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22.10.2024

VAMPIRO (1957)

Eine junge Frau reist in ihren Heimatort, um ihre kranke Tante zu besuchen. Als sie ankommt, ist diese bereits tot. Der Aberglaube über Vampire hat den Ort zu einem fast komplett verlassenen gemacht, entsprechend heruntergekommen ist das Anwesen. Dieses hat die junge Frau nun mit zwei anderen Hinterbliebenen geerbt. Es soll verkauft werden, und sie ahnt nicht, dass der Interessent ein Vampir ist, der auch für das Schicksal besagter Tante verantwortlich ist...

Geisteskranke hilft sich selbst...

Der in Mexiko äußerst erfolgreich laufende "Vampiro" hat seine Momente, die ihn erwähnenswert machen. Wirklich herausragen tut er aufgrund seiner arg routinierten Art inmitten vieler ähnlicher Werke dieser Zeit jedoch nicht, zumal er überholt erscheint, wenn er dem 30er Jahre "Dracula" ähnlicher ist, als dem kurz darauf folgenden "Dracula" aus der Hammer-Schmiede. Der Autor des Beiheftes der deutschen DVD-Veröffentlichung, welches sich eher wie ein Werbetext, anstatt wie ein Infoheft liest, schiebt das unbekannte Schattenleben dieses Werkes in Deutschland auf die späte Veröffentlichung in deutschen Lichtspielhäusern, die dafür sorgte dass Christopher Lee dort vor Germán Robles in Hälse beißen durfte. Die Wirkung des prominent besetzten Blutsaugers ist aber auch um einiges charismatischer und schauspielerisch professioneller ausgefallen, als im mexikanischen Beitrag dieser Thematik. Mir wirkte Robles stets zu soft, anstatt mächtig und mystisch, im Finale gar ängstlich, anstatt kämpferisch und von sich selbst überzeugt. Fast schon hielt ich seine Art der Besetzung für den Teil einer homosexuellen Metapher, wenn zu Beginn das Erwecken seines Bruders im Zentrum steht, um in Zukunft endlich gemeinsam herrschen zu können. Aber der ganze Trubel um eine Erbschaft, einer wieder auftauchenden Toten und die eher tolpatschig anmutenden Methoden der Vampire der simplen Lage Herr zu werden, rücken immer mehr ins Zentrum, so dass die Brudererweckung, und mit ihr die Möglichkeit besagte Metapher-Theorie bestätigt zu sehen, eher in den Hintergrund rückt und nur die Grundlage anderer Schwerpunkte bildet.

"El Vampiro" (Originaltitel) ist etwas arg naiv ausgefallen. Klar ist es seiner Zeit geschult, dass hier noch jegliche Vampirgrundlage brav abgefrühstückt wird, von der Wirkung eines jeden Kreuzes, bis hin zum Sonnenlicht. Aber auch zu dieser Zeit macht es wenig Sinn, dass einer der Vampire final erwürgt werden kann, der Obervampir ohne jede Gegenwehr im Sarg gepfählt wird, obwohl die Dame, die dies emanzipiert erledigen darf, enorme Probleme mit dem schweren Sargdeckel hat (vielleicht war der Vampir doch eine Spur suizid). Auch nutzt man die Möglichkeit der Gestaltwandlung nie in entscheidenden Selbsterhaltungsmomenten als eine Art letzte Möglichkeit vor der Niederlage bzw. dem Tod. Aber diese Naivität passt zu den simplen Tricks, die mit Wände wackelnden Bauten weniger offensichtlich auffällt, als in den herrlich in den Vordergrund gerückten "Verwandlungs"-Sequenzen vom Vampir zur Fledermaus und wieder zurück. Neben fast ausschließlich klassischer Dialoge passend zum kompletten Vampir-Klischee-Szenario, finden sich auch so wundervolle Ausnahmen wieder, wie jener Dialog darüber, dass der angereiste Arzt die ihn zufällig begleitende Dame äußerst attraktiv findet, er in 100 Jahren, wenn sie ein Skelett wäre, jedoch verschreckt vor ihr weglaufen würde. Dieses Beispiel zum Thema über verschiedener Blickwinkel einer Sache, nimmt die weibliche Hauptfigur der Geschichte glücklicherweise humoristisch auf. Diesbezüglich kommt "The Vampire" (Alternativtitel) so wenig versteift und konservativ daher, wie in besagtem emanzipatorischen Moment, oder in der finalen Liebeserklärung, die von den Geräuschen des anfahrenden Zuges, augenzwinkernd absichtlich so umgesetzt, komplett übertönt wird, aber dennoch zu einem Happy End-Kuss führen darf.

Man liest es heraus, dass sich "Vampiro" durch solche Momente durchaus hin und wieder individuell guckt, aber das grundlegende Szenario, die Figurenzeichnungen und ihre Besetzungen und auch die eingefangene Optik bleiben meist zu blass, als dass der Streifen deswegen zu einer kleinen Empfehlung werden würde. Sein Retro-Charme ist ein Gewinn, Vielgucker in diesem Bereich werden zufrieden sein, und der häufige Einsatz von Spinnweben an Spielorten, die eher nach Baustelle, anstatt nach alten Gemäuern aussehen, verbreiten ebenfalls Sympathie. Aber das gewisse Flair flammt immer nur kurz auf, zu routiniert ist dieses Werk insgesamt ausgefallen, für dessen etwas zerfahrenes, simples Szenario man sich erst so richtig im letzten Viertel der insgesamt 80minütigen Laufzeit interessiert bekommt. Eine Fortsetzung namens "Der Sarg des Vampiro" folgte bei gleicher Besetzung und selber Regie ein Jahr drauf, lief in Deutschland bislang aber nur im Kino.  OFDb

25.07.2020

CHARM SCHOOL (2007)

Ich muss gestehen von Mexikanern zu diesem Thema einen rebellischen Film erwartet zu haben. Stattdessen kommt die Komödie um eine unangepasste Teenagerin, die eine Benimmschule besuchen muss, arg brav daher. Mit dieser im Widerspruch zur Hauptthematik stehenden Mentalität schwenkt die Geschichte zwar in eine andere Richtung als erwartet, orientiert sich in seiner angepassten Art stattdessen aber am Mainstream, so dass "Niñas Mal" (Originaltitel) trotzdem vorhersehbar bleibt, anstatt von nun an weiter zu überraschen. Wie in zu braver Tonart zu erwarten, schließt der Streifen in jeglicher Hinsicht versöhnlich, selbst in Bereichen, in denen er zuvor seinen letzten Hauch Abfuck-Stimmung besaß. 
 
Missverständnisse, die den dramaturgischen Wandel gegen Ende vorbereiten, kommen, auch in ihrer humoristischen Art, zu ungelenk und zu konstruiert daher, ebenso wie das psychologische Verständnis des Autors, das inmitten von Stereotype kaum vorhanden ist. Die Besetzung weiß bei den meisten Rollen zu gefallen. Das ist aber auch der einzige wirklich nennenswerte Pluspunkt dieser Komödie, die selbst ihren Schwerpunkt Benimmschule von einer völlig uninteressanten Art anpackt und daraus lediglich eine Art Förderkurs für Hauswirtschaft macht. Da es zudem einige Zeit dauert, bis einem die Hauptfigur sympathisch wird, und dies erst zu einem Zeitpunkt geschieht, an dem die Geschichte sich im Gegenzug längst als weit uninteressanter geoutet hat, als man zuvor gehofft hatte, kann man "Charm School" in seiner zu angepassten Art getrost ignorieren. Lauwarme Unterhaltung serviert er bei geringer Erwartung jedoch schon. Die bessere Alternative bilden jedoch Werke wie "Wild Child".  OFDb

18.11.2019

MESSER IM HERZ (2018)

Der sinnlich klingende Titel, der erst gegen Ende faktisch in den Film tritt, kann als Provokation gesehen werden, wenn die Opfer von einem Mörder mit Phallusmesser in den Hintern hinein erstochen werden. Aber der ohnehin auf Provokationen und direkte Thematisierung gebürstete Film ist in seiner morbid verträumten und hübsch fotografierten Art nicht wirklich dem reißerischen Ergebnis zugeneigt, sondern dem sanften. Er kommt verträumt, dramatisch und sehnsüchtig daher, während er stilistisch mit seiner Thematisierung und Farbsetzung eine Hommage an den italienischen Giallo ist. Gerade zu Beginn gibt es einige Aufnahmen, die Mario Bava heute so inszenieren würde, wenn er noch leben würde und Franzose wäre. Und Dario Argento bekommt während einer farbenfrohen Autofahrt eine sehr direkte Ehrerbietung auf sein Meisterwerk "Suspiria" beschert. Der Aufhänger der hier gewählten Mordwaffe und der Körperstelle, in welcher er eingesetzt wird, ist alternativ bekannt aus besagter harten Krimi-Richtung Italiens durch Werke wie "Die Todesbucht" und "Das Geheimnis der grünen Stecknadel", und der Einsatz des toll anzusehenden Killers bleibt dem Vorbild-Genre ebenfalls treu.

Allerdings interessiert sich Yann Gonzalez ebenso intensiv für den sexuellen Bereich. Der würde im Umfeld der Geschehnisse ohnehin nicht auszublenden sein, Gonzalez zelebriert die Nacktheit und Geilheit hier jedoch regelrecht, dies frei von Pornografie in überraschend deutlichen Bildern, vom Gehalt her den Film meiner Meinung nach jedoch ein wenig überfrachtend. Etwas mehr hätte man sich schon dem Krimi-Bereich zuwenden können. Stimmt die Gewichtung in der ersten Hälfte noch, so wirkt die zweite etwas zu schlüpfrig und voyeuristisch geraten, dies zwar nie ohne beeindruckende, künstlerisch wertvolle Bilder und Analysen zeitgleich abzuliefern, jedoch etwas zu sehr auf einen sexuellen Rausch setzend, der mich nur ansatzweise angefixt hat. Hierdurch erkennt man deutlich das Herkunftland Frankreich, welches gern derartige Themen hart und bizarr bis surreal präsentiert, so auch hier, rutscht das Werk teilweise doch fast in den Fantasybereich ab, bevor eine etwas arg plumpe Auflösung beweist, dass doch alles in der Realität stattfindet. Um interessante Auflösungen war das Genre des Giallo ohnehin kaum bemüht, der Weg war das Ziel. Und der ist selbst als wackelige Angelegenheit in "Messer im Herz" beeindruckend anzuschauen. Man staunt selbst dann noch fasziniert und genießt das Bildermeer, wenn man von der falschen Schwerpunktsetzung enttäuscht ist.

Der Mix aus Gewalt und Sinnlichkeit, der den kompletten Film begleitet, in der Eingangssequenz jedoch mitunter am effektivsten eingefangen wird, packt einen ähnlich wie die romantische Ausweideszene aus "Repo Men" oder die weichherzigen Amokläufe aus "I'm A Cyborg, But That's Okay". Hier ist "Un couteau dans le coeur" (Originaltitel) großes Kino, geradezu gemacht für dieses Medium, wohingegen der dominante Blick auf das sexuelle Umfeld in dieser Extreme nur jenen gefallen dürfte, die tatsächlich des öfteren im französischen Kino zu Hause sind. Trotz geradezu provokativ angegangener Direktheit und Deutlichkeit verkommt das Ergebnis jedoch nie zu einem reinen Provo-Film wie "La bête" oder "Meine Mutter", dafür ist "Messer im Herz" dann doch zu poetisch, geistreich und sexuell befreiend ausgefallen. Dass er in den 70er Jahren spielt, passt hervorragend zu seinem Giallo-Herz, das in ihm schlägt, sowie der fast schon Leatherface-artige Mörder zu seiner Phalluswaffe passt, nutzte der Kultkiller Hoopers seine Kettensäge spätestens in "The Texas Chainsawmassacre 2" doch ebenfalls unübersehbar in dieser Symbolik. Gonzalez Werk ist somit stilistisch, analytisch, wie inhaltlich eine Liebeserklärung an das alternative Kino, vielleicht manchmal eine Spur pseudo-intellektuell ausgefallen, aber trotz all seiner Fehler effektiv genug umgesetzt, um einen in seinen Bann zu ziehen.  OFDb

22.06.2019

WE ARE THE FLESH (2016)

"We Are the Flesh" ist stilistisch dem Kunstfilm näher, als es manch andere Underground-Produktionen gerne wären, letztendlich hat er aber das selbe Problem wie die meisten Werke seiner Art: man kann ihn aufgrund seines Fokus stets provozieren zu wollen nicht wirklich ernst nehmen. Inszenatorisch gibt es wenig auszusetzen. Hier wird nicht Unvermögen mit entrückter Inszenierung überschattet und krampfhaft zu einem Kunstfilm erklärt, wie es mancher Amateurfilm vormacht. Kamera, Maske, Set-Design, all diese Aufgabenbereiche sind weit professioneller angegangen, als man es von solch einer Art Produktion erwarten würde, und die Schauspieler sind passend zu diesem Niveau besetzt, wissen also ebenso zu überzeugen. Das Grundszenario des Streifens ist düster, dreckig und verstörend, präsentiert uns eine Zukunft, in der etwas Schreckliches, aber nie Genanntes, geschehen ist, und diesen Minimalismus an Informationen behält man bei, indem man uns einzig aufzeigt was während der ungewöhnlichen Wohngemeinschaft mit den drei Protagonisten eingekerkert in der baufälligen Behausung passiert.

Demokratie gibt es hier nicht, Mariano ist der Hausherr, der Versorger. Und in der eigentlich neutralen, nüchternen Betrachtung aus der Sicht Dritter scheint sein Wahnsinn immer in unseren Blickwinkel mit einzufließen, so derart geistig entrückt, befremdlich und schwer zu fassen sind die oft nichtig erscheinenden Ereignisse eingefangen. Die Stimmung ist schwermütig, dreckig und unangenehm, "We Are the Flesh" wendet sich nie dem Unterhaltungskino zu, will fortwährend schwere Kost sein, und fordert den Zuschauer mit allerhand sexuell und blutig provokanter Szenen heraus, in welchen es fern der Pornographie auch mal zu einem echten, unzensierten Blowjob vor laufender Kamera kommen kann. Da ist hauptsächlich der Mut der Akteure gefragt, immerhin lief der Streifen auch offiziell auf Filmfestivals, weniger der Intellekt, den ein Kunstfilm eigentlich in der Lage sein soll zu beinhalten. Sicher kann man aufgrund der nicht erklärten Umstände und Auslöser viel in den Streifen hinein interpretieren und ihn damit intellektuell begründen, erfinden und deuten, letztendlich schiebt Minters Drang zur Provokation diesem Blick jedoch einen unglaubwürdigen Riegel vor. Sein Werk soll anstößig sein, im besten Falle verstörend, um mehr geht es dem guten Mann nicht wirklich.

Solch ein Underground-Film ist immer eine Spur mehr Geschmackssache, als es ein Film an sich ohnehin schon immer ist, und stilistisch gibt es da wie gesagt an "We Are the Flesh" nicht wirklich etwas zu meckern. Glücklicher Weise drehen sich die Ereignisse auch nicht all zu sehr im Kreise, wie sich zunächst vermuten lässt, das überraschende Ableben eine der drei zentralen Figuren sorgt endgültig für eine Wende der Ereignisse. Aber in seiner voyeurgeilen Einseitigkeit, in ellenlangen lahmarschig eingefangenen Aufnahmen, wusste mich das Ergebnis, trotz manch theoretisch packend angegangenem Szenario, an sich nur zu langweilen, anstatt zu interessieren, nicht ohne eine Restfaszination entfachen zu können und auch nicht ohne einen gewissen Respekt der Beteiligten in mir wachsen zu lassen, als Gesamtergebnis jedoch zu mau ausfallend, als dass ich all zu lobende Worte von mir geben könnte. Trotz aller Provokationen und zu viel gewollten Elementen hebt sich "We Are the Flesh" aber stilistisch angenehm von den vorgaukelnden, billig abgedrehten Möchtegern-Kunstfilmen ab, schließlich gibt es handwerklich wenig zu bemängeln. Aber diese erdrückende Atmosphäre, die manch einer sicher als den Pluspunkt des Streifens ansehen wird, und die vom Regisseur sicherlich auch so gewollt ist, ließ "Tenemos la carne" (Originaltitel) für mich zu einer unangenehmen Filmerfahrung werden. Das kann man aber maximal nur bedingt dem abgelieferten Werk ankreiden, der Wahrheit entspricht es vielmehr, dass ich nicht wirklich zum Zielpublikum dieser Art Film gehöre.  OFDb

07.04.2019

OPERATION TODESSTACHEL (1978)

Wer nach den eher zurückhaltenden Horrorfilmen "Die tödlichen Bienen" und "Mörderbienen greifen an" endlich einmal große Schwärme an Killerbienen sehen will, die viele Menschen töten, der ist in "Operation Todesstachel" im richtigen Film, macht dieser, wenn auch nur angedeutet, doch nicht einmal Halt vor Säuglingen. Dennoch sollte man sich der Co-Produktion zwischen Mexiko und den USA nicht ohne Vorwarnung nähern, geht sie doch einer höchst fantastischen Idee nach und wird damit noch unsinniger als die blauäugigen Vertreter dieser Thematik. Zumindest weiß ich jetzt von welchem Werk sich die Verantwortlichen von "Killerameisen" haben inspirieren lassen, geht der von Alfredo Zacarias ("Macabra - Die Hand des Teufels") inszenierte Film in seinem Irrsinn doch in die selbe Richtung, freilich nicht ohne auf die zu seiner Zeit übliche Öko-Botschaft zu verzichten, die reißerisch anstatt von Herzen daher kommt und pure Heuchelei ist, um dem Film mehr Schauwert zu bieten. Aufgrund der ohnehin nicht ernstzunehmenden Thematik ist dies aber auch ein Punkt der in seiner ignoranten und lächerlich eingesetzten Art nicht zu verärgern weiß.

Wer sich geistig unterfordert fühlt und mit dem hier präsentierten Dünnschiss nichts anfangen kann, wendet sich ohnehin vom Film ab bevor es so weit ist, ist der Streifen doch in seiner noch normalen Phase, die immerhin den Hauptteil der Laufzeit einnimmt, bereits ziemlich dusselig erzählt. Fast könnte man meinen einen Parodieversuch auf ähnlich geartete Werke zu sichten, gerade wenn man jegliches Opfer in bester Slapstick-Tradition vor dem Ableben akrobatisch übertrieben umherstolpern sieht. Einmal abgesehen von einigen absichtlichen humoristischen Abstechern innerhalb trockener Dialoge und einem politischen Seitenhieb, präsentiert per Medium Fernsehen, ist "The Bees" (Originaltitel) jedoch ernst gemeint, damit in seiner reißerischen und unsinnigen Umsetzung unfreiwillig komische Kost, die immer dann am besten funktioniert, wenn besonders schlechte Mimen, meist Bienenopfer, den Bildschirm dominieren. Die Hauptrollen sind hingegen mit John Saxon und John Carradine prominent besetzt, wobei letztgenannter dieses Projekt nicht ernst nahm und absichtlich herumzukaspern scheint.

Wie in den Vergleichswerken dieser Thematik braucht man über die Tricksequenzen nicht wirklich zu reden, sind sie doch simpel, wie uneffektiv, und die dunklen Schwärme am Himmel wirken eher wie düstere Gas- oder Nebelwolken, nicht aber wie eine Ansammlung von Insekten. Versteht es der Film schon nicht in simplen, übersichtlichen Momenten eine einheitliche Logik über den Gefahrengrad der Killerbienen zu erzeugen, so verliert der Film in der Schlussphase, in welcher der Wahnsinn von der Leine gelassen wird, endgültig jeden Überblick für Sinn und Unsinn, was dem geneigten Freund alternativer Kinounterhaltung jedoch schmecken kann, vorausgesetzt man kommt mit der mauen Deutschvertonung klar, die den Sehwert erheblich schmälert. "Operation Todesstachel" funktioniert nicht als ernst gemeinter Tier-Horror, kurzweiliger Trash ist er auf simpler Ebene jedoch schon. In dieser schlichten Form ist er nicht wirklich das Reinschalten wert, für ein aufgeschlossenes Publikum jedoch jene Art niveaulose Unterhaltung, mit der man durchaus einmal Lebenszeit verschwenden kann. Hätten die Affen den Menschen je ein Ultimatum gestellt, könnte man diesen Film als die Bienenversion von "Eroberung vom Planet der Affen" ansehen. Orientiert an der Intelligenz des Drehbuchs, würde ich der Theorie gleichwertig intelligenter Bienen anbei sofort zustimmen, ganz ohne Mutation.  OFDb

13.03.2019

GROSSANGRIFF DER ZOMBIES (1980)

Sie können rennen, sie benutzen Werkzeug und sind in der Lage gewollt zu handeln. Die Wesen aus "Großangriff der Zombies" verhalten sich alles andere als üblich für die erste Zombie-Welle, die damals mit "Zombie" und "Woodoo - Die Schreckensinsel der Zombies" ausgelöst wurde. Lenzi betonte noch Jahre nach Erscheinen seines Filmes immer wieder er habe keinen Zombie-Film gedreht, sondern einen Seuchenfilm. Ganz verkehrt ist das nicht, aber da die Verstrahlten nicht sterben, es sei denn man schießt ihnen in den Kopf, und da ihre Opfer ebenfalls zu mordenden Bestien werden und man jeden Menschen attackiert, ohne auf die eigene Gattung loszugehen, ist die Übereinstimmung mit dem Gebiet des Zombie-Films ähnlich stark ausgefallen wie beim Infizierten-Horror "28 Days Later". Und da macht es keinen Sinn zu streiten ob ein solcher Film dazu gehört oder nicht. Ein "Outbreak - Lautloser Killer" oder "Cazies", die sich deutlich vom Zombiefilm distanzieren, sind beide Werke nicht geworden, von daher ist es doch recht legitim Filme wie den hier besprochenen dazu zu zählen.

Aber dass es sich bei den hier präsentierten Aggressoren definitiv um Mischwesen handelt, ist nicht abzustreiten, sind sie doch nicht nur wahnsinnige Infizierte und Zombies in einem, wenn sie das Blut ihrer Opfer meist aus dem Hals trinken erinnern sie zudem ganz klar an Vampire, ebenso wie die Untoten aus "Die Nacht der reitenden Leichen". In ihrer Beschreibung als zu einer Art Supermännern mutierte Angreifer erinnern die Wesen aus "Zombies in der Stadt des Todes" (Alternativtitel) noch am ehesten an die untoten Soldaten aus "Die Schreckensmacht der Zombies", die sich allerdings als gar nicht so super erwiesen, wie stets im Film von ihnen behauptet wird. Im hier vorliegenden Film ist das anders, die Wesen sind tatsächlich schwer aufzuhalten, und ihr Handeln geht definitiv von einem Bewusstsein aus, nur dass jegliche Menschlichkeit verloren gegangen ist auf der Suche nach menschlichem Blut zum Überleben. Der Film berichtet Schritt für Schritt von der Landung bis hin zu einer nicht mehr aufzuhaltenden Epidemie, besitzt jedoch nicht den Anspruch an sich ein logisches und intelligentes Szenario zu kreieren, sondern setzt hauptsächlich auf reißerische, besonders auf blutige Elemente und will schlichtweg ein Unterhaltungsfilm sein.

Dank der gekonnten Inszenierung des mir meist nur als Routinier bekannten Umberto Lenzi guckt sich "Nightmare City" (Alternativtitel) trotzdem nicht nur wie ein strunzdummer No Brainer. Sicher ist die Besetzung mit Hugo Stiglitz nicht gerade förderlich für ein besseres Ergebnis (wobei er wirksam eingesetzt wird, ich bin überrascht), aber Lenzis spannungsfördernde und apokalyptische Umsetzung steuert gekonnt gegen Schwachpunkte der Schnellproduktion. Das Grauen das über die Menschen hier hereinbricht ist spannungsgeladen und schockierend erzählt. Gern nutzt der Regisseur auch Momente der Dunkelheit, um kurze Gruselsequenzen einfließen zu lassen. Da die Mutanten nicht gerade toll aussehen, auch wenn das Sub-Genre schon plumpere Kreaturen auf die Menschheit losgelassen hat, ist der Einsatz von Szenen im Dunkeln, auch außerhalb der Gruselmomente, nicht von Nachteil. Das merkt man gerade in der lang andauernden Krankenhausszene während eines Stromausfalls, wo der Massenangriff der Kreaturen im Schatten agierend weit mehr zu wirken weiß als jener zu Beginn auf dem Flughafen bei strahlendem Sonnenschein. Dass auch in dunklen Momenten die Goreszenen gut genug zu erkennen sind, dafür sorgt Lenzi freilich, so dass gerade der Gore-Hound bekommt wonach er lechzt.

Dass aufgrund der verschiedenen Blickwinkel verschiedener Beteiligter die Schlussauflösung eher an unfreiwilliger Komik gewinnt, anstatt sich so bedrohlich zu schauen wie Lenzi es gerne hätte, lässt sich nicht verhindern. Zu detailgetreu wurde hier geträumt, da hätte man den Film lediglich aus einer Perspektive erzählen müssen. Aber das ist ein schlichter, kleiner Wermutstropfen in einem für sein Produktionsniveau gelungen ausgefallenen Infizierten/Zombie-Horror, den ich bei meiner letzten Sichtung vor einigen Jahren weit weniger gut fand als nun, wo ich mich ihm scheinbar besser nähern konnte. "Zombies - Der Großangriff" (Alternativtitel) ist von Anfang an in typischer, trockener 70er Jahre-Atmosphäre stimmig umgesetzt und schafft gekonnt den Mix aus Langsamkeit und flottem Tempo. Zwar setzt Lenzi nie auf die Dramaturgie des Szenarios einer untergehenden Zivilisation und dem womöglichen Untergang der Menschheit, stattdessen wird geistlos reißerisch über den Mensch und sein selbst herbei geschworenes Ende debattiert, aber der düstere und bedrohliche Faktor, auf den Lenzi setzt, bricht definitiv durch und weiß aus dem quantitativen Streifen das beste was möglich ist zu schaffen. Freilich sollte man Freund harter italienischer Horrorfilme dieser Dekade sein, sonst wird man mit dem Ergebnis in der Regel nicht warm. Aber dem Zielpublikum wird gefallen was Lenzi uns beschert hat.  OFDb

09.03.2019

FRIEDHOF DER ZOMBIES (1985)

Während in Amerika die großartigen Filme "Re-Animator" und "The Return of the Living Dead" eine Welle mäßig ausgefallener Zombie-Komödien ins Leben riefen, versuchte man in Mexiko anderweitig dem aus der Mode gekommenen Zombiefilm neuen Zunder zu bescheren. Die Lösung zwei nicht mehr auf dem Hoch befindliche Horrorgattungen zu vereinen klingt nicht gerade clever, Regisseur Rubén Galindo Jr. versuchte es mit seinem Team trotzdem und vereinte "Halloween - Die Nacht des Grauens" mit "Die Nacht der lebenden Toten", freilich ohne das Talent derer Autoren und Regisseure zu besitzen. Und dass ein Hugo Stiglitz als Frontmann selbiges nicht unter den Schauspielern besitzt, dürfte klar sein, ist dieser Mann doch einer der lächerlichsten Filmstars seiner Zeit und sorgt stets nur für unfreiwillige Komik. Hatte er in seiner damaligen Rolle den "Großangriff der Zombies" fünf Jahre zuvor nur geträumt, so passt es eigentlich ganz gut, dass "Friedhof der Zombies" damit beginnt ihn uns schlafend und träumend zu zeigen.

Sein weiteres Agieren in diesem Streifen kann man fast als Mogelpackung bezeichnen, wäre man ernsthaft daran interessiert ihn in einer echten Hauptrolle sichten zu wollen. In seinen wenigen Auftritten darf er zunächst wenig überzeugend als eine Art mieser Dr. Loomis Leute vor Devlon warnen, der unbedingt verbrannt werden muss. Und wenn er schließlich allein unterwegs ist, weil er penetrant einem Helfer seinen Polizeiwagen entwendet hat, gurkt er mit diesem per Blaulicht immer wieder zwischen den tatsächlich mit Handlung gefüllten Szenen durch die Gegend, bis er kurz vor Schluss schließlich auf die von Zombies bedrohten Kinder stoßen darf, von denen er eher gerettet wird, als diese von ihm. Sagen wir mal es steht diesbezüglich 1 zu 1, ständig wechselt man sich mit gegenseitigem Retten ab, innerhalb eines gar nicht so gefährlich wirkenden Szenarios. Denn seit die Kinder den Friedhof betreten haben, schon vorher stets unnatürlich als Gruppe agierend wie in einem Kinder-Abenteuerfilm, wird "Friedhof des Satans" (Alternativtitel) zu einem zahmen Filmchen, welches einer Geisterbahn gleicht. Da erwachen zwar allerhand Zombies, aber sie schnappen stets erfolglos nach den Kids, wie Angestellte einer aufwendiger ausgefallenen Geisterbahn. Blutig vonstatten geht da nichts, bedrohlich wirken die Untoten ebenso wenig, "Cemetery of Terror" (Alternativtitel) ist zum Kinderfilm verkommen.

Ganz anders verhält es sich da mit der ersten Filmhälfte, in welcher es einzig um den entwendeten Devlon geht, der, wenn er nach einer halben Ewigkeit endlich einmal erwacht ist, Michael Myers-artig heim kehrt, um sein schwarzes Buch zu erhaschen. Dabei trifft er auf jene Jugendliche, die ihn erweckten. Mit Soundeffekten und manchen Perspektiven wie aus Carpenters Film, aber nie so spannend wie dieser oder auch nur im Ansatz treffsicher umgesetzt, zieht man das Slasher-Konzept bis zum Ableben des letzten Teenagers durch, ergänzt durch übernatürliche Elemente, da Devlon nicht nur ein Untoter ist, sondern auch noch außergewöhnliche Fähigkeiten besitzt. Von Satan ist da immer wieder die Rede, und dieses Versprechen löst der Streifen auf traurige Art schließlich auch in jener Phase ein, in welcher die nervige Gruppe Kinder die nervigen, mittlerweile toten, Teenager ersetzen, denn hier dürfen die Zombies nun mit einem Kreuz im Bann gehalten werden, wie dies sonst in klassischen Vampirfilmen der Fall ist. Das lässt die ohnehin schon wenig bedrohlichen Untoten nur noch lächerlicher wirken.

Lustig ist das alles trotzdem nicht, "Friedhof des Teufels" (Alternativtitel) will trotz allem nicht als unfreiwillig komische Kost funktionieren, da er mit seiner zähen und penetranten Art ziemlich auf die Nerven geht. Das fängt mit Synchronsprecherinnen an, die Kinder sprechen (eine erneute Übereinstimmung mit "Halloween"), besitzt seine größte Penetranz jedoch mit dem Langziehen von Szenen und Situationen. Nervt das Füllmaterial besonders in der ersten Hälfte, den Geduldsfaden in stimmungsloser Atmosphäre malträtierend bis endlich was geschieht, so reizt die zweite Hälfte negativ mit zu lang gezogenen Momenten. Sei es das Schlussszenario, in welchem die Kinder stets einem anderen Kind zurufen es möge das magische Buch verbrennen, bis es dies eine gefühlte Ewigkeit später auch endlich einmal tut, oder seien es die unsinnigen Pausen, z.B. während einer Verfolgungsjagd, in denen den Kindern plötzlich völlig sinnfrei eine Atempause gegönnt wird, obwohl Devlin gerade noch hinter ihnen war - das Erzähltempo ist schlecht, entlarvt den Regisseur in seiner Überforderung die Übersicht zu behalten und nervt wie erwähnt den Zuschauer gewaltig.

Am Ende hat man nichts Halbes und nichts Ganzes gesichtet. Während die Versuche einen Slasher zu integrieren noch kurze stimmige Momente inmitten von Untalent aufkommen lassen, will der kinderzahme zweite Part so gar nicht funktionieren, zumal er die Teenieleichen der ersten Hälfte dort nicht ausblendet und von Minderjährigen somit nicht geguckt werden kann. Dem erwachsenen Zuschauer hingegen kommt das Ganze wie ein Kasperletheater vor, so dass dieser auch nichts von "Cementerio del terror" (Originaltitel) hat. Da das alles auch noch unglaublich stümperhaft umgesetzt und schlecht geschauspielert dargeboten wird, lohnt sich auch nicht der Versuch sich in den an "Die Nacht des Jägers" erinnernden Stil-Mix heran zu wagen. "Friedhof der Zombies" ist Schrott und dies noch weit mehr als "Black Zombies", der später ebenfalls keineswegs eine Rückkehr in urig schöne Zombiefilmzeiten bescherte.  OFDb

09.07.2017

TINTORERA! - MEERESUNGEHEUER GREIFEN AN (1977)

Wer zusehen will wie ein mürrischer Egomane trotz seiner unsympathischen Art reihenweise Frauen abschleppt, der ist bei „Tintorera! - Meeresungeheuer greifen an“ im richtigen Film. Wer hingegen einen billig im Fahrwasser von „Der weiße Hai“ abgedrehten Ableger erhofft, der wird den Großteil des Streifens mit der Fernbedienung vorspulen müssen oder noch besser einen weiten Bogen um René Cardonar Jr.‘s Film machen, gibt es doch außer echter Unterwasseraufnahmen von friedlich vor sich hin schwimmender Haie lange Zeit nichts anderes zu diesem Thema zu sehen. Freilich gibt es dies auch nicht, wenn der Hai doch mal hin und wieder einen Menschen ins Jenseits befördert, werden Realaufnahmen der Bestie und des Opfers doch so schlecht aneinandergepappt, dass da nie Stimmung, geschweige denn eine glaubwürdige Attacke, stattfindet.

Meist baggert Stephen, gespielt vom nicht spielen könnenden Hugo Stiglitz, aber ohnehin nur allerhand Weibchen an. Zunächst per Fernglas aufgelauert für sich allein (ein wenig an seine Rolle in „Die Rache der 1000 Katzen“ erinnernd), schließlich vereint mit seinem Kumpel Miguel, dem er drei Szenen zuvor noch aus Eifersucht die Fresse polieren wollte. Mexikaner sind halt wahre Männer, die auch gerne mal wetten wer als erstes ein auserkorenes Mädel ins Bett bekommt. Auf solche Asozialen steht das schwache Geschlecht an diesem Strand, ach was, eigentlich auf alles was baggert, denn selbst zwei Mexikaner, die gerade zwei Urlauberinnen auf ihrem LKW vergewaltigen wollen, werden überrascht, indem die beiden jungen Frauen, die ihr Opfer werden sollten, bereitwillig ihre Höschen ausziehen.

Um dies mitzuerleben muss man jedoch die auf DVD erhältliche Zwei-Stunden-Fassung sichten, wurde „Tintorera! Tigerhaie greifen an“ (Alternativtitel) seinerzeit in Deutschland doch auf unter 80 Minuten geschnitten, was in diesem Falle ein Segen gewesen sein dürfte. Bei all dem lahmen Getue wette ich darauf, dass selbst diese Fassung ihre Längen aufgrund inhaltlichen Leerlaufs haben dürfte. Die Langfassung im Deutschton wird zudem zu einer nervigen Angelegenheit, weil wirklich ständig die Schere angesetzt wurde und das Verwenden des Originaltons somit nicht nur zur Ausnahme stattfindet, sondern in ähnlicher Gewichtung zu den Synchronszenen. Wenn dann noch der Untertitel fehlt, wie auf der unglaublichen Sharkbox, nervt das Ganze geradezu penetrant, zumal es erst ab der 10. Minute die erste deutsch gesprochene Szene zu erleben gibt.

Wer aufgrund des Titels glaubt neben Haie würden auch Meeresungeheuer ihr Unwesen treiben, der hat sich von einem reißerischen Titel in die Irre führen lassen. „Tintorera“ ist lediglich ein Hai-Horror, und dies auch nur in wenigen seiner Szenen und ein lahmer noch dazu. Zudem geht es aufgrund des Haijagd-Themas den Viechern mehr ans Leder als den Menschen, was aufgrund echter Tötungsszenen einen bitteren Beigeschmack hinterlässt. Die Helden sind nun einmal wahre Männer, und diese gehen nicht nur auf Hasenjagd, sondern suchen auch den Schwanzvergleich zu den Tigern der Meere. Freilich ist der komplette Film so blödsinnig ausgefallen wie der vorangegangene Satz, allerdings ohne dabei ein unfreiwilliger Trash-Tipp zu werden. „Tintorera“ ist ein tolles Schlafmittel und sollte in Apotheken als solches verkauft werden, anstatt in DVD-Geschäften als Hai-Horror.  OFDb

26.06.2017

TORNADO (1978)

Oh man, wenn man „Tornado“ erst einmal gesichtet hat, versteht man warum er Teil der Trash-Collection von CMV wurde. Es ist nicht so, dass er vor unfreiwilliger Komik nur so sprudeln würde, ganz im Gegenteil ist „Sea Twister“ (Alternativtitel) über weite Strecken gar ziemlich zäh ausgefallen. Aber die fast ereignislose Erzählung ist derart angereichert mit reißerischen Elementen, dass man davon ausgehen kann dass man beim Durchforsten des hauchdünnen Drehbuchs sicher nach Lücken gesucht hat, in welche man weitere reißerische Elemente hinein quetschen konnte. Der böse Großunternehmer, die leidenden Hinterbliebenen, der Kannibalismus in der Not, ob in großen Ereignissen oder kleinen Nebensächlichkeiten, stets wird ein quantitativer Schauwert hervorgezaubert, der schon irgendein Zielpublikum locken wird.

Wahrscheinlich würde sich heute kaum wer an „Terror Storm“ (Alternativtitel) erinnern, wenn der mit Hugo Stiglitz in einer eher kleinen Rolle besetzte Film inmitten der langen Schlange reißerischer Elemente nicht auch hungrige Haie mit an Bord gehabt hätte (nicht wörtlich zu nehmen, sie schwimmen freilich im Wasser), ein Element das so kurz nach dem Erfolg von „Der weiße Hai“ von Geldmachern gern als Hauptattraktion hervorgehoben wurde. So ziemlich jeder Film in dem sich ein Hai befand, wurde zu dieser Zeit für den deutschen Markt aufgekauft um ihn als neuen Hai-Horror zu präsentieren. Dieser Hype bescherte dem im Erscheinungsjahr von „Der weiße Hai 2“ entstandenen „Cyclone“ (Originaltitel) die Alternativtitel „Killer Shark“ und „Tornado und Haie“.

In der Trash Collection ist er schlicht als „Tornado“ erschienen, und auch dieser Titel täuscht eher, anstatt dass er der Wahrheit entspricht, ist der titelgebende Tornado doch lediglich der Auslöser des darauf folgenden Abenteuerfilmes. Zur Kategorie Katastrophenfilm gehört der Streifen damit nur bedingt, und wer erst einmal jene Effekte gesichtet hat, die uns einen tosenden Tornado vorgaukeln sollen, kommt ohnehin nicht mehr aus dem Lachen heraus. Da wird an Bäumen geruckelt, Gegenstände werden ins Bild geschmissen, und selbstverständlich darf, zur Erweiterung der reißerischen Elemente, eine flüchtende Mutter mit ihrem Kleinkind mitten im Unwetter gezeigt werden. Beim minder gebildeten Publikum kommt das Klischee Kinder wären die tragischsten Opfer bei Katastrophen, stets an.

Dementsprechend darf es in der eigentlichen Hauptgeschichte, in welcher diverse Überlebende auf einem Schiff zusammenkommen, einen Hund und eine schwangere Frau, bzw. nach der Geburt einen Säugling geben. Schwache Geschöpfe kurbeln das Leid aller Beteiligten beim stumpfen Publikum an, und genau das soll hier bedient werden. Wirklich glaubwürdig will die Chose auf dem Schiff, trotz des Einbringens jedes möglichen Elends, nicht wirken. Zu friedfertig geht die Ansammlung unterschiedlichster Charaktere miteinander um, selbst dann wenn der letzte Tropfen Wasser verteilt ist. Zusammenhalt ist am Ende das wichtigste. Und eine feuchte Haut und gut sitzende Frisuren stehen einem realistischem Eindruck ebenfalls stark im Weg.

Genau daraus zieht die Co-Produktion aus Italien, Mexiko und Amerika aber ihren wahren Schauwert. Der Mangel sich in die Situation hineinzufühlen, von welcher der Hauptteil der Geschichte leben soll, dominiert als unfreiwillige Komik noch weit vor den reißerischen Elementen, die jedoch, das muss man anerkennen, gerade deshalb noch bescheuerter wirken als ohnehin schon. Müde Dialoge sollen einen Hauch Gesellschaftskritik vortäuschen, z.B. wenn ohne wahre Argumente darüber diskutiert wird, ob man nun einen Hund, oder später auch einen Menschen, essen darf, wenn die Alternative dazu doch das Verhungern ist. Freilich wirkt das aufgesetzt, zumal der Autor deutlich Position bezieht, aber noch bevor es Grund zu klagen gibt, geht es mit anderen Dümmlichkeiten bereits weiter.

Der einzige Schauwert der neben tatsächlich guten Spezialeffekten fehlt, ist die nackte Haut diverser hübscher Frauen. Warum gerade dieser Aspekt in einem Film dieser Entstehungszeit fehlt, ist mir ein Rätsel - zumal man wie erwähnt ansonsten nicht an Quantitäten spart. „Tornado“ ist kein Highlight für Freunde schlechter Filme geworden, dafür wird er zwischenzeitlich immer wieder zu langweilig. Akzeptabel genug um als Freund schlechter Filme einmal einen Blick zu riskieren, ist er aber dann doch.  OFDb

13.02.2017

COME OUT AND PLAY - KINDER DES TODES (2012)

An sich kann man über Makinovs Verfilmung des Buches „El juego de los niños“ nicht meckern, ist sie doch mit Bedacht erzählt, nutzt das Geheimnisvolle / Unerklärliche der Geschichte vorteilhaft und ist direkt ohne große Umschweife in aller Seelenruhe erzählt. Es ist allerdings die zweite Verfilmung des Stoffes. 1976 drehte Narciso Ibáñez Serrador den Film „Ein Kind zu töten“, und der hatte es in sich, hat es dies mit Augen von heute noch immer, und da sich Makinovs Umsetzung kaum von der des Originalfilms unterscheidet, ist „Come Out and Play“ ein ziemlich unnötiges Werk. Es ist trotzdem spannend geraten und weiß zu gefallen, so dass Nichtkenner der Erstverfilmung gut unterhalten werden. Dennoch würde ich jedem das Original empfehlen. Dies nicht rein aus Prinzip, sondern weil es tatsächlich der bessere Film ist.

„The Child“ (Alternativtitel) ist in keinem Punkt wirklich schlecht, schwächelt aber stets im Vergleich zum Original. Das Paar ist gut besetzt, das Paar der Erstverfilmung jedoch besser. Das Remake ist langsam erzählt, die Erstverfilmung jedoch langsamer und stimmiger. Änderungen die Makinov vornimmt sind meist nachteiliger Natur. Während das Original einzig aus der Perspektive des Helden erzählt ist, gönnt sich der Regisseur des hier besprochenen Streifens einige wenige Abstecher in die Welt der Kinder. Er zeigt uns was sie so mit den Körperteilen ihrer Opfer treiben. Doch das bietet nur Ekelbilder, quantitativen Sehwert und ist somit den Erzählbruch nicht wert.

„Ein Kind zu töten“ ist subtiler und sinniger ausgefallen, geduldiger, und auch die Kinder wissen dort viel eher zu wirken, eben weil ihnen Serrador keine grimmigen Gesichter beschert wie Makinov, sondern sie sich einfach wie Kinder verhalten lässt. Das weiß im Kontext zur Story zu beunruhigen. Ein kindliches Lachen klingt plötzlich psychotisch, von ganz allein. Nicht aber in „Come Out and Play“, in dem, wie typisch für den Film, die Kinder zwar zu wirken wissen, aber eben nicht so intensiv wie im Original.

Zwei Pluspunkte hat das Remake jedoch zu bieten. Zum einen ist der Finalkampf gegen die Kinder auf dem Steg sehr packend erzählt und hätte meiner Meinung nach noch eine Spur ausführlicher angegangen werden können. Zum anderen fehlt die nervige politische Einleitung des Originals, die mit den Aussagen des Hauptfilms nichts wirklich zu tun hatte und uns unter einer Pseudo-ethischen Begründung Gräueltaten aus vergangenen Kriegen zeigte, die einem den Spaß am Schauen eines Kinofilmes kurzfristig nehmen. Nun kann man diesen Tiefpunkt des Originals aber auslassen, indem man zum nächsten Kapitel weiter drückt und ist somit nicht gezwungen sich diesen anzugucken, womit der zweite Pluspunkt der Neuverfilmung eigentlich schon irrelevant zu nennen ist.

So oder so, beide Filme erzählen ziemlich genau Schritt für Schritt die selbe Geschichte, fast in allen Einzelheiten. Nur Kleinigkeiten wurden ausgetauscht, im Remake weggelassen oder ihm zusätzlich beschert. Das ist in sofern interessant, als dass die Buchvorlage einen Grund für das Fehlverhalten der Kinder nennen soll, wohingegen beide Verfilmungen sich diesbezüglich in Schweigen hüllen. Man erzählt uns dass es nachts geschah und die Kinder sich zur selben Uhrzeit wandelten. Und man zeigt uns eine beunruhigende Szene, in der normale Kinder aus dem weniger bewohnten Innenbereich der Insel unter dem Einfluss der sich mörderisch verhaltenden Dorfkinder in nur wenigen Minuten ebenfalls mörderische Kinder werden. Makinov schien also bewusst eine Neuverfilmung von „Ein Kind zu töten“ zu kreieren anstatt eine Neuinterpretation des Romans vorzunehmen oder aber einfach dessen Geschichte exakter nachzuerzählen. Makinov setzt auf keine anderweitige Deutung des Stoffes, er erzählt einfach was die Erstverfilmung auch erzählte. Es ist somit definitiv ein unnötiges Remake. Aber das macht es inszenatorisch noch zu keinem schlechten Film.  OFDb

24.12.2016

SNAKE PEOPLE (1971)

In seinen letzten Jahren drehte Boris Karloff aus Geldnöten heraus diverse Filme für den Mexikaner Juan Ibanez, der von Kollege Jack Hill Karloff-Szenen in Amerika anfertigen ließ und den Rest des Streifens in seiner Heimat Mexiko persönlich umsetzte. Das Verfahren verrät bereits die Kostengünstigkeit und dass man nicht mit Meilensteinen der Filmgeschichte rechnen muss, „Totentanz im Schreckenschloss“, eines dieser Produktionen, wusste aber zumindest auf sympathisch schundige Weise zu gefallen, so dass ich mich nicht völlig unmotiviert an „Snake People“ heranwagte, den man oftmals als „Cult of the Death“ auf DVD antrifft.

Leider ist die Geschichte um Voodoo, Magie und wiedererweckte Tote nicht so reizvoll ausgefallen wie der Vergleichsfilm, reiht er doch eigentlich nur mit diesem Thema einhergehende äußerliche Reize aneinander, um im wilden Bildermeer so etwas wie eine Geschichte vorzugaukeln. Da wird fleißig getrommelt, mit Schlangen herumgefuchtelt, getanzt, bizarr in die Kamera geglotzt (allen voran der kleinwüchsige Voodoo-Prister, der zu Beginn ewig dämlich lachen darf), da verschwinden Personen kurzfristig aus dem Bild um wieder eingeblendet zu werden, ewig passiert alles und nichts zugleich.

Wo ein Lucio Fulci aus diesen Zutaten einen hypnotischen, surrealen Bilderrausch gezaubert hätte, da verkommt „Todeskult“ (Alternativtitel) zum Zeit zögernden optischen Hokuspokus, der einen von Beginn an langweilt, anstatt einen in seinen Bann zu ziehen. Die deutsche Synchronisation macht es einem ohnehin schwer fair mit dem Film umzugehen, aber außer unmotivierter schwarzer Zeremonien und Wortgefechten zwischen Gläubigen und Ungläubigen gibt es nichts zu holen, und selbst diese beiden Eigenschaften wissen in ihrer Art der Umsetzung nicht zu gefallen.

Nebenbei gibt es einige skurille Einfälle, so wie die Mission der wichtigsten weiblichen Rolle, die glaubt sie könne die Erde retten, indem sie den Alkohol verbietet, der laut ihrer eigenen Studien über 99 Prozent allen Unheils in der Menschheitsgeschichte verursacht hat. Und der völlig lustlos spielende, greise Boris Karloff, der bei der deutschen Uraufführung 1971 bereits zwei Jahre tot war, darf in einer Doppelrolle auftreten, was seiner müden Darbietung leider keinen Zusatzreiz beschert.  OFDb

07.06.2016

HERE COMES THE DEVIL (2012)

Es ist schön dass es noch Horrorfilme gibt, die wirklich etwas erzählen wollen und nicht einzig der aktuellsten Mode ohne Innovationen zu setzen hinterherrennen. Zwar kann man auch von „Here Comes the Devil“ behaupten, dass es seine Geschichte in der ein oder anderen Variante schon des öfteren gegeben hat, aber die Methode mit welcher Bogliano durch den Film führt fühlt sich eigenständig an. Und da sein Genrebeitrag ein Werk für Erwachsene ist, nimmt man gerne seine Hand und lässt sich von ihm durch eine unheimliche Geschichte führen, die erst so nach und nach ihre Wahrheiten ans Tageslicht bringt.

Nicht nur dass Bogliano den Zuschauer für in der Lage hält mitzudenken, gleiches traut er auch jeglicher Figur der Geschichte zu, was zu verschiedenen Blickwinkeln und Schlussfolgerungen führt. „Here Comes the Devil“ handelt in vielerlei Hinsicht vom mangelnden Dialog, egal ob es jener ist der partout nicht möglich ist, wie die fehlenden Aussagen der traumatisierten Kinder, ob es die nicht mitzuteilenden Geheimnisse sind, wie das Schweigen der Mutter in ihrer Küche bei einem Besuch jenes Polizisten, der einst ihre Kinder fand, oder jenes aus der Angst oder Unsicherheiten entsprungenen Schweigens, von welchem man im Nachhinein hofft es wäre zu irgendeinem Zeitpunkt durchbrochen worden.

Auch der in meiner für die Review im Titel entschiedene Begriff des Eindringens wird in einer Vielfältigkeit ungenannt aufgegriffen. Die Kinder dringen in eine Höhle ein, der Verdacht dass wer in die gerade in die Menstruation gekommene Tochter eingedrungen ist wird thematisiert, das darauf folgende Eindringen in die Privatsphäre eines Dritten zu Rachezwecken folgt dem auf dem Fuß, und die Äußerung des Tankstellenbesitzers auf dem Berg würden Wesen hausen, die in die Körper von Menschen eindringen ist ein weiterer Bereich der dieses Wort thematisiert.

Esoterisches Gelaber, Wichtigtuerei oder der wahre Hintergrund aller Ereignisse? Was auch immer, aber der Unheil prophezeiende Tankwart ist eines der wenigen Klischees dessen sich Bogliano bedient, und selten wirkte es so gar nicht lächerlich wie in diesem seine Geschichte ernst nehmenden Streifen.

Dass „Here Comes the Devil“ auf seine sehr ruhig erzählte Art so intensiv funktioniert, liegt daran dass der Regisseur nicht nur eine mit Sex und Gewalt angereicherte erwachsene Geschichte erzählt, er geht auch mündig und erwachsen mit dem Zuschauer um. Emotional muss man als Zuschauer einiges erdulden, Bogliano packt uns nicht in Watte, stellt uns ganz klare Wahrheiten vor die Nase, ob wir sie wahr haben wollen oder nicht, und zerrt damit wesentlich mehr an den Nerven des Zuschauers als es der Schock über blutige Perversitäten je könnte. Kommt es im hier besprochenen Film mal zu solchen Szenen, wirken sie auch gleich viel drastischer und intensiver als in einem Film, der solche Bilder inflationär und im psychologisch undurchdachten Rahmen verwendet.

„Here Comes the Devil“ präsentiert alles in der richtigen Mixtur, erzählt seine Geschichte in einem düsteren und dramatischen, geradezu unheilvollen Grundton und lässt den Zuschauer immer nur in kleinen Schritten die Lösung des Geheimnisses von dem er erzählt entdecken. Sicherlich gibt es auch vorhersehbare Momente, dazu zählt meiner Meinung auch das Schluss-Szenario. Aber durch seine psychologisch durchdachte Art und dem erwachsenen Hintergrund wissen selbst solche Momente dennoch zu wirken. „Here Comes the Devil“ mag sich in seiner letzten viertel Stunde nicht mehr so intensiv anfühlen wie zuvor, etwas besser hätte das Finale umgesetzt werden können, aber es ist durchdacht und konsequent umgesetzt. Und das macht es bereits wieder wett. Es ist schön, dass es noch solch reife Genrebeiträge mit einer erzählenswerten Geschichte gibt wie diesen hier.  OFDb

07.05.2016

DIE BESTIE VON MONTE BRAVO (1956)

Zu hören dass es in den 50er Jahren den Versuch gab das Western-Genre mit jenem des Monsterfilms a la „Godzilla“ zu kreuzen, weckt in Freunden jenem Kinos automatisch Neugierde und wurde somit selbstverständlich schnell nach dessen Entdeckung von mir gesichtet, ohne dass mich erst der Aufdruck es handele sich angeblich um eine Jules Verne-Verfilmung überreden musste. Die Westerngrundlage, die den Löwenanteil des Streifens ausmacht, könnte klassischer kaum ausgefallen sein, schaut sie sich doch wie die grundlegende Blaupause des braven amerikanischen Westerns und kann in seiner naiv optimistischen und ignoranten Art eigentlich gar nicht langweilen.

Die deutsche Synchronisation unterstützt mit professionell gewählten Stimmen den angenehmen Zustand, so dass bereits vor dem Auftauchen der Kreatur einer simplen Unterhaltung nichts im Wege steht. Freilich erzählt „Die Bestie von Monte Bravo“ absolut nichts Neues, aber zuzusehen wie ein Amerikaner sich als Vorbild gemeint wie ein Elefant im Porzellanladen in Mexiko überall in den Vordergrund drängt, ist schon herrlich anzuschauen, zumal sich die Verantwortlichen des Filmes darüber überhaupt nicht bewusst sind.

Ebenso wenig sind sie es darüber, dass ihre sympathisch gemeinte weibliche Hauptrolle extremst egomanische Charakterzüge offenbart, was u.a. in der unsinnigsten Szene von allen mündet, in welcher sie den Helden des Streifens willkürlich ohne Grund heimlich am Friedhof treffen will, nur um ihm zu offenbaren dass sie hofft er und ihr verfeindeter Verlobter mögen sich nicht mehr in die Haare kriegen. Wie der wohl reagiert hätte, wenn er von dem Treffen erfahren hätte.

Aber es ist eben diese Unbedarftheit, dieses simple wie naive Szenario, welches „Der Fluch vom Monte Bravo“ (Alternativtitel) die nötige Leichtigkeit beschert, mit welcher er sich schlussendlich auch so angenehm guckt. Bis zur titelgebenden Bestie muss man jedoch bis etwa 20 Minuten vor Schluss warten, zuvor wird ewig nur über den verfluchten hohlen Berg und das gefährliche Sumpfgebiet erzählt, was den erfahrenen Zuschauer des Monsterfilms schon im Vorfeld überlegen lässt an welchem der beiden Orte die Bestie wohl ihr Ende finden wird.

In diesen letzten 20 Minuten gibt es von nun an auch jede Menge Monsterszenen zu sichten, wobei sympathisch holprige Stop Motion-Momente sich abwechseln mit Monsterfüßen in Nahaufnahme, in welchen ein Schauspieler steckt. Da man sich bei dem Dinosaurier an noch lebende Echsen orientierte, darf die Kreatur ungewohnt mit der Zunge spielen, was ihm im Vergleich zu den zig ähnlichen Wesen der Konkurrenzprodukte einen kleinen Individualitätsbonus beschert, sieht das Vieh doch bereits ohne diese Eigenschaft drollig aus, mit dieser Spielerei erobert sie jedoch endgültig das Herz eines jeden nostalgischen Monster-Fans.

Wer also gerne Werke dieser Art schaut wird es sicherlich nicht bereuen, vorausgesetzt man erwartet keinen Meilenstein a la „Formicula“ oder „Die Reise zum Mittelpunkt der Erde“. „Valley of the Mists“ (Alternativtitel) ist lediglich ein günstig finanzierter Film, der ein familiäres Produkt von Regisseur Edward Nassour ist, trägt die finanzierende Firma doch dessen Namen und wird er und ein weiter Nassour doch pausenlos im Vorspann genannt. Wer also auch die etwas tolpatschigen Billigvarianten des klassischen 50er Jahre Monsterfilms mag, kann definitiv einen Blick riskieren. Jeden anderen wird der ungewöhnliche Genre-Mix ohnehin nicht hinter dem Ofen hervor locken.  OFDb

24.04.2016

CHAPPIE (2015)

Der neben „her“ und „Ex Machina“ nunmehr dritte kürzlich erschienende Science Fiction um das Thema künstliche Intelligenz setzt nach Komödie und Thriller nun auf den Actionbereich seines Genres, und dass dies zunächst wie eine neue Version von „RoboCop“ klingt, gibt Regisseur Blomkamp augenzwinkernd bereits zu Beginn offen zu, wenn uns als Verbeugung vor dem Original eine Nachrichtensendung über die aktuelle Lage in Johannesburg informiert, womit Blomkamp ein erzählerisches Stilmittel von Paul Verhoeven übernimmt. Doch auch wenn „Chappie“ zunächst nach einem Klon dieses schon öfter verfilmten cineastischen Erfolges klingen mag, und diesen Eindruck mit einer neuen Generation Polizeiroboter, der jenem aus „RoboCop 2" ähnelt, sogar noch verstärkt, so distanziert sich die Geschichte doch spätetestens mit dem Erwecken der künstlichen Intelligenz von der Vorlage, allein aufgrund der Tatsache dass der Roboter zunächst ein Kind ist.

Das verändert so ziemlich alles, klingt interessant, ist dies quasi auch, aber diese für das Action-Genre recht experimentelle Geschichte will nicht so ganz eins werden mit dem harten Stil den man hierfür als Grundlage setzt. Die Geschichte, die fast mehr nach Komödie klingt als nach einer ernsthaften Auseinandersetzung mit dem Thema künstliche Intelligenz, vielleicht auch weil der naive Touch Chappies und seine Stimme ein wenig stark an „Nummer 5 lebt“ und noch mehr an „Nummer 5 gibt nicht auf“ erinnern, wirkt nicht richtig durchdacht. Zwar setzt Regisseur Neill Blomkamp die Geschichte konsequent um ohne sich von Zuschauererwartungen beirren zu lassen, aber einiges ist doch recht unglaubwürdig ausgefallen, so z.B. die wichtigen Kernsequenzen warum der Programmierer mit den Gangstern kooperiert und wie die harte Gangsterbraut innerhalb nur weniger Minuten zur liebevollen Robo-Mama mutiert.

Dass die Taten Chappies infantil ausfallen, gehört zum Konzept der Geschichte, schaut sich im ernsten SF-Action-Gewand zwar etwas merkwürdig, aber macht Sinn. Jedoch tut es „Chappie“ keinesfalls gut, dass sich auch nicht beabsichtigte infantile Elemente in den fertigen Film mit eingeschlichen haben. Das Aussehen der wichtigsten Gangster ist derart überzogen, ohne dabei das Gefühl von poppigem Cyberpunk-Style zu vermitteln, dass diese Figuren in ihrem bescheuerten Outfit einfach nur lächerlich wirken, und je mehr sie unglaubwürdig Gefühle für den Roboter entwickeln, um so peinlicher wirken sie. Leider bleiben sie bis zum Ende wichtig für die Handlung, und so schadet die optische Fehlentscheidung gepaart mit manch inhaltlicher Unsinnigkeit dem kompletten Film, der mit seiner experimentellen Kreuzung aus Science Fiction-Action und Kinderfilm ohnehin schon gemischte Gefühle hinterlässt.

„Chappie“ bleibt bis zum Schluss interessant und ist in seiner Art kaum mit einem anderen Film seines Genres zu vergleichen, aber wirklich gelungen ist der Film nicht. Da hat Blomkamp mit „District 9“ ein wesentlich besseres Werk abgeliefert. Zwar widersteht der Regisseur der Versuchung all zu sehr in den Coming-of-Age-Bereich abzurutschen, so dass sein erst kindlicher und später jugendlicher mechanischer Protagonist eher für das Erleben einer unterdrückten, von Brutalitäten überwucherten Kindheit eingesetzt wird, um sich hauptsächlich auf den Leidensweg des Roboters zu konzentrieren, aber merkwürdiger Weise fällt das alles wesentlich ärmer an Gesellschaftskritik und philosophischen Einfällen aus als man bei dieser Geschichte und diesem Regisseur meinen sollte. Tiefsinn ist vorhanden, wird vom gefühlsorientierten, den Seifenoperbereich streifenden Hauptaugenmerk jedoch dominiert. Ein wenig zu sehr für meinen Geschmack.

Andererseits wurde ich aber auch nicht warm mit dem Gegenspieler des Programmierers, ist er mir doch selbst für diesen etwas kindlich ausgefallen Actionfilm ein wenig zu bösartig gezeichnet und will dargestellt von Hugh Jackman auch so gar nicht funktionieren. Mag sein dass sich „Chappie“ insgesamt eher an ein jüngeres Publikum richtet, auf jeden Fall aber an eines mit anderen Sehgewohnheiten als ich sie habe. Durch „District 9“ mag ich auch mit anderen Erwartungen an den Film herangegangen sein, aber auf jeden Fall wusste mich „Chappie“ nicht sonderlich zu überzeugen.

Allerdings respektiere ich Blomkamp für diesen interessanten, den Kurs konsequent einhaltenden, Versuch. Wie bereits erwähnt fand ich den Film bis zum Schluss interessant erzählt, das ist schon viel mehr als mir andere Blockbuster bieten. Letztendlich konnte ich jedoch nie wirklich in die Geschichte eintauchen. Aufgrund des mir zu infantil und unausgegoren wirkenden Mixes aus Kinderfilm und Science Fiction-Action fehlte mir einfach der Zugang um in Chappie mehr zu sehen als ein Experiment, welches man mit Interesse theoretisch bis zum Schluss verfolgen kann. Ich würde auch nicht von einem wirklich missglückten Versuch sprechen, „Chappie“ besitzt durchaus seine Qualitäten, allein der Schluss des Streifens ist äußerst einfallsreich ausgefallen. Aber dieser ungewöhnliche Genre-Mix will einfach nicht miteinander harmonieren. Andere mögen vielleicht gerade darin den Reiz von „Chappie“ sehen.  OFDb

19.09.2015

DYNASTIE DRACULA (1978)

Regisseur Alfred B. Crevenna war ein Vieldreher, der von den 40er Jahren bis zu den 90er Jahren um die 80 Filme umgesetzt hat. Nur weniges davon fand den Weg nach Deutschland, was mit ein Grund dafür ist, dass ich bislang nur den einen, gerade erst von mir gesehenen, kenne, und das ist „Dynastie Dracula“, der in den 70er Jahren entstand. An dem orientiert kann man dem guten Mann kein sonderliches Talent zugestehen, ist der Film um Blutsauger und Hexen in Mexiko doch nicht nur äußerst naiv umgesetzt, sondern auch ziemlich uninspiriert.

Da hat man den Vorteil einer Burg als Location, die mit allerhand Klimbim eingerichtet ist, aber nie weiß irgend etwas auch nur im Ansatz davon so zu wirken wie die Bilder aus Filmen der Hammer Studios mit vergleichbarem Vorteil. Man fängt einfach keine tollen Bilder ein. Und wenn dann noch die Darsteller wie Halb-Amateure durch besagte mäßige Bilder stolpern, ist es nicht sonderlich gut bestellt um einen Horror-Beitrag, der sich für unglaublich gruselig hält.

Crevenna unterhält mit simpelstem Hokuspokus, und scheint das ganze naive Treiben vor der Kamera auch noch ernst zu meinen, so theatralisch wie hier an manchen Stellen Dramaturgie hochgepuscht wird. Leider weiß „Dracula - Dynastie des Grauens“ (Alternativtitel) auch atmosphärisch so gar nicht zu wirken, was allein schon die billig heruntergedudelte Musik, die teilweise klingt wie aus einem „Godzilla“-Streifen entliehen, nie zulassen würde.

Wenn man Gefallen an „La dinastia de Dracula“ (Originaltitel) finden will, dann funktioniert das einzig auf der Trash-Ebene, was gerade zu Beginn wunderbar funktioniert wenn eine Gummi-Fledermaus durchs Bild fliegt, so wie man es sich noch im 30er Jahre „Dacula“ mit Bela Lugosi wagte. Das leicht behaarte Stück Gummi wird zu einem der Highlights des Streifens, taucht es doch immer wieder auf. Andere Regisseure hätten das olle Mistvieh aufgrund seiner ungruseligen Wirkung sparsam eingesetzt, Crevenna jedoch scheint angetan zu sein von diesem Vieh und schien an die Gruselwirkung einer Gummi-Fledermaus zu glauben.

So braucht es nicht wundern, dass ein schrecklich zurecht gemachter Vampir, dessen Schauspieler bei seiner Haarpracht in einem Werwolf-Film wesentlich besser aufgehoben gewesen wäre, ein dunkler, großer Hund und einige schlecht getrickste Effekte plötzlicher Ortsveränderung die einzige Ergänzung in Sachen Gruselstoff sind, die selbstverständlich alle nicht einmal einem 10jährigen Angst einjagen würden.

Was nach einem Fest für Trash-Fans klingt, erweist sich jedoch als eher müde umgesetzte Nummer, die man zwar mit viel Geduld bis zum Schluss schauen kann, aber eigentlich keinen wirklichen Sehwert besitzt. Einzig der Schauspieler des Pfarrers sticht ein wenig positiver hervor als der Rest, dies aber auch nur im direkten Vergleich. Eigentlich ist auch er lediglich ein mittelmäßiger Mime.

Aber zumindest ist seine Rolle ein klein wenig anders angelegt, als es der Horror-erfahrene Cineast von seinem Genre gewohnt ist. Üblicher Weise dürfen Männer der Kirche kurzfristig helfen, um daraufhin das Zeitliche zu segnen. In „Dynastie Dracula“ darf der Pfaffe den finalen Kampf gegen den Oberbösewicht antreten und wirkt dabei wie eine christlich lahme Version eines Chuck Norris oder Rambos. Ohnehin wird Gottesglaube in diesem Streifen so groß geschrieben, dass man fast glauben könnte der Vatikan hätte diesen Müll selbst produziert.

Von daher sind tatsächlich Ansätze unfreiwillig komischer Kost gegeben, aber die verlieren sich selbst bei einer solch kurzen Laufzeit von 80 Minuten. Ich habe keine Ahnung warum Astro dieses unbedeutende Stück Horror aus der Versenkung geholt hat, bei all den verborgenen Schätzen, denen dieses Schicksal noch nicht beschert wurde. Dankbar bin ich dem Label trotzdem, denn letztendlich freue ich mich immer wieder solch unbekannte Retro-Streifen zu sichten, so schlecht sie am Ende auch gewesen sein mögen.  OFDb

10.05.2015

EIN TOLPATSCH KOMMT SELTEN ALLEIN (1981)

Pierre Richard! Ich finde es immer schade dass er im Schatten der Prominenz von Louis de Funès gerne unter geht, dabei ist er ein solch talentierter Komiker und Mime und Filme wie „Das Spielzeug“ und „Der große Blonde mit dem schwarzen Schuh“ großartige Komödien mit tiefgründigem Klamauk, die man gesehen haben sollte. An der Seite von Gérard Depardieu wirkt er aufgrund des Kontrasts noch stärker. Das zeigt nicht nur der höchst amüsante „Zwei irre Typen auf der Flucht“, sondern auch der hier besprochene „Ein Tolpatsch kommt selten allein“, den die meisten eher unter dem Titel „Der Hornochse und sein Zugpferd“ kennen und der einer wahrlich göttlichen Idee für das Genre der Komödie nachgeht.

Ein Tolpatsch wird in die Ermittlungen einer Vermisstensuche eingespannt, weil die Gesuchte selbst ein Tolpatsch ist, in der Hoffnung dass seine Missgeschicke den für den Fall verantwortlichen Detektiv auf die Fährte des gesuchten Unglücksraben führen. Dieser Detektiv ist knallharter Realist und hält überhaupt nichts von der fixen Idee seines Auftraggebers. Und seine Laune wird nicht gerade besser durch den Umstand, dass der Pechvogel im Glauben gelassen wird er würde die Mission leiten anstatt der Detektiv.

Da kommt einiges zusammen: talentierte Mimen in ihren Paraderollen, eine Grundidee, die man wohl als Selbstläufer betrachten darf, ein überraschend zurückhaltender, harmonischer Soundtrack von Vladimir Cosma, eine exotische Kulisse und ein Drehbuch, das sich trotz der chaotischen Grundlage nicht komplett in Albernheiten stürzt, sondern mit den Charakteren und der Situation stets mit Respekt umgeht. „Der Pechvogel“ (Alternativtitel) soll eine Geschichte erzählen anstatt zur Zotenparade zu verkommen, und so sehr sich der Film auch eher von Episode zu Episode hangelt anstatt wie ein Ganzes zu wirken, ein roter Faden ist dennoch vorhanden.

„La Chèvre“ (Originaltitel) lebt davon die Komik hauptsächlich aus den Charakteren zu ziehen anstatt aus den unglücklichen Situationen in die sie hinein geraten. Aus der Perspektive von Depardieus Rolle betrachtet dürfen wir fassungslos dabei zusehen, dass Perrin scheinbar tatsächlich ein Pechvogel ist, den das Glück für immer verlassen zu haben scheint. Diese Tatsache ist ein Unding für den Realisten Campana, der an Glück und Pech nicht glauben will, sich in seinen schwachen Momenten aber trotzdem auf die Idee einlässt. Da wird auch mal absichtlich das Pech Perrins herausgefordert oder im kurzen Glauben an den Sinn des Experiments sich auf dessen Instinkt eingelassen, und während Campana sich mit dem Akzeptieren der Realität schwer tut bemerkt er wie seine eigene Unglückswelle zu wachsen beginnt, während Perrin sich zum ersten Mal in seinem Leben aufgrund der ihm aufgetragenen Verantwortung großartig fühlt.

Er bleibt trotzdem ein Pechvogel, und Depardieus Rolle wird nicht gegen die von Pierre Richard ausgetauscht. Das Ziel ist also keineswegs so angelegt wie das aus „Was ist mit Bob?“. Aber Tendenzen in diese Richtung sind zu beobachten, denen Regisseur Francis Veber, der für alle drei Filme mit dem Duo Depardieu und Richard verantwortlich war, glücklicher Weise jedoch nicht in letzter Konsequenz nachgibt. Das wäre auch unschön, wäre es doch allein schon um das urkomische Schlussbild des Streifens schade, wenn man hier einen falschen Weg eingeschlagen hätte.

„Ein Tolpatsch kommt selten allein“ ist das Reinschalten wert. Man wird wirklich köstlich unterhalten. Allerdings sollte man zu der fürs Fernsehen damals neu entstandenen Alternativvertonung zurückgreifen, die auf der von Concord herausgebrachten DVD ebenfalls vorhanden ist, wenn man den Film auf deutsch sehen möchte. Die ist inhaltlich sinnvoller ausgefallen, wohingegen die deutschsprachige Kinofassung allerhand Albernheiten und Sinnlosigkeiten als Humor-Doping beinhaltet, welche die von Natur aus humorvolle Geschichte überhaupt nicht nötig hat. Wo diverse Bud Spencer-Filme von den herrlich schrägen Synchronfassungen Deutschlands profitieren, sollte man sich bei „Der Hornochse und sein Zugpferd“ doch lieber auf das verlassen, was tatsächlich von Francis Veber gewollt war. Jemandem der den tiefgründigen „Das Spielzeug“ inszeniert hat (mein persönlich liebster Pierre Richard) kann man da ruhig vertrauen.  OFDb

31.01.2015

MACABRA - DIE HAND DES TEUFELS (1981)

„Macabra - Die Hand des Teufels“ ist ein herrlicher Horrorfilm, wenn man etwas mit den Schundproduktionen Mexikos aus den 70er und 80er Jahren anfangen kann. Atmosphärische Musik wird auf billige Bilder gelegt, eine reißerische Geschichte erfährt, allein schon durch den Soundtrack, eine reißerische Umsetzung. Und oftmals pausiert die Logik durch Schnittsetzung oder andere Dusseligkeiten, die keiner seinerzeit vor Ort bemerkt hat. Da geht eine böse Hand mit einer Frau duschen ohne sie zu attackieren, da wird man mit Handschellen so gefesselt, dass man kein Houdini sein muss um sich befreien zu können, und selbst die einzige Actionszene des Streifens, eine Autoverfolgungsjagd, weiß zu belustigen, da es keine Choreographie der Crashs gab und alles mühsam mit vielen Schnitten höchst billig zusammengeschustert wurde.

Bei so viel Unsinn braucht es nicht wundern, dass auch viele Dialoge (zumindest in der deutschen Fassung) frei von Sinn sind. Oft wirken Gespräche wie aneinander vorbei geredet. Ebenso wenig versteht man die Beweggründe der Protagonisten, weiß nie warum sie wissen was sie wissen und warum sie plötzlich ihren Glauben ändern. Ebenso die Hand: warum wählt sie einen so umständlichen Weg Besitz von der Frau zu ergreifen? Und warum will sie dies so spät, wo sie doch viel früher die Chance dazu hatte? Und wenn diese Hand wirklich das Werkzeug des Teufels ist, was hat der Teufel damit vor? Die Menschheit kann man mit der ollen Pranke wohl kaum erledigen und mit links schon mal gar nicht - hohoho!

Ja, da kommt viel unfreiwillige Komik zusammen, und doch besticht „Demonoid, Messenger of Death“ (Originaltitel) hauptsächlich durch seinen Charme. Ebenso wie in „Die Nacht der reitenden Leichen“ gehen sympathische Umsetzung, stimmige Atmosphäre und Stümperhaftigkeit Hand in Hand, bzw. diesmal linke Hand in linke Hand. Wie bereits erwähnt ist der Soundtrack stimmig. Manchen Szenenaufbau hat Regisseur Alfredo Zacarias („Operation Todesstachel") so gut im Griff, dass es bei weniger Unsinn gar richtig gruselig hätte werden können. Auch manch schöner Moment, wie der Jesustrick der Hand in der Kirche oder der Zombie auf dem Friedhof weiß außerhalb der unfreiwilligen Komik zu gefallen.

„Devil‘s Hand“ (Alternativtitel) ist einfach ein schöner Mix aus Trash und Pulp, mal gelungen aufgrund seiner stimmigen Inszenierung, dann wieder wunderbar unsinnig ausgefallen, oftmals gar beides auf einmal. „Macrabra“ strahlt so eine wunderbare Naivität aus, dass man ihm einfach nicht böse sein kann. Warum es bei all der harmlosen Spezialeffekte eine gekürzte Fassung gibt und die ungekürzte ausgerechnet in der Red Edition erschienen ist, die sich sonst auf gewalttätigere Werke konzentrierte, weiß der Geier. Zumindest weiß die Handamputationsszene des Streifens auch ohne viel Blut ein unangenehmes Gefühl zu verursachen, auch wenn sie so billig getrickst ist wie die restlichen Spezialeffekte. Aber auch hier gilt was für den kompletten Film gilt: nicht wirklich geglückt, aber (u.a. deshalb) charmant.  OFDb

30.01.2015

DIE RACHE DER 1000 KATZEN (1972)

Ich gucke sie ja unglaublich gern, diese europäischen Schund-Horrorfilmchen aus den 70er Jahren. Dementsprechend habe ich mich gefreut als mich die DVD zu „Die Rache der 1000 Katzen“, im Titel mittlerweile unnötig erweitert als „Killing Cats - Die Rache der 1000 Katzen“, im DVD-Laden angelächelt hat. Mir war der Streifen vollkommen unbekannt, die Story klang nett und mit Hugo Stiglitz ("Friedhof der Zombies", "Großangriff der Zombies") gab es gleich noch eine prominentere, wenn auch schauspielerisch untalentierte Person mit an Bord. Herrlich!

Der Covertext ließ schon vermuten, dass man sich hier wohl eher nicht auf Tier-Horror einstellen sollte. Und so war es dann auch. Wer aufgrund des Titels auf eine Menschenfleisch-hungrige Meute an Katzen hofft wird leider erst in der Finalszene fündig, womit man den deutschen Titel ohne zu lügen als Spoiler bezeichnen kann. Immerhin ist besagte Szene aber auch die einzige in welcher zumindest ein Hauch von Spannung aufkommt. Aber der Mangel diesbezüglich im Restfilm verärgerte oder enttäuschte mich nicht. Wer Filme dieser Dekade aus dieser Region kennt, der weiß dass da diesbezüglich eigentlich nie etwas zu holen ist. Horror-Werke dieser Art sind schmuddelig, reißerisch, billig, und genau das macht sie aus.

Ihre grobe Art kann auf gelungener Basis funktionieren (z.B. bei „Man-Eater“ und „Das Blutgericht der reitenden Leichen“), oftmals geht die Rechnung aber nur in Form von unfreiwilliger Komik auf (z.B. „Torso“, „Die Rückkehr der reitenden Leichen“). So oder so, meist wird man gut unterhalten, und wenn doch mal eine Gurke wie „Die Grotte der vergessenen Leichen“ oder „Eine Jungfrau in den Krallen von Zombies“ dabei ist, so funktionieren diese Filme doch zumindest trotzdem noch aufgrund ihrer grobkörnigen Optik, der damaligen Musik und der trockenen Atmosphäre - letzteres zumindest bis man merkt dass der Streifen nichts taugt.

„Die Rache der 1000 Katzen“, in welchem in Wirklichkeit etwa nur 50 Katzen vorkommen, ist nicht wirklich gelungen. Wer sich einen ernstzunehmenden Beitrag seines Lieblings-Genres erhofft wird sogar stark enttäuscht werden. „La noche de los mil gatos“ (Originaltitel) ist für Gore-Hounds zu zahm ausgefallen, Horror-Freunden zu unaufgeregt und inhaltslos erzählt und manch anderem sicher auch aufgrund endloser Wiederholungen zu langgezogen trotz der unter 80 Minuten laufenden Kürze.

Hier siegt deutlich der Trash. Stiglitz spielt wie gewohnt hölzern, während seine Synchronstimme so ruppig und egoistisch ist, dass man seine Beliebtheit bei den Frauen kaum glauben kann. Sein Butler kann nicht sprechen, liebt es aber fröhlich vor sich hin zu grunzen, und den halben Film über fliegt die Hauptfigur mit einem Hubschrauber durch die Gegend, Ausschau nach neuen Opfern haltend. Der Hubschrauber war wahrscheinlich das teuerste am ganzen Film. Idiotische Dialoge unterbrechen häufig den trockenen Grundton des Films. Meine persönliche Perle diesbezüglich ist folgender kurzer Monolog: „Wir kennen uns erst wenige Tage, aber mir kommt es vor wie eine kleine Ewigkeit. Warum verfliegt die Zeit so schnell wenn man glücklich ist?“ Was sich hier arg sarkastisch liest ist ein ernst gemeintes Liebesgeplänkel von einem der zukünftigen Opfer.

Mit diesen vertreibt sich der Bösewicht des Films, der auch die Identifikationsfigur für den Zuschauer ist, seine Zeit, bevor er sie zu Katzenfutter verarbeitet. Seine Herangehensweise ist immer anders. Der Zeitpunkt bis zur Wahrheit unterschiedlich lang. A-Sexuell ist der Geisteskranke nicht, immerhin benötigt ein Film ohne Handlung Schmuddel-Potential, und den hat man sich in Streifen wie diesen ja schon immer gerne bei Nackedei-Aufnahmen geholt. Davon gibt es nicht so viele wie in manch italienischem oder französischen Beitrag, aber immerhin mehr als es an Gewalttaten zu sehen gibt. Die Morde geschehen stehts im Off oder man verlässt sich durch einen Szenenwechsel auf das Kopfkino des Zuschauers.

Die Schnitte wirken oft willkürlich, bieten aber auch ihre interessanten Momente, z.B. wenn Zeiten parallel nebeneinander herlaufen oder (zu deutliche) Symbolik als Spielerei dienen soll. Neben der herrlich trockenen Grundatmosphäre und der teilweise sehr schön anzusehenden Locations ist das einer der wenigen Pluspunkte von „Blood Feast“ (Alternativtitel), der nicht auf unfreiwilliger Komik fußt. Auch die Kameraaufnahmen haben mir trotz all ihrer Schlichtheit gut gefallen. Für die wenigen Zuschauer, die den Film zumindest ab und an als stimmig empfunden haben, wird hauptsächlich die Optik der Grund dafür sein.

Deswegen habe ich mich auch gar nicht wie so viele andere über die Monotonie der Geschichte aufgeregt. Ich würde lügen, wenn ich behaupten würde es würde viel erzählt, oder das wenige was passiert würde im Minimalismus seinen Inhalt oder seinen Sinn finden. Aber das ewige Spiel mit den Opfern, die Phase bevor sie wissen dass sie welche sind und die Suche nach der nächsten Kandidatin sind genau jene Momente, in welchen die Schmuddel-Atmosphäre in netten Bildern am höchsten ist. Was andere verscheuchte war für mich der angenehmste Bereich des Streifens - mal abgesehen von den Trash-Momenten, z.B. jenen, in welchem der ohnehin schon völlig überzogene Ego-Charakter den Stiglitz verkörpert seinen Diener an die Katzen verfüttert, weil der ihn erstmals im Schachspiel besiegt hat. Freiwillige Komik? Keineswegs! Ich konnte nicht mal ein Augenzwinkern erkennen.

Genau das macht den Reiz an „Die Rache der tausend Katzen“ aber aus. Er ist todernst erzählt, stolpert immer wieder über die Unzulänglichkeiten der Beteiligten, was für unfreiwillige Lustigkeit sorgt, und bietet inmitten einer unmotiviert erzählten Nicht-Geschichte zumindest hübsche Bilder in angenehmer Atmosphäre. Dass das nicht reicht um wirklich zu gefallen (allein der viel zu plötzliche Schluss und das viel zu ereignislose Finale verärgern dafür viel zu sehr), dürfte klar sein. Der Streifen ist weder ein Tipp noch auf seine komplette Lauflänge unterhaltsam.

Aber die Pluspunkte lassen jemanden wie mich zumindest nicht verärgert zurück. Zeitvergeudung? Definitiv! Aber mir wurde nicht langweilig, und das ist ja auch schon mal was wert. Klar ist „The Night of 1000 Cats“ (Alternativtitel) eigentlich eine Frechheit. Es ist eigentlich dreist für diese Unterhaltungs-Täuschung auch noch Geld verlangen zu dürfen. Es ist aber mein persönliches Glück, dass mir der Schmuddel-Stil dieser vergangenen Filmepoche so gut gefällt. Damit beschert mir selbst der dreisteste Scheiß noch immer einen gewissen Reiz.  OFDb

22.11.2014

TOTENTANZ IM SCHRECKENSSCHLOSS (1968)

„Totentanz im Schreckensschloss“ ist einer von einer handvoll mexikanischer Fließband-Horror-Produktionen, in denen Boris Karloff kurz vor seinem Tod mit etwa 80 Jahren noch mitspielte, und diese liegen fern des Niveaus vergangener Projekte der Horrorfilm-Größe. Einst mit der Rolle als Frankensteins Monster in der 30er Jahre-Verfilmung berühmt geworden, und seit dem in Filmen wie „Der Rabe“, „Die Mumie“ und recht spät sogar noch in „Der Rabe - Duell der Zauberer“ in diversen Erfolgen mitspielend, huscht der gute Mann im hier besprochenen Werk nur gelegentlich durchs Bild und sagt verwirrte Texte auf.

Damit ist er was Logik, Sinn und roter Faden betrifft auf einer Höhe mit dem gesamten Werk, das so sehr bemüht ist klassische Horrorelemente aneinander zu knüpfen, dass ein erkennbarer Zusammenhang der Dinge kaum vorhanden ist. Ein wenig „Die Katze und der Kanarienvogel“ sowie „Das indische Tuch“ hier, eine kleine Randidee aus „Der Dieb von Bagdad“ da, jener Teil der Brian Yuzna und Konsorten zum wundervollen „Dolls“ inspiriert haben könnte, bishin zu einem „Frankenstein“-ähnlichen Schluss mit „Das Phantom der Oper“-Anleihen ist alles vorhanden, nur stümperhaft zusammengezimmert, billigst heruntergedreht und mit talentlosen Mimen besetzt, die auch nicht von Karloff an die Wand gespielt werden, da der nur noch ein Schatten seiner selbst ist.

Der Witz: auf pulpiger Schundfilm-Art weiß dieses fast schon dilettantische Werk zu gefallen, vorausgesetzt man schaltet sein Hirn komplett aus und genießt das prunkvolle Schloss mit seinem sympathischen vor Klischees nur so wimmelndem Inventar. Spätestens wenn die tödlichen und grotesken Spielsachen in die Geschichte eingebunden werden, macht das sinnlose Treiben Spaß, und eine gewisse Grundstimmung kommt auf, auch wenn diese weit weg eines Grusel- oder wenigstens Spannungsempfinden liegt. Mir hat das ganze sogar so viel Freude bereitet, dass ich vom plötzlichen und schlichten Ende glatt enttäuscht wurde. Das dürfte bei diesem unsinnigen Film ohne gefühlsechte Identifikationsfiguren wohl nur den wenigsten passiert sein.

Vielleicht kann man das bescheuerte Treiben von „Dance Of Death" (Alternativtitel) als eine Art Recycling-Charme bezeichnen, in welchem alles Bekannte aus dem Genre verbraucht und qualitativ schlechter neu zubereitet eingebracht wird, untermalt von einem aufdringlichen Soundtrack, der so schräg klingt, dass wohl kaum eine Komposition dahinter stecken dürfte, und dank der Zutat der tödlichen Spielzeuge für seine Zeit sogar mit einem Individualitätsbonus versehen. So kann Trash funktionieren. Und wenn man bedenkt dass sich „House of Evil“ (Originaltitel) in seiner Art mindestens 10 Jahre zu spät guckt, sprich der Horrorfilm in seiner Entwicklung schon viel weiter war, ist der Begriff Trash sicherlich passend gewählt, ohne dass man empfindlichen Seelen damit gleich vor den Kopf stößt.  OFDb