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03.03.2017

OTTO - DIE SERIE (1994)

Nicht nur die halbe Filmwelt war begeistert von Carl Reiners Geniestreich „Tote tragen keine Karos“ mit Steve Martin in der Hauptrolle besetzt. Auch Otto Waalkes sympathisierte mit der dort umgesetzten Idee moderne Schauspieler auf Personen klassischer Filme treffen zu lassen. Inspiriert vom großen Vorbild drehte er über 10 Jahre später „Otto - Die Serie“, ein TV-Produkt, und baute sich in diverse Szenen der Rialto-Wallace-Reihe ein, die mit „Der Frosch mit der Maske“ 1959 ihren Anfang nahm.

Allein dass Otto Waalkes derjenige war, der sich an solch ein Projekt heranwagte, verursacht im Vorfeld bereits Bauchschmerzen, gehört der ostfriesische Komiker doch nicht gerade zu den einfallsreichen Männern seines Fachs. Bereits in Komödien wie „Otto - Der neue Film“ und Co bewies er, dass er sich immer wieder auf alte Lacher verließ, die ihm einst den Ruhm bescherten - und selbst mit denen kann ich wenig bis gar nichts anfangen.

Mit dieser Meinung mag ich vorbelastet sein, aber es tut mir leid, an „Otto - Die Serie“ gibt es nun wirklich nichts schön zu reden. Aus einer sympathisch klingenden Idee wurde ein verflixt mieses Werk. Nicht nur dass mich die typische Otto-Komik in ihrer alten, unkreativen Leier nervte, ihr würdeloser, inflationärer Umgang ließ es erst gar nicht zu, sich unvoreingenommen der innovativ klingenden Idee zu öffnen. Denn wo bleibt auf diese Art der Respekt vor der Vorlage? Otto bezieht sich meist nicht auf irgendwelche Wallace-Themen, er hat nicht vor diese in ihren Stärken oder Schwächen am Schopf zu packen und damit im Kern zu parodieren, nicht einmal in der Ausnahme. Sie dienen einzig der Pointenunterstützung für Ottos Kalauer.

Auch dies ginge noch halbwegs in Ordnung, wenn Mühe hinter dem Projekt zu erkennen wäre. Aber wenn fast jede klassische Szene neu synchronisiert wird, damit sie erst zur Pointenvorlge der Dialoge werden kann, dann ist das schon eine sehr dünne Nummer, die man mit jeder Art Füllstoff hätte umsetzen können. Dann hätte man z.B. nicht Ottos peinlichste Rolle, jene des Baby Otto, ausgerechnet frei jedweder Würde auf Klaus Kinski loslassen müssen, der bereits Probleme mit der Wallace-Reihe selbst hatte, so sehr wie er sich immer als Künstler der Schauspielerei sah. Was würde der sich wütend schnaubend im Grab umdrehen, wenn er sehen müsste, wie nach seinem Tod ehemaliges Filmmaterial dafür hergegeben wird, damit ein peinlich, herumkaspernder Mann in Babyklamotten seine dünnen Witzchen auf seine Kosten reißen kann?

Was lieblos mit jeglicher Neuvertonung der klassischen Wallace-Vorlagen beginnt, zeigt sich ebenso enttäuschend billig umgesetzt in dem Einsatz der Doubels, beispielsweise wenn Schauspieler der Wallace-Reihe mit neuen Personen bei Aufnahmen von hinten ersetzt werden müssen, damit Otto vor ihrer Nase herumkaspern darf. Ich will es mal so ausdrücken: selbst die 70er Jahre Schnellschuss-Produktion „Wir hau‘n die Pauker in die Pfanne“, die sich im selbigen Punkt ebenfalls keine große Mühe gab als sie Theo Lingen in einer Doppelrolle doubeln musste, hat bessere Doppelgänger vorzuweisen als Otto Waalkes mit all seinem vielen Geld bereit ist in seine TV-Sendung einzubauen.

In einem Projekt, in welchem die Liebe nur an sich selbst gerichtet ist, anstatt an die Vorbilder, die Leidenschaft vorhandene Idee umzusetzen oder die Freude den Zuschauer zu belustigen, da kann Komik nicht fruchten, erst Recht nicht wenn man eine wundervolle Filmreihe mit Füßen tritt anstatt sie zu ehren. Ich habe von Otto Waalkes nun nie viel gehalten, aber ich war naiv genug zu glauben, Otto hätte zumindest dieses Produkt nicht der schnellen Mark wegen gedreht. Wie man sieht habe ich mich diesbezüglich geirrt, so dass sich „Otto - Die Serie“ in die Schlange Ottos cineastischer Gehversuche einreihen kann, von der ebenfalls keines aufgrund einer guten Idee, einer erzählenswerten Geschichte oder dem Einbringen frischer Gags entstanden ist. Ob TV-Produkt oder Kino - das Ergebnis bleibt gleichermaßen enttäuschend.  OFDb

19.01.2017

SIE TÖTETE IN EKSTASE (1971)

Man kann Jess Franco in seinem selbstverfassten Film „Sie tötete in Ekstase“ keine Realitätsferne vorwerfen. Wenn ein Kehlenschnitt kaum Blut hinterlässt und später nicht einmal eine Wunde, wenn ein Mann sich wissentlich getötet zu werden der Liebe mit seiner Mörderin hingibt oder Zufälle das Rachekonzept begleiten, so als wären diese planbar, dann ist dies Franco schlichtweg egal. Sein Film ist nicht in der unseren Realität angesiedelt, er kümmert sich nicht um Logik, soll er doch ein Film der Sinne sein. Man soll spüren was vor der Kamera geschieht, im erotischen, tragischen und morbidem Sinne. Somit ist „She Killed in Ecstasy“ (Alternativtitel) ein urtypischer Franco-Film, jedoch wesentlich gourtierbarer ausgefallen als mancher fast nur im Schneckentempo inszenierter Schmuddel-Thriller des Kult-Regisseurs.

Theoretisch kann man „Ich spuck‘ auf Dein Grab“ als Vergleichsfilm nennen, beides sind Rache-Thriller mit sexuellem Hintergrund, dennoch könnten beide Werke unterschiedlicher kaum sein, versteht man doch die Taten der Vergewaltigten im Vergleichsfilm, während Franco, ob gewollt oder nicht, eine Distanz zwischen Zuschauer und Hauptfigur aufkommen lässt. Ihr Mann hat beruflisch fragwürdig gehandelt, und die Liebe, welche seine Ehefrau als so hoch einschätzt, schafft es nicht den Workaholic von seinem Frust abzulenken, ganz im Gegenteil, trotz intensiver, zärtlicher Zuwendung tritt der Gatte geistig weg und begeht schließlich Selbstmord.

Die Ehefrau, von den abscheulichen Experimenten ihres Mannes wissend, ignoriert diese Tatsache, glaubt weiter daran die große Liebe hätten sie und ihren Mann begleitet, so dass sie in dem Verstoß aus der Ärztekammer ein Verbrechen sieht, welches bestraft gehört. So geht sie mittels körperlicher Verführung auf Rachefeldzug, was die Moralisten der Kommission als heuchlerisch entpuppt, zumal die ersten beiden Opfer sexuelle Vorlieben fröhnen, die bei konservativen Menschen offiziell nicht erwünscht sind. Freilich ist das extreme Vorgehen der Rächerin völlig fragwürdig, so dass sich „Sie tötete in Ekstase“ nicht mit der Hauptfigur verbrüdert guckt, sondern mit Distanz. Der Film guckt sich somit recht theoretisch, bzw. objektiv, was ich eigentlich recht gut finde.

Der Trumpf des Streifens ist aber nicht Francos typisch geistig abwesend zu scheinende Art, ein Entrücken der Realität welches diesmal nicht so hypnotisch eingefangen wird wie sonst so oft bei seinen Werken, sondern ganz klar die Darstellung der so jung verstorbenen Soledad Miranda, die jegliche Phasen ihrer Rolle mimisch spürbar macht. Der Frust, die Schmacht, das geistige Entrücken, die Trauer, das Rachegefühl, die Verführung, diese wunderschöne Frau, die auch Francos bestes Werk „Vampyros Lesbos“ zu einem Leckerbissen machte, haucht dem etwas zu theoretisch und oftmals auf der Selle tretenden „Sie tötete in Ekstase“ erst wirklich Leben ein. Sie ist der Motor, der den Film zum laufen bringt und ihn überhaupt erst so interessant macht.

Es ist schade, dass man einen Teil des Erfolges nicht auch dem meist so toll agierenden Horst Tappert zuschreiben kann. Dessen Rolle wurde nicht nur zur Nebensächlichkeit degradiert, sie sitzt zudem nur tatenlos herum, handelt selbst dann nicht wenn andere Kriminalisten Rot sehen würden und darf gegen Ende gar verständnisvolle Worte für die Taten der Ehefrau finden, was mich darin bestätigt zu glauben, dass Franco den Film völlig anders gemeint hat als ich ihn verstanden habe. Dem Ergebnis schadet es nicht. Allein die interessante Idee die Liebe nach dem Tod, die so viele Menschen intensiv nach einem schweren Verlust fühlen, auf fast nekrophile Art darzustellen, weiß zu gefallen, zumal sich die Gattin aus psychologischer Sicht selbst schon als tot betrachtet, ist es doch Teil ihres Plans nach vollendeter Rache Selbstmord zu begehen, so dass man aus ihrer Sicht nicht einmal wirklich von Nekrophilie sprechen kann.  OFDb

11.06.2016

DER HUND VON BLACKWOOD CASTLE (1968)

Schrieb ich in meiner Besprechung zu „Der Gorilla von Soho“ bei meiner aktuellen Rückwärtssichtung der Rialto-Wallace-Reihe (bei welcher „Im Banne des Unheimlichen“ ausgelassen werden musste, da er mir noch nicht vorlag), dass Vohrer gar nicht mehr versucht den dunklen Grusel-Krimi-Touch der beliebten Schwarz/Weiß-Vertreter der Reihe, der er angehört, zu erreichen, so lebt „Der Hund von Blackwood Castle“, der im selben Jahr erschien, ganz im Gegenteil, gerade von dem Versuch die stimmige Gruselatmosphäre der alten Beiträge mit den Pluspunkten der peppigeren späten Welle zu vereinen.

Die Sumpflandschaft und das Schloss sind dafür wunderbare Spielorte, darf die Nebelmaschine draußen doch Höchstleistungen erzielen, während die Stimmung drinnen von der kargen, da heruntergekommenen Ausstattung profitiert, was als kostengünstige Angelegenheit Produzent Wendlandt sicherlich nicht traurig gestimmt hat. Auch die Geschichte selbst könnte mit all ihren zwielichtigen Personen, unheimlichen Vorkommnissen und der unüberschaubaren Situation aus der frühen Phase der Serie stammen, zumindest wenn da nicht das farbenprächtige Abdrehen und der albernere Grundton wären, die wiederum geradezu typisch für die Buntphase steht.

Auch „Der Hund von Blackwood Castle“ ist noch weit von dem völlig überzogenen Stil des leider unterschätzten „Der Mann mit dem Glasauge“ entfernt, er bietet dem Zuschauer aber zumindest mehr fürs Auge als der im Vergleich recht zahm ausgefallene Gorilla-Film, der ein wenig zu Original-verliebt die erste Rialto-Verfilmung des Stoffes, „Die toten Augen von London“, nacherzählte. „Der Hund von Blackwood Castle“ mag alle typischen Eigenschaften eines Rialto-Wallace beinhalten und sich auch sehr bewusst an die Sherlock Holmes-Geschichte „Der Hund von Baskerville“ anlehnen, seine Eigenständigkeit kann man ihm dennoch nicht abstreiten, steckt er doch voller eigenständiger skurriler Ideen wie dem ominösen Schachspiel, dem Geheimnis um die Leiche des Kapitäns und dem höchst ominösen Mordwerkzeug mit welchem der titelgebende Hund seine Opfer ins Jenseits befördert.

Auch der menschliche Part steht dem in nichts nach, wenn ein Haufen Zwielichtiger auf eine Gruppe harmlos scheinender Rentner stößt, und mitten drin der zu Zoten neigende Sir John ermittelt, der gleich seine Sekretärin mitgebracht hat, die für so mancherlei frivolen Spaß sorgt. Mit die interessanteste Rolle hat der hier zum letzten mal in einem Wallace-Film mitwirkende Heinz Drache erwischt, der so spielfreudig seiner einfallsreich charakterisierten und undurchschaubaren Figur Leben einhaucht, dass man sich zu Recht fragen darf warum er danach nie mehr auftauchte.

Wovon sich „Der Hund von Blackwood Castle“ ganz entscheidend von seinen Vorgängern unterscheidet, ist der Aufbau der Geschichte, der sich für seine Vorgeschichte sehr viel Zeit nimmt, bevor mit Sir John erst nach fast einer halben Stunde Scotland Yard ins Geschehen tritt. Selbstverständlich gibt es bereits zuvor so manche Tode mitzuerleben, eine Leiche wird jedoch erst aufgefunden, wenn sich wer Drittes in eine bereits routiniert durchgeführte Mördermasche einmischt und dafür sorgt, dass der Körper des zuletzt Ermordeten nicht unentdeckt entsorgt werden kann.

Allein dieser Ausgangspunkt sorgt für genügend Rätsel die gelöst werden müssen. Und es bereitet viel Freude dabei zuzusehen, wie aus einer völlig verspielten, den Kriminalfall zu keiner Zeit ernst nehmenden Geschichte, eine halbwegs logische Auflösung wird, freilich betrachtet innerhalb des völlig irrsinnigen mit Zwielichtigkeiten überfrachteten Wallace-Universums. Mag die Motivation der zentralen Figur sich auch im Finale noch zum x-ten Mal überraschend wandeln und der eigentliche Auslöser der ganzen Chose ein recht umständlicher Plan sein, der nur aus der Feder von Pulp-Autoren stammen kann, innerhalb dieses Comic-Flairs herrscht jedoch so etwas wie ein nachvollziehbares Ende, das sich nicht in billige Ausflüchte rettet, sondern konsequent und lückenlos das beendet, was zuvor aufgekocht wurde.

Als großen Wurf der Spätphase würde ich „Der Hund von Blackwood Castle“ nicht bezeichnen, aber er gehört zu den charmanten Vertretern dieser Zeit, dem man zumindest zugestehen kann, dass er versucht hat ein Rest-Flair der ersten Dekade wieder aufzugreifen. Engstirnige Befürworter der Schwarz/Weiß-Phase, die mit ihren Vorurteilen der Buntphase nie eine wirkliche Chance gegeben haben, werden dies als gescheitert betrachten. Ich hingegen finde den ungewöhnlichen Mix beider sehr unterschiedlicher Stilmittel reizvoll, und die Geschichte, mit welcher dieses Experiment gewagt wurde, interessant und kurzweilig.  OFDb

04.06.2016

DER GORILLA VON SOHO (1968)

Bereits sieben Jahre zuvor verfilmte Alfred Vohrer den hier vorliegenden Stoff als „Die toten Augen von London“, damals noch in Schwarz/Weiß gedreht. In der schrilleren Buntphase der Rialto-Wallace-Reihe nahm er erneut hierfür auf den Regiestuhl Platz. Wie typisch für die späte Phase der Reihe kommt „Der Gorilla von Soho“ peppiger daher als die früheren deutlich düsteren Grusel-Krimis. Im Vergleich mit dem ein Jahr später von Vohrer umgesetzten letzten Wallace-Film dieser Dekade, „Der Mann mit dem Glasauge“, hält sich der hier besprochene Film jedoch noch mit seinem Affentheater zurück.

Zwar bestimmen abgedrehte Komponenten den Streifen, so der im Titel genannte Gorilla, ein Club in dem Nachwuchsmaler Nackedeis mit Hilfe lebender Modelle zeichnen und Gimmicks wie ein Maschinengewehr in einem Geldschrank, darauf vorbereitet es mit einem äußerlich wie inhaltlich kunterbunten Film zu tun zu haben kommt einem das Ganze im Vergleich jedoch noch nicht völlig überzogen vor. Immerhin darf es noch Szenen im nebligen London geben, die Geschichte driftet nur selten für unnötige Spielereien von der zentralen Kriminalgeschichte ab, und noch ist es auch das Genre des Kriminalfilms das dominiert. Der humoristische Gehalt plätschert leicht im Hintergrund vor sich hin. Auch dies sollte sich im Folgefilm ändern.

Mit Vohrers Original aus dem Jahre 1961 kann „Der Gorilla von Soho“ nicht mithalten, und das behaupte ich als jemand der sowohl mit der alten, als auch mit der bunten Phase der Wallace-Reihe etwas anfangen kann. Hartgesottenen Freunden der Serie ist die Buntdekade ohnehin ein Dorn im Auge. Unabhängig davon trumpfte die deutsche Erstverfilmung einfach mit seinem düsteren stimmigen Look, da kann sich der noch halbwegs zurückhaltende farbige Popkorn-Stil nicht gegen durchsetzen. Zumindest versucht Vohrer gar nicht erst die erneute Verfilmung ebenfalls düster wirken zu lassen. Er verlässt sich diesmal mehr auf das hier agierende Personal und die kleinen sleazy Gimmicks, vermischt auch gerne mal beides, wie die Figur des immer Sonnebrille tragenden Kriminellen zeigt, oder noch mehr die Figur die unter dem Gorillakostüm steckt und deren Identifikation im Gegensatz zu den üblichen Beiträgen der Reihe diesmal kein Geheimnis ist.

Die Verspieltheit der zweiten Vohrer-Verfilmung zeigt sich zudem in mancher Namensgebung. Da gibt es z.B. einen Dr. Jeckyll. Und ob man von Zufall sprechen kann, dass ein gewisser Sergeant ausgerechnet Pepper heißt, so wie im berühmten Song und Album der Beatles, lässt sich in diesem Zusammenhang wohl deutlich verneinen. Horst Tappert spielt seinen Charakter als Hauptermittler bereits humoristisch angereichert, aber noch nicht so penetrant (weiterhin angenehm lustig) wie nur einen Film später. Ihm zur Seite steht ein anders besetzter Gehilfe, der nicht besser und nicht schlechter wirkt als sein Nachfolger. Und Hubert von Meyerincks Interpretation seines Sir Arthur scheidet in seiner völlig überzogenen Art seit je her die Geister.

Überraschen darf ausnahmsweise einmal Uschi Glas, die freilich nicht urplötzlich gelernt hat zu schauspielern. Aber dadurch dass sie gerade in den ersten beiden Dritteln wenig redet und oftmals nur verschmitzt gucken darf, gelingt zumindest kurzfristig des öfteren die Illusion der süßen, zierlichen Schönheit, obwohl sie in ihrer plumpen Art doch nie die Klasse von Karin Dor und Co erreichen könnte. Somit ist ihr hier vorliegendes akzeptables Ergebnis schon weitaus besser ausgefallen, als alles was sie in allen anderen Werken, die ich je mit ihr bislang sichten durfte, zu bieten hatte.

Auf der Seite der Kriminellen sticht diesmal niemand als besonders nennenswert hervor, das ist ein deutlicher Schwachpunkt von „Gorilla Gang“ (Alternativtitel). Aber so oder so schippert „Ape Creature“ (Alternativtitel) nur angenehm vor sich hin, ist quasi nur im Vorspann so konsequent flippig wie sein Nachfolger, fällt aber zumindest sympathisch genug aus, so dass man so kurz nach „Die toten Augen von London“ den selben Stoff noch einmal fern jedem Anflug von Langeweile amüsiert folgen kann. Das ist insofern positiv zu sehen, als dass „Der Gorilla von Soho“ trotz deutlicher Veränderungen noch genügend wiederholende Elemente beherbergt, die diesem positiven Ergebnis nach so wenigen Jahren auch hätten negativ entgegen wirken können.  OFDb

28.05.2016

DER MANN MIT DEM GLASAUGE (1969)

Mit „Der Mann mit dem Glasauge“ ging eine Ära zu Ende. Zwar wurde der letzte klassisch ausgefallene Beitrag der Rialto Wallace-Reihe, „Die Tote aus der Themse“, erst 1971 gedreht, aber der war nach dem Erfolg von Argentos „Das Geheimnis der schwarzen Handschuhe“ nur der Versuch die Reihe nach zwei Jahren wiederzubeleben, was scheiterte, so dass nach ihm lediglich noch zwei Giallos folgten, die sich so stark von der restlichen Wallace-Serie, egal welcher Dekade, distanzierten wie der in den zwei Jahre Pause entstandene „Das Gesicht im Dunkeln“, der ein alleinstehendes Unikum im Wallace-Universum blieb.

Der theoretisch richtige Abschluss der Reihe, der stilistisch für all das steht wofür die in Farbe gedrehten Filme der Wallace-Reihe berüchtigt sind, ist eigentlich „Der Mann mit dem Glasauge“, der von dem die Reihe mit prägenden Alfred Vohrer inszeniert wurde, was Kennern des Mannes einen sehenswerten Abschluss verspricht, ist dieser Regisseur doch nicht nur ein einfallsreicher und talentierter Mann seines Fachs, in seiner letzten Arbeit für die Reihe zieht er zudem noch einmal alle Register und liefert für die Wallace-Reihe in etwa das ab, was „Octopussy“ Jahre später für die James Bond-Reihe wurde.

Ein solch knallbuntes Feuerwerk an schrägen Attraktionen hat man in dieser Vielfalt scheinbar nicht einmal in der dafür bekannten Buntphase der Rialto-Wallace-Filme erlebt. Fast schon überladen tummeln sich hier Tänzer, Bauchredner und Messerwerfer, wir wohnen einer Prügelorgie bei die aus der „Batman“-Serie der 60er Jahre hätte stammen können, der Bösewicht darf auf Mabuse-Art in seinem Versteck alles über Monitore verfolgen, es wimmelt vor doppelten Böden, Scherzartikeln, Skrupellosigkeiten und Gangster-Klischees. Und wenn recht spät selbst noch der Stereotyp einer skrupellosen Adligen mit dem Klischee der endlosen Frauen-verhassten Mutterliebe gekreuzt wird, dann erkennt auch der Letzte wie augenzwinkernd Vohrer die vergangenen, ernsteren Beiträge der Reihe auf die Schippe nimmt.

Das Ergebnis ist zugegebener Maßen recht albern ausgefallen, zotig wird es jedoch nur selten, z.B. dann wenn Sir Arthur jegliche Form menschlicher Intelligenz vermissen lässt oder Perkins Gehilfe zu Wort kommt, der seine Dämlichkeit u.a. durch eine Sprechweise verkörpert, die ihn klingen lässt als befinde er sich im Stimmbruch. Diese Tiefpunkte schaffen es tatsächlich in all dem Irrsinn negativ herauszuragen.

Trotzdem nimmt man diese negativen Seiten des Streifens gerne in Kauf, ist Vohrer doch nicht nur ein äußerst unterhaltsamer Streifen geglückt, sondern zudem noch ein selbstreflektierender, der durchaus mehr Geist besitzt als sein äußerer Hokuspokus zunächst vermuten lässt. Wer genau hinschaut weiß wie raffiniert mancher Seitenhieb, Verweis und Storyaspekt ausgefallen ist. Und Vohrer versteht es zu unterscheiden welcher Handlungsmoment Ernsthaftigkeit benötigt und in welchem er gar so weit gehen darf die Barriere zwischen Fiktion und Wahrheit zu durchbrechen, z.B. wenn im Schluss-Gag die entführten Schönheiten alle Sir Arthur umgarnen und dabei jegliches ernsthafte Schauspiel über Bord werfen, so dass sich die Szene wie ein Jux während der Dreharbeiten schaut.

Vohrer schafft es diese unvereinbar scheinenden Extreme zu einem sehenswerten Ganzen zu verknüpfen und beschert dem Publikum zwar keinen atmosphärisch düsteren Grusel-Krimi mehr, jene Art Popkornfilm für welche die Rialto-Reihe zu ihren Schwarz/Weiß-Zeiten stand, stattdessen aber einen sympathischen, experimentell ausgefallenen Nonsens in Reinform, von dem sich Pseudointellektuelle mit der Begründung von Niveaulosigkeit in ihrem Tunnelblick abwenden werden, wohingegen der unvoreingenommene Beobachter erkennen kann dass auch in solcher Art Film Tiefe liegen kann.

Diese sollte man sicherlich nicht überbewerten, hauptsächlich geht es um den hohen Unterhaltungswert. Und der wird sowohl jenen beschert die das versteckte Niveau der Inszenierung erkennen können, als auch jenen die lediglich geistlos zusehen. Anbei gibt es in „Der Mann mit dem Glasauge“ noch einen kleinen Leckerbissen zu erleben: der sehr augenzwinkernd mit sichtbarer Spielfreude agierende Horst Tappert trifft hier 6 Jahre vor dem Start der Krimiserie „Derrick“ auf Fritz Wepper, eine legendäre Begegnung, dessen cineastische Tragweite sich in den 60er Jahren keiner bewusst war.  OFDb

05.12.2015

DER TEUFEL KAM AUS AKASAVA (1971)

Sicherlich gibt es auch Abenteuerfilme unter den Verfilmungen nach Edgar Wallace. Der Name steht nicht allein für Kriminal-Kost. Aufgrund einer Mörderaufdeckung durch Scotland Yard war ich jedoch eher auf das für Wallace typische Genre eingestellt, ein Bereich der durch „Der Teufel kam aus Akasava“ durchaus abgedeckt wird. Aber eingekleidet ist er aufgrund der tropischen Kulisse und dem Hintergrund des Mordfalles im Mantel eines Abenteuerfilmes, was dem Streifen einen fremden Touch verleiht, stilistisch jedoch leider keinen exotischen.

Nach dem sympathisch schmuddeligen „Der Todesrächer von Soho“, den Jess Franco erst nach dem hier besprochenen Film umsetzte, war meine Erwartung an „Der Teufel kam aus Akasava“ ein wenig höher als üblicher Weise bei einem Franco-Film. Aber gefallen will mir der Streifen so gar nicht, dabei kann ich nicht einmal genau benennen was mich stört. Die Ermittlungen haben mich ebenso wenig interessiert wie der Kriminalfall selbst. Und die inszenatorischen Spielereien, die manch anderen Franco so interessant aussehen lassen, fehlen hier. Dem Film fehlt das individuelle Gewandt und wirkt wie lustlos abgedreht von einem Irgendwer.

In Nebenrollen ist „The Devil Came From Akasava“ (Alternativtitel) sympathisch besetzt. Horst Tappert und Siegfried Schürenberg sind dabei, Letztgenannter in manch interessanter Szene, der wahre Hingucker des Streifens ist jedoch die leider viel zu jung verstorbene Soledad Miranda, eine wahrlich hübsche Frau, mit einer Anziehungskraft, dass man die Augen nicht von ihr ablassen möchte. Zwar weiß sie ihre Szenen zu verzuckern, und das sind nicht gerade wenige, aber das wertet den Film nicht in seiner drögen Gesamtheit auf. Ohne Francos gute wie schlechten Besonderheiten wirkt ein solch lustlos heruntergedrehter Film einfach zu lahm, auch wenn ein ruhiges Erzähltempo sonst oft zu den Trümpfen des Regisseurs gehört.  OFDb

DER TODESRÄCHER VON SOHO (1971)

Während die Rialto Wallace-Reihe, die damals die harte Welle in den deutschen Kinos auslöste, in den 70er Jahren damit begann in Zusammenarbeit mit Italien das ursprünglich naive Krimi-Konzept in Giallo-Flair zu tauchen, engagierte man für die Sohnemann-Reihe der Bryan Edgar Wallace-Filme für ein Remake des neun Jahre zuvor erschienenden „Das Geheimnis der schwarzen Koffer“ den Spanier Jess Franco, den fürs Improvisieren bekannten Vielfilmer, der in Deutschland in den 80er Jahren noch einmal mit „Die Säge des Todes“ von sich reden machen sollte, dem Freund des Schundfilms aber bereits 1971 bekannt war.

Wer weiß dass der Spanier auf dem Regiestuhl sitzt, der erwartet keinen Kriminalfilm wie zuvor. Interessanter Weise wird der Unwissende in diesem Fall jedoch nicht so stark verschreckt wie man meinen sollte, fällt „Der Todesrächer von Soho“ doch überraschend konventionell aus. Dies nicht ohne einige Vorzüge des umstrittenen Filmemachers zu besitzen, aber doch überraschend brav einem nachvollziehbaren roten Faden folgend, zumindest bis zum Finale, wo sich die Ereignisse derart überschlagen, dass man nicht mehr wirklich durchblickt - ein Zustand der für die Grusel-Krimis dieser Zeit aber ohnehin üblich war.

Davon abgesehen, dass ich mir zur Zeit so einige Franco-Filme zu Gemüte führe, lockte mich der Reiz Wolfgang Kieling und Horst Tappert drei Jahre vor der ersten Folge „Derrick“ gemeinsam in einem Film agieren zu sehen. Leider muss ich gestehen nicht erkannt zu haben wen Kieling gespielt haben soll. Bis zum Schluss wartete ich auf seinen Auftritt. Scheinbar fand dieser zu sehr im Dunkeln statt. Ich wüsste sonst nicht warum ich ihn ansonsten nicht entdecken sollte. Tappert hingegen weiß in der Spätphase des Streifens mit seinem Drei Tage-Bart zu wirken, wenn sein Charakter sich offiziell wandelt. Zuvor erinnert er optisch stark an seine Rolle in „Sieben Tage Frist“, während das ironische Grinsen in der ersten Filmhälfte Charakterzüge aus seiner berühmten Krimi-Serie vorweg nimmt.

Auch wenn die Schauspieler in einem Franco-Film letztendlich nicht wichtig, da austauschbar sind, so erfreut es doch zu sehen, dass recht anständig gecastet wurde. Ein halbwegs brauchbarer Eddi Arent-Ersatz und ein gar nicht brauchbarer Klaus Kinski-Ersatz zeigen, dass man sich trotz der raueren Umsetzung noch immer stark an den Erfolgsmustern der frühen Wallace-Filme orientierte. Letztendlich kommt „Der Todesrächer von Soho“ jedoch viel düsterer und schmuddeliger daher als „Das Geheimnis der schwarzen Koffer“.

Francos Gespür für spannende optische Perspektiven, für stimmige Drehorte und für skurrile Einfälle stehen wie so oft bei ihm im herrlich dilettantischen Widerspruch zum völligen Verzicht darauf auf Tag und Nacht zu achten und auf Anschlussfehler nach Schnitten (am lustigsten fällt dies in einer Szene auf, in welcher mit jedem Schnitt ein Gesprächspartner entweder vor der Tür oder in der Wohnung steht). Selbstverständlich steht die Logik auch wieder Kopf, auf die hat der gute Mann noch nie geachtet. Aber was wie eine negative Aufzählung klingt, gehört zum Feeling eines Franco-Filmes einfach mit dazu.

„Der Todesrächer von Soho“ mag aufgrund seiner noch recht massentauglichen Umsetzung nicht das sein, wonach der Hardcore-Franco-Fan lechzt. Aber jemand wie ich, der oft genug Probleme mit den Werken dieses Mannes hat, fühlte sich um so besser unterhalten, sympathisiere ich doch trotz vieler unangenehmer Filmerfahrungen mit dem Regisseur, so dass ich mich über jedes seiner unterhaltsam ausgefallenen Werke freue.

„The Corpse Packs His Bags“ (Alternativtitel) ist trashig, düster, stimmig, dreckig, schundig und hin und wieder sogar absichtlich witzig, z.B. wenn der Fotograf bei Fehlgriffen in seiner Tasche immer Nackedeibildchen hervorholt, oder wenn der Vorgesetzte den ermittelnden Detective daran erinnert, dass er in die Themse springen wollte, wenn der Fall am besagten Tag noch immer nicht gelöst sei. Ob es als Running Gag gedacht ist, dass ein bestimmter Polizist im Präsidium nach Gesprächen mit Kollegen immer den Telefonhörer auflegt ohne mit dem Menschen am anderen Ende der Leitung gesprochen zu haben, oder ob dies eine der typischen Franco-Unlogiken ist, lässt sich schwer sagen, eben weil beides typisch für den Kult-Regisseur wäre.  OFDb

18.04.2015

DERRICK 1 - 15 (1974)

Neben des interessant, da experimentell handelnd, gehaltenen Charakters Derricks zeichnet sich die frühe Phase der Serie (anbei die einzige über die ich zur Zeit überhaupt nur berichten kann) durch mutige Drehbücher aus, die bemüht sind stets andere Ansätze, Grundlagen und Schwerpunkte zu setzen. Keine Folge ist wie die andere, so dass selbst Episoden, denen ich weniger positiv gegenüber stehe, Respekt verdienen aufgrund der Bemühung neue Bereiche auszuleuchten wie das Aufdecken eines Mordes zu bewerkstelligen ist, bzw. um zu zeigen was in einem Mörder und dessen Umfeld aufgrund der Tat vorgehen kann. Denn Aufgrund des Luxus für eine Folge fast eine ganze Stunde Zeit zu besitzen, kann sich Autor Herbert Reinecker, der bis zum Serienende 1998 für alle 281 Episoden das Drehbuch schrieb, intensiv in die einzelnen Charaktere hineinversetzen, und dies mit einem solch psychologischen Feingefühl, dass man intelektuell geradezu gekitzelt wird.

Episode 1: Waldweg
Dass man mit dieser eher Thriller-artigen Episode begonnen hat, anstatt den zuerst abgedrehten und erst als vierte Folge ausgestrahlten „Mitternachtsbus“ zu senden, erklärt sich neben der prominenten Besetzung mit Wolfgang Kieling vielleicht auch aufgrund dessen, dass die Geschehnisse im Mädcheninternat ein wenig an die späteren Edgar Wallace-Filme erinnern, eine Reihe die zum Zeitpunkt der Pilotfolge von „Derrick“ zwar schon eingestellt war, deren Echo aber sicher immer noch in den Köpfen des Zuschauers vorhanden war. Ein düsterer, nebliger Tatort, zwielichtige Personen (was atmosphärisch wirkt, obwohl man ja, wie in den meisten Folgen, direkt erfährt wer der Mörder ist) und ein unheimlicher Triebtäter sorgen für eine geradezu schmuddelige Atmosphäre, unterstrichen durch die fiese Idee dass die Mutter des Mörders die Taten ihres Sohnes vom Nebenzimmer aus stets mit anhören musste. Auch der eiskalte Eingangsmord unterstreicht die Düsternis der ersten Folge und fiel gar derart hart aus, dass er in Deutschland nach der Erstausstrahlung nur noch gekürzt gezeigt wurde - auch auf DVD - während Länder wie Frankreich Wiederholungen immer in der ungekürzten Fassung zeigen. Mag der Weg zum Ziel auch nicht so gewitzt und schwierig ausfallen wie in späteren Fällen, „Waldweg“ ist ein großartiger Einstieg in die Serie und zeigt bereits wie ungewöhnlich Derrick bei seiner Arbeit vorgeht. Der Monolog eines in Verdacht stehenden Lehrers zeigt uns mit Blick von heute, wie viel unfreier wir in dem geworden sind was wir reden dürfen und was es für ein Luxus war eine aneckende Persönlichkeit besitzen zu dürfen, die sich erst dann rechtfertigen muss, wenn eine extreme Situation wie die hier vorliegende es nicht anders zulässt.

Episode 2: Johanna
Folge 2 ist wie ein Blick in die spätere Phase der ersten 15 Folgen, besitzt sie doch nicht die intensive Atmosphäre der besseren Episoden, wirkt der Weg zum Ziel, auch wenn er wieder einmal Derrick-typisch verspielt und heimtückisch daher kommt, doch aufgrund dessen was der Lockvogel seelisch durchleben muss unglaubwürdig und konstruiert. Das viel zu plötzliche Geständnis ist wahrscheinlich dem Zeitgeist geschult, geschieht es in der Serie doch des öfteren dass Täter relativ schnell schwach werden und gestehen, und so menschlich glaubwürdig das eigentlich auch ist, gerade bei solch wenig gefestigten Persönlichkeiten wie dem Mörder in „Johanna“, es entlässt den Zuschauer eher unbefriedigt, hatte man sich doch mehr erhofft. Immerhin schwächelt „Johanna“ erst im letzten Drittel und bietet bis dahin eine sympathische Episode, die aufgrund des etwas mangelnden Einfühlens in den absichtlich unsympathischen Täter emotional nie so tief geht wie die Höhepunkte der Reihe. Angenehm routiniert zu unterhalten weiß das Ganze dennoch. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Episode 3: Stiftungsfest
„Stiftungsfest“ ist meiner Meinung nach die beste der ersten 15 Folgen, und es fällt mir schwer mir vorzustellen dass irgendwann eine Episode daher kommt, die besser ausfallen soll als diese. Die sehr empathisch erzählte Geschichte besitzt das Kaliber eines Kinofilms, ist sehr dramatisch erzählt und mit dem so großartig agierenden Siegfried Lowitz, der ab 1978 die Hauptrolle in der Konkurrenz-Reihe „Der Alte“ spielte, perfekt besetzt. Der Zuschauer ist mittendrin in der Ratlosigkeit der Ermittler und dem Seelenleben eines Täters, der auch Opfer ist. Die Ermittlungen werden detailgenau vorgetragen. Man erlebt jenen zufälligen Moment mit, der zur Täteraufdeckung führt, nachdem Derrick auf eher verzweifelte Art verschiedene Methoden antestet, von denen sein Kollege Harry nicht sonderlich überzeugt ist. Autor Reinecker versteht es so genial wie niemals wieder die psychologische Entwicklung des Täters aufzuzeigen, die am Höhepunkt angekommen Derrick dazu veranlasst Worte auszusprechen, welche die Situation auf den Punkt bringt, zumindest zu damaligen Zeiten als Anstand, Würde, Ehrgefühl und sozialer Umgang miteinander noch eine Bedeutung in der Gesellschaft hatten und nicht nur durch hohle Phrasen vorgetäuscht wurden. „Stiftungsfest“ ist ein emotionales und intelligent erzähltes Erlebnis für den aufmerksamen und geistreichen Zuschauer-Typ, der die stillen Momente und nebensächlich scheinenden Aspekte zu genießen weiß. Diese Episode ist ein Liebhaberstück wie keine andere.

Episode 4: Mitternachtsbus
„Mitternachtsbus“ lebt davon, dass sich ein Manipulierer in die Ermittlungen einmischt, ein Mensch der selber nicht der Täter ist, den Mörder aber aus persönlichen Gründen beschützen will. Wie so oft in den ersten 15 Folgen, so hält sich auch hier der Mörder für klüger als er ist, scheitert aber nicht wie zwei Folgen später an unüberlegten Handlungen, sondern am mangelnden Feingefühl psychologisch clever vorzugehen. Derricks Alarmglocken läuten sehr früh, wenn ihm immer wieder fieser Weise ein geistig Zurückgebliebener als Täter serviert wird. Damit ist Derrick in seinem Element, fühlt sich herausgefordert und geht wieder einmal ungewöhnliche Wege um ans Ziel zu kommen. In der Charakterzeichnung spielt „Mitternachtsbus“ psychologisch gesehen wieder an vorderster Front mit, unterstützt durch Schauspieler die so echt in ihren Rollen wirken, dass einem echt anders werden kann. Der Alkoholiker und sein Sohn sorgen für den dramatischen Part der Geschichte, deren Schwächen eiskalt ausgenutzt werden von einem asozialen Selfmade-Man, der die kleine Macht die er im Dorf besitzt nutzt um seinem Sohn das Gefängnis zu ersparen.

Episode 5: Tod am Bahngleis
Noch einmal bekommen wir es mit einem Triebtäter zu tun, der diesmal jedoch nicht eiskalt planend vorgeht wie jener in „Waldweg“, sondern der eher auf kindlische Art geistig stehengeblieben ist. Um Gefallen an „Tod am Bahngleis“ zu finden, muss man etwas mit der Figur des Täters anfangen können, die schwer zu greifen ist. Versteht man sie aber genießt man sie auch, verschafft sich Reinecker doch viel Zeit sie ausleuchten zu können, indem der Täter immer wieder unerkannt agieren kann, da die Polizei trotz diverser Hinweise völlig im Dunkeln tappt. Auch hier mag der Schluss etwas holprig inszeniert sein, zumal er aufgrund dessen was am Schluss erzählt wird düsterer hätte umgesetzt werden können, aber der Blick in eine nicht verstandene Seele macht alles wieder wett, kombiniert mit der wundervollen Idee, dass ein Mann, der einem Außenseiter eine Chance geben will, gar nicht mitbekommt dass er einem Mörder seine Tochter auf dem Silbertablett serviert. Eine teuflisch fiese Idee!

Folge 6: Nur Aufregung für Rohn
Jede Folge Derrick ist anders. Aber „Nur Aufregung für Rohn“ sticht noch einmal ganz besonders als ungewöhnlich hervor, ist sie doch derart absichtlich augenzwinkernd erzählt, dass man dies selbst im Titel deutlich macht. Mit unterschwelliger Komik wird ein Duell gezeigt zwischen den logisch denkenden Ermittlern und eines Mannes, der sich für irre logisch denkend hält, aber einen Fehler nach dem anderen begeht. Besonders lustig ist es zu beobachten wie das Selbstbewusstsein des Mörders immer steht und fällt, je nach Stand der Ermittlungen die stets Aufs und Abs erfahren, und damit um ein weiteres gezeigt wird, wie erbärmlich und rückgratlos eigentlich der Charakter des Studenten ist, der sich nicht einmal zu schade ist einem Kommilitonen gegenüber die Frage zu äußern, ob dieser ihn für ungewöhnlich intelligent hält. Es bereitet dem Zuschauer eine große Freude Horst Tappert bei seinem Spiel als Derrick zuzusehen, wie er sarkastisch grinsend und in ihm den Spieltrieb geweckt Rohn in die Mangel nimmt, der geradezu offensichtlich der Täter ist. „Nur Aufregung für Rohn“ kann man als einen der Höhepunkte der ersten 15 Folgen bezeichnen, macht bei einer Zweitsichtung sogar noch mehr Spaß als bei der ersten, da man bei der Wiederholung von Anfang an begreift was die Folge eigentlich will.

Folge 7: Madeira
Ich wusste dass Curd Jürgens ein talentierter Mensch war, aber dass er so genial schauspielern konnte, so genial sogar dass er alle anderen Mitwirkenden der ersten 15 Folgen überschattet, hätte ich nie gedacht. „Madeira“ gehört zu den wenigen Folgen, in denen es um einen eiskalten berechnenden Killer geht, der im Gegensatz zu Folge 1 und 5 nicht einmal in irgend einer Form geistig abgedriftet ist, sondern stattdessen einen eiskalten Intellekt besitzt und damit auch zur fiestesten Art Mörder wird die es wohl gibt. Seine Opfer sind ältere, einsame Damen, denen er ein wundervolles gemeinsames Leben auf Madeira verspricht, um an ihre Ersparnisse zu kommen, bevor er sie schließlich vergiftet. Die hervorragend umgesetzte und sehr ausführliche Eingangsszene mündet in einer Mordsequenz, die so intensiv zu wirken weiß, dass einem wahrlich anders wird. Der optimistisch fröhliche Blick des Opfers, der sich plötzlich verändert, für einen kurzen Moment die Wahrheit begreifend wenn sie nach ersten Anzeichen der Vergiftung in die kalten Augen des Mörders schaut, um daraufhin einen Todeskampf in ihrem Körper zu durchleben bis sie schließlich tot ist. Kein geistig gesunder Mensch ist in den bisherigen Folgen „Derrick“ so eiskalt vorgegangen wie der alte Mann, dem ein Hund zum Verhängnis seiner Pläne werden soll. Jürgens weiß es jede Facette seiner Rolle gekonnt zu verkörpern. Der verspielte, freundliche Blick wenn er sich Derrick gegenüber als Freund des Hundes ausgibt, nur kurz nach dem völlig entsetzten Blick, als der ihm bekannte Köter ihn am Tisch eines Cafés wiedererkennt und belästigt - Jürgens Spiel ist eine Wucht, und man genießt jegliche Szene in der er auftaucht. Einzig seine Nichte ist charakterlich eine Spur zu naiv gezeichnet, bis es schließlich nicht mehr glaubwürdig ist bei solch erdrückender Indizienlage an die Unschuld des eigenen Onkels zu glauben. Von diesem Schwachpunkt einmal abgesehen zählt aber auch „Madeira“ zu den Höhepunkten der frühen Phase der Serie und zeigt auf ein Neues auf völlig andere Art das geradezu verspielte Duell zwischen Täter und Ermittler.

Folge 8: Zeichen der Gewalt
Mit „Zeichen der Gewalt“ wollte Reinecker mal nicht in die Psyche eines Killers blicken, sondern die Aufklärung eines Mordes aus der Sicht des kompletten Polizeiapparats demonstrieren. Leider klingt der Ansatz interessanter als er ist. Eher lustlos darf der Zuschauer dabei zusehen was für eine Arbeit ein Mord für die Mordkommission bedeutet. Dabei werden dramatische Aspekte vernachlässigt, wenn auch absichtlich, und Charaktere nicht genügend vertieft. „Zeichen der Gewalt“ ist technisch professionell umgesetzt und durchaus durchdacht erzählt, ihm fehlt aber die Seele und der Charme anderer „Derrick"-Episoden, macht aufgrund der fehlenden Verspieltheit Derricks sogar den Ermittler austauschbar, so dass diese Folge die Episode einer x-beliebigen Krimireihe hätte sein können und damit weit unter dem Niveau der bis dahin gesendeten „Derrick"-Teile liegt.

Folge 9: Paddenberg
Das Verspielte eines Derricks möchte Reinecker diesmal auf die Frau des Ermordeten projezieren, die von ihrer Phantasie beflügelt fasziniert vom Mörder ihres Mannes ist. Im Gegensatz zu Derrick verfolgt sie damit kein spezielles Ziel, spielt eher intuitiv mit ihrem Täterwissen, während der fast wehrlose Mörder irritiert ist was die Mitwissende eigentlich von ihm will. Liegt eine Erpressung vor? Geht es um Rache? Der Mörder fragt sich etwas, das die Witwe selbst nicht beantworten könnte. Das klingt nach einer interessanten Ausgangslage, schließt aber so verworren und leer wie es beginnt. Eine Antwort gibt es am Ende nicht. Und da dies dem Zuschauer im Laufe der Episode immer bewusster wird, verliert der auch mit der Zeit das Interesse an den ollen Psychospielchen der Gattin des Ermordeten. Immerhin weiß die Rolle des Derrick der Episode etwas mehr Tiefgang zu bescheren, ist dieser während seiner Ermittlungen doch immer faszinierter und angenehm überraschter, je mehr er über den Charakter des Ermordeten erfährt. Er sympathisiert geradezu mit ihm, während der Gattin all das an ihm missfiel was Derrick an dem Mann so bewundert.

Episode 10: Hoffmanns Höllenfahrt
„Hoffmans Höllenfahrt“ gehört von jenen Episoden, die uns tief in die Erlebnisse des Täters blicken lassen, zu den schwächesten. Nicht nur dass Reinecker trotz seiner ansonsten so großen Bemühungen jede Folge möglichst anders zu gestalten, schon wieder die selbe Todesart vorsetzt wie in der Folge „Stiftungsfest“ (was aufgrund der Art der Tat schon arg zufällig ist), auch dieser Mord passiert wieder versehentlich so wie dort, so dass diese zu deutlichen Parallelen zunächst einmal ernüchtern. Erhoffte ich mir zumindest aufgrund der Anwesenheit von Klaus Löwitsch in der zentralen Rolle eine gute Folge, so musste ich feststellen, dass dieser keineswegs so überzeugend wie sonst agiert. Würde ich nicht Werke wie „Welt am Draht“ oder „Was tun wenn‘s brennt“ kennen, ich hätte ihn für ein austauschbares Allerweltsgesicht gehalten. Aber auch der Kriminalfall selbst bietet wenig Potential. Er ist zu bemüht erzählt, erhält aber nie die psychologische Griffigkeit und Glaubwürdigkeit vergleichbarer früherer Episoden. Hoffmann begeht Fehler die nicht nachvollziehbar sind. Und obwohl er stets im Mittelpunkt steht, lernen wir ihn nie richtig kennen. Erklärungsversuche Reineckers sind nicht wirklich überzeugend, und der viel zu plötzliche Schluss erscheint einem wie eine Notlösung, so als habe man selber nicht gewusst worauf man diesmal eigentlich hinaus wollte. Eine schwache Episode, wenn auch mit manch interessanter Idee versehen!

Folge 11: Pfandhaus
In "Pfandhaus" stößt Derrick wieder einmal auf einen Täter der gleichzeitig auch Opfer ist, dies jedoch nicht wie sonst durch unglückliche Umstände, sondern aufgrund eines Fehlers in seiner eiskalten Tat. Der Täter, der aufgrund von Erpressung für den Rest der Folge in eine Opferrolle gedrängt wird, ist ein unmoralischer Mensch, der in einer ethisch so zurechtgerückten eigenen Welt lebt, dass er von sich und seiner Art zu leben absolut überzeugt ist. Eigentlich erzählt „Pfandhaus“ eine recht interessante Geschichte. Nur leider ist das Spiel und die Charakterisierung des Erpressers aufgrund diverser Übertreibungen nicht sonderlich überzeugend, sondern wirkt viel zu überzogen um sein Treiben als Zuschauer für 60 Minuten als wahrhaftig akzeptieren zu können. Würde nicht das Spiel des Pfandhausbesitzers so gekonnt dagegen steuern, hätte auch „Pfandhaus“ zu den enttäuschenden Folgen der frühen Phase gehören können. Nun kann er sich keineswegs mit der Qualität der ersten sieben Folgen messen, als unterhaltsamer Kriminalfall für zwischendurch geht er jedoch in Ordnung.

Folge 12: Ein Koffer aus Salzburg
Ähnlich wie bei „Zeichen der Gewalt“ interessiert sich Reinecker in dieser Episode für den kompletten Polizeiapparat hinter den Ermittlungen. Er zeigt uns Derrick als Teil des Gesamten, aber auch in seiner führenden Rolle dort. Erweitert wird der ursprüngliche Gedanke durch die Ergänzung von Interpol, führt die Spur des Mordes doch in die Schweiz. Zudem geht Reinecker andere Wege indem er den Zeitraum der Ermittlungen über mehrere Monate ansiedelt und den Mord in Kombination zu den Taten eines Drogenkartells stellt. Somit ist auch das Drogendezernat am Mordfall beteiligt, und dass die Episode sich nicht so leer anfühlt wie die Vergleichsfolge liegt an den unterschiedlichen Gimmicks die sie dem Zuschauer serviert. Da gibt es eine rätselhafte Methode mit der Drogen geschmuggelt werden und deren Auflösung wir erst am Ende der Folge beiwohnen dürfen. Da gibt es menschliche Schicksale wie jenes des Sohnes der Verstorbenen, der nicht versteht warum der Mörder seiner Mutter nicht umgehend festgenommen wird. Und da gibt es wie so oft Derricks Spiel mit dem Täter. Wieder einmal will er ihn im Glauben lassen die Polizei hätte ihn nicht in Verdacht. Und dass dies so bleibt ist in manchen Momenten ein spannungsgeladener Drahtseilakt. So viel besser „Ein Koffer aus Salzburg“ auch gegenüber der Vergleichsepisode ausgefallen ist, sympathischer sind mir eher die klassischen Mordfälle. Mir bringt es nicht viel gezeigt zu bekommen wie genau und wie toll das Zusammenspiel der einzelnen Polizeibereiche funktioniert, wird doch der dramatische Aspekt, der die Serie „Derrick“ so besonders macht, damit an den Rand gedrückt. Stellt man sich aber auf eine völlig andere Episode ein, weiß sie durchaus zu gefallen. Lediglich der Schluss ist etwas arg plump in Szene gesetzt und wirkt fast schon wie ein Werbespot der Polizei.

Folge 13: Kamillas junger Freund
Wieder einmal dürfen wir nicht in das Seelenleben des Mörders blicken. Wieder einmal wird er uns lediglich als kalter, fast schon anonymer Täter gezeigt. Der Pluspunkt ehemaliger Folgen wird ignoriert. Aber das macht nichts, denn dafür lernen wir diesmal die Opfer besser kennen. Und eines von diesen lernen wir ungewohnter Weise sogar erst während der Ermittlungen kennen und nicht schon wie sonst während der Vorgerschichte. „Kamillas junger Freund“ mag nicht zu den Highlights der Reihe zählen, aber er orientiert sich endlich wieder an dem was die Serie eingangs so auszeichnete. Wir sind wieder mittendrin in den gedanklichen Ermittlungen Derricks. Wir bekommen ein Opfer präsentiert, dass aus einer nachvollziehbaren Dramatik heraus, nämlich aus Scham, Wissen zurückhält. Und ist dieses Wissen erst einmal offen gelegt, dürfen wir Derrick wieder bei seiner verspielten Art zuschauen, wie er wen offensichtlich Verdächtiges doch noch zu einer Aussage bewegt. „Kamillas junger Freund“ wechselt stets die Schwerpunkte und die Figuren die im Zentrum stehen und wirkt dadurch ein wenig episodenhaft inszeniert. Dank einer interessanten Geschichte und ungewöhnlicher Charaktere stört dies jedoch keinesfalls. Im Gegenteil, damit sorgt Reinecker für Abwechslung. Und Regisseur Alfred Vohrer weiß diese Episode so schwungvoll wie man es von ihm gewohnt ist umzusetzen.

Episode 14: Der Tag nach dem Mord
Wie schon in „Mitternachtsbus“, so manipuliert auch hier der Vater des Mörders die Ermittlungen, um seinen Sohn zu schützen. Dass „Der Tag nach dem Mord“ sich jedoch keineswegs wie ein Ableger dieser Folge guckt, verdankt er den kleinen aber feinen Unterschieden. So ist der aus dem Affekt handelnde Mörder diesmal Opfer, eigentlich zum Geständnis bereit, vom Vater jedoch aufgehalten und gelenkt. Dieser hält sich aufgrund seines Berufes im Versicherungsbereich für unglaublich raffiniert, begeht aber einen Fehler nach dem nächsten. Und da es sich zudem um einen recht unsympathischen, jähzornigen Menschen handelt, geht er Derrick noch bevor dieser ihn in Verdacht hat zu lügen gewaltig gegen den Strich. Der Kern der Folge, der den aufmerksamen Zuschauer immer wieder anweht, wird mit einem Schluss-Satz Derricks noch einmal zusammengefasst und bringt damit das Geschehen, dem wir beiwohnen durften, auf den Punkt. Mag der seltene Spielortwechsel und der Ansatz dass die Charaktere häufig streiten der Folge an mancher Stelle auch die Wirkung einer plumpen Soap bescheren, die Geschichte weiß zu überzeugen und die Schauspieler ebenso.

Episode 15: Alarm auf Revier 12
Diesmal arbeitet die Mordkommission mit dem Dezernat für Einbruchsdelikte zusammen, und im Zentrum der Ermittlungen steht ein Mann aus Derricks Vergangenheit, ein Mann dem Derrick den Mord den er einst verübte nicht nachweisen konnte. Nun bekommt er seine zweite Chance und das Psycho-Duell zwischen den beiden ist eröffnet. Mit Gert Haucke hatte man dann auch einen Schauspieler am Start, der gekonnt das übertriebene Ekel zu verkörpern wusste und das beste ist was dieser Folge geschehen konnte. Er verkörpert seine Rolle mit so viel Energie, dass es eine Freude ist den Kerl zu hassen. Aus Derricks Sicht wird er klüger dargestellt als er auf den Zuschauer wirkt, aber das könnte man auch als menschlichen Aspekt sehen. Vielleicht benötigt Derrick diesen Irrtum um akzeptieren zu können, dass der gute Mann ihm durch die Lappen gegangen ist. Mehr denn je überführt Derrick den Mörder auf ungewöhnliche Art. Diesmal sitzt man als Zuschauer rätselnd daneben was der gute Oberinspektor wohl damit bezweckt, wenn er Ross nach Feierabend auf einen Drink einlädt. „Alarm auf Revier 12„ kommt charakterlich und inhaltlich verspielt daher, und da stört es auch nicht weiter wenn die Geschichte in der TV-Realität spielt anstatt in der unseren. Ganz im Gegenteil, es beweist um ein weiteres wie abwechslungsreich und völlig verschieden die einzelnen „Derrick“-Episoden konzipiert und umgesetzt sind.  OFDb

14.03.2015

SIEBEN TAGE FRIST (1969)

Alfred Vohrers damaliger Kino-Hit „Sieben Tage Frist“, der einen aufgrund seines Vergessens heutiger Tage noch einmal bewusst macht wie schnelllebig sich der Bereich des Kinos entwickelt hat, beginnt absichtlich für seine Zeit Genre-typisch sleazy, täuscht damit aber eine Verwandtschaft zu Wallace und Co vor die er nicht besitzt, ist er diesen zugegebener Maßen sympathischen Filmen doch intelektuell überlegen. „Sieben Tage Frist“ ist anspruchsvolles Kino wie es heutzutage keinen Platz mehr in den Lichtspielhäusern für die Masse finden würde, intelligent erzählt, vollgespickt mit versteckten Verweisen auf die Auflösung in Form von Symbolik und Dialog, und dies selbst dann noch wenn der Film zu Ende erzählt ist und die letzte Szene mit einem berühmten Kinderlied untermalt wird.

Vohrer schließt den Zuschauer absichtlich von den wichtigsten Momenten aus, die das Geheimnis, welches den Schluss ausmacht, zu früh verraten würden. Er spielt also absichtlich unfair, wirft uns nur die großen Teile des Geschehens vor und nicht die kleinen wichtigen, und genau damit wird die Neugierde des Zuschauers geweckt, der nicht weiß ob alle Geschehnisse im Zusammenhang stehen und welche Szene einen Hinweis liefert und welche nicht. Mörderraten jenseits Agatha Christies Flair ist angesagt, und die Auflösung darf einen dann auch vom Hocker hauen, ist sie doch nicht nur gut erklärt und konsequent zu nennen, sondern auch mit einem düsteren Geheimnis versehen das keinen kalt lassen wird.

Dank interessanter Charaktere, die wirklich alle bis zur Charakterstudie ausgeleuchtet werden, und ungewöhnlicher wie Alltags-naher Situationen und aufgrund der psychologischen Art mit welcher mit dem Zuschauer gespielt wird lebt „Sieben Tage Frist“ nicht einzig von seiner Auflösung. Dieser Mix aus Drama und Kriminalfilm ist einer dieser Filme die man in kurzer Zeit mehrmals gucken kann, und die einen immer wieder aufs neue begeistern. Zumal er für seine Zeit recht mutig ein düsteres Gesellschaftsbild einer Zweiklassengesellschaft zeigt, Diskussionsstoff zum Thema Pädagogik bietet, immer wieder mit homosexuellen Untertönen arbeitet und allgemein von Täuschung, Unterdrückung, Trieben und Reibereien unter verschiedenen Mentalitäten handelt, Letztgenanntes sogar in der Art und Weise verarbeitet wie Horst Tappert den Kommissar verkörpert.

„Sieben Tage Frist“ ist vielschichtiger als es zunächst den Eindruck macht, und in den erwachsenen Rollen von talentierten Mimen gespielt, sowie in den jugendlichen Rollen passend besetzt (hier sticht lediglich der Schauspieler des jungen Kurrat als wahrlich talentiert hervor). Der Film weiß sowohl zu unterhalten, als auch intelektuell die Sinne zu kitzeln. Er ist ein mutiges unverfälschtes Zeitzeugnis, das uns mit heutigem Blick den Spiegel vorhält und uns zeigt wie stark Deutschland in Sachen Bildung, Stil und Kultur mittlerweile abgebaut hat - nicht nur in Bezug auf Kino. Aber auch dass bereits damals nicht alles so gut war wie es andere Filme dieser Zeit dem Publikum immer weiß machen wollten. Trotz seiner düsteren Entgleisungen ist Vohrers Werk niemals reißerisch oder unrealistisch. Ganz im Gegenteil schwankt der Film von seiner Inszenierung her immer zwischen nüchternen, bodenständigen Fakten und Genre-typischen Mechanismen zur Spannungsförderung. Ein großartiger Mix!  OFDb

30.07.2013

DAS HALSTUCH (1962)

Eine Kriminalgeschichte in England spielend mit der klassischen „Wer ist der Mörder?“-Frage, das war in den 60er Jahren in Deutschland ein sehr beliebtes Rezept, nicht allein aufgrund der berühmten Edgar Wallace-Reihe, welche die Rialto-Studios in die Kinos brachte, aber auf jeden Fall durch diese stark beeinflusst. Was auf 90 Minuten im Kino wirkt, muss noch nicht auf etwa 210 Minuten im Fernsehen funktionieren. Aber seinerzeit ging die Rechnung auf. Damals als Sechsteiler im Fernsehen ausgestrahlt, kam das von Hans Quest inszenierte Stück derart gut an, dass es Einschaltquoten von bis zu 89 Prozent absahnte, so sehr war das Publikum an der Auflösung des Kriminalfalles interressiert, und so wurde „Das Halstuch“ als sogenannter Straßenfeger legendär.

Ebenso legendär ist die Geschichte darüber, dass Wolfgang Neuss vor Ausstrahlung der letzten Folge den Täter bekannt gab, um mehr Menschen vom Fernseher weg und ins Kino hinein zu locken. Dieser log witziger Weise, nannte per Zufall jedoch den wahren Täter. Die Zuschauer waren seinerzeit erbost und haben Neuss dieses Verhalten nicht verziehen.

Seit der Erstausstrahlung sind 52 Jahre vergangen. Da darf man mit Recht kritisch werden bei dem Gedanken ob ein Kriminalfilm auf diese Lauflänge auch heute noch zu funktionieren weiß. Von meiner Seite aus kann ich jedoch nur sagen, dass ich wunderbar unterhalten wurde. „Das Halstuch“ ist simpel, schlicht und soll lediglich unterhalten. Eine hoch knifflige Geschichte braucht hier also niemand zu erwarten, aber es funktioniert. „Das Halstuch“ weiß mit einfachem Stil zu unterhalten, so sehr, dass man den mittlerweile auf drei Teilen konzipierten Film in einem Rutsch durch schauen kann. Meiner Meinung nach sollte man dies auch tun, ist das Nostalgie-Feeling doch so schön, wenn man gerade mittendrin ist, und sind die kleinen Subplots und die kleineren Rollennamen doch damit einfacher zu merken.

„Das Halstuch“ ist ein sogenanntes Fernsehspiel, das sich von üblichen Serien, zumindest wie wir sie heute kennen, unterscheidet. Das Setting ist auf Theaterniveau und soll auch so sein, Außenaufnahmen gibt es relativ wenige und mit ihr auch Actionszenen im weitesten Sinne. In „Das Halstuch“ wird fast pausenlos geredet, und das ist sein Trumpf. Ähnlich wie Hitchcocks „Bei Anruf Mord“ entsteht der Spannungsbogen fast allein über die Dialoge, und das ist schon ein kleines Talent für sich.

„Das Halstuch“ nimmt sich nicht so ernst, soll nicht nur leicht unterhalten sondern auch von leichter Hand produziert sein. Da darf auch mal die Kamera versehentlich wo gegen kommen, ohne dass gleich neu gedreht wird, und da darf ein Schauspieler auch mal nicht sofort den Jackenärmel beim Anziehen finden. Das nimmt man alles nicht so streng. All diese kleinen Patzer, die eigentlich keine sind, sondern erst aus der heute so unnötigen Perfektion als solche betrachtet werden, sind Teilverursacher dieses naiven Charmes, den die Produktion einen auch noch beim heutigen Sichten beschert.

Mit an Bord ist Wallace-Veteran Heinz Drache als Ermittler, der ebenso spielt wie in der Kino-Reihe, was sicherlich kein Nachteil ist. Auch Horst Tappert, den man viel zu selten in anderen Rollen als in „Derrick“ sah, ist mit dabei und weiß zu überzeugen. Albert Lieven gefällt in der zweitwichtigsten Rolle als Verleger Clifton Morris. Und auch Dieter Borsche ist mit dabei, wenn auch in einer etwas uninteressanteren Rolle. Margot Trooger und Erica Beer sind als die weiblichen Zugpferde mit an Bord, und  Hellmut Lange darf auch eine wichtige Figur spielen.

Die Frage wer der Mörder ist steht tatsächlich im Mittelpunkt. Verdächtig sind nicht viele, aber genug, und einer der üblichen Verdächtigen ist es dann auch, man kann also drauf kommen, aber lediglich durch Raten. Per Kombination kommt man da nicht weit, und so ist es schön, dass die Täteraufdeckung nicht nur in ihrer Auflösung gelungen ist, sondern auch durch den Weg dorthin. Yates hat im Laufe der 3 Folgen einiges an kleinen Fallen aufgebaut und eingestreut, die für die Ermittlungen bedeutender sind als sie zunächst unscheinbar in die Geschichte integriert wirkten. Gut so!

Insgesamt weiß „Das Halstuch“ also auch heute noch zu gefallen, zwar weniger durch seinen Spannungsbogen, als viel mehr durch seinen nostalgischen Charme, der durch die Leichtfüßigkeit der Verwirklichung eines solchen Projektes geprägt ist im Vergleich zur strengen Engstirnigkeit heutiger ständig anvisierter Perfektion, die im Trivialunterhaltungs-Bereich überhaupt nicht nötig wäre. Aber auch auf dieser Basis braucht sich der Film nicht zu verstecken, zumal Figuren und Situationen auch heute noch zu interessieren wissen. Zudem läuft Quests Werk nie Gefahr lächerlich zu wirken, so wie es manchen Kinoproduktionen dieser Zeit erging. Unfreiwillig komisch ist hier nichts wirklich, lediglich befremdlich wirkt manches mit über 50 Jahren Abstand. Allein wie viel hier unverkrampft geraucht wird, eben weil die Gesellschaft in solchen Punkten damals freier war als wir heute, wirkt mittlerweile recht ungewöhnlich.  OFDb

02.10.2012

DER KAPITÄN (1971)

Ein alter, brummiger Seebär muss gegen seinen Willen ein Kreuzfahrtschiff von A nach B steuern. Während dieses aufgedrückten Auftrages muss er sich in Höflichkeit und falschen Charme üben, was ihm überhaupt nicht schmeckt. Mit seiner robusten Art eckt er immer wieder bei den Gästen an, insbesondere bei einem Mann, der als Teilverantwortlicher der Kreuzfahrt den neuen Kapitän beobachtet und kontrolliert und es kaum erwarten kann sein Scheitern zu melden. Nur wenige Gäste und Crewmitglieder sympathisieren mit dem Kapitän, doch im Laufe der Fahrt wird sich dies noch ändern...

Auf seichter See geht man nicht unter...
 
„Der Kapitän“ schippert seicht vor sich hin und unterhält ohne große Einbrüche zu verzeichnen. Auf der Gegenseite bietet er allerdings auch keine Höhepunkte. Letztendlich orientiert sich der Zuschauer an der sympathischen Rolle Heinz Rühmanns, durchlebt mit ihr Hochs und Tiefs (wobei die Tiefs nie tragisch genug für die Betitelung Tragikomödie wären), und irgendwann ist der Film vorbei.

Die Grundsituation, dass ein alter Seebär sich plötzlich mit Gästen eines Luxuskreuzfahrtschiffes konfrontiert sieht, ist eigentlich eine recht nette. Dadurch hätte es eigentlich auch die Möglichkeit gegeben mehr als nur eine Hand voll interessanter Figuren einzubauen. Die paar die da sind können den Film dafür aber immerhin tragen. Neben Rühmann weiß Horst Tappert zu überzeugen, der einen comicartigen Charakter spielen darf, diesen aber nie all zu verdreht verkörpert, als dass der Begriff komplett ins Schwarze treffen würde. Mit herrlichem Dialekt, grausamen Bart und wundervollen Dialogen bekommt er eine Rolle beschert, wie er sie wahrscheinlich viel zu selten spielen durfte. Irgendwo schippert auch Günter Pfitzmann mit, allerdings in einer sehr belanglosen Rolle.

Wie so häufig in Rühmann-Filmen geht es auch hin und wieder recht bieder zu, aber das geht schon in Ordnung. Letztendlich orientiert sich der Film am Charakter des Kapitäns, und der ist nun einmal ein älterer Jahrgang mit anderen Ansichten.

Rühmann selbst gibt dem Kapitän mehr als nur ein Gesicht, er weiß ihn in seiner Schlichtheit und den ebenso schlichten Situationen gekonnt zu verkörpern. Man ist stets nah an seinem Empfinden dran. Rühmann spielt ihn so menschlich, dass selbst ein olles betrunken sein einfach zu Herzen geht.

Die Inszenierung fällt eigentlich durch nichts großartig auf. Kamera, Schnitt, ja selbst die Musik, bleiben unauffällig schlicht. Das Drehbuch bietet wie erwähnt keinen nennenswerten Höhepunkt, wie es endet ahnt man freilich von selbst. Letztendlich überließ man alles den zwischenmenschlichen Situationen und einigen wenigen, drolligen Dialogen. Jede Menge Figuren stoßen in verschiedenen Konstellationen Szenenweise aufeinander. Nur selten verstrickt sich dabei ein Handlungsstrang zu einem größeren, der auch noch 20 Minuten später relevant wäre.

Aber einige wenige Charaktere begleitet man nur all zu gerne durch diesen Plot aus Nichtigkeiten, einfach rein der Sympathie wegen, und auch weil es letztendlich nie zu langweilig wird um dies nicht zu wollen. Bewunderer Rühmanns liegen mit der Wahl dieses Filmes nicht falsch, Komödienliebhaber sollten wissen, dass hier keine großen Lacher zu erwarten sind. „Der Kapitän“ ist schon fast ein Lehrstück darüber, wie man einzig mit sympathischen Charakteren einen kompletten Film tragen kann.  OFDb

17.09.2012

ER KANNS NICHT LASSEN (1962)

Pater Brown wird versetzt, weil er sich mehr um Kriminalfälle als um seine Gemeinde kümmerte. Brown gibt sich alle Mühe die Oberen nicht zu enttäuschen, doch eine Mordserie weckt dann doch wieder sein Bedürfnis auf eigene Faust zu ermitteln...

Blaupause ohne Qualitätsverlust...
 
Was unterscheidet die Fortsetzung von dem Original „Das schwarze Schaf“? Herzlich wenig! Das wundert auch nicht, wurde das Sequel doch bereits am Ende von Teil 1 samt Titel angekündigt. Und Freunde des Erstlings werden sicherlich nicht schimpfen, dass Teil 2 dem Vorgänger ähnelt. Dies strenggenommen auch nur bedingt: der Erzählstil ist der selbe, der Mordfall selbst ist allerdings sehr anders gestrickt.

Dass die Filme bereits im Doppelpack geplant waren, löst mit Blick auf die Besetzung etwas Verwunderung aus. Sowohl der Kommissar, als auch Browns Vorgesetzter wurden anders besetzt. Ihre Figuren wurden  durch andere ausgetauscht. Warum? Pflicht der Vorlage? Keine Ahnung! Was soll's, letztendlich soll es uns egal sein. Die Neuen treten wunderbar in die Fußstapfen ihrer Vorgänger, sowohl schauspielerisch als auch von ihrem Sympathiepegel her, und die wichtigsten Rollen, der Pater und seine Haushälterin, werden glücklicher Weise ohnehin wieder von den aus Teil 1 bekannten Gesichtern gespielt.

Dem ein oder anderen wird es bestimmt gefallen Horst Tappert hier einmal in der Rolle eines Bösewichts zu sichten. Allerdings sollte man sich davon auch nicht zu viel erhoffen, sein Part ist sehr klein geraten. Wer Horst Tappert als Verbrecher sehen will, sollte dementsprechend lieber zu dem Wallace-Krimi „Der Hund von Blackwood Castle“ greifen. Trotzdem bleibt Tappert auch in geringem Maße stets ein Vorteil für einen Film.

Wie erwähnt erwartet einem bei „Er kanns nicht lassen“ der selbe Spaß wie in „Das schwarze Schaf“. Wer Teil 1 mochte, wird nichts zu maulen haben. Es ist einfach schön, dass man seinerzeit Qualität erkannte und es nicht als mangelnden Anspruch ansah, wenn Fortsetzungen ihrem Original zu sehr ähnelten (siehe auch diesbezüglich die 60er Jahre Miss Marple-Reihe). Hier wird geboten was der Zuschauer sehen will, und diesem Wunsch wurde nachgegangen, ohne dass er aus Cineastensicht scheitert.

Schon Teil 1 war kein Juwel am Krimikomödien-Himmel, aber er war ein sympathischer, kleiner Klassiker zum Immerwiedergucken, und dem steht die Fortsetzung in nichts nach. Auch das Mörderraten darf wieder stattfinden, und die Frechheiten eines Vorgesetzten gegenüber erleben in Teil 2 einen neuen Höhepunkt, vielleicht sogar einen, der selbst für den schelmischen Pater Brown etwas zu viel des Guten ist. Teil 3 wird diesmal nicht zuvor angekündigt, und wer die 2. Fortsetzung gesichtet hat wird auch wissen warum.  OFDb