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21.10.2023

EVIL DEAD RISE (2023)

Da ich das Remake "Evil Dead", welches gleichzeitig eine Fortsetzung der Erfolgsfilme Raimis sein soll, nicht gerade toll fand, bin ich ohne große Erwartungen an die späte Fortsetzung "Evil Dead Rise" herangegangen. Die lässt das allbekannte Szenario diesmal in der Stadt, anstatt im Wald spielen, beschränkt sich dabei auf eine Wohnung in einem größeren Wohnkomplex. Und wie die Figuren, für die sich das Drehbuch nicht wirklich interessiert, sich den von einem Dämon reanimierten Toten widersetzen, ist so kurzweilig wie inhaltsarm ausgefallen, weiß also durchaus bei geringem Anspruch zu unterhalten (quasi auf dem Niveau der Neuverfilmung "Night of the Demons"), aber stünde nicht Evil Dead im Titel, würde kaum wer von diesem Fließbandprodukt reden. Ja, es bietet Gore in Massen, aber das tut die Konkurrenz im Meer an Veröffentlichungen dieses Genres dieser Härte auch. 
 
Der Film würde kaum bemerkt werden, wenn er nicht als angebliche Fortsetzung der mit "Tanz der Teufel" begonnenen Kultreihe gelten würde. Dabei hat er nicht wirklich etwas mit diesen tollen Filmen zu tun. Hier gibt es nicht nur einen anderen Dämon, der aufgrund eines anderen Buches wütet, hier bewegen sich die Besessenen zudem wie aus einem asiatischen Horrorfilm a la "Ring" entlaufen, was keine Verwandtschaft zu den Wesen aufweist, die Ash zu bekämpfen hatte. Wenn dann noch geäußert wird, Ziel dieser Kreaturen wäre es Chaos zu verbreiten, dann kann man nur den Kopf schütteln, dann wurden die ersten zwei Langfilme dieser Reihe so gar nicht begriffen, die deutlich machten, es hier mit etwas Übernatürlichem zu tun zu haben, das davon lebte Menschen in den Wahnsinn zu treiben. Analytisch findet in "Evil Dead Now" (Alternativtitel) ohnehin nichts statt, der Film kommt ähnlich geistlos daher wie seinerzeit die enttäuschende Wende der Reihe mit "Armee der Finsternis". Obwohl der mehr Innovationen bot, gefällt mir das unkreative Treiben im hier besprochenen Film trotzdem eine Spur besser, einfach weil das alles sehr flott und kurzweilig umgesetzt ist, wenn auch gleichzeitig arg belanglos und schnell vergessen. 
 
"Evil Dead Rise" ist Horror-Fast Food. Schade dass eine einst so einflussreiche Kinoserie scheinbar nicht mehr in der Lage ist zu mehr zu taugen, zumindest so lange, bis man den Zuschauern wieder mehr Grips und Aufmerksamkeitsspanne zutraut.  Wiki

29.05.2023

DRAG ME TO HELL (2009)

Ebenso wie "Thinner - Der Fluch" handelt auch "Drag Me to Hell" von einem Zigeunerfluch der tödlichen Art, der den Protagonisten final zu einer ethisch nicht vertretbaren Entscheidung zwingt, um die geringe Möglichkeit zu nutzen, dem Fluch eventuell doch entkommen zu können. Da sich das Mysterium hier auf gerade einmal drei Tage verteilt, ist Raimi sehr darin bemüht die Hauptrolle schnell verstehen zu lassen, dass etwas Übernatürliches vorgeht. Dementsprechend schnell werden neue Erkenntnisse gesammelt und für diesen Zweck allerhand Schauwerte geboten, die dank guter Finanzierung optisch tatsächlich zu beeindrucken, teilweise sogar zu ängstigen wissen. "Drag Me to Hell" hätte es meiner Meinung nach jedoch gut getan den Geschehnissen mehr Zeit zu gönnen, denn so kommt er überhastet, laut und Effekt-überladen daher, wie man es eher von Raimis Produktionen, anstatt von seinen Regie-Arbeiten kennt. Allerdings häufen sich derartige Stellen bereits vor dem engen Zeitfenster, z.B. in der gut gemeinten, nicht enden wollenden Attacke der Zigeunerin, die bis zu einem gewissen Grad in dieser Hartnäckigkeit konsequent anmutet, bis sie sich schließlich etwas arg in die Länge zieht, nur um mehr Schauwerte zu ernten. 

Das degradiert den eigentlich professionell umgesetzten Film zu sehr zum alternativen Mainstream, der zwar gut zu unterhalten weiß, jedoch mehr Klasse auszustrahlen wüsste, wenn er sich mehr stille und gruselige Momente gegönnt hätte. Die scheinbare Ausweglosigkeit der Situation, das nahe Mitempfinden mit der Heldin und unglaublich viele wahrlich böse Ideen zaubern aus dem Streifen letztendlich aber dennoch einen sympathischen Genrebeitrag, der mit einer wundervollen Pointe schließt. Zudem trumpft er damit, dass die Tipps eines Experten, die man in vergleichbaren Werken für voll nehmen kann, hier nur Versuche der Besänftigung sind, da die Geschehnisse selbst für den Experten jene Ausnahme sind, für die er sich trotz allem Fachwissens selbst erst einmal schlau machen muss. Für einen glaubwürdigeren Plot wäre es auch diesbezüglich besser gewesen mehr als drei Tage Zeitfenster einzuplanen. Zwar setzt der Film stark auf die drängende Zeit und der damit wachsenden Verzweiflung und Rücksichtslosigkeit einer Frau, die sich früher nie zu wehren wusste, das wäre aber auch innerhalb eines besser funktionierenden 7-Tage-Zeitraum möglich gewesen. 

Freunde von Spezialeffekt-Kino bekommen hier ein Highlight präsentiert, es wird nicht gekleckert, sondern geklotzt. Hier werden wahrlich atemberaubende Szenarien kreiert, die kreativen Verantwortlichen der Effekte durften sich ordentlich austoben. Mir persönlich hat diesbezüglich das wilde Treiben im Grab der Zigeunerin besonders gut gefallen. Der Geschichte und der Gesamtstimmung schadet diese Überfrachtung nur bedingt, sie lässt "Drag Me to Hell" letztendlich lediglich gewöhnlicher als nötig ausfallen, so dass mir der eingangs erwähnte Vergleichsfilm aus der Feder Stephen Kings noch eine Spur besser gefallen hat.  Wiki

17.09.2022

DOCTOR STRANGE IN THE MULTIVERSE OF MADNESS (2022)

Obwohl der Doktor für die derzeitige Marvel-Welle unglaublich wichtig ist und quasi in die Fußstapfen von "Iron Man" tritt, hat es sechs Jahre gedauert, bis eine Fortsetzung von "Doctor Strange" gedreht wurde. Zwischenzeitlich war er als Sidekick in anderen Werken der Marvel-Schmiede tätig und trumpfte insbesondere in "Spider-Man 3 - No Way Home". Sein zweiter eigener Film war für viele Fans also eine lang erwarteter Traum, und nun wo er erschienen ist, ist er leider nicht so gut ausgefallen wie sein Vorgänger, auch wenn man den Verantwortlichen des Streifens nun wirklich keine mangelnde Kreativität vorwerfen kann. Was hier oftmals nur für Augenblicke für Welten und Kreaturen erschaffen werden, um den wilden Ritt dem wir beiwohnen gekonnt zu thematisieren, bereitet jede Menge Vergnügen. Und eine wendungsreiche Geschichte, in der es für Stammies im Marveluniversum auch zu manch überraschendem Gastauftritt kommen kann oder zu verdrehten Spielereien mit liebgewonnenen Figuren, sorgt dafür dass die Geschichte selbst zu interessieren weiß. 

Leider setzt diese eine Person als Hauptaggressor ins Zentrum, die weder optisch oder mystisch zu überzeugen weiß, noch von ihrer Motivation her. So baden viele Momente kurzfristig in Familienkitsch, dargeboten anhand schrecklicher Kinder, die ich so nie haben wollen würde. Und mag der Kitsch auch nur phasenweise aufkeimen, der dem zugrunde liegende Antrieb des Bösewichts zielt derart penetrant auf ein Frauenpublikum, dass es sich wie eine Anbiederung der derzeitigen unangenehmen Entwicklung in Hollywood anfühlt. Das würde es nicht einmal, wenn der Kampf um eine Familie, die man nicht besitzt, etwas erwachsener angegangen würde, aber wir befinden uns nun einmal in einem Marvelfilm, und die Eigenschaft alles in ein trivial naives Erlebnis zu tauchen, die manch andere Elemente überhaupt erst reizvoll macht, lässt die Gefühlswelt des Antagonisten der Chose scheitern. Und das betrifft somit einen großen Teil des Films und nicht nur eine Randerscheinung. Glücklicher Weise hält Cumberbatch in seiner herrlich arroganten Art wunderbar dagegen, ebenso Regisseur Sam Raimi, der freilich wieder manchen Horrormoment innerhalb eigentlich anderer anvisierter Genres zaubert. An abgedrehten Szenarien mangelt es nicht, Humor, Action und kreative Sehwerte gibt es zu genüge. Das Ganze läuft nur nicht mehr so kompromisslos rund wie im Erstling. Dies einmal akzeptiert wird man aber dennoch kurzweilig unterhalten innerhalb eines Streifens, dem es nicht an Ideen mangelt, auch wenn der grobe rote Hauptfaden dem üblichen Ereignismuster folgt.  OFDb

30.01.2022

DON'T BREATHE 2 (2021)

Dass "Don't Breathe" solch ein gelungener Genre-Beitrag war, lag nicht daran, dass er sonderlich glaubwürdig erzählt war, aber er schaffte es jenen Gehalt diesbezüglich vorzuweisen, der ihm half innerhalb der innereigenen Logik und der Gesetze der Kinowelt überzeugend erzählt zu sein. "Don't Breathe 2" besitzt diese Eigenschaft nicht und entpuppt sich als ziemlich dümmlicher Nachzügler, der erwartet dass man alles Vorangegangene nach der nächsten Wendung vergessen hat, so wenig Sinn wie die meisten Umschwünge der Geschichte machen. Das geht anfangs noch klar inmitten einer stimmig inszenierten, Interesse weckenden Geschichte, zieht den Streifen aber immer weiter runter je mehr das Drama in den Fokus rückt. Da wird ständig betroffen geguckt, gerade der in Teil 1 so gut besetzte Stephen Lang darf in der Fortsetzung stets in pseudo-dramatischer Pose unnatürlich dastehen, da es neben Härte hier einzig um Style geht. Deswegen schaut "Don't Breathe 2" auch optisch so wunderbar aus, während er inhaltlich und mental stumpfer Natur ist. Was B-Produktionen, die sich bewusst dem Trivialbereich zuordnen, nicht zwingend schadet, macht einen auf professionelles Genre-Kino getrimmten Streifen, wie den hier besprochenen, weit mehr kaputt, erst recht wenn es am Spannungspotential trotz düsterer Bilder mangelt. Aber so ist das, wenn man einzig auf Schauwerte aus ist, eine Suspense, wie in Teil 1 eingefangen, ist mit dieser Grundhaltung nicht möglich. Dass ein Horrorfilm nicht Shakespeare oder Einstein sein muss, ist klar, aber so dümmlich in Sachen Drama und Logik wie hier geschehen, darf er nicht ausfallen. Eigentlich ist es schade, dass Teil 2 derart abstinkt, fand ich den Ansatz doch gut, dass man nicht einfach versuchte den Vorgänger zu kopieren.  OFDb

11.03.2021

CRAWL (2019)

Dass sich der durch "High Tension" berühmt gewordene Franzose Alexandre Aja darin auskennt einen funktionierenden Tier-Horror auf die Beine zu stellen, bewies er mit dem Joe Dante-Remake "Piranha", in dem es mit derben Späßen ordentlich zur Sache ging. Im Feld des humoristischen Horrors können Übertreibungen zum Vorteil werden, mit "Crawl" bedient der gute Mann jedoch den Bereich des ernsthaften Genres, und da darf es schon wundern wie wenig er auf einen auch nur ansatzweise glaubwürdigen Plot gibt. Egal wie viel hier zu- und abgebissen wird, egal ob man vor wenigen Augenblicken noch reanimiert wurde, seit Ewigkeiten im Wasser feststeckt, oder sich auch schon mal mit dem ein oder anderen Körperteil im Maul eines Alligators befand, jegliches Überleben und Weitermachen ruht sich einzig auf der Prämisse aus, dass Haley und ihr Vater Sturköpfe sind, die stets so lange kämpfen, bis es nicht mehr geht und zusätzlich darauf, dass Haley eine Leistungsschwimmerin ist. Man sollte meinen, dass ein Film dieser Art mit einem dermaßen realitätsfernen Szenario scheitert. Aber was soll ich sagen? Der Streifen funktioniert. 

Das liegt unter anderem daran, dass Aja nicht nur die lauten Momente seines Filmes hervorragend beherrscht, als da wären beeindruckende Hurikanaufnahmen, schön anzuschauende Alligator-Attacken (mit wahrlich gut animierten Viechern) und manche Schreckmomente, auch den Thrillbereich hält er inmitten von Irrsinn und Überlebensaction erfolgreich hoch. Dem Treiben begleitet stets ein funktionierender Spannungsbogen und ein Hauch Dramatik, der einen passabel genug an die beiden wichtigsten Figuren kettet, um auch wirklich mit ihnen mitfiebern zu können. Da Aja immer wieder unverschönte, teilweise gnadenlose Momente einfließen lässt, ist man tatsächlich gespannt darauf, ob beide überzeugend gespielte Charaktere das Filmende erleben werden, oder nicht. Hilfreich steht dem Regisseur ein von Kamera und Licht wirksam eingefangener, feuchter und dunkler Spielort zur Seite, der sich nie so monoton gibt, wie er praktisch gesehen eigentlich ist. Zudem weiß es zu gefallen, dass Aja das Gebiet des Tier-Horrors nicht neu erfinden möchte, sich ganz im Gegenteil gerne auch an erfolgreichen Ideen diverser Vorgänger bedient, sie mit seinem persönlichen Stil ergänzt und gleichzeitig auf eine packende Inszenierung achtet. 

Sicherlich wäre es förderlich gewesen das Ganze etwas glaubwürdiger umzusetzen, zumindest zu jenem Grad, wie es ein "The Shallows" beherzigte, der auch nicht rein bodenständig erzählt war. Dann hätte "Crawl" eventuell gar ein richtig guter Horrorstreifen werden können. So aber ist er "nur" der nette, kleine, sympathische Zwischendurchverzehr geworden, der aufgrund seiner Produktionsgröße zumindest mal optisch etwas mehr hermachen darf als die üblichen Billigproduktionen des Tier-Horror-Bereichs. Mit seinem augenzwinkernden (anderen) Abspann-Lied hat er mich zudem an den charmanten "Rogue - Im falschen Revier" erinnert, der leider viel zu unbekannt blieb.  OFDb

26.01.2020

SPIDER-MAN 3 (2007)

Die symbiotisch wundervoll zusammen passenden Filme "Spider-Man" und "Spider-Man 2" erhalten im Abschluss der Trilogie leider nicht selbigen Zusammenhalt vom letzten Teil der Gesamtgeschichte, kommt dieser trotz gleicher Besetzung und Crew doch recht anders daher. Interessierten sich die Vorgänger überraschend eindringlich für die Psychologie der Figuren und deren Leiden, so wird bei "Spider-Man 3" hauptsächlich auf den Kampf gegen Superschurken geachtet, von denen es gleich drei an der Zahl gibt. Das überfrachtet den Film leider, da er stets darum bemüht ist, jeglichen Hintergrund der jeweiligen Figuren gerecht zu werden. In einem 3-Stunden-Film hätte das vielleicht sogar funktioniert, aber auf 130 Minuten kommen durch diese Hintergrund-Hatz der Tiefgang der eigentlichen Hauptfiguren zu kurz, die man, im Versuch die Situation zu retten, charakterlich zu sehr veränderte. Peter ist ein vom Erfolg geblendeter Egomane geworden, noch bevor er vom Alienparasit befallen wird, was aufgrund mangelnder Heranführung an diesen Charakterstatus unglaubwürdig wirkt. Und so selbstbezogen Mary Jane auch immer charakterisiert war, die Egonummer, die sie hier in der Vorgeschichte zum Besten gibt, ist kaum zu ertragen.

Freilich kommen trotz gegenteiliger Bemühung auch die Superschurken zu kurz. Die meiste Laufzeit nimmt dabei ausgerechnet der Sandmann ein, dem man einen tragischen Hintergrund wie einst Doktor Oktopus beschert, leider, wie bei den Hauptfiguren, jedoch ohne psychologische Stimmigkeit zu beachten. Das Leiden des Sandmanns ist plakativer, oberflächlicher Art, gebadet in den Klischees die zum Spider-Man-Universum dazu gehören. Der krampfhafte Versuch einer CGI-Kreatur eine tragische Mimik untermalt von theatralischem Hintergrund-Sound zu bescheren, wird zu einer der unangenehmsten Szenen in einem Film, der nur noch mit dem Holzhammer daher kommt, anstatt so sanft und leichtfüßig wie die beiden Vorgänger. Es ist das Glück des Streifens, dass er sich in seinen Actionszenen gelungen guckt, womit genau das zum rettenden Element wird, was in den Vorgängern fast schon Nebensache war. Das macht das Ergebnis nicht gleichwertig gelungen, da vieles zu gewollt daher kommt, inklusive der Phase, in welcher Peter billig frisiert zum Egomanen wird, macht aus dem Film aber zumindest eine unterhaltsame Sache, weit unter dem Niveau der Vorgänger.

Erst gegen Ende bekommt "Spider-Man 3" jene Chemie zurück, welche auch die Teile 1 und 2 trotz aller Klischees und Stereotype zu solch wundervollem Popkorn-Kino machte. Hier dürfen nun wieder die Gefühle überbrodeln, und Schicksale ereilen die Hauptfiguren, die durch diese geprägt nun endgültig ins Erwachsenenleben wechseln. Das toll anzusehende Action-Szenario des Finales macht nun verspätet deutlich, warum es wichtig war Spider-Man derartig viele Gegner um die Ohren zu hauen, was ein weiterer Bestandteil dafür ist, dass man aufgrund der letzten halben Stunde so versöhnlich mit einem Film abschließt, der eigentlich viel zu vieles falsch macht. Aber auch diese bessere Phase des Streifens lässt nicht über den Fehler hinweg sehen, dass die Figur des Venom, die zu den interessantesten der Comicvorlage zählt, eine derart geringe Beachtung erhielt, ausgerechnet jene Figur, über deren Präsenz in Filmform sich jeder Fan im Vorfeld gefreut hat. Es sollte 11 Jahre dauern, bis dem Comicfreund mit "Venom" ein würdiger Film vorgesetzt wurde, jedoch frei von der Figur des Spider-Man erzählt.

Dessen Teil 3 ist eine wackelige Angelegenheit, die wie ein Fremdkörper in der eigenen Trilogie wirkt. Ob man trotz aller Schwächen aufgrund der funktionierenden Elemente wohlgesonnen wie ich auf das Werk blickt, oder komplett enttäuscht, hängt wahrscheinlich von den Erwartungen ab und davon, ob man sich für das oberflächliche Tamtam interessieren kann, welches hauptsächlich von funktionierender Action und guten Spezialeffekten lebt. Interessanter Weise ist "Spider-Man 3" genau wegen dieser Haupteckpfeiler eher dem heutigen Marvel-Fan zu empfehlen, der sich lieber an Schauwerten ergötzt, anstatt an einer erzählenswerten Geschichte, als den Bewunderern der ersten beiden "Spider-Man"-Teile. Es ist schon schade, dass man diesen außen vor ließ, um sich einem anderen Publikum anzubiedern.  OFDb

SPIDER-MAN 2 (2004)

Die Figuren sind vorgestellt und vertieft, das Gefühlsdilemma Peters gestreut und am wirken, nun kann Teil 2 auf all dem bauen, was "Spider-Man" vorbereitet und gesät hat. Da bleibt mehr Zeit für den Gegner, der ausführlicher beleuchtet wird, zwar nicht besser besetzt ist als der olle Kobold im Vorgänger, aber die interessantere Figur verkörpert. Dass mir der Dramen-, Komik- und Abenteuerbereich der Geschichten um Spider-Man mehr zusagt als die Kämpfe gegen Superschurken, wurde in meinem Text zum Erstling sicherlich deutlich. Deswegen freut es mich auch so sehr, dass in einem Film, in welchem der Superschurke mehr in den Vordergrund rückt, der Gegner kein reiner Fiesling ist, sondern eine Figur mit dramatischem Hintergrund. Er ist nicht nur eine leidende Figur, sein an Schizophrenie erinnerndes Verhalten, bei dem man nie weiß wie viel Einfluss von den künstlichen Intelligenzen ausgeht und wie weit eine selbstständige psychische Erkrankung mitspielt, ausgelöst durch das Selbstverschulden des Todes der geliebten Ehefrau, macht die Figur ebenfalls zu einem interessanten Gegner.

Parallel zu dieser Geschichte mag Peters Entscheidung nicht mehr Spider-Man sein zu wollen etwas aufgesetzt wirken, (und sein Grund zurückzukehren, nach einer billig manipulierenden Ansprache seiner Tante, wirkt ebenso wenig überzeugend), der Comicstil, in welchen Sam Raimi das Geschehen wieder einmal badet, fängt dieses Klischee jedoch gut ein, ist doch auch die Fortsetzung leichtfüßig und augenzwinkernd erzählt, sich auch nicht zu schade für manche Albernheiten in seinem erhöhten Humoranteil, und so leidet die Stimmung und Qualität des Streifens nicht an solchen Pseudo-Dramaturgien. Zudem punktet die Fortsetzung mit den selben Stärken des Vorgängers, funktioniert die restliche Dramaturgie doch um so besser, sei es die verzweifelte Liebe zu Mary Jane, das Schuldgefühl am Tode Bens, oder Harrys Rachegelüste an Spider-Man, den er für den Mörder seines Vaters hält. Inmitten dieser wundervollen Gefühls-Auf und -Abs zwischen Abenteuer, Traurigkeit und Fröhlichkeit, gesellen sich kompatibel düstere Momente mit ein, die einen daran erinnern, dass der Regisseur einst mit "Tanz der Teufel" und manch anderem Werk, aus der Ecke des Horrorfilms kommt. Fast unauffällig sind solche Momente integriert, beispielsweise wenn wer Unbekanntes auf ein unheimliches Geräusch reagiert, welches sich als Doktor Oktopus entpuppen wird, aber sie sind da, meist um das Grauen um den Bösewicht als Gegenpol zu seiner tragischen Figur stärker zu gewichten.

Somit wurde auch in "Spider-Man 2" alles richtig gemacht, damit er sich gemeinsam mit Teil 1 funktionierend wie eine große Geschichte guckt, so dass Freunde des Vorgängers nichts an der Fortsetzung zu beklagen haben dürften. Eine Ausnahme bietet lediglich manche Ungereimtheit zeitlicher Natur, was aber auch eventuell an der deutschen Synchronisation liegen kann. Laut dieser jammert Mary Jane ihr langjähriger Freund würde nie ihr Stück besuchen, obwohl die beiden erst seit zwei Jahren befreundet sind (zuvor ignorierte sie ihn). Und dass Mary Jane in diesen zwei Jahren gleich ein derartiger Theaterstar geworden ist, der Peter von großen Plakaten aus anguckt, ist auch nicht gerade glaubwürdig. Glücklicher Weise betreffen derartige Fehler lediglich nur Randgebiete der Geschichte, während alles andere durchdacht genug ist, um innerhalb eines kurzweiligen Unterhaltungsfilmes glaubwürdig für gute Laune zu sorgen. Manch einem mag das Ende sauer aufstoßen, meiner Meinung nach atmet diese Schlusssequenz jedoch genau jene Kinomagie, für welche das Popkorn-Kino existiert, vergleichbar mit dem wundervollen Schluss des ersten "Fluch der Karibik", dem "König der Welt"-Moment aus "Titanic" oder dem finalen Off-Kommentar aus "Matrix". "Spider-Man 2" ist eine runde Sache, gerade auch in Zusammenarbeit mit Teil 1, und es wäre, gerade auch aufgrund der Schlusssituation, schön gewesen Teil 3 hätte daran ebenso kompatibel angeknüpft. Leider ist dies nicht passiert.  OFDb

25.01.2020

SPIDER-MAN (2002)

Hätte man mich gefragt, aus dem Kopf heraus hätte ich das Erscheinen des ersten für das Kino produzierten "Spider-Man" auf zwei Jahre zuvor geschätzt. Kein Wunder dass es einem länger vorkommt, folgten ihm doch nach zwei Fortsetzung bereits zwei weitere Neuansätze der Reihe mit bislang vier weiteren Filmen. Ich mag sie fast alle, und auch Sam Raimis Erstling halte ich für eine sehenswerte Angelegenheit. Man mag dem Film vielleicht vorwerfen, dass er nicht gerade mit einer ausgetüftelten Geschichte daher kommt, sondern stattdessen sehr klassisch strukturiert erzählt ist. Das ist meiner Meinung nach jedoch kein Schwachpunkt des Filmes, sondern ganz im Gegenteil die richtige Entscheidung, lebt dieser erste Teil der Trilogie doch u.a. davon überhaupt erstmals ausgereift zeigen zu können, wofür die Kraft Spider-Mans steht. Wie er sich über die Hochhausschluchten schwungvoll hinweg bewegt, gefolgt von einer ebensolch schwungvoll scheinenden Kameraführung, war seinerzeit eine wahre Wucht und weiß noch heute zu gefallen, trotz manch offensichtlicher Computeranimation. Die Schnelligkeit, mit welcher der Held loslegen kann, ist revolutionär genug als Innovation, ordnet sie sich doch nicht den Sehgewohnheiten des Zuschauers unter, stattdessen muss dieser mit dem Tempo und der Fortbewegungsart Spider-Mans optisch mithalten können. Da dient eine inhaltliche klassische Erzählung als eine Art angenehmer Ruhepol und als Möglichkeit trotz aufwändiger neuer Technik klassische Kino-Magie auszustrahlen.

Dass "Spider-Man" auch dies einzufangen vermag, liegt mitunter an einer sympathischen Besetzung in den wichtigsten Rollen und daran, dass es das Drehbuch schafft die vielen Ansätze innerer Zerissenheit des Protagonisten für den Zuschauer mitempfindbar einzubauen, zumal dieser an der Entstehung dieser Gefühlsdilemmas teilnimmt. Peter Parker ist kein hohles Gefäß, wie uns die klassische Strukturierung der Figuren innerhalb der Durchschnitts-Geschichte zunächst vermuten lässt. Sein Doppelleben findet innen, wie außen statt. Freunden und Familie kann er nicht die Wahrheit sagen, Schuld und Verrat lassen ihn leiden. Und seine große Liebe zur Mitschülerin Mary Jane kann er nicht ausleben, da er sein Geheimnis hüten muss, um sie zu schützen. Klassisches Helden-Ehrempfinden trifft auf jugendliche Flappsigkeit, in einer Inszenierung, die Raimi ohnehin nicht frei von Humor umsetzt. So werden Leichtfüßigkeit, nachvollziehbare Emotionen und tolle Spezialeffekte zu einem gut funktionierenden Motor üblicher Geschichtenerzählung, so dass ein aufregender und aufwühlender Wohlfühlfilm entstanden ist, der gerade deshalb so gut ist, weil er Kino nicht neu erfindet, sondern klassisch lebt.

Aufgrund einer recht ausführlichen Durchleuchtung der neuen Fähigkeiten und der damit einhergehenden neuen Lebenssituation Parkers, tut es zudem gut, dass dem Bösewicht nicht übermäßig Aufmerksamkeit geschenkt wird. Verglichen mit anderen Gegnern Spider-Mans und seiner Konkurrenz, ist der grüne Kobold gar ein richtiger Waschlappen, ein weinerlicher Rächer mit geisteskranker Neigung für Gewaltmomente. Er ist somit ein perfekter Gegner für den Anfang, als Übung für kommende Superschurken. Wirksam ist er jedoch, als einzig nennenswerter Schwachpunkt des Streifens, nicht eingesetzt. Sein Herumgehampel im blöde ausschauenden Anzug erinnert eher an die ollen "Power Rangers" und ihre japanischen Vorbilder, und Willem Dafoes Overacting fand ich auch eher lästig, anstatt den Comic-Charakter des Filmes unterstützend. Zumindest sind die Kampfsequenzen zwischen beiden recht ordentlich umgesetzt, und die soziale Dynamik, die ihre Feindschaft in die Gänge bringt, unterstützt "Spider-Man" wieder an der richtigen Stelle, nämlich im Herzen des Streifens, in der Gefühlswelt der Figuren. So darf der Film auch in den schwächeren Momenten von dieser zehren. Der Herzschmerzbereich und die Komik des Entdeckens der neuen Fähigkeiten, sowie das abenteuerliche Verbrecherjagen, gehören ohnehin zu den wahren Höhepunkten und Wichtigkeiten der Geschichte, nicht der Konflikt mit dem Gegner. Der wird eingebaut, weil sich das so gehört und weil er uns aufregende Momente beschert. Am Ende bleiben jedoch eher Momente, wie der legendäre Kopfüber-Kuss, in Erinnerung, oder die unglaublich traurige und mitreißende Schluss-Szene am Friedhof - eben die großen Gefühle, anstatt die Action - im besten Fall bei genügend kindlichem Gemüt aber auch beides.  OFDb

03.01.2019

DON'T BREATHE (2016)

Eine interessante Ausgangslage weiß "Don't Breathe" zu bieten, jedoch auch eine solche, die einen Regisseur benötigt, der es weiß gekonnt die Spannungsschraube anzuziehen und möglichst subtil vorzugehen. Und nach dem Sichten des dauerhaft monoton blutigen Langeweilers "Evil Dead" darf man zunächst zurecht daran zweifeln, ob Regisseur Fede Alvarez der richtige Mann für das erneut von Sam Raimi produzierte Projekt ist. Recht schnell sind beim Sichten des Streifens jedoch sämtliche Sorgen über Bord, weiß der Erzählstil doch von Anfang an zu gefallen. In einer Situation, in der es weder Gut noch Böse gibt, wird der Blinde in seinen ersten Auftritten hervorragend umgesetzt und weiß tatsächlich zu beängstigen. Aufgrund seiner brachialen Vorgehensweise und einiger gelüfteter Geheimnisse um seine Person wird er zwar zu einer etwas arg Comic-artigen Bedrohung, quasi zum typischen Aggressor eines Horrorfilmes, aber das geht in Ordnung. Denn die erhoffte Subtilität ist in "A Man in the Dark" (Alternativtitel) ohnehin nicht vorhanden. Im Gegenzug wird der Streifen jedoch auch nicht zum Schlachtfest, auch in seinen härteren Szenen, so dass man das Ergebnis als gut gewähltem Mittelweg zwischen Stimmung und Mainstream bezeichnen kann.
 
Der Plot erinnert ein wenig an Cravens umstrittenen "Das Haus der Vergessenen" und einer Umkehrung der Idee aus dem zwei Jahre zuvor erschienenen "Late Phases", in welchem ein blinder Veteran sich der Gefahr eines Werwolfes stellen musste. Glücklicher Weise ertränkt man die Charaktere nicht in all zu viele Klischees, so dass die Frage nach der Ehre eines Soldaten nicht umrissen wird. "Don't Breathe" ist weder idealistisch, noch moralisch und will einfach seine etwas arg konstruierte Ausgangssituation bestmöglich nutzen. Wie gut sich wer Blindes in seinem eigenen Heim zur Wehr setzen kann, bewies bereits Audrey Hepburn fünf Jahrzehnte zuvor in "Warte, bis es dunkel ist", und Alvarez' Film treibt dessen Finale in Umkehrung der Identifikationsfigur auf die Spitze, gekonnt wie ich finde, ist der Film doch trotz mangelndem Gespürs für wahren Nervenkitzel durch Stille, angenehm spannend umgesetzt, auch wenn das Drehbuch stets um Action bemüht ist, anstatt dem Plot auch gelegentlich wahre Ruhephasen zu gönnen.

Freilich kann man negativ anmerken, dass die Verantwortlichen des Streifens etwas zu viel Wert auf das gute Gehör des Blinden gelegt haben und seine anderen Sinne, insbesondere den Geruchssinn, vernachlässigen. Hier kommt dem Film dann doch der hohe Grad an Ereignissen zu Gute, stiller umgesetzt hätte dieses Makel wahrlich kontraproduktiv gewirkt. Gut fotografiert, stimmig und spannend erzählt und von den Darstellern ordentlich genug verkörpert, um die jeweiligen Rollen als glaubwürdig anzunehmen, lässt sich "Don't Breathe" angenehm und wirksam zugleich schauen. Aufgrund der Kontaktlinsen für den Erblindungseffekt des Hausbesitzers und aufgrund dessen wie er teilweise phantomhaft wie Michael Myers, dann wieder brachial wie Jason in Szene gesetzt wird, wird aus einem Mann, ohne übernatürliche Elemente einzusetzen, ein wahres Filmmonster. Das wird mancher Moralist sicher wieder als behindertenbeleidigend empfinden, so wie es bei Werken wie "Das Kabinett des Schreckens" einst der Fall war, aber solchen Leuten darf man ohnehin kein Gehör schenken.  OFDb

11.03.2018

DARKMAN 3 - DAS EXPERIMENT (1996)

Nachdem die erste Video-Fortsetzung des Kinofilmes „Darkman“ eher eine schlichte Alternativerzählung zum ersten Teil war und sich in dieser vom Pluspunkt der Reihe, der von Larry Drake gespielten Figur des Durant, verabschiedete, blieben die Erwartungen an einen Teil 3 sehr weit unten. Mit Jeff Fahey hatte man zwar einen halbwegs prominenten Ersatz für einen neuen Gegenspieler Darkmans gefunden, wirklich beeindrucken konnte mich der gute Mann jedoch noch nie. Seine Leistung blieb mir nie wirklich länger im Gedächtnis hängen, und so wird es wohl auch nach „Darkman 3 - Das Experiment“ sein, obwohl er alles dran gibt einen herrlich übertriebenen Comicschurken abzugeben.

Glücklicher Weise fällt dieses enorme Overacting im Komplettfilm nie ärgerlich auf, denn die „Darkman“-Reihe scheint nun endlich ihre wahre Natur akzeptiert zu haben, so viele Pulpelemente wie hier vorhanden sind, um aus dem dritten Teil ein freudiges Schunderlebnis werden zu lassen. Ignorierte man in „Darkman 2“ fast gänzlich die Schmerzunempfindlichkeit und die enorme Stärke des Helden, die durch seine psychischen Störungen verursacht werden, so setzt die Geschichte der zweiten Fortsetzung genau an diesen Informationen an und orientiert sich somit wieder mehr am Superheldenaspekt der Hauptfigur, bzw. sich überhaupt wieder an ihm, nachdem sich der Vorgänger eher für den besser besetzten Durant interessierte. Zwar ergibt es so gar keinen Sinn, dass Westlakes Gene sich angeblich wunderbar für die Erschaffung extremer Steroide eignen würden, immerhin erlangt Westlake seine Stärke auf „Hulk"-Art durch Stresssituationen und nicht aufgrund biologischer Begebenheiten in seinem Körper, aber um Logik gab man bereits im Kinofilm nichts, also braucht man das an Teil 3 auch nicht zu kritisieren.

Wieso sollte man überhaupt klagen? „Darkman 3 - Die Darkman Die“ (Originaltitel) ist eine kunterbunte, schräge Comicstory mit einem irren Gegner und vielerlei Ideen, aus denen man gleich mehrere Abenteuer des düsteren Helden hätte basteln können. Einmal gerät Darkman in die Gefangenschaft seines Gegners mittels einer Fernbedienung, dann darf er gegen eine Gruppe Männer kämpfen, die alle über Darkmans Kraft verfügen („Superman 2“ lässt grüßen), in einer längeren Sequenz darf Westlake unfreiwillig das Leben seines Feindes während einer Geburtstagsüberraschungsparty spielen und sorgt mit einer verräterischen Aussage für Unmut in Rookers eigenen Reihen, kurzum an groschenromanartigen Ideen mangelt es wahrlich nicht. Allein aus der Ärztin, die Westlake im ersten Film operierte, eine eiskalte, geradezu irre Bitch zu machen, zeigt auf wie verspielt man vorging und wieviel Spaß es den Autoren bereitete sich hemmungslos im Schund zu wälzen. Ob es so eine gute Idee war verkrampft ein Verliebtsein in die ahnungslose Frau des Feindes einzubauen, zumal der väterliche Aspekt durchaus ausgereicht hätte, so sehr wie Westlake Gefühle für Rookers Tochter entwickelt, sei einmal dahin gestellt, allerdings passt dieses Klischee wiederum zur völlig realitätsentrückten Comicartigkeit des Streifens, also was soll‘s.

Freilich ist auch „Darkman 3“ ebenso wie sein Vorgänger lediglich eine kostengünstige Videoproduktion, aber erneut schafft es Regisseur Bradford May die Geschichte flott zu inszenieren. Und da sie diesmal nicht nur wie ein plumpes Wiedererzählen der Originalgeschichte wirkt und sich zudem endlich heimisch im Schundfilmbereich eingependelt hat, dort wo Darkman meiner Meinung nach seit je her hingehört hätte, guckt sich das alles runder und ehrlicher als zuvor. Stilistisch bleibt Teil 1 der bessere Film, zumal er im Gegensatz zu den Videofortsetzungen noch im Horrorbereich angesiedelt ist, aber Teil 3 ist genau jene Art düsterer, actionhaltiger Unsinn, den man sich für eine Fantasyreihe dieser Art wünscht. Von daher hätte es von meiner Seite aus gerne weitere Fortsetzung im Stile des hier besprochenen Filmes geben können. Es kam aber weder zu einer solchen, noch zu einer andersartigen. Vielleicht sollte Produzent Sam Raimi nach dem Erfolg der TV-Serie „Ash vs. Evil Dead“ einmal darüber nachdenken, ob er Darkman nicht doch noch mal eine zweite Chance als TV-Serie geben sollte. 1992 versuchte er dies bereits mit einem Pilotfilm, der nie fortgesetzt wurde. Vielleicht wäre das heutige Publikum aufgrund von TV-Serienerfolgen wie „Flash", „Daredevil" und Co heutzutage offener für eine solche Art alternative Superheldenreihe.  OFDb

DARKMAN 2 - DURANTS RÜCKKEHR (1995)

Trotz geglücktem Unterhaltungswert und aller Sympathien zu den Ideen in „Darkman“ war der Film über den von Raimi selbstständig kreierten Superhelden, den er aus Trotz dafür geschaffen hatte die „Shadow“-Verfilmung nicht übernehmen zu dürfen, kein wirkliches Kinoereignis und wirkte mit seinen leider vorhandenen Fehlern und Tücken viel eher wie eine Videoproduktion. Da war es aufgrund des interessanten Stoffes eigentlich eine gute Idee aus den vorhandenen Möglichkeiten eine TV-Serie zu basteln. Als diese nach dem Pilotfilm 1992 scheiterte versuchte sich Raimi drei weitere Jahre später an einer Version, die tatsächlich direkt für den Videomarkt entstanden ist. Er gab die Regie an Bradford May ab, der später auch an der „Tremors“-TV-Serie als Regisseur mit an Bord war, das Drehbuch schrieb Steven McKay nach einer Geschichte von Robert Eisele und Lawrence Hertzog, und Sam Raimi übernahm die Position des Produzenten. Darkman selbst wurde zum dritten Mal neu besetzt mit dem später durch „Die Mumie“ bekannt werdenden Arnold Vosloo, und für die Rolle des Durant konnte erneut Larry Drake gewonnen werden.

Während der Pilotfilm zur nie entstandenen Serie eine Neuerzählung des Kinofilmes war, signalisiert „Darkman 2“ bereits mit seinem Beititel, dass er eine Fortsetzung der bisherigen Geschehnisse ist und kein dritter Versuch die bereits bekannte Geschichte noch einmal zu erzählen. Trotzdem ist Drake zum dritten Mal mit dabei, egal wie unsinnig dieser Gedanke auch sein mag. Durant hatte keine Chance zu entkommen, bevor der Hubschrauber explodierte. „Darkman 2“ ignoriert diese Szene zudem nicht, um seine Geschichte auf andere Art fortsetzen zu können, ganz im Gegenteil wird besagte Explosion gar erneut gezeigt (Raimi besaß glücklicher Weise die Rechte das Filmmaterial seines Kinofilmes erneut mit einbauen zu können), was die Wiederkehr des fast unversehrt aussehenden Oberverbrechers als völligen Unsinn wirken lässt. Akzeptiert man diesen Nonsens, der selbst die extremen Unglaubwürdigkeiten des ersten Filmes zu überbieten weiß, erweist sich die erneute Anwesenheit Larry Drakes jedoch als Glücksfall des Filmes, ist es doch er mit seinem Schurkengesicht, der „Darkman 2 - Durants Rücckkehr“ überhaupt erst zum laufen bringt.

Arnold Vosloo mag zwar als Liam Neeson-Ersatz charismatisch wirken, tatsächlich weitaus mehr als sein prominenter Schauspielkollege, aber gerade im wichtigsten Aspekt erweist sich der Mann trotzdem als nicht all zu gut besetzt, und dies ist seine Stimme, die ihn beim wütenden Herumbrüllen im Originalton wie einen erregten Buben wirken lässt, anstatt wie ein schauderhaftes Monster, das kurzfristig erneut in den Wahnsinn abzurutschen droht. Glücklicher Weise gibt es solcher Momente recht wenige, trotzdem bleibt der Sehwert hauptsächlich bei Drake liegen, erweist sich die Geschichte eigentlich doch als olle Blaupause der Originalgeschichte, bzw. als sich ewig im Kreis drehende Jagd zwischen Darkman und Durant, die ironischer Weise erneut damit endet, dass Durant in einer Explosion stirbt. Er wäre nun endgültig tot, murmelt Westlake, der Zuschauer schmunzelt derweilen und denkt sich: wo ist der Unterschied zur Hubschrauberexplosion? Wenn er diese überlebt hat, kann er jederzeit wiederkehren.

Das tat er nicht. Zwar gab es einen „Darkman 3“, doch der dreht sich nicht mehr um Durant, was sich überraschender Weise als geglückt herausstellt. Denn blickt man auf den hier besprochenen zweiten Teil, so hat die Geschichte doch wahrlich nicht viel mehr zu bieten als diesen wunderbaren Erzschurken. Der herrlich durchgeknallt aussehende, irre Wissenschaftler, der Durant beim Bau einer Superwaffe hilft, kommt ebenso wie besagte Waffe zu kurz, um zum echten Schauwert zu werden, die eher angedeutete anstatt tatsächlich aufbauende Love Story zwischen Westlake und eine um ihren toten Bruder trauernden Frau wirkt extrem krampfhaft eingebracht, und ein möglicher Helfer und Freund Westlakes darf zu früh sterben, und hilft mit diesem Schicksal weit weniger der aktuellen Geschichte, als dass er viel mehr eine Parallele zu Westlakes Vergangenheit aufweist, was sich in einem Film, der ohnehin wie eine Wiedererzählung wirkt, nicht gerade vorteilhaft schaut.

Auch Darkmans Zwang zur Anonymität wirkt eher krampfhaft des Klischees wegen eingebaut und macht die Figur keineswegs mystischer. Sein Fortbewegungsmittel und sein geheimer Unterschlupf werfen weiterhin mehr Fragen als Antworten auf. Und doch weiß „Darkman 2“ eigentlich recht nett zu unterhalten, wenn auch auf simplerer Ebene als der für einen Kinofilm zu simpel ausgefallene Originalfilm um den Darkman. Nicht nur dass Bradford May, der ebenfalls Teil 3 dieser Reihe inszenierte, es versteht das bereits Bekannte flott und halbwegs atmosphärisch zu verpacken, letztendlich kommt dem Film auch zu Gute, dass er lediglich eine Videoproduktion ist und man ihm damit im Vorfeld weit mehr Fehler zugesteht, als es bei einer Kinoproduktion der Fall ist. „Darkman 2“ macht nie den Eindruck großes Kino sein zu wollen, er ist sich seiner schlichten Herkunft bewusst, und er wirkt stilistisch weit mehr wie ein absichtlicher Pulp-Film, als es noch der große Vorgänger tat. In diesem Gewandt weiß er trotz all seiner Makel weit besser zu funktionieren als man meinen sollte, vorausgesetzt man kann sich als Zuschauer mit der reduzierten Schauwertformel arrangieren.  OFDb

09.03.2018

DARKMAN (1990)

Mit „Darkman“ erschuf Regisseur Sam Raimi seinen eigenen Superhelden, der typisch für den „Tanz der Teufel“-Regisseur ein wenig im Bereich des Horrors beheimatet ist, von seiner Geschichte her letztendlich aber irgendwo zwischen „Batman“, „RoboCop“ und dem später entstandenen „Blankman“ angesiedelt ist. Das Ganze wird mit der hervorragenden Zusatzidee versehen, dass Dr. Westlake aufgrund künstlicher Haut für 99 Minuten fremde Identitäten annehmen kann, was Möglichkeiten und Risiken gleichermaßen beinhaltet. Raimis „Darkman“ besitzt die typischen Eigenschaften und das typische Schicksal einer tragischen Superheldenfigur, so dass es aufgrund dessen und dem gelungenen Aussehen des gar nicht so strahlenden Helden a la „Phantom der Oper“ von der Hauptfigur her nichts zu klagen gibt, zumal sie mit Liam Neeson gut besetzt ist. Der weiß nicht nur mimisch zu überzeugen, gerade der Einsatz seiner Stimme macht viel am Gelingen seiner Figur aus, so wie es einst bei Claude Rains als „Der Unsichtbare“ der Fall war, denn beide laufen verhüllt umher und sind meist nicht zu sehen. Ist es Westlake doch gelegentlich, dann ist dies mit einer faszinierenden Rahmenstory um Selbstlüge und Träumerei verbunden, die den Wissenschaftler glauben lässt, er könne irgendwann in sein altes Leben zurückkehren.

Auch der Gegenpart ist mit dem späteren „Dr. Giggles“-Darsteller Larry Drake toll besetzt, besitzt er doch ein Schurkengesicht, wie man es in dieser comicübertriebenen Art nur selten findet, und auch er weiß hervorragend seine Stimme zum Einsatz zu bringen. Drake weiß als Durant allein durch seine Präsenz sich in jeglicher Szene in den Vordergrund zu spielen, was gerade die wuchtige Eingangssequenz beweist, in welcher wir die Gnadenlosigkeit dieses skrupellosen Verbrechers mittels wuchtiger Action, tollen Stunts und mit recht vielen Statisten für eine derartige Szene versehen kennen lernen dürfen. Scheinbar ging ein großer Teil des Budgets für diese und manch andere Actionszene drauf (allein die angenehm lange Hubschrauberszene im Finale ist eine wahre Wucht), denn an anderer Stelle wird das restliche, scheinbar magere Budget all zu deutlich, ganz erbärmlich in jenen visuellen Effekten zu erkennen, die uns den inneren, psychischen Prozess Westlakes verdeutlichen sollen, da er aufgrund dessen, dass er kein Schmerzempfinden mehr besitzt unter starken Gefühlsausbrüchen leidet, die ihn nahe an den Rand zum Wahnsinn bringen - wahrscheinlich sogar bereits über diesen hinaus.

Das ist etwas schade, da gerade dieser Bereich professioneller umgesetzt die Mystik der Hauptfigur perfekt hätte abrunden können, der eigentliche fatale Fehler, der „Darkman - Der Mann mit der Gesichtsmaske“ (Alternativtitel) jedoch nicht in die Kategorie des wahrlich gelungenen Films katapultiert ist sein Einsparen der Laufzeit in Szenen, die an der Glaubwürdigkeit der Geschichte nagen. Selbstverständlich passieren alle Geschehnisse in einer parallelen Comicwelt, in welcher alles Kriminelle auf ein groteskes Niveau hochgeschaukelt wird, und das ist auch gut so. Der Schwachpunkt findet sich an anderer Stelle, und dies ist eine weitere die an der funktionierenden Mystik des Helden nagt. Der Aufbau des geheimen, neuen Lebens Westlakes weiß nicht zu überzeugen. Seine Gaderobe hat er sich schnell aus der Mülltonne gefischt, über diesen zu schlicht gehaltenen Aspekt kann man noch diskutieren, aber wie der gute Mann bitte in einem angeblich völlig abgelegenen Gebäude seine zerstörten Apparaturen wieder zum Laufen bekommt, um erneut mit der Herstellung künstlicher Haut beginnen zu können, ist völlig an den Haaren herbeigezogen, was mit einer zusätzlichen Laufzeit von etwa 5 Minuten hätte inhaltlich bereinigt werden können, um auch diesem Aspekt wenigstens einen Hauch Comicglaubwürdigkeit zu bescheren.

Da dieser Aspekt so extremst unglaubwürdig ausfällt, geht viel von dem Feeling zukünftiger Aktionen des Darkmans verloren, da nun der düstere Look des Films, der noch die Naivität des Stoffes recht gut verschleiern konnte, nun noch gegen Unsinn kämpfen muss, und da kann der irgendwo zwischen Action und Horror schwankende Fantasyfilm nur verlieren und wird nie dem Mythos gerecht, den die Figur des Darkman theoretisch besaß. Zu welch besserer Leistung Raimi bei mehr Budget im Superheldenbereich in der Lage ist, beweist ausgerechnet der weit mehr im Mainstream angekommene „Spider-Man“, was aber auch zeigt, dass der alternative Film nicht immer die bessere Wahl zum Kommerzfilm ist. Nicht falsch verstehen, „Darkman“ weiß durchaus zu unterhalten, zumal er keine Durchhänger in seiner flotten Inszenierung besitzt, er erreicht lediglich nicht sein volles Potential und weiß inhaltlich nicht vollkommen zu überzeugen, gerade in einem so wichtigen Bereich wie dem Aufbau des neuen Lebens Darkmans im Untergrund. Zumindest im dramatischen Bereich macht Raimi vieles richtig, und die Action ist auch nicht von schlechten Eltern. „Darkman“ ist ein schlichter Superheldenfilm der düsteren Sorte, der gerne mehr wäre als er ist, aber definitiv unterhaltsamer ausgefallen ist als manch anderes Experiment ähnlicher Art, man denke nur einmal an die „Spawn“-Verfilmung oder Millers „The Spirit“.  OFDb

14.01.2018

ARMEE DER FINSTERNIS (1992)

Nachdem mit „Within the Woods“, „Tanz der Teufel“ und „Tanz der Teufel 2“ Sam Raimi drei Mal die selbe Geschichte leicht variiert erzählte, bescherte er mit „Armee der Finsternis“ der dritten Version eine richtige Fortsetzung, die inhaltlich mit leichten Veränderungen versehen dort anknüpft, wo der Vorgänger tatsächlich endete. Leider sind es nicht nur die veränderten Momente im Vergleich zur Schlussszene von „Tanz der Tejufel 2“, die beide Werke wenig kompatibel miteinander wirken lässt, auch die fehlende Hartnäckigkeit der übernatürlichen Gegner, ihre Art wie man sie töten kann und ihre Motivation zu tun was sie tun sind nicht kompatibel mit den kaum kaputt zu kriegenden Wesen der Geschichte in der Hütte. Aus einem leicht großmäuligen Ash wird nun zudem ein arg dümmlicher Prolet, der nun mehr denn je unreflektiert die Fresse aufreißt und beleidigendes, wie dusseliges Zeug von sich lässt. Er suhlt sich in seinem Heldentum, ist zu dumm sich drei fremdsprachige Worte zu merken (die man augenzwinkernd aus „Der Tag, an dem die Erde stillstand“ entlieh) und baggert Frauen mit plumpsten Methoden an.

Nachdem Sam Raimi bereits „Tanz der Teufel 2“ mit allerhand Komik versehen hatte, zerstört er in der Fortsetzung nun das angenehme Gleichgewicht beider Genres und lässt es komplett in Komik baden. Was zu Beginn unakzeptabel, aber halbwegs funktionierend in Ordnung geht, verkommt bei der Ankunft in einer Mühle zu einer Blödelorgie, die jegliches bisher gekanntes Niveau vermissen lässt. An sich ist die Mühlenszene als Parallelszene zum Vorgänger gedacht, der einzige Ort an dem Ash alleine ähnliches wie in der Hütte passieren kann. Nur achtet Raimi in „Army of Darkness“ (Originaltitel) lediglich auf optische Raffinessen, missachtet beim durchaus kreativen Spiel gegen die Dämonen jeglichen psychologischen Aspekt und übrig bleiben trotz der Idee teuflischer kleiner Ashs und dem Wachsen eines zweiten Ashs aus dem eigenen Körper heraus lediglich kindlische Spielereien, die mich damals in der Jugend noch zu belustigen wussten, mich bei der Neusichtung jetzt jedoch nur noch genervt haben.

Ein Blick ins Zusatzmaterial der DVD verrät, dass die Mühlenszene ursprünglich als unheimliche Szene gedacht war. Hier erlebt man den einzigen Moment, der wahren Horror aufkommen lässt und stilistisch perfekt zu den Vorgängern passt. Allerdings hätte diese wunderbare Szene tatsächlich keinesfalls zu „Armee der Finsteenis“ gepasst und dessen Tempo für einen unnötigen Stilwechsel abgebremst. Es ist schade dies eingestehen zu müssen, wenn man doch sehen darf wie stilsicher Raimi dort immer noch zu arbeiten weiß, aber es macht deutlich wie sehr dem Regisseur daran gelegen war mit „Evil Dead 3“ (Alternativtitel) etwas anderes abliefern zu wollen. Das wäre gar ein lobenswerter Ansatz, wenn die Alternative zum bisher dargebotenen auch die Substanz der Vorgänger besitzen würde, aber an „Der Totentanz der Teufel 3“ (Alternativtitel) ist alles nur vordergründiger Zauber, optische Augenwischerei, die jegliches geistige Hinterfragen nicht besteht.

Ashs Wanderung zum Necronomicon funktioniert lediglich aus Comicsicht und hält keinerlei Logik stand, nicht einmal bei der Frage warum nicht wer anders längst zum besagten Friedhof ritt. Zwar macht das Einbauen von Comic- und Cartoonkomik, wie das Vogelgezwitscher nachdem Ash etwas gegen den Kopf gestoßen ist, deutlich sich eben jenem Bereich absichtlich zuwenden zu wollen, aber das reicht in einer solch dünnen und konstruierten Geschichte wie der hier erzählten leider nicht um den kompletten Wahnsinn stemmen zu können. Warum Ash final gegen seinen bösen Zwilling kämpfen darf, dieser zum obersten Machthaber einer optisch nett anzusehenden Skelettarmee wird und warum diese mit relativ harmlosen Methoden so leicht außer Gefecht zu setzen sind, lässt sich alles nicht erklären, will Raimi auch gar nicht erklärt wissen, denn ihm geht es um optische Verrücktheiten, um den Spaß am Nonsens und um den Drang möglichst viele Spezialeffekte einsetzen zu dürfen und dafür Momente zu schaffen, die 1987 mit dem damaligen Budget nicht umzusetzen gewesen wären. Wieder ist alles handgemacht, das freut, aber das arge Bemühen besonders schwer umzusetzende Szenen zu realisieren, lässt die Effekte viel veralteter wirken als jene aus dem Vorgänger, die noch immer ein Staunen zu  verursachen wissen.

So oder so, mit allem was Raimi will macht er den „Tanz der Teufel“-Mythos etwas mehr kaputt, und leider will „Armee der Finsternis“ auch für sich allein stehend für mich nicht funktionieren. Raimi erreicht trotz des Verzichtes auf Splatstick die Geistlosigkeit von Peter Jacksons „Braindead“, dabei wäre es eher schön gewesen Jackson hätte sich dem Niveau Raimis angepasst. Aber so waren die 90er Jahre des Horrors bevor „Scream“ daher kam. Das Genre war kaputt, wurde mit zu viel Humor verwässert, und wie typisch für dieses Filmjahrzehnt gab man auch nichts mehr um intelligente Hintergründe, analytische Grundlagen, ja nicht einmal mehr was um interessante Charaktere. Selbst Ash ist keiner mehr. Bei einem derartig verwässerten Ergebnis freut es mich um so mehr, dass man sich 30 Jahre später in der Serie „Ash vs. Evil Dead“, trotz des kommerziellen Erfolges des hier besprochenen Filmes, wieder mehr an „Tanz der Teufel 2“ orientierte anstatt an „Armee der Finsternis“, der leider nur die dümmliche Kinderfilmvariante eines einst so interessanten Stoffes wurde.  OFDb

03.01.2018

TANZ DER TEUFEL 2 (1987)

Nach „Within the Woods“ und „Tanz der Teufel“ erzählt Sam Raimi nun zum dritten Mal seine Geschichte um böse Dämonen im Wald und lässt hierfür erneut eine Figur namens Ash in die legendäre Waldhütte reisen. Zwar ist es diesmal jener Ash, mit dem es in den fortsetzenden Projekten zu „Tanz der Teufel 2“ auch weitergehen soll, so dümmlich wie in „Armee der Finsternis“ und „Ash vs. Evil Dead“ wird er jedoch nicht gezeichnet. Er wirkt etwas unsicher, ist, wie es jeder in dieser kaputten Situation wäre, völlig überfordert, und sein Grundcharakter ist einfältig zu nennen, aber dumm ist er eigentlich nicht, dafür handelt und argumentiert er in Relation zu der wahnwitzigen Situation, der er gegenübersteht, relativ rational, und auch seine großmäulige Ader ist noch nicht derart ausgeprägt wie in den Fortsetzungen und zeigt sich nur gelegentlich in manch sexistischen Harmlosigkeiten am Rande.

Raimi tut gut daran den Stoff einmal humoristisch aufzuarbeiten, ist sich aber auch des perfekten Mixes aus Horror und Komik bewusst. Es dauert gar einige Zeit bis sich aus dem düsteren Treiben die schwarze Komik herauskristallisiert, so gekonnt wechseln sich beide Genres ab, bzw. gehen sie Hand in Hand, womit „Evil Dead 2“ (Originaltitel) stilistisch weit vom humordominanteren Nachfolger „Armee der Finsternis“ entfernt ist. Am besten passt wohl der Vergleich zum ersten „The Return of the Living Dead“ wenn man das Zusammenspiel von Humor und effektiven, spannungsgeladenen Horrorszenen beschreiben müsste. Hier wie dort stehen Grusel, Schock, Wahnsinn und Momente des Schmunzelns und des Lachens zielsicher nebeneinander, ohne einander zu behindern, sondern ganz im Gegenteil ein fruchtbares Miteinander zu führen, welches den Zuschauer in ein Abenteuer entführt, welches bis heute von der Konkurrenz unerreicht bleibt.

Raimi und seiner Crew stehen sichtbar mehr Dollar zur Verfügung, so dass Spezialeffekte für seine Zeit zu überzeugen wissen, weniger überzeugende Momente gar absichtlich unprofessionell eingebracht scheinen, um die Einfältigkeit von Ashs Charakter auch in die Grundatmosphäre des Streifens integriert zu bekommen. Nicht nur dass es den Verantwortlichen des Streifens keineswegs an kranken Ideen mangelt - die bekommt man hier am laufenden Meter geboten - die visuelle Umsetzung bringt den Zuschauer mehr als gelegentlich zum Staunen und weckt in jungen Gemütern hin und wieder ihre Phantasie. Allein den lebenden Wald beobachten zu dürfen, ist eine optische Wucht für sich, freilich alles 1987 noch handgemacht umgesetzt.

Die Handlung des ersten Langfilmes wird komprimierter umgesetzt. Bereits der Vorgänger des hier besprochenen Filmes stieg zügig ins Geschehen ein. Raimi erwartet, dass der Zuschauer den Grundplot nach zwei Erzählungen bereits kennt und schafft es die Ausgangslage in etwa 5 Minuten abzuarbeiten, ohne dass sich „Der Totentanz der Teufel 2“ (Alternativtitel) deswegen ungemütlich und zu gehetzt schaut. Der Grundton stimmt, der Zuschauer wird nicht enttäuscht, und selbst wenn es in der Ausnahme einem Zuschauer nicht schmecken sollte, er würde nicht lange meckern, nutzt Raimi diesen rasanten Einstieg doch für die Chance sich für einen Aspekt mehr Zeit zu lassen, den er in „Tanz der Teufel“ nur bedingt thematisieren konnte: Ashs einsamen Kampf gegen das Böse in der Hütte. Von einigen wenigen Szenen zukünftig wichtiger Figuren einmal abgesehen, besteht die Hälfte der Laufzeit von Teil 2 aus einer One Man-Show Bruce Campbells, der sich als Ash sämtlichen Bedrohungen entgegensetzen muss.

Klassisch beginnt das Szenario mit dem Körperbesitz der Freundin durch einen Dämon (im weiteren Verlauf darf es diesmal auch männliche Körper treffen), ein Szenario welches auch nach derer Beerdigung mit allerhand skurriler Ideen vielschichtig ausgeschlachtet wird, während Ash es ansonsten mit dem Inventar der Hütte zu tun bekommt, da die Dämonen diesmal wirklich alles besetzen können, bishin zu Ashs eigenem Körper. In einer der legendärsten Szenen besetzen die Dämonen Ashs Hand. Hier kann Campbell sein komplettes Können in Sachen Schauspielerei und Grimassenreißerei unter Beweis stellen, gönnt man ihm bei dieser grandiosen Darbietung doch seine One Man-Show, die freilich stilistisch viel dicker aufgetragen ist, als all das kranke Geschehen des bereits nicht zurückhaltenden Vorgängers. Selten ist dies der Fall, doch diesmal gefällt mir die lautere, wildere und schrillere Variante ein und des selben Stoffes mehr als die noch ansatzweise subtilere, wesentlich düstere Vergleichsversion, sprich ich liebäugel mit „Tanz der Teufel 2 - Jetzt wird noch mehr getanzt“ (Alternativtitel) mehr als mit dem ebenfalls hervorragenden „Tanz der Teufel“, eben weil hier so ziemlich alles perfekt ineinander greift. Lediglich manche zeitlichen Aspekte, meist wenn Ash aus der Kameraperspektive heraus von etwas Unbekanntem verfolgt wird, sind nicht glaubwürdig umgesetzt.

Lauter und weit weniger subtil ist freilich auch das Zentrum des Vorängers eingefangen: das Spiel mit Normalität und Irrsinn, dem Abrutschen in den Wahnsinn, dem Versuch diesem zu entkommen, die Normalität wieder halbwegs herzustellen, die Frage nach den Grenzen beider Bereiche und der Frage welche Tat inmitten von Irrsinn als rational angesehen werden kann und welche nicht. Wenn Ash in der ersten Filmhälfte seine One Man-Show zelebrieren darf, bricht diese Thematik deutlicher denn je hervor. Sein Spiegelbild beginnt mit ihm zu sprechen, erwürgt ihn, woraufhin die Optik sich ändert und Ash sich selber erwürgt. In einer anderen Szene erwacht Ash nach einem schrecklichen Erlebnis schreiend im Sessel sitzend, so als hätte er sich das zuvor Geschehene lediglich eingebildet. Gerade wieder zur Vernunft gekommen, den Verstand wieder halbwegs gerade gerückt, fällt ihm der Kopf seiner Freundin in den Schoß, um zu beweisen, dass doch geschah was geschah. Den deutlichsten Verweis auf die Thematik rund um den Irrsinn findet jedoch in Ashs letzter Soloszene in der Hütte statt, wenn das komplette Inventar, angefangen beim Elchskopf, beginnt ohne Grund zu lachen, und Ash damit derart beeinflusst, dass dieser innerhalb kürzester Zeit komplett den Verstand verliert und beginnt hysterisch mitzulachen.

Das wäre das Ende seines Geisteszustandes gewesen, würden nun zur zweiten Hälfte nicht die in den Randszenen bereits kurz aufgetauchten Zusatzpersonen ins Geschehen treten, die Ash auf ungemütliche Weise dazu zwingen sich wieder der unangenehmen Realität zu stellen. Mit dem Wechsel von der Einmann-Show zum gemeinsamen Kampf gegen die sadistischen Dämonen und ihrem Drang von der Angst und den Nerven ihrer Opfer zu zehren, wendet sich der Film von dem Aspekt Wahn und Normalität ab, der im Vorgänger noch über dem kompletten Werk schwebte. In Teil 2 ist dieser Aspekt in der ersten Hälfte derart dominant thematisiert worden, dass es wohl die richtige Entscheidung war nun losgelöst von diesem Aspekt den wilden Ritt fortzusetzen, denn nun nachdem Ash in kürzester Zeit unfreiwillig zu einer Art Profi im Kampf gegen die Dämonen ausgebildet wurde, liegt es nun hauptsächlich an ihm die ungleiche Gruppe, die sich in der Hütte eingefunden hat, zu beschützen.

Aus wild aneinander gereihten, schrägen und kreativen Spielereien wird nun mehr und mehr so etwas wie eine tatsächliche Handlung, so dass der Gefahr auf der Stelle zu treten und Langeweile zu erzeugen, welche die erste Hälfte durch die hervorragende Inszenierung perfekt umgangen ist, entgegengetreten wird und somit kaum noch eine Chance gewährt wird. Dank interessanter Charaktere, weiterhin hochgradig wahnsinniger und kreativer Ideen und dank einer stets aufrecht erhaltenden interessanten Optik kommt es dementsprechend auch weiterhin nie zu einem Stillstand. Die Figurenzeichnung zweier Backwoods ermöglicht es Raimi zudem dümmliche Verhaltensweisen ganz legitim ins Geschehen einzubauen. Dies nutzt er u.a. dafür die legendäre Baumvergewaltigungsszene des Erstlings in leicht harmloserer Version zu variieren, ohne hierfür das Niveau des Drehbuchs senken zu müssen, wie noch im Vorgänger geschehen.

Ash mag nun nicht mehr allein sein, das ändert aber nichts am wilden Ritt den er und seine Mitmenschen weiterhin durchstehen müssen. Raimi gewährt weder ihnen noch dem Zuschauer eine Atempause. Wenn das Szenario ruhiger wird liegt die Bedrohung spürbar in der Luft, welche das Publikum in ihrer Anspannung kaum atmen lässt, ansonsten passiert immer irgendetwas Bizarres, Groteskes, Krankes oder Ungewöhnliches, und diese gnadenlose Art behält der Film konsequent bei bishin zum pointensicheren Schluss-Gag, den eine überleitende Idee ermöglichte, welche wahrlich die Phantasie des Zuschauers zu kitzeln weiß. Gleichzeitig baut sie auf dem genialen Kniff auf, dass eine scheinbare Lösung der Probleme stets auch unbedachte Nebenwirkungen mit sich ziehen kann, gerade wenn man mit etwas spielt, mit dem man sich nicht auskennt. Der Weg zum Schluss-Gag zeigt mehr denn je, wie durchdacht und intelligent der Hintergrund und die Gesamtheit des ganzen wilden Treibens ist, welchem Raimi uns aussetzt.

Hierin liegt wohl auch die Erklärung, warum andere Werke wie „Braindead“ und Co, die darin bemüht waren etwas ähnliches wie Raimi abzuliefern, daran scheitern, wenn sie sich einzig den vordergründigen Schauwerten hingeben, ohne diesen einen psychologisch stimmenden Rahmen, ein analytisches Gesamthema und ein hintergründiges Verständnis zu bescheren. Einzig „House“ schaffte es in familienfreundlicherer Art und ohne geistreiche Hintergründigkeit ansatzweise das Niveau der wilden Geisterbahnfahrt des ein Jahr später entstandenen „Tanz der Teufel 2“ einzufangen, wurde von dessen Perfektion jedoch gnadenlos überholt. Die meisten anderen Horrorkomödien, die in diese Richtung tendieren, scheitern spätestens an der fehlenden Substanz, welche den schrägen Gimmicks einen sinnvollen Zusammenhang und Hintergrund beschert. Wäre es zu einfach dieses Ziel zu erreichen, wäre „Evil Dead 2“ wohl kaum der Kultfilm und das Meisterwerk, das er im Filmbereich auch außerhalb der Horrorszene geworden ist.  OFDb

02.01.2018

TANZ DER TEUFEL (1981)

Am Anfang gab es 1978 den Amateur-Kurzfilm „Within the Woods“, der seinen Regisseur Sam Raimi dazu inspirierte mit seinem Kumpel Bruce Campbell, der ebenfalls am Original mitwirkte, daraus einen Langfilm zu zaubern. Zwar bekam man hierfür Geld aufgetrieben, aber man musste mit bescheidenen Mitteln leben, so dass die Crew sich manch interessante Idee einfallen ließ „Tanz der Teufel“ dennoch aufgeregt gestaltet zu bekommen. Um es gleich vorweg zu nehmen: dies ist ihnen wahrlich gelungen, und die Mittel zum Ziel beeinflussten ebenso wie jene der Fortsetzung andere Filmschaffende, was dem Kultstreifen gar noch mehr Daseinsberechtigung beschert als ohnehin schon.

Die Geschichte ist schlicht ausgefallen, aber hochinteressant in Szene gesetzt innerhalb eines Plots, der auch auf der Stelle hätte treten können und damit auf Dauer hätte langweilen können wie im Remake „Evil Dead“ geschehen. Eine düstere Atmosphäre, simple optische Spielereien und die Extreme des Geschehens verzaubern das, was andere in ein ödes Etwas verwandelt hätten, zu einem wilden Horrorritt mit gruseligen Momenten, schockierenden Szenen und einem verspielten Umgang mit dem Kampf Mensch gegen Dämonen.

In diesem Kampf kristallisiert sich hervorragend das Spiel von Geist und Irrsinn heraus. Die Besessenen sehen übernatürlich aus, aber ihr Wirken ist geisteskrank, ihre Stimmen und das was sie sagen ebenso. Sind die ersten Taten der Menschen noch rationaler Natur, müssen sie schnell einsehen welchem Wahnsinn sie hier gegenüber stehen, der ebenso wahnsinnige Taten von ihnen abverlangt. Schauspieler Bruce Campbell ist sich dieses Schwerpunktes der Story bewusst und arbeitet mimisch immer wieder mit dem Kampf nicht in den Irrsinn abzurutschen, bzw. immer wieder den Weg zurück zum Normalsein zu versuchen, was sich als gar nicht so einfach herausstellt, bei all dem was seine Figur Ash durchstehen muss.

Diese ist in „Evil Dead“ (Originaltitel) im Grundcharakter noch alltäglich gezeichnet. Erst der Ash von „Tanz der Teufel 2“, der Aufgrund einer Neuerzählung anstatt einer Fortführung des Erzählten nicht der selbe Ash aus Teil 1 ist, bekommt eine dümmliche Note beschert, die sich über „Armee der Finsternis“ bis hin zur TV-Serie „Ash vs. Evil Dead“ noch gewaltig hochschaukeln sollte.

Wer also wie dort geschehen bei „Der Totentanz der Teufel“ (Alternativtitel) eine Horrorkomödie erwartet, der wird sich wundern welch düsteres Werk Sam Raimi mit der ersten Langfilmversion seiner bislang vier Mal erzählten Story geschaffen hat. Allerdings fällt hier bereits das verspielte Einfangen und Agieren der Besessenen auf, die mit kindlicher, schwarzhumoriger Tücke die Menschen quälen und von derem Leiden zehren. Es braucht beim Betrachten dieser Wesen und ihrer Methoden somit nicht erstaunen, dass es Raimi sechs Jahre später in den Fingern juckte das Ganze einmal bewusst humoristisch einzufangen.

Mögen die Knetgummi-ähnlichen Effekte am Schluss auch nicht überzeugen und die Frage aufwerfen, ob sie dies damals taten, mit ihnen hätte man den einzigen Negativpunkt genannt, den es in „Book of the Dead“ (Alternativtitel) zu entdecken gibt - abgesehen von manch irrationaler Tat der Protagonisten vor dem Bewusstwerden der Gefahr. Die diesbezüglich idiotischste Stelle, das Hineinlaufen in den Wald, weil man bedrohliche Stimmen gehört hat, führt immerhin zu einer der besten und legendärsten Szenen des Streifens, so dass man sich mit diesem Drehbuchunsinn recht gut versöhnen kann. Ohnehin ist „Tanz der Teufel“ ein Film, den man einfach auf sich wirken lassen sollte. Kopf aus wäre der falsche Rat, dann würde man das psychologische Spiel mit Sinn und Irrsinn übersehen, aber all zu kritisch sollte man hier nicht auf Logik achten. Die Crew entschädigt mit so vielem anderen, dass es eigentlich nichts zu meckern gibt.  OFDb

22.10.2017

ASH VS EVIL DEAD - STAFFEL 1 (2015)

Ich war definitiv misstrauisch ob die zur Zeit mit viel Gegenliebe beim Horror-Fan aufgenommene Serie zu den „Tanz der Teufel“-Filmen etwas taugen könnte, immerhin steckten die Schöpfer der Originalfilme als Produzenten auch hinter dem missglückten Remake „Evil Dead“, und bereits ihr „Armee der Finsternis“ hatte mir seinerzeit in seiner zu klamaukigen Art nicht sonderlich zugesagt. Dementsprechend kritisch bin ich an „Ash vs Evil Dead“ herangegangen, und ich muss sagen, dass ich ziemlich überrascht bin, wie sehr die Serie „Tanz der Teufel 2“-Luft atmet, wenn auch immer abwechselnd mit dem zu zotigen geratenen Stil aus Teil 3. Das fällt ganz besonders in der von Sam Raimi persönlich inszenierten Pilotfolge auf, die zu 2/3 fast den Stil des Spät-Achtziger-Werkes wiederspiegelt, im Finale aber dann zu Fan-anbiedernd die Mängel der zweiten Fortsetzung aufblitzen lässt.

Glücklicher Weise steht der von mir weniger gern gesehene flappsige Stil der „Armee der Finsternis“-Ausrichtung einer auf 25 Minuten laufenden Serienfolge besser als einem Spielfilm. Ohnehin ist die kurze Laufzeit das Geheimrezept dafür, dass die Serie auf simplem Niveau zu funktionieren weiß. Bereits hier haben sich aufgrund zu monotoner Ereignisse (gerade gegen Ende der ersten Staffel) kleine Längen eingeschlichen. Dementsprechend möchte ich mir gar nicht erst vorstellen wie 45-Minüter ausgesehen hätten. Einzig die Pilotfolge besitzt besagte Laufzeit, als die beste erzählte der ganzen Staffel wird dies glücklicher Weise nicht zu ihrem Nachteil.

Wie schon im dritten Film der Reihe, so sind die Regel ein wenig versimpelt worden, damit die Geschichte zeitlich und örtlich weitreichender funktionieren kann. Dank einiger Kompromisse guckt sich „Ash vs Evil Dead“ jedoch trotzdem sehr kompatibel mit „Tanz der Teufel 2“, dessen Ereignisse zur Vereinfachung mit denen von „Tanz der Teufel“ vermischt werden, obwohl Teil 2 eigentlich eine Alternativerzählung zu Teil 1 war und somit keine direkte Weitererzählung der Geschehnisse aus dem Erstling. Zählt man den Kurzfilm „Within the Woods“ dazu, war „Tanz der Teufel 2“ somit die dritte Verfilmung der selben Geschichte, so dass es nicht verwundern muss, dass auch die Serie irgendwann in Richtung Waldhütte tendiert - und dort überraschender Weise im Vergleich zu den vorherigen Episoden eher nachlässt.

Trotz einiger direkter Parallelen zu den Vorgängern und einigen Verweisen, Verbeugungen und Anspielungen auf diese setzt „Ash vs Evil Dead“ die Geschehnisse eigenständig fort, käuert also nicht nur das bereits dreifach Erzählte noch einmal herunter, sondern versteht sich als Fortsetzung von „Armee der Finsternis“. An Einfallsreichtum mangelt es nicht. Die olle Dämonen-Chose wird immer wieder durch Zusatzaspekte aufgepeppt (eine besessene Spielzeugpuppe) oder durch verwandte Ergänzungen erweitert (andere Dämonentypen), während das Grundgerüst definitiv „Evil Dead“-Luft atmet. An die Computereffekte muss man sich ein wenig gewöhnen. Gemixt mit handgemachtem Gematsche ist dies jedoch einfacher zu akzeptieren als eine einzig aus dem Rechner getrickste Effektorgie.

Trumpf der Reihe bleibt die Besetzung des spielfreudigen, wie markanten Bruce Campbell als Ash. Die neuen Hauptfiguren neben ihm schlagen sich wacker, ernten aber nicht seinen Individualitätsbonus, dafür sind sie zu oberflächlich charakterisiert und zu durchschnittlich besetzt. Ähnlich ergeht es der kompletten Serie. Sie bedient die Kurzweile mit allerhand Action, Splatter und Humor, greift jedoch nie zu tief und hat dem Genre keine neuen Aspekte hinzuzufügen, wie es die ersten beiden Langfilme der Reihe noch taten. Es reicht um alte Fans glücklich zu machen und neue Fans zu gewinnen, ohne einen Hauch Tiefe in der Geschichte bleibt das Treiben jedoch zu trivial, um darin mehr zu sehen als simple, kurzweilige Unterhaltung. Mit diesem schlichten, wie erfreulichen Ergebnis ist die Serie aber noch immer besser ausgefallen, als ich zuvor vermutet hätte.  OFDb
 
Nachtrag:
Die zweite Staffel habe ich nach nur wenigen Folgen abgebrochen. Hier konzentrierte man sich nur noch auf dumme Sprüche und Effekte, die Geschichte und Figuren waren den Autoren egal. Die Abflachung der ersten Staffel bleibt somit kein Ausrutscher, sondern bildet den Übergang zu einer austauschbaren Chose, die dem Reiz der Originalfilme auch in der Lightversion nicht mehr aufgefangen bekommt. 

31.01.2016

POLTERGEIST (2015)

„Poltergeist“ schafft etwas, das für das moderne Kino eine Seltenheit geworden ist. Er präsentiert uns Figuren, die einem derart sympathisch sind, dass es eine Freude ist ihnen bereits bei Nichtigkeiten zuzusehen. Dabei lässt uns Regisseur Kenan allerdings kaum Zeit für besagte Nichtigkeiten, bricht der Terror doch nach recht kurzer Einführungszeit recht radikal über die Familie Bowen ein, und dies auf solch gekonnt inszenierte Art, dass man zu glauben beginnt hier einen ähnlichen Höhepunkt des Spukfilms geliefert zu bekommen, wie es das Original war.

Aber man sollte sich nie zu früh freuen, denn auch wenn die Figuren sympathisch bleiben und der Ablauf sich weiterhin stark modernisiert relativ brav am Original orientiert, so ist die zweite Hälfte des Remakes doch keineswegs so intensiv geraten wie die erste, die uns einen wahrlich gruselig eingefangenen Baum präsentierte, Unheimliches aus dem Boden und eine wirklich unangenehme Clownpuppe inmitten vieler Clownspuppen auf den Sohnemann los ließ.

In dieser angenehm zu schauenden erste Hälfte war es lediglich der Umgang mit der Thematik Arbeitslosigkeit, der einen bezogen auf die Glaubwürdigkeit des Streifens verärgerte. Da verschließt sich Hollywood auf der einen Seite nicht mehr solch häufig vorkommendem sozialen Leid der Gesellschaft und verpackt es auf der anderen Seite realitätsfern als Luxusproblem, weit entfernt vom wahrem sozialen Abstieg, wie man ihn in einer Michael Moore-Doku zu Gesicht bekäme.

Da „Poltergeist“ zu diesem Zeitpunkt jedoch nicht die innereigene Logik seiner selbsterschaffenen Filmwelt bricht, stört dies nur unterschwellig. Man fragt sich lediglich warum ein moderner Flachbildschirm die Tochter einfangen sollte, wohingegen selbiges beim senderfreien Rauschen im Original auf esoterischer Ebene noch recht nachvollziehbar klang. Aufgrund eines schnelleren Abarbeitens der Hintergründe als es Hoopers Auftragsarbeit in den 80er Jahren für Spielberg bot, kommen in der zweiten Hälfte aber nun Widersprüche und Unsinnigkeiten auf, die sich auch auf die selbsterschaffene Welt beziehen. Zusammenhänge ergeben wenig Sinn, Figuren und ihre Handlungen werden überzeichnet, und eine echte Dramatik wird für den theatralischen Showeffekt geopfert.

Das wäre alles noch passabel zu überspielen, wenn das Grauen nicht gleichzeitig seinen Schrecken verlieren würde, aber genau das ist der Fall. Ob es der Blick auf die andere Seite ist oder das Erforschen des Fremden innerhalb unserer Seite, der Grusel lässt nach, das Unwohlfühlen des Zuschauers verschwindet, der Film bereitet einem keine Angst mehr. Zwar weiß „Poltergeist“ auch in dieser schwachen Phase auf etwas weniger interessierendem Level zu unterhalten, allein schon weil alles recht schwungvoll inszeniert ist, aber von nun an ist er ein theoretischer Horrorfilm, der nur noch als erzählte Geschichte funktioniert, nicht aber als Schreckmaschine oder als gefühlsechtes Drama einer Familie, der es auch ohne Spuck nicht gerade gut ging.

Alternativ zu „Poltergeist“ erweist sich „Insidious“ als die bessere Wahl, der ebenfalls gut getarnt lediglich ein Remake von Hoopers 80er Jahre Gruselmärchen für Erwachsene war, ebenfalls die Geschehnisse des Originals abarbeitend, jedoch in solch fremden Gewand, dass dies nur den sehr aufmerksamen Zuschauern auffiel. Aufgrund des hohen Gruselgehalts war es einem auch egal dass dem so ist. Er wusste dem Zuschauer gekonnt Angst einzujagen. Kenans „Poltergeist“ hingegen ist nach einem ereignisreichen Einstieg ein handzahmer Spukfilm aus der Masse geworden, der einen in der zweiten Hälfte nicht mehr zu erschrecken weiß.

Zwar besitzt er in dieser Phase noch immer den esoterischen Kitschgehalt und den abenteuerlichen, fast schon familienfreundlichen Effektbereich auf Geisterbahn-Basis wie man ihn auch in Spielbergs Produktion vorfindet, allerdings blieb das Original selbst in diesen märchenhaften und wilden Phasen unheimlich. Die Neuverfilmung ist immer nur abwechselnd eines davon, und unheimlich später gar nicht mehr. Es ist der sympathischen Charakterzeichnung der Familie zu verdanken, dass man den Film als Zuschauer trotzdem nur halb enttäuscht zu Ende guckt.  OFDb

03.04.2014

NIGHT OF THE INTRUDER (1989)

Das Sub-Genre des Slashers lag während der Entstehungszeit des hier besprochenen Filmes bereits im Sterben beim Interesse des Massenpublikums. Dennoch wagte sich Regie-Neuling Scott Spiegel an diese Filmrichtung, und die lobenswerten Worte von Horror-Fan-Seite schienen seinem Projekt Recht zu geben, wird „Night Of The Intruder“ doch gerne als besonders harter Film seiner Gattung gefeiert, was gerne das einzige ist was der Extrem-Fan an solchen Werken wichtig findet. In Deutschland gab es durch die Beschlagnahmung des Streifens noch einmal einen Zusatz-Hype um „Intruder“ (Originaltitel), seinen Ruf kann ihm keiner mehr nehmen.

Ein großer Erfolg wurde dem Film dennoch nicht beschert, letztendlich erlangte er nur Beachtung beim Stammpublikum, und wenn man ihn gesehen hat weiß man auch warum. Der Film arbeitet sich storytechnisch uninspiriert von einer harten Mordmethode zur nächsten, die, das muss ich schon zugeben, von ihrerer Extreme bis heute nichts verloren hat. Wenn ein Kopf in einer Presse zermatscht und ein Gesicht in der Mitte durchgesägt wird, dann weiß das auch heute noch in diesen drastischen Bildern zu schocken, erst recht nachdem die ersten Morde im Schongang noch im Off geschahen.

Diese Off-Morde geschehen durch nette Szenenwechsel-Ideen, die mit ihrem provozierendem Schnitt ordentlich im schwarzen Humor baden, was nur eine von allerhand originellen Methoden ist, mit denen Spiegel sein Werk optisch aufpeppt. So sucht er ungewöhnliche Kameraperspektiven, spielt oft mit dem was man nicht sieht (z.B. im Running Gag einer immer wieder aus dem Regal fallenden Verpackung), und mit diesen Methoden hofft er, dass sich niemand langweilt. „Bloodnight“ (Alternativtitel) ist recht atmosphärisch inszeniert, deswegen geht der Plan zu Beginn auch auf. Aber wenn man so gar keinen Charakter näher kennen lernt und selbst im Supermarkt nichts weiter geschieht als dass die Leute vor dem Abmurksen ihrer Arbeit nachgehen, dann kann das auf 90 Minuten nicht wirklich funktionieren.

Ganz besonders die Heldin bleibt blass. Sie ist ein Opfer über ihren Ex-Freund, sie ist eine Kassiererin aufgrund ihres Jobs, aber sie ist keine Persönlichkeit. Keine Eigenschaft kommt von ihr, nichts, aber auch gar nichts hebt sie von den restlichen Charakteren des Streifens ab, außer ihre offensichtliche Anwesenheit im Fokus und der Tatsache, dass ihr gewalttätiger Ex als der Hauptverdächtige gehandelt wird. Dass der es niemals in Leben ist, ist jedem klar der mehr als zwei Filme dieser Art gesehen hat. Kommt es im Finale zur Mörderauflösung wäre er als überraschungsfreier Kandidat aber immer noch die bessere Lösung gewesen, als jene die uns an den Haaren herbeigezogen begründet vorgesetzt wird.

Mag diese Auflösung auch blöde sein, zumindest weiß der Mörder nach seiner Enttarnung durch humoristische Übertreibung in seinem Spiel zu gefallen, was besonders wichtig ist für den Schluss-Gag des Streifens, der innerhalb seines Genres längst überfällig war. Somit macht Spiegel einiges wieder wett, was er zuvor vernachlässigt hat. Somit bleibt ein stimmiger Einstieg, ein sympathisches Finale und ein öder Mittelteil mit drastischen Mordmethoden. Da hat es im Bereich des Slashers schon Schlechteres gegeben.

Bedenkt man aber dass „Night Of The Intruder“ unter der Beteiligung von Regisseur Sam Raimi entstand, Bruce Campbell kurz vorbei huscht und auch Ted Raimi mit an Bord ist, hätte man schon ein wenig mehr erwarten können als eine Leere gefüllt mit Blut und netter Optik. Andererseits, mit Blick auf das vor kurzem erschienende „Tanz der Teufel“-Remake „Evil Dead“, in welches die Bande ebenfalls involviert war, scheinen die Namen selbst bis heute keine Qualitätsgarantie zu sein, sobald sie nicht in ihrer üblichen Hauptfunktion tätig sind. Übrigens hat auch Charles Band seine Finger mit im Spiel gehabt. Der wird in den Credits von „Intruder“ zwar nicht genannt, war aber Mit-Produzent des Streifens.

Freunde harter Bilder können rein schalten, selbst mit den Erfahrungen die sie im modernen Horrorfilm gemacht haben. Was Spiegel da an Mordszenen ablichtet ist schrecklich und blutig und damit genau nach dem Geschmack der Gorehounds konzipiert. Wer jedoch einen Spannungsbogen benötigt und wenigstens den Hauch einer Geschichte und eines Charakters, der wird hier nicht bedient. Dass die Psychologie des Mörders aus allen Löchern pfeift, darf einen auch nicht stören. Aber zumindest kann ich dem Film eine phasenweise vorhandene Atmosphäre bestätigen, die gerade dem Aufbau des ersten Drittels zugute kommt. Wirklich toll wird der Streifen aufgrund der vorhandenen Defizite damit freilich trotzdem nicht.  OFDb