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16.06.2024

HUBERT UND STALLER - STAFFEL 12 (2024)

Gegeneinander, mit Einigkeit und mit Reibereien löst das Polizei-Team rund um Griesgram Hubert sämtliche Kriminalfälle in der ländlichen Gegend...

Alpakas, überteuertes Wasser und ein Fuß...

Nach dem eher bescheiden ausgefallenen vierten Spielfilm-Special "Dem Himmel ganz nah" geht es mit der gewohnten flotten, etwas banalen (seit dem Ausstieg von Lüttichaus), aber dennoch sympathischen Art der Serie weiter. Mehr erwarte ich nicht, und ich bin noch jedes Mal erleichtert, kritisch wie ich den Werdegang der Reihe beobachte, wenn ich dies noch immer geboten bekomme. Tatsächlich jede Folge besitzt ihren Reiz, weiterhin wird jegliche Figur, inklusive Yazid, in interessante Situationen gesteckt, hin und wieder überrascht gar die Auflösung eines Falls, aber der Weg dorthin war schon immer viel wichtiger, als dieses Ziel. Mit Girwitz einen egoistischen Alleinspieler im eigenen Team zu haben, erweist sich als fruchtsam wie immer, diesmal zentral thematisiert in einem Kampf um eine Wohnung, von welchem der "Mitkämpfer" nicht weiß, dass es einen gibt. Erstmals gönnt man dem ehemaligen Chef der Truppe außerdem einen menschlich sympathischen Aspekt ohne Hintergedanken, wenn dieser seine Liebe zu Alpakas entdeckt. Derartige Versuche bei Hubert werden leider weiterhin unter den Teppich gekehrt. Es ist schade, dass noch immer nicht seine Scheintochter aus dem Weihnachtsspecial, mit welchem man Staller verabschiedete, zurückkehrt, nicht einmal für einen Gastauftritt, selbiges gilt für die Ex-Frau oder gar Staller höchstpersönlich. 

Sie alle täten dem zu eingefahrenen Miesepeter Hubert gut, um mal wieder ein Fünkchen Herz in ihm zu suggerieren, gerade jetzt, wo der einst heimlich Gebildete auch intellektuell in seinen Interessen nur noch dröge, altersmüde und desinteressiert von den Autoren gezeichnet wird. Aber auch er funktioniert trotzdem noch gut genug (Tramitz ist schließlich Tramitz), so wie der Rest, um den Zuschauer nach Feierabend angenehm zu unterhalten. Einen Anfängerfehler, wie in der letzten Folge geschehen, wenn man das Kamera-Team in einem langsam anfahrenden Auto gespiegelt sieht, habe ich in der sonst technisch professionellen Serie jedoch noch nicht erlebt. Ich hoffe dies stellt lediglich eine sympathische Ausnahme dar, anstatt der erste Schritt zum endgültigen Desinteresse der Verantwortlichen einer einst großartigen Serie zu sein. Ja, das liest sich pessimistisch, gerade bei einem solch kurzweiligem Ergebnis, wie im 12. Jahr serviert, aber das Misstrauen ist einfach da seit dem Niveauabstieg und dem ständigen Besetzungswechsel zur Halbzeit der Reihe. Was Letztgenanntes betrifft, so freut es mich jedoch zu berichten, dass die Beständigkeit der letzten beiden Staffeln beibehalten wurde. Leider jedoch auch was die Folgenzahl des Vorgängerjahres betrifft: auch Staffel 12 begnügt sich lediglich mit 12 Folgen.  Wiki

18.02.2024

HUBERT OHNE STALLER - DEM HIMMEL GANZ NAH (2023)

Zum ersten Mal seit Stallers Abschied erhält die Serie "Hubert und Staller" ein Spielfilm-Special. Dieses erinnert aufgrund der Idee, mit Kollegen aus einem anderen Bezirk kooperieren zu müssen, ein wenig an das zweiten Film der Reihe namens "Hubert und Staller - Unter Wölfen", verdreht die anfängliche Disharmonie beider Fronten jedoch zu einer friedlichen Zusammenarbeit, die hauptsächlich dafür genutzt wird Hubert nach etlichen Jahren doch noch mal ein Liebesleben zu bescheren. Viel holt man da nicht heraus, nutzt es für das kurzfristige Ausstrahlen von Lebensenergie und dem obligatorischen Schlussstrich eines wieder im Alltag angekommenen Hubert. Aber ohnehin holt man im kompletten Streifen wenig aus den vorhandenen Möglichkeiten heraus, am deutlichsten wohl in jenem Moment zu erkennen, in welchem die beiden Hauptfiguren an einem Seil baumelnd am Abhang hängen, den Tod ins Auge blickend, nur um sie auf arg plumpe Art dann doch gerettet zu bekommen, ohne dass die Geschichte durch diese Situation einen Mehrwert erhalten hätte. Girwidz und Hubert duzen sich kurzfristig, das war es auch schon. 

Seit Staffel 8 ist die ehemals so kreative Serie aber ohnehin nur noch eine Lightversion ihrer selbst, und das macht der Spielfilm dieser Phase auf ein weiteres deutlich. Seicht plätschert die Komik vor sich hin, humorvoll genug ausgefallen, um zu amüsieren und angenehm auf simple Art zu unterhalten, zu mehr ist man aber nicht mehr bereit, warum auch immer. Die neuen Figuren werden nicht intensiver eingebracht, als nötig, sie erfüllen ihren Part, ragen aber durch nichts heraus, Stammfiguren der Randbesetzung bekommen genügend Raum beschert, und mit der Zusammenarbeit mit Österreich und dem Einbringen eines Hubschrauberfluges wird noch mancher Schauwert beschert, der für den ein oder anderen Gag genutzt wird. Auf 90 Minuten zeigt sich noch einmal mehr, wie viel weniger die Reihe mittlerweile zu bieten hat, auf 45 Minuten kann man dies besser tarnen. Gerade Girwidz als Sidekick füllt die Spielfilmlänge nicht aus, Staller hätte die Luft zwischen den einzelnen Szenen bei ebenso guter Besetzung wegen reflektierterer und pointensicherer Charakterzeichnung locker gestemmt bekommen. Brandner kann man da keinen Vorwurf machen. Die Stammbesetzung überzeugt nach wie vor, es sind die Drehbücher, die dünner werden. Da "Hubert und Staller" auch in diesem Zustand genug Quote erhält, besitzen die Verantwortlichen der Reihe aber auch keine Motivation zur alten Qualität zurückzukehren. Ihnen ist ihr Produkt egal geworden, es soll nur noch funktionieren.  OFDb

31.12.2023

HUBERT UND STALLER - STAFFEL 11 (2023)

Es ist kaum zu glauben, aber die Verantwortlichen von "Hubert und Staller", bzw. "Hubert ohne Staller", haben es nach langer Zeit einmal geschafft die Stammbesetzung beieinander zu halten. Die "neue" gute Seele, in Form einer jungen Kollegin, darf nun schon drei Jahre am Stück mit an Bord bleiben und macht sich darin gut genug, um nicht negativ aufzufallen (dem Charakter mangelt es jedoch an Individualität, um sie zu einer nennenswerten Person des Teams zu machen) und Yazid samt Angestellter leiten weiter das Rattlinger (was zwar nun besser von den Drehbüchern genutzt wird, aber immer noch keine zufriedenstellende Idee ist). Glücklicher Weise beschert man Yazid zusätzlich andere Möglichkeiten des Geldverdienens, so dass er meist auf klassische Art eingesetzt werden kann. Um sämtliche Figuren ist man bemüht, die Interaktionen untereinander funktionieren, Einzelmomente gelingen ebenfalls meist, personell laufen die Geschichten somit rund genug, um sich zwischenmenschlich einfühlen zu können (wobei ich es nach wie vor schade finde, dass die Figur des Hubert psychologisch derart vereinfacht wurde). 
 
An die Pointenstärke der Dialoge zur klassischen Zeit der Serie ragt das dennoch alles nicht mehr heran. Seit dem sind die Kriminalfälle aber zumindest interessanter ausgefallen, das bleibt auch in Staffel 11 so. Die letzte Folge zeigt sogar, wie gut es noch auf beiden Ebenen parallel funktionieren kann, wenn beim angeblichen Suizid eines Bitcoin-Händlers private Probleme und ein funktionierender Kriminalfall parallel nebeneinander mit einer guten Dosis Humor zu harmonieren wissen. In Zukunft kann es gerne wieder mehr von derartiger Qualität geben, wobei mir das schlichtere Niveau der Reststaffel noch immer gut genug gefällt, um mich auf jede weitere Folge dieser sympathischen Serie zu freuen. Dementsprechend schade finde ich es, dass eine andere Konstante vernachlässigt wurde: die Folgenanzahl. Das elfte Jahr bietet mit 12 Folgen 4 weniger als jedes andere Jahr. Glücklicher Weise ist ein Ende dennoch nicht in Sicht. Staffel 11 folgt das vierte Filmspecial (und das erste seit der Titeländerung) "Hubert ohne Staller - Dem Himmel ganz nah", welchem wiederum eine 12. Staffel folgt. Auf der Internetseite der ARD war leider nicht in Erfahrung zu bringen, ob es nun bei 12 Folgen pro Staffel bleibt, oder ob man im 12. Jahr zur klassischen Episodenanzahl zurückkehren wird. So oder so: ich bin weiterhin dabei.  Wiki

06.07.2022

HUBERT UND STALLER - STAFFEL 10 (2022)

Nach wie vor findet "Hubert ohne Staller" nicht zur alten Form zurück, so schlimm wie im ersten Jahr ohne Huberts ursprünglichen Partner wird es aber nicht mehr, eine Spur schwächer als die Vorgängerstaffel ist das zehnte Jahr jedoch trotzdem ausgefallen - wobei ich mir da auch nicht sicher bin, in wie weit meine Tageslaune den Blick darauf beeinflussen könnte, gefiel mir die zweite Hälfte der Staffel doch ebenso gut, wie das neunte Jahr, und habe ich die Folgen doch diesmal, für mich geradezu ungewohnt, mit größeren Abständen geschaut. Wie auch immer, die tollsten Kriminalfälle erzählt die Serie nach wie vor nicht, aber sie lebt noch immer gekonnt vom Charme der Figuren, dies mittlerweile auch von der Chefin und der Vorzimmerdame, die weit mehr und auch abwechslungsreicher in die Geschichten integriert wird als bisher. An Yazid in der Bäckerei gewöhne ich mich langsam auch, zumal er nicht nur dort agieren muss, seine Mitarbeiterin finde ich nach wie vor ziemlich uninteressant eingebracht, ihre Szenen könnte meist auch Yazid ersetzen. 

Hin und wieder blitzt die ursprüngliche Charaktereigenschaft Huberts bezüglich seiner Bildung auf, einen emotionalen Verbündeten bleibt die Serie ihm aber nach wie vor schuldig, um ihn wieder glänzen zu lassen wie einst. An Wortwitz mangelt es hingegen nicht, an Situationskomik ebenso wenig, die Fälle sind mit viel Witz und Charme erzählt. Und dass dies nicht mehr auf so geistreiche Art wie einst geschieht, ist man mittlerweile gewöhnt, sollte mit Kenntnis der letzten Jahre somit eigentlich auch nicht mehr verärgern. Die Pathologin wird zwar immer noch recht austauschbar integriert, bekommt aber immerhin ein paar wenige Ausnahmemomente beschert, in welchen sie mal mehr als der Stichwortgeber sein darf. Gesellschaftliche Phänomene, wie extremistischer Veganismus und der Irrsinn rund ums Gendern werden in einzelnen Episoden sympathisch aufs Korn genommen, ohne all zu hart mit derartig asozialen Zeichen unserer Zeit ins Gericht zu gehen. Dafür ist die Serie auch viel zu sehr auf angenehm seichte Feierabend-Unterhaltung getrimmt, ein zu grimmiger Grundton, oder gar ein zu selbstgerechter a la "Der Tatortreiniger", würde "Hubert ohne Staller" nicht gut tun, zumal die Episoden einen oft gut gelaunt entlassen, so wunderbar wie sie nach wie vor unterhalten. 

Einen tatsächlichen Tiefpunkt gibt es diesmal nicht, einen wahren Höhepunkt aber ebenso wenig. Schön ist hingegen mit anzusehen, wie die Figur des Girwidz immer abwechslungsreicher dreist agieren darf und damit die Leere, die Staller hinterließ, immer besser auszufüllen weiß - zumindest wenn man erst einmal akzeptiert hat, dass es nie mehr so werden wird wie einst zu den Hochzeiten dieser wundervollen Serie.  OFDb

31.01.2021

HUBERT UND STALLER - STAFFEL 9 (2019)

Kürzlich las ich in einer Leserbrief-Kritik in der Hörzu wie sehr die Qualität der Serie "Hubert und Staller" nachgelassen habe. Ich verstand zwar nicht den Vorwurf es würde alberner oder klamaukiger zugehen (ich weiß nicht mehr welches Adjektiv verwendet wurde), denn immerhin gehörte dies gerade in den Ur-Zeiten mit Helmfried von Lüttichau als Staller seit je her zum Serienrezept dazu, aber es bestätigte mich in meinen Erwartungen, nachdem mit der achten Staffel, in welcher der Titel erstmals "Hubert ohne Staller" war, die bislang schwächste abgeliefert wurde. Umso überraschter war ich, mit welcher Energie das neunte Jahr der Serie stattdessen daher kommt. Sie bietet allerhand interessanter Kriminalfälle, wundervolle humoristische Haupt- und Randelemente und bezieht endlich einmal wieder sämtliche Stamm-Figuren für die Geschichten wichtig, und damit wieder mit dem nötigen Respekt versehen, ein.

Yazid kommt wieder öfters vor und kommt in alter, krimineller Frische und Freche daher, nachdem sein Charakter im letzten Jahr eher der Pflicht wegen in einige Folgen hineingequetscht wurde. Hubert bekommt endlich wieder einige wenige emotionale Momente beschert, die dem alten Miesepeter als Gegengewicht sichtlich gut tun. Das bezieht sich doch noch überraschend auf die Pathologin Fuchs, nachdem man nach ihren ersten Auftritten von dieser Idee wieder abwich. Ob der Weg weiter verfolgt wird, ist jedoch unklar, da er gegen Ende der hier besprochenen Staffel bereits wieder einen Riegel vorgeschoben bekommt. Schade wär's, gerade als ironische Gegensituation zur Vorgängerin Licht, zumindest bekommt Frau Fuchs aber auch außerhalb des Hubert-Aspektes endlich mehr Beachtung geschenkt, war doch auch sie in Staffel 8 lediglich Stichwortgeberin ohne nennenswerte Auftritte. Staffel 9 zeigt hingegen wie sehr man darin bemüht ist, sie etwas abwechslungsreicher einzubringen, und man geht die Sache erfolgreich an, wie die vielen lustigen Situationen und Dialoge zeigen, in der man sie nun am Rande erstrahlen lässt. Auch die neue Chefin Frau Kaiser wird weit interessanter und sympathischer als zuvor eingebaut. Aus der pseudo-taffen, unpassend auf sexy getrimmten Vorgesetzten, wird ein durchdachter Charakter mit Ecken und Kanten, deren Job manchmal weit mehr dem einer Kita-Erzieherin gleicht, bei all dem Unsinn den ihre Leute verzapfen, als dem einer Polizeirätin. So wie mittlerweile eingebracht, kann sie meiner Meinung nach gerne Stammbesetzung der Serie bleiben.

Mag man Girwidz nun auch verstärkt jene kleinen Macken und Spinnereien zuschreiben, die typisch für Staller waren (so darf er u.a. sein Interesse für eine Sekte entdecken oder auf einem Hochsitz festsitzen), die Autoren vergessen jedoch nie seine alte Position und spielen immer wieder mit der Hoffnung des Mannes eines Tages in diese zurückkehren zu können - auch mal mit bösartigen Seiten versehen, wie beispielsweise eine Episode um eine entführte Frau Kaiser beweist. Als Neuzugang ist Christina Bayer am Start, welche leider die Tradition jedes Nachfolgers von Frau Wirth zugeschrieben bekommt austauschbar und lediglich niedlich besetzt worden zu sein. Warum in dieser Position nicht wieder versucht wird, wen Charakterstarkes zu kreieren, verstehe wer will, zumal dies wie aktuell besetzt charismatisch sicherlich möglich wäre. Die Figur der Barbara Hansen bleibt unverändert, funktioniert, wie in anderen Besprechungen erwähnt, in der Funktion als Besitzerin einer Bäckerei weit sympathischer als damals zu Beginn in jener als Reporterin, nimmt sich aber entweder eine Auszeit oder scheidet ganz aus der Serie aus. Die letzten Folgen laufen ohne sie, ersetzt von einer blassen Vertreterin und Yazid, der glücklicher Weise trotzdem weiter Unternehmer von "Ich mach alles" bleibt. Auch Riedels positive Weiterentwicklung bleibt bemerkbar, schauspielerisch hat er seit den Anfängen einiges dazu gelernt. 

Man darf sich also insgesamt positiv zu den Büchern und den Schauspielern äußern, findet die neunte Staffel doch zu einer Stärke zurück, welche mich die 16 Folgen in Rekordzeit hat verschlingen lassen. Lediglich die psychologische Raffinesse der Figuren und Situationen ist nicht mehr so intensiv vorhanden wie zu Bestzeiten, und die subtilen Töne diesbezüglich bezogen auf den Hubert-Charakter hat man leider mittlerweile vollkommen über Bord geworfen, ist der gute Mann doch nun innerlich endgültig so oberflächlich ausgefallen wie äußerlich, womit das besondere Etwas der Figur verloren geht. Mit Tramitz hervorragend besetzt gehört sie trotzdem noch immer zu den Highlights der Reihe, der Umgang mit dieser Figur zeigt jedoch, dass die Bücher längst nicht mehr so analytisch vielschichtig arbeiten wie einst. Da die Folgen kurzweilig sind, sich der Respekt den Charakteren gegenüber verbessert hat, die Fälle und zwischenmenschlichen Situationen interessanter erzählt sind und die Drehbücher noch immer genügend Intelligenz beweisen, ist die zweite Staffel ohne Staller jedoch längst nicht mehr nur das Trostpflaster der Stammzuschauer, wie es die beiden Vorgängerstaffeln noch waren. Und dass nach wie vor fleißig herumgealbert wird, finde ich im Gegensatz zur eingangs erwähnten Leserkritik gut. In einem Punkt muss ich der Wahrnehmung dieser jedoch zustimmen: man gewinnt nicht mehr den Eindruck einer Spielfreude am Set, welche noch die Staller-Zeiten signalisierten. Aber ohne Grund wird es ja sicherlich ohnehin nicht seit 2017 zu ständigen Wechseln in der Besetzung wichtiger Rollen gekommen sein.  OFDb

15.05.2019

HUBERT UND STALLER - STAFFEL 8 (2019)

Man kann es kritisch als Geldmacherei und unkreativen Prozess betrachten, dass man nach dem Ausstieg einer Hauptbesetzung ein erfolgreiches Serienkonzept weiter führt, man kann aber auch die Herausforderung dahinter betrachten, den Versuch zu wagen eine lieb gewonnene Serie unter diesen Umständen weiter zu führen, anstatt sie zu Grabe zu tragen. Die Idee den ehemaligen Chef der Polizisten Hubert und Staller nach Stallers herzzerreißender Verabschiedung im dritten Spielfilm der Reihe "Eine schöne Bescherung" zu degradieren, um den karriereorientierten Egomanen mit dem desinteressierten Egomanen Hubert zu einen, besitzt seinen eigenen Reiz. Und dass das Ganze dann noch humorvoll in "Hubert ohne Staller" umbenannt wurde, zeigt auf, dass die charmante Mentalität der Serie nicht völlig verschwunden sein kann. Mit "Hubert und Staller - Staffel 7" gab es ohnehin erstmals einen Rückschritt in Sachen Niveau und Unterhaltungswert, die Serie war somit nicht mehr auf dem Hoch der wundervollen restlichen sechs Staffeln. Nach dem überraschend geglückten Weihnachtsspecial in alter Form ist das Ergebnis von "Hubert ohne Staller", welches meist aufgrund dessen, dass es trotz Namensänderung noch immer die selbe Serie ist, als "Hubert und Staller - Staffel 8" betitelt wird, dennoch manches Naserümpfen wert, denn nun hat man auch das Niveau der bislang schlechtesten Staffel, der siebten, unterboten.

Das liest sich bei solch gelungenem Konzept härter als das Ergebnis tatsächlich zu konsumieren ist, aber wenn man bedenkt zu wie viel mehr die Serie in der Lage war, ist es schon traurig dass man sie nur noch als unterhaltsam bezeichnen kann. Geistreich ist die Serie nur noch selten, treffsicher ist ihr Humor auch nur noch bedingt, und das psychologische Feingefühl geht immer weiter flöten, was gerade die Neubesetzungen, alte wie neue, beweisen. Die Pathologin bleibt weiterhin Stichwortgeber ohne Vertiefung eines Charakters. Die Frau aus der Polizeizentrale, die einem mit der Zeit doch noch sympathisch wurde, wird nun auch ausgetauscht, wenn auch mit Abschiedsfolge versehen und wird ersetzt gegen eine junge Frau, die ganz offensichtlich wieder näher an der Originalbesetzung orientiert wurde, was zwar aufgrund fehlender ebenso treffsicherer Charakterzeichnung nicht funktionieren will, aber dennoch keinen Grund zu klagen hinterlässt. Mag die blonde Neubesetzung auch blasser als ihre Vorgängerinnen erscheinen, so spielt sie doch souverän und wird in interessante Situationen eingesetzt. In die Nesseln gesetzt hat man sich hingegen mit der Neubesetzung der Revierleiterin, die ähnlich unsympathisch daher kommt wie einst Gruber als Reporterin, unglaublich taff und pseudosexy in Lederhosenoutfit daher kommen soll, aufgrund ihres starren Festhaltens unpersönlicher Chefpflichten aber nie das Herz oder den sympathischen Spott des Zuschauers erobern kann, schade.

So sehr das auch stören mag, die Drehbücher arbeiten inhaltlich gekonnt gegen diese Defizite, setzen Fehlbesetzungen in passende, aber auch wirksame Szenarien ein, so auch weiterhin Gruber als Bäckerin, und bescheren der Serie ohnehin interessantere Kriminalfälle als bisher, denn auf die kommt es nun an, wo der Dialogwitz zurückgeschraubt wurde und etwas zu viel auf Running Gags gesetzt wird, um zu überschatten, dass der Humorgehalt weit weniger psychologisch raffiniert daher kommt und sich stattdessen eher dem Massengeschmack anpasst. Dank der guten Hauptbesetzung bleibt die Serie dennoch lustig genug, aber ohne interessante Kriminalfälle, eine Zutat welche die ursprüngliche Serie nicht wirklich benötigte, wäre das Ganze dann doch zu dünn ausgefallen, so dass ein Besinnen auf interessantere und rätselhaftere Morde der Spätphase der Serie gut tut. Dass eine Figur wie Staller, mit ihren Fantastereien eine riesengroße Humorlücke hinterlässt, die keine der alten Figuren füllen kann, ist nicht zu übersehen, weshalb ein direkter Vergleich mit den bisherigen Folgen ungerecht ist. Letztendlich kann man die Entscheidung aber auch wertschätzen, nun keinen zweiten Fantasten aus dem Ärmel zu ziehen, was der Serie sicher noch weniger gut getan hätte.

Stattdessen orientiert man sich als Autor am Ur-Charakter von Girwidz neu, hat sichtliche Freude mit den Seitenhieben, dass er einst ein Chef war und mit seinem schwerfälligen Umgewöhnen dieser Situation, ebenso wie der sarkastische Humor Huberts nun variiert zu zünden weiß, da dieser weder Mitgefühl besitzt, noch zu Chefzeiten respektvoll Girwidz gegenüber war. Gleichzeitig entsteht dennoch herrlich subtil eingefangen eine Sympathie zwischen den beiden neuen Partnern, nun wo sie am gleichen Strang ziehen müssen. Auch die bereits in den vergangenen Staffeln zu bemerkende Mehrbeachtung des Riedelcharakters wurde beibehalten, in wirklich unterhaltsame Situationen gesteckt und nun zusätzlich ein eigener Anreiz entwickelt, dass Girwidz in Riedels Kopf immer noch sein Vorgesetzter ist. In der Abschiedsfolge der Polizei-Vorzimmerdame von Staffel 7 darf Paul Sedlmeier auf mehreren Ebenen beweisen, was mittlerweile in ihm steckt, lediglich der Gag einer Doppelrolle in einem Kriminalfall innerhalb eines TV-Seriendrehs wird ordentlich vergeigt, was jedoch nicht die Schuld des Darstellers ist, sondern des schwachen Drehbuchs, welches aus der wundervollen Ausgangssituation nichts herauszuholen weiß.

So gekonnt die Bücher auch Schwachpunkte auszubügeln wissen, zwischenzeitlich gibt es immer wieder mal schwächere Folgen (immer dann wenn die Kriminalfälle so schlicht ausfallen wie früher unter besseren Rahmenbedingungen üblich). Und mit dem Kriminalfall innerhalb von Klostermauern gibt es leider auch erstmals eine richtig schlechte Folge zu sichten, wo bislang doch noch jeder Teil der Reihe, selbst in schwächster Form, angenehme TV-Unterhaltung darstellte. Dies betrifft aber auch "Hubert ohne Staller", von besagter Folge, die einen unglaublichen Tiefpunkt inmitten einer noch gut funktionierenden Serie darstellt, einmal abgesehen, bereitet die einst als "Hubert und Staller" begonnene Serie bei etwas zurückgesetzten Erwartungen noch immer genügend Freude, um interessiert und gut unterhalten am Ball zu bleiben. Mit Episoden wie der Feuerwehrfolge, der Teamstärkungsfolge in den Bergen und ganz besonders mit der letzten Episode der hier besprochenen Staffel, weiß auch diese schwächste Phase der Serie Höhepunkte aufzuweisen, die an das alte Niveau anzuknüpfen wissen. Der Rest ist Unterhaltung im schlichterem Gewandt, mit dem man sich als Freund der Reihe eigentlich gut arrangieren kann, zumal ich den Eindruck hatte, dass die Verantwortlichen gegen Ende ein immer besseres Fingerspitzengefühl besaßen mit der neuen Rezeptur umzugehen. Es ist schön zu sehen, dass Girwidz auch direkt neben Hubert agierend zu funktionieren weiß und damit nicht nur mauer Lückenfüller für Staller geworden ist. Bei dem stets brillant agierenden Michael Brandner hätte mich das Gegenteil aber auch sehr gewundert.  OFDb

PS: Die angebliche Tochter Huberts wurde anbei nicht mehr weiter eingebaut, was ich aufgrund meiner im Review zum Weihnachtsspecial getätigten Aussagen für eine Fehlentscheidung halte, so gut wie sie der Hubert-Figur tat.

27.12.2018

HUBERT UND STALLER 3 - EINE SCHÖNE BESCHERUNG (2018)

Nach sieben Jahren "Hubert und Staller" sagt Staller-Darsteller Helmfried von Lüttichau Adieu und gibt seinen Abschied im dritten Spielfilm der Reihe. Das geht alles flotter als vermutet, seine Anwesenheit in "Eine schöne Bescherung" ist überraschend gering ausgefallen, allerdings beweist das Weihnachtsspecial mit dieser Herangehensweise bereits vor dem Fortführen der Serie unter dem neuen Titel "Hubert ohne Staller", dass die Serie auch unglaublich gut ohne die grandiose Figur des Staller funktionieren kann. Nach der etwas schwächelnden siebten Staffel gleicht das einem Weihnachtswunder, zumal viel vom Personal im Laufe der Zeit ausgetauscht wurde, und dies in allen Fällen nicht gerade von Vorteil. Zumindest Lena Winter, als weibliche Verstärkung im Polizei-Team, erhält, ebenso wie gegen Ende der letzten Staffel, mehr Profil und wird zu einer angenehmen Begleitung der Restbesetzung. Dennoch verblasst ihre Darstellerin Klara Deutschmann unfairer Weise neben dem grandiosen Spiel von Tramitz und Brandner, aber dieses Schicksal teilt mit ihr der von Anfang an dabei gewesene und immer besser agierende Paul Sedlmeier. Die Figur des Yazid fällt diesmal aus, was schade zu nennen ist, nach seinen tollen Auftritten im Spielfilm "Hubert und Staller 2 - Unter Wölfen".

"Hubert und Staller 3 - Eine schöne Bescherung" beweist neben dem guten Funktionieren ohne Staller zudem, dass die wundervolle Nebenfigur des Girwidz sich auch hervorragend als Hauptfigur eignet. Als ich erfuhr, dass er es ist, der demnächst mit Hubert zur Fallaufklärung im Auto unterwegs ist, war ich zunächst kritisch, aber es scheint zu funktionieren, vorausgesetzt die Autoren arbeiten so beispielhaft wie in diesem Film und nicht so fehlerhaft wie in der etwas schwächeren siebten Staffel. Die Fehler, die dort mit der Hubert-Figur begangen wurden, sind hier im Weihnachtsspecial glücklicher Weise nicht mehr zu entdecken, stimmt doch die Psychologie der Figur wieder. Zudem scheint man zu begreifen dass nach dem Ausscheiden der Ex-Frau des mürrischen Ermittlers aus der Serie der Charakter Hubert dringend einen emotionalen Nebenpol benötigt, um nicht einzig ein maulender Miesepeter zu sein. Dementsprechend gut tut der Figur und dem Film das eher plump klingende Einbringen einer Tochter Huberts, von der man nach dem offenen Schluss im Film nur hoffen kann, dass sie als wichtige Person für "Hubert ohne Staller" bestehen bleibt.

Durch sie für einige Momente aus der Gefühlslethargie gerissen, ist es schön mit anzusehen, dass es Hubert ist, der dem arbeitstreuen Staller nahe legt dem Herzen zu folgen und sein Leben in Rom weiter zu führen. Ein wortloser Abschied beider, in einem wunderschönem symbolischen Trennen beider Lebenswege, rundet den Abschied Stallers ab, so dass man definitiv von "Eine schöne Bescherung" behaupten darf, dass er in seinem etwas größer als sonst ausgefallenem Bereich der Seifenoper treffsicher emotional zu funktionieren weiß. Das liegt aber freilich auch am stets trotzdem rational bleibendem Drehbuch, schließlich wird es nie kitschig oder geistlos. Analytisch stimmt weiterhin alles, und da auch der trockene Humor stets geglückt und in häufiger Präsenz mit von der Partie ist, kann der gefühlvolle Part überhaupt nicht zu einer unangenehmen Entgleisung der Erzählung werden. Zudem funktioniert der Kriminalpart selbst, der nicht nur äußerst mysteriös ausgefallen ist, sondern auch zum Mörderraten einlädt, so dass man den dritten Spielfilm wahrlich als gelungen bezeichnen kann. Jetzt sind meine hohen Erwartungen von einst zurück, so dass ich nun ernsthaft hoffen kann, dass "Hubert ohne Staller" so gut funktionieren wird wie der hier besprochene Vorgänger. Trotzdem wäre es der Idealfall für die Serie, wenn Staller nach nicht all zu langer Pause wieder zurück käme. Diese Figur machte stets viel am Gelingen der Reihe aus.  OFDb

26.05.2018

HUBERT UND STALLER - STAFFEL 7 (2017)

Mag es auch einige zu bereinigende Fehler in den ersten zwei Staffeln gegeben haben, "Hubert und Staller" war von Beginn an eine überdurchschnittliche TV-Serie, gerade mit Blick auf ihre Entstehungszeit, und konnte sich bis Staffel 5 von ihrer Klasse her stetig steigen. Staffel 6 wiederholte das hohe Niveau ihrer Vorgängerstaffel, obwohl man auf eine Figur der Anfänge der Serie zurückgriff, die der Krimi-Reihe einst nicht gut tat. Dank einer Neupositionierung dieser Person und dem richtigen Einsetzen dieser, wurde sie zwar nicht zum Gewinn des Gesamtkonzeptes, aber zu einer tolerierenden Nebensächlichkeit, die gelegentlich den zu erzählenden Geschichten gar Mehrwert bescheren konnte. Glücklicher Weise kann man dies auch über ihr Wirken in Staffel 7 berichten, Barbara Hansen wirkt erneut nie wieder so grausig wie zu ihren Zeiten als Journalistin.

Leider haben sich stattdessen einige andere Ärgernisse in die Serie eingeschlichen, die nicht nur erstmals zu einem Rückschritt im Unterhaltungswert führen, sondern in ihrer Gesamtheit "Hubert und Staller" zu einer etwas zu routinierten Krimiserie degradieren - eine die zwar noch immer auf sympathische Art und Weise zu gefallen weiß, aber die Raffinesse der vergangenen Jahre und das gewisse Fingerspitzengefühl für den besonderen Moment verloren hat. Erneute Wechsel in der Besetzung sind einer der Gründe für diesen Qualitätsverlust. Sonja Wirth und Anja Licht werden ersetzt, dies zwar mit angenehmen Mimen und durch Figuren mit sympathischen Touch, aber ohne die Besetzung tatsächlich durch Besonderheiten zu bereichern. Ärgerlich kommt hinzu, dass durch das Fehlen von Frau Dr. Licht der Figur des Hubert der Gegenpol zu seiner Ignoranz genommen wird, jene Seite, die ihm unterschwellig Menschlichkeit und Tiefe bescherte, und die dafür sorgte, dass seine unsensible Art in ihren unbegrenzten Momenten um so mehr wirken konnte.

Aber ohnehin scheint man die Figur des Hubert nicht mehr zu begreifen. Nicht nur dass seine Ignoranz nun keinen Gegenpol mehr beschert bekommt (mit Ausnahme eines kurzen Momentes, in welchem sich der Polizist Sorgen um seinen Partner macht), in kleinen, versteckten Nebensächlichkeiten wird aus dem ehemals belesenen und weit weniger oberflächlichen Menschen als es nach außen schien nun auch innerlich ein Ignorant. Hubert ist bei weitem nicht mehr so belesen und prinzipienkorrekt eingestellt wie stets subtil in Unauffälligkeiten angedeutet wurde. Nun redet er selber häufig dummes Zeug, lügt auch mal um zu imponieren, oder setzt auf Unsinnigkeiten, die ihm früher nichts bedeutet hätten. Dies alles ebenfalls nur in Nebensächlichkeiten auftauchend, so dass es nur den Stammzuschauer, der es sehr genau nimmt, verärgern kann, aber doch gravierend genug, dass der gut beobachtende Zuschauer sich über eine solche Charakterveränderung ärgern kann, zumal Hubert damit zum Meckerzausel mit weit weniger ausgleichenden Sympathien wird.

Aber nicht nur auf dieser Ebene funktionieren die Drehbücher nicht mehr so gut wie früher. Manche Sprüche wirken aufgedrückter und weniger realistisch in den stets menschlich gehaltenen Polizeialltag integriert, Staller bekommt weit weniger Macken zugeschrieben als es üblich war und insgesamt dümpeln die meisten Episoden eher seicht vor sich hin, anstatt wahres Interesse zu entfachen. "Hubert und Staller" war noch nie die Art Krimi-Serie, die mit außergewöhnlichen Kriminalfällen zu faszinieren wusste, es war gerade die Stärke der Reihe die Ermittlungen fast wie Nebensächlichkeiten anfühlen zu lassen, eben weil die Charaktere und ihre Mimen so hervorragend zu funktionieren wussten. Da es an dieser Seite nun bröckelt, wird die Banalität der zu durchschnittlich angegangenen Kriminalhandlungen aber nun zu einer Schwäche der Reihe, eine die noch nicht all zu schwer schadet, aber doch mehr denn je ins Auge fällt. Als stärkste Ideen der 7. Staffel darf Girwidz' Wandel ins Coole gelten, wenn er in der letzten Episode einem Schriftsteller imponieren möchte, und auch der Abschied von Frau Dr. Licht ist großes Kino und beschert Hubert ein letztes Mal wahre Tiefe.

Es erfreut, dass auch inmitten der angegangenen Defizite "Hubert und Staller" routinierter umgesetzt noch immer so gut zu unterhalten weiß, aber dass es in so kurzer Zeit einen solch rapiden Qualitätsverlust gab, darf den Stammzuschauer schon zu recht enttäuschen. Und scheinbar wird es nicht besser, kündigte Helmfried von Lüttichau kürzlich doch seinen Abschied von der Reihe an, die künftig als "Hubert ohne Staller" fortgesetzt wird, mit Girwidz an der Seite Huberts bei den Ermittlungen. Bis es so weit ist beschert uns die ARD aber zunächst noch ein Weihnachtsspecial auf Spielfilmlänge mit Staller, und dessen Ausstieg soll wohl nicht ohne die Möglichkeit zur Rückkehr angelegt sein. Mit Blick auf diese Informationen macht es nicht Mut zu hoffen, dass die hier besprochene Staffel ein Ausrutscher bleibt. Ganz im Gegenteil scheint dies der Anfang vom Ende zu sein. Ich stelle mich zumindest innerlich erst einmal auf einen weiteren Qualitätsverlust in der 8. Staffel ein, lasse mich aber gerne positiv überraschen.  OFDb

24.01.2018

WAS IST BLOSS MIT MEINEN MÄNNERN LOS? (2002)

Dass „Was ist bloß mit meinen Männern los?“ nicht mit den größeren Projekten a la „Freaky Friday“ und „big“ mithalten kann, sollte man sich vor dem Sichten des Filmes von Reto Salimbeni klarmachen, immerhin ist besagte Komödie lediglich ein TV-Film des Privatfernsehsenders Pro 7, also der preisgünstige Dreh für die schnelle Unterhaltung, und als Grundlage diente ein Buch von Hera Lind, einer Schriftstellerin für den simplen Massengeschmack. Und da Pro 7 auch nicht gerade professionelle Drehbuchautoren engagierte, erlebt man mit „Der Tag an dem ich Papa war“ (Alternativtitel) die simple Version des klassischen Körpertauschstoffes, frei von Innovationen und inhaltlich so angelegt, wie es die Geschichte schon oftmals im Kino und im Fernsehen zu erleben gab. Psychologische Tiefe darf hier so wenig erwartet werden wie Intelligenz anderer Art. Das Ergebnis ist maximal simpelste Kopf aus-Unterhaltung der besonders leichten Art, und ob das einem schmeckt oder nicht hängt letztendlich davon ab, ob man dem fertigen Produkt Sympathie abgewinnen kann oder nicht.

Der Auslöser des Körperzaubers macht es einem damit nicht gerade einfach, ist er doch nicht nur, gerade verglichen mit den vielen ähnlichen Produkten gleicher Thematik, höchst einfallslos ausgefallen, sondern mit der computeranimierten Figur des Boschi zudem auch höchst nervig. Auf schrille, pseudo-lustige Art biedert er sich dem Kinderpublikum dieses Familienfilmes an und darf an seinem Tiefpunkt angelangt ganz am Schluss des Filmes auch noch Werbung für seine Pro 7-finanzierte Internetseite machen. Glücklicher Weise ist er kaum präsent, so dass seine Nerverei nicht viel am Gesamtwerk kaputt machen kann. Leider arbeitet aber das Drehbuch in gleicher anbiedernder Art an der Wirkung der eigentlich charmant besetzten wichtigsten zwei Kinderrollen, die nie ihre natürliche Art ausleben dürfen, da sie billigste Teen-Klischees in Wort und Bild erfüllen müssen. Das ärgert zurecht, allerdings hätte auch eine andere Vorgehensweise nicht verhindert, dass Max Felder, der Junge der den Sohn mimt, seine Texte nicht glaubwürdig zu betonen weiß - ein Defizit welches er als professioneller Synchronsprecher mittlerweile behoben hat.

Man weiß bei einer Produktion wie dieser nie, wieviel Anteil am mageren Spiel auch der knappen Zeit geschult ist, wirken doch auch die beiden hochsympathischen Mimen Thomas Heinze und Christian Tramitz nicht auf dem Standard ihres Schaffens, ist man von ihnen doch üblicher Weise mehr gewohnt. Mit seinem typischen Charme weiß Heinze freilich trotzdem zu gefallen, zumal man ihm in einigen Szenen jenenen Spaß ansieht das Kind in sich rauslassen zu dürfen, was man sich den kompletten Film über gewünscht hätte. Tramitz Part ist hingegen vergleichsweise ernst ausgefallen, wenn man einmal die typischen anderen Rollen des Komikers bedenkt, aber der gute Mann weiß gekonnt auf recht subtile Art den Typ Mensch zu veräppeln, den er hier verkörpern soll, das weiß gerade inmitten einer ansonsten unreflektierten Erzählung besonders gut zu gefallen.

Ansonsten bietet „Was ist bloß mit meinen Männern los?“ die glattpolierte Durchschnittsversion des altbekannten Körpertauschthemas, an dem immer wieder der besagte anbiedernde Charakter stört um wirklich funktionieren zu können. Immer wieder darf man auf simpler Ebene gelungenen Szenen beiwohnen, die alle keine große Filmkunst sind, aber durchaus Sympathie und einen lockerflockigen Unterhaltungswert zu versprühen wissen. Und dann kommt leider immer wieder so eine verkrampft aufs Zielpublikum anvisierte Szene daher, die das an sich flotte Tempo und den Charme der ganzen Chose wieder auszubremsen weiß. Ich hatte „What‘s Up With the Men in My Life?“ (Alternativtitel) eine Spur besser in Erinnerung. Je blauäugiger man zusehen kann, desto besser weiß er zu funktionieren. Und ein jüngeres Publikum wird sicherlich besser unterhalten als ein älteres.  OFDb

27.12.2017

HUBERT UND STALLER - STAFFEL 6 (2017)

Zwar gibt es diesmal nicht mehr, wie bislang, eine Qualitätssteigerung von Staffel zu Staffel zu vermelden, aber das sechste Jahr „Hubert und Staller“ kann locker mit dem fünften mithalten, zumal sich stilistisch ohnehin so gut wie nichts verändert hat. Wie gehabt stehen lustige Situationen über dem zu ermittelnden Mordfall, was nur dann stört, wenn gerne Mal gegen Ende ein Fall zu schnell beendet ist, ohne dass man die Reaktionen von Hinterbliebenen und anderen Gastfiguren miterleben darf. Das geht aufgrund des hohen Unterhaltungswertes und des hoch anvisierten Niveaus der Reihe aber vollkommen in Ordnung, wann darf man schließlich im deutschen TV eine derartige Qualität in unseren heutigen Zeiten entdecken, wie sie hier serviert wird?

Von daher will ich auch gar nicht groß klagen, auch nicht darüber, dass Monika Gruber als Barbara Hansen zurückkehrt, jene Figur, mit der man bei ihrer damaligen ungenannten Verabschiedung den wichtigsten Störbalast der Reihe über Bord geworfen hatte. Nun ist ihre Rolle kleiner gehalten, und in einer Bäckerei tätig, anstatt als Reporterin (wenn der Wandel auch nicht glaubwürdig eingefangen wird) nervt sie weit weniger als in ihrer selbstüberschätzten Art als Schnüfflerin für die Presse. Teilweise darf sie gar positiven Einfluss auf die Handlung nehmen. Sympathisch sieht anders aus, aber zumindest findet die Figur sich endlich im Hubert und Staller-Universum ein. Damals wirkten ihre Auftritte wie ein Stilbruch in einem ansonsten gut geölten Laufwerk.

Positiv ist hervorzuheben, dass die Autoren es erneut geschafft haben sich beim Einbringen der festen Randfiguren zu verbessern. Noch nie fügten sich die Kollegen und Wegbegleiter der beiden Ermittler derart gut in die zu erzählte Geschichte ein wie es mittlerweile der Fall ist. Sonja darf mehr denn je mitermitteln, Yazid nervt immer weniger mit illegalen Taten, so dass der interessante Restcharakter der Figur wieder mehr in den Vordergrund treten kann, und Riedel wird endlich zur brauchbaren Randfigur, zumal die Schauspielleistung seines Darstellers gestiegen ist, so dass er vom Talent her nicht mehr so auffällig neben den professionellen Mimen abfällt. Girwidz ist nach wie vor die lustigste und am besten verkörperte Figur neben den Titelhelden und wird nach wie vor in wundervolle Situationen katapultiert.

Viel mehr gibt es aus Wolfratshausen nicht zu berichten. Die Autoren toben sich weiterhin gekonnt aus, beachten nach wie vor die Psychologie ihrer Figuren und bleiben sich somit ihrem hohen Niveau treu. Immer wieder schaffen sie es Staller neue Spinnereien anzudichten (so darf er diesmal beispielsweise eine Folge im Rollstuhl verbringen), mit angedeuteten Annäherungen zwischen Hubert und Anja ist auch für das nötige Kribbeln im Soap-Bereich gesorgt (was glücklicher Weise fast im Stillstand-Modus abläuft), und als kreativer Höhepunkt der Staffel darf wohl die letzte Folge gelten, in welcher man sich den Spaß erlaubte Hubert nach einem Unfall fünf Jahre in der Zukunft aus dem Koma erwachen zu lassen, wo ihn ein furchterregender neuer Alltag erwartet. Egal wieviel von dieser Serie gedreht wird, es ist immer zu wenig und stillt nicht meinen nimmersatten Hunger nach mehr. Somit freue ich mich jetzt schon auf die siebte Staffel, wissendlich dass ich wieder einmal ein Jahr ungeduldig auf ihre DVD-Veröffentlichung warten muss.  OFDb

13.11.2016

HUBERT UND STALLER - UNTER WÖLFEN (2016)

Der zweite als TV-Special zur Serie „Hubert und Staller“ erschienene Spielfilm des lustigen bayrischen Ermittler-Duos schaut sich im Gegensatz zu „Hubert und Staller - Die ins Gras beißen“, dem ersten Fall auf Spielfilmlänge, nicht mehr wie eine Doppelfolge, sondern tatsächlich wie ein Spielfilm, was daran liegt dass der Fall gar nicht erst dem üblichen Musteraufbau eines Serienfalles folgt, sondern bereits in seiner Anfangssequenz ganz anders ansetzt. Somit ist „Hubert und Staller 2 - Unter Wölfen“ nicht nur ein oller Ermittlungs-Ausflug zweier Dorfpolizisten in die große Stadt, sondern hat zudem auch einiges mehr zu bieten.

Der Kriminalfall selbst ist nicht gerade kniffeliger Natur, stehen die Schurken doch eigentlich früh fest. Aber der Weg zum Ziel wird zum Hingucker, nicht nur aufgrund der herablassenden Augen städtischer Kollegen, die sich bei jedem Patzer bestätigt fühlen, sondern auch weil der so bescheiden klingende Kriminalfall doch über ungewöhnliche Zusatzsituationen gelöst wird. Eines der Highlights ist dann schließlich der Abstecher von Hubsi und Hansi in ein Strip-Lokal, wo Staller nach einer Dosis Kokain ordentlich abdreht, was sich lediglich als Alibihaltung sich endlich einmal wie Sau benehmen zu dürfen entpuppt, hat der gute Mann doch lediglich Traubenzucker geschnupft. Das sind die Stallermomente, die man als Fan der Reihe sehen möchte.

Kleine Randideen wie der Ausschluss Riedels vom Geheimaspekt des Falles und der neue Zuschuss zum Fuhrpark lockern die ganze Chose nebenbei ein wenig auf. Die wirklich große Überraschung am zweiten Spielfilm ist jedoch das Einbringen der sich seit Staffel 2 so schlecht entwickelten Rolle Yazids, die endlich wieder zu wirken weiß, vielleicht noch fragwürdiger charakterisiert wird als üblicher Weise, aber in Sachen Humor und Einfluss auf den Kriminalfall deutlich zu punkten weiß, so dass es eine überraschend erfreuliche Idee ist den bayrischstammigen Türken einmal etwas mehr hervorzuheben als üblich.

„Hubert und Staller - Unter Wölfen“ spart nicht gerade an Besonderheiten. So darf ein Nebenplot schließlich sogar dazu führen, dass Hubert ins Gefängnis muss. Überfrachtet guckt sich der Spielfilm dadurch keineswegs, vielmehr wusste man mit diesen Mitteln die Laufzeit von 90 Minuten besser zu nutzen als im ersten Spielfilm, zumal derartige Zusatzideen stets vom Drehbuch nachvollziehbar eingearbeitet werden.

Das Verständnis für Situationen und Charaktere bleibt somit auch im zweiten Spielfilm der Pluspunkt der „Hubert und Staller“-Reihe, sitzen hier doch Autoren am Werk die psychologische Zusammenhänge verstehen, tiefere Charaktere schaffen und das Ganze trotzdem lockerleicht aufbereiten, ohne dem Zuschauer auch nur im Ansatz mühsame Kopfarbeit zu bescheren. Die Tiefe der Reihe entdeckt ohnehin nur der aufgeweckte Zuschauer, und dies ist beim hier besprochenen Kriminalfall glücklicher Weise nicht anders. Eventuell hätte man die städtischen Kollegen etwas weniger schurkisch darstellen können, andererseits unterstützt deren offensichtliche Zwielichtigkeit den Comic-Charakter der Serie.  OFDb

12.11.2016

HUBERT UND STALLER - STAFFEL 4 + 5 (2015)

„Hubert und Staller“ gehört nicht nur zu den wenig sehenswerten, da geistreich ausgefallenen, deutschen Fernsehserien des laufenden Jahrtausends, sie wird auch von Staffel zu Staffel besser. Hatte man sich in den Vorgängerstaffeln so nach und nach von lästigen Randfiguren befreit, die dem lockeren Ablauf der Ermittlungen zu viele pflichtmäßge Zwischenstopps bescherte oder der Serie kurzfristig ihre Sympathie raubte, so darf man in Staffel 4 angekommen bemerken, dass nun der Drang der Vorgängerstaffel, sich reißerischeren Themen zuzuwenden, immer mehr abgebaut wird, so dass sich die beiden Ermittler meist wieder auf klassische Mordfälle konzentrieren können.

Die Nebenfiguren haben die Autoren nun völlig für sich entdeckt. Sonja wird mehr in die Kriminalfälle involviert und hat sich auch charakterlich nun interessant eingependelt, und der etwas mager spielende Paul Sedlmeir wird mehr gefordert, da seine Figur nun in interessantere Situationen gesetzt wird. Die Kabbeleien mit Anja Licht verlieren nicht ihren Reiz, womit die Rolle so charmant bleibt wie gehabt, mit Plappermaul Sabine wurde ich endlich warm, ich habe aber auch das Gefühl dass sie von der Kamera mittlerweile niedlicher eingefangen wird als zuvor. Einzig mit „Ich kann alles“ Yazid kann ich nach wie vor wenig anfangen, den hätte man zurück an den Dönerspieß setzen sollen, wo er als Mitgrübler für mich wertvoller eingesetzt war. Glücklicher Weise wurden seine Auftritte halbewegs reduziert, womit er nicht mehr ganz so Störfaktor wie bisher ist.

Interessant ist auch, dass sich der Einblick auf die Hauptcharaktere immer mehr detailiert. Gerade Huberts Hintergründe werden immer weiter offen gelegt, die aus dem menschenscheuen Asozialen einen gebildeten Verdrossenen mit Hang zum Sarkasmus macht, womit er ein Gegenstück zum stets optimistischen, ungebildeten Staller setzt, der mehr redet und im Gegensatz zu Huberts durch Wissen fundierte Aussagen lediglich Behauptungen in den Raum wirft und auch noch pampig wird, wenn diese widerlegt werden.

Stallers Hang zu besonders dämlichen Situationen wird immer mehr ausgekostet. Von solch herrlich albernen Ideen, wie mit halber Stimme krächzen, über solch bizarrer Ideen wie ständig Frauen zwicken zu wollen, um zu testen wie glatt die Haut ist, ist allerhand Einfallsreiches dabei, was Staller immer wieder zum Freak degradiert, was durchaus passt, so oberflächlich wie seine stets nur kurzfristig laufenden Interessen für alles sind, wohingegen Hubert ganz feste Interessengebiete hat und Stallers Anbiedern an aktuelle Themengebiete und auch Frauen für ziemlich primitiv hält.

Somit funktioniert die Identifizierung mit Hubert immer besser, den man als sozial verdossen, da von der Welt enttäuscht, bezeichnen könnte, was aber auch daran liegt, dass Hubert seit Jung an immer den Weg des geringsten Widerstandes geht. Trotz seiner negativen Eigenschaften versteht man jedoch immer mehr sein genervtes Reagieren auf den arg anstrengenden Partner Staller, dessen Bauchgefühl jedoch oft beim Lösen der Fälle hilft und dessen Freundlichkeit und Geduld gegenüber Hubert ihn trotzdem zu einer Art Freund macht, sollte es für Hubert so etwas überhaupt geben. Zumindest bekommen wir immer öfter seine herzlichen Facetten zu spüren, z.B. im Umgang mit Kindern.

Girwidz bleibt was er war, der egoistische Chef, dem es stets mehr um Politik als um gute Arbeit geht, ein Mann der es liebt Chef zu sein und dabei möglichst wenig zu tun hat, ein Mann der lieber privaten Vorteilen nachgeht anstatt Teamplayer zu sein. Wie gehabt leidet er an jeder Chefkrankheit die man in höherer Position haben kann, aber es ist zu erkennen dass er sich mehr und mehr mit seinem Team identifiziert, und so langsam wächst auch der Respekt vor Hubert und Staller, was bei deren erfolgreicher Aufdeckungsquote auch Not tut. Dementsprechend ergreifend ist tatsächlich ein Moment, in welchem nach einem sehr dramatisch Fall den beiden mit den Worten „gute Arbeit“ erstmals ohne Wenn und Aber zum Abschluss von Ermittlungen gratuliert wird, was freilich nur der Stammzuschauer emotional nachempfinden kann.

Die Fälle bleiben interessant wie gehabt, die Humorquote bleibt konstant treffsicher und glücklicher Weise vernachlässigt man es trotz näherem Beleuchten der Charaktere weiterhin in so etwas wie Seifenopermomente abzurutschen, die gibt es nach wie vor nicht, da Privates ohnehin nur gestreift wird, und selbst dies ist nur selten der Fall. Die Charaktervertiefungen geschehen weiterhin über unauffällige Momente, dank unaufdringlicher Drehbücher, die vom Zuschauer erwarten selbst zu beobachten. Etwas schade finde ich es, dass mit Staffel 5 der Running Gag um das gute Wetter in Wolfratshausen über Bord geworfen wurde. Diese Staffel spielt erstmals im Winter (abgesehen vom Film „Hubert und Staller - Die ins Gras beißen“, der den Winter noch als Insider Gag nutzte). Glücklicher Weise geht ansonsten vom Comic-Charakter der Serie nichts verloren, ganz im Gegenteil sogar, wie die immer extremeren Besonderheiten um Staller zeigen.  OFDb

HUBERT UND STALLER - DIE INS GRAS BEISSEN (2013)

„Hubert und Staller - Die ins Gras beißen“ ist ein TV-Special zur Fernsehserie „Hubert und Staller“, angesiedelt zwischen der dritten und der vierten Staffel, gilt laut DVD offiziell jedoch als Doppelfolge, ist aber als Spielfilm umgesetzt. Zwar schaut sich dieser erste Spielfilm des bayrischen Ermittlerduos tatsächlich wie eine Doppelfolge, sprich das wahre Gefühl eines Spielfilms weiß dieses Special nicht einzufangen, aber zumindest ist es dem Stammregisseur der Reihe Wilhelm Engelhardt gelungen das Ergebnis nicht wie eine zu lang gestreckte Folge wirken zu lassen. Zugegeben, gegen Ende lässt die Humorquote aufgrund der Täteraufdeckung immer mehr nach, aber „Die ins Gras beißen“ guckt sich in seinen kompletten 90 Minuten trotzdem flott und entspannt, also genau so wie man es von der überraschend positiven Serie gewohnt ist.

Stammzuschauer dürfen schmunzeln, dass das TV-Special im Winter spielt, spielte die Serie bislang geradezu comicartig immer bei gutem Wetter. Dem Film schadet dies nicht, „Hubert und Staller - Die ins Gras beißen“ will nichts eigenständiges sein und fängt das Herz der Serie gekonnt ein. Die Ausnahme ist als Insider-Gag gedacht, und der Fan weiß dies zu würdigen. Wer Außenstehendes wird dies nicht bemerken, womit sich für Neulinge der Reihe keine Lücke auftut. Wirklich kennen muss man die Serie nicht um Spaß mit dem Spielfilm zu haben. Schnell ist man in die Rahmensituation eingeweiht, während Running Gags unauffällig am Rande plätschern.

Glücklicher Weise ruht sich das erste TV-Special nicht darauf aus aus einem Kriminalfall zwei zu machen. Die Verwicklungen der einzelnen Fälle in Kombination mit der Girwidz-Situation sind vom Drehbuch gekonnt interessant aufbereitet. Erst gegen Ende erweist sich alles Geschehene selbst für einen kleinen Ort wie Wolfratshausen als in zu engem Rahmen zusammengehörend, ein paar weniger Zufälle hätten der Geschichte gut getan. Allerdings erkrankt der Film damit an einer unangenehmen Entwicklung, die sich bei „Hubert und Staller“ bereits in der dritten Staffel abgezeichnet hat, ein Ärgernis über das man dort aufgrund eines schwerwiegerenden anderen Drehbuchproblems hinwegsehen konnte, wohingegen besagte Schwäche im Film um so gravierender wirkt.

Da ist es gut dass „Hubert und Staller - Die ins Gras beißen“ ebenso wie die dazugehörende Serie lediglich leichte Unterhaltung für nach den Feierabend sein soll, so dass man aus solchen Fehlern keine Affäre machen muss, zumal die Humorquote stimmt, der Kriminalfall recht interessante Wege geht und Story wie Charaktere nach wie vor wesentlich mehr Tiefe besitzen als man auf dem ersten Blick vermuten würde. Und allein die wunderbare Besetzung von Girwidz Vorgesetztem reißt einiges wieder heraus. Oliver Nägele spielt wundervoll hassenswert, und die Autoren schaffen es herrlich verschmitzt um das wahre Anliegen des baldigen Rentners ein Neugierde weckendes Geheimnis zu machen.  OFDb

22.10.2016

HUBERT UND STALLER - STAFFEL 1 - 3 (2011)

Ermittelten „Derrick“ und „Der Alte“ noch auf hochdeutsch, da erlebt man in der humoristischen Krimi-Serie „Hubert und Staller“ die Ermittler und ihr Umfeld auf bayrisch, was den ein oder anderen davon abhalten könnte einzuschalten. Dann verpasst man jedoch eine der charmantesten deutschen Fernsehserien der letzten Jahre, die nicht nur mit einer ungewöhnlichen und intelligenten Charakterzeichnung daher kommt, sondern auch den Mix aus interessantem Kriminalfall, sowie lautem und subtilen Humor gekonnt beherrscht und trotz, bzw. mittels comichafter Übertreibung stets aus menschlicher Perspektive erzählt ist.

Das bedeutet, dass die Ermittler keine überkorrekten und lebensfremden Beamten sind, sondern Menschen wie Du und ich, die ebenso über die Tücken des Alltags stolpern wie jeder andere auch. Der Mix aus Ahnungslosigkeit, Naivität und Professionalität verhindert in der Charakterisierung der Hauptfiguren jede Form von Stereotyp, zumal die Figuren analytisch tief greifen und auch von ihren Widersprüchlichkeiten profitieren. Dass ein Phantast auch ein festgefahrener Spießer sein kann, beweist die Figur des clowneresken Staller, wohingegen der menschenscheue Hubert ein verschlossener Typ ist, außer wenn es darum geht andere zu kritisieren, zu beleidigen oder zynische Sätze loszulassen. Unsensibel sind sie beide, und zwischen ihnen herrscht so eine Art Hassliebe, eher von der Pflicht aneinander gebunden als vom menschlichen Faktor her, aber doch meist zusammenhaltend und als Team agierend.

Lebte die erste Staffel charakterlich fast ausschließlich von ihnen und dem von Michael Brandner so gekonnt verkörperten Chef Girwidz, der wahrlich unter allen Chefrankheiten leidet, welche Arbeitnehmer so gar nicht mögen, so entfalten sich die Nebenfiguren in den kommenden zwei Staffeln schließlich auch noch, bis man schließlich ein komplett charmantes Team beisammen hat, welches selbst in schächer ausgefallenen Folgen, die aber nur sehr rar gesät sind, dafür sorgen, dass die 45 Minuten trotzdem noch genügend Spaß bereiten um das Einschalten nicht zu bereuen.

Einige unnötige Regelmäßigkeiten in Staffel 1 verhinderten, dass dieser Idealzustand zuvor auftreten konnte. So gab es serielle Pflichten, die es pro Folge abzuarbeiten gab, die den flüssigen Verlauf der Erzählung unangenehm unterbrachen. Allen voran wäre der merkwürdige Angelpartner Huberts zu nennen, der stets pseudo-intelluktelle philosophische Denkansätze zu den Kriminalfällen äußerte und nach Staffel 1 glücklicher Weise nie mehr gesehen war. Das zweitgrößte Hindernis guter Unterhaltung, die äußerst unsympathische Reporterin Hansen, wird man erst in Staffel 3 komplett los, allerdings kommt sie bereits in Staffel 2 nicht mehr so dominant vor wie in der etwas ruckelig ausgefallenen, aber trotzdem schon stark sympatrhischen Staffel 1.

Selbst der Polizeichef wird in dieser ersten Season noch relativ monoton eingebracht, was den von mir so gern gesichteten Michael Brandner sichtlich unterfordert. Und auch die Kabbeleien zwischen Hubert und seiner Ex-Frau, der Pathologin Licht, fallen zunächst arg flach und vordergründig aus, bevor sie später verspielt, subtil und doch nur halbehrlich umgesetzt werden, was gerade durch letztgenannten Punkt zu einer interessant emotionalen Spannung zwischen beiden führt. Einzig der Türke Yazid hat es in Staffel 1 mit seiner Dönerbude in der Einöde besser erwischt als später als selbstständiger, halblegaler und semi-professioneller Unternehmer, so dass er später eher nervt anstatt, wie zuvor, die Ermittlungen mit trockenen Kommentaren zu bereichern.

Die Fälle selbst schwanken zwischen sehr interessant und mittelmäßig, ein uninteressanter war bislang nicht dabei, und selbst die mittelmäßigen werden aufgrund der Ermittlungshemmnisse, bzw. dem Beheben dieser durch neue Erkenntnisse, meist aufgefrischt und damit interessanter gestaltet als sie eigentlich sind. In Staffel 3 neigt man leider etwas zu sehr dazu reißerische Themen aufzugreifen, was sich aufgrund des relativ kleinen Radius, in welchem sich die Polizisten bewegen, arg unglaubwürdig guckt. Zwar hat man nicht das Problem eines „Mord mit Aussicht“, dass die Quote der Verbrechen nicht zur Umgebung passt, das verhindert allein schon der comichafte Grundton, aber dass ab Staffel 3 immer wieder Hintergründe wie Geldfälscherei, mafiosische Machenschaften oder illegaler Wildhandel, um nur ein paar zu nennen, aufgedeckt werden, überspannt den Bogen dann doch.

So schaut sich die Serie immer dann am wirksamsten, wenn es einen ganz normalen Mord aufzuklären gibt, und da dies in der Regel der Fall ist und die ohnehin interessant geschriebenen Charaktere sich zudem im Laufe der Zeit weiterentwickeln dürfen, steht dem Sehspaß über dem gelegentlichen Gucken hinaus nichts im Weg. Allein die gute Besetzung ist einen Blick wert, in welcher lediglich Paul Sedlmeier etwas zu monoton wirkt, im immergleichen Spiel, was aber sicherlich mehr am Drehbuch liegen dürfte, welches ihm zu wenige Chancen einräumt sich beweisen zu dürfen, als an Sedlmeier selbst.

Wer kein Problem mit dem bayrischen Dialekt hat, sollte also ruhig einmal in diese humoristische Krimiserie hineinschauen, bietet sie doch sowohl den kurzweiligen Entspannungsfaktor, den man nach der Arbeit geplagt von einer Vorabendserie erwartet, im Gegensatz zu vielen Konkurrenzproduktionen aber trotzdem nicht auf den kleinen intellektuellen Gehalt verzichtet, der dafür sorgt dass man geistig nicht völlig unterfordert wird.  OFDb

16.07.2016

NEUES VOM WIXXER (2007)

Nachdem „Der Wixxer“ bereits allerhand Verweise, Storyfragmente, Klischees, Schauspieler, Stereotype, Stilmittel und Handlungsorte der Wallace-Geschichten, welche die hauptsächlich in den 60er Jahren entstandene Rialto-Reihe erzählte, durch den Kakao gezogen hatte, war das Wichtigste zu Parodiezwecken eigentlich schon verarbeitet. Nicht dass bei über 30 Filmen nicht trotzdem noch einiges an Material vorhanden wäre, aber „Neues vom Wixxer“ guckt sich eher im Grundton wie eine Wallace-Parodie, teilt sich inhaltlich jedoch den Bereich des humoristisch Nachgeahmten mit der kunterbunten Welt der TV-Hits und Kinoerfolge, die zur Erscheinungszeit der hier besprochenen Komödie gerade von sich reden ließen.

Obwohl nun also vergleichsweise weniger Wallace durch die Fortsetzung weht, hat man nach vergeblicher Mühe bei Teil 1 für Teil 2 nun endlich Wallace-Legende Joachim Fuchsberger für eine große Nebenrolle gewinnen können, der sichtlich in die Jahre gekommen ist, aber eine wunderbare Plattform versteckter Anspielungen auf die Originale bietet, inklusive eine „Der Zinker“-Verwechslung mit Heinz Drache. Auch mit an Bord ist Chris Howland, den man seinerzeit aber nur in Konkurrenzprodukten der berühmten Wallace-Reihe erleben durfte. Da diese aber nicht nur finanziell vom großen Kuchen mitnaschen wollten, sondern auch stilistische und inhaltliche Ähnlichkeiten zu Rialtos Geldkuh aufwiesen, geht das schon in Ordnung.

Zumal wie erwähnt diesmal nicht nur die Wallace-Filme ihr Fett weg kriegen. Da wird über Klassiker wie „Winnetou“ ebenso gekalauert wie über zur Entstehungszeit moderne Kino-Hits wie „Drei Engel für Charlie“ oder Quoten-Hits wie „7 Tage 7 Köpfe“ und „24“. Mit den Handlungsorten Kloster und Irrenanstalt konnte man zudem mit anderen Elementen vergangener Wallacefilme spielen als bisher, was mit ein Grund dafür ist warum „Neues vom Wixxer“ nicht nur wie ein wiedergekäuertes unnötiges Anhängsel des ersten Teils wirkt, sondern stattdessen wie eine kraftvolle Weiterführung. Mit dazu bei tragen die Stars, die im Vorgänger nicht mit an Bord waren, als da wären der unglaublich komische Christian Tramitz, die wie immer toll schauspielernde Christiane Paul und Judy Winter in einer mimisch großartig gemeisterten Rolle als Nonne.

In Nebenrollen und Gastauftritten tummeln sich zudem Hella von Sinnen, Martin Semmelrogge, Frank Zander, Roberto Blanko, Michael Kessler, Achim Mentzel und manch andere Prominente mit herum, während zudem auch die wichtigsten Gesichter des Originals für das Projekt zu gewinnen waren, einschließlich Christoph Maria Herbst, dessen Rolle als Hatler aufgefrischt wird durch seine Position als Leiter einer Nervenheilanstalt. Pastewkas Mimiken mögen nicht ganz so gekonnt humoristisch ausgefallen sein wie im Vorgänger, sind aber noch immer eine Wucht, und Oliver Kalkofe schlägt sich wacker inmitten der professionellen Schauspieler, so dass ich hier wie in Teil 1 nicht verstehe was die Leute an seiner Leistung stets zu meckern haben.

Sein grenzwertiger Humor, der nicht so recht in „Der Wixxer“ hineinpassen wollte, wird in der Fortsetzung auf ein Minimum reduziert, was dem Film sichtlich gut tut, und da jeder der erstmals auftauchenden Mimen zudem seinen eigenen Humor mit einbringt, guckt sich auch dieser zweite Teil frisch und angenehm und bietet gekonnter Weise so viel zu Lachen wie sein Vorgänger. Sicherlich fällt eine schnell nachgereichte Fortsetzung nie so liebevoll detailreich aus wie ein erstes Projekt, für das man in der Regel mehr Zeit besitzt und in das man Ideen einbauen kann, die einem schon lange im Kopf herumspuken. Der Feinschliff des ersten Teils fehlt und einen pompösen Moment wie die wundervolle Gesangseinlage des Originals gibt es nicht zu sichten.

Stattdessen überrascht das Drehbuch jedoch mit einem interessanten Aufhänger, einem einfallsreichen Szenario, welches trotz wirrer, irrer Ideen, die manches Mal auch die physikalischen Gesetze aus den Angeln heben, doch immer zusammenhängend und durchdacht ist, sowie einer Mörderaufdeckung, die so pointensicher wie schwachsinnig genial ist, dass sie auf ganz eigene Art Wallace-Klischees aufs Korn nehmen kann. „Neues vom Wixxer“ ist somit der würdige Nachfolger eines geglückten Nummer 1 und auch mit weniger Edgar Wallace im Gepäck noch immer eine klare Empfehlung für Freunde deutschen Humors.  OFDb

18.04.2015

7 ZWERGE - DER WALD IST NICHT GENUG (2006)

Nachdem „7 Zwerge - Männer allein im Wald“ zur großen Überraschung mittelmäßig, aber doch recht angenehm guckbar war, ließ ich mich doch mal darauf ein auch der Fortsetzung eine Chance zu geben. Im Gegensatz zum Vorgänger ist Teil 2 jedoch nur noch gerade eben zu ertragen und wird somit zur harten Geduldsprobe für den Zuschauer. Zwar kann Teil 2 noch mehr und noch überraschendere Gastauftritte vorweisen als im Vorgänger, die Hälfte davon ist aber schon deswegen egal, weil es, sowie der Großteil vom Hauptcast, Möchtegernstars aus dem TV-Bereich sind. Verraten werde ich an dieser Stelle nicht wer alles überraschend auf den Zuschauer wartet.

„7 Zwerge - Der Wald ist nicht genug“ besitzt etwas mehr erzählerichen Gehalt als sein Vorgänger, trotzdem hat man nicht so richtig das Gefühl eine Geschichte erzählt zu bekommen. Noch immer hüpft man von einer Nummern-Revue zur nächsten, es herrscht ein Nonstop-Herumgealber. Besser hat das Ganze jedoch komplett ohne Erzählversuch funktioniert, wie Teil 1 zeigt. Das bisschen Mehr in der Geschichte ist eigentlich bereits zu viel. Erstens führt der Erzählfluss nirgendwo ernsthaft hin und verpufft schließlich wieder und zweitens war es eine schlechte Idee die Zwerge in unsere reale Welt kommen zu lassen, wirken sie dort angekommen doch noch debiler als zuvor, und schon zuvor war die Witzequalität doch recht infantil.

Freilich hätte ein guter Autor aus dieser Idee durchaus etwas heraus holen können, aber doch keiner der einen „7 Zwerge“-Otto-Film schreibt. Stattdessen werden Ampelmännchen auf Blödelart in Verbindung mit einem Polizisten gebracht. Diesen Vergleich hatte Udo Lindenberg bereits in den 90er Jahren in seinem Song „Auf dem blauen Planet“ verwendet, und selbst da war es keine neue Idee, durften doch bereits „Die kleinen grünen Männchen“ von Pat Mallet in den 80er Jahren auf diesem Witz herumreiten. Einfallsreich ist das Mitte der 00er Jahre nun erst recht nicht mehr.

Die Aufteilung der Rollengröße im Gesamtfilm hat sich meiner Meinung nach ebenfalls verschlechtert. Ralf Schmitz bekommt leider mehr Bildschirmpräsenz gewährt, bleibt aber wie zu erwarten genauso unwitzig wie er es eigentlich immer ist. Martin Schneider hat leider überhaupt keine guten Szene mehr geschrieben bekommen. Rüdiger Hoffmann wiederholt seine wunderbare Rolle aus Teil 1 auf die witzlose ja geradezu schmerzhaft Pointen-lose Art. Helge Schneider darf etwas mehr sagen, sogar ein Lied vortragen, ist aber auch nicht mehr so 100% witzig, wenn im direkten Vergleich zum restlichen Mist aber noch immer ein Lichtblick. Die beiden damals so überraschend sympathisch agierenden Hagens fallen diesmal auch nicht positiv auf. Nina Hagen nervt lediglich und ihr niedliches Töchterchen muss im Gegensatz zu Teil 1 diesmal schauspielern, was sie aber leider nicht kann. Glücklicher Weise ist ihre Anwesenheit stark begrenzt, so wie die von Atze Schröder. Das nenne ich mal weise Entscheidungen.

Der Bösewicht des Films ist gut besetzt, was wohl die einzig positive neue Besetzung ist. Das Aufrücken von Mirco als Kopf der Zwerge kann man als gute Idee bezeichnen, auch wenn sein Vorgänger auf seine bodenständigere Art mehr zu wirken wusste. Aber auch bei solch brauchbarer Besetzung wie Mirco verpufft jeder gute Ansatz ziemlich schnell ins Leere, da kann auch ein Profikomiker wie er nichts mehr dran rütteln, der von seiner Humorrichtung her doch eigentlich stilvoll aber hemmungslos herumzublödeln vermag.

Die umstrittene Szene mit Piocchio gehörte meiner Meinung nach zu den wenigen geglückten. Wortspielerein zum Thema Holz, Baum und Wald fallen im Sekundentakt. Und was theoretisch gesehen schnell anöden müsste funktioniert sogar, weil man drauf verzichtete so öde Wortspiele zu verwenden wie Brösel sie zum Thema Bären in seinen „Werner"-Comics oder Otto sie zum Thema Zugfahrt in „Otto - Der Katastrophenfilm“ verwendeten. An dieser Stelle wurde sich im Vergleich dann doch etwas mehr Mühe gegeben. Am besten gefiel mir der Flach-Köpper "ich komme vom Holz-Nasen-Ohren-Arzt".

Mirco und Ralf bekommen zwei gesonderte auf sie zugeschnittene Szenen beschert, in denen sie zeigen dürfen was sie können. Allerdings sieht man beiden Szenen auch an dass sie deshalb drin sind, so dass sie aufgesetzt wirken. Mirco darf den Kammerjäger spielen und Ralf darf pantomimisch ein Gespräch übersetzen. In beiden Fällen ist die Szene nur halbkomisch ausgefallen, was für Mirco einen Abstieg bedeutet, für den sonst so unwitzigen Ralf Schmitz aber zumindest einen Aufstieg.

Der 7. Zwerg, ein Halbpromi-Muskelpaket dessen Name mir nichts sagt, ist eine Strafe welche die Verantwortlichen des Filmes sich selber zugefügt haben. Man musste bereits in Teil 1 jeden Möchtegern-Promi irgendwo noch mit einbauen, und als schlechten Schlussgag wurde das Muskelpaket schließlich zum siebten Zwerg. Dummer Weise verfügte der allerdings über noch weniger schauspielerisches oder komisches Talent als der Rest, von einigen hohlen Blicken die zu wirken wissen einmal abgesehen, und nun hatte man ihn für die Fortsetzung an der Backe.

Glücklicher Weise machten die Verantwortlichen daraufhin genau das richtige. Sie hielten Mr. Muskel so kurz an der Leine wie nur möglich. So hat beispielsweise jeder Zwerg zu Beginn der Story seine eigene kleine Geschichte die er erlebt. Lediglich der Muskelprotz-Zwerg kommt schlussendlich ohne eine solche dazu. Während jeder Zwerg einmal belustigend gegen eine Wand rennen darf, hört man bei Mr. Muskelpaket nur das Zusammenstoßgeräusch, weil die Kamera gar nicht erst drauf hält. Plappern alle anderen Zwerge wie am Fließband (was zugegebener Maßen nervt), bleibt der starke Zwergenmann eher ruhig und kriegt nur hin und wieder einen Satz in den Mund gelegt.

Wessen Zurückhaltung viel mehr überrascht ist die von Nervfresse Otto Waalkes. Aber man darf wohl anzweifeln dass es seine eigene Idee war sich selbst nicht mehr so in den Vordergrund zu spielen. Interessanter Weise ist es aber gerade sein Part zu Beginn, der noch am ehesten zu belustigen weiß. Und entgegen aller Erwartungen nervt er zu Beginn auch nicht, wo es sich dort doch zunächst einzig um ihn dreht. Dass ausgerechnet Otto am wenigsten peinlich wirkt, gleicht eigentlich einem wahren Wunder.

Das nervige Zwergenlied aus Teil 1 bekommt man in der Fortsetzung glücklicher Weise zwar nur einmal zu hören, stattdessen wird der Zuschauer aber mit einer grauenhaft unkomischen deutschen Coverversion von "Go West" gefoltert. Darauf hätte ich gut und gerne verzichtet, erst recht beim dritten Hören im Abspann.

Was bleibt ist ein Hauch netter Witze, einige lobenswerte Versuche die nur halbgar ausgefallen sind und ansonsten wieder jede Menge debiles Getue, das bereits in Teil 1 schon nicht sonderlich witzig war (die Mützen-Errektions-Witzchen, das Brettspiel, ...). Somit ist Teil 2 auch für die wenigen Freunde des Vorgängers mit Sicherheit eine kleine Enttäuschung, für den Rest eher sogar eine große.  OFDb

13.03.2015

7 ZWERGE - MÄNNER ALLEIN IM WALD (2004)

Nach allem was man über „7 Zwerge - Männer allein im Wald“ zu lesen bekam war es ein echtes Wunder, dass ich mit dem Film halbwegs sympathisiere. Ich hatte mich auf das schlimmste eingestellt, immerhin war Waalkes Vorgänger-Werk "Otto - Der Katastrophenfilm" Humor aus  der untersten Schublade und damit noch weitaus nerviger als ein Otto-Film in der Regel ohnehin schon ist. Und dass der Rest mit TV-Comedians besetzt wurde, neben dem Zirkusclown wohl die schlechteste Art Komiker, klang auch ziemlich übel.

Zwar ist "7 Zwerge" keine gelungene Komödie, aber mit geringen Erwartungen weiß er doch halbwegs zu unterhalten. Das wundert in so fern als dass man nicht umhin kommt zu sagen, dass der Großteil des Films aus kindlichsten Peinlichkeiten besteht. Da aber alles provokativ naiv, primitiv und dämlich erzählt ist, funktioniert das sogar halbwegs. Otto nervt nicht halb so viel wie vermutet, und der schon immer völlig unwitzige Ralf Schmitz blieb zwar unwitzig wie gewohnt, aber das schien den Verantwortlichen des Streifens bewusst zu sein, so dass er stets nie all zu auffällige Auftritte beschert bekam und nur eingesetzt wurde um mit seiner Prominenz  Menschen ins Kino zu locken.

Ausnahme-Komiker Mirco, der mit seinem Talent mehr hätte erreichen können als in einer solch infantilen Komödie zu landen, verkauft sich unter Preis, zeigt aber auch anhand eines Szenarios rund um einen Rammbock wie kindische Komik humorwirksam umgesetzt werden kann. Szenen wie jene mit dem mit Scheiße gefülltem Katapult hätte man sich widerum sparen können, die stehen für das Gegenteil und sind leider viel zu häufig vorhanden.

Nina Hagen überrascht mit einer überzeugenden Darbietung der Königinnenrolle, ihre Tochter wirkt dank ihres niedlichem Aussehens, und die Produzenten überraschten gleich mit drei Dingen: 1. dass sie Helge dazu gekriegt haben bei einem solchen Film mitzuwirken (dessen Szene dann auch wahrlich witzig ist), 2. dass sie den Gastauftritt von Harald Schmidt mittels einer unwitzigen Szene völlig verschenkt haben und 3. damit, dass Atze Schröder eine so große Rolle beschert bekommen hat. Wenn es jemanden gibt, der mich vor dem Erscheinen Mario Barths in der Comedyszene nicht ein Mal zum Lachen kriegen konnte, dann war es Atze. Ich habe mich schon immer gefragt wie wohl sein Publikum aussehen mag, da ich bis heute niemanden kenne, der von ihm begeistert ist.

Was an „7 Zwerge" unglaublich nervt ist das ständig vorgetragene Zwergenlied, das bereits beim ersten Hören tierisch auf den Senkel geht. Insgesamt ist es aber ohnehin schwierig zu erklären woran die einen Witze scheitern und warum die anderen Witze ziehen, wo sie sich doch scheinbar kaum voneinander unterscheiden. Bei vielen Menschen wird sich dieser Unterschied nicht auftun. Die lachen entweder über jegliche Albernheit oder scheuen sich davor.

Ich, der irgendwie dazwischen steht, gestehe aber ein dass "7 Zwerge" wahrlich Unterhaltung auf niedrigstem Niveau ist und es geradezu erstaunlich ist, dass inmitten dieses infantilen Meers doch noch einiges zu funktionieren weiß. Vielleicht liegt es an dem Hauch Restwürde, den Personen wie der Darsteller des Chefzwerges mit an Bord bringen. Vielleicht liegt es aber auch ganz im Gegenteil am hemmungslosem Umgang jegliches Niveau zu untergraben. Ich weiß es nicht. Ich würde mich aber auch nur dann näher mit dieser Frage beschäftigen, wenn der Streifen einen bleibenden Eindruck hinterlassen würde. Und das ist bei dieser mittelmäßigen Komödie nicht der Fall.  OFDb

09.02.2013

H3 - HALLOWEEN HORROR HOSTEL (2008)

Vier Teenager überfahren auf dem Weg zu einer Party einen unheimlichen Mann. Ein Holzfäller spricht die Jugendlichen an, sie mögen doch mit in sein Hostel im Wald kommen. Dies ist der Beginn einer chaotischen Nacht...
 
Ausrede Horror...
 
Die Neugierde, was Pro 7 wohl diesmal unter dem Vorwand Witzigkeit verbrochen hat, hat mich bei einer Parodie auf mein liebstes Filmgenre dann doch nicht losgelassen. Und so habe ich mir die, wie der Sender es einfallslos selber nennt, Filmverarsche mal angeguckt. Die Reviews zum Vorgänger, in dem "Dirty Dancing" verarscht wurde, sprachen bereits Bände, und so bin ich dann auch mit den niedrigsten Erwartungen an "H3" herangegangen.

Allein der Titel ließ schon schlimmstes befürchten. Außerdem gehörten weder Tramnitz noch Axel Stein je zu meinen bevorzugten Comedians, und eine gute Komödie mit Mike Krüger gab es ja nun auch noch nie. Und ja: Pro 7 ist dann auch wirklich kein guter Film geglückt.

Aber auf primitivster Ebene ist noch ganz schwacher Durchschnitt daraus geworden, immerhin verlief sich ganz selten auch mal ein netter Witz in diese auf Teenie-Humor abgestimmte Magerkost für Humormitanspruch-Verweigerer. Neben allerhand blödesten Sprüchen über Pimmel und Sex und dummpeinlichen Furzwitzen gab es den ein oder anderen gelungenen Verweis auf bekannte Horrorfilme (wobei bei den parodierten dieses Genre nicht ein einziger deutscher dabei war, so als gäbe es keine deutschen Horrorfilme). Und kleine Gags, wie die Parodie auf „Tanz der Teufel“, in der die Kamerafahrt den Eishockeymaskenträger umnietet, sind dann auch recht humorfördernd gewesen.

In den ersten 20 Minuten geht es eigentlich noch am witzigsten zur Sache. Selbstredend nur im Vergleich, und kurz vor Schluss wird es auch noch einmal etwas flotter. Nicht unbedingt wegen des Humors, sondern weil doch noch ein Hauch von Handlung aufkommt.

Der Mittelteil ist der erbärmlichste Teil in einem Film, der ohnehin nicht das Gelbe vom Ei ist. In "H3" werden nicht nur Szenen kopiert, da parodiert, sondern dreister Weise, und wie sollte es in diesem speziellen Subgenre der Komödiengattung auch anders sein, natürlich auch die Witze. So gibt es, um nur mal eine der bekanntesten Kopien zu nennen, eine schlechte Variante des Schwarzen Ritter-Witzes aus "Die Ritter der Kokosnuss". So ziemlich jeder Witz kam schon in einer der vielen Filmparodien dieser Welt ein bis mehr mal vor. Das kann manchmal dennoch zu einem schönen Film führen (siehe "Der Wixxer" und "Die unglaubliche Reise in einem verrückten Raumschiff") muss dann aber auch besonders raffiniert oder mit Gefühl für guten Humor umgesetzt sein, Eigenschaften die einer ollen Pro 7-Produktion natürlich gänzlich fehlen.

Eine Geschichte gibt es kaum, da hat wohl auch niemand mit gerechnet, und eine wirklich tolle will man ja eigentlich ohnehin gar nicht sichten. Aber etwas mehr Story hätte es dann doch sein können. Selbst "Scary Movie 4" hatte einen roteren Faden als "H3".

Axel Steins Witze wechseln zwischen peinlich plump und witzig plump, darüber hinaus reicht es nie. Warum Tramnitz überhaupt mitgemacht hat, ist ein Rätsel. Hier wirkt er noch blasser als beim witzlosen Bully. Mike Krüger hat seine halbwegs gute Zeit bereits lange hinter sich und darf die meiste Zeit hinter einer Maske kalauern, so dass es da auch nicht viele Chancen auf Lacher gibt mit seinem eher mittelmäßigen Talent.

Inhaltlich wäre weniger vielleicht mehr gewesen. Klar dass in einer Parodie möglichst viele Filme eingebracht werden sollten (zumindest nach der Auffassung der Masse), aber spätestens die Zombies waren dann definitiv zu viel des guten. O.k., auf ihre schrottige Art wirkten sie trashig, war ja eh nur eine Parodie, aber das Hauptaugenmerk eines Filmes alle paar Minuten zu wechseln ist dann doch nur irritierend und sorgt für kein Ganzes.

Zumindest gab es der netten Witze mehr als eine handvoll, so dass nach einiger Zeit der Peinlichkeiten und Fehlzünder immer mal wieder etwas zu sichten war, das einem zum Dranbleiben animierte. Und klar dass man als Genrefan, trotz der eher schlechten Unterhaltung, dennoch wissen wollte was wohl noch so alles aus dem Horrorbereich parodiert, zitiert oder angesprochen wird.

Filme wie "Rosemaries Baby" und "Tanz der Teufel", die ja nun einige Jahre auf dem Buckel haben, wurden eher selten eingebracht. Zielpublikum sind bei Pro 7 nun einmal die Teens, und so ging es mehr Richtung „Hostel“, „Saw“ und Co. Und „Halloween“ und „Kettensägenmassaker“ waren auch nur dabei, weil sie durch Neuverfilmungen auch den Kids von heute etwas sagen.

Damit das ganze dann auch um 20:15 Uhr laufen kann, ist alles sehr blutleer inszeniert, und Freunde von Nacktheiten werden trotz all der möchtegernfrivolen Witzchen auch nichts zu sehen kriegen. Da will man ein hartes Filmgenre parodieren, das gerade in den letzten Jahren unnötig brutaler denn je wurde, und dann macht man es auf diese zahme Art. Nun ja...

Eigentlich hat der Film mit dieser Textlänge schon viel zu viel Beachtung geschenkt bekommen. "H3" ist weder die große Niete geworden, wie ihn schnell wieder viele bezeichnet haben, er hat es aber auch nicht auf eine halbwegs sympathische Routine geschafft. Dafür ist dann alles einfach arg flach und unreif ausgefallen. Mit einem Kaliber der ersten 20 Minuten wäre zumindest etwas brauchbares bei rum gekommen. Ein Gefühl von Atmosphäre, welcher Art auch immer, kam bei dieser Erzählung einer Nichtgeschichte natürlich auch nicht auf. Dafür war die Filmmusik jedoch recht nett. Mit Ausnahme des „Halloween“-Themas, komponiert von John Carpenter. Dieses Meisterwerk der Filmmusik für billigsten Mitläufer-Privatfernsehschund zu missbrauchen ist dann doch ein Verbrechen für sich.  OFDb