taucht das ein oder andere bekannte Gesicht dieser Zeit auf, aber berühmt wurden die alle nicht.
1972 kann man schon als Spätphase dieser Art deutscher Komödie ansehen. Dieser späten Phase haben wir es jedoch auch zu verdanken, dass Änderungen bereits erkennbar sind. Der Film kommt nicht halb so albern daher wie Vergleichswerke und man konzentrierte sich mehr auf eine tatsächliche Geschichte.
Diese ist weder originell in sich, noch innovativ hinsichtlich der Konkurrenzprodukte seiner Zeit. Pennälerfilme wurden langsam out, Uschi Glas brauchte erwachsenere Rollen und diesmal huscht auch kein Schlagerbarde vorbei, um ein Liedchen zu trällern. „Trubel um Trixie“ bleibt komplett musikeinlagenfrei und konnte damit bei mir trumpfen. Die oben erwähnten Schul-Klamotten im Hinterkopf, baute man einen kleinen Lausejungen ein, der den Erwachsenen ab und an einen Streich spielen darf, aber das sind kurze Momente.
Geht diese Rezeptur auf? Nein! Nicht nur das Gewöhnliche der Geschichte ist völlig frei von Tempo, auch die Zusammensetzung positiv klingender Veränderungen will nicht zünden. Der Lausejunge ist schlecht besetzt und einfach nur nervig, Uschi Glas ist schauspielerisch komplett überfordert, wenn sie eine Frau mit Doppelleben spielen darf, und Peter Weck als der Star des Romantik-Teils verblasst neben der damals süßen Uschi, ist ohnehin viel zu alt für sie und bietet auch charakterlich kein Mitfiebern, ist seine Rolle doch als asozialer Frauenheld angelegt.
Die Geschichte auf der Suche nach 10 Millionen Mark outet sich als zusammengeflickt, wenn der Versuch Geld aufzutreiben über lebensfernste Situationen stattfindet. Gottlieb konzentriert sich in seinem Film ohnehin viel zu sehr auf Nebensächlichkeiten, wie dem Großmaul des Chefs (mit immerhin manch witzigem Kommentar) und seiner Vielfräßigkeit und einem trotteligen Mitarbeiter, der außer manch geglückter Akrobatik zum Thema Witz nichts positives beizusteuern weiß. Ein Nebenstrang der Hauptgeschichte um einen Zug wird zu seinem peinlichsten Auftritt, und ein Nebenstrang um ein Schiff erweist sich innerhalb der Geschichte als völlig unlogisch.
Komplett unsympathisch ist der Film durch seine lockere Art nicht geworden. Außerdem vergnügt es zuzusehen, wie hier fast auf Science Fiction-Art die Zentrale eines Großkonzerns gezeigt wird, der sich einzig auf die Logik eines Supercomputers stützt. Wien gehorcht jedoch nicht den Gesetzen der Logik, wie uns dieser in Österreich spielende deutsche Film zeigt.
Toll war „Trubel um Trixie“ nun wirklich nicht, aber wer innerhalb eines anspruchslosen Genres seinen Anspruch noch ein wenig weiter herunterschrauben kann, der wird immerhin Spaß daran haben diesmal eine echte Geschichte sichten zu dürfen und nicht nur eine sinnfreie Aneinanderreihung von Extremklamauk. Dieser blieb diesmal sowieso zu Hause. OFDb
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