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17.09.2023

PETER HASE (2018)

Basierend auf einem Kinderbuch-Klassiker springt Sony-Pictures mit einem Mix aus Animation und Realkomödie auf den Zug der Erfolgswelle von "Die Schlümpfe", "Yogi Bär" und all den vergleichbaren familienfreundlichen Stoffen auf, modernisiert die Vorlage hierfür ebenfalls wie bei den Vergleichsfilmen, um inmitten der Konfliktgeschichte zwischen Mensch und Tier einen Sprüche klopfenden Coolnessfaktor zu integrieren. Das fällt in vielen Werken infantil aus, was auch ansatzweise bei "Peter Hase" der Fall ist, bewegt sich aber hier im akzeptablen Zwischenraum aus Anbiederung an das Jungpublikum und funktionierenden Witzen und Sprüchen. Als Beispiel sei nur einmal der Hahn erwähnt, der voller Aufregung jeden Sonnenaufgang per Krähen dokumentiert, weil er mit diesem nach Sonnenuntergang am Tag zuvor nicht mehr gerechnet hat. Das Werk von "Einfach zu haben"-Regisseur Will Gluck ist einfaches Formelkino, nicht wirklich kreativ zu nennen, eher Produkt als Herzensangelegenheit, aber es funktioniert auf simpler Unterhaltungsebene, hat das Herz am rechten Fleck, überzeugt technisch mit glaubwürdiger Interaktion zwischen Mensch und animierter Tiere, die für meinen Geschmack etwas individueller im Look hätten ausfallen können. Ohne ihre verschiedenen Jacken wären sie kaum zu unterscheiden. 

Hier wurde nur so unterschiedlich und so charmant wie nötig animiert, innovativ sieht das nicht aus, es geht nur soweit in diese Richtung, wie es förderlich zum Funktionieren des Stoffes ist, so wie alles in diesem für den Markt konzipierten Konstrukt. Die Gradwanderung aus Gelingen und lahmer Routine wankt in Sachen Slapstick und Gefühlsebene mal in die ein, mal in die andere Richtung. Trotz mancher Ausrutscher und einer arg gewöhnlichen Story hat mir "Peter Rabbit" (Originaltitel) vom Unterhaltungswert jedoch recht ordentlich gefallen. Wer nicht zu viel erwartet und gern auch mal einer vorhersehbaren Geschichte beiwohnt, so lange diese genug Aktionskomik und kleine Albernheiten am Rande beinhaltet, der kann mit dem hier besprochenen Werk schlichte Kurzweile erleben. All zu moralinsauer ist der Streifen für einen Familienfilm mit US-Einfluss nicht ausgefallen. Einen Kreativpreis gewinnt man mit derartigem Konzept-Kino freilich aber auch nicht. Selbst die Parodie auf den Disney-Gesang, mit welchem "Peter Hase" u.a. startet, ist spätestens seit "Shrek" nichts neues mehr. Was soll ich sagen? Ich habe nichts erwartet und habe mich 90 Minuten lang amüsiert. Ich bin halt manchmal leicht zufrieden zu stellen. Und wenn ich bedenke welch weit plumperen Werke gerade im Bereich der Animationsfilme im letzten Jahrzehnt auf den Zuschauer lauerten, bin ich bereits erleichtert völlig ungenervt ein Werk wie dieses hier amüsiert überstanden zu haben.  Wiki

31.07.2017

DAYBREAKERS (2009)

„Daybreakers“ versteht sich in Bezug auf die in der Zukunft entstandenen Vampirgesellschaft als Satire auf das gegenwärtige Leben der US-Amerikaner. Das weiß mit einigen Seitenhieben auch zu funktionieren, dennoch ist es schade, dass man sich aufgrund dessen nicht die Mühe gemacht hat sich in die Struktur einer zukünftigen Vampirwelt hineinzudenken, anstatt lediglich das wirkliche Leben leicht abzuändern. Vieles erscheint sinnlos, weil Vampire es nicht für ihre Zivilisation benötigen würden, zudem wirkt der fehlende Versuch einfallslos, eben weil die Wünsche, Bedürfnisse und das Regelempfinden, bzw. ohnehin die Psyche eines Vampirs nicht bedacht wurde. Man hat sich nicht in die Blutsauger hineinversetzt und stattdessen Vampireigenschaften in das Alltagsleben der Amerikaner integriert.

Aufgrund der mangelnden Empathie ist es dementsprechend gar nicht schlecht, dass uns als Identifikationsfigur ein Vampir präsentiert wird, der ungern ein solcher geworden ist und Sympathie zu den letzten Menschen hegt. Das erinnert zwar stark an die Hauptfigur aus „Interview mit einem Vampir“, da „Daybreakers“ aber ohnehin ein munterer Ideendieb ist, der Versatzstücke anderer Filme auf sympathische Art neu zusammensetzt, ist das der Erwähnung jedoch kaum wert.

Etwas dominanter wird hingegen bei „Matrix“ abgekupfert. Auch wenn die Lagerhalle der gehaltenen Stoffwechsel-heruntergefahrenen Menschen eher an jene aus „V - Die außerirdischen Besucher kommen“ erinnert, anstatt an die Kabinen, in denen Menschen als Batterien gehalten wurden, so werden doch hier wie im Wachowski-Film Menschen zur Energiegewinnung gehalten (Blut ist Energie für den Vampirkörper). Zudem gibt es einen weisen Außenseiter, der Anführer einer Rebellengruppe ist und über ein mächtiges Geheimnis verfügt, welches die bisherige Gesellschaftsstruktur auflösen kann und die Menschheit aus ihrer Gefangenschaft befreien kann. Um Teil dessen Bewegung zu werden, muss man sich zwingend einer unangenehmen Prozedur unterwerfen. Nach dieser wird der Kunstblutforscher ebenso wie der Auserwählte Neo zum Erretter der Menschheit, der sich ebenso wie dieser mit einem Off-Kommentar am Ende des Films vom Zuschauer verabschiedet, um von einer kommenden Befreiung zu sprechen - was in „Matrix“ freilich mehr Sinn ergibt als hier, da der Zuschauer weiß kein Vampir zu sein.

Das zeigt deutlich, dass man nicht immer kapiert was man kopiert und sich dementsprechend ein wenig zu sehr einem Zielpublikum anbiedert, anstatt einfach kreativ sein eigenes Ding durchzuziehen. Deswegen hagelt es an allen Ecken und Enden auch an etwas zu bemühten, wenn durch die Verwendung von Pflockharpunen auch alternativ ausgefallenen, Actionszenen. Und freilich darf der für das Mainstreampublikum so obligatorische Soap-Gehalt ebenso wenig fehlen, z.B. im völlig unnötigen Sub-Plot um die rebellische Tochter des mächtigsten Vampirs.

Was sich im vorangegangenem Absatz jedoch extremst negativ liest, wird glücklicher Weise unterhaltsam in den besseren Teil der Geschichte eingefügt, so dass mein Meckern eines auf hohem Niveau ist, weiß das Werk der Regisseure Michael und Peter Spierig an sich doch zu gefallen. Es ist lediglich etwas zu aalglatt ausgefallen, um in ihm mehr zu sehen als die leichte Unterhaltung für zwischendurch. Für diese bietet er jedoch genügend Ideen, Tempo und Sympathie um dran zu bleiben. Ich hätte mir sogar noch eine Fortsetzung gewünscht, schreit der Schluss doch geradezu nach einer. Aber scheinbar war „Daybreakers“ für eine solche nicht erfolgreich genug an den Kinokassen. Zumindest ist es kein solch populärer Film, als dass ihn jeder vom Titel her kennen würde.

Technisch weiß „Daybreakers“ zu überzeugen. In diesem Punkt ist er professionell umgesetzt, ohne all zu teure Tricks verwenden zu müssen. Auch die Besetzung ist geglückt. Gerade Sam Neill in einer ähnlichen Rolle wie seinerzeit in „Jagd auf einen Unsichtbaren“ weiß zu gefallen, spielt der B-Star doch herrlich schurkisch. Und da zudem die Dramaturgie innerhalb eines erzählenswerten Plots stimmt, der einige Storywendungen zu bieten hat, gibt es rein oberflächlich nichts zu meckern. Eine Spur innovativer und durchdachter hätte der Film trotz funktionierendem Unterhaltungswertes und überzeugender Arbeit vor und hinter der Kamera aber zwingend ausfallen müssen, um mehr zu werden als die professionelle Fast Food-Kost zur kurzfristigen Ablenkung vom grauen Alltag.  OFDb

14.09.2014

JAGD AUF EINEN UNSICHTBAREN (1992)

„Jagd auf einen Unsichtbaren“ ist ein Bastard von einem Film. Er ist ein merkwürdiger Mix aus Komödie und Science Fiction-Thriller, kein typischer Chevy Chase, ebenso kein typischer John Carpenter, einerseits anspruchsvoll erzählt und durchdacht, andererseits ein wenig zu sehr vor sich hinplätschernd, den Spannungsbogen nicht immer richtig im Blick behaltend. Aber trotz all seiner Schwächen ist er ein durchaus sehenswerter Film, der nur durch kleinere Korrekturen ein wirklich großer Science Fiction-Beitrag hätte werden können, was mitunter an der Kombination großartiger Spezialeffekte in Verbindung mit den neuen Denkansätzen zum Thema Unsichtbarkeit liegt. „Jagd auf einen Unsichtbaren“ springt nicht einfach auf dem einst mit „Der Unsichtbare“ begonnenen Zug dieser Thematik auf, er weiß sich gekonnt mit dem Phänomen zu beschäftigen und um einige Ecken weiter zu denken.

Dank seines stimmigen Soundtracks, einem wie schon in „Valkenvania“ charismatisch wirkenden Chevy Chase, einer zum letzten Mal so wirklich positiv auffallenden Daryl Hannah und einem Sam Neill, dem man die Spielfreude seiner Schurkenrolle regelrecht ansieht, weiß „Jagd auf einen Unsichtbaren“ zu sympathisieren, so sehr sogar, dass dramaturgische Schwächen zwar enttäuschen aber nicht zwingend stören. Zwar passiert im Film immer irgend etwas, und Charaktere werden dabei nie vernachlässigt, aber zur zweiten Hälfte hin wirkt der Streifen ein wenig orientierungslos, arbeitet sich inhaltlich nie wirklich zu wahren Höhepunkten hin, und so begleitet man Nicks episodenhafte Abenteuer zwar amüsiert und interessiert, fiebert aber nie wirklich dem Finale entgegen, das es schafft ohne großes Feuerwerk die Geschichte gekonnt abzuschließen.

Warum es gerade Spannungs-Profi John Carpenter nicht versteht den Thrill-Gehalt ein wenig mehr nach oben zu schrauben ist mir unverständlich, zumal „Jagd auf einen Unsichtbaren“ gerade von diesem auch in „12:01“ angewendeten ungewöhnlichen Genre-Mix aus Komödie und Thriller lebt. Der Streifen ist ein recht eigenständiges Werk, das zwar mit zuvor nie angewendeten Spezialeffekten anzugeben weiß, diese aber nie über die Geschichte stellt. Im Gegenteil: die Effekte werden stets kompatibel in das aktuelle Geschehen eingebunden, ein Zustand den man sich heutzutage in Filmen wie „Man Of Steel“ oder „The Amazing Spider-Man 2“ wünschen würde.

Ich hege große Sympathien an „Jagd auf einen Unsichtbaren“, aber auch die mittlerweile x-te Sichtung macht mir wieder deutlich wie lückenhaft er in seiner letzten Konsequenz doch ist und wie sehr ihm der letzte Pfiff fehlt um ihn wirklich als Empfehlung anzupreisen. Theoretisch ist alles Nötige für dieses Ergebnis vorhanden, im Umgang mit seiner Rezeptur fehlt trotz großartiger Zutaten jedoch die nötige Würze. Schade ist das schon, denn sowohl Chevy Chase, als auch John Carpenter und Daryl Hannah wären sicherlich einen anderen Weg in Hollywood gegangen, wenn „Jagd auf einen Unsichtbaren“ ein Erfolg geworden wäre. Ich hätte es allen Dreien gewünscht - und dem Film auch.  OFDb

22.03.2014

ESCAPE PLAN (2013)

Auch wenn die meisten Ergebnisse der Filme von Stallone und Schwarzenegger passabel sind, oftmals sogar richtig gelungene Filme waren, so haben die beiden Schauspieler innerhalb ihrer Karriere doch schon immer Böcke geschossen, sprich in Werken mitgewirkt, die vor unfreiwilliger Komik nur so sprudeln, und die man beim besten Willen nicht ernst nehmen konnte. Sie gingen weit über das hinaus, was ohnehin schon an den besseren Filmen der beiden belustigte. Bei Schwarzenegger wären diesbezüglich „Running Man“ und „Phantom Kommando“ hervorzuheben, Stallones größte Trash-Trümpfe waren „Rocky 4“ und „Driven“.

Klar freue ich mich auch über solche Ausrutscher, bieten sie doch einen hohen Grad an anspruchsloser Unterhaltung, aber wenn man die Action-Ikonen endlich einmal gemeinsam in einem Film erleben darf, weit über das Maß eines „Expendables 2“-Blenders hinaus, dann enttäuscht es schon etwas, dass diese erste wirkliche Zusammenkunft so unterirdisch ausgefallen ist.
 
Allein die Grundidee des Streifens ist schon völliger Blödsinn, wenn mächtige Menschen Söldner engagieren, um ihre Feinde für immer weg zu sperren anstatt sie sofort umlegen zu lassen. Aber dies ist nur die Grundlage für allerhand anderen Nonsens wie viel zu schnell rostendes Metall, ein Profi-Brain, dem man nur mit dem Argument „Ach komm!“ kommen muss, damit er innerhalb von 3 Sekunden seine zuvor geäußerte Meinung ändert, Zellen eines High Tech-Sicherheitsgefängnisses, in denen man die Häftlinge nicht einmal belauschen kann und einem für Söldner arbeitenden Arzt, der trotz dieser Berufswahl auf das Argument des Hippokratischen Eides eingeht, auch wenn er in einem Buch erst einmal nachschlagen muss was er da einst geschworen hat.

Es hagelt Irrsinn hoch zehn, und wie so oft hält man auch den Zuschauer für zu dämlich. Beispielsweise traut man ihm nicht zu, dass er eine wichtige Figur, die zu Anfang des Streifens auftaucht, nicht ohne Rückblick wieder erkennt, wenn diese am Ende des Filmes noch einmal erscheint. Und wer noch immer nicht von der Plumpheit dieses Streifens überzeugt ist: die One-Liner, die am Genre Action so wichtig sind, erhalten einen neuen kreativen Tiefpunkt wenn Schwarzenegger am Ende sagen darf: „Auf Wiedersehen, Arschloch!“

Positives gibt es auch zu verkünden. Der Gegner ist nicht nur gut gewählt, er bekam auch eine wunderbar passende Synchronstimme beschert, die sein Fiesling-Dasein noch einmal um einen weiteren Aspekt unterstreicht. Trotzdem ist es gut, dass es der gelungenen Dinge nicht zu viel gibt, denn „Escape Plan“ macht als Vollschrott viel Spaß, wenn auch nicht auf dem Niveau der zu Beginn der Review aufgezählten Filme.  OFDb
 
Nachtrag:
Streng, strenger, am strengsten - so betrachte ich mittlerweile meine Besprechung von einst, hat mir "Escape Plan" bei nochmaliger Sichtung doch als nette kleine Anspruchslos-Unterhaltung für zwischendurch gut gefallen. Nun habe ich beim zweiten Sichten auch keinen großen Action-Beitrag mehr vermutet, wie man ursprünglich meinen sollte, wenn die zwei größten 80er Jahre-Ikonen dieses Genres endlich zueinander finden. Aber selbst aus diesem früheren Blickwinkel betrachtet, verstehe ich nicht, dass der Streifen einst für mich nur der Lächerlichkeit wegen (halbwegs) funktioniert hat. Klar ist er an allen Ecken und Enden unsinnig ausgefallen, er hält aber auch sympathisch die zu erwartenden Regeln eines solchen Filmes ein, ohne unnötige Experimente zu wagen. Er ist angenehme Routine, nicht mehr und nicht weniger, wird erst gegen Ende tatsächlich zum Actionfilm und ist bis dahin mittels seiner einfachen Gut/Böse-Charakterzeichnung unterhaltsam erzählt. Mit einer Zusammenkunft verfeindeter Parteien gegen Ende überraschend, durchbricht er dieses einfache Schema sogar leicht. "Escape Plan" ist ein No Brainer, gut geeignet um ihn des öfteren als leichte Unterhaltung zu gourmieren.