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22.08.2025

5 völlig unterschiedliche Filme - Kurzkommentare (9)

 

Witches in the Woods (2019)

Eine brauchbare Schneekulisse, ein Mythos ominöser Hexenprozesse als aufregendes Urlaubsziel, das Ganze ruhig abgefilmt ohne Found Footage anzuwenden, das klingt doch soweit nach einem brauchbaren Horrorfilm. Aber wer schon die Keifereien der Protagonisten in "The Blair Witch Project" nervig fand, der bekommt hier die Königsübung dieser unangenehmen Unart serviert. Egoistische Menschen streiten miteinander, wirken vorher nicht als glaubwürdige Clique samt Außenseiter, und die selbstgefällige Heldin, deren Ansichten und Handlungen am fragwürdigsten sind, bekommt mit ihrer Art vom Drehbuch auch noch Recht und Verständnis zugeschrieben, so dass eine Identifikation mit ihr unmöglich wird. Ein ewiges Hinhalten bis tatsächlich mal etwas passiert in Kontrast mit heftigsten Streitereien, selbst dann noch wenn es endlich soweit ist, lassen den kanadischen Horrorbeitrag spätestens zur zweiten Hälfte hin unerträglich schauen.  OFDb 

 

Slave Dolls (2023)

Ach, was gibt man im Booklet für tolle Hintergrundinformationen über Cyberkriminalität, Menschenhandel im Darknet u.ä., so als ob den Machern des dazugehörigen Films eine Aufklärung wichtig wäre und das Drama der Betroffenen empathisch nachvollziehbar. Frei von Moral erzählt, das mag ein guter Ansatz sein, um ein derartiges Thema ernst zu nehmen, aber wie scheinbar schon verpflichtend für den Bereich des Undergroundfilms, geht es in "Slave Dolls" außerdem nur um ein dreckiges Flair, das Zeigen von Quälereien und dies alles in möglichst entfremdeter, fast unverdaulicher Optik. Zur Provokation noch viele detailreiche Bilder der Vagina einer misshandelten Frau in Großaufnahme gezeigt, und fertig ist für Minderbemittelte das Gefühl gerade Kunst zu schauen. Freilich ist das in seiner voyeuristischen, unreflektierten und rein der Provokation wegen abgelichteten Art stattdessen lediglich Schund. Schade um die wirklich schöne Mediabook-Aufmachung!  OFDb 

 

Vertraute Fremde (2010) 

Man stelle sich "Peggy Sue hat geheiratet" als Arthouse-Drama mit leichter Dosis Humor vor, dann hat man zur selben Idee einen völlig andersartigen, meiner Meinung nach noch besseren Film. In die Heimat nach etlichen Jahren zurückkehren, das was im Kopf vergangen ist nun in der Gegenwart zu erleben, allein dieser Einstieg wird nur wenigen Menschen keinen Zugang gewähren. Wenn dann noch im Bewusstsein des Erwachsenen entscheidend tragische Tage der Kindheit wiederholt werden, ist der Film in seiner unaufgeregten Art unbezahlbar. Sich seines Alters bewusst um keine Teenie-Romanze mit einer 15jährigen bemüht, die man einst aus der Ferne bewunderte, sein Wissen der Zukunft nicht ausnutzend: der Protagonist bleibt persönlich, geht keiner fixen Kino-Idee nach, erlebt die Dinge im Kleinen, die einem als Kind nicht bewusst waren oder durch die vielen Jahre vergessen und verdrängt wurden. Und so gnadenlos und verletzend die Methode der finalen Entscheidung des Vaters auch sein mag, am Ende geht es um das Verstehen fremder Entscheidungen und Empfindungen, und darum dass jeder Erwachsene seinen eigenen Weg geht. Der Weg zu diesem Bewusstsein ist äußerst berührend und empathischer, wie sachlicher Natur. Ein großartiges, sich authentisch anfühlendes Werk!  OFDb 

 

Timer (2009)

Man versucht gar nicht erst einen sachlichen Bezug herzustellen, wie das Messen des Idealpartners funktionieren soll. Zwar bleibt die im Mittelpunkt der Geschichte stehende Erfindung damit unglaubwürdig, für einen naiven Romantikfilm ist es aber wahrscheinlich besser, dass man darauf verzichtete, um sich voll und ganz jenem seichten Stoff hinzugeben, nach dem das Stammpublikum derartiger Thematik lechzt. Und da gab es schon plumpere und banalere Ergebnisse. "Timer" guckt sich eigentlich recht nett mit den beiden unterschiedlichen Frauenrollen und ihren tatsächlichen Gefühlswirrungen, zumal er gegen Ende erwachsenere Wege als erwartet geht. Dass das Tabuthema um einen jüngeren Freund einer Frau nie aufgesetzt oder moralisch als übertrieben korrekt eingebaut wird, sondern stattdessen als Selbstverständlichkeit, tut dem trivialen Werk zusätzlich gut.  OFDb  

 

Ausnahmezustand (1998)

Die muslemische Gemeinschaft interessiert in den USA und ihren Filmen kaum wen, da leistete "Ausnahmezustand" bereits drei Jahre vor dem Anschlag auf das World Trade Center fast schon Pioniersarbeit. Umso schöner ist es, dass der Respekt dieser unbeachteten Bevölkerung in Form von Popkornkino stattfindet, anstatt in einem schwermütig verkopften Drama. Der Titel bezieht sich lediglich auf die letzte halbe Stunde der Handlung. Eigentlich geht es jedoch um Terrorbekämpfung, den Wandel von Terror, und was es bedeuten würde, wenn die Angst das Handeln bestimmt und man schwer erkämpfte Freiheiten opfert um angebliche Freiheit zu erhalten. Wenige Jahre darauf zeigte die Wirklichkeit dass es dafür keines Militärs bedarf, sondern einer Regierung, die den Patriot Act durchwinkt. So oder so ist "The Siege" (Originaltitel) ein engagierter Action-Thriller, der im Gesamtergebnis allerdings doch "nur" unterhaltsam, anstatt bedeutend ausfällt.  Wiki  

06.04.2025

Filmtagebuch - Zuletzt gesichtet (8)

Da mir zur Zeit die Motivation üblicher Besprechungen fehlt, möchte ich die letzten Sichtungen zumindest mal mit Kurzkommentaren versehen:

 

Monsters of Man (2020)

"Terminator" trifft auf "Predator" mit einem Hauch "Nummer 5 lebt" in einer actionreichen Chose, die sich dennoch Zeit für die Entwicklung der Geschichte und der Figuren lässt und mit politischen Aussagen zudem vielschichtiger daher kommt, als das Hauptaugenmerk auf Action und Unterhaltung nötig gehabt hätte. Eine überraschende Figurenentwicklung, tolle Effekte und ein reizvolles Roboterdesign unterstützen die Wirkung dieses treu dem üblichen Handlungsmuster folgenden Sehvergnügen.  Wiki

 

Land of Smiles (2016)

Ich fand die Idee eines Found Footage mit einem Horror-Clown im Vorfeld recht reizvoll, weswegen es direkt zu Beginn enttäuschte, es hier lediglich mit einem öden Folterer zu tun zu haben, der zudem ein unsinniges Spiel treibt, dessen Fehlinterpretation der Spieler so idiotisch ist wie der komplette Plot. Der besteht fast nur aus Hinhalten, ohne nennenswerte Sehwerte versehen. Die schlechte Synchro ruiniert nicht viel in diesem uninteressanten Stück Horrorfilm.  OFDb

 

A Cure for Wellness (2016)

Dem später entstandenen "Cuckoo" nicht unähnlich mixt dieser deutsche Horror Kunstkino mit fast schon trashiger Horrorthematik, liefert dabei tolle Bilder und eine handvoll extremer Szenarien, weiß auch in Sachen Figurenzeichnung und Dramaturgie zu gefallen, ist letztendlich aber zu lange in seiner Vorphase zelebriert für einen Film, der das Genre inhaltlich nicht neu erfindet. Man muss also etwas Geduld mitbringen, um diesen liebevoll umgesetzten Streifen entsprechend genießen zu können.  Wiki   


Vanishing Waves (2012)

Eine Art sinnliche Variante von "Project Brainstorm", der sich zwar stark auf den Erotikaspekt seiner Geschichte konzentriert, aber gerade wegen dieser das Abhängigkeitsgefühl einer Person thematisiert bekommt, und dies innerhalb einer bizarren und dennoch wissenschaftlich interessanten Geschichte. Mit der ersten Hälfte habe ich mich ein wenig schwer getan, da sich die Tiefgründigkeit des Stoffes dort noch nicht offen zeigt. Großartige Bilder gibt es hingegen den kompletten Film über zu sehen, und den Rausch, den er entfacht, ist ein Hingucken definitiv trotzdem wert.  Wiki

 

Cobra Kai - Staffel 6 (2024)

Das erste Drittel bietet zu viele dramaturgische Wiederholungen zum Laufzeitstrecken, arbeitet aber charmant mit den bereits bekannten Figuren. Das zweite Drittel kümmert sich zu sehr um das Kinderpublikum, weiß sich aber halbwegs mit interessanten neuen Gegnern und den Tournierwettkämpfen zu retten. Erst im letzten Drittel gewinnt die Serie wieder das Potential der ersten Staffeln und führt die Serie mit jeder Menge Happy Ends zu einem würdigen Schluss, wenn meist auch auf einem simpel gestrickten Drehbuch beruhend.  Wiki  

29.12.2024

BUTTERFLY (1974)

Eine junge Frau entflieht dem öden Dorfleben, reist nach München und glaubt an einen tollen Typ geraten zu sein. Doch der Clubgänger hurt mit allerhand jungen Frauen rum...

Die Unterwäschekollektion im Wald...

Schon der gewöhnliche Erotikfilm entpuppt sich für meinen Geschmack meist als lahme Nummer, wenn die Welt sich nur um das Eine dreht, ohne dabei eine bewegende Geschichte zu erzählen. Bei zum Softcorefilm geschnittenen Pornofilmen kann man die Hoffnung auf ein Ausnahmewerk eigentlich von Beginn an aufgeben, selbst wenn er, wie "Butterfly" aus einer Zeit stammt, in der einem Hardcore-Werk noch Handlungsstränge beigefügt wurden. Aber auch für einen solchen ist der Inhalt äußerst dünn gehalten. Mag das Spiel mit dem angegeilten und gleichzeitig eher biederen Vertreter im Wald noch wie die Erotik-Variante der Streiche um "Die Lümmel von der ersten Bank" anmuten, einer der wenigen Szenen, die nicht zum Sex führen, wird in München angekommen eine Nummer nach der nächsten durchgezogen, immer recht ähnlich gestrickt, immer wieder zwischendurch mit anderen Darstellerinnen, und die sind zwar, ebenso wie die Hauptrolle, nett anzuschauen, das Gepoppe jedoch nicht, nicht in dieser entschärften Variante. Diese kommt recht ruppig daher. Während manches zum ehrbaren (räusper) Spielfilm zurechtgestutzte Schmuddelfilmchen alternativ aus anderen Perspektiven gefilmt ist, welche Intimdetails umgehen, handelt es sich bei "Baby Tramp" (Alternativtitel) um ein geschnittenes Werk, entsprechend ruppig und so gar nicht atmosphärisch findet der Beischlaf statt, schließlich soll man ja nichts sehen dürfen. Übrig blieb einzig ein sich durch die Jeans abzeichnender Ständer zu Beginn, die erste Szene, in der mir klar wurde, statt einem Erotikfilm einen zensierten Porno zu schauen. Wenn das Bild ständig ruppig abbricht, anstatt gekonnt zu schnibbeln, und wenn das Ganze nichts weiter zu erzählen hat, als von der Enttäuschung eines notgeilen Mädels, das in der Stadt nicht fand, was sie finden wollte, dann gibt es wahrlich nichts schön zu reden an solch einem Werk. Und dass der tolle Großstadt-Typ alles andere als nett anzuschauen ist, macht ohnehin jede Szene kaputt. Dass der weibliche Part hübsch aussieht reicht einfach nicht, wenn der männliche zu unangenehm auffällt, auch bei mir als Kerl. Wie auch immer, es wird gebumst, bis das Mädel im Zentrum dem Macker den Rücken kehrt, was ihn zwar verwundert, den Zuschauer jedoch nicht.  OFDb

23.12.2024

HORROR-SEX IM NACHTEXPRESS (1980)

Drei junge Kriminelle bringen ein Abteil eines Nachtexpress unter ihre Gewalt und haben es bevorzugt auf die attraktiven weiblichen Mitfahrer abgesehen...

Der Trick mit der Gabel...

Man muss es nicht schön reden: "Terror Express" (Alternativtitel) ist ein Werk der Quantitäten, dem es einzig um billige Schauwerte geht, ob in seiner Position als Reißer, oder als Schmuddelfilm. Als Mix aus beidem funktioniert er recht gut, ohne irgendeine Form von Individualität zu präsentieren. 1980 veröffentlicht besitzt er den geradezu klassisch charmanten Soundtrack der 70er Jahre-Filme Italiens, und die Optik ist rau und schlicht. Hervorstechen tun in erster Linie die drei wunderbar besetzten Schurken, von denen jeder auf seine Art trumpft, sowie die hübschen Blondinen, insbesondere wenn sie nackt sind. Mag der Busch zeitgemäß auch geradezu wuchern, hübsch sind sie anzusehen, außer wenn wir uns in einer der nicht wenigen Sexszenen befinden, die in ihrer zahmen, gestellten Art verkrampft auf Provo getrimmt sind, wie in den üblen Fummelfilmchen von Jess Franco. "La Ragazza del vagone letto" (Originaltitel) ist ein Film der niederen Instinkte. Unterdrückung, Voyeurismus, Lust, physische und psychische Gewalt, sowie Moral stehen auf dem Programm, und laden den Zuschauer dazu ein das Schwein in sich, dem es nach quantitativen Schauwerten juckt, auch mal zu bedienen, zumal alles was inhaltlich moralisch kritisiert wird, das ist was der Film auch dem Zuschauer bietet. Ernst nehmen kann man die wenigen, eher heuchlerisch anmutenden, vorhandenen Gedankengänge somit nicht. 

Zumindest siegt nicht das Böse, das Gute triumphiert durch Gräueltaten, integriert in eine Heldengeschichte, die ihren geschmacklosesten Moment zumindest ausblendet, wenn der Held nackt neben seiner Angebeteten liegt, wahrscheinlich zum Dank für seine Freundlichkeit, seine Hilfe und sein Mitgefühl, vielleicht auch weil Gefühle gegenseitig aufgeflammt sind, was aber sicher nicht zu leidenschaftlichem Sex aus Liebe führen würde, wenn einer von beiden kurz zuvor von einer Gruppe, bzw. von verschiedenen Personen nach und nach vergewaltigt wurde. Empathie oder psychologisches Verständnis darf man in einem solch stumpfen Film also nicht erwarten. Solch ein Werk lebt stattdessen zu einem guten Teil von seiner Direktheit und dem schmutzigen Flair, sofern man sich auch mal offen auf einen derartigen Plot einlassen kann, ohne gleich Wut schnaubende Moralanfälle zu bekommen, so wie es in der heutigen Gesellschaft üblich geworden ist. "Horror-Sex im Nachtexpress" ist glücklicher Weise ein Kind seiner Zeit, das sich traut rau und provokant zu sein, inszeniert für ein mündiges Publikum, das auch zu den Schattenseiten der Gesellschaft und seiner selbst steht. Zügig erzählt (was'n Wortspiel, kicher) erreicht er bei unter 90 Minuten Laufzeit kurzweilig sein Ziel, und was es banal gestrickt zu erleben gibt, lässt sicher niemanden kalt, wenn man nicht gerade völlig abgestumpft ist.  OFDb

19.06.2024

THE HALFWAY HOUSE (2004)

Da ihre Schwester, wie so manch anderes Mädchen, spurlos aus einem Heim verschwunden ist, und die Polizei ihr nicht weiter helfen kann, lässt sich Larissa von einem befreundeten Gesetzeshüter in das Heim einweisen, in welchem sich ein Pfarrer und seine Mitarbeiterin um kriminell gewordene Jugendliche kümmern. Nach und nach kommt Larissa hinter das Geheimnis hinter den Mauern...

Strafe muss sein...

"The Halfway House" erzählt auf typische Charles Band-Art, ohne eine Charles Band-Produktion zu sein, eine schwachsinnige Horrorgeschichte, die so blöde sie auch ausfällt schlichten Gemütern Gefallen bereiten kann, so viel Restcharme wie hier in der augenzwinkernden Art der Erzählung vorhanden ist. Man benötigt also einen Hang zu derartigen Produktionen, muss Stammgast im Horror-Genre sein, aber dann bereitet das unauffällige Produkt, das schnell wieder vergessen ist, durchaus Freude. Der prügelnde, notgeile Klischeepfarrer darf ebenso wenig fehlen, wie die mobbende Oberschlampe unter den Ex-Straftätern, welche der Hauptfigur das Leben im Heim erschwert. Das Geheimnis hinter den Mauern ist freilich grotesker Natur, verursacht durch eine bereits vor der Auflösung verdächtige Person, das ist kein wirkliches Geheimnis. Und wenn im Finale sympathisch dünne Spezialeffekte inmitten irrsinniger Geschehnisse den ganzen Unfug charmant unterstützen und zum Ende geleiten, schlägt das Herz all jener Pulp-Freunde höher, die sich bislang meist eher mit allerhand Dialogen und aufreizender Szenen in diesem trotzdem kurzweiligen Szenario begnügen mussten. Dass der Alternativtitel "Exzesse im Folterkeller 2 - Die Brutstätte des Bösen" nicht nur ein Fake und reißerischer Natur ist, sondern auch weit ereignisreicher klingt, als der schlicht vor sich her plätschernde Streifen einlöst, ist sicherlich kaum eine Überraschung. Und was die nackte Haut betrifft, sie mag vorhanden sein, meist für perverse SM-Spielereien, aber in der geringen Schlagzahl, wie vorhanden, und so harmlos vorgetragen wie hier, rechtfertigt sie auch den Alternativtitel "Institute of Perversion - Brutstätte der Abartigen" nicht. "The Halfway House" ist ein Billigfilm der verspielten Art, kindlich in seinen erwachsenen Provothemen, aber nie hart oder sexy, wie die Alternativtitel suggerieren. Und so, abseits eines Folterfilms, ist er mir auch lieber.  OFDb

26.05.2024

DAS SERUM DES GRAUENS (1990)

Da er nach einer missglückten Vorführung ausgelacht wird, attackiert der Physiker Dr. Dornwinkle seine Kollegen und landet in einer Nervenheilanstalt. Von dort kann er fliehen und nimmt unter einem falschen Namen eine Stelle als Vertretungslehrer in Physik an einer Highschool an. Privat forscht er weiter und stößt endlich auf das war er immer gesucht hat: ein Serum, das unsichtbar machen kann. Von den Schülern gemobbt, wie seinerzeit von seiner Mutter, nutzt er den neu gewonnenen Zustand um Rache zu nehmen...

Nichts zu sehen außer Brüste...

Als typisch schundiger Horrorvertreter der Videotheken-Ära angelegt, atmet "Invisible Maniac" (Originaltitel) zwar die verspielte Luft dieser unverkrampften Gattung Genreunterhaltung, für meinen Geschmack kommt er jedoch etwas zu gewollt daher, auch wenn die Zutaten zunächst einmal reizvoll erscheinen. Die Unsichtbarenthematik mag ich allgemein, da wird ohnehin jeglicher Stoff ausprobiert. Die völlig überdrehte Comic-Lache eines Wahnsinnigen überzeugt weit mehr als die eines "Dr. Giggles", wird aber hier, ebenso wie dort, überstrapaziert eingebaut. Nackte Haut ist immer ein willkommener, quantitativer Zusatzreiz, gerade in billig produzierten Werken dieser Art, das übermäßige Einbringen wirkt hier aber eher infantil anstatt charmant pulpig. Noch kindischer fallen jedoch die wenigen Streiche der Schüler gegenüber ihrem verhassten Vertretungslehrer aus. Sie lassen die simplen Scherze Pepes aus "Die Lümmel von der ersten Bank" samt Fortsetzungen wie kleine Geniestreiche erscheinen. 

Dass man keine besonderen Unsichtbaren-Spezialeffekte erwarten muss, ist freilich abzusehen bei dieser Art Film, man bekommt hier jedoch den Eindruck es gar nicht erst versucht zu haben. Tölpelhaft muss sich der nicht zu Sehende verhalten, so penetrant wie er stets versehentlich beim Vorbeigehen Gegenstände fallen lässt, ein finaler Kampf zweier Unsichtbarer begnügt sich damit die Kamera sinnlos hin und her wackeln zu lassen, während Dinge umkippen und durch die Luft fliegen. Ein durch das Serum verschwundener Hase wird mit einer Lichtblende getrickst, da man scheinbar nicht glaubwürdig schneiden konnte, am glaubwürdigsten bleiben die aufgerissenen Blusen (ja, durch diese Lieblingsbeschäftigung des unsichtbaren Wahnsinnigen erleben wir einen solchen Moment tatsächlich öfters). Etwas mehr Mühe gab man sich bei anderweitigen Spezialeffekten. Der durch einen Schuss in den Kopf Getötete weiß zu wirken, und die verspielt sadistische Szene, in welcher jemand ein Baguette unfreiwillig komplett in den Hals geschoben bekommt, ist der Sehwert des Streifens schlechthin. 

Kurzum ist es der absichtlich billig zusammengeschusterte, freiwillig im humoristischen Bereich spielende, im vollen Bewusstsein übertrieben dargebotene Comic-Touch, welcher der ganzen Chose Restcharme beschert. Auch der Besetzung des Dr. Dornwinkle, ist es zu verdanken, dass sich das Ganze etwas angenehmer guckt, so sichtlich seine, nicht gerade vor Professionalität glänzende, Spielfreude zu erkennen ist. Es ist das Infantile, welches "Das Serum des Grauens" sowohl als Ausrede zum Augenzudrücken verhilft, als ihm auch zu schaden weiß. Das unterhaltsame Ergebnis naiver Vergleichswerke wie "Das Gehirn", oder "Dr. Alien", um auch aus dem schlüpfrigen Bereich ein Beispiel zu nennen, erreicht Regisseur Adam Rifkin mit dem hier besprochenen Werk leider nicht. Auch mit "Psycho Cop 2" zeigt er, dass ihm Horror nicht wirklich liegt, wohingegen er mit seinem flott inszenierten "The Chase" mit Charlie Sheen in der Hauptrolle bewiesen hat, dass er auch Hingucker inszenieren kann, ebenso wie mit seinem "Detroit Rock City". Diese Liebeserklärung an die Musikband Kiss und ihre Fans habe ich bereits mehrfach gesichtet und bin immer wieder begeistert.  OFDb

06.03.2024

DER RUF DER BLONDEN GÖTTIN (1977)

Jess Franco verfilmte seinen eigenen Film "Die nackten Augen der Nacht" von 1972 noch einmal neu und verfrachtete das dünne Szenario von dort nach Haiti, um das Ganze mit einer Voodoo-Thematik zu mixen. Da wer fremd bestimmt handelt, liegt diese Verlagerung sogar recht nah. Und fragte ich mich im Original noch, ob eine der beiden Neuverfilmungen des Stoffes den Fehler fast nur Rumgefummel zu zeigen und das Bewusstwerden dessen was passiert über die verzerrte Wahrnehmung der Protagonistin stattfinden zu lassen, anstatt lieblos über Szenen aus dem Blickwinkel Dritter, so muss man bei Verfilmung 2 sagen, dass wieder die selben Fehler begangen wurden. Wäre mir beim Sichten von "Voodoo Passion" (Alternativtitel) bewusst gewesen, es mit besagter Neuverfilmung zu tun zu haben, wäre ich vorgewarnt an den Film herangegangen, so aber wurde ich mehr oder weniger von der plumpen Art des Ganzen überrumpelt - zumindest halbwegs, denn wer den Namen Jess Franco kennt, weiß dass die Wahrscheinlichkeit, einen öden, lieblos heruntergedrehten Streifen zu erwischen, nicht sehr gering ist. Aber dass der für seine Improvisationen bekannte Regisseur und Autor es erneut nicht schaffte, seine häufige Stärke, das Anwenden einer psychedelischen, traumartig entrückten Atmosphäre, zu integrieren, innerhalb eines Aufhängers der dafür ideal gewesen wäre, ist die Ernüchterung des Streifens schlechthin. 

Abgesehen von der blonden Göttin hat er mir auch in seiner Besetzung nicht sonderlich gefallen. Zumindest das nackte Rumgetanze dieser ist nett anzuschauen, wird aber so übertrieben in die Länge gezogen, wie jegliche Beischlafsequenz und anderweitige Nackedeiszenen allgemein. Die entrückte Realität, dass es hier für alle Menschen, auch außerhalb des Glaubens im Traum zu agieren, völlig normal ist ständig nackt zu sein, auch Fremden gegenüber, fasziniert nicht lang, besitzt aber kurzfristig dennoch einen gewissen Reiz, sowohl in der Illusion, als auch in den Erwartungen und Bereitschaften am Set betreffend. Aber auch Schmuddelfilmliebhaber werden mit dem lieblosen Rumgefummel und den eher peinlichen lesbischen Annäherungsversuchen der angeblichen Schwester des Ehemannes, wenig anfangen können. Da nutzt auch nicht das häufige Herumräkeln im theoretisch optisch reizvollen Spiegelzimmer. Franco fängt nicht einmal zufällig etwas Einfallsreiches ein. Ein Soundtrackmix aus nervigem Bongogetrommel, sich völlig unpassend sanft anfühlenden Panflötenklängen und der vereinzelten Einsatz psychedelischer Musik (mal an passender Stelle, mal völlig wahllos eingesetzt), sorgt zumindest für etwas unfreiwillige Belustigung, ebenso wie mancher Dialog und manch völlig von der Realität entzerrte Szene. Gerettet bekommt der Trashgehalt das einschläfernde und völlig langweilig ausgefallene Stück Film jedoch nicht, das ebenso wie die erste Verfilmung erst in den letzten 15 Minuten so etwas wie eine Handlung, sowie Erklärungen erhält, während der Rest eigentlich nur das Anstarren von nackter Haut für den Zuschauer beinhaltet. 

Der zu kurz kommende Plot ist eine Art Krimihandlung, man könnte ihn auch einen Thriller ohne Spannungsgehalt nennen, und ein Hauch Horrorgehalt, wie in einem ganz sanften Grusel-Krimi ist auch noch enthalten, jedoch nicht in einer Dosis, die das Genre Horror für das Gesamtwerk rechtfertigen würde. "Porno Shock" (Alternativtitel) ist so lieblos und langweilig ausgefallen wie das Original, krankt an den selben Fehlern und holt so gar nichts aus dem neu hinzugezogenen Voodooaspekt heraus.  OFDb

07.01.2024

CITY MONSTER (1974)

Das muss man erst einmal schaffen. Da liefert Regisseur Bob Kelljan, der mit seinem Erstling "Junges Blut für Dracula" einen eher mauen Horrorfilm inszenierte, mit "Act of Vengeance" (Originaltitel) einen typischen Autokino-Reißer mit Gewalt, nackter Haut, selbstgerechter Vergeltung und fragwürdiger Moral ab, und trotzdem ist er, aus diesbezüglich ignoranteren Zeiten stammend, ein Plädoyer für mehr Verständnis von vergewaltigten Frauen, bietet ihnen ein Sprachrohr, zeigt auf was da mit Schuldzuweisungen, Demütigungen vor Gericht und bei der Polizei und im Volksmund, welches sich zur Thematik belustigt, anstatt es ernst zu nehmen, falsch läuft und zeigt dafür, dass er eigentlich ein voyeuristisches Werk ist, Mitgefühl und Empathie gegenüber jenen Vertretern des schwachen Geschlechts, die derartiges erleben mussten. Die Opfer entpuppen sich trotz alledem als taff, als emanzipiert, belassen es nicht bei besagter Opferrolle, also wird Selbstjustiz verübt. Im Gegensatz zu dem etwas Themen-ähnlichen "Ich spuck auf Dein Grab", der vier Jahre später erschien, findet dies im Team statt und nicht übertrieben gewalttätig. 

Die Vergewaltigungsszenen beider Filme sind hingegen vergleichbar, sie sind hart, arg lang gezogen und fordern die Nerven des Publikums heraus. Aber dass dieses nicht weg gucken kann in diesen (nicht explizit dargestellten) Szenen, passt zu der Botschaft, zeigt neben dem reißerischen Element auch das was man nicht sehen will, aber etwas das einem hilft zu verstehen, was einem selbst nie passiert ist. Da kommen passend zum Zeitgeist noch ein paar Karateszenen als Schauwert hinzu, das Drehbuch ist, typisch Reißer, voll von Logiklücken, gerade Richtung Finale, wenn die taffen Girls den mittlerweile zum Mörder gewordenen Vergewaltiger arg dümmlich in die Falle gehen, aber dieser Mix aus Pulp, Trash, ernstem Anliegen, Empathie und Frauenpower entwickelt eine ganz eigene Energie, die "Rape Squad" (Alternativtitel) zu einem interessanten und kurzweiligen Werk für ein nicht zu strenges Publikum macht. Dass der Film in Deutschland erst in den 80er Jahren per VHS veröffentlicht wurde, verdankt er der Tatsache, dass der Hauptaggressor von "The Violator" (Alternativtitel) eine Eishockeymaske trägt und der erfolgreiche Jason dies seit "Und wieder ist Freitag der 13." ebenfalls tat. Also wurde die Maske deutlich aufs Cover gepackt und fertig war das Mitschwimmen einer Erfolgswelle, trotz völlig anderem Produkt. "City Monster" mag nichts Geistreiches sein, und vom moralischen Standpunkt her ist er, trotz allem was er zu dem Thema richtig macht, eher primitiver Natur. Aber er funktioniert als dreckiger Rache-Thriller und liefert das ab, was sein Zielpublikum sich wünscht - ganz ohne blutige Exzessen.  OFDb

29.10.2023

DIE SÜSSEN FRÜCHTCHEN VON MALIBU BEACH (1976)

Dass Teenie-Komödien oftmals den Bereich der Erotik integrieren, gerade in Genrebeiträgen der späten 70er und frühen 80er Jahre, ist kein Geheimnis. "Die heißen Teens von Malibu Beach" (Alternativtitel) arbeitet aber derart zentral mit dem Bereich Sex, dass es nur noch auf den Senkel geht. Fortwährend wollen die vier Hauptfiguren lediglich den Beischlaf frönen oder ihre Reize präsentieren - und sei es nur um jemandem zu verarschen, so geschehen in einer frühen Strandsequenz, in welcher ein Volltrottel leicht um den Finger zu wickeln ist, damit er seinen Stoff mit den Mädels teilt. Hin und wieder spielen auch Momente im Klassenzimmer, um an das Alter und den Bereich der Teen-Komödie zu erinnern, aber meist wird irgendwo auswärts geflirtet und kopuliert, eine nennenswerte Handlung darf da suchen wer will. 

Auch wenn Sex nur angedeutet wird, so ist es möglich, dass man hier tatsächlichen Pornomietzen beim echtem Beischlaf zusieht, ausschließen würde ich es nicht. Das würde zumindest erklären, warum man nicht um andere Schauwerte bemüht ist. Um das Ganze als Komödie vermarkten zu können, wird Brachialhumor integriert, frei nach dem Motto, wenn sich jemand übertrieben trottelig oder übertrieben schwul und gleichzeitig frauenfeindlich vor der Kamera benimmt, dann muss das doch bereits Komik genug sein, um den Zuschauer zum Lachen zu bringen. Das ist freilich nicht der Fall, aber sicherlich hat "Die neckischen Spielchen der College-Girls" (Alternativtitel) zu seiner Entstehungszeit in den USA manchem älteren Herren dabei geholfen im Kino zu entspannen, so oft wie er einen Blick auf Brüste, oder zumindest auf Bikini-Mädchen werfen darf. Im prüden Amerika war das sicher ein toller Film für solche Zwecke. 

Heute besitzt "Süße Früchtchen am Strand" (Alternativtitel) eigentlich keine wirkliche Daseinsberechtigung mehr, dementsprechend stiefmütterlich wurde mit ihm bei der glücklicher Weise dennoch vorhandenen DVD-Veröffentlichung umgegangen. Ungekürzt erschienen, und damit einige englische Szenen enthaltend, werden diese leider nicht untertitelt präsentiert. Sicherlich verpasst man mit mageren Englischkenntnissen keine hochtrabenden Dialoge, aber die fremdsprachigen Passagen sind lang, und gerade zu Beginn habe ich erst einmal nachgeschaut, ob die falsche Toneinstellung abgespielt wurde, dauert es doch bei der deutschen, digitalen Veröffentlichung einige Zeit bis überhaupt das erste mal eine synchronisierte Szene auftaucht. Bis es endlich soweit war, hatte ich schon eine Fehlpressung vermutet, bei welcher der deutsche Ton vergessen wurde. Zudem ist das Bildmaterial unterster Schiene und bietet nicht einmal solide VHS-Qualität. Kaputt macht es "Hollywood High" (Originaltitel) nicht, der ist ohnehin für nichts zu gebrauchen. Ich fand ihn einfach nur nervig und öde.  OFDb

07.07.2023

DER EROTISCHE ZIRKUS (1975)

Dudu ist in der Filmwelt nicht nur ein Wunderkäfer, ziemlich zur selben Zeit bekam der Protagonist von "Erotischer Zirkus" (Alternativtitel) selbigen Namen beschert und tritt unübersehbar in die Fußstapfen von Charles Chaplin. Was der in den 60er Jahren zunächst als Darsteller agierende Regisseur Jerôme Savary mit seinem Werk im Sinn hatte, war eine Wiederauflegung der albernen Stummfilme, wie wir sie in Deutschland hauptsächlich über die "Klamottenkiste" beschert bekommen haben, und mixt deren Stil, wie der Titel bereits verrät, mit sexueller Thematik, also mit etwas das in den 20er Jahren kaum möglich gewesen wäre. So geht es immer wieder um Sex, frivole Wünsche und um nackte Haut, und das verwässert das Ergebnis weit weniger als ich erwartet hätte. Das liegt daran, dass man auch anderweitig pointiert die Vorlagen imitiert und parodiert, gern versehen mit Spezialeffekten von einst und genauso albern dargeboten, wie in den Vorbildern geschehen. Ohnehin könnte man, abgesehen von den Erotikszenen und künstlichen Pimmeln, davon ausgehen tatsächlich ein Werk von einst zu sichten. 

Das Bildmaterial ist auf alt getrimmt, Zwischentitel und ein Off-Kommentator sind vorhanden wie in der guten alten Zeit, und was hier an Kulisse und Maske geboten wird, kopiert die Kurzfilme von einst erstaunlich gut. Die Darsteller sehen nicht nur durch ihre Kostüme wie Darsteller von einst aus, auch Frisuren, Bärte und Make Up lassen sie authentisch erscheinen. Die Illusion ist somit perfekt, was die aufreizenden Szenen umso auffälliger erscheinen lässt. Dank der Erscheinungszeit vor der obligatorischen Intimrasur, wirken auch die haarigen Nacktaufnahmen wie von einst, das passt ins Gesamtbild. Doch so sympathisch das Filmexperiment "La Fille du Garde-Barrière" (Originaltitel) auch ausgefallen sein mag, meiner Meinung nach hätte ein Kurzfilm ausgereicht, um an alte Zeiten anzuknüpfen. Über 80 Minuten ist das episodenhafte Treiben einer, den damaligen Zeiten gerecht werdenden, banalen Geschichte doch etwas zu langatmig ausgefallen, Authentizität, Pointenstärke und erotische Schauwerte hin oder her. Zumindest kann man es Savary hoch anrechnen, dass mit dem Sexaspekt im Zentrum das Ganze nicht zu einseitig zotig ausgefallen ist und man auch um mehr als den erotischen Aspekt bemüht ist. Letztendlich muss man aber ein geduldiger Zuschauer sein, um mit dieser liebevollen Hommage sein Vergnügen bis zum Schluss zu haben. 

Als vielfältig Filminteressierter kann man aber ruhig mal einen Blick riskieren, letztendlich ist "Die Tochter des Schrankenwärters" (Alternativtitel) nicht zwingend dafür gemacht ihn komplett zu sichten. Man kann schließlich auch vergnügt nach einiger Zeit ausschalten, so sehr wie die Geschichte von Ereignis zu Ereignis hüpft. "Der erotische Zirkus" lebt schließlich nicht von einer Geschichte, die man zu Ende erzählt haben möchte, sondern von seinen Schauwerten. Und im Gegensatz zu vielen anderen Sexfilmen bestehen diese ausnahmsweise einmal nicht hauptsächlich aus Nackedeiszenen, sondern aus Illusionen des Vergangenen und den herrlich albernen Zoten, die ebenfalls im alten Stil umgesetzt sind.  OFDb

07.05.2023

PORNFLUENCER (2022)

Er verdient gut, hatte die Chance zu studieren (brach ab) und kann sich relativ eloquent ausdrücken. Es braucht also nicht verwundern, dass der Pornfluencer, den Regisseur Joscha Bongard mit seinem Doku-Team aufsucht, sich selbst für intelligent hält. Wie stumpf und oberflächlich er ist, offenbart er nach und nach unbewusst in Interviews, ebenso wie seine feste Freundin und Hauptdarstellerin, die glaubt eigenständige Entscheidungen zu treffen, während ihr Kerl ihr eigentlich nur jenen Freiheitsradius gönnt, der sie glauben lässt dies zu sein. Denn mit seinem Machogehabe, das trotz der kultivierten und freundlichen Tarnung definitiv heraus bricht, hält er die Kontrolle, hat er das Sagen, so wie es sich für die Pick Up-Szene gehört, aus der er stammt. Was das ist habe auch ich erst in dieser Dokumentation erfahren, ebenso was das im Zentrum stehende Pärchen verdient, wie die Internetpornobranche grob betrachtet funktioniert, und warum sich Gratisvideos für den Hauptanbieter lohnen. Frei von Informationen ist "Pornfluencer" somit nicht. 

Leider werden aber keine weiteren Selbstdarsteller der Szene aufgesucht, man beschränkt sich einzig auf besagtes Pärchen, das sich selbst gern reden hört und doch fast nur Hohlbrotphrasen von sich lässt, gerne auch mal im Spiegel zu sich selbst gesprochen zum Erleben plumpster Bauernpsychologien. Wegen solcher glauben sie auch an billige Erfolgspropaganda, mehr zumindest als sie sich trotz aller bewussten Peinlichkeit diesbezüglich eingestehen. Schon nach einer Stunde merkt man, dass der Film nicht viel weiter den Horizont der Unwissenheit einer großen, den Mechanismen nach aber trotzdem unbekannten, Branche öffnet, und so hört man meist das Leergeschwätz der beiden, die sich längst im ersten Drittel entlarvt haben, was einen intensiveren Blick auf sie eigentlich unnötig macht. Um mehr Gehalt zu demonstrieren darf der ein oder andere Fachmann dazwischen quatschen, aber das beschert Bongards Debüt auch nur bedingt mehr Information. Das Thema ist quasi Selbstläufer, lockt genug Interessierte, was soll man da noch groß an Qualität investieren? 

Zumindest hat Bongard begriffen, dass es ohne anzügliche Szenen mit Details im Schritt nicht geht, dementsprechend ist dieser Film auch ab 18 Jahren freigegeben, ohne dass man dem Regisseur vorwerfen kann selbst Pornographie zu produzieren. Zwar ist es reizvoll die Privatpersonen hinter derartigen Geschäftsmodellen kennenzulernen, ihnen sei ihr Erfolg bei so viel Mut auch gegönnt, aber interessant sind sie auf Dauer nicht, zumindest nicht interessant genug, um ihnen den Gesamtfilm zu widmen, interessant genug jedoch um das ein oder andere Vorurteil über Leute dieser Branche nach Sichten über Bord zu werfen und manch anderes bestätigt zu bekommen.  OFDb

11.03.2023

KARATE, KÜSSE, BLONDE KATZEN (1974)

Man sollte meinen, wenn sich die legendären Shaw Brothers mit dem deutschen Fließband-Erotikfilmer Ernst Hofbauer zusammen tun, dass etwas herrlich Bescheuertes dabei herauskommt, welches das Herz alternativer Kinogänger höher schlagen lässt. Aber was soll man sagen? Wirklich toll guckt sich das nicht, was uns mit "Yang Chi" (Originaltitel) vorgesetzt wird. Der deutsche Anteil beschränkt sich auf die nach Hongkong exportierten Frauen, die nackend agieren dürfen, einfallsreich ist dieser Part nicht. Und der Hongkong-Anteil serviert wie gewohnt Handkanten-Action in schräger Komik, und auch wenn diese wunderbare Momente herbei zaubert, so mutet der Großteil doch lediglich als Altherrenwitz an, sich im notgeilen Begaffen und Begrapschen der nicht immer blonden Holden nicht wirklich unterscheidend von den Italienern in ihren Flotten Teens-Beiträgen. Das monotone Szenario von "Weiße Mädchen - gelbe Teufel" (Alternativtitel), inmitten einer nicht wirklich vorhandenen Geschichte, sorgt letztendlich dafür, dass die paar wenigen einfallsreichen und funktionierenden Kalauer das müde Gerüst nicht getragen bekommen. Wer "Heiße Katzen - scharf serviert" (Alternativtitel) 92 Minuten lang durchhält ist im richtigen Film, Hut ab wer das schafft, mir ist es nicht gelungen.  OFDb

01.11.2022

RAZOR BLADE SMILE (1998)

Was wir über Vampire zu glauben wissen, ist ein Witz, und die Protagonistin des Films wird uns dies immer wieder beweisen. Eine der zu Beginn genannten Wahrheiten, wird zur Kernessenz des kompletten Filmes, welche sich erst über eine äußerst gelungene Schluss-Pointe offenbart. Mit dieser rechnet man nicht, obwohl der Streifen von Beginn an augenzwinkernd erzählt ist, ohne dabei zur Horror-Komödie zu verkommen. Dabei rückt der Witz manches Mal für einen kurzen Hauch in den Vordergrund, z.B. wenn wir erfahren dürfen, wie der Detektiv im Finale auf die Umstände reagiert, die das Ende offenbaren, oder wenn eine Grufty-Frau, die gerne ein Vampir wäre, die Worte der Heldin belächelt, da sie nicht ahnt dass diese tatsächlich ein Vampir ist und mit allen unwahrscheinlich klingenden Worten Recht besitzt. An der Besetzung fällt auf, dass der Streifen inmitten der britischen Gruftyszene entstand. Daraus resultiert neben manchem Vorteil auch der Nachteil der Eitelkeit, so stylisch wie der Film erscheinen will und dabei eine Coolness atmet, die der Leichtigkeit des Stoffes im Weg steht. Doch neben solch offensichtlicher Schwachpunkte, die fast schon zum Standard eines Undergroundfilmes gehört und zu denen sich auch die unnötig zelebrierte Nacktheit zählen darf, umgeht "Vampire Avengers" (Alternativtitel) andere Schwachpunkte dieser Art Film. 

Er mag reißerische Momente und aufgesetzte Coolness ausstrahlen, er zelebriert aber keine Blutmomente, baut sie nur förderlich für die Geschichte ein, und mehr noch: er besitzt eine. Die Erzählung ist nicht von schlechten Eltern, dient keinem Alibi, um nachzuahmen, was man woanders besser sah. Stattdessen bietet man eine erzählenswerte Geschichte, mit Haken und Ecken, mit Überraschungen und Pointen, und die weit weniger schwachsinnig ausgefallen ist, als sie lange Zeit anmuten darf. Für einen Undergroundfilm ist da also tatsächliche Mühe und Kreativität zu erkennen. Und das Bemühen zu einem den Umständen entsprechend professionellen Ergebnis zu kommen, erkennt man auch im Versuch der Darsteller als Laien möglichst gut zu spielen und in den gekonnt eingefangenen Bildern, die nicht auf die Schnelle abgefilmt wurden und nur dann äußerst billig wirken, wenn Computereffekte zum Einsatz kommen. Leider kommt dies etwas zu häufig vor, so dass "Razor Blade Smile" einen weiteren Schwachpunkt besitzt, der das an sich lobenswerte und charmante Projekt nur für ein wohlwollendes, alternatives Publikum bekömmlich macht. Mag der klassische, leicht mit Splatstick zufriedenzustellende, Horror-Fan auch eher auf die professionelleren Folgewerke von Jake West abfahren (am berühmtesten sind wohl die sich sehr ähnlichen "Evil Aliens" und "Doghouse"), dem geduldigen und nach Alternativstoffen Ausschau haltenden Cineasten, zumindest jene Sorte, die auch vor Amateurfilmen und Undergroundprodukten nicht Halt macht, wird hingegen mit dem kreativeren Ergebnis des hier besprochenen Horrorstreifens ein kleines, unbedeutendes Werk für zwischendurch vorgesetzt. Sicherlich muss man sich aufgrund der etwas arg cool gelebten Mentalität und der billigen Video- und Computeroptik erst in ein solches Projekt hinein gucken, aber ist man erst einmal drin, kann man sich an den Besonderheiten laben, mit welchen dieses Hobbyprojekt sich von vergleichbaren Filmen abhebt.  OFDb

15.10.2022

DIE NONNE UND DAS BIEST (1977)

Sicherlich kann man "Die Nonne und das Biest" schlicht als simplen Fummelfilm abtun, so sehr wie nur auf das eine geachtet wird, und so brav wie dabei lediglich Blümchensex zelebriert wird. Dies ist selbst in der Langfassung der Fall, dessen angebliche Hardcoreszenen lediglich aus der Aufnahme eines erregten Pimmels, einer 2 Sekunden-Blowjob-Sequenz und ansonsten aus harmlos anmutenden Softsex-Momenten bestehen, welche die meist verkrampft dargebotenen Sexszenen, die im Film ohnehin schon enthalten sind, nicht expliziter machen. Nett anzusehen sind die oftmals lustlos gespielten Erotikmomente trotzdem, gerade wenn Mónica Zanchi im Bild ist, deren verdorbenen Blick man sich nicht entziehen kann. Sie ist mimisch die perfekt besetzte Lolita und ist auch ansonsten hübsch anzuschauen. 
 
Die eigentliche prominente Hauptdarstellerin Laura Gemser kommt nicht gegen sie an, hat es aber auch schwer, wo sie doch meist die Nonnentracht tragen muss. Freilich werden auch ihre möglichst viele Nackedeimomente ins Drehbuch geschrieben, der Besucher des Bahnhofskinos von einst musste schließlich in seiner Gier gesättigt werden. Und dieser hat in der Schmuddelfilmabteilung sicher schon einiges schlechteres erlebt. Auch wenn sich das meiste von dem, was ich bislang geschrieben habe, negativ liest, so ist "Schwester Emanuelle" (Alternativtitel) doch recht unterhaltsam ausgefallen, langweilt trotz eher Episoden-artigen Ablauf und endlos aneinander gereihter Fummelszenen nie und ist zudem musikalisch angenehm untermalt. "Suor Emanuelle" (Originaltitel) kommt überraschend unaufgeregt vorgetragen daher und ist in der dünnen Handlung und den Dialogen oft unsinniger Natur. Daran kann man sich aufhängen und den Film als puren Trash abtun, aber unsinnig darf er allein vom Genre her schon sein, und die Schlussauflösung gewährt der Geschichte ohnehin Narrenfreiheit. 
 
Bis es zu dieser kommt, erleben wir mit der sündigen Schülerin, die ihrer attraktiven Nonnenlehrerin das Leben zur Hölle macht, eine Art humorlose Erotikversion von "Die Lümmel von der ersten Bank". Das ist kein typischer Film des eher auf das Western-Genre abonnierten Giuseppe Vari, für den "Die Nonne und das Biest" eines seiner letzten Werke war. Mónica Zanchi hat leider recht wenig Rollen im Laufe ihrer Filmkarriere gemeistert, gern hätte ich von ihr mehr gesehen. Letztendlich ist sie es, die das hier besprochene Werk aufwertet, so unwichtig wie Inhalt und Umsetzung ausgefallen sind. Dementsprechend werden die meisten Zuschauer von heute an diesem Film verzweifeln. Mit dem Kopf kann ich ohnehin nicht erklären, warum mir das alles gefallen hat, mit dem Schwanz aber auch nicht, so veraltet wie sich die Nackedeisequenzen schauen.  OFDb

25.09.2022

LA BÊTE - TANYAS INSEL (1980)

Während sich im französischen Namensvetter "La Bête" fünf Jahre zuvor eine haarige Kreatur ejakulierend über eine Frau hermachte, ist der Affe aus "Tanya's Island" (Alternativtitel) die zahme, schüchterne Variante, in dessen platonischer Freundschaft mit der meist nackten Tanya es um gegenseitige kulturelle Annäherung geht. Das ist durch das schräge Fantasyelement ein ehrenwertes Anliegen, dargeboten in bizarrer Form, in der Art wie umgesetzt jedoch völlig missglückt. Das liegt zwar auch daran dass sich der Streifen lediglich als Schmuddelfilm entpuppt, der in seiner langen Phase ereignisloser Geschehnisse mit Fahrstuhlmusik untermalt wurde, entscheidend jedoch in jenem Bereich scheitert, in welchem tatsächlich endlich etwas passiert. Während der mit "Deep Sleep" aus dem Pornobereich stammende Regisseur Alfred Sole es in seinem Erstling "Alice, Sweet Alice" zumindest noch losgelöst von seinem bisherigen filmischen Werdegang versuchte, badet "La Bête - Tanyas Insel" derart im Zelebrieren von Nacktheit und Sex, dass es mich nicht wundern würde, wenn irgendwo noch eine Pornoversion dieses idiotischen Filmes existieren würde. 

Während der Vorgänger dieses Streifens noch versuchte psychologisch sinnvoll vorzugehen, erweist sich die sandige Dreiecksgeschichte, die als eine Art grober Mix von "Die Blaue Lagune" und "Der Koloss von Konga" bezeichnet werden kann, als unsensibles Filmchen, welches jeglichen gar nicht mal uninteressanten Aspekt mit dem Holzhammer präsentiert. Hier kommt die Eifersucht des mit Tanya auf der Insel zusammen lebenden Mannes ebenso plötzlich daher, wie seine Geisteskrankheit. "Tanya's Island" ist derart darauf bedacht mit reißerischen Schauwerten zu arbeiten, dass er völlig tolpatschig erzählt ist, den Zuschauer nie an die Hand bei charakterlichen Entwicklungen nimmt und wie ein Elefant durch den Porzellanladen trampelt. Der Mensch als die wahre Bestie, die Frau als Wesen welches Auslöser von Begierde und Krieg zugleich ist, der Respekt unterschiedlicher Spezies und Kulturen, Solidarität in harten Zeiten, blinde Eifersucht die zu klassischen Kriegsverbrechen führt, an reizvollem Material mangelt es diesem Film, der zuvor lediglich zu langweilen wusste, nicht. 

Leider wird jeglicher Aspekt auf dümmliche Art eingebracht, anstatt durchdacht, reflektiert und empathisch. Zwar erlebt der Streifen dadurch ein recht gutes Potential an unfreiwilliger Komik, die einerseits jedoch zu spät kommt, um ihn damit zu einem Geheim-Tipp des Trashs zu machen, zum anderen aber auch in dieser belustigenden Phase mit seiner Penetranz zu nerven weiß. Zwar kann die halb an "La Bête" erinnernde und mit "Robot Monster" fast deckungsgleiche Auflösung einiges von dem, was der Zuschauer ertragen musste, durch einen neuen, in diesem Falle nicht wirklich überraschenden, Blickwinkel von dem gerade rücken was einem zuvor unsinnig erschien, aber das bestätigt eher die Idiotie der Protagonistin anstatt "Tanya's Island" rückblickend sinnvoller oder durchdachter erscheinen zu lassen. Alfred Soles Vorgängerwerk seines letzten Filmes "Freitag der 713." ist ein reizvoll klingendes, aber völlig missglücktes Stück entrücktes Kino, das seinen Sehwert nur aus Nackedeiszenen und grotesken Idiotien, wie der Kokosnussschlacht, erntet. 

Wenn selbst offen dargebotene Gedankengänge scheitern, wie z.B. die Rechtfertigung, dass ein im Käfig verhungernde Affe kein Mord von demjenigen ist, der ihn dort bewusst gefangen hält, braucht man erst gar nicht auf versteckt analytisch sinnvolle Überlegungen zu hoffen. Zwar gelingt es Sole zwei Mal mittels einer lediglich durch Hintergrundgeräusche untermalten Stille kurze Suspensemomente aufblitzen zu lassen, aber die besitzen nicht genügend Kraft sich gegen die Langeweile und den Irrsinn durchzusetzen, zumal es dem Regisseur nicht wirklich um diesen Thrill-Bereich geht, geschweige denn um Horror, wie der Film andernorts manchmal falsch bezeichnet wird. Dass Soles Mangel an psychologischem Verständnis am Schluss sogar den ehrbaren Gedanken einer falsch eingeschätzten, harmlosen Spezies verwirft, wenn er aus dem Affen doch noch eine eifersüchtige Bestie macht (ohne dabei an unterdrückte Sexualität oder Missverständnisse durch ungünstige Umstände zu denken) und uns doch noch das Korpulationsszenario des namensgleichen "La Bête" aus Frankreich präsentiert (wenn auch weit subtiler dargeboten als dort), lässt jeden tolpatschig zuvor eingebrachten Ansatz vom gegenseitigen Respekt unterschiedlicher Mentalitäten, Spezies und Kulturen in Luft auflösen, so dass es am Gesamtwerk am Schluss nichts mehr schön zu reden gibt, also wirklich so rein gar nichts - außer nett anzusehender Nacktheiten und einem gelungenen Affenkostüm. Aber selbst dies hat mit Blick auf den Hintern seine missglückte Schattenseite.  OFDb

12.12.2021

BIKINI ISLAND (1991)

Ein Killer mordet sich durch eine Gruppe von leicht bekleideten Models und anderen Mitarbeitern eines Bikini-Mode-Katalogs, während diese sich aufgrund eines Fotoshootings auf einer Insel befinden. Das klingt nach einem Slasher, ist dies aber nur bedingt, so sehr wie der Horroraspekt aufgrund anderer Schwerpunkte verwässert wird. Ich wünschte ich könnte behaupten dass es die Krimi-Orientierung ist, die stattdessen ins Zentrum rückt, aber auch diese hält sich arg zurück, auch wenn sie stärker durchschimmert als der Horroraspekt. Nein, "Bikini Island" ist ein Streifen für lüsterne, alte Männer, die sich daran ergötzen möglichst viele junge Mädels im Bikini sichten zu können. Nacktaufnahmen gibt es so gut wie keine, man muss sich als Spanner also mit der leichten Bekleidung begnügen, aber diese wird definitiv Zentrum eines Streifens, der diesbezüglich nicht nur im Titel locken will. So räkeln sich allerhand Mädels breit grinsend im Bikini, sei es während des Castings, in der Freizeit, oder während der Arbeit. Stets hält die Kamera lange drauf, während ein dünner Plot damit gestreckt wird, was mangels interessanter Charaktere oder Dialoge arg penetrant anmutet und extremst langweilt. 

Der Mörder schlägt erst nach etwa 40 Minuten zu, und selbst dann kommt kein Horror-Flair auf. Dies nicht nur aufgrund der recht unblutigen Umsetzung, auch die Tatsache, dass die Verstorbenen stets nur als verschwunden gelten und in Briefen ihre Gründe für die verfrühte Abreise kund tun, lässt den Killer zu rational erscheinen. Dass es völlig unsinnig ist, dass man stets akzeptiert dass alle auf die selbe Art verschwinden, erst recht wenn der Modelanteil der Verstorbenen die Chance auf eine sehr hohe Geldsumme sausen lässt, macht inmitten eines uninspiriert erzählten Stoffes nichts mehr aus. Das sorgt weder für funktionierende unfreiwillige Komik, noch lässt es den Plot scheitern, der bereits an ganz anderen Schwächen krankt. Letztendlich überrascht "Bikini Island" lediglich damit, dass nicht die zu erwartende Person der Täter ist. Vor der Täteraufdeckung bekommt Tony Markes' Regiedebüt außerdem plötzlich einen Ereignisschub, wenn x Leute innerhalb kurzer Zeit mittels einer Pfeil und Bogen-Attacke ins Jenseits befördert werden. Aber das nutzt zu solch spätem Zeitpunkt nichts mehr, auch wenn sich der Streifen in diesem Augenblick tatsächlich kurzfristig flotter denn je guckt. Eine lahme Kameraarbeit, schlecht besetzte Darsteller und ein uninspirierter Soundtrack unterstützen das Scheitern von "Bikini Island", den man wahrlich als Schnarchnummer bezeichnen kann. Abgesehen von seinen arg harmlos anmutenden Erotikmomenten besitzt er keinerlei Seh- oder Unterhaltungswert. Ich habe keine Ahnung, ob greise Rentner beim Anblick der Mädels einen erhöhten Puls erhalten, auch denen standen bereits zur Entstehungszeit eigentlich aufregendere Produkte zur Verfügung, als dieses biedere, möchtegernlockere Pseudo-Filmchen, das so wirklich gar keinen seiner anvisierten Genres gerecht wird.  OFDb

12.05.2021

APPASSIONATA - ERSTES VERLANGEN (1974)

In dem von Gianluigi Calderone inszenierten Drama "Appassionata" (Originaltitel) begegnen wir in den vier zentralen Rollen Menschen voll von Sehnsüchten und Enttäuschungen. Elisa träumt in ihrem pflegebedürftigen Zustand, der irgendwo zwischen fortgeschrittener Depression und Demenz pendelt, so sehr von der Vergangenheit, dass sie die Gegenwart kaum wahr haben möchte, Emilio sehnt sich nach der jungen Nicola, die sich ihm ohne das Alibi des Betäubungsmittels nicht nähert, Eugenia wünscht sich ihre erste sexuelle Erfahrung herbei und möchte diese am liebsten mit ihrem Vater vollführen, und Nicola mag sich sexuell holen was sie braucht, ist aber eine einsame junge Frau, deren wichtigster Kontakt, Eugenia, sich mehr und mehr von ihr entfremdet. So sehr die Erotik thematisch auch obligatorisch im Stoff gefestigt ist und auch in einigen Aufnahmen junger Körper Beachtung findet, so wenig ist Calderone daran gelegen einen Schmuddelfilm abzuliefern, einen Eindruck den glücklicher Weise auch das Endergebnis hinterlässt. 

Der mit Ornella Muti in einer der wichtigsten Rollen besetzte "Forbidden Passion" (Alternativtitel) widmet sich aus einer sachlichen Distanz heraus dem Treiben und Gefühlsleben seiner Figuren, zentral jenem von Emilio, und bietet dabei keinerlei Erklärungen für das Publikum. Das sieht zu und muss sich selbst einen Reim aus dem Miterlebten machen, was insofern interessant ist, als dass die Handlung keineswegs irgend einem Standard folgt, auch wenn die Figuren nicht ohne Stereotype auskommen. Dementsprechend verläuft das Geschehen nie wie erwartet, sondern lässt uns an individuellen Prozessen teilhaben, die sich kraftvoll der Norm standardisierter Sehgewohnheiten widersetzt. So lobenswert das ist, und so interessant sich "Passionate" (Alternativtitel) damit guckt, letztendlich fehlt es ihm an Bodenständigkeit, um seiner sachlich motivierten Betrachtungsweise gerecht zu werden. Während man den Charakteren, trotz nüchternem Blickwinkel, durchaus empathisch begegnet, schien man sich, im Gegensatz zu psychologisch sinnvollen Charakterzeichnungen, nicht mit psychologischen Prozessen auszukennen, so wenig wie die Handlung im Einzelnen sinnvolle Schritte vollzieht. Und eine gewisse Entfremdung aufgrund kultureller Veränderungen macht das durchaus engagierte Drama zwar zu einem faszinierenden Zeitzeugnis, macht es dem Zuschauer von heute aber um so schwieriger allein gelassen das Erlebte einzusortieren, eben weil doch alles aus einer gewissen Distanz heraus betrachtet wird. 

Durch diese Herangehensweise verzichtet das Werk glücklicher Weise aber zumindest auf Störfaktoren wie Theatralik, Kitsch und Hysterie, was gut zum Grundton des Streifens passt, der lobenswert reißerische Schauwerte meidet. Was "Appassionata" fehlt, um ihn rein als Gefühlsfilm annehmen zu können, ohne sich an der mangelnden Logik oder Konsequenz der gesammelten Erfahrungen aufzuhängen, ist ein sinnlicher Grundton, der den Zuschauer emotional eintauchen lässt. Da der Film aber eben fast einzig von Enttäuschungen lebt, kann der in seiner Distanz erzählte Film derartiges nicht verursachen. Angenehm schaut sich das Erotik-Drama für ein mündiges, aufgeschlossenes und auch geduldiges Publikum aber durchaus. Und ich muss gestehen, dass ich seine schockierende Schlusspointe nicht kommen sah, auch wenn im Nachhinein alles darauf hindeutete, und erst mit dieser ein erzählerischer Kreis geschlossen wird. Zudem bildet sie einen gekonnten Gegenpol zur Betäubungsszene und suggeriert außerdem mit dem Blickwinkel aus dem Fenster die Möglichkeit einer geplanten Einheit. In dem Alter der beiden Mädels ist dies nicht undenkbar und würde den Charakteren, psychologisch weiter gedacht als bisher dargeboten, tatsächlich gerecht werden. Vielleicht erleben wir am Schluss aber nur die Gegenvariante der bisher miterlebten, freundschaftlichen Verheimlichung, das bleibt Auslegungssache. Zu wissen wie ahnungslos Emilio ist, und selbst dies nur höchst wahrscheinlich, macht jedoch den wahren Reiz dieses verstörenden Endes aus.  OFDb

16.10.2020

EROTIBOT (2011)

Japan ist für seine bizarren Werke im Bereich der laufenden Bilder bekannt, und "Erotibot" klingt nach einer herrlich schrägen Idee in welcher Blut, Sex und Science Fiction zusammenkommen. Doch wie so vieles in der Welt, klingt das Projekt in der Theorie interessanter, als es schließlich ausgefallen ist. Den billigen Look mag ich, der uns von Anfang an deutlich macht, dass Spezialeffekt-Fetischisten hier nichts zu suchen haben. Allein die Aufmachung des stärkeren Roboters ist simpel zu nennen und mitunter gerade deshalb so charmant Retro ausgefallen. Der Look des absichtlich Clown-artigen Maschinenmenschen im Zentrum der Geschichte überzeugt meist auch. Es sei denn sein Schauspieler übertreibt es mit dem clowneresken Agieren, so z.B. in der Laufszene, in welcher der Roboter seine Dienerin mit einer Nudelsuppe überraschen möchte, dann ist es zu viel des Guten und die Wirkung des Roboters ist dahin. Unterbrochen wird besagte Szene durch eine ausführliche Darbietung des ersten Geschlechtsaktes der jungen Frau, deren Papa ihr für alle Lebenslagen Roboter geschaffen hat, somit auch hierfür. Da wird dann viel gefummelt, viel nackte Haut gezeigt und nicht mit dem Mut zur Freizügigkeit bei den Schauspielern gegeizt. Das guckt sich allerdings derart plump wie ein Softporno, so dass man damit bei mir keinen Blumentopf gewinnen kann. 

Freilich wird schon zuvor der sexuelle Aspekt stets hervorgehoben, das war bei dem Titel letztendlich auch zu erwarten, aber "Karei naru erogami-ke no ichizoku: Shinsô reijô wa denki shitsuji no yume o miru ka" (Originaltitel) ist einfach diesbezüglich zu notgeil eingefangen und zu wenig schelmisch diesbezüglich erzählt, deswegen schauen sich diese Momente auch weder Schmuddelfilm-kurzweilig noch auf Provo- oder anregende Art interessant. Leider dominieren diese Szene den Film, der zunächst schön Action-reich auf jene Art beginnt, für welche man das abseitige Kino Japans so gerne heimsucht. Attraktive Schwertkämpferinnen, die sich mit einem Roboter anlegen, bis dieser dezimiert ist, das ist jener Gehalt der Geschichte von dem es ruhig mehr hätte geben können. Doch nach diesem ersten Ereignis spult der Film ein paar Tage zurück, und wir müssen bis zum Finale warten, bis endlich wieder die Post abgeht. Dann darf auch ordentlich Blut spritzen, was ein wenig für die genannten Defizite und die zu einfallslose Geschichte entschuldigt, wett macht es den Gesamteindruck freilich trotzdem nicht mehr. Vielleicht wäre ich mit weniger Erwartungen herangegangen, wenn ich mich vorher über den Regisseur schlau gemacht hätte. Naoyuki Tomomatsu war auch für "Stacy - Angriff der Zombie-Schulmädchen" verantwortlich, der mir so gar nicht gefiel. Und dass der gute Mann auch gelegentlich Pornos dreht, erklärt warum "Erotibot" sexuell so dominant ausgefallen ist. Dennoch muss ich gestehen, dass mich andere Projekte dieses Mannes trotz allem weiterhin reizen. So klingen doch "Eat the Schoolgirl" und die mittlerweile auf fünf Teile angewachsene "Rape Zombie"-Reihe nach interessanten Horrorwerken. Die werde ich beizeiten einmal antesten, ich lerne halt einfach nicht dazu.  OFDb

11.10.2020

SEXANDROIDE (1987)

Ohne mich vorher über den Inhalt schlau gemacht zu machen, habe ich den französischen, nah am Amateurfilm angesiedelten, Underground-Film "Sexandroide" geschaut, naiv ein wenig in der Hoffnung er könne etwas ähnliches erzählen wie der japanische "Erotibot". Aber mit Robotern, Androiden, etc hat Michel Ricauds Werk dann doch nichts zu tun, vielmehr wohnen wir drei nicht inhaltlich tiefer gehenden Episoden bei, die sado-masochistischer Art sind. In allen dreien stehen jeweils eine attraktive Frau im Zentrum, die sich schnell nackt macht und sich recht tabu-los vor der Kamera windet und streckt. In Episode 1 wird eine von dem angeblichen Sexandroiden per Voodoo-Wachspuppe zu Tode gefoltert, in der zweiten nimmt er selbst an seinem Opfer Hand an, malträtiert sie mit Nadeln, bis er sich während ihres Ablebens schließlich selbst ausweidet. Und an seinem Sarg strippt in Kapitel 3 eine Notgeile, bevor sie sich zum seit je her degeneriert aussehenden, nicht ganz toten Sexandroiden-Spanner dazu legt und der Deckel geschlossen wird. Damit endet der 57minüter dann auch nach quälend langem Zusehen. 

Denn wie man bereits herauslesen kann, ist an all dem nichts erzählenswert, sodass sich das Ergebnis dementsprechend zäh und nervig schaut. Einige Effekte erstaunen, und rein aus deren Blutgehalt und dem Nackedei-Agieren der weiblichen Besetzung besteht der geringe Schauwert dieses französischen Provo-Filmes, den man aufgrund kaum gesprochener Worte auch ohne entsprechende Sprachkenntnisse bestens versteht. Das wenige was französisch gesprochen wird, wird in einem Lokal im Hintergrund zum Besten gegeben. Wer in derartigen Filmbereichen, warum auch immer, den Kick sucht, so wie auch meist bei Black Lava-Produkten, ist hier an der richtigen Adresse. Mir fehlt zu solchen Werken der Zugang, und schocken tun sie mich auch nicht, so pseudo-provokativ wie sie mir meist, wie hier, anmuten. Und wenn Werke dieser Art eher verklemmt angeilend daher kommen, anstatt sich hauptsächlich auf den Horror-Part zu konzentrieren, dann interessiert mich ein solches noch weniger. Es überrascht nicht, dass Ricaud danach nur noch Pornos gedreht hat. Sein "Sexandroide" ist jedoch noch keiner, auch wenn die Aufnahmen keinen Halt davor machen auch den Schambereich der weiblichen Aktricen deutlich einzufangen.  OFDb

ABARTEN DER KÖRPERLICHEN LIEBE (1970)

Franz Marischka, der Regisseur von solch abtrünnigen Werken wie "Die unglaublichen Abenteuer des Guru Jakob", Sunshine Reggae auf Ibiza" und den "Lass jucken, Kumpel!"-Filmen, zeichnet sich auch für "Abarten der körperlichen Liebe" verantwortlich. Wie so viele seiner Werke ist auch dieser im Sex-Bereich zu Hause, Erotik bietet er jedoch nur bedingt, ist es doch ein Aufklärungsfilm, welcher, von einem strengen Doktor im Off-Kommentar dokumentiert, über abseitige Sexualneigungen berichtet, die nicht der Normalität entsprechen, erst recht nicht in jenen biederen Zeit, in welchen der Streifen entstanden ist. Dem sieht man, sowohl in seiner sleazy Machart, wie auch im verkrampften Grundton und seinem Denken von Vorgestern, jederzeit besagte Entstehungszeit an, und das macht ihn so amüsant. Diesen Effekt erzielte er bereits spätestens Ende des ihm folgenden Jahrzehnts, bediente sich "Als die Liebe laufen lernte" in seinem ersten Teil doch mit Freude an diesem Werk, um anhand der von ihm entliehenen Szenen den Humoreffekt seines verstaubten, aufklärerischen Anliegens zu demonstrieren. Den besitzt er definitiv, egal in welchem seiner Themengebiete, in Zeiten von Wahrheiten, die aus einer mir unverständlichen Korrektheit her heutzutage nicht mehr ausgesprochen werden dürfen, besitzt er aber auch eine erfrischende Direktheit. Zwar ist die hier vorgetragene Psychologie, die gerne auf die Methoden der Psychoanalyse zurückgreift, etwas einseitig und schlicht geraten, diverse Ansätze sind aber durchaus nachvollziehbar und erscheinen richtig, auch wenn das viele Menschen heute nicht mehr hören möchten. Interessanter Weise wird der Streifen dabei niemals zu einer Schuldzuweisung, oder präsentiert seine Hauptfiguren mit mangelndem Respekt. Wohlformuliert macht der Kommentator deutlich, dass es sich bei den präsentierten Individuen mit ihren Neigungen um keine minderen Menschen handelt, er stigmatisiert sie keineswegs, er macht aber trotzdem auch das mögliche, zu seiner Zeit leider noch kompromisslose, seelische Krankheitsbild derartiger Neigungen deutlich und thematisiert sie inklusive möglicher Ursachen und Therapie-Möglichkeiten.

Damit ist "Abarten der körperlichen Liebe" in einem wundervollen Schwebezustand zwischen unsinnigem Rotz und reflektierten Fakten gefangen, der ihn auf mehreren Ebenen sehenswert gestaltet. In seiner zeitgemäßen, sleazy Umsetzung, untermalt mit Funk- und Beatmusik, ist er ein kurzweiliges Stück Pulp-Film, dem es wahrlich nicht an Unterhaltungswert und Schauwerten mangelt. Wer einschaltet um erotischen Bildern beizuwohnen, wird sich jedoch wundern, sind doch trotz mancher Nacktheiten große Phasen des Streifens, insbesondere für den klassischen Heterosexuellen, frei von anregenden Bildern ausgefallen. Allein die Szenarien vergrätzen dieser Art Zuschauer eigentlich bereits bei dieser Zweckentfremdung eines, zumindest offiziell, mit anderen Zielen versehenen Filmes. Und auch die herrlich schlecht agierenden Laiendarsteller tun ihr übriges für eine a-sexuelle Wirkung der offen dargebotenen Nacktheit. Aber allein schon die Themenauswahl lässt derartige mögliche erotische Momente kaum zu, geht es doch auch um Transvestiten, Homosexuelle und Sadomasochisten, die wie dargestellt nicht einmal dementsprechend sexuell geartete Gleichgesinnte mit anregenden Bildern beliefern. Mir persönlich soll es ohnehin egal sein, habe ich diesen herrlich schrulligen, irgendwie fragwürdigen und gleichzeitig respektablen, Streifen doch aufgrund seines Schundfilm-Charakters angesehen. Und dank seiner sleazy Art, wusste mir zu gefallen was ich sah. Für einen angeblich sachlichen Aufklärungsfilm ist der Stil des Films doch recht popkulturell und modebewusst ausgefallen. Und die psychologischen Dramen der ins Zentrum gerückten Personen werden doch arg mit billigen Schauwerten hochgepuscht. Spätestens aufgrund der Entscheidung anstatt Dokumentarszenen Spielszenen zu verwenden, kommt das alles wunderbar unehrlich und konstruiert daher, was den Unterhaltungswert ungemein erhöht.  OFDb